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Diagnostische Verfahren finden

LESEN 6-7: Lesetestbatterie für die Klassenstufen 6-7

von Kerstin Bäuerlein, Wolfgang Lenhard und Wolfgang Schneider (2012)

 

Einsatzbereich

  • 6. bis 7. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Die Lesetestbatterie LESEN 6-7 ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren, das sowohl die basale Lesekompetenz (Lesegeschwindigkeit) als auch das Textverständnis bei Schüler:innen der 6. und 7. Klassenstufe erfasst. Das als Paper-Pencil-Test konzipierte Instrument kann flexibel im Einzel- oder Gruppensetting durchgeführt werden und ermöglicht eine ökonomische Lernstandserfassung ganzer Schulklassen.

Die Testbatterie deckt ein breites Anwendungsspektrum ab: Neben der diagnostischen Abklärung individueller Lesekompetenzen (z.B. im Rahmen einer umfassenden Abklärung von Lese-Rechtschreibstörungen) dient das Verfahren der Planung und systematischen Überprüfung von Fördermassnahmen und kann in der Forschung eingesetzt werden.

Die Durchführung beansprucht etwa eine Unterrichtseinheit (ca. 45 Minuten), wobei die reine Bearbeitungszeit maximal 39 Minuten beträgt. Das Verfahren gliedert sich in zwei wesentliche Teilbereiche:

  1. Basale Lesekompetenz: In einem dreiminütigen Screening bearbeiten die Lernenden eine Liste von 100 kurzen Sätzen. Die Aufgabe besteht darin, die inhaltliche Richtigkeit dieser Sätze so schnell wie möglich zu beurteilen.
  2. Textverständnis: Dieser Bereich umfasst zwei umfangreiche Texte (einen Sachtext und einen erzählenden Text). Zu jedem Text müssen 17 Multiple-Choice-Fragen beantwortet werden, die verschiedene Repräsentationsebenen des Gelesenen prüfen. Für jeden Text steht ein Zeitfenster von maximal 18 Minuten zur Verfügung.

Die Auswertung erfolgt mithilfe von Schablonen und liefert separate Summenwerte für beide Teilbereiche sowie einen Gesamtwert für die allgemeine Lesekompetenz. Zur Einordnung der individuellen Leistungen stehen entsprechende Normtabellen zur Verfügung.

Theoretische Fundierung

Die theoretische Basis des LESEN 6-7 liegt in der Differenzierung zwischen der technischen Lesefertigkeit und den kognitiven Prozessen des Textverstehens. Die basale Lesekompetenz wird dabei als Fähigkeit verstanden, Grapheme präzise und schnell in Phoneme zu übersetzen (vgl. Auer et al., 2005; Rost & Buch, 2010). Diese Automatisierung der Dekodierung gilt als zwingende Voraussetzung für ein gelingendes Leseverständnis, da nur durch mühelose technische Abläufe ausreichend kognitive Ressourcen für die aktive Sinnkonstruktion frei bleiben (z.B. Auer et al., 2005).

Das Textverständnis selbst wird als komplexer, mehrstufiger Prozess modelliert. Auf der Ebene der lokalen Kohärenzbildung müssen syntaktische Strukturen erfasst und semantische Bezüge zwischen Wörtern hergestellt werden, damit die Sinnentnahme auf Satzebene funktioniert. Für das Verständnis umfangreicher Texte ist zudem die globale Kohärenzbildung erforderlich, bei der Informationen über weite Textabschnitte hinweg verknüpft werden. Während basale Prozesse weitgehend automatisiert ablaufen, erfordern hierarchiehöhere Verstehensprozesse den Einsatz von Lesestrategien sowie den Rückgriff auf Vorwissen und metakognitive Fähigkeiten (z.B. Lenhard & Artelt, 2009). Die Testbatterie LESEN 6-7 stützt sich hierbei massgeblich auf das Modell von van Dijk und Kintsch (1983) und unterscheidet zwischen der Repräsentation der Textoberfläche, der Textbasis sowie dem Aufbau eines mentalen Situationsmodells.

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität des LESEN 6-7 ist durch die wortgetreue Einhaltung der im Manual beschriebenen Instruktionen gewährleistet. Eine eindeutige Differenzierung zwischen richtigen und falschen Antworten sowie der Einsatz von Auswertungsschablonen stellen die Auswertungsobjektivität sicher. Durch die Bereitstellung umfassender Normtabellen ist zudem die Interpretationsobjektivität gegeben. Die Lesetestbatterie LESEN 6-7 ist bei gewissenhafter Durchführung, Auswertung und Interpretation ein objektives Testverfahren.

Reliabilität

Die Zuverlässigkeit des Verfahrens wurde über die interne Konsistenz und die Retestreliabilität (Intervall von drei Wochen) bestimmt. Die interne Konsistenz liegt für die basale Lesekompetenz bei α = .97 und für das Textverständnis bei α = .87. In der Retest-Überprüfung zeigt sich ein Gesamtwert von rtt = .86, während die Einzelwerte für die Lesekompetenz bei rtt = .78 und für das Textverständnis bei rtt = .86 liegen. Der LESEN 6-7 ist ein zuverlässiges Messinstrument zur Erfassung beider Kompetenzbereiche.

Validität

Die Inhaltsvalidität ergibt sich aus der konsequenten, theoriegeleiteten Testkonstruktion. Die Konstruktvalidität wird durch signifikante Korrelationen mit dem Lesestrategie-Wissenstest (r = .10 -.51) sowie den Subtests zur Lesegeschwindigkeit und zum Leseverständnis des LGVT 6-12 (r = .10-.52) gestützt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Korrelationen teilweise niedrig ausfallen. Hinweise zur Kriteriumsvalidität belegen eine hohe Übereinstimmung mit dem Lehrpersonenurteil und der Deutschnote (konvergente Validität), während die Abgrenzung zur Mathematiknote die diskriminante Validität untermauert.

Normierung

Die Normierung erfolgte im Zeitraum 2009/2010 an einer Stichprobe von 1’644 Schüler:innen aus sieben deutschen Bundesländern. Da die Stichprobengrössen pro Jahrgang variieren und länderspezifische strukturelle Bestimmungen bestehen, ist die Repräsentativität hinsichtlich der Schulart nicht vollständig gewährleistet. Es liegen Prozentränge, T-Werte und T-Wertbänder für beide Klassenstufen vor, die sowohl schulartspezifisch als auch schulartunabhängig differenziert sind.

Literatur

  • Auer, M., Gruber, G., Mayringer, H & Wimmer, H. (2005). Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 5-8. Bern: Huber.
  • Bäuerlein, K., Lenhard, W. & Schneider, W. (2012). LESEN 6-7. Lesetestbatterie für die Klassenstufen 6-7. Göttingen: Hogrefe.
  • Lenhard, W. & Artelt, C. (2009). Komponenten des Leseverständnisses. In W. Lenhard & W. Schneider (Hrsg.), Diagnostik und Förderung des Leseverständnisses, Test und Trends (N. F. Bd. 7, S. 1-17). Göttingen: Hogrefe.
  • Rost, D. H. & Buch, S. R. (2010). Leseverständnis. In D. H. Rost (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie (4. Aufl., S. 507-520). Weinheim: Beltz.
  • van Dijk, T. A. & Kintsch, W. (1983). Strategies of discourse comprehension. New York: Academic Press.

Verfügbarkeit an der HfH


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Überprüft: 07/2026

 

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