Fördermassnahmen
Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I (PRiS)
von Klaus Fröhlich-Gildhoff, Annegret Reutter und Stefanie Schopp (2021)

Einsatzbereich
- 5. bis 10. Klasse
- Gruppentraining
- Universelle Prävention
Qualitätskriterien
| Durchführbarkeit | Theoretische Fundierung | Evaluation | |
|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Halb gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Erste Belege zur Wirksamkeit vorhanden. |
Inhalt
Ziel des Förderprogrammes Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I (PRiS) ist die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen und Stärkung der psychischen Widerstandskraft. Ausgangspunkt des Förderprogrammes war ein Praxisforschungsprojekt zur Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen, darauf aufbauend wurde das Programm auch für die Sekundarstufe weiterentwickelt.
Für jede Klassenstufe werden zwischen 10 bis 14 Einheiten beschrieben, die mit der Klasse durchgeführt werden können. Die Einheiten werden immer auf die jeweilige Klasse übertragen und angepasst, so dass aus den angebotenen Übungen ausgewählt werden kann. Der inhaltliche Fokus liegt bei sieben Resilienz- bzw. personalen Schutzfaktoren:
- Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Selbstregulation
- Selbstwirksamkeit
- Soziale Kompetenz
- Problemlösekompetenz
- Aktive Bewältigungskompetenzen
- Sinnfindung und Zielanpassung
Die Resilienzfaktoren sind nicht unabhängig voneinander, sondern bauen auch aufeinander auf. Der siebte Faktor «Sinnfindung und Zielanpassung» hat gerade für das Jugendalter eine besondere Relevanz.
Die Programmreihe «Prävention und Resilienzförderung» umfasst auch ein Förderprogramm für das Vorschulalter (PRiK; Fröhlich-Gildhoff et al., 2021) und für die 1.- 4. Klasse (PRiGS, Fröhlich-Gildhoff et al., 2020).
Durchführbarkeit
Das Manual beinhaltet die allgemeinen Bausteine und dient als «roter Faden», die konkrete Umsetzung der verschiedenen Übungen und Spiele kann und soll dabei an die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse angepasst werden. Für die Schwerpunktsetzung orientiert man sich an den Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen.
Praktische Hinweise zur Durchführung in Bezug auf den Einsatz von Medien, Ritualen, Bewegungsspielen, Regeln und Reflexionsmethoden ergänzen die Beschreibung der Einheiten. Weiter werden Hinweise zur Durchführung mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen gegeben. Die Kopiervorlagen sind als Online-Zusatzmaterialien verfügbar. In der Evaluationsstudie wurde das Material sehr positiv bewertet.
Das Programm ist als Spiralcurriculum aufgebaut, d.h. die Inhalte kommen in modifizierter Form immer wieder vor. Das Förderprogramm kann in unterschiedlichen Klassenstufen gestartet werden, hierzu gibt es eine hilfreiche Übersicht mit Angaben zum Ablauf bei einem Quereinstieg. Bei der Beschreibung der Einheiten wird jeweils aufgeführt, welche Resilienzfaktoren in dieser Übung besonders angesprochen werden.
Theoretische Fundierung
Im Rahmen verschiedener Projekte wurden an der Evangelischen Hochschule Freiburg mehrere Untersuchungen zur Resilienzförderung gemacht. Das Förderprogramm PRiS wurde anhand theoretischer Grundlagen wie auch basierend auf praktischen Erfahrungen entwickelt. Beim theoretischen Hintergrund werden die personalen Resilienzfaktoren (Wustmann, 2004) beschrieben, die für die erfolgreiche Bewältigung von Belastungen entscheidend sind. Resilienz wird definiert als dynamische Eigenschaft, die sich im Laufe des Lebens entwickelt (Petermann et al., 2004). Im Jugendalter steht die Bewältigung von spezifischen Entwicklungsaufgaben, wie bspw. die Ablösung vom Elternhaus oder die Identitätsfindung in Bezug auf die berufliche Orientierung, an. Im Manual werden auch aktuelle Studien zur Resilienzforschung in Bezug auf den Einfluss von Lehrpersonen und Schule aufgegriffen.
Evaluation
Gemäss Manual wurde das Förderprogramm PRiS von August 2019 bis Juli 2020 an drei Schulen umgesetzt und hinsichtlich deren Wirksamkeit mittels Vor- und Nachhermessung überprüft. Aufgrund der COVID-19-Pandemie fiel die Rücklaufquote beim zweiten Messzeitpunkt niedrig aus. Beim ersten Messzeitpunkt t1 waren es insgesamt 564 Schüler:innen und 53 Lehrpersonen, zum zweiten Messzeitpunkt t2 waren es nur noch 54 Schüler:innen und 16 Lehrpersonen.
Die Befragung der Lehrpersonen deutet darauf hin, dass die Umsetzung gut gelinge und dass sich gemäss Selbsteinschätzung die seelische Gesundheit der Lehrpersonen leicht gesteigert hat. Bei den Jugendlichen zeigte der Gesamtwert der Resilienzskala keine signifikante Verbesserung. Eine leichte Verbesserung konnte beim psychischen Wohlbefinden und der erlebten sozialen Unterstützung festgestellt werden. Bei der Studie wurde keine Kontrollgruppe beigezogen.
Die Ergebnisse liefern erste Hinweise in Bezug auf die Wirksamkeit des Programms, jedoch betonen die Autor:innen, dass weitere Evaluationsstudien notwendig sind.
Literatur
- Fröhlich-Gildhoff, K., Becker, J., & Fischer, S. (2020). Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen – PRiGS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
- Fröhlich-Gildhoff, K., Dörner, T., & Rönnau-Böse, M. (2021). Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen – PriK: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
- Fröhlich-Gildhoff, K., Reutter, A., & Schopp, S. (2021). Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I – PriS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
- Petermann, F., Niebank, K., & Scheithauer, H. E. (2004). Entwicklungspsychologie–Genetik–Neuropsychologie. Berlin: Springer.
- Wustmann, C. (2004). Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beltz.
Verfügbarkeit an der HfH
- In der Bibliothek verfügbar
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Letzte Änderung: 04/2026