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Diagnostische Verfahren finden

Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für zweite und dritte Klassen (WRT 2+)

von Peter Birkel und Daniel Berwanger (2024)

 

Einsatzbereich

  • 2. bis 3. Klasse
  • Einzel- und Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der WRT 2+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren, das die Rechtschreibfähigkeit von Kindern am Ende der zweiten und während der dritten Klassenstufe misst. Grundlage des Tests ist ein sorgfältig ausgewählter Grundwortschatz, der für das Ende der zweiten Klasse als angemessen gilt. Der WRT 2+ kann im Regel- und Sonderschulsetting, als Teil der Lernfortschrittsdiagnostik, bei der Förderentscheidung sowie in der Forschung eingesetzt werden.

Das Testformat besteht aus Lückentextdiktaten, in denen die Zielwörter in motivierende, voneinander unabhängige Geschichten eingebettet sind. Der WRT 2+ umfasst zwei parallele Langformen mit jeweils 43 Items für eine vertiefte Diagnose. Seit der aktualisierten dritten Auflage stehen auch zwei neu entwickelte parallele Kurzformen mit 16 Items für eine ökonomische Übersicht zur Verfügung. Die Bearbeitungszeit variiert zwischen etwa 30 Minuten (Kurzform) und maximal 45 Minuten (Langform). Der Test kann im Gruppen- und Einzelsetting eingesetzt werden und wird als Paper-and-Pencil-Test durchgeführt. Die Auswertung erfolgt sowohl quantitativ über die Anzahl korrekter Wörter und Graphemtreffer als auch qualitativ durch eine detaillierte Fehleranalyse, die als Basis für die individuelle Förderplanung dient.

Theoretische Fundierung

Die theoretische Basis des WRT 2+ bildet das Konzept eines didaktischen Rechtschreibgrundwortschatzes, der als zentrale Voraussetzung für einen systematischen Rechtschreibunterricht im Klassenunterricht gilt. Nach Schwarz (1983) und Rückemann (1991) sollten Wörter eines Rechtschreibgrundwortschatzes nach ihrer Häufigkeit im Sprachgebrauch, ihrer Bedeutung für die Lebenswelt der Kinder sowie ihrem didaktischen Potenzial ausgewählt werden. Sie sollen die Entdeckung von Rechtschreibphänomenen und den Aufbau von Regeln unterstützen sowie vielfältige Anknüpfungspunkte für den Unterricht und den Transfer auf weitere Wörter bieten.

Um eine hohe Aktualität des Wortschatzes zu gewährleisten, wurden für die Erstellung des WRT 2+ bundesweite Wortschatzlisten verglichen. Während die erste Fassung auf dem bayerischen Grundwortschatz von 1980 basierte, wurde das Instrument in den nachfolgenden Auflagen kontinuierlich reflektiert und mit aktuellen Listen abgeglichen.

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität des WRT 2+ ist durch ausführliche Anweisungen und Hinweise im Testmanual gewährleistet. Für die Auswertung wurden eine konkrete Anleitung sowie ein Lösungsschlüssel bereitgestellt, sodass die Resultate möglichst objektiv ausgewertet werden können. Mithilfe von Normtabellen mit Prozenträngen, T-Werten und Normbändern können die Leistungen der Lernenden angeleitet interpretiert werden, wodurch die Objektivität der Interpretation sichergestellt wird. Der WRT 2+ gilt insgesamt als objektives Messinstrument zur Überprüfung der Rechtschreibleistungen von Schüler:innen der zweiten und dritten Klasse, sofern die Vorgaben im Manual einheitlich umgesetzt werden.

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurden unterschiedliche Kennwerte berechnet: Die Split-Half-Reliabilität (Even-Odd-Methode) wurde 1993 für die Langformen berechnet und weist Werte zwischen rtt = .93 und .94 auf. Die Konsistenzanalysen zeigen für die Langformen (1993) Werte von rtt = .94 und .94 und für die Kurzformen (2022) α = .88 bis .90.

Hinsichtlich der Retestreliabilität zeigt das Verfahren stabile Ergebnisse: Für die Langformen zeigen sich bei Intervallen von bis zu 15 Wochen (1993) Werte um rtt = .88 und bei einem kürzeren Intervall von zwei Wochen (2004) Werte von rtt = .90. Für die neu erstellte Kurzform wurden 2022 Werte zwischen rtt = .91 und .91 berechnet. Die Paralleltestreliabilität unterstreicht die Zuverlässigkeit zusätzlich, da die Werte für die Langform über verschiedene Eichungszeiträume (1993 bis 2022) hinweg konstant hoch zwischen rtt = .93 und .95 liegen. Für die Kurzform wurde am Ende der zweiten Klasse ebenfalls ein sehr hoher Wert von .95 ermittelt. Damit erweist sich der WRT 2+ als ein äusserst zuverlässiges Instrument für die Rechtschreibdiagnostik.

Validität

Die Inhaltsvalidität des WRT 2+ wird durch die Übereinstimmung zwischen den Testergebnissen und den Einschätzungen der Rechtschreibkompetenzen durch Expert:innen (Lehrpersonen) sowie durch die curriculare Gültigkeit des zugrunde liegenden Grundwortschatzes gestützt. Die Übereinstimmungsvalidität zeigt sich in stabilen Korrelationen mit den Deutschnoten mit Werten zwischen r = .65 und .67. und den Diktatleistungen (r = .66 bis .69) der Schüler:innen. Zudem belegen starke Zusammenhänge mit anderen Verfahren wie dem DRT 2 (r = .84 bis .85) die Gültigkeit des Tests. Die differenzielle Validität ist durch erwartungsgemäss geringe Korrelationen mit der Intelligenz (CFT 1) sowie mit Leistungen in Mathematik und Sachkunde gegeben.

Die Konstruktvalidität wird durch ein breites Spektrum empirischer Befunde untermauert, die die theoretischen Zusammenhänge zwischen der Rechtschreibleistung und Faktoren wie dem Arbeitsgedächtnis, dem Leistungsselbstkonzept oder den Vorläuferfertigkeiten der Rechtschreibfähigkeit bestätigen. Insgesamt ist der WRT 2+ ein empirisch gut abgesichertes Verfahren zur Rechtschreibdiagnostik in der zweiten und dritten Schulstufe.

Normierung

Die Neunormierung des WRT 2+ fand zwischen 2017 und 2022 statt. Für die Langform liegt eine Gesamtstichprobe von N = 9492 Lernenden vor, mit Normen für das Ende der 2. Klasse sowie für den Anfang und die Mitte der 3. Klasse. Die Kurzform wurde im selben Zeitraum erstmals bundesweit zu vier Zeitpunkten mit einer Stichprobe von N = 6136 Lernenden normiert, wobei für Bayern zusätzlich eine spezifische, sehr grosse Stichprobe (N = 15’117) herangezogen wurde.

Die Ergebnisse können anhand von Prozenträngen, Prozentrangbändern, T-Werten und T-Wertbändern sowie Notenvorschlägen interpretiert werden. Dabei stehen differenzierte Normtabellen für die gesamte Stichprobe sowie spezifisch für Kinder mit deutscher oder nicht-deutscher Muttersprache zur Verfügung.

Literatur

  • Birkel, P & Berwanger, D. (2024). Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für zweite und dritte Klassen (WRT 2+) (3., vollständig überarbeitete und neu normierte Aufl. mit Kurzformen). Göttingen: Hogrefe.
  • Rückemann, S. (1991). Tägliche Arbeit mit dem Grundwortschatz – vom 1. Bis 3. Schuljahr. Heinsberg: Agentur Dieck.
  • Schwarz, E. (1983). Auf der Suche nach dem Rechtschreib-Grundwortschatz. Die Grundschule, 15(11), 57-62.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 09/2026

 

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