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Fördermassnahmen

Komm mit ins Zahlenland. Eine spielerische Entdeckungsreise in die Welt der Mathematik

von Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy und Barbara Schindelhauer (2011)

 

Einsatzbereich

  • Vorschule bis 1. Klasse
  • Einzel-, Gruppen- oder Klassentraining
  • Universelle, selektive oder indizierte Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Erste Belege zur Wirksamkeit vorhanden.

Inhalt

«Komm mit ins Zahlenland» ist ein didaktisches Konzept zur frühen mathematischen Bildung. Ziel ist es, Kindern einen spielerischen und emotional ansprechenden Zugang zur Welt der Zahlen zu ermöglichen und dabei mathematische Vorläuferfertigkeiten aufzubauen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines grundlegenden Zahlenverständnisses.

Die «Reise ins Zahlenland» als Gesamtprojekt sollte kontinuierlich über einen selbst gewählten Zeitraum (beispielsweise ein halbes Jahr oder Jahr) stattfinden und nacheinander die Zahlen bis zur Zielzahl in den Mittelpunkt stellen. Es wird empfohlen, das Projekt in einer Gruppe von 8 bis 10 Kindern durchzuführen, wobei auch darauf hingewiesen wird, dass es auch in der Gesamtgruppe durchgeführt werden kann.

Das Programm verbindet mathematische Inhalte mit Geschichten, Liedern, Bewegung, Rollenspiel und kreativem Gestalten. Die Zahlen werden als handelnde Figuren dargestellt und in eine fantasievolle Umgebung eingebettet. Dadurch sollen Kinder Zahlen mit positiven Erfahrungen verknüpfen und mathematische Zusammenhänge handelnd erfahren.

Zentrale Elemente sind:

  • Zahlenweg zur Darstellung von Reihenfolge, Nachbarschaftsbeziehungen und Rechenoperationen
  • Zahlengärten und Zahlenhäuser zur Veranschaulichung von Mengen und Zahlaspekten
  • Zahlentürme zur Darstellung von Zahlzerlegungen
  • Zahlenpuppen, Zahlenfee und Zahlenkobold als motivierende Identifikationsfiguren
  • Zahlenmärchen, Zahlenlieder und Bewegungsspiele
  • Persönliches Zahlenbuch zur Sammlung von Malereien, Zeichnungen und sonstigen Aktivitäten

Die Aktivitäten können flexibel an Alter, Gruppengrösse und Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. Das Programm versteht sich ausdrücklich nicht als festgelegtes Trainingsprogramm sondern als offenes didaktisches Konzept.

Durchführbarkeit

Die Umsetzung erfordert eine vorbereitete Lernumgebung mit verschiedenen Materialien, die entweder gekauft oder gemeinsam mit den Kindern hergestellt werden können. Der anfängliche Vorbereitungsaufwand erscheint vergleichsweise hoch, wird jedoch durch zahlreiche Praxisbeispiele, Illustrationen und konkrete Umsetzungsvorschläge unterstützt.

Das Buch enthält detaillierte Anleitungen zur Einführung des Zahlenlandes, zur Gestaltung der Lernumgebung sowie zur Bearbeitung der einzelnen Zahlen. Die vorgeschlagenen Aktivitäten lassen sich gut in den pädagogischen Alltag integrieren und können ritualisiert durchgeführt werden. Alle Lieder zum Buch werden zudem in einer Solo-, Chor- und Karaoke-Version auf einer CD mitgeliefert.

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite https://www.ifvl.de/zahlenland/ . zudem steht eine englischsprachig zur Verfügung https://www.numberland.net/.

Theoretische Fundierung

Das Konzept stützt sich auf entwicklungspsychologische, mathematikdidaktische und neurodidaktische Überlegungen. Die Autor:innen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne Pestalozzis («Kopf, Herz und Hand») und möchten mathematische Inhalte über Geschichten, Musik, Bewegung, Rollenspiel und kreative Aktivitäten erfahrbar machen. Zahlen werden dabei personifiziert und in eine fantasievolle Erlebniswelt eingebettet. Zudem beziehen sich die Autor:innen auf Erkenntnisse der Neurodidaktik sowie auf entwicklungspsychologische Annahmen zum magischen und animistischen Denken von Kindern im Vorschulalter. Die Förderung mathematischer Vorläuferfertigkeiten wie Zählen, Mengenvergleich, Seriation und Zahlverständnis wird als zentrales Ziel beschrieben.

Die theoretische Fundierung erscheint auf den ersten Blick breit abgestützt. Allerdings bleibt die Verbindung zwischen den theoretischen Bezügen und der konkreten Gestaltung der mathematischen Lernprozesse teilweise unscharf. Insbesondere werden neurodidaktische und entwicklungspsychologische Argumente eher programmatisch angeführt als systematisch aus empirischer Forschung abgeleitet.

Krajewski und Simanowski (2017) beurteilen das Konzept kritisch. Sie bemängeln, dass das Zahlenland zwar zahlreiche mathematische Aktivitäten enthält, jedoch nicht konsequent an entwicklungspsychologischen Modellen des Zahlverständnisses orientiert ist. Insbesondere werde die Entwicklung zentraler mathematischer Basiskompetenzen, wie der Verknüpfung von Zahlen und Mengen sowie der Einsicht in die Beziehungen zwischen aufeinanderfolgenden Zahlen, nicht systematisch unterstützt. Die Autorinnen kritisieren zudem, dass die Personifizierung der Zahlen und die umfangreiche Einbettung in Geschichten und Fantasiewelten den Fokus von den numerischen Strukturen weglenken können. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Kinder zwar reichhaltige Geschichten und Eigenschaften einzelner Zahlen lernen, jedoch die mathematischen Beziehungen zwischen den Zahlen weniger deutlich wahrnehmen.

Aus Sicht der aktuellen Forschung zur Prävention von Rechenschwierigkeiten wird darüber hinaus argumentiert, dass mathematische Förderprogramme möglichst inhaltsspezifisch sein und die Aufmerksamkeit gezielt auf Mengen, Zahlen und deren Beziehungen lenken sollten. Vor diesem Hintergrund wird die theoretische Fundierung des Zahlenland-Konzepts zwar als breit und pädagogisch plausibel, jedoch nicht durchgängig als entwicklungs- und lernpsychologisch optimal für den Aufbau mathematischer Basiskompetenzen beurteilt.

Evaluation

Die Befunde von Friedrich und Munz (2006) sprechen zunächst für positive Effekte des Programms auf mathematische Vorläuferfähigkeiten und sprachbezogene Kompetenzen. Besonders bemerkenswert erscheint, dass die berichteten Verbesserungen bereits nach einer vergleichsweise kurzen Förderdauer von rund zehn Stunden erzielt wurden.

Die Evidenzlage wird jedoch in der Fachliteratur kritisch diskutiert. Krajewski und Simanowski (2017) weisen darauf hin, dass das Programm aufgrund seines ganzheitlichen Ansatzes nicht konsequent auf den Aufbau mathematischer Basiskompetenzen ausgerichtet sei. Die starke Einbettung mathematischer Inhalte in Zahlenmärchen, Zahlenpuppen, Geschichten und Rollenspiele könne dazu führen, dass die Aufmerksamkeit der Kinder auf numerisch irrelevante Aspekte gelenkt werde und die mathematischen Beziehungen zwischen den Zahlen weniger deutlich hervortreten. Zudem wird argumentiert, dass die vielfältigen fantasievollen Elemente insbesondere Kinder mit schwachen mathematischen Vorkenntnissen oder eingeschränkten Aufmerksamkeits- und Arbeitsgedächtnisressourcen zusätzlich belasten könnten.

Auch die Wirksamkeitsnachweise werden kritisch bewertet. Zwar berichten Friedrich und Munz (2006) signifikante Fördereffekte, Krajewski und Simanowski (2017) verweisen jedoch darauf, dass langfristige Transfereffekte auf schulische Mathematikleistungen nicht ausreichend dokumentiert seien. Darüber hinaus zeigte das Programm in einer späteren Vergleichsstudie keine Vorteile gegenüber einer untrainierten Kontrollgruppe und war einem anderen mathematischen Frühförderprogramm (Mengen, zählen, Zahlen) signifikant unterlegen.

Insgesamt liegen Hinweise auf positive Wirkungen des Programms vor, die empirische Evidenz kann jedoch nicht als eindeutig betrachtet werden. Während die praktische Umsetzbarkeit und der motivierende Charakter des Konzepts vielfach hervorgehoben werden, bleibt offen, in welchem Ausmass die Förderung tatsächlich zum Aufbau mathematischer Basiskompetenzen beiträgt.

Literatur

  • Friedrich, G., de Galgóczy, V. & Schindelhauer, B. (2011). Komm mit ins Zahlenland. Eine spielerische Entdeckungsreise in die Welt der Mathematik. Herder.
  • Friedrich, G. & Munz, H. (2006). Förderung schulischer Vorläuferfertigkeiten durch das didaktische Konzept «Komm mit ins Zahlenland». Psychologie in Erziehung und Unterricht, 53, 132-144.

Verfügbarkeit an der HfH


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Letzte Änderung: 04/2026

 

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