Herausforderungen in der Praxis
Vision «Schule für Alle» realisieren
Kinder müssen nicht zurückstecken
Hauptaussagen
Integration benachteiligt nicht
- Vorurteil besteht weiterhin, dass andere Kinder zurückstecken, wenn Kinder in ihrer Klasse integriert werden.
- Studien haben belegt, dass dies nicht der Fall ist – im Gegenteil.
- In Klassen mit Integration sind Fortschritte beobachtbar gegenüber Klassen ohne Integrationskontext, z.B. beim Sozialverhalten und der Empathie-Entwicklung.
Von der Befähigung aus denken
Hauptaussagen
Befähigung als Bildungsziel
- In der Praxis gibt es wenig Fälle, in denen Lehrpersonen wirklich an der Befähigung arbeiten – Vermittlung von Inhalten steht im Vordergrund
- Unverständnis, weshalb ein Kind andere Prioritäten haben kann, z.B. beim Thema Taschenrechner früher lernen zu nutzen
- Diese Priorisierung ist für viele Lehrpersonen äusserst schwierig – ‚Ich kann doch nicht für jedes Kind ein eigenes Programm machen‘
- Fairness gegenüber anderen Kindern in der Klasse oft schwierig zu verstehen. Wie aufgreifen?
Vision einer Schule für Alle umsetzen
Hauptaussagen
Gemeinsam die Vision einer ‚Schule für Alle‘ denken
- Die Vision ‚Schule für Alle‘ ist breit akzeptiert.
- In der Realität wird dann aber trotzdem oft eingefordert, dass ein Schüler ‚passen muss‘.
- Stattdessen fragen ‚Was können wir tun um diese Vision in zur Realität werden zu lassen?‘
- Die Realität akzeptieren, dass es Kinder mit Migrations-Hintergrund, Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten etc. gibt.
- Ziel, als Schule eine andere Ebene zu erreichen
Impuls
Was können wir tun, um die Vision zur Realität werden zu lassen?
Um die Vision einer Schule für alle zu realisieren, hilft es, wenn von der Befähigung aus gedacht wird, wie es auch in den Bildungszielen des Lehrplans 21 festgehalten ist. Bildung heisst, das Individuum zu befähigen seine Potenziale zu erkunden, eine eigene Identität zu entwickeln und ein möglichst eigenständiges und selbstverantwortliches Leben zu führen, teilhaben und mitwirken zu können. Eine konsequente Orientierung am obersten Bildungsziel, der Befähigung zur Lebensführung, eröffnet für die Förderung und Bildung des Individuums alternative Möglichkeiten, die über den Erwerb von Kulturtechniken hinausgehen. Damit setzt sich die Broschüre «Anwendung des Lehrplans 21 bei komplexer Behinderung» auseinander.
Abb: Entwickeln einer Befähigungsvision und ihre Umsetzung (in: Hollenweger & Bühler 2021, Befähigung und Förderung)