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Diagnostische Verfahren finden

Deutscher Rechtschreibtest für fünfte und sechste Klassen (DERET 5-6+)

von Rebekka Martinez Méndez, Michael Schneider und Marcus Hasselhorn (2015)

 

Einsatzbereich

  • Mitte 5. Klasse bis Mitte 7. Klasse
  • Einzel- und Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind für die Subskalen heterogen. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der DERET 5-6+ dient der systematischen Erfassung der Rechtschreibleistungen sowie der dabei relevanten orthografischen Fähigkeiten von Schüler:innen der fünften bis siebten Klasse. Dabei ermöglicht das Verfahren eine differenzierte Einschätzung individueller Stärken und Schwächen und kann als Grundlage für gezielte Fördermassnahmen sowie Schullaufbahnempfehlungen herangezogen werden. Die Durchführung im Paper-Pencil-Format dauert je nach Leistungsniveau etwa 25 bis 45 Minuten.

Das Verfahren liegt in den beiden Parallelformen A und B vor und umfasst jeweils drei Untertests: ein Fliesstextdiktat, ein Diktat einzelner Sätze sowie ein Lückentextdiktat. Die Auswertung erfolgt auf drei Ebenen. Zunächst werden die allgemeine Rechtschreibleistung anhand der Anzahl korrekt geschriebener Wörter sowie grundlegende orthografische Kompetenzen, beispielsweise die Gross- und Kleinschreibung, erfasst. Anschliessend werden spezifische, curricular verankerte Rechtschreibkompetenzen wie Dehnung und Schärfung untersucht. Auf der dritten Ebene wird daraus ein differenziertes Entwicklungsprofil abgeleitet, das eine Einschätzung des individuellen Schriftsprachentwicklungsstands ermöglicht. Während die erste Auswertung manuell erfolgt und etwa 5 bis 35 Minuten beansprucht, steht für die weiterführenden Analysen eine Auswertungssoftware zur Verfügung.

Theoretische Fundierung

Der DERET 5-6+ orientiert sich bei der Auswahl der Testinhalte an den bundesweit geltenden Bildungsstandards, den zum Zeitpunkt der Entwicklung gültigen Lehrplänen sowie Schulbüchern. Berücksichtigt wurden insbesondere orthografische Anforderungen, die klassen- und schulformübergreifend für die Klassenstufen 5 bis 7 relevant sind. Das verwendete Wortmaterial wurde anhand einer Voruntersuchung mit 108 Wörtern sowie einer anschliessenden Item- und Reliabilitätsanalyse ausgewählt.

Für die diagnostische Einordnung berücksichtigt der DERET 5-6+ neben der Analyse spezifischer Rechtschreibfehler auch das Entwicklungsniveau des Schriftspracherwerbs. Grundlage hierfür bildet das Entwicklungsstufenmodell von Reuter-Liehr (1993, 2008), das den Erwerb der deutschen Orthografie als aufeinander aufbauenden Prozess verschiedener Strategien versteht. Dabei entwickeln sich zunächst lautbezogene phonemische Kompetenzen, auf denen zunehmend orthografisch-morphematische Regel- und Speicherkompetenzen aufbauen. Der DERET 5-6+ bildet diese Entwicklung in einem fünffach gestuften Modell ab, das von grundlegenden und fortgeschrittenen phonemanalytischen Kompetenzen über die sichere Silbengliederung bis hin zur Regel- und Speicherkompetenz reicht. Dadurch kann neben einzelnen Fehlerarten auch das individuelle Entwicklungsniveau der Rechtschreibkompetenz differenziert eingeschätzt werden.

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität des DERET 5-6+ ist gewährleistet, sofern das Verfahren streng standardisiert durchgeführt wird und die vorgegebenen Instruktionen berücksichtigt und eingehalten werden. Bezüglich der Auswertungsobjektivität weisen die Autor:innen darauf hin, dass aufgrund der enormen Fülle möglicher Rechtschreibfehler pro Wort und der individuellen Handschriften keine absolute Objektivität garantiert werden kann. Um dennoch eine hinreichende Zuverlässigkeit zu sichern, liegen dem Verfahren ausführliche Auswertungsregeln für alle drei Analyseebenen bei. Die Interpretationsobjektivität wird durch die Verfügbarkeit standardisierter Normtabellen für jede Schulstufe abgesichert. Insgesamt kann das Verfahren bei genauer Einhaltung der Richtlinien als hinreichend objektiv eingestuft werden.

Reliabilität

Die Zuverlässigkeit des DERET 5-6+ wurde differenziert für die drei Analysebereiche untersucht, wobei die Messgenauigkeiten je nach Subskala stark schwanken und einzelne Subskalen tiefe Werte aufweisen:

  • Orthografische Basiskompetenzen: Dieser Bereich weist eine vorwiegend ausreichende bis hohe Messgenauigkeit auf. Die interne Konsistenz (Cronbachs α) liegt bei α = .70 bis .97, die Paralleltestreliabilität bei rtt = .69 bis .96 und die Retestreliabilität (Intervall ca. 2-4 Wochen, erhoben in der 6. Klasse) bewegt sich zwischen rtt = .66 und .95.
  • Checkliste curricular verankerter Leistungsstandards: In diesem Bereich fällt die Reliabilität deutlich ab und liegt teilweise im ungenügenden Bereich. Die interne Konsistenz erreicht Werte von α = .43 bis .85, die Paralleltestreliabilität sinkt auf rtt = .23 bis .86 und die Retestreliabilität (Intervall ca. 2-4 Wochen, erhoben in der 6. Klasse) liegt bei rtt = .23 bis .82.
  • Hierarchisch-differenzielles Entwicklungsprofil: Auch diese Skalen erweisen sich als weitgehend solide mit einer internen Konsistenz von α = .81 bis .95, einer Paralleltestreliabilität von rtt = .45 bis .90 und einer Retestreliabilität (Intervall ca. 2-4 Wochen, erhoben in der 6. Klasse) von rtt = .61 bis .91.

Aufgrund der teilweise deutlichen Schwankungen und der niedrigen Werte einzelner Subskalen, insbesondere im Bereich der curricularen Leistungsstandards, zeigen sich auf Subtestebene deutliche Unterschiede in der Reliabilität des Verfahrens.

Validität

Die Inhaltsvalidität des DERET 5-6+ ist für die orthografischen Basiskompetenzen und die Leistungsstandards gegeben, da die Testkonstruktion direkt an den Lehrplänen und Schulbüchern orientiert ist und die Items einen repräsentativen Ausschnitt der geforderten Rechtschreibkenntnisse abbilden. Die Konstruktvalidität des hierarchisch-differenziellen Entwicklungsprofils (unter Ausklammerung der Silbengliederung) wurde empirisch durch eine Prüfung der Modellkonformität abgesichert. Hierbei wurde für jede der verbleibenden vier Entwicklungsstufen ein strenges Kriterium von mindestens 90% korrekt gelöster Stellen festgelegt. Die Überprüfung an der Normierungsstichprobe belegt eine gute Modellgüte: Von insgesamt 4’462 Schüler:innen zeigten 97.9% (4’368 Schüler:innen) ein modellkonformes Leistungsprofil. Lediglich 2.1% (94 Lernende) wiesen ein erwartungswidriges Muster auf (d.h. das Lösen einer höheren Stufe ohne Beherrschung der darunterliegenden). Damit kann die Validität des Verfahrens insgesamt als hoch bewertet werden.

Normierung

Die Normierung des DERET 5-6+ erfolgte auf Grundlage einer umfangreichen Stichprobe von insgesamt 12’552 Schüler:innen aus fünf deutschen Bundesländern. Die Erhebungen wurden im Winter 2009/2010 sowie im Sommer 2010 durchgeführt. Je nach Klassenstufe, Erhebungszeitpunkt und Testform umfasste die Stichprobe zwischen 1’100 und 1’400 Lernende unterschiedlicher Schulformen. Für die Interpretation der Ergebnisse stehen abhängig von der jeweiligen Analyseebene T-Werte, Prozentränge oder T-Wert-Bereiche zur Verfügung. Für die Klassenstufen 5 und 6 liegen Normen für die letzten drei Monate vor dem jeweiligen Halbjahres- beziehungsweise Schuljahresende vor; für die 7. Klasse beziehen sich die Normen auf die letzten drei Monate des ersten Halbjahres.

Literatur

  • Martinez Méndez, R., Schneider, M. & Hasselhorn, M. (2015). Deutscher Rechtschreibtest für fünfte und sechste Klassen (DERET 5-6+). Göttingen: Hogrefe.
  • Reuter-Liehr, C. (1993). Behandlung der Lese-Rechtschreibschwäche nach der Grundschulzeit: Anwendung und Überprüfung eines Konzeptes. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 21(3), 135-147.
  • Reuter-Liehr, C. (2008). Lautgetreue Lese-Rechtschreibförderung (3., vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl.). Bochum: Winkler.

Verfügbarkeit an der HfH

  • Nicht verfügbar

Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 09/2026

 

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