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Diagnostische Verfahren finden

Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (SSL)

von Ulrike Petermann und Franz Petermann unter Mitarbeit von Annette Lohbeck (2014)

 

Einsatzbereich

  • Schüler:innen von 9 bis 19 Jahren
  • Einzel- und Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Die «Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten» (SSL) ist ein Fragebogen für Schüler:innen zur Selbsteinschätzung der überfachlichen Kompetenzen. Die SSL kann zur Einzelfalldiagnostik, als Befragung von ganzen Schulklassen oder zur Evaluation von Fördermassnahmen dienen.

Der Fragebogen beinhaltet Aussagen, die sich zehn Bereichen des Sozial- und Lernverhaltens zuordnen lassen und für das Lernen in der Schule bedeutsam sind. Zur Dimension «Sozialverhalten» gehören die sechs Bereiche Kooperation, Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle, Einfühlungsvermögen, angemessene Selbstbehauptung und Sozialkontakt sowie zur Dimension «Lernverhalten» die vier Bereiche Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft, Konzentration, Selbständigkeit beim Lernen und Sorgfalt beim Lernen.

Die 40 Aussagen werden auf einer vierstufigen Antwortskala von «nie» bis «oft» von dem/der Schüler:in eingeschätzt. Die Durchführung erfolgt als Paper-Pencil-Verfahren. Die Bearbeitungsdauer beträgt ungefähr 10 Minuten. Mit der SSL liegt zur «Lehrereinschätzliste für Sozial- & Lernverhalten» (LSL; Petermann & Petermann, 2013) ein äquivalentes Selbsteinschätzungsinstrument für die Schüler:innen zur Verfügung.

Theoretische Fundierung

Die Entwicklung der SSL basiert konzeptionell auf der Skalenstruktur der LSL (Petermann & Petermann, 2013). Theoretisch orientieren sich die Teilbereiche an den personenbezogenen Ressourcen (Maston & Powell, 2003) wie beispielsweise Aufmerksamkeit, Selbstregulation oder soziale Verantwortung. Die Zusammenstellung der zehn Bereiche steht in Bezug zu Studien der Pädagogischen Psychologie und der Klinischen Kinderpsychologie (z.B. Petermann & Natzke, 2008).

Objektivität

Die Objektivität des Fragebogens wird durch standardisierte Durchführungs- und Auswertungsbedingungen gewährleistet. Klare Instruktionen und Anweisungen zur Durchführung sowie Angaben zur Auswertung, unterstützt durch eine Auswertungsschablone, ermöglichen eine einheitliche Auswertung. Die vorliegenden Normtabellen und Hinweise zur Interpretation erlauben eine eindeutige und weitgehend unabhängige Interpretation der Ergebnisse.

Insgesamt trägt die präzise Einhaltung der vorgegebenen Instruktionen und Anleitungen zu einer hohen Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität bei.

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität liegen Daten zur internen Konsistenz (Cronbachs α) und für eine Teilstichprobe auch Retest-Reliablitäten (Zeitspanne: ca. 7 Wochen) vor. Die zehn Skalen weisen eine interne Konsistenz von α = .74 bis .84 auf (zwei Gesamtskalen: α = .88). Die Retest-Reliabilitäten der zehn Skalen liegen zwischen rtt = .57 bis rtt = .74.

Insgesamt weist die SSL eine ausreichende bis gute interne Konsistenz auf. Im Vergleich dazu zeigen sich bei den Retest-Reliabilitäten etwas niedrigere Werte.

Validität

Faktorenanalytische Auswertungen belegen die faktorielle Struktur mit zehn Faktoren der SSL. Die Kriteriumsvalidität konnte durch positive Zusammenhänge der Skalenwerte mit Deutsch- und Mathematiknoten bestätigt werden, die Korrelationen fallen jedoch im Vergleich mit der LSL etwas tiefer aus. Die Einschätzungen der SSL hängen zudem mit den Einschätzungen der Lehrpersonen gemessen mit der LSL zusammen. Die Bereiche weisen grösstenteils signifikant positive Zusammenhänge mit den Skalen der LSL auf. Die diskriminante Validität wurde anhand signifikanter, jedoch auch im niedrigen Bereich liegenden Korrelationen mit aggressiven Verhaltensweisen bestätigt. Schüler:innen beurteilen ihr Sozial- und Lernverhalten schlechter ein, wenn sie auch mehr aggressive Verhaltensweisen berichten. Hinsichtlich der konvergenten Validität zeigen sich signifikant positive Zusammenhänge mit prosozialem Verhalten, kritisch zu betrachten sind die eher niedrigen vereinzelt nicht signifikanten Zusammenhänge mit den Problemskalen des SDQ.

Zusammenfassend stützen die untersuchten Befunde die Validität der SSL.

Normierung

Die Normierung fand im Zeitraum zwischen September 2012 bis Juni 2013 statt und basiert auf den Daten einer umfassenden Stichprobe von 3’403 Schüler:innen verschiedener Schulformen aus vier Bundesländern. Für drei Altersstufen liegen geschlechtsspezifische Normen in Form von Prozenträngen und T-Werten vor.

Literatur

  • Masten, A. S., & Powell, L. (2003). A resilience framework for research, policy, and practice. In S.S. Luthar (Ed.), Resilience and vulnerability: Adaptation in the context of childhood adversities, (pp. 1-25). New York: Cambridge University Press.
  • Petermann, F., & Natzke, H. (2008). Aggressives Verhalten in der Schule. Ausdrucksformen, Verlaufsmuster und Möglichkeiten entwicklungsorientierter Prävention. Zeitschrift für Pädagogik, 54(4), 532-554.
  • Petermann, U., & Petermann, F. (2013). LSL: Lehrereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (2. Aufl.). Hogrefe.
  • Petermann, U., Petermann, F., & Lohbeck, A. (2014). SSL: Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten. Hogrefe.

Verfügbarkeit an der HfH


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Überprüft: 10/2026

 

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