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Lehrereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (LSL)

von Ulrike Petermann und Franz Petermann (2013)

 

Einsatzbereich

  • Schüler:innen von 6 bis 19 Jahren
  • Einzel- und Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Die «Lehrereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten» (LSL) ist ein Screening zur Erfassung der sozial-emotionalen Kompetenzen sowie des Lernverhaltens von Schüler:innen. Der standardisierte Verhaltensbeurteilungsbogen wird von Lehrpersonen ausgefüllt.

Der Fragebogen beinhaltet Aussagen, die sich zehn Bereichen des Sozial- und Lernverhaltens zuordnen lassen und für das Lernen in der Schule bedeutsam sind. Zur Dimension «Sozialverhalten» gehören die sechs Teilbereiche Kooperation, Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle, Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft, angemessene Selbstbehauptung und Sozialkontakt sowie zur Dimension «Lernverhalten» die vier Teilbereiche Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer, Konzentration, Selbständigkeit beim Lernen und Sorgfalt beim Lernen.

Das Screening kann für einzelne Schüler:innen oder auf Klassenebene als Paper-Pencil-Verfahren eingesetzt werden. Insgesamt besteht die LSL aus 50 Aussagen, die von der Lehrperson auf eine vierstufigen Antwortskala von «Verhalten tritt nie auf» bis «Verhalten tritt häufig auf» beantwortet werden. Die Bearbeitungsdauer beträgt nur ca. fünf Minuten.

Zur LSL liegt mit der «Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten» (SSL; Petermann & Petermann, 2014) eine Version für Schüler:innen vor. Zudem wurde die LSL auch für den Kindergartenbereich adaptiert und überprüft (Petermann et al., 2008).

Theoretische Fundierung

Der Fragebogen basiert auf einer über zehn Jahre andauernden Entwicklung und Erprobung durch die Arbeitsgruppe der Kinderheimat Kleingartach. Ziel dieser Arbeit war es, die Erstellung sonderpädagogischer Gutachten zu verbessern und die Förderplanung zu optimieren. Die erste Version des Fragebogens war der «Verhaltensbeurteilungsbogen Schule für Lehrer» (VBS-L; Projektgruppe Kleingartach, 1996). Dieser umfasste die drei Dimensionen «Sozialverhalten», «Lernverhalten» und «Leistungsverhalten». Der differenzierte Fragebogen stiess bei den Lehrpersonen auf hohe Akzeptanz und wurde über mehrere Jahre hinweg eingesetzt.

Aufgrund des vergleichsweise hohen Bearbeitungsaufwands pro Schüler:in wurde in der Folge mit der LSL eine Kurzversion des VBS entwickelt. Diese beschränkte sich auf die beiden Dimensionen «Sozialverhalten» und «Lernverhalten». Die LSL orientiert sich bei den Teilbereichen an den personenbezogenen Ressourcen nach Maston und Powell (2003).

Objektivität

Die Objektivität des Fragebogens wird durch standardisierte Durchführungs- und Auswertungsbedingungen gewährleistet. Klare Instruktionen und Anweisungen zur Durchführung sowie Angaben zur Auswertung erlauben eine einheitliche Auswertung. Die vorliegenden Normtabellen und Hinweise zur Interpretation ermöglichen eine eindeutige und weitgehend unabhängige Interpretation der Ergebnisse.

Insgesamt trägt die präzise Einhaltung der vorgegebenen Instruktionen und Anleitungen zu einer hohen Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität bei.

Reliabilität

Die Reliabilitätskennwerte (Cronbachs α) liegen für die zehn Skalen zwischen α = .82 und α = .95. Die LSL weist damit hohe bis sehr hohe interne Konsistenzen auf. Angaben zur Retest- oder Split-Half-Reliabilität liegen gemäss unseren Recherchen keine vor.

Validität

Die Zwei-Faktorenlösung mit den zehn Skalen konnte durch eine Faktorenanalyse bestätigt werden. Die LSL-Ergebnisse wurden hinsichtlich ihres Zusammenhangs mit schulischen Leistungen untersucht. Hierzu wurden die Ergebnisse mit den Deutsch- und Mathematiknoten sowie dem Notendurchschnitt des letzten Zeugnisses korreliert. Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen den erfassten Dimensionen des Sozial- und Lernverhaltens und den schulischen Leistungen. Weitere Untersuchungen konnten anhand Korrelationen mit konzeptnahen (Prosoziales Verhalten) und konzeptfernen (Verhaltensauffälligkeiten) Merkmalen die Konstruktvalidität der LSL nachweisen.

Insgesamt zeigen die Befunde darauf auf, dass die LSL ein valides Testverfahren darstellt.

Normierung

Die Normdaten wurden im Zeitraum zwischen 1997 bis 2006 erhoben und basieren auf einer Stichprobe von 1’480 Schüler:innen aus verschiedenen Schulformen (auch Sonderschulen) in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Für die Auswertung stehen alters- und geschlechtsspezifische Normwerte in Form von Prozenträngen und T-Werten zur Verfügung.

Literatur

  • Masten, A. S., & Powell, L. (2003). A resilience framework for research, policy, and practice. In S.S. Luthar (Ed.), Resilience and vulnerability: Adaptation in the context of childhood adversities, (pp. 1-25). New York: Cambridge University Press.
  • Petermann, F., Petermann, U., & Krummrich, M. Z. (2008). Erfassung des Sozial- und Lernverhaltens vor dem Schuleintritt. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 55(2), 114-122.
  • Petermann, U., & Petermann, F. (2013). LSL: Lehrereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (2. Aufl.). Hogrefe.
  • Petermann, U., Petermann, F., & Lohbeck, A. (2014). SSL: Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten. Hogrefe.
  • Projektgruppe Kleingartach (1996). Verhaltensbeurteilungsbogen Schule (VBS-L). Kleingartach: unveröffentlichtes Papier.

Verfügbarkeit an der HfH


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Überprüft: 10/2026

 

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