Studium und Lehre bei Autismus
Best Practice für Hochschulleitungen und leitende Uni-Mitarbeiter:innen
Ein Leitfaden zur Best Practice bei der Unterstützung von Studenten aus dem Autismus-Spektrum aus autism-uni.org
Einleitung
Über Autismus
Autismus ist eine lebenslange Entwicklungsstörung, die sich darauf auswirkt, wie eine Person mit anderen Menschen kommuniziert und mit ihnen und der Umgebung interagiert. Autismus ist eine Spektrumsstörung; das heißt, dass sie sich bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich auswirkt. Ein wesentlicher Anteil autistischer Menschen hat durchschnittliche oder überdurchschnittliche geistige Fähigkeiten und ist gebildet, allerdings besteht bei einigen zusätzlich eine Lernstörung. Autismus kann zu Denk- und Verhaltensweisen führen, die unnötig rigide oder repetitiv erscheinen, zu Schwierigkeiten beim Verstehen von sozialer Interaktion und zu Schwierigkeiten, Informationen „normal“ zu verarbeiten. Auf der anderen Seite haben viele autistische Menschen auch spezifische Stärken, etwa die Fähigkeit sich intensiv zu konzentrieren, unkonventionelle Problemlösungsstrategien zu entwickeln oder Fehler zu erkennen, die andere übersehen würden. Die Stärken autistischer Menschen als Fachkräfte in bestimmten Bereichen werden zunehmend auch weltweit von Unternehmen erkannt.
Über Autism&Uni
Autism&Uni ist ein EU-finanziertes Projekt mit Partnern in fünf Ländern. Unser Ziel ist es, eine größere Zahl an jungen Erwachsenen aus dem Autismus-Spektrum dabei zu unterstützen, Zugang zur Hochschulbildung zu erlangen und den Übergang dazu erfolgreich zu bewältigen.
Um die Bedürfnisse und Erwartungen autistischer Menschen herauszufinden und um die aktuelle gute Praxis zu definieren, haben wir eine Fragebogen-Umfrage durchgeführt, mit Studenten über ihre Erfahrungen gesprochen, Forschungsergebnisse und Fachliteratur untersucht und ein Mapping der Bildungsangebote und Gesetzgebung für autistische Kinder und Jugendliche in ganz Europa durchgeführt. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass es zahlreiche Herausforderungen für autistische Student:innen gibt, die in den Bereich der Hochschulbildung einsteigen und darin erfolgreich sein wollen.
Herausforderungen, denen sich autistische Studenten gegenübersehen
Das soziale und physische Umfeld
- Schwierigkeit beim Erfassen ungeschriebener sozialer Regeln bei der Interaktion mit Tutor:innen und Kommiliton:innen
- Schwierigkeit beim Ertragen von Hintergrundgeräuschen, der Beleuchtung, Menschenmengen oder anderen sensorischen Aspekten des Universitäts-Umfelds
- Umgang mit der sozialen Isolation, die oft mit dem Leben in einer neuen Umgebung einhergeht
Fehlen einer geeigneten Unterstützung
- Von Beginn an fehlender Zugang zu geeigneter Unterstützung
- Fokus auf die „Defizite“ des Autismus statt auf die Stärken, die die Student:innen einbringen können
- Fehlende Beständigkeit bei angemessenen Anpassungen, autismusspezifischen Leistungen und persönlichen Unterstützungsleistungen
Unrealistische Erwartungen der Student:innen
- wie das Studieren an der Universität wirklich ist
- Inhalt des Studienfachs oder Lehrgangs
- Leistung auf dem selben hohen Standard wie im Sekundarbereich
- Interessen und Engagements der Kommiliton:innen
Herausforderungen bezüglich der Benotung (selbst, wenn die Materie beherrscht wird)
- Schwierigkeit bei der korrekten Interpretation mehrdeutiger und offener Aufgabenstellungen
- Nicht verstehen, warum etwas getan werden muss
- Schwierigkeit bei der Planung von Studienarbeiten und Korrekturen
- Unsicherheit darüber, wie viel Zeit für eine bestimmte Aufgabe aufgewandt werden muss
Übergang in das Erwachsenenleben benötigt mehr Anstrengung als bei einem durchschnittlichen Studenten
- Erster Umzug aus dem Elternhaus
- Zeitmanagement und Schaffung von Routinen
- nicht wissen, wie man effektiv die eigenen Rechte einfordert
Man kann argumentieren, dass viele dieser Herausforderungen für alle angehenden Student:innen gelten. Die meisten können sich relativ schnell an sie anpassen und bekommen Unterstützung von ihren Freunden. Für autistische Student:innen dagegen können diese Herausforderungen schnell zu Angst, weiterer Isolierung, Depression und schließlich dazu führen, dass sie ihr Studium ganz abbrechen.
Dies stellt natürlich einen enormen Verlust für die europäische Gesellschaft und Wirtschaft dar, da viele autistische Student:innen über besondere Stärken verfügen, z.B. starker Einsatz und Konzentration auf das von ihnen gewählte Fach, Aufmerksamkeit für Details, Einhalten von Regeln, eine hohe Arbeitsmoral und ein Hang zu rationalem und logischem Denken.
Besorgen Sie sich unser kostenloses Online-Toolkit
Das Projekt Autism&Uni unterstützt Student:innen in dieser kritischen Übergangsphase durch ein Online-Toolkit. Das Toolkit ist in verschiedenen Sprachen erhältlich und kann den spezifischen Bedürfnissen einer Universität, dem Umfeld und der Unterstützungsstruktur angepasst werden. Weitere Details finden Sie unter www.autism-uni.org/toolkits
Über diesen Leitfaden
Wir haben diesen Leitfaden mit der Hilfe autistischer Student:innen, ihrer Eltern, Universitätstutor:innen, Schullehrer:innen und Mitarbeitern im Bereich von unterstützenden Diensten entwickelt. In ihm sind unsere Ergebnisse zusammengefasst und die Best Practice hervorgehoben, insbesondere in den Projektpartnerländern Großbritannien, Finnland, Niederlande, Polen und Spanien. Alle Zitate stammen aus Umfragen und Befragungen, die wir in diesen Ländern im Jahr 2014 durchgeführt haben.
Einige europäische Hochschuleinrichtungen bieten bereits Kombinationen der folgenden Dienste und Anpassungen an (dies sind nur Beispiele)
- Bewertungs- und Unterstützungspläne von Behindertenförderungs-Teams an Universitäten
- Zusätzliche Zeit und getrennte Räume bei Prüfungen
- Erlaubnis, Laptops für schriftliche Prüfungen zu benutzen
- Klärung mehrdeutiger Formulierungen durch einen Assistenten bei Prüfungen und Aufgaben
- Verringerte Studiengebühren
- Besondere Vorkehrungen bei der Unterbringung der Student:in
- Unterstützende Software an allen Uni-Computern oder zur individuellen Nutzung
- Persönliches Mentoring oder Coaching
- Zusätzliche Beteiligung von Studienberater/ innen, einschließlich zusätzlicher Zeit für Planung und Mitteilung des Bedarfs des Studenten an die Uni-Mitarbeiter
- Einzel- oder Gruppentreffen mit Studienberater/innen, die auf Autismus spezialisiert sind
- Alternativen zu oder besondere Vorkehrungen bei Gruppenarbeiten und mündlichen Präsentationen
- Karten, schriftliche Anweisungen und andere unterstützende Maßnahmen zur Auffindung von Studienstandorten
- Alle Vortragsfolien werden im Voraus bereitgestellt
- Erlaubnis, Vorträge mitzuschneiden
- Festgelegte Sitze, Computer, etc. in Vortragssälen und Klassenzimmern
Das Wissen darüber, wie man autistische Student:innen am besten unterstützen kann, ist jedoch in Europa nicht überall einheitlich und variiert auch in den einzelnen Ländern. Es existieren Inseln guter Praxis und dieser Leitfaden hat das Ziel, diese herauszustellen und zu fördern, um die Chancen und die Zahl der Hochschulstudenten aus dem autistischen Spektrum zu erhöhen.
Gebrauchsanweisung für diesen Leitfaden
Jeder Leitfaden konzentriert sich auf Kernpunkte – Erkenntnisse, Ideen und Anregungen zur Umsetzung positiver Veränderungen und guter Praxis, die an Kollegen weitergegeben werden können, sowie „Was man tun kann“ – direkte Schritte, die Sie sofort und ohne die Hilfe anderer unternehmen können.
Einige der Best-Practice-Beispiele sind vielleicht nicht direkt in Ihrem Land oder an Ihrer Einrichtung umsetzbar. Wo dies der Fall ist, kann es dennoch möglich sein, ein zugrundeliegendes Prinzip auszumachen, das Sie in ihre berufliche Praxis mit einbeziehen können.
Autistische Student:innen, die rechtzeitig geeignete Unterstützung erfahren, blühen an der Hochschule auf. Ihre Fähigkeiten und ihre Expertise werden anerkannt, sie haben Zugang zu erstklassigen Vorlesungen und Bibliotheken, die ihre Spezialinteressen fördern und sie erhalten weitere Gelegenheiten, die es ihnen ermöglichen sich weiterzuentwickeln. Wenn Sie diesem Leitfaden folgen, wird Ihnen das dabei helfen, Student:innen dabei zu unterstützen, das Beste aus ihrer Studienzeit und ihrem Leben an der Universität herauszuholen.
Wenn Sie einen oder mehrere der anderen Leitfäden dieser Reihe erwerben wollen, besuchen Sie bitte unsere Website www.autism-uni.org/bestpractice
Best Practice für Hochschulverwaltungen und leitende Hochschulmitarbeiter:innen
Es gibt Belege dafür, dass manche Autist:innen wissen, dass sie autistisch sind, sich aber dafür entscheiden, sich nicht zu outen (Baines, 2012; Davidson und Henderson, 2010; Huws und Jones, 2008). Dies kann verschiedene Gründe haben, etwa, dass sie nicht als behindert bezeichnet werden wollen, dass sie glauben, keinen Anspruch auf Unterstützung zu haben oder dass sie sich ihren Kommiliton:innen anpassen wollen. Eine große Zahl von Student:innen mit ASS hat zu Beginn des Studiums auch noch gar keine Diagnose, das gilt insbesondere für weibliche Studenten oder solche, die nicht die üblichen Genderrollen übernehmen.
Jenseits der Klischees
Teilnehmer:innen am Autism&Uni Mapping-Projekt haben ihre Sorge darüber zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht dem typischen Profil dessen entsprechen, was die Leute von einem autistischen Studenten erwarten – etwa, wenn sie weiblich sind, sich gut ausdrücken können, wenn sie nicht dauernd kämpfen, wenn sie sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender (LGBT) definieren.
Dieses Problem spiegelt sich wieder in der Art, wie Studenten, die den Klischees nicht entsprechen, manchmal vom Uni-Personal und von Kommiliton:innen behandelt werden und wie Autismus in der Literatur über Unterstützungsmaßnahmen dargestellt wird.
Die Literatur, in der autistische Student:innen beschrieben werden, geht oft davon aus, dass Autismus und vielleicht damit verbundene Lernschwierigkeiten und geistige Störungen die einzigen oder die dominierenden Probleme sind, die einen Einfluss auf den Erfolg an der Hochschule haben. Autistische Student:innen können sich jedoch einer Reihe von Faktoren gegenübersehen, die sich auf ihre Erfahrungen an der Universität auswirken.

Warum ist das ein Problem?
Es ist für Universitäten schwierig, die Bedürfnisse von Student:innen zu erkennen, die sich nicht als behindert outen oder die nicht in eine einzelne „Schublade“ passen. Die Folge davon ist, dass Student:innen möglicherweise nicht Zugang zu allen Fördermöglichkeiten erhalten, auf die sie Anspruch hätten und von denen sie profitieren könnten. Wenn Anpassungen nur auf individueller Basis erfolgen – statt sie für alle verfügbar zu machen, die sie beantragen oder statt sie sogar ganz selbstverständlich für die gesamte Studentenschaft anzubieten – werden Student:innen ohne Diagnose oder solche, die sich nicht outen, an der Universität benachteiligt sein.
Was können wir dabei tun?
In Großbritannien, wo Fördergelder für behinderte Studenten („DSA“) weit verbreitet sind, stehen diese nur denjenigen autistischen Student/innen zur Verfügung, die ihre Diagnose in geeigneter Weise nachweisen können. Wenn Student:innen das entsprechende Feld im UCAS-Formular nicht ankreuzen, um die Hochschule über ihre Behinderung zu informieren, werden sie in der Regel keine nennenswerten Informationen über Fördermöglichkeiten für Behinderte bekommen. Die Vorteile, wenn man dieses Feld ankreuzt, rechtzeitig DSA beantragt, etc. müssen grundsätzlich ALLEN potenziellen Antragstellern bekannt gemacht werden und es muss dabei genau auf die Wortwahl geachtet werden, damit diejenigen, die sich selbst nicht als „behindert“ sehen, dennoch diese Informationen finden können. Hochschulen sollten es Student:innen auch einfach machen, ihre Behinderung oder Störung jederzeit während des Studiums zu outen. Es muss ein klares, einfaches und gut bekannt gemachtes Verfahren geben, damit Student:innen dies leisten können. Damit eine Hochschule das Gleichbehandlungsgesetz einhält, muss es der antizipatorischen Pflicht nachkommen, angemessene Anpassungen bereitzuhalten, bevor Studenten diese für sich einfordern und die Ideen im folgenden Abschnitt und die Kernpunkte werden einer Einrichtung dabei helfen, dies zu leisten. Viele der Ideen, über die wir im folgenden Abschnitt sprechen, sowie die Kernpunkte können schnell zum Nutzen aller Studenten umgesetzt werden, egal, ob sie eine Autismus-Diagnose haben oder nicht.
Die Bedeutung von Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt
Die Autism&Uni-Umfragen richteten sich an Student:innen, die das Studium abgebrochen haben und solche, die ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Rechtzeitige Unterstützung oder ihr Fehlen war der entscheidende Faktor dafür, ob sie ihr Studium fortgesetzt haben oder nicht.
Oft gibt es für autistische Student:innen zu Beginn des Studiums keine Unterstützung. Selbst dort, wo Unterstützung von der Einrichtung, anderen Organisationen, der regionalen oder nationalen Verwaltung angeboten wird und sie nachweisen können, dass sie anspruchsberechtigt sind, ist es oft so, dass sie keine Hilfestellung bei der Antragstellung bekommen oder nicht wissen, dass sie einen solchen Antrag stellen können.
Es ist gute Praxis, Student:innen deutlich vor Beginn des Studiums dazu zu ermutigen, eine Unterstützung zu beantragen und diese Unterstützung dann, wenn sie das Studium aufnehmen, zu vereinbaren und umzusetzen.
Unterstützungsleistungen sollten allen Studierenden wiederholt und umfassend bekanntgemacht werden, wobei erklärt wird, was angeboten wird und wer antragsberechtigt ist. Behindertenberater können Student:innen bei ihren Anträgen auf Unterstützungsleistungen helfen, aber nur, wenn die Student/innen wissen, dass es diese Unterstützung gibt und dass autistische Student:innen Anspruch auf geeignete Unterstützungsleistungen haben.
Bei Hochschulen, die selbst keine Begutachtungen anbieten, ist es besonders wichtig, frühzeitig zu beginnen. Wenn der Papierkram des Studenten zu Beginn des Studiums nicht geordnet ist, kann es zu Verzögerungen kommen, weil die Gesundheitsdienste bei der Bereitstellung von Begutachtungen langsam sind. Verzögerungen können teilweise auch deshalb erfolgen, weil die zuständigen Organisationen zu Semesterbeginn stark ausgelastet sind.


In Großbritannien und in den Niederlanden können Student:innen Unterstützungsleistungen beantragen, wenn sie sich an einer Universität zu einem Lehrgang einschreiben – auch dann, wenn sie später die Universität wechseln sollten. In Finnland und Polen sollten sie einen Ombudsmann für behinderte Student:innen oder eine Koordinator:in für Barrierefreiheit kontaktieren, wenn sie sich immatrikulieren, und nach Leistungen für Student:innen fragen und formell Anpassungsleistungen beantragen. Gleichzeitig sollten sie an staatliche oder regionale Behörden in Bezug auf Dienste und Leistungen herantreten.
Interventionen, die allen Studenten zugutekommen
Von autistischen Studierenden wird in der Regel erwartet, dass sie sich an das universitäre Umfeld anpassen statt umgekehrt, entweder aus praktischen oder aus wirtschaftlichen Gründen. Das Umfeld wird in der Regel so gestaltet, dass es für „normale“ Studierende passt und das ist auch nachvollziehbar, da diese die ganz überwiegende Mehrheit der Student/innen bilden.
„Angemessene Anpassungen“ für autistische Student:innen zu finden, kann jedoch dazu führen, dass diese von ihren Kommiliton:innen getrennt werden, was ihre sozialen Ängste steigern und ihr Gefühl, anders zu sein, verstärken kann (Madriaga, 2010). Ein sozial gerechterer Ansatz, der die Bedürfnisse und auch die Probleme behinderter Student:innen versteht, verlangt von den Student:innen nicht, dass sie ihre Unterschiede outen oder zusätzliche Unterstützung beantragen und kommt standardmäßig allen Student:innen zugute.
Interventionen, die allen Student:innen zugutekommen
Einige Unterstützungsformen können ohne Weiteres für alle Student/ innen einer Universität zur Verfügung gestellt werden – statt nur jenen, die diese ausdrücklich wünschen oder die sich mit ihrer Behinderung outen. Dies kann die Barrierefreiheit und die Zufriedenheit der gesamten Studentenschaft einer Universität erhöhen.
- Einige Studenten in unserer Umfrage hatten Zugang zu unterstützender Technik wie Mind-Mapping-Software. An der Beckett-Universität von Leeds (Großbritannien) ist die Software, die am häufigsten für behinderte Menschen empfohlen wird, an allen Bibliothekscomputern verfügbar und jeder Student hat darauf Zugang.
- In Finnland hat die Satakunta-Universität für Angewandte Wissenschaften (in Zusammenarbeit mit dem Finnischen Verein für Autismus und Asperger-Syndrom) eine Barrierefreiheit-Checkliste für Gebäude entwickelt, insbesondere für Menschen mit sensorischen Problemen. Initiativen wie diese können die Barrierefreiheit für autistische Studenten verbessern.
- An einigen Universitäten ist es Pflicht, dass alle Vorlesungsfolien und alle Arbeitsblätter oder Handouts mindestens 24 Stunden vor der Unterrichtsstunde online zur Verfügung stehen (und einige zeichnen auch alle Vorlesungen auf). Das bedeutet, dass einzelne Student:innen nicht vor oder nach einer Unterrichtsstunde eigens Mitschriften oder Folien anfordern müssen.
- An der Universität von Leeds (Großbritannien) ist die Datenbank für Raumbuchungen öffentlich und mit den Stundenplänen der Student:innen verlinkt. Die Datenbank umfasst Fotos und Layout-Informationen, textbasierte Wegbeschreibungen vom Eingang des Gebäudes aus und Informationen über die zur Verfügung stehenden Geräte. Das ist nützlich für Vortragende, die einen Raum buchen, aber auch autistische Student/innen oder solche mit Angststörungen profitieren davon und es reduziert die Notwendigkeit einer Unterstützung bei der Suche nach und dem Zugang zu den Unterrichtsräumen.
- Änderungen des Stundenplans und der Räume kommen vor und es ist gute Praxis, die Studenten frühzeitig hierüber zu informieren. Zusätzliche Erinnerungen können dann in größerer zeitlicher Nähe zum Termin erfolgen. Autistische Studenten brauchen diese Informationen so früh wie möglich und auch andere Student:innen können hiervon profitieren.
- Viele europäische Universitäten ermutigen internationale und Austauschstudienanfänger:innen dazu, rund eine Woche vor den anderen Studenten anzukommen, damit sie sich mit dem Campus und ihrer neuen Heimatstadt vertraut machen können. Einige Universitäten, wie die Universität von Sheffield (Großbritannien), ermutigen autistische Student:innen auch dazu, zur selben Zeit wie die internationalen Studenten zur Uni zu kommen, damit sie sich eingewöhnen können, bevor die anderen Student:innen eintreffen. Dies dürfte ein besser „gestaffelter“ Eingewöhnungsansatz sein, als von autistischen Student:innen zu verlangen, Sommer- bzw. Präsenzkurse in den Ferien zu besuchen. ALLEN Student:innen, die mehr Zeit brauchen, um sich an den Campus zu gewöhnen, die Möglichkeit der vorzeitigen Eingewöhnung zu geben, sorgt dafür, dass die Barrierefreiheit für mehr Menschen erhöht wird, ohne die Behinderung dabei in den Mittelpunkt zu stellen.
Das sensorische Umfeld
Sensorische Reize können ein großes Problem darstellen. Student:innen haben bei der Autism&Uni-Umfrage wiederholt erwähnt, dass Beleuchtung und überfüllte Räume für sie eine Belastung sind und dass sie Schwierigkeiten haben, ruhige Räume zu finden, wenn sie gestresst sind. Die Hochschulleitung kann das Umfeld für Student:innen dadurch beeinflussen, dass Gebäude hinsichtlich einer guten Akustik, gut gestalteter Ausschilderung, mehr privater oder abgetrennter Arbeitsbereiche, Ruhebereiche in Cafeterien, dimmbarer Beleuchtung, visueller Klarheit etc. angepasst werden. Es kann sich dabei um Lösungen handeln, die vergleichsweise wenig kosten und die allen Student:innen zugutekommen, indem sie Stress reduzieren, ohne sich an einzelne Personen zu richten. Diese Maßnahmen können für eine verbesserte Barrierefreiheit auch für Menschen mit beeinträchtigtem Seh- oder Hörvermögen sorgen. Sie können auch das öffentliche Image einer Universität verbessern.
Kernpunkte: Gute Praxis, die man übernehmen und weitergeben kann
Diese konzentrieren sich auf universitätsweite und strategische Änderungen, für die die Unterstützung durch die Hochschulleitung erforderlich ist.
- Sorgen Sie dafür, dass ASS dasselbe Maß an Aufmerksamkeit und Ressourcen erhält wie andere Gruppen mit Behinderungen und Sonderbedarf, wenn es um Strategien zur Barrierefreiheit, Regelungen für Behinderungen und die Ausbildung der Mitarbeiter geht.
- Finden Sie heraus, wo intern und extern die beste Autismus-Expertise vorhanden ist, auf die sich Ihre Einrichtung verlässt, was Informationen angeht und schaffen Sie eine Regelung, wie diese konsistent eingesetzt werden, um eine einheitliche, qualitativ hochwertige Praxis zu entwickeln.
- Machen Sie aktiv Autismus spezialisierte Organisationen in der Nähe Ihrer Hochschule ausfindig, bitten Sie um deren Teilnahme an Besprechungen oder beauftragen Sie diese mit der Fortbildung Ihrer Mitarbeitenden.
- Finden Sie heraus, welche diagnostischen und Begutachtungsdienste für erwachsene Autist:innen es in Ihrem Land und Ihrer Region gibt und passen Sie die Regelungen Ihrer Einrichtung entsprechend an; wenn nötig, akzeptieren Sie Begutachtungen von Lehrkräften oder von Ihren eigenen Diensten für Student:innen statt Gutachten von Fachmediziner:innen zu verlangen.
Beteiligen Sie autistische Student:innen an den Entscheidungsprozessen und dem Design, um:
- neue Gebäude und Dienste so zu planen und zu gestalten, dass sie für autistische Studenten barrierefrei sind
- die Barrierefreiheit der Kommunikationspraktiken der Universität zu bewerten, einschließlich Websites, Informationen zum Studienbeginn, Aktivitäten in der Eingewöhnungsphase und Informationen über Angebote für Behinderte
- bestehende Gebäude und Innenräume zu bewerten, um Änderungen namhaft zu machen, die die allgemeine Barrierefreiheit verbessern können
- in jedem Bereich des Campus Ruhebereiche zu schaffen und klar zu kennzeichnen (idealerweise keine Mehrzweckräume)
- Informationen und Ausschilderungen für alle Universitätsgebäude in Bild- und Textform bereitzustellen, idealerweise bis hinunter auf Raumebene
- das Bewusstsein darüber zu fördern, wie die barrierefreiere Gestaltung des Umfelds an Universitäten für autistische Studierende Stress und Stigmatisierung in Bezug auf Autismus reduzieren kann und wie damit die Notwendigkeit individualisierter Angebote verringert werden kann, was am Ende allen Studierenden und den Mitarbeitenden zugutekommt
- das Bewusstsein darüber zu fördern, wie Unterstützung und Informationen zum richtigen Zeitpunkt die Abbrecherquote verringern und die Abschlussquote von Studierenden erhöhen kann, die sonst ein Studium aus Gründen abbrechen würden, die nichts mit ihrer akademischen Qualifikation zu tun haben
- während der Immatrikulations- und Eingewöhnungsphase für Studienanfänger:innen die Vorteile eines offenen Umgangs in Bezug auf Studienanforderungen oder gesundheitlicher Störungen, die bei ihnen vorhanden sind, zu fördern
- wenn Informationen zu Behinderungen während der Immatrikulation nicht aufgezeichnet werden, in die Informationsmaterialien für Studienanfänger:innen Angaben zu einer hierfür bestimmten Person mit aufzunehmen, die für Student/innen mit ASS als Ansprechpartner zur Verfügung steht
- einen Fachbereich oder eine Mitarbeiter:in zu bestimmen, an den sich Studierende mit einer Autismus-Diagnose in einer späteren Phase ihres Studiums wenden können, sowie eine hierfür bestimmte Person, die in einem Fachbereich für die Unterstützung Behinderter zuständig ist
- die systematische Erhebung von Daten über die Zahl autistischer Studierenden an Ihrer Einrichtung und über die Auswirkungen angemessener Anpassungen und Unterstützungsleistungen auf den Studienerfolg und dem weiteren Fortschritt dieser Personen über den Studienabschluss hinaus zu fördern
- Enge Beziehungen zwischen allen Organisationen, Personen und Teams innerhalb und außerhalb der Universität zu fördern, die Beratung und Unterstützung für autistische Studierende bereitstellen
- Öffentlich den HS-Erfolg von autistischen Studenten zu feiern – wenn deren Einwilligung dazu vorliegt; solche Vorbilder sind dazu geeignet, die Zahl autistischer Student/innen in der Zukunft ansteigen zu lassen
Was man tun kann (Dinge, die Sie sofort umsetzen können)
- Untersuchen Sie die Strategien zur Barrierefreiheit, die Regelungen zu Behinderungen und die Ausbildung der Mitarbeitenden in Bezug auf Autismus/Behinderungen, die an Ihrer Einrichtungen bereits bestehen
- Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter:innen dazu, ihre Wahrnehmung darüber zu überprüfen, wie effektiv die aktuellen Unterstützungsleistungen sind und fördern Sie Vorschläge zu Verbesserungen
- Identifizieren Sie Fachbereiche an Ihrer Einrichtung, die ein Interesse an der Forschung im Bereich autistischer Student:innen und der Entwicklung einer guten Praxis haben können und besprechen Sie mit ihnen Wege, wie man die bestehenden Angebote evaluieren und verbessern kann
- Identifizieren Sie Organisationen, die Fortbildungen bei der Arbeit mit autistischen Student:innen anbieten können und stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter:innnen an Ihrer Einrichtung über diese Möglichkeit Bescheid wissen, insbesondere die akademischen und die Mitarbeitenden im Bereich der Dienste für Student/innen
Universelles Lerndesign (UDL)
Das Konzept des Universellen Designs entstammt dem Bereich der Architektur und konzentriert sich auf ein Design, das Rücksicht auf eine möglichst große Bandbreite von Nutzer/innen nimmt, darunter auch solche mit Behinderungen.
Das Universelle Lerndesign bezieht sich darauf, verschiedene Gruppen von Student/innen einzubeziehen und zu unterstützen, egal, welchen Hintergrund, welchen Status oder welche Behinderung sie haben.
Eine weit verbreitete falsche Vorstellung besteht darin, dass das Universelle Design „eine einzige Lösung für alle“ fördert – das ist jedoch nicht der Fall. Was es tatsächlich bedeutet, ist die Verfügbarkeit von Optionen: Student:innen mehrere und unterschiedliche Möglichkeiten zu bieten, am Lernprozess teilzuhaben und zu zeigen, was sie gelernt haben.
Ein ULD-Ansatz bevorzugt Unterrichtsstrategien, die proaktiv so gestaltet sind, dass sie mehrere Lernwege ermöglichen statt retroaktiv sich auf die Änderung bestehenden Materials in der Weise zu konzentrieren, dass es den Bedürfnissen einer bestimmten Gruppe entspricht.
Ein Beispiel für proaktives Design ist es, ALLEN Student:innen die Option zu lassen, wie sie die ihnen gestellten Aufgaben präsentieren wollen, entsprechend ihren Kommunikationsfähigkeiten und Vorlieben. Ein Beispiel für retroaktives Design ist die Praxis, für angemessene Anpassungen bestehender Lernmaterialien und Prüfungsanordnungen zu sorgen.
Quellen: Bublitz et al. (2015), CAST (2011)
Fallstudien und nützliche Links aus europäischen Ländern
Wir haben Fallstudien von innovativen Ansätzen für Unterstützungsangeboten für Autist/innen aus mehreren europäischen Ländern zusammengestellt. Dies sind Beispiele für Best Practice, z.B. wo eine Organisation etwas erreicht, was über das hinausgeht, was jeder andere in diesem Bereich leistet.
Fallstudie Deutschland
Der Bundesverband autismus Deutschland e.V. ist der Dachverband von 59 Regional- und Landesverbänden. Seine Aufgaben bestehen in politischer Arbeit, Fortbildungs- und Tagungsangeboten sowie im Engagement für Betroffene, deren Eltern und Angehörige bei alltäglichen Problemen.
In Trägerschaft der Autismus-Regional- oder -Landesverbände befinden sich zahlreiche Einrichtungen zur Beratung, Therapie und Förderung von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Autismus, sowie Arbeits- und Wohnangebote.
Die therapeutische Begleitung und fachliche Betreuung von Studierenden mit Autismus ist eine immer häufiger werdende Aufgabe für die Autismus-Therapie-Zentren. Sie kann jedoch nur ein studienfreundliches Umfeld anbahnen und den Übergang in eine Hochschule begleiten, wo dann auf die hochschuleigenen Ressourcen zur Teilhabe am Studium zurückgegriffen werden muss. Diese sind individuell sehr verschieden ausgebaut.
Die Studenten- / Studierendenwerke haben ausführliche Broschüren zum Studium mit Behinderung erstellt.
Was Menschen mit Autismus im Besonderen für ein gelingendes Studium benötigen, ist häufig an den Hochschulen nicht oder nur sehr unzureichend bekannt. Eine Stoffsammlung dazu hat der Bundesverband autismus Deutschland e.V. unlängst veröffentlicht.
Nützliche Links:
- Selbsthilfeorganisationen: www.autismus.de; www.aspies.de; www.autSocial.de
- Portale zur Auswahl von Hochschulen und Studiengängen www.hochschulkompass.de; www.studienwahl.de
- Portale zur Selbstbestimmmung, Selbsthilfe und Inklusives Lernen: www.einfach-teilhaben.de; www.isl-ev.de; www.gemeinsamleben-gemeinsamlernen.de
Fallstudie Finnland
Omapolku ry / Omavoima bietet individuelle und Gruppenberatung und Coaching für Jugendliche und Erwachsene mit verschiedenen neurologischen Störungen an, darunter für autistische Studenten. Diese Dienste unterstützen die Entwicklung von Fähigkeiten, ein unabhängiges Leben zu führen, Fragen der Lebensbewältigung, Studienplanung und den Umgang mit Veränderungen wie dem Wechsel von Fächern.
Die Organisation bietet Informationen über Autismus für Mitarbeiter/innen der Universität, die dafür zuständig sind, Empfehlungen für geeignete Anpassungen zu verfassen, und ist Fürsprecherin für einzelne Student/innen, wenn es darum geht, diesen geeignete Anpassungen und personalisierte Lernpläne zur Verfügung zu stellen.
Anders als viele finnische Organisationen hält Omavoima systematisch die Zahl der autistischen Klient/innen fest, die eine bestimmte Art von Angeboten in Anspruch nimmt, erhebt Feedback über die erfolgten Ergebnisse unter Einsatz von Fragebögen, die speziell für diesen Zweck erstellt wurden, und organisiert Besprechungen im Nachgang mit ehemaligen Klienten, um deren Wohlergehen zu verfolgen. Das ermöglicht es der Organisation, wichtige Belege über die Wirksamkeit von Interventionen im finnischen System zu sammeln und sich in Richtung auf eine wirklich evidenzbasierte Praxis hinzubewegen, die anderen Organisationen dabei hilft, Entscheidungen bezüglich ähnlicher Dienste zu treffen.
Kontakt: Heidi Multanen, Beraterin; www.omavoima.info
Nützliche Links
- Autismi- ja Aspergerliitto ry; www.autismiliitto.fi
- Esteetön opiskelu korkea-asteen oppilaitoksissa (ESOK); www.esok.fi
- Kansaneläkelaitos, Oma Väylä – hanke; www.kela.fi/omavayla
- Omapolku ry, Omavoima neuropsykiatriset ohjaus- ja valmennuspalvelut; www.omapolku.fi
- Otus – säätiö, Korkeakoulujen saavutettavuus -selvitys 2016; www.otus.fi/index.php/julkaisut/kaikki-julkaisut
Fallstudie Niederlande
Handicap+Studie ist das niederländische Zentrum, das führend bei der Unterstützung von Student/innen mit Behinderungen ist. Die Organisation ist eine Service- und Informationsstelle für Bildungseinrichtungen.
Ihre Mission ist es, behinderten Student/innen zu ermöglichen, erfolgreich an der Hochschulausbildung ihrer Wahl teilzunehmen. Berater/ innen identifizieren, was für Student/innen wichtig ist und übersetzen deren Fragen in Unterstützungsangebote und Möglichkeiten für ein erfolgreiches Studium.
Das wichtigste Angebot von Handicap+Studie ist die Unterstützung alternativer, flexibler Lernmethoden, wobei den Ideen des Universellen Lerndesigns (ULD) gefolgt wird. Student/ innen werden als Individuen betrachtet. Ihre Unterschiede werden berücksichtigt und sie können dann der Lernmethode folgen, die am besten zu ihnen passt.
Kontakt: Eline Thijssen, Beraterin, Nelleke den Boer, Beraterin und Ausbilderin; www.handicap-studie.nl
Nützliche Links
- HandicapStudie www.handicap-studie.nl
- Nederlanse Vereniging voor Autisme www.autisme.nl
- Landelijk Netwerk Autisme www.landelijknetwerkautisme.nl
Fallstudie Polen
Jas i Malgosia (JiM) bietet qualitativ hochwertige Assistenz für Menschen mit Autismus und anderen Behinderungen an. Die Organisation führt Kampagnen zur Förderung des Bewusstseins über Autismus durch. Sie bilden Lehrer/ innen und Therapeut/innen in ganz Polen fort und organisieren Unterstützungsgruppen für Eltern. Es gibt außerdem das JiM-Therapiezentrum, das sich um Menschen mit Autismus und solche mit anderen Entwicklungsstörungen kümmert. Die Angebote von JiM werden kostenfrei angeboten.
JiM ist einzigartig in der Stadt Lódz in Zentralpolen, wo es schwierig ist, gute Austismusdiagnostiker und professionelle Unterstützung für Studenten und ihre Familien zu finden – JiM ist ein Ansprechpartner für diese Angebote, der sehr geschätzt wird.
Kontakt: Marta Charbicka, Leiterin des Kindertherapiezentrums www.jim.org
Nützliche Links
- Fundacja Jas i Malgosia w Lodzi; www.jim.org/fundacja
- Fundacja Synapsis w Warszawie; synapsis.org.pl
- Navicula – Centrum diagnozy i terapii autyzmu w Lodzi www.navicula.pl
Fallstudie Großbritannien
Die Universität Sheffield beschäftigt behinderte Student/innen als „Disability Champions“, also „Lobbyist/innen für Behinderte“, die dafür bezahlt werden, dass sie über verfügbare Unterstützungsleistungen sprechen, die den studierenden und den angehenden Student/innen zur Verfügung stehen. Diese Lobbyist/innen bieten auch Unterstützung in der Eingewöhnungsphase für Studienanfänger/innen per E-Monitoring und eintägige Einführungs-Veranstaltungen an.
Dies gibt autistischen Student/innen die Möglichkeit, Fragen oder Sorgen anzubringen, die sie vor Semesterbeginn haben. Sicher werden nicht alle autistischen Student/innen Zeit mit anderen autistischen Student/innen verbringen wollen, aber viele werden es hilfreich finden, andere zu treffen, die sich in der gleichen Situation befinden, die in ihrem Studium bereits weiter vorangeschritten sind und gut klarkommen, um Informationen darüber zu bekommen, wie man mit Problemen an der Universität fertig wird und vorankommt.
Kontakt: Gayle McKay, Beauftragter für Behinderte in der Anfangsphase; sheffield.ac.uk/disability-dyslexia-support
Nützliche Links
- National Autistic Society: www.autism.org.uk
- Autism Wales (vormals ASD Wales): autismwales.org
- Scottish Autism: www.scottishautism.org
- Autism Northern Ireland: www.autismni.org
- Autism West Midlands: www.autismwestmidlands.org.uk
Fallstudie Spanien
Autismo Burgos bietet ein Programm für autistische Student/innen, wobei ein kompletter Leitfaden mit spezifischen Schritten geboten wird, die den Eintritt in die Universität unterstützen und die Student/innen im ersten Studienjahr bei jedem damit verbundenen Aspekt helfen. Das Programm umfasst anleitende Beratung, Anpassungen des Eingangstests der Universität, Zusammenarbeit mit den Angeboten der Universität für Student/innen mit besonderem Förderungsbedarf, Informationen über Stipendien und universitäre Unterstützungsangebote.
Die Student/innen bekommen in der Anfangsphase ihres Studiums ein personalisiertes Programm, ihnen wird eine persönliche Assistenz zugeordnet, sie bekommen Hilfe bei der Erstellung des Stundenplans, Hilfe dabei, Unterstützung innerhalb des Universitätskontexts zu finden und dabei, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob sie ihre Diagnose gegenüber Kommilitonen outen sollen, Campustouren, etc.
Kontakt: Mario Merino, Psychologe; www.autismoburgos.org
Nützliche Links
- Confederación Autismo España: www.autismo.org.es
- Federación Autismo Castilla y León: www.autismocastillayleon.com
- Autismo Burgos: www.autismoburgos.org
- Asociación Española de Profesionales del Autismo (AETAPI): www.aetapi.org
Fallstudie Schweiz
In der Schweiz existieren grosse Lücken in der Begleitung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in allen Altersgruppen. Um diese Situation zu verbessern, hat die Regierung im Jahr 2018 erstmals Empfehlungen und prioritäre Handlungsschwerpunkte definiert (Diagnose und Frühintervention). Aufgrund des föderalistischen Systems der Schweiz obliegt es den verschiedenen Regionen (26 Kantone in 3 Sprachregionen), die notwendigen Massnahmen umzusetzen, was eine grosse Herausforderung darstellt. Die Fachhochschule Westschweiz hat sich an mehreren Forschungsprojekten im Bereich Autismus beteiligt, insbesondere an einer der Untersuchungen, die zu den Empfehlungen der Regierung geführt hat.
Obwohl die Studierenden aus dem Autismus-Spektrum an den Schweizer Hochschulen noch kaum sichtbar sind, gibt es Erfahrungsberichte, welche die Schwierigkeiten dieser Bevölkerungsgruppe bei der Absolvierung ihres Studiums aufzeigen. Zurzeit gibt es vor allem in der französischsprachigen Schweiz zu wenige Angebote, die sich spezifisch an Studierende aus dem Autismus-Spektrum richten und ausreichend organisiert und sichtbar sind, um hervorgehoben zu werden. Jedoch werden auf individueller Ebene in verschiedenen Hochschulen Verfahren eingeführt, die der Anpassung des Ausgleichs von Benachteiligungen aufgrund verschiedener Beeinträchtigungen dienen: Ziel ist es, Bildungseinrichtungen mit einer besseren Inklusion zu entwickeln.
Zwei Professoren – V. Zbinden Sapin von der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg der HES-SO und N. Ruffieux des Departements für Sonderpädagogik der Universität Freiburg – haben ihre Kräfte gebündelt, um Massnahmen zur Unterstützung von Studierenden aus dem Autismus-Spektrum zu entwickeln und so die Situation dieser Personen in ihrem direkten Handlungskreis zu verbessern. Als 1. Massnahme werden die Leitfäden des Projekts Autism&Uni ins Französische übersetzt. Die 2. Massnahme wird darin bestehen, die im Rahmen des Projekts Autism&Uni entwickelte Online-Plattform an den Kontext der Freiburger Hochschulen anzupassen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Hochschulen für die Existenz dieser Bevölkerungsgruppe und ihre Bedürfnisse zu leisten sowie Massnahmen einzuführen, die autistischen Personen ihr Hochschulstudium erleichtern. Diese zwei Massnahmen stellen einen 1. Schritt in der Entwicklung von Projekten und Aktivitäten in Bezug auf diese Thematik dar. Ziel ist die Schaffung eines Bereichs «Hochschulbildung und Autismus».
Kontakt
Véronique Zbinden Sapin, Professorin, HES-SO Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg, Schweiz; www.hets-fr.ch
Nicolas Ruffieux, Professor, Departement für Sonderpädagogik der Universität Freiburg, Schweiz; www3.unifr.ch/spedu/de
Nützliche Links
- Autismus französische Schweiz: www.autisme.ch
- Autismus deutsche Schweiz: www.autismus.ch
- Autismus italienische Schweiz: www.autismo.ch
Über die Autor:innen
Dr Marc Fabri, Leeds Beckett-Universität, Großbritannien: Marc ist der Projektleiter von Autism&Uni und ein Dozent und Forscher im Bereich assistierender Technik. Seine Forschung konzentriert sich auf partizipatorische Designmethoden, Evaluierung der Benutzererfahrung und Ermöglichung positiver Verhaltensänderung.
Penny Andrews, Leeds Beckett-Universität, Großbritannien: Penny ist die Forschungsassistentin für Autism&Uni und Doktorandin an der Universität Sheffield, wo sie universitäre soziale Netzwerke erforscht. Sie ist außerdem Autorin, Künstlerin, Performerin, Sprinterin und ausgebildete Bibliothekarin. Sie erhielt ihre Autismusdiagnose als Studentin.
Heta Pukki, Keskuspuisto Vocational College, Helsinki, Finnland: Hetas Arbeit für Autism&Uni konzentriert sich auf die Verbreitung der Ergebnisse und auf Unterschiede in kulturellen Kontexten und Angebotssystemen. Sie verfügt über einen Abschluss in Sonderpädagogik und in Biologie. Heta bezeichnet sich als autistisch und beschäftigt sich seit achtzehn Jahren als Autorin, Übersetzerin, Erzieherin, Projektarbeiterin und NGO-Aktivistin mit Autismus.
Danksagungen
Wir danken den folgenden Personen für ihre hilfreichen Beiträge und Kommentare Antti Aavikko, Jan-Mikael Fredriksson, Daria Modrzejewska, Amanda Szukalska, Paul Quantock, Natasha Stash, Alejandro Montes García, María Merino, Miguel Lancho, Christian García, Roy Houtkamp, Harriet Cannon, Kate Dean, Kate Myers, Matt Tucker, Danny Gallacher, Steven Chamberlain, Diane McClymont.
Das Projekt Autism&Uni (AUTHEW) wurde finanziert mit Unterstützung der Europäischen Kommission. Diese Publikation spiegelt nur die Ansichten der Autoren wieder und die Kommission kann nicht für die Verwendung verantwortlich gemacht werden, die von den darin enthaltenen Informationen gemacht wird.
Deutsche Übersetzung: Rainer Döhle, Berlin
Literatur
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