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Fördermassnahmen

ADHS bei Jugendlichen – Das Lerntraining LeJa

von Friedrich Linderkamp, Timo Hennig und Satyam Antonio Schramm (2024)

Einsatzbereich

  • Jugendliche von 12-17 Jahre
  • Einzeltraining
  • Indizierte Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Überzeugende Belege zur  Wirksamkeit.

Inhalt

Das Lerntraining ist speziell für Jugendliche mit einer ADHS-Diagnose konzipiert und wird in Einzelsitzungen durchgeführt.

Eine umfassende Diagnostik bildet die Basis für das Training, das sich in vier Abschnitte gliedert und insgesamt 16-20 Sitzungen umfasst:

  1. Beziehungsaufbau sowie Problem- und Zieldefinition (Sitzungen 1-5): Dieser Abschnitt konzentriert sich auf das Kennenlernen und den Beziehungsaufbau, auf die Psychoedukation zu ADHS, auf Lernstörungen und Achtsamkeit, auf die Definition von Zielen und Ressourcenaktivierung sowie auf den Trainingsvertrag und die Beziehungsgestaltung.
  2. Lerntraining (Sitzungen 6-13): In diesem Teil werden ein idealer Problemlöseprozesses entwickelt und Signalkarten erstellt. Die Jugendlichen erproben den Problemlöseprozess anhand von Beispiel- und Schulaufgaben. Zudem werden schulleistungsspezifische Lerntechniken und Lernstrategien eingeführt.
  3. Lernorganisation (Sitzungen 14, 15): Die Gestaltung einer förderlichen Lernumgebung, die Optimierung der Terminplanung sowie die Vorbereitungen für längerfristige Aufgaben und spezifische Vorbereitungen auf bevorstehende Klassenarbeiten stehen hier im Fokus.
  4. Coaching und Transfer (Sitzungen 16-20): In diesem Abschnitt geht es um die Bearbeitung persönlicher Probleme, die Erstellung eines individuellen Berufseignungsprofils und die Erarbeitung von Anforderungsprofilen ausgewählter Berufsbilder. Es erfolgt eine Abgleichung des Eignungsprofils mit den Berufsprofilen zur Entwicklung einer Berufsperspektive.

Ab Sitzung 5 können optional Achtsamkeitsübungen ein- und durchgeführt werden.

Darüber hinaus werden drei Nachsorgetermine empfohlen, um die Nachhaltigkeit des Trainings zu sichern. Neben den Einzelsitzungen mit den Jugendlichen ist eine Familienberatung vorgesehen, die mindestens drei Elternabende und individuelle Elternberatung zu Psychoedukation und Aufbau angemessenen Erziehungsverhaltens umfasst. Zusätzlich wird ein Austausch mit Lehrpersonen für einen Transfer der erworbenen Fähigkeiten auf die schulische Situation empfohlen. Für die Eltern- und Lehrpersonenabende finden sich keine ausgearbeiteten Programme vor.

Durchführbarkeit

Der Behandlungsablauf wird klar strukturiert dargestellt, gefolgt von detaillierten Anweisungen zur Durchführung jeder Sitzung mit Hinweisen aller benötigten Materialien. Dem Handbuch sind zahlreiche Vorlagen für Fragebögen, Informationsschreiben und Arbeitsblätter beigelegt, die zusätzlich online verfügbar sind.

Das Training richtet sich an einen Adressatenkreis, der das Training im Rahmen von Einzelsitzungen durchführen kann. Hierzu gehören Fachpersonen aus den Bereichen Inklusions- und Sonderpädagogik, Psychologie, Psychotherapie, Lerntherapie, Ergotherapie sowie Sozialpädagogik und soziale Arbeit.

Theoretische Fundierung

Der erste Teil des Handbuches bietet eine umfassende Einführung in die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit Fokus auf das Jugendalter. Es wird ein biopsychosoziales Bedingungsmodell erörtert und sowohl die Diagnostik und auch multimodale Therapie werden behandelt.

Der zweite Teil des Handbuches dient als Behandlungsmanual. Das Therapiekonzept legt unter Berücksichtigung des Jugendalters besonderen Wert auf die Beziehungsgestaltung und Ressourcenaktivierung. Es integriert kognitiv-verhaltenstherapeutischen Elemente, darunter operante Verfahren, das Erarbeiten und Einüben von Lerntechniken («explicit practice»), Strategieinstruktion, Coaching und Selbstmanagement, Achtsamkeit und Psychoedukation.

Evaluation

Im Manual wird auf die in Linderkamp et al. (2010) publizierte Einzelfallanalyse verwiesen, in der positive und nachhaltige Therapieeffekte in allen erhobenen Bereichen, insbesondere hinsichtlich ADHS-Symptomatik sowie der psychischen Gesamtbelastung, aufgezeigt werden konnten.

In seiner Dissertation untersuchte Schramm (2013) 113 Jugendliche in einem Pre-Post-Follow-up Multi-Trait-Multi-Method-Design. Ergebnisse wurden später in einer Fachzeitschrift veröffentlicht (Schramm et al., 2016). Die Jugendlichen wurden entweder dem LeJa-Training, einer aktiven Kontrollgruppe (progressive Muskelentspannung) oder einer Wartekontrollgruppe zugewiesen. Eltern und Lehrpersonen schätzten ADHS-Symptome, Lern- und Arbeitsverhalten sowie komorbide Schwierigkeiten ein. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Interventionsgruppen im Vergleich zur Wartekontrollgruppe signifikante Verbesserungen hinsichtlich der ADHS-Symptomatik, internalisierender Schwierigkeiten sowie des von Lehrpersonen beurteilen Lern- und Arbeitsverhaltens aufwiesen. Zwischen den beiden Interventionsgruppen konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass das LeJa-Training eine wirksame Intervention für Jugendliche mit ADHS darstellt und vergleichbare Effekte wie progressive Muskelentspannung erzielt. Zusätzliche Analysen deuten darauf hin, dass insbesondere Verbesserungen schulischer und organisatorischer Kompetenzen zur Symptomreduktion beitragen können (Schramm et al., 2016).

Hennig et al. (2018) untersuchten ergänzend die Übereinstimmung zwischen den Einschätzungen von Eltern, Lehrpersonen und Jugendlichen hinsichtlich der ADHS-Symptomatik sowie weiterer Verhaltensauffälligkeiten in einer Stichprobe von 114 Jugendlichen. Dabei zeigte sich insgesamt nur eine moderate Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Beurteilenden. Besonders grosse Unterschiede fanden sich zwischen den Einschätzungen von Lehrpersonen und Jugendlichen bezüglich des prosozialen Verhaltens. Zudem zeigte sich in einer Substichprobe von 54 Jugendlichen, dass starke Diskrepanzen zwischen den Einschätzungen von Lehrpersonen und Jugendlichen mit geringeren Behandlungseffekten des LeJa-Trainings verbunden waren (d = 0.41) als geringe Diskrepanzen (d = 0.98). Die Autoren schlussfolgern daraus, dass bei der Beurteilung und Behandlung von Jugendlichen mit ADHS unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden sollten, da Abweichungen zwischen den Einschätzungen Hinweise auf ungünstigere Therapieergebnisse geben können.

Literatur

  • Hennig, T., Schramm, S. A., Linderkamp, F., & Koglin, U. (2016). Mediation and moderation of outcome in a training intervention for adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder. Journal of Cognitive Education and Psychology, 15(3), 412-427. https://doi.org/10.1891/1945-8959.15.3.412
  • Hennig, T., Schramm, S.A., & Linderkamp, F. (2018). Cross-informant disagreement on behavioral symptoms in adolescent attention-deficit/hyperactivity disorder and its impact on treatment effects. European Journal of Psychological Assessment, 34, 79-86. https://doi.org/10.1027/1015-5759/a000446
  • Linderkamp, F., Hennig, T. & Schramm, S. (2010). Das Lerntraining für Jugendliche mit Aufmerksamkeitsstörungen (LEJA). Verhaltenstherapie mit Kindern & Jugendlichen, 6, 107–116
  • Linderkamp, F., Hennig, T. & Schramm, S. (2011). ADHS bei Jugendlichen. Das Lerntraining LeJa. Universitätsverlag Potsdam.
  • Linderkamp, F., Hennig, T. & Schramm, S. (2024). ADHS bei Jugendlichen. Das Lerntraining LeJa (2. aktual. & erw. Aufl). Universitätsverlag Potsdam.
  • Schramm, S. A. (2013) Intervention bei ADHS im Jugendalter : Konzeption und empirische Evaluation des Lerntrainings für Jugendliche mit ADHS (LeJA). Dissertation, Universität Oldenburg.
  • Schramm, S. A., Hennig, T. & Linderkamp, F. (2016). Training problem solving and organizational skills in adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder: A randomized controlled trial. Journal of Cognitive Education and Psychology, 15(3), 391–411. https://doi.org/10.1891/1945-8959.15.3.391

Verfügbarkeit an der HfH


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Letzte Änderung: 05/2026

 

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