Fördermassnahmen
Schwierige Schüler – 84 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten und sonderpädagogischem Förderbedarf
von Bodo Hartke, Yvonne Blumenthal, Oliver Carnein und Robert Vrban (2020)

Einsatzbereich
- 1. bis 10. Klasse
- Einzel- und Gruppentraining
- Selektive und indizierte Prävention
Qualitätskriterien
| Durchführbarkeit | Theoretische Fundierung | Evaluation | |
|---|---|---|---|
| Bewertung | Gefüllter Kreis | Gefüllter Kreis | Halb gefüllter Kreis |
| Erläuterung | Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. | Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. | Belege zur Wirksamkeit für die unteren Klassenstufen vorhanden. |
Inhalt
Die Planungshilfen bilden eine Sammlung von Handlungsmöglichkeiten und dienen der Erfassung der Lernausgangslage in entwicklungs- und verhaltensbezogenen Bereichen, der pädagogischen Zielfindung, der Handlungsplanung und der Einschätzung der Wirksamkeit des eigenen Handelns. Sie richten sich an Lehrpersonen, die mit Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf arbeiten. Die Handlungsmöglichkeiten zielen insbesondere darauf ab, das Verhalten zu verändern und die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Weitere Handlungsmöglichkeiten unterstützen die Entwicklung der sprachlichen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Die Planungshilfen sollen eine Hilfe bei der Planung der täglichen pädagogischen Arbeit darstellen, so dass man eine für die Situation passende Planungshilfe auswählen kann.
Insgesamt beinhaltet das Buch 15 Planungshilfen für die sonderpädagogische Förderung. Konkret startet das Buch mit einem Einschätzungs- und Planungsbogen (SEVE; Planungshilfe I). In einem zweiten Teil folgen drei erfahrungswissenschaftlich abgestützte Planungshilfen:
- Planungshilfe II: Lerntheoretisch begründete Handlungsmöglichkeiten
- Planungshilfe III: Kognitionspsychologisch begründete Handlungsmöglichkeiten
- Planungshilfe IV: Handlungsmöglichkeiten, begründet durch den schülerzentrierten Ansatz
Anschliessend folgen konkrete Handlungsmöglichkeiten zu vier Bereichen des Verhaltens:
- Planungshilfe V: Förderung des Arbeitsverhaltens
- Planungshilfe VI: Förderung bei aggressivem Verhalten
- Planungshilfe VII: Förderung bei Ängsten
- Planungshilfe VIII: Förderung bei Absentismus
Weiterführend werden Handlungsmöglichkeiten zur indizierten Prävention bei starken Verhaltensauffälligkeiten und -störungen beschrieben:
- Planungshilfe IX: Förderung der sozialen Integration
- Planungshilfe X: Förderung emotionaler Kompetenzen
- Planungshilfe XI: Förderung sozialer Kompetenzen
- Planungshilfe XII: Förderung des Selbstkonzepts, Selbstwertgefühls und Selbstwirksamkeitserlebens
- Planungshilfe XIII: Förderung der sprachlichen Entwicklung
- Planungshilfe XIV: Förderung der (schreib)motorischen Fähigkeiten
- Planungshilfe XV: Förderung des (induktiven) Denkens
Zusätzlich wird in zwei Exkursen einerseits der schülerzentrierte Ansatz sowie andererseits das Classroom-Management thematisiert. Das Buch bietet zudem eine Checkliste zur Klassenführung für Lehrpersonen zur Selbstüberprüfung.
Insgesamt sind vier Versionen der «Planungshilfen Schulische Prävention» verfügbar. Die erste Version «Schwierige Schüler – 49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten» (Hartke & Vrban, 2019) wurde ursprünglich für die Grundschule entwickelt. Darauf folgte die Weiterentwicklung einer Version für die Sekundarstufe «Schwierige Schüler – Sekundarstufe – 64 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten» (Hartke, Blumenthal, Carnein & Vrban, 2014). Bei der hier vorgestellten Version mit 84 Handlungsmöglichkeiten wurden die vorherigen Werke um Aspekte in Bezug auf die gezielte sonderpädagogische Förderung erweitert. Die Version für die Grundschule wurde inzwischen in einer vierten Version «Schwierige Kinder fördern und integrieren: Handlungsmöglichkeiten zur Stärkung der sozial-emotionalen, kognitiven und kommunikativen Kompetenz» (Blumenthal, Carnein, Hartke & Vrban, 2022) ergänzt.
Durchführbarkeit
Der Fragebogen «Schulische Einschätzung des Verhaltens und der Entwicklung» (SEVE) ist direkt als Kopiervorlage verfügbar. Auch sind die Auswertungstabellen vorhanden. Der Fragebogen ist zudem in einer Online-Version als SEVO («Schulische Einschätzung des Verhaltens – Online») verfügbar (www.schwierige-schüler.net), die eine schnelle und anonymisierte Auswertung ermöglicht.
Die insgesamt 84 Handlungsmöglichkeiten sind im Heft kurz, prägnant und nachvollziehbar beschrieben. Bei jeder Massnahme werden übersichtlich und kompakt das jeweils angestrebte Verhaltensziel, der Alters- und Anwendungsbereich, Instruktionen zur Durchführung und mögliche Anwendungsprobleme aufgeführt.
Zur Orientierung enthält das Heft ein sogenanntes Ablaufdiagramm, das in Form eines Entscheidungsbaumes die konkrete Arbeit und Förderung mit den Planungshilfen unterstützen soll.
Theoretische Fundierung
Die ersten Planungshilfen entstanden auf Basis einer Analyse des Forschungsstandes zur Prävention von Lern- und Verhaltensstörungen (Hartke, 2005). Das Konzept der Planungshilfen orientiert sich am Modell der Mehrebenen-Prävention und dem Response-to-Intervention (RTI) Ansatz (Voss et al., 2016).
Im Buch werden bei jeder Planungshilfe zu Beginn des Kapitels der theoretische Hintergrund und Basisinformationen zum entsprechenden Ansatz aufgeführt. Das Ziel der ersten Planungshilfe ist eine systematische Einschätzung des Verhaltens und der Entwicklung mit Hilfe des SEVE. Dabei orientierten sich die Autor:innen an einem Konzept aus den Niederlanden (Kooij, 2000). Die Handlungsmöglichkeiten nach dem lerntheoretischen Ansatz basieren unter anderem auf dem S-O-R-K-Modell (Edelmann, 1994). Bei den kognitionspsychologisch begründeten Handlungsmöglichkeiten wird auf Borchert (1996) Bezug genommen. Verhaltensbeeinflussende Kognitionen können demnach verändert werden, dafür sind drei Komponenten der Selbstkontrolle notwendig: Selbstbeobachtung, Selbstbewertung und die Selbstverstärkung des realisierten Verhaltens. Im Abschnitt zum schülerzentrierten Ansatz wird insbesondere das schülerzentrierte Gespräch (Gordon, 1974) näher beschrieben mit aktivem Zuhören als wichtigen Bestandteil der Gesprächsführung.
Evaluation
Das Buch basiert inhaltlich und konzeptionell auf den Planungshilfen für die Grundschule («49 Handlungsmöglichkeiten») und die Sekundarstufe («64 Handlungsmöglichkeiten»). Bei der Überprüfung der Wirksamkeit der Planungshilfen für die Grundschule zeigten sich positive Effekte bei Schüler:innen mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, konkret konnten signifikante Ergebnisse in Bezug auf die Abnahme von externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten und einer Verbesserung der Lesefertigkeit festgestellt werden (Vrban & Hartke, 2009).
In einer weiteren Wirksamkeitsstudie (Voß et al., 2012; 2015) wurden die im Buch vorhandenen Materialien in ein inklusionsorientiertes Förderkonzept für Schüler:innen der 1. bis 4. Klasse mit Verhaltensauffälligkeiten integriert. Für den Systemvergleich wurden 239 statistische Zwillingsgruppen gebildet, jeweils aus dem System Rügen und aus Stralsund mit traditioneller Arbeitsweise. Insgesamt zeigte sich in der Gruppe aus Rügen die emotional-soziale Situation signifikant besser: es wurden weniger Verhaltensauffälligkeiten, mehr prosoziales Verhalten und eine bessere soziale Integration festgestellt. Zudem erwies sich dort die Häufigkeit von sonderpädagogischem Förderbedarf in der emotional-sozialen Entwicklung als deutlich geringer.
Für die lerntheoretisch und kognitionspsychologisch basierten Handlungsmöglichkeiten verweisen die Autor:innen im Manual auf eine überblicksartige Darstellung von Walter (2002) zu mehreren Metaanalysen, welche signifikante positive Effekte insbesondere bei Token-Verstärkung, kognitiver Verhaltensmodifikation und Selbstmanagementstrategien aufzeigen konnten.
Literatur
- Edelmann, W. (1994). Lernpsychologie. Beltz.
- Gordon, T. (1974). Lehrer-Schüler-Konferenz. Wie man Konflikte in der Schule löst. Hamburg: Hoffmann und Campe.
- Hartke, B. (2005). Schulische Prävention–welche Maßnahmen haben sich bewährt. Sonderpädagogik in der Regelschule. Konzepte, Forschung, Praxis, 11-37.
- Hartke, B., Blumenthal, Y., Carnein, O. & Vrban, R. (2020). Schwierige Schüler – 84 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten (1.-10. Klasse) sonderpädagogische Förderung (3. Aufl.). Persen.
- Hartke, B., Blumenthal, Y., Carnein, O. & Vrban, R. (2014). Schwierige Schüler – Sekundarstufe – 64 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten – 5. – 10. Klasse. Persen.
- Hartke, B., Blumenthal, Y., Vrban, R., & Carnein, O. (2022). Schwierige Kinder fördern und integrieren: Handlungsmöglichkeiten zur Stärkung der sozial-emotionalen, kognitiven und kommunikativen Kompetenz (1. bis 4. Klasse). Persen.
- Hartke, B., & Vrban, R. (2019). Schwierige Schüler: 49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten (12. Aufl.). Persen.
- Kooji, V.d. (2000). Grundlegende Probleme zwischen Diagnostik und Behandlung. In W. Mutzeck (Hrsg.), Förderplanung: Grundlagen – Methoden – Alternativen (S. 159-177). Weinheim: Deutscher Medienverlag.
- Voß, S., Blumenthal, Y., Diehl, K., Ehlers, K., Mahlau, K., & Hartke, B. (2012). Erste Evaluationsergebnisse des Projekts „Rügener Inklusionsmodell (RIM)–Präventive und Integrative Schule auf Rügen (PISaR)“– Ein Zwischenbericht. Rostock: Universität Rostock.
- Voß, S., Blumenthal, Y., Mahlau, K., Marten, K., Diehl, K., & Sikora, S. (2016). Der Response-to-Intervention-Ansatz in der Praxis: Evaluationsergebnisse zum Rügener Inklusionsmodell. Waxmann Verlag.
- Voß, S., Marten, K., Diehl, K., Mahlau, K., Sikora, S., Blumenthal, Y. & Hartke, B. (2015). Evaluationsergebnisse des Projekts „Rügener Inklusionsmodell (RIM) –Präventive und Integrative Schule auf Rügen (PISaR)“ nach vier Schuljahren. Zeitschrift für Heilpädagogik, 3, 133-149.
- Vrban, R., & Hartke, B. (2009). Schwierige Schüler–49 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten. Ergebnisse eines Forschungsvorhabens zur Entwicklung und Evaluation von Planungshilfen zur Unterstützung des Lehrerhandelns. Zeitschrift für Heilpädagogik, 2, 470-481.
- Walter, J. (2002). “Einer flog übers Kuckucksnest” oder welche Interventionsformen erbringen im sonderpädagogischen Feld welche Effekte?: Ergebnisse ausgewählter amerikanischer Meta- und Mega-Analysen. Zeitschrift Für Heilpädagogik, 53(11), 442–450.
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Letzte Änderung: 05/2026