"

Diagnostische Verfahren finden

Diagnostischer Rechtschreibtest für 5. Klassen (DRT 5)

von Martin Grund, Rainer Leonhart und Carl Ludwig Neumann (2017)

 

Einsatzbereich

  • 5. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentest
  • Einsatz Heil- und Sonderpädagogik

Qualitätskriterien

Theoretische Fundierung Objektivität Reliabilität Validität
Bewertung Leerer Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis
Erläuterung Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und mehrheitlich von Testleiter:innen unabhängig. Die Ergebnisse sind zuverlässig. Erste Belege zur Validität liegen vor.

Inhalt

Der DRT 5 ist ein standardisiertes Testverfahren zur Erfassung der Rechtschreibleistung, das für den Einsatz in der fünften Klassenstufe entwickelt wurde. Das Instrument verfolgt eine doppelte Zielsetzung: die allgemeine Rechtschreibkompetenz objektiv zu messen und gleichzeitig individuelle Fehlerschwerpunkte zu identifizieren. Der Aufbau des Tests entspricht einem Lückentextdiktat, bei dem die Schüler:innen 51 gezielt ausgewählte Wörter in einen Text einfügen. Die Testwörter repräsentieren dabei die wichtigsten Rechtschreibfälle, sodass beispielsweise Kompetenzen wie die Kleinschreibung von Adjektiven, die Verlängerungsregel oder spezifische Schreibungen nach Kurzvokalen systematisch geprüft werden können.

Das Verfahren weist einen relativ tiefen Schwierigkeitsgrad auf, wodurch es besonders präzise zwischen sehr schwachen, schwachen und durchschnittlichen Leistungen differenziert. In Gymnasien ist aufgrund der Leistungsstärke vieler Schüler:innen ein Deckeneffekt zu beobachten; hier dient der Test vorrangig der Identifikation von Lernenden mit ausgeprägten Rechtschreibschwierigkeiten.

Der DRT 5 kann flexibel als Gruppentest zur Ermittlung des Klassenleistungsstandes oder als Einzeltest zur detaillierten Diagnose der Art und Ausprägung von Schwierigkeiten eingesetzt werden. Die Normierung bezieht sich dabei spezifisch auf die ersten Monate des fünften Schuljahres (Oktober bis Januar). Die Durchführung beansprucht insgesamt etwa 35 bis 40 Minuten, wobei die reine Bearbeitungszeit circa 30 Minuten beträgt. Durch das Vorhandensein zweier Testversionen eignet sich das Instrument zudem für die Verlaufskontrolle individueller Fehlerschwerpunkte. Während die rein quantitative Ermittlung der Ergebnisse zeitökonomisch erfolgt, bietet die qualitative Fehleranalyse eine Grundlage für Fördermassnahmen.

Theoretische Fundierung

Der DRT 4 basiert auf der Auffassung, dass Rechtschreiben kein reiner Gedächtnisabruf ist, sondern ein aktiver Prozess, der den Einsatz verschiedener Rechtschreibstrategien erfordert. Die Testinhalte sind daher so konzipiert, dass sie das Befolgen dieser Strategien anhand von drei Wortgruppen überprüfen: Mitsprechwörter, die lautorientiert verschriftet werden, Nachdenkwörter, deren regelhafte Schreibung durch Strategien wie dem Beachten von Konsonanten-Doppelschreibungen erschlossen wird und Merkwörter, die wortspezifische Besonderheiten ohne allgemeine Regel aufweisen. Ziel des Tests ist es, anhand dieser Kategorien zu erkennen, inwieweit Schüler:innen bereits die notwendigen Rechtschreibstrategien bewusst und unbewusst anwenden können.

Theoretisch lehnt sich das Verfahren an das Modell von Scheerer-Neumann et al. (2010) an, welches den Erwerb der Schriftsprache nicht als starre Abfolge von Phasen, sondern als eine Entwicklung von Strategien beschreibt. In der vierten Klasse sollten den Lernenden in der Regel sowohl alphabetische als auch orthographische Strategien zur Verfügung stehen. Ergänzend wird das Zwei-Wege-Modell herangezogen, um den Schreibprozess zu erklären: Wörter werden entweder auf direktem Weg aus dem mentalen Lexikon abgerufen oder auf indirektem Weg über Phonem-Graphem-Korrespondenzen und morphologische Regeln konstruiert (Scheerer-Neumann, 2015). Die Fehleranalyse des DRT 4 deckt dabei gezielt unterschiedliche Regelbereiche wie Laute, Buchstabenverbindungen, Ableitungen und die Grossschreibung ab. Durch diesen Fokus auf den strategischen Umgang mit Sprache ermöglicht der DRT 4 eine differenzierte Beurteilung des Schriftspracherwerbs.

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität des DRT 5 ist durch die Bereitstellung klarer, verständlicher Anweisungen und wörtlich vorgegebener Instruktionen im Manual sichergestellt. Hinsichtlich der Auswertungsobjektivität erweist sich die quantitative Analyse als unproblematisch, da sie auf der eindeutigen Unterscheidung zwischen korrekter und fehlerhafter Schreibung basiert. Bei der qualitativen Fehleranalyse ist zu beachten, dass die Ergebnisse trotz der im Manual enthaltenen Anleitungen und Praxisbeispiele von der Fachkenntnis der auswertenden Person beeinflusst werden können. Die Interpretationsobjektivität wird durch die Verwendung von Normtabellen gestützt. Zusammenfassend kann der DRT 5 bei fachgerechter Anwendung als mehrheitlich objektives Testverfahren eingestuft werden.

Reliabilität

Die Zuverlässigkeit des DRT 5 wird durch eine sehr hohe interne Konsistenz belegt, die für die Testform A bei α = .933 und für die Testform B bei α = .930 liegt. Auch die Retestreliabilität über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen weist mit Interklassenkorrelation (ICC-Werten) zwischen .869 und .954 (über beide Testformen hinweg) auf eine hohe Stabilität der Messergebnisse hin. Da ICC-Werte über .75 als gut und Werte über .90 als exzellent eingestuft werden, bestätigen diese Kennwerte eine hohe Messgenauigkeit der Rechtschreibleistung. Damit erweist sich der DRT 5 als ein zuverlässiges Instrument zur Erfassung der Rechtschreibleistung.

Validität

Die Inhaltsvalidität des DRT 5 ist gegeben, da das Verfahren den Wortschatz und grundlegende Rechtschreibregeln direkt prüft und somit sowohl für die allgemeine Leistungsmessung als auch für die Fehleranalyse ein gültiges Abbild der Kompetenzen liefert. Die kriteriumsbezogene Validität wurde durch Korrelationen mit dem Rechtschreibsystem von Grund ermittelt (die Schüler:innen haben in diesem System zwischen 550 und 1200 Wörter geschrieben). Die Korrelationskoeffizienten von r = .71 bis .95 belegen einen starken Zusammenhang und unterstreichen die Gültigkeit des Tests. Aufgrund dieser empirischen Belege kann der DRT 5 als ein valides Instrument zur Beurteilung der Rechtschreibkompetenz von Schüler:innen der 5. Klasse betrachtet werden.

Normierung

Die Neunormierung des DRT 5 wurde im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2015 durchgeführt. Die Normstichprobe besteht insgesamt aus 3’492 Schüler:innen aus zehn Bundesländern. Da zwischen den beiden Parallelformen A und B keine signifikanten Leistungsunterschiede bestehen, stellt das Verfahren gemeinsame Normtabellen für beide Versionen bereit. Obwohl Mädchen statistisch signifikant bessere Ergebnisse erzielen als Jungen, wurde auf geschlechtergetrennte Normen verzichtet, um die Bewertung an die gängige Praxis in der Schule anzupassen. Die Ergebnisse der Gesamtleistung werden sowohl in Prozenträngen als auch in T-Werten ausgewiesen, während für die Einordnung der spezifischen Fehlerschwerpunkte Prozentränge herangezogen werden.

Literatur

  • Grund, M., Leonhart, R. & Naumann, C. L. (2017). Diagnostischer Rechtschreibtest für 5. Klassen (DRT 5) (3., aktualisierte und neu normierte Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
  • Scheerer-Neumann, G. (2015). Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Scheerer-Neumann, G., Schnitzler, C. D., Hübner, A., Mühlbauer, E. & Ritter, C. (2010). ILeA 5. Individuelle Lernstandsanalysen. Lehrerheft Deutsch. Ludwigsfelde-Struveshof: Landesinstitut für Schule und Meiden Berlin-Brandenburg.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Überprüft: 07/2026

 

Zur Übersicht über diagnostische Verfahren.

Lizenz

Wissen, welche Diagnostik! Copyright © Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Buch teilen