Diagnostische Verfahren finden
Salzburger Lese-Screening für die Schulstufen 2-9 (SLS 2-9)
von Heinz Wimmer und Heinz Mayringer (2014)

Einsatzbereich
- 2. bis 9. Klasse
- Einzel- oder Gruppentest
- Einsatz Heil- und Sonderpädagogik
Qualitätskriterien
| Theoretische Fundierung | Objektivität | Reliabilität | Validität | |
|---|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. | Die Ergebnisse sind zuverlässig. | Belege zur Validität liegen vor. |
Inhalt
Das SLS 2-9 ist ein standardisiertes Screening-Verfahren zur ökonomischen Erfassung der Lesefertigkeiten bei Schüler:innen von der 2. bis zur 9. Klassenstufe. Das primäre Ziel des Tests besteht darin, Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten in den basalen Lesefertigkeiten frühzeitig zu identifizieren. Dank zwei Parallelformen, die jeweils in zwei Varianten mit unterschiedlichen Aufgabenabfolgen vorliegen, ist das Instrument zudem für wiederholte Messungen zur Verlaufskontrolle von Fördermassnahmen geeignet.
Das als Paper-Pencil-Verfahren konzipierte Instrument beansprucht inklusive Instruktion eine Gesamtdauer von etwa 15 Minuten, wobei die reine Bearbeitungszeit lediglich drei Minuten beträgt. Die Testaufgabe verlangt von den Lernenden, inhaltlich einfache Sätze leise zu lesen und jeweils am Ende der Zeile zu entscheiden, ob die Aussage des Satzes korrekt ist. Das Verfahren ist so konstruiert, dass es über alle vorgesehenen Schulstufen hinweg differenziert, ohne dass Boden- oder Deckeneffekte die Ergebnisse verzerren.
Die Auswertung erfolgt zeitökonomisch (ca. 1–2 Minuten) mithilfe von Schablonen. Als zentrales Ergebnismass wird ein Lesequotient (LQ) berechnet. Dieser ist so skaliert, dass er mit einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15 mit der Verteilung von Intelligenzquotienten vergleichbar ist. Daraus lassen sich Aussagen darüber treffen, wie weit die individuelle Lesefertigkeit vom Durchschnitt der Normierungsstichprobe abweicht.
Theoretische Fundierung
Das SLS 2-9 konzentriert sich auf die Erfassung der basalen Lesefertigkeit, welche massgeblich durch die Effizienz der Blickbewegungen während des Lesevorgangs bestimmt wird. Die Testkonstruktion stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse (u. a. Hawelka, Gagl & Wimmer, 2010), die deutliche Unterschiede in der visuellen Verarbeitungsstrategie zwischen kompetenten und leseschwachen Personen belegen. Bei kompetenten Leser:innen zeichnet sich der Leseprozess durch eine schnelle Aktivierung mentaler Repräsentationen aus. Sobald die Augen ein Wort fixieren, werden die Buchstaben erfasst und mit im Langzeitgedächtnis gespeicherten orthografischen Mustern (Wörtern oder Silbenteilen) abgeglichen. Im Gegensatz dazu ist der Lesevorgang bei schwachen Leser:innen dadurch geprägt, dass er ineffizienter ist, obwohl die grundlegenden Mechanismen qualitativ ähnlich ablaufen. Diese Ineffizienz äussert sich in kürzeren Augensprüngen, häufigeren Fixationen pro Wort und deutlich längeren Verweildauern der Augen auf den einzelnen Textelementen. Für diese Verzögerungen sind zwei Hauptursachen verantwortlich:
- Reduziertes orthografisches Lexikon: Aufgrund einer geringeren Anzahl gespeicherter Wortbilder müssen schwache Leser:innen häufiger auf kleinere Einheiten oder Buchstaben-Laut-Zuordnungen zurückgreifen, was besonders bei längeren oder selteneren Wörtern auftritt.
- Verlangsamter Zugriff: Die Verknüpfung der orthografischen Muster auf die zugehörigen phonologischen Repräsentationen erfolgt insgesamt verzögert, was selbst die Verarbeitung einfacher und häufiger Wörter verlangsamt.
Durch die Vorgabe inhaltlich simpler Sätze unter hohem Zeitdruck gelingt es dem SLS 2-9, genau diese automatisierten Prozesse der Wort- und Satzidentifikation zu isolieren und Defizite in der basalen Lesefertigkeit abzubilden.
Objektivität
Obwohl das Manual keine expliziten Hinweise zur Objektivität enthält, ist diese durch die präzisen Instruktionen zur Durchführung, Auswertung (mithilfe von Schablonen) und Interpretation der Ergebnisse sichergestellt. Bei instruktionsgetreuer Anwendung kann die Objektivität des Verfahrens als gegeben gelten.
Reliabilität
Die Überprüfung der Zuverlässigkeit erfolgte für das SLS 2-9 exemplarisch für die Schulstufen 2 und 8, da für die Vorgängerversionen bereits hohe Reliabilitätswerte vorlagen. Die Paralleltestreliabilität (Intervall von einer Unterrichtseinheit) liegt bei rtt = .95 für die 2. Klasse und bei rtt = .87 für die 8. Klasse. In der Sekundarstufe variieren die Werte je nach Schulform zwischen rtt = .80 (Gymnasium) und rtt = .93 (Hauptschule). Die berichteten Kennwerte belegen eine hohe Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit des Screenings.
Validität
Die Validierung stützt sich ebenfalls auf die Daten der 2. und 8. Schulstufe. Die konvergente Validität wurde durch den Vergleich mit dem Wortlesetest des SLRT-II bestimmt: Hierbei zeigten sich für die 2. Klasse hohe Korrelationen (r = .80 bis .89), während für die 8. Klasse mittlere Zusammenhänge (r = .49 bis .55) nachgewiesen wurden. Das SLS 2-9 kann als valides Messinstrument zur Identifikation von Schwierigkeiten in der basalen Lesekompetenz angesehen werden.
Normierung
Die Normierung wurde 2007/2008 an einer für Österreich repräsentativen Stichprobe von Schüler:innen durchgeführt. Die Stichprobe berücksichtigt Schulform, Klassenstufe sowie Standort und umfasst die verschiedenen Schultypen der Sekundarstufe. Da internationale Vergleichsstudien (PISA 2000–2012) nur geringfügige Leistungsunterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzeigen, ist die Normierung gemäss den Autoren für den gesamten deutschsprachigen Raum anwendbar.
Literatur
- Hawelka, S., Gagl, B. & Wimmer, H. (2010). A dual-route perspective on eye movements of dyslexic readers. Cognition, 115, 367-518. https://doi.org/10.1016/j.cognition.2009.11.004
- Wimmer, H. & Mayringer, H. (2014). Salzburger Lese-Screening für die Schulstufe 2-9 (SLS 2-9). Hans Huber.
Verfügbarkeit an der HfH
- In der Testothek verfügbar
- Im Didaktischen Zentrum (DiZ) verfügbar
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Überprüft: 07/2026