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Diagnostische Verfahren finden

Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen in der 5. und 6. Klassenstufe (FEESS 5-6)

von Wulf Rauer und Karl Dieter Schuck (2021)

 

Einsatzbereich

  • 5. und 6. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der FEESS 5-6 stellt ein Instrument zur Diagnostik und Evaluation von psychologisch und pädagogisch relevanten Sichtweisen, Einschätzungen und Einstellungen von Schüler:innen der Klassenstufen 5 und 6 dar. Konkret erfasst der Fragebogen die subjektiv erlebte soziale, emotionale und leistungs-motivationale Integration sowie das wahrgenommene Schul- und Lernklima und Gefühl des Angenommenseins durch die Lehrperson. Der Fragebogen umfasst zwei Teilfragebögen (SIKS und SALGA) mit insgesamt sieben Skalen: Der SIKS besteht aus den drei Skalen «Soziale Integration», «Klassenklima» und «Selbstkonzept der Schulfähigkeit»; der SALGA besteht aus den vier Skalen «Schuleinstellung», «Anstrengungsbereitschaft», «Lernfreude» und «Gefühl des Angenommenseins».

Der Fragebogen kann sowohl als Gruppenverfahren mit ganzen Schulklassen als auch mit einzelnen Kindern im Rahmen der Individualdiagnostik eingesetzt werden. Er wird als Paper-Pencil-Verfahren durchgeführt. Die Bearbeitungsdauer beträgt ungefähr 20 Minuten pro Teilfragebogen. Beim Einsatz im Sonderschulbereich kann die Durchführungszeit erhöht sein. Die insgesamt 90 (SIKS: 37, SALGA: 53) Feststellungen werden von den Schüler:innen auf einer vierstufigen Antwortskala («stimmt gar nicht» bis «stimmt genau») beurteilt.

Der FEESS 5-6 stellt eine Weiterentwicklung der beiden Fragebögen für die 1. und 2. Klasse (FEESS 1-2; Rauer & Schuck, 2004) und 3. und 4. Klasse (FEESS 3-4; Rauer & Schuck, 2003) dar. Da der FEESS für unterschiedliche Klassenstufen entwickelt wurde, kann er über mehrere Schuljahre hinweg zur Entwicklung und Evaluation umfassender, individueller und klassenbezogener Förderkonzepte eingesetzt werden.

Theoretische Fundierung

Der Entwicklungsprozess und die Konstruktion der sieben Skalen wird im Manual nachvollziehbar und verständlich beschrieben. Da der FEESS auf verschiedenen theoretischen Ansätzen und Konzepten basiert, wurde für die Bezeichnung des Fragebogens der übergeordnete Begriff «soziale und emotionale Schulerfahrungen» gewählt. Die Auswahl der im FEESS erfassten psychologischen Konstrukte erfolgte einerseits in Bezug auf ihre theoretische Bedeutsamkeit, andererseits auch im Hinblick auf die praktische Relevanz im Umfeld der integrativen Beschulung und der emotionalen, sozialen und leistungsmotivationalen Bewertung der Lernsituation. Die Bezugspunkte bei der Konstruktion des Fragebogens orientierten sich an den allgemeinen pädagogischen Zielen der Grundschullehrpläne sowie an psychologisch-pädagogischen Theorien.

Ein theoretischer Bezugspunkt im FEESS ist die Theorie der Selbstwirksamkeit nach Bandura (1977), welche davon ausgeht, dass die Ausführung einer Handlung stattfindet, wenn sich die Person den Anforderungen gewachsen fühlt (Kompetenzerwartung) und eine positive Ergebniserwartung vorliegt. Beispielsweise ist in der Skala «Selbstkonzept der Schulfähigkeit», welche sich auf die Kompetenzerwartung bei schulischen Anforderungen bezieht, die Selbstwirksamkeitstheorie repräsentiert. Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1985) als Motivationstheorie erklärt, dass Motivation und Anstrengungsbereitschaft einer Person höher sind, wenn sie sich selbstbestimmt, kompetent und sozial eingebunden fühlt. Die beiden grundlegenden Theorien nimmt der FEESS auf und erfasst situationsübergreifende sowie zeitlich relativ überdauernde Sichtweisen und Einstellungen der Kinder.

Die Schulklimaforschung nimmt ebenfalls an, dass eher zeitlich überdauernde Einstellungen und weniger gegenwärtige Zustände eine Rolle spielen. Im FEESS basieren die Dimensionen des Klassenklimas und der sozialen Integration auf der Schulqualitätsforschung (Fend, 1998). Dem Fragebogen liegen auch Erkenntnisse der Integrationsforschung zugrunde, insofern, dass u.a. das emotionale Wohlbefinden der einzelnen Schüler:innen, insbesondere für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, erfasst wird.

Objektivität

Für die standardisierte Durchführung sind präzise Anweisungen vorgegeben. Die Feststellungen werden von den Kindern auf einer vierstufigen Antwortskala beantwortet. Die Auswertungsobjektivität ist aufgrund der verfügbaren Auswertungsschablonen gewährleistet. Die individuellen Rohwerte können anhand der bereitgestellten Normwerte (Prozentrang, T-Wert) eindeutig interpretiert und eingeordnet werden. Im Unterschied zum FEESS 1-2 und FEESS 3-4 sind für den FEESS 5-6 keine klassenbezogenen Normwerte, sondern ausschliesslich Normtabellen auf Basis von Individualdaten verfügbar.

Insgesamt trägt die präzise Einhaltung der vorgegebenen Instruktionen und Anleitungen zu einer hohen Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität bei.

Reliabilität

Die internen Konsistenzen der Eichstichprobe liegen je nach Skala zwischen α = .81 und α = .94 und sind als gut bis sehr gut einzustufen. Zurzeit liegen für den FEESS 5-6 noch keine Daten zur Retest-Reliabilität vor. Auf Basis der Retest-Reliabilitätskoeffizienten des FEESS 3-4 (Rauer & Schuck, 2003) wird davon ausgegangen, dass auch der FEESS 5-6 über eine gute Retest-Reliabilität verfügt.

Validität

Die Inhaltsvalidität kann aufgrund der Ableitung aus den Zielen der Lehrpläne sowie auf Basis theoretischer Bezugskonzepte und relevanter Instrumente als gegeben betrachtet werden. Die Interkorrelationen innerhalb gleicher Konstruktbereiche fallen deutlich höher aus als die Interkorrelationen zwischen unterschiedlichen Konstruktbereichen. Faktorenanalytisch konnte die theoretisch erarbeitete Struktur mit den drei übergeordneten Dimensionen reproduziert werden, welche rund 82 % der Varianz aufklären: Schul- und Lernklima, Sozialklima und Fähigkeitsselbstkonzept. Auf diese Weise konnte aufgezeigt werden, dass sich die konzeptionelle Struktur mit drei inhaltlichen Dimensionen über alle drei Versionen des FEESS und damit über alle sechs Klassenstufen (1.-6. Klasse) bestätigen lassen. In Bezug auf die differentielle Validität liegen einzelne Zusammenhänge (mit biografischen Merkmalen, pädagogischen und sonderpädagogischen Klassifizierungen) entsprechend der theoretischen Erwartung vor. Weiter konnte die Gültigkeit der Skalen mittels signifikanter Korrelationen mit Fragebögen für Schüler:innen sowie für Eltern nachgewiesen werden und zudem liegen Befunde zur Kriteriumsvalidität (Zusammenhänge mit Einschätzung der überfachlichen Kompetenzen, Leistungswerten) vor. Insgesamt liegen umfangreiche Belege für die Validität des Fragebogens vor.

Normierung

An der Normierung des FEESS 5-6 nahmen je nach Skala 806 bis 886 Schüler:innen der 5. Klasse und 832 bis 856 Schüler:innen der 6. Klasse teil. Die Schüler:innen stammten aus insgesamt zwölf Schulen in Hamburg. Im Unterschied zum FEESS 1-2 und FEESS 3-4 konnten keine Klassennormen berechnet werden. Entsprechend liegen Individualnormen für die beiden Schulstufen vor. Für die Interpretation der Ergebnisse stehen sowohl Prozentrangwerte als auch T-Werte zur Verfügung.

Literatur

  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84, 191-215.
  • Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. Plenum Press.
  • Fend, H. (1998). Qualität im Bildungswesen: Schulforschung zu Systembedingungen, Schulprofilen und Lehrerleistung. Juventa.
  • Rauer, W. & Schuck, K. D. (2003). FEESS 3–4. Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern dritter und vierter Klassen. Beltz.
  • Rauer, W., & Schuck, K. D. (2004). FEESS 1-2. Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern erster und zweiter Klassen. Beltz.
  • Rauer, W., & Schuck, K. D. (2021). FEESS 5-6: Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen in der fünften und sechsten Klassenstufe. Hogrefe.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 10/2026

 

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