Fördermassnahmen
Schwierige Schüler – 49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
von Bodo Hartke und Robert Vrban (2019)

Einsatzbereich
- 6 bis 12 Jahre
- Einzel- und Gruppentraining
- Selektive Prävention
Qualitätskriterien
| Durchführbarkeit | Theoretische Fundierung | Evaluation | |
|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Belege zur Wirksamkeit vorhanden. |
Inhalt
Die diagnostischen Materialien und Handlungsmöglichkeiten zielen auf die Veränderung des Verhaltens und der Förderung sozial-emotionaler Entwicklung ab und dienen damit der Prävention von Lern- und Verhaltensschwierigkeiten. Das Buch bietet ein breites Spektrum an konkreten, theoriegeleiteten Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten.
Insgesamt umfasst das Buch acht Planungshilfen. Die Planungshilfe I besteht aus dem Fragebogen «Schulische Einschätzung des Verhaltens und der Entwicklung» (SEVE). Die weiteren Planungshilfen beinhalten folgende Bereiche:
- Planungshilfe II: Lerntheoretisch begründete Handlungsmöglichkeiten
- Planungshilfe III: Kognitionspsychologisch begründete Handlungsmöglichkeiten
- Planungshilfe IV: Handlungsmöglichkeiten begründet durch den schülerzentrierten Ansatz
- Planungshilfe V: Förderung des Arbeitsverhaltens
- Planungshilfe VI: Förderung bei aggressivem Verhalten
- Planungshilfe VII: Förderung bei Ängsten
- Planungshilfe VIII: Förderung bei Absentismus
Weitere Bücher mit Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten gibt es auch für die Sekundarstufe «Schwierige Schüler – Sekundarstufe: 64 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten: 5.-10. Klasse.» (Hartke et al., 2014) und spezifisch für Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf «Schwierige Schüler – 84 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten (1.-10. Klasse) – sonderpädagogische Förderung» (Hartke et al., 2020).
Durchführbarkeit
Die insgesamt 49 Handlungsmöglichkeiten sind im Heft kurz, prägnant und nachvollziehbar beschrieben. Bei jeder Massnahme werden übersichtlich das jeweils angestrebte Verhaltensziel, der Alters- und Anwendungsbereich, mögliche Anwendungsprobleme und konkrete Hinweise zur Durchführung aufgeführt.
Zur Orientierung enthält das Heft zu Beginn einen Entscheidungsbaum zur Unterstützung der Arbeit mit den Planungshilfen. Zudem findet man für jeden der vier thematisch spezifischen Bereiche (Arbeitsverhalten, aggressives Verhalten, Angst, Absentismus) eine hilfreiche tabellarische Übersicht mit den möglichen Handlungsmassnahmen und einer Angabe zum theoretischen Hintergrund.
Theoretische Fundierung
Die Planungshilfen entstanden auf Basis einer Analyse des Forschungsstandes zur Prävention von Lern- und Verhaltensstörungen (Hartke, 2005). Bei jeder Planungshilfe werden zu Beginn des Kapitels theoretische Hintergrundinformationen zum entsprechenden Ansatz aufgeführt. Das Ziel der ersten Planungshilfe ist eine systematische Einschätzung des Verhaltens und der Entwicklung mit Hilfe des SEVE. Dabei orientierten sich die Autoren an einem Konzept aus den Niederlanden (Kooij, 2000). Die Handlungsmöglichkeiten nach dem lerntheoretischen Ansatz basieren unter anderem auf dem S-O-R-K-Modell (Edelmann, 1994). In einer Tabelle werden die vorgeschlagenen Handlungsmöglichkeiten in Anlehnung an das S-O-R-K-Modell aufgelistet. Bei den kognitionspsychologisch begründeten Handlungsmöglichkeiten wird auf Borchert (1996) Bezug genommen. Verhaltensbeeinflussende Kognitionen können demnach verändert werden, dafür sind drei Komponenten der Selbstkontrolle notwendig: Selbstbeobachtung, Selbstbewertung und die Selbstverstärkung des realisierten Verhaltens. Im Abschnitt zum schülerzentrierten Ansatz wird insbesondere das schülerzentrierte Gespräch (Gordon, 1974) näher beschrieben mit aktivem Zuhören als wichtiger Bestandteil der Gesprächsführung.
Evaluation
In einer ersten Vorstudie (Hartke, 2005) wurden die Einschätz- und Planungsbögen der Planungshilfe I untersucht. Der Fragebogen «Schulische Einschätzung des Verhaltens und der Entwicklung (SEVE)» zeigte sich als zuverlässiges, valides und praxisnahes Instrument zur Erfassung des Verhaltens und zur Definition von Verhaltenszielen.
In der Evaluationsstudie von Vrban und Hartke (2009) mit drei Messzeitpunkten und drei verschiedenen Bedingungen wurde die Wirksamkeit der Planungshilfen überprüft. Insgesamt 80 Lehrpersonen erhielten das Gesamtpaket der Planungshilfen (Experimentalgruppe I), 88 Lehrpersonen (Experimentalgruppe II) erhielten nur die Planungshilfe I und ab dem zweiten Messzeitpunkt die weiteren Planungshilfen. Die Wartelistengruppe (n = 90) erhielt erst ab dem zweiten Messzeitpunkt die Informationen zu den Planungshilfen II bis VIII und erst beim dritten Messzeitpunkt die Planungshilfe I. Zum zweiten Messzeitpunkt erhielten alle Teilnehmenden eine Schulung zur praktischen Umsetzung von lern- und kognitionspsychologisch fundierten Massnahmen.
Es zeigten sich über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg signifikante Effekte zugunsten der Experimentalgruppe I. Insbesondere zeigten sich deutliche Effekte bei der Abnahme von externalisierendem Verhalten und der Verbesserung der Lesefertigkeit im Vergleich zur Wartelistengruppe. Dieser Effekt blieb über weitere 12 Wochen Intervention stabil. Bei den Rechenleistungen, internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten sowie emotionalen und sozialen Einschätzungen der Schulerfahrungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei der alleinigen Arbeit mit Planungshilfe I konnten keine deutlichen Effekte festgestellt werden. Damit zeigt die Studie, dass das Gesamtpaket der Planungshilfen beim Abbau von externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten hilfreich sein kann.
Die Planungshilfen «Schwierige Schüler – 49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten» wurden in die Metaanalyse von Hövel et al. (2019) aufgenommen, in welcher die Wirksamkeit manualisierter, deutschsprachiger Präventionsprogramme untersucht wurde. In der Analyse wurden 13 Studien mit insgesamt 169 Gruppenvergleichen betrachtet. Im Prä-Post-Vergleich ergab sich eine durchschnittliche Effektstärke von d = 0.15, während der Prä-Follow-up-Vergleich eine kleine Effektstärke von d = 0.23 zeigte. Auf Programmebene erwiesen sich die Erarbeitung eines Problemlösezirkels und die Anzahl der Einheiten als bedeutsame Einflussfaktoren für die Wirksamkeit. Insgesamt zeigen indizierte Massnahmen die höchste Effektstärke im Prä-Post-Vergleich (d = 0.39) und selektive Massnahmen (d = 0.29) sind effektiver als universelle (d = 0.11).
Literatur
- Borchert, L., (1996). Pädagogisch-therapeutische Interventionen bei sonderpädagogischem Förderbedarf. Göttingen: Hogrefe.
- Edelmann, W. (1994). Lernpsychologie. Beltz.
- Gordon, T. (1974). Lehrer-Schüler-Konferenz. Wie man Konflikte in der Schule löst. Hamburg: Hoffmann und Campe.
- Hartke, B. (2005). Schulische Prävention–welche Maßnahmen haben sich bewährt. Sonderpädagogik in der Regelschule. Konzepte, Forschung, Praxis, 11-37.
- Hartke, B., & Vrban, R. (2019). Schwierige Schüler: 49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten. Persen.
- Hartke, B., Blumenthal, Y., Carnein, O. & Vrban, R. (2020). Schwierige Schüler – 84 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten (1.-10. Klasse) sonderpädagogische Förderung. Persen.
- Hartke, B., Blumenthal, Y., Carnein, O. & Vrban, R. (2014). Schwierige Schüler – Sekundarstufe – 64 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten – 5. – 10. Klasse. Persen.
- Kooji, V.d. (2000). Grundlegende Probleme zwischen Diagnostik und Behandlung. In W. Mutzeck (Hrsg.), Förderplanung: Grundlagen – Methoden – Alternativen (S. 159-177). Weinheim: Deutscher Medienverlag.
- Vrban, R., & Hartke, B. (2009). Schwierige Schüler–49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten. Ergebnisse eines Forschungsvorhabens zur Entwicklung und Evaluation von Planungshilfen zur Unterstützung des Lehrerhandelns. Zeitschrift für Heilpädagogik, 2, 470-481.
Verfügbarkeit an der HfH
- 4. Auflage von 2010 in der Bibliothek verfügbar
- 12. Auflage von 2019 im Didaktischen Zentrum (DiZ) verfügbar
Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.
Letzte Änderung: 05/2026