Diagnostische Verfahren finden
LRS-Screening Laute, Reime, Sprache – Würzburger Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
von Darius Endlich, Petra Knüspert, Wolfgang Lenhard, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2019)

Einsatzbereich
- Kindergarten
- Einzeltest
- Einsatz Heil- und Sonderpädagogik
Qualitätskriterien
| Theoretische Fundierung | Objektivität | Reliabilität | Validität | |
|---|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. | Die Ergebnisse sind für die Gesamt- und Hauptskalenebene zuverlässig. | Belege zur Validität liegen vor. |
Inhalt
Mit dem LRS-Screening lassen sich im letzten Kindergartenjahr zentrale Vorläuferfertigkeiten des Schriftspracherwerbs erfassen, die für den späteren Erwerb der Lese- und Rechtschreibkompetenz von zentraler Bedeutung sind. Auf dieser Grundlage ermöglicht das Verfahren eine Prognose des Risikos für spätere Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten und unterstützt die frühzeitige Einleitung gezielter Fördermassnahmen. Das Screening kann präventiv bei möglichst vielen Kindern vor der Einschulung eingesetzt werden und eignet sich darüber hinaus insbesondere für die Einschulungsdiagnostik, die Frühförderung sowie für den Einsatz in der Forschung. Das Verfahren ist als Einzeltest konzipiert und wird entweder 10-11 Monate (T1) oder 4-5 Monate (T2) vor der Einschulung durchgeführt. Die Testdurchführung dauert zwischen 20 und 30 Minuten.
Das Screening umfasst zwei Themenbereiche mit insgesamt 14 Untertests, die den beiden Gesamtskalen «Frühe schriftsprachliche Fähigkeiten» und «Linguistische Kompetenzen» zugeordnet sind. Daraus lassen sich insgesamt sieben Skalenwerte ermitteln: Rapid Automatized Naming (Schnelles Benennen von Bildern und Würfelbildern), phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsgedächtnis, Buchstabenkenntnis, Nachsprechen von Sätzen, Wortschatz und Pluralbildung.
Theoretische Fundierung
Das LRS-Screening basiert auf empirischen Befunden, wonach die phonologische Informationsverarbeitung zu den wichtigsten Prädiktoren des späteren Schriftspracherwerbs zählt (z.B. Ennemoser, Marx Weber & Schneider, 2012; Schneider, 2017). Das Verfahren integriert hierzu alle drei zentralen Teilbereiche dieses Konstrukts: Während die phonologische Bewusstheit und das phonologische Arbeitsgedächtnis als besonders prädiktiv für die Rechtschreibkompetenz gelten, ist die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) für die Vorhersage der Leseflüssigkeit von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Verfahren wurde zudem die Buchstabenkenntnis als bedeutsamer Prädiktor in das Screening aufgenommen (Ennemoser et al., 2012). Für die Einschätzung des Risikos späterer Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sind diese Kompetenzen von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus berücksichtigt das LRS-Screening linguistische Kompetenzen wie Wortschatz, grammatikalische Fähigkeiten und das Nachsprechen von Sätzen, da diese insbesondere für die Entwicklung des Leseverständnisses und hierarchiehöherer sprachlicher Prozesse relevant sind (Ennemoser et al., 2012; Lenhard, 2013).
Objektivität
Das Testmanual des LRS-Screenings gewährleistet durch klare Anweisungen und wörtlich wiederzugebende Instruktionen die Durchführungsobjektivität. Eine hohe Auswertungsobjektivität wird dadurch erreicht, dass korrekte Lösungen (mehrheitlich Richtig-Falsch-Klassifikationen) direkt ausgewiesen werden. Die Interpretationsobjektivität ist durch die Bereitstellung von Normtabellen zur Einordnung der Ergebnisse gegeben. Sofern die testleitende Person die Anweisungen und Hinweise im Manual einhält, weist das LRS-Screening eine hohe Objektivität auf.
Reliabilität
Die Zuverlässigkeit des LRS-Screenings wurde anhand der internen Konsistenz (angegeben als Omega) sowie der Retestreliabilität über ein Intervall von sechs Monaten bestimmt. Die interne Konsistenz weist für den ersten Testzeitpunkt (T1) ein Gesamttestwert von Omega = .96, Omega = .92 bis .94 für die beiden Hauptskalen und Omega = .74 bis .92 für die Subskalen auf. Zum zweiten Testzeitpunkt zeigt sich ein ähnliches Bild: Omega (Gesamttestwert) = .96, Omega (Hauptskalen) = .90 bis .95 und Omega (Subskalen) = .74 bis .93.
Hinsichtlich der Retestreliabilität erreicht das Verfahren für den Gesamtwert (rtt = .85) sowie für die Skala «Frühe schriftsprachliche Fähigkeiten» (rtt = .84) eine hohe Messgenauigkeit. Die Skala «Linguistische Kompetenzen» liegt mit rtt = .78 im ausreichenden Bereich. Bei den einzelnen Subtests zeigen sich jedoch teilweise ungenügende Werte, wie beispielsweise bei der Pluralbildung mit rtt = .58. Im Manual wird dies auf die rasanten und individuell unterschiedlichen Entwicklungsverläufe im letzten Kindergartenjahr sowie auf das mit sechs Monaten sehr lange Zeitintervall zurückgeführt, welches Veränderungen im gemessenen Merkmal begünstigt. Zusammenfassend weist das LRS-Screening auf Gesamt- und Hauptskalenebene eine gute Reliabilität auf.
Validität
Die Konstruktvalidität des LRS-Screenings wurde faktoranalytisch überprüft. Die Autor:innen konnten eine Vier-Faktoren-Struktur, bestehend aus der phonologischen Bewusstheit/Buchstabenkenntnis, den linguistischen Kompetenzen, dem Arbeitsgedächtnis sowie dem schnellen Faktenabruf, ermitteln. Da sich die Zuordnung einzelner Aufgaben (wie der Reimaufgabe) zwischen den Messzeitpunkten T1 und T2 verschiebt, weisen die Autor:innen darauf hin, dass sich die Faktorenstruktur im Verlauf der Kindergartenzeit dynamisch verändern kann.
Hinsichtlich der Kriteriumsvalidität zeigen sich mittlere Zusammenhänge (r = .45 bis .51) mit den Einschätzungen der Erzieher:innen. Besonders hervorzuheben ist die prognostische Validität: Das Screening identifiziert zuverlässig Schüler:innen, die später in der Schule, z.B. im ELFE-II, mit tiefen Werten abschneiden. Insgesamt erweist sich das LRS-Screening damit als ein valides Instrument zur Vorhersage schulischer Lese- und Rechtschreibleistungen.
Normierung
Die Normierung des LRS-Screenings basiert auf einer Stichprobe von 330 Kindern aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, die im Zeitraum von Oktober 2015 bis Juni 2016 erhoben wurde. Es liegen Prozentrangnormen und T-Äquivalenzwerte für zwei spezifische Zeitpunkte vor: 10 bis 11 Monate sowie 4 bis 5 Monate vor der Einschulung. Das Verfahren ermöglicht für jede Haupt- und Subskala sowie für den Gesamttestwert eine diagnostische Einordnung in Kategorien wie «Förderbedarf» oder «starker Förderbedarf».
Literatur
- Endlich, D., Küspert, P., Lenhard, W., Marx, P. & Schneider, W. (2019). LRS-Screening. Laute, Reime, Sprache – Würzburger Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Göttingen: Hogrefe.
- Ennemoser, M., Marx, P., Weber, J. & Schneider, W. (2012). Spezifische Vorläuferfertigkeiten der Lesegeschwindigkeit, des Leseverständnisses und des Rechtschreibens. Evidenz aus zwei Längsschnittstudien vom Kindergarten bis zur 4. Klasse. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 44, 53-67. https://doi.org/10.1026/0049-8637/a000057
- Lenhard, W. (2013). Leseverständnis und Lesekompetenz: Grundlagen – Diagnostik – Förderung. Stuttgart: Kohlhammer.
- Schneider, W. (2017). Lesen und Schreiben lernen – Wie erobern Kinder die Schriftsprache? Berlin: Springer.
Verfügbarkeit an der HfH
- In der Testothek verfügbar
- Im Didaktischen Zentrum (DiZ) verfügbar
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Überprüft: 09/2026