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Perceptions of Inclusion Questionnaire (PIQ)

von Martin Venetz, Carmen Zurbriggen, Michael Eckhart, Susanne Schwab & Marco G.P. Hessels (2015)

 

 

Einsatzbereich

  • 3. bis 9. Klasse
  • Einzel- und Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung und Auswertung sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Normen sind gemäss unseren Recherchen für die deutschsprachige Version gegenwärtig keine verfügbar. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der «Perceptions of Inclusion Questionnaire» (PIQ) ist ein ökonomischer Fragebogen zur Erfassung von drei zentralen Dimensionen der subjektiv wahrgenommenen schulischen Inklusion: dem emotionalen Wohlbefinden in der Schule, der sozialen Inklusion in der Klasse sowie dem akademischen Selbstkonzept. Nebst der Selbsteinschätzung für Schüler:innen (PIQ-S) kann auch eine Fremdeinschätzung vorgenommen werden. Ergänzend zur Schüler:innenversion sind zwei weitere Versionen für Eltern/Erziehungsberechtigte (PIQ-E) sowie für Lehrpersonen (PIQ-L) verfügbar. Als Screeninginstrument dient der PIQ beispielsweise zur Früherkennung, Evaluation von Interventionen oder zu Forschungszwecken.

Der Fragebogen besteht aus 12 Items, welche auf einer vierstufigen Likert-Skala von «stimmt gar nicht» bis «stimmt genau» beurteilt werden. Die Bearbeitungsdauer beträgt nur wenige Minuten. Der PIQ liegt zurzeit in 26 verschiedenen Sprachen vor. Die verschiedenen Versionen werden auf der Webseite als PDF-Datei öffentlich und kostenlos bereitgestellt. Für die Auswertung ist ein Auswertungstool in Form einer Excel-Datei verfügbar. Das Auswertungstool ermöglicht eine einfache Datenauswertung und zudem eine übersichtliche Darstellung über die gesamte Klasse.

Der PIQ wurde für die Schuleingangsstufe (PIQ-EARLY; Grüter et al., 2023) als Einzel-, Kleingruppen- und Schulklassenverfahren adaptiert. Zudem ist eine Weiterentwicklung in Form einer mündlichen Einzeltestform für die Kindergartenstufe (PIQ-K; Schurig et al., 2022) vorhanden.

Der PIQ wurde in zahlreichen Studien in verschiedenen sprachlichen Versionen und für unterschiedliche Altersstufen untersucht. Die vorliegenden Angaben beziehen sich auf die deutschsprachige Version des PIQ.

Theoretische Fundierung

Der PIQ basiert auf dem «Fragebogen zur Erfassung der Dimensionen der Integration von Schülern – FDI 4-6» von Haeberlin et al. (1989). Der FDI entstand auf Basis mehrerer Forschungsstudien zur schulischen Integration einer Fribourger Forschungsgruppe und die theoretische Herleitung (u.a. Reference Group Theory; Kelley, 1968) führte zu den drei Dimensionen «emotionale Integration», «soziale Integration» und «leistungsmotivationale Integration» (Zurbriggen, 2021).

Im Rahmen der Entwicklung einer Kurzversion des FDI 4-6 entstand der KFDI, welcher weitestgehend dem deutschsprachigen PIQ entspricht. Die Entwicklung und Validierung der Kurzversion KFDI wird bei Venetz et al. (2014) umfassend beschrieben. Die Itemformulierung wurde so gewählt, dass der Fragebogen für Schüler:innen ab der 3. Klasse sowie mit unterschiedlichen sprachlichen Kompetenzen einsetzbar ist.

Objektivität

Die Instruktionen zur Durchführung sind schriftlich vorgegeben und ermöglichen eine standardisierte Durchführung. Die Auswertung erfolgt anhand einer genauen Anleitung und mit Hilfe eines Auswertungstools. Zur Interpretation der Skalenwerte liegen gemäss unseren Recherchen gegenwärtig keine Informationen vor.

Die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind gewährleistet, die Interpretationsobjektivität scheint aufgrund fehlender Normen nicht vollständig gegeben zu sein.

Reliabilität

Die drei Skalen weisen gute bis sehr gute interne Konsistenzen auf: α = .90 (McDonald’s ω = .94) für emotionales Wohlbefinden, α = .83 (ω = .90) für soziale Inklusion und α = .79 (ω = .85) für akademisches Selbstkonzept (Zurbriggen et al., 2017). Informationen zur Messgenauigkeit über die Zeit liegen für die deutschsprachige Version gemäss unserer Recherche noch keine vor, deuten jedoch bei weiteren Untersuchungen mit anderen Sprachversionen auf eine ausreichende Reliabilität hin (Retestreliabilität rtt > .73; Guillemot & Hessels, 2021).

Validität

Die dreifaktorielle Struktur konnte durch Faktorenanalysen in mehreren Untersuchungen bestätigt werden. Verschiedene Untersuchungen bestätigen zudem erwartungskonforme Zusammenhänge hinsichtlich der Konstruktvalidität und Inhaltsvalidität (z.B. Venetz et al., 2014, Zurbriggen et al., 2017, Knickenberg et al., 2022).

Normierung

Normen sind gemäss unseren Recherchen für die deutschsprachige Version gegenwärtig keine verfügbar.

Literatur

  • Grüter S., Goldan J., & Zurbriggen C. L. A. (2023). Examining early learners’ perceptions of inclusion: adaptation of the student version of the perceptions of inclusion questionnaire for first- and second-grade students (PIQ-EARLY). Frontiers in Psychology, 14,1181546. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1181546
  • Guillemot, F. & Hessels, M. G. P. (2021). Validation of the student version of the Perceptions of Inclusion Questionnaire on a sample of French students. European Journal of Special Needs Education, 37(5), 850–865. https://doi.org/10.1080/08856257.2021.1961195
  • Haeberlin, U., Moser, U., Bless, G. & Klaghofer, R. (1989). Integration in die Schulklasse. Fragebogen zur Erfassung von Dimensionen der Integration von Schülern FDI 4-6. Haupt.
  • Kelley, H. H. (1968). Two functions of reference groups. In H. H. Hyman & E. Singer (Eds.), Readings in reference group theory and research (pp. 77–83). Free Press.
  • Knickenberg, M., Zurbriggen, C. L. A., & Schwab, S. (2022). Validation of the student version of the Perceptions of Inclusion Questionnaire in primary and secondary education settings. SAGE Open, 12(1). https://doi.org/10.1177/21582440221079896
  • Schurig, M., Kunz, A., Gebhardt, M., Paccaud, A. & Luder, R. (2022). PIQ-K – Perceptions of Inclusion Questionnaire in Kindergarten. Deutsche Version. www.piqinfo.ch
  • Venetz, M., Zurbriggen, C. & Eckhart, M. (2014). Entwicklung und erste Validierung einer Kurzversion des „Fragebogens zur Erfassung von Dimensionen der Integration von Schülern (FDI 4-6)“ von Haeberlin, Moser, Bless und Klaghofer. Empirische Sonderpädagogik, 2, 99-113.
  • Venetz, M., Zurbriggen, C. L. A., Eckhart, M., Schwab, S., & Hessels, M. G. P. (2015). The Perceptions of Inclusion Questionnaire (PIQ). Deutsche Version. www.piqinfo.ch
  • Zurbriggen, C. L. A., Venetz, M., Schwab, S., & Hessels, M. G. P. (2017). A psychometric analysis of the student version of the perceptions of inclusion questionnaire (PIQ). European Journal of Psychological Assessment, 35, 641–649. https://doi.org/10.1027/1015-5759/a000443
  • Zurbriggen, C. (2021). Was und wie gut misst der Perceptions of Inclusion Questionnaire? Qualität, Spezifität und (Weiter‑)Entwicklung. In P. Klaver (Hrsg.), Heilpädagogische Forschung: Bildung für Alle. Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. https://digital.hfh.ch/forschungsbericht-2021/chapter/4-was-und-wie-gut-misst-der-perceptions-of-inclusion-questionnaire/

Verfügbarkeit an der HfH

  • Der Fragebogen ist online (open access) als PDF verfügbar: https://piqinfo.ch/

Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 10/2026

 

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