Diagnostische Verfahren finden
SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest
von Kristina Moll und Karin Landerl (2014)

Einsatzbereich
- 1. bis 5. Klasse (Rechtschreibtest) bzw. 6. Klasse und junge Erwachsene (Leseflüssigkeitstest)
- Einzel- oder Gruppentest
- Einsatz Heil- und Sonderpädagogik
Qualitätskriterien
| Theoretische Fundierung | Objektivität | Reliabilität | Validität | |
|---|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. | Die Ergebnisse sind zuverlässig. | Belege zur Validität liegen vor. |
Inhalt
Der SLRT-II wurde entwickelt, um die differenzierte Erfassung von Lese- und Rechtschreibleistungen im Rahmen des Schriftspracherwerbs standardisiert zu erheben. Er dient insbesondere dazu, spezifische Defizite im Lesen und Schreiben zu identifizieren. Der Test differenziert im unteren und mittleren Bereich zuverlässig; für überdurchschnittliche Leistungen differenziert er (v.a. der Rechtschreibtest) nur bedingt.
Der Test gliedert sich in zwei Hauptteile, die unterschiedliche Aspekte der Schriftsprachkompetenz erfassen. Der erste Teil ist ein Ein-Minuten-Leseflüssigkeitstest, der im Einzelsetting durchgeführt wird. Er misst zentrale Prozesse des Lesens: das synthetische, lautierende Lesen sowie die automatische, direkte Worterkennung. Der Subtest Pseudowortlesen erfasst dabei das lautierende Lesen, indem innerhalb einer Minute möglichst viele Pseudowörter korrekt vorgelesen werden. Der Subtest Wortlesen ermöglicht die Erfassung der automatischen Worterkennung. Beide Subtests umfassen 156 Items mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad.
Der zweite Teil des Tests ist ein Rechtschreibtest, der im Einzel- oder Gruppensetting durchgeführt werden kann. Die Aufgaben bestehen aus Lückentexten, in die die diktierten Wörter korrekt eingesetzt werden müssen (Paper and Pencil). Die Items sind hinsichtlich ihrer Schwierigkeit gestuft, sodass sich ein differenziertes Leistungsprofil ergibt. Eine getrennte Erfassung von lauttreuer und orthografisch korrekter Schreibung wird in der Auswertung differenziert berücksichtigt.
Die Durchführung des Leseflüssigkeitstests ist mit einem Zeitaufwand von etwa fünf Minuten sehr ökonomisch; die anschliessende Auswertung nimmt ebenfalls rund fünf Minuten in Anspruch. Für den Rechtschreibtest beträgt die Durchführungsdauer etwa 20 bis 30 Minuten, während für die Auswertung zusätzlich etwa fünf bis zehn Minuten einzuplanen sind.
Der Test dient als Grundlage für weiterführende diagnostische Entscheidungen sowie für die Planung und Durchführung gezielter Fördermassnahmen. Der Test kann im psychologischen sowie pädagogischen Kontext eingesetzt werden, um Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu erfassen. Der Rechtschreib- sowie Lesetest liegt jeweils in zwei Versionen vor, was eine Überprüfung des Lernfortschritts ermöglicht.
Theoretische Fundierung
Der SLRT-II basiert auf der Annahme einer Doppeldissoziation bei Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben. Demnach können Defizite in beiden Bereichen auch getrennt voneinander auftreten, was eine differenzierte diagnostische Betrachtung beider Bereiche erforderlich macht (Moll & Landerl, 2009; Wimmer & Mayringer, 2002).
Für das Lesen werden zwei zentrale Prozesse unterschieden: das synthetische, lautierende Lesen (von Buchstaben zu grösseren Einheiten, wie z.B. Silben oder Wörter) und die automatische Worterkennung (gespeicherte Wortrepräsentationen im Gedächtnis). Während unbekannte Wörter vorwiegend durch synthetisches Lesen erschlossen werden, ermöglicht die automatische Worterkennung ein schnelles Erfassen vertrauter Wörter.
Auch im Rechtschreiben werden zwei Prozesse aufgezeigt: das lautorientierte Schreiben (Laute zu Buchstaben) und das orthografische Schreiben (korrektes Schreiben). Lautorientiertes Schreiben kommt insbesondere bei unbekannten Wörtern zum Einsatz, während bei bekannten Wörtern auf gespeicherte orthografische Muster zurückgegriffen wird.
Objektivität
Im Manual des SLRT-II werden die Durchführung des Tests, die Auswertung der erhobenen Daten sowie die Interpretation der Ergebnisse ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Für die Auswertung wurden klare Regeln und Beispiele erarbeitet, die einzuhalten sind. Durch die Einhaltung der vorgegebenen Anweisungen kann die Objektivität als gegeben gelten.
Reliabilität
Die Reliabilität wurde im SLRT-II für beide Untertests (Lesen und Rechtschreiben) jeweils einzeln berechnet. Für den Lesetest wurde für jede Schulstufe die Paralleltestreliabilität berechnet. Die Ergebnisse liegen über alle Stufen hinweg bei rtt = .90 bis .98.
Für den Rechtschreibtest wurde eine Itemanalyse durchgeführt, um die entsprechenden Schwierigkeitsindizes der beiden Testformen zu ermitteln. Die beiden Versionen des Tests unterscheiden sich in Bezug auf den Schwierigkeitsindex nicht signifikant voneinander (alle p > .10). Die Interraterreliabilität bei der Auswertung von N- und O-Fehlern ergab einen Koeffizienten von r = .998 (bei der Bewertung von O-Fehlern). Die Retestreliabilität nach ca. fünf Wochen liegt bei rtt = .80 bis .97. Die Paralleltestreliabilität zwischen den beiden Testversionen A und B weist Werte zwischen rtt = .67 bis .86 auf.
Die berichteten Kennwerte weisen mehrheitlich eine ausreichende bis hohe Messgenauigkeit auf. Einzig der Wert für die Paralleltestreliabilität beim Rechtschreibtest für die zweite Klassenstufe (rtt = .67) ist als niedrig zu bewerten.
Validität
Die Inhaltsvalidität des SRLT-II wird als gegeben beschrieben, da für die Leseleistung entsprechende Leseaufgaben und für die Rechtschreibleistung ein konkreter Rechtschreibtest durchgeführt werden. Für den Lesetest wurde die Kriteriumsvalidität über den Zusammenhang mit dem Salzburger Lesescreening, einer früheren Version des SLRT und dem Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils erschlossen. Auch beim Rechtschreibtest wurde das Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils zur Validierung hinzugezogen. Die erhaltenen Werte sprechen für eine hohe Validität, sodass der Test als valides Messinstrument für Lese- und Rechtschreibleistung gelten kann.
Normierung
Die Normierung fand in den Jahren 2006 bis 2008 statt. Die Stichprobe setzt sich vor allem aus Schulen in Tübingen (Baden-Württemberg) zusammen; ergänzend wurden Schulen aus Schleswig-Holstein und Salzburg einbezogen (N = 1’747 für den Lesetest 1.-6. Klasse, N = 241 für den Lesetest Erwachsene, N = 3’689 für den Rechtschreibtest 1.-4. Klasse). Zwischen 2012 und 2013 wurden zusätzlich 343 Schüler:innen von Grazer Schulen für die Rechtschreibtestnormierung der zweiten Hälfte der ersten Klasse miteinbezogen (Neuauflage des Tests). Genaue Angaben zur Stichprobenzusammensetzung und Repräsentativität werden nicht aufgeführt.
Literatur
- Moll, K. & Landerl, K. (2009). Double dissociation between reading and spelling deficits. Scientific Studies of Reading, 13, 359-382. https://doi.org/10.1080/10888430903162878
- Moll, K. & Landerl, K. (2014). SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest. Weiterentwicklung des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (SLRT) (2. korr. Auflage). Hans Huber.
- Wimmer, H. & Mayringer, H. (2002). Dysfluent reading in the absence of spelling difficulties: A specific disability in regular orthographies. Journal of Educational Psychology, 94(2), 272-277. https://doi.org/10.1037/0022-0663.94.2.272
Verfügbarkeit an der HfH
- In der Testothek verfügbar
- Im Didaktischen Zentrum (DiZ) verfügbar
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Überprüft: 07/2026