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Fördermassnahmen

Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen (PRiK)

von Klaus Fröhlich-Gildhoff, Tina Dörner & Maike Rönnau-Böse (2021)

 

Einsatzbereich

  • Vorschulalter (4 bis 6 Jahre)
  • Gruppentraining
  • Universelle Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Überzeugende Belege zur Wirksamkeit vorhanden.

Inhalt

Das Programm Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen (PRiK) ist ein Förderprogramm für Kinder im Vorschulalter. Das Präventionskonzept setzt auf vier Ebenen an: für die Kinder in Kleingruppen, auf Erzieher:innen-Ebene, auf der Elternebene in Form von zwei Elternabenden und für das Umfeld.

Das Programm besteht aus sechs Bausteinen mit 22 Einheiten à 35 bis 50 Minuten. Es wird empfohlen, das Förderprogramm während zehn Wochen ein- bis zweimal wöchentlich durchzuführen. Die Bausteine beziehen sich dabei auf die folgenden sechs Resilienzfaktoren: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbstregulation bzw. Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, Soziale Kompetenz, Umgang mit Stress und Problemlösen. PRiK ist ein Gruppentraining mit idealerweise zwischen acht bis zehn Kindern pro Gruppe und es wird empfohlen die Gruppen von zwei pädagogischen Fachkräften zu leiten.

Die Programmreihe «Prävention und Resilienzförderung» umfasst auch ein Förderprogramm für die 1.- 4. Klasse (PRiGS, Fröhlich-Gildhoff et al., 2020) sowie für die 5./6. Klasse und Sekundarstufe I (PRiS; Fröhlich-Gildhoff et al., 2021).

Durchführbarkeit

Im zweiten Teil des Manuals sind die verschiedenen Fördereinheiten detailliert und verständlich beschrieben, die Kopiervorlagen sind im Anhang des Buches direkt verfügbar. Die Einheiten bestehen aus wiederkehrenden Ritualen (z.B. Eingangs- und Abschlussrituale) und (Bewegungs-)Spielen. Ein wichtiges Element des Förderprogrammes sind Skippy und Flippy, zwei Handpuppen, die selbst gebastelt oder gekauft werden können. Skippy und Flippy führen Gespräche oder stellen den Kindern Fragen und können an jeder Einheit auch teilnehmen.

Die Spiele und Übungen im Förderprogramm sollten regelmässig reflektiert und somit der Transfer in den Alltag etabliert werden. Das Manual enthält Anregungen zur Weiterführung und Übertragbarkeit der Inhalte in den Alltag sowie weitere hilfreiche Hinweise für die pädagogischen Fachpersonen. Betont wird insbesondere auch die Zusammenarbeit mit den Eltern, welche bei der Resilienzstärkung im Vorschulalter zentral erscheint.

Theoretische Fundierung

Das Förderprogramm basiert auf den theoretischen Grundlagen und Forschungserkenntnissen zu sechs Resilienzfaktoren: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbststeuerung, soziale Kompetenzen, Selbstwirksamkeit, Stressbewältigung und Problemlösen. Im ersten Teil des Manuals werden die Programmelemente und Hintergründe sowie die Zusammenhänge der sechs Resilienzfaktoren ausführlich und theoretisch fundiert beschrieben. Die Autor:innen beziehen sich u.a. auf das Informationsmodell nach Crick und Dodge (1994) und das Stresskonzept von Lazarus (Lazarus & Launier, 1981). Aus den dargestellten Befunden und Theorien werden nachvollziehbare Handlungsanleitungen für die Schwerpunkte und Inhalte der Resilienzförderung abgeleitet.

Evaluation

Im vierten Kapitel des Manuals werden drei Evaluationsstudien beschrieben. Das Förderprogramm PRiK wurde in der ersten Fassung in einer Vorstudie vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg evaluiert. An der Evaluation mit Kontrollgruppendesign nahmen fünf Kindertageseinrichtungen teil. Zur Stichprobe zählten 39 Kinder in der Durchführungsgruppe und 37 Kinder in der Kontrollgruppe. Für die Kinder, welche am Programm teilgenommen haben, zeigten sich signifikant positive Ergebnisse in Bezug auf die sozial-emotionalen Kompetenzen, Hyperaktivität und emotionalen Auffälligkeiten. Zudem berichteten die Eltern über eine Verringerung von oppositionell-aggressivem Verhalten. Bei dieser Studie limitierend zu betrachten ist, dass das eingesetzte Verfahren defizitorientiert ist und über nur eine Skala zu Kompetenzen verfügt.

Zwei weitere grosse Evaluationsstudien untersuchten später die Wirksamkeit des multimodalen Ansatzes. Im Projekt «Kinder Stärken!» (Fröhlich-Gildhoff et al., 2008) mit Durchführungsgruppe (n = 278) und Kontrollgruppe (n = 188) wurde PRiK mittels Prozess- und Ergebnisevaluation und mit qualitativen sowie quantitativen Methoden untersucht. In der Durchführungsgruppe konnte eine deutliche Verbesserung des Selbstwerts sowie unerwartet eine Verbesserung der kognitiven Entwicklung im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden. Zu erwähnen ist, dass sich bei den Kindern, deren Eltern zusätzlich auch an den Elternkursen teilnahmen, die besten Effekte zeigten.

In einem zweiten grossen Projekt «Prävention zur Verhinderung von Exklusion – Förderung der seelischen Gesundheit in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung in Quartieren mit besonderen Problemlagen» (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2013) nahmen 349 Kinder in der Durchführungs- und 367 Kinder in der Kontrollgruppe teil. Die sechs Kindertageseinrichtungen befanden sich in städtischen Quartieren mit Familien mit Migrationshintergrund. Es zeigten sich signifikante positive Veränderungen der Kinder in der Durchführungsgruppe hinsichtlich einer Abnahme von externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten und Problemen mit Gleichaltrigen sowie einer Zunahme im prosozialen Verhalten. In zwei Subskalen eines Entwicklungstests in Bezug auf Sprache und emotionale Entwicklung konnten auch signifikante Verbesserungen in der Durchführungsgruppe im Vergleich zur KG festgestellt werden. Die Interviews mit Eltern und Fachkräften bestätigten die positiven Ergebnisse der standardisierten Verfahren.

Literatur

  • Crick, N., & Dodge, K. (1994). A Review and Reformulation of Social Information-Processing Mechanisms in Children’s Social Adjustment. Psychological Bulletin 115(1), 74-101.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Becker, J., & Fischer, S. (2020). Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen – PRiGS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Dörner, T., & Rönnau-Böse, M. (2021). Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen – PriK: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Reutter, A., & Schopp, S. (2021). Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I – PriS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Rönnau, M., Dörner, T., Kraus-Gruner, G., & Engel, E. M. (2008). Kinder Stärken!: Resilienzförderung in der Kindertageseinrichtung. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 57(2), 98-116.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., & Rönnau-Böse, M. (2013). Förderung der Lebenskompetenz und Resilienz in Kindertageseinrichtung und Grundschulen. Frühe Bildung(2), 4, 172–184. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000114
  • Lazarus, R. S., & Launier, R. (1981). Stressbezogene Transaktionen zwischen Person und Umwelt. In: Nitsch, J.R. (Hrsg.): Stress. Theorien, Untersuchungen, Massnahmen. Huber, 213-259.

Verfügbarkeit an der HfH


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Letzte Änderung: 04/2026

 

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