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Diagnostische Verfahren finden

Lesegeschwindigkeits- und -verständnistest für die Klassen 5-12 (LGVT5-12+)+

von Wolfgang Schneider, Matthias Schlagmüller und Marco Ennemoser (2017)

 

Einsatzbereich

  • 5. bis 13. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen in Bezug auf die Vorgängerversion LGVT 6-12 vor.

Inhalt

Der LGVT 5-12+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren zur Erfassung von Lesekompetenzen (Leseverständnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit) für die 5. bis 13. Klasse. Das Instrument ist als ökonomischer Einzel- oder Gruppentest konzipiert und findet Anwendung in der schulischen Förderdiagnostik, der differenzierten Leistungsstanderhebung durch Fachpersonen sowie in der Forschung. Die genannten Aspekte des Lesens gelten als wesentliche Voraussetzungen für den schulischen und beruflichen Erfolg, weshalb das Verfahren der gezielten Identifikation von Förderbedarfen dient.

Die Durchführung des Paper-Pencil-Verfahrens inklusive Instruktion dauert etwa 12 Minuten, wobei die reine Bearbeitungszeit auf sechs Minuten begrenzt ist. Für die Testung stehen drei Paralleltextversionen („Rosenkohltext“, „Laufburschentext“ und „Töchtertext“) mit einem Umfang von jeweils rund 2’000 Wörtern zur Verfügung. Die Aufgabe der Lernenden besteht darin, beim Lesen eines Fliesstextes an 47 Stellen die passende Ergänzung aus drei vorgegebenen Möglichkeiten auszuwählen. Dieses Format ermöglicht eine objektive und zeitökonomische Überprüfung der zentralen Teilkomponenten des Lesens bei Einzelpersonen oder ganzen Klassen.

Theoretische Fundierung

Die theoretische Basis des LGVT 5-12+ bilden gesicherte Erkenntnisse zur Entwicklung der Lesekompetenz, wonach auf eine gefestigte alphabetische Strategie der Erwerb einer orthografischen Strategie folgt. Dieser Prozess ist durch die simultane Erfassung grösserer Einheiten (Silben, Wörter) sowie durch eine zunehmende Automatisierung des Lesevorgangs gekennzeichnet. Erst diese Automatisierung ermöglicht es, den Fokus der kognitiven Tätigkeit von der Dekodierung auf die eigentliche Sinnentnahme zu verschieben.

Das Verfahren versteht Lesen dabei als aktive Konstruktionsleistung, bei der Leser:innen Textinhalte eigenständig mit ihrem Vor- und Weltwissen verknüpfen (vgl. Artelt et al. 2005; Scheerer-Neumann, 2015). Die Testkonstruktion folgt zudem der Erkenntnis, dass bei leseschwachen Personen unzureichende technische Leseleistungen (Dekodierung) erhebliche kognitive Ressourcen binden. Dies führt nicht nur zu einer reduzierten Lesegeschwindigkeit, sondern schränkt auch die Kapazitäten zur aktiven Informationsentnahme ein. Damit sind die Testinhalte unmittelbar aus aktuellen Modellen der Leseforschung hergeleitet und theoretisch fundiert.

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität des LGVT 5-12+ wird durch die wortgetreue Wiedergabe der im Manual festgelegten Instruktionen sichergestellt. Klare Anweisungen zur Auswertung der Antworten (Richtig-Falsch-Klassifikation) gewährleisten die Auswertungsobjektivität, während umfassende Normtabellen als objektive Grundlage für die Interpretation dienen. Bei strikter Einhaltung der Vorgaben zur Durchführung, Auswertung und Interpretation ist die Objektivität des Verfahrens gegeben.

Reliabilität

Die Retestreliabilität nach einem Intervall von sechs Wochen liegt in einem hohen Bereich zwischen rtt = .72 und .89. Dabei werden für das Leseverständnis Werte von rtt = .82 bis .89, für die Lesegeschwindigkeit von rtt = .80 bis .82 und für die Lesegenauigkeit von rtt = .72 bis .82 berichtet. Die Paralleltestreliabilität wurde exemplarisch für die 9. Klassenstufe untersucht und liegt zwischen rtt = .78 und .83. Dabei wurden nur die Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis untersucht und nicht alle Texte wurden miteinander verglichen.

Der LGVT 5-12+ kann insgesamt als reliables Messinstrument eingestuft werden, wenngleich die Datenbasis zur Paralleltesreliabilität punktuelle Lücken aufweist.

Validität

Die Validierung des Verfahrens stützt sich massgeblich auf die Ergebnisse der Vorgängerversion (LGVT 6-12), da Vergleiche mit aktuellen Daten (z.B. PULSS-Studie; Schneider, Preckel & Stumpf, 2014) eine hohe Übereinstimmung belegen. Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Validität des LGVT 6-12 berichtet:

Die Kriteriumsvalidität wird durch Korrelationen mit der PISA-Studie sowie Bezüge zur Hamburger Schreibprobe (HSP), zur Intelligenz (CFT 20), zur Anzahl Bücher zu Hause, zum Leseinteresse und zum Würzburger Lesestrategie-Wissenstest (WLST 7-12) gestützt. Die Validitätskennwerte für das Leseverständnis sind ausreichend bis hoch; die Werte bei der Lesegeschwindigkeit fallen mit r = .16 bis .37 niedriger aus, was auf eine Diskrepanz zwischen hoher Lesegeschwindigkeit und tiefem Leseverständnis in bestimmten Schülergruppen zurückgeführt wird.

Sofern die Validitätsbefunde der Vorgängerversion auf das aktuelle Verfahren übertragen werden können, stellt der LGVT 5-12+ ein mehrheitlich valides Instrument dar.

Normierung

Die Normierung basiert auf einer repräsentativen Stichprobe von 7’142 Schüler:innen aus 13 deutschen Bundesländern (Erhebung 2013). Die Stichprobe wurde repräsentativ nach Geschlecht, Schulform und Standort gezogen. Es liegen T-Werte und Prozentränge für die Skalen Leseverständnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit vor.

Literatur

  • Artelt, C., McElvany, N., Christmann, U., Groeben, N., Köster, J., Schneider, W., Stanat, P., Ostermeier, C., Schiefele, U., Valtin, R. & Ring, K. (2005). Expertise – Förderung von Lesekompetenz. Bonn: Bundesministerium für Bildung und Forschung.
  • Scheerer-Neumann, G. (2015). Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie – Grundlagen, Diagnostik und Förderung. Kohlhammer.
  • Schneider, W., Preckel, F. & Stumpf, E. (Hrsg.). (2014). Hochbegabtenförderung in der Sekundarstufe. Ergebnisse der PULSS-Studie zur Untersuchung der gymnasialen Begabtenklassen in Bayern und Baden-Württemberg. Karg-Stiftung.
  • Schneider, W., Schlagmüller, M. & Ennenmoser, M. (2017). Lesegeschwindigkeits- und -verständnistest für die Klassen 5-12 (LGVT 5-12+) (2. Aufl.). Hogrefe.

Verfügbarkeit an der HfH


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Überprüft: 07/2026

 

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