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Diagnostische Verfahren finden

Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler – Version II (ELFE II)

von Wolfgang Lenhard, Alexandra Lenhard und Wolfgang Schneider (2026)

 

Einsatzbereich

  • 1. bis 7. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der ELFE II ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren zur Erfassung der Leseflüssigkeit, der Lesegenauigkeit und des Leseverständnisses auf Wort-, Satz- und Textebene für Schülerinnen und Schüler vom Ende der 1. bis zum Beginn der 7. Klasse. Die Subtestergebnisse werden zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst.

Der Test ist als Papierversion (Einzel- oder Gruppentest) und als Computerversion (Einzeltest) durchführbar. Die Bearbeitungsdauer beträgt je nach Klassenstufe und Testform etwa 10 bis 15 Minuten, für Gruppentestungen inklusive Vorbereitung etwa 20 bis 30 Minuten. Neben der Standardversion stehen zwei Kurzversionen für die Klassen 1–3 sowie 4–7 zur Verfügung.

Der ELFE II dient der Erfassung zentraler Teilkomponenten des Lesens und ermöglicht es, Schwierigkeiten im Lesen frühzeitig zu erkennen und Fördermassnahmen zu planen. Das Verfahren kann im schulischen Kontext zur Lernstandserfassung und Förderplanung eingesetzt werden, eignet sich aber auch für eine differenzierte Diagnostik des Lesens, beispielsweise zur Abklärung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten durch psychologische, medizinische oder therapeutische Fachpersonen.

Der Test besteht aus den Subtests Wortverständnis, Satzverständnis und Textverständnis; in der Computerversion kommt zusätzlich ein Untertest zur Lesegeschwindigkeit hinzu. Beim Wortverständnis müssen Wörter Bildern zugeordnet werden, beim Satzverständnis muss ein passendes Wort zur Ergänzung eines Satzes ausgewählt werden, und beim Textverständnis werden kurze Texte gelesen und Verständnisfragen dazu beantwortet. In der Computerversion wird zusätzlich die Geschwindigkeit der Worterkennung erfasst.

Theoretische Fundierung

Der ELFE II basiert auf der Annahme, dass Lesen eine komplexe Fähigkeit ist, die sich aus Teilprozessen auf Wort-, Satz- und Textebene zusammensetzt. Für das Verständnis von Texten ist zunächst das Erkennen einzelner Wörter zentral; darauf aufbauend müssen Wörter in Sätzen sinnvoll miteinander verknüpft und Bedeutungen erschlossen werden. Das Verstehen einzelner Sätze bildet wiederum die Grundlage für das Verständnis ganzer  Texte (Christmann & Groeben, 1999; Richter & Christmann, 2002). Gleichzeitig beeinflussen sich diese Ebenen gegenseitig, da Wörter in sinnvollen Kontexten schneller erkannt und verstanden werden als isolierte Wörter. Der Test erfasst diese miteinander verbundenen Teilkomponenten des Lesens auf Wort-, Satz- und  Textebene.

Objektivität

Die Objektivität des ELFE II kann bei standardisierter Durchführung als gegeben betrachtet werden. Die Durchführung, Auswertung und Interpretation sind im Manual klar beschrieben und weitgehend standardisiert. Die Auswertung erfolgt anhand fester Auswertungsregeln und kann computergestützt erfolgen, wodurch Auswertungsfehler reduziert werden. Voraussetzung für eine hohe Objektivität ist die genaue Einhaltung der Durchführungsanleitung.

Reliabilität

Die Überprüfung der Zuverlässigkeit erfolgte über verschiedene Verfahren. Die Retestreliabilität nach 30 Tagen liegt bei rtt = .81 bis .90 für die Untertests und bei rtt = .93 für die Gesamtversion. Die Split-Half-Reliabilität (Odd-Even) liegt bei rtt = .87 bis .98 für die Untertests und bei rtt = .96 (Paper-Pencil) und rtt = .94 (Computer) für die Gesamtversion. Die Paralleltestreliabilität (Paper-Pencil und Computer) liegt bei rtt = .93. Die berichteten Kennwerte weisen auf eine durchgängig hohe Messgenauigkeit und stabile Testergebnisse hin.

Validität

Die Inhaltsvalidität kann als gegeben betrachtet werden, da der Test zentrale Teilkomponenten des Lesens auf Wort-, Satz- und Textebene erfasst. Die Konstruktvalidität wurde überprüft und die inhaltliche Struktur des Tests bestätigt. Auch die Kriteriumsvalidität wurde untersucht, indem Zusammenhänge mit anderen Verfahren (SLS 2-9) und relevanten Kriterien (Lehrpersonenurteil über die Leseleistung) nachgewiesen wurden. Im Hinblick auf die differenzielle Validität liegen Untersuchungen für Kinder mit diagnostizierter Lese- und Rechtschreibstörung und für Kinder aus unterschiedlichen Schulformen vor. Damit kann der Test insgesamt als valides Verfahren zur Erfassung der Lesekompetenz betrachtet werden.

Normierung

Die Normierung basiert auf einer für Schulart, Geschlecht und Migrationshintergrund repräsentativen Stichprobe aus Deutschland (N = 1’520 für die Papierversion; N = 1’287 für die Computerversion) aus dem Jahr 2015.

Literatur

  • Christmann, U. & Groeben, N. (1999). Psychologie des Lesens. In B. Franzmann & G. Jäger (Hrsg.), Handbuch Lesen (145-223). München: Saur.
  • Lenhard, W., Lenhard, A. & Schneider, W. (2026). Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler – Version II (6. Aufl.). Hogrefe.
  • Richter, T. & Christmann, U. (2002). Lesekompetenz: Prozessebenen und interindividuelle Unterschiede. In: N. Groeben & B. Hurrelmann (Hrsg.). Lesekompetenz: Bedingungen, Dimensionen, Funktionen (S. 25-58). Weinheim: Juventa.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 07/2026

 

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