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Fördermassnahmen

Lesen. Das Training 1 (Unterstufe)

von Gerd Kruse, Maria Riss, Ursula Rickli, Thomas Sommer (2024)

Einsatzbereich

  • 1.-3. Klasse
  • Einzel- oder Gruppentraining
  • Universelle und selektive Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis Leerer Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Keine explizite theoretische Begründung. Keine Belege zur  Wirksamkeit vorhanden.

Inhalt

Das Förderprogramm richtet sich an die Unterstufe und verfolgt das Ziel, grundlegende Lesefertigkeiten systematisch aufzubauen und zu festigen. Im Zentrum stehen dabei die Entwicklung der Buchstaben- und Worterkennung, die Förderung der Lesegenauigkeit sowie der Aufbau erster Leseflüssigkeit. Die Schüler:innen werden schrittweise an ein einfaches Textverständnis herangeführt und darin unterstützt, kurze Texte sinnentnehmend zu lesen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Automatisierung von Leseprozessen sowie auf dem Aufbau grundlegender Lesestrategien. Durch gezielte Übungen wird die Leseflüssigkeit gesteigert und gleichzeitig das Leseverständnis verbessert. Das Programm verbindet somit basale Fertigkeiten mit ersten Schritten hin zu einem verstehenden Lesen.

Die Durchführung ist flexibel gestaltet und lässt sich gut in den Unterricht integrieren. Einzelne Trainingseinheiten dauern in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten und können sowohl für regelmässige Übungsphasen als auch für gezielte Fördersequenzen eingesetzt werden. Der Einsatz ist über einen längeren Zeitraum hinweg möglich – von mehreren Wochen bis hin zu einem Schulhalbjahr oder ganzen Schuljahr.

Das Förderprogramm Lesen. Das Training 1 (Unterstufe) ist Teil einer abgestuften Lehrmittelreihe, die eine kontinuierliche Entwicklung der Lesekompetenz unterstützt. Aufbauend auf die Unterstufe folgen Programme für die Mittelstufe (Lesen. Das Training 2) sowie für die Oberstufe bzw. Sekundarstufe (Lesen. Das Training 3). Dadurch wird ein durchgängiger Kompetenzaufbau vom Leseanfang bis in weiterführende Schulstufen gewährleistet.

Durchführbarkeit

Das Förderprogramm Lesen. Das Training 1 (Unterstufe) ist didaktisch insgesamt gut aufbereitet. Es zeichnet sich durch einen klar strukturierten Aufbau aus, der vom einfachen zum komplexeren Lesen führt. Besonders hervorzuheben sind die kleinschrittigen Übungen, die sich gut für schwächere Leser:innen eignen, sowie der hohe Anteil an Wiederholungen, der die Automatisierung grundlegender Lesefertigkeiten unterstützt. Zudem orientiert sich das Programm an evidenzbasierter Lesedidaktik, indem es sowohl Leseflüssigkeit als auch Leseverständnis gezielt fördert. Einschränkend ist jedoch anzumerken, dass die Übungen teilweise wenig spielerisch gestaltet sind und dadurch die Motivation beeinträchtigt werden kann.

Die eingesetzten Methoden sind klar und nachvollziehbar beschrieben. Die Übungen lassen sich leicht umsetzen, und Lehrpersonen erhalten konkrete Anleitungen, wodurch der Einsatz in der Praxis erleichtert wird. Der geringe Interpretationsspielraum ist dabei besonders hilfreich im schulischen Alltag. Allerdings steht die praktische Umsetzung stärker im Vordergrund als die theoretische Fundierung, sodass vertiefte Hintergrundinformationen nur begrenzt vorhanden sind.

Auch hinsichtlich der Materialien ist das Programm gut ausgestattet. Die benötigten Arbeitsblätter und Übungsmaterialien sind Bestandteil des Programms und in der Regel leicht zugänglich, ohne dass aufwendige Zusatzmaterialien erforderlich sind.

Ein typisches Praxisbeispiel aus dem Unterricht ist eine Fördersequenz in einer Unterstufenklasse mit Schwerpunkt Leseflüssigkeit. Die Lehrperson arbeitet mit einer Kleingruppe von Schülerinnen und Schülern, die noch Mühe beim flüssigen Lesen haben. Zunächst lesen die Kinder kurze, stark strukturierte Wörter- und Satzkarten aus dem Programm wiederholt laut vor. Anschliessend folgt ein gemeinsames „Echo-Lesen“, bei dem die Lehrperson einen Satz vorliest und die Kinder diesen nachsprechen. Danach bearbeiten sie einfache Verständnisaufgaben zum gelesenen Text, beispielsweise das Zuordnen von Bildern zu Sätzen oder das Beantworten sehr einfacher Fragen.

Durch die wiederholte Übung derselben Wort- und Satzstrukturen können die Kinder ihre Lesesicherheit Schritt für Schritt verbessern. Gleichzeitig ermöglicht die klare Struktur des Materials eine einfache Durchführung ohne lange Vorbereitung. Die Lehrperson übernimmt dabei eine stark anleitende Rolle und unterstützt gezielt bei Schwierigkeiten.

Theoretische Fundierung

Das Förderprogramm Lesen. Das Training 1 (Unterstufe) lässt sich als praxisnah und strukturiert, jedoch nur teilweise theoretisch expliziert begründet einordnen. Ein theoretisch begründetes Modell liegt dem Programm nur implizit zugrunde. Es orientiert sich erkennbar an zentralen und in der Fachwissenschaft etablierten Annahmen der Lesedidaktik, insbesondere an der Bedeutung von Dekodierfähigkeit, Leseflüssigkeit und dem Aufbau von Leseverständnis durch Automatisierung. Diese theoretischen Grundlagen sind in der Fachwissenschaft breit anerkannt und gut belegt, werden im Programm jedoch nicht als zusammenhängendes theoretisches Modell explizit dargestellt.

Die Handlungsanleitungen und das Manual sind hingegen klar und nachvollziehbar aufgebaut. Die Übungen folgen einer gut erkennbaren didaktischen Logik, die vom Aufbau grundlegender Lesefertigkeiten über die Förderung der Leseflüssigkeit bis hin zum Leseverständnis führt. Damit sind die praktischen Elemente grundsätzlich aus den zugrunde liegenden Annahmen ableitbar, auch wenn diese Ableitung nicht systematisch theoretisch begründet wird, sondern vor allem praxisorientiert erfolgt.

Evaluation

In unserer Recherche konnten wir keine Studien finden, die sich mit der Wirksamkeit des Programms beschäftigten.

Literatur

  • Kruse, G., Rickli, U., Riss, M. & Sommer, T. (2024). Lesen. Das Training 1 (Unterstufe) (9. unveränd. Nachdruck). Bern: Schulverlag plus.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Letzte Änderung: 09/2026

 

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