"

Fördermassnahmen

Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen – PRiGS

von Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Kerscher-Becker und Sibylle Fischer (2020)

 

Einsatzbereich

  • 1. bis 4. Klasse
  • Gruppentraining
  • Universelle Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Erste Belege zur Wirksamkeit vorhanden.

Inhalt

Das Programm zur Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen (PRiGS) zielt auf die Förderung der seelischen Widerstandskraft und der Stärkung der personalen Schutzfaktoren von Kindern im Grundschulalter. Erstmalig wurde das Förderprogramm für Kindertageseinrichtungen entwickelt und später für den Grundschulbereich adaptiert. PRiGS ist für die Primarstufe 1. bis 4. Klasse konzipiert und versteht sich als Gruppentraining mit der ganzen Klasse.

Bei PRiGS handelt es sich um ein Spiralcurriculum, bei dem die Einheiten aufeinander aufbauen. Im Idealfall wird das Programm mit Beginn der ersten Klasse bis zum Ende der vierten Klasse durchgeführt. Das Manual bietet aber auch Einheiten für „Quereinsteiger“, beginnend ab der zweiten, dritten oder vierten Klasse, an. Pro Schuljahr sieht das Programm zehn Einheiten à 45 – 60 Minuten vor, die idealerweise im wöchentlichen Rhythmus stattfinden.

Inhaltlich werden dieselben Themen und Schwerpunkte immer wieder auf verschiedene Arten aufgegriffen. Dabei orientiert sich das Förderprogramm an sechs Resilienzfaktoren: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbststeuerung, Problemlösen, Soziale Kompetenzen und Stressbewältigung.

Das Förderprogramm «Prävention und Resilienzförderung» gibt es zudem auch für das Vorschulalter (PRiK; Fröhlich-Gildhoff et al., 2021) sowie für die 5./6. Klasse und Sekundarstufe I (PRiS, Fröhlich-Gildhoff et al., 2021).

Durchführbarkeit

Der zweite Teil des Manuals beinhaltet zu Beginn allgemeine Hinweise zur Durchführung des Förderprogrammes. Zentrale Strukturierungsmerkmale der einzelnen Einheiten sind der Einsatz von Medien (Handpuppen, Geschichten, neue Medien), wiederkehrende Rituale (Eingangs-, Kommunikations- und Abschlussrituale), Pausenspiele, Regeln und mögliche Reflexionsmethoden. Dazu bietet das Manual viele verschiedene methodische Konzepte an.

Zudem enthält das Manual hilfreiche Hinweise für die Programmdurchführung mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Ein Unterkapitel beschreibt das Vorgehen und die Elemente bei einem Einstieg mit dem Förderprogramm ab der zweiten Klasse beschrieben. Die jeweils zehn Einheiten pro Klasse sind ausführlich und verständlich dargestellt, eine Übersicht über den gesamten Ablauf erleichtert zudem die Orientierung. Im Anhang finden sich die entsprechenden Kopiervorlagen sowie Spielideen und Kinderbuchempfehlungen.

Eine Besonderheit bilden die Programmeinheiten für die dritte Klasse. Diese werden als Kompakteinheit an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Form eines Abenteuers, den „Hüttentagen“, durchgeführt. Die Klasse verbringt mit einem Betreuerteam drei Tage in einer Hütte in der Natur. Die Einheiten könnten jedoch auch in den regulären Unterricht eingebaut werden. Die eigene Vorbereitung und Zubereitung der Mahlzeiten, die Organisation der Tagesabläufe und die Planung der Zuständigkeiten stellen hierbei ein alltagsnahes Lernfeld dar, in dem sich die Kinder in Problemlösekompetenz üben, positive Selbstwirksamkeitserwartungen entwickeln und die Ergebnisse ihres eigenen Tuns unmittelbar auf sich selbst beziehen können.

Theoretische Fundierung

Das Programm basiert auf theoretischen Erkenntnissen wie auch auf praktischen Erfahrungen und Forschungsstudien, die am Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg (ZfKJ) umgesetzt wurden. Das Förderprogramm orientiert sich insbesondere an empirischen Ergebnissen zur Resilienzforschung, die theoretische Basis bildet das Resilienzkonzept mit sechs übergeordneten Resilienzfaktoren (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2019; Rönnau-Böse, 2013). Sie bilden die Grundlage für eine gezielte Stärkung der psychischen Widerstandskraft und stellen Ziele der Resilienzförderung dar. Zu den sechs Resilienzfaktoren zählen:

  1. Selbst- und Fremdwahrnehmung: im Sinne einer ganzheitlichen, adäquaten und reflexiven Wahrnehmung der eigenen Emotionen sowie der Existenz anderer Personen
  2. Selbststeuerung: als Fähigkeit innere Zustände herzustellen und zu kontrollieren
  3. Selbstwirksamkeit: als Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen
  4. Soziale Kompetenz: als Fähigkeit im Umgang mit anderen sozialen Situationen einzuschätzen und angemessenes Verhalten zu zeigen
  5. Problemlösen als Fähigkeit in komplexen Situationen unter Rückgriff auf vorhandenes Wissen Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln
  6. Stressbewältigung: als Fähigkeit belastende und herausfordernde Situationen angemessen einzuschätzen, zu bewerten und zu reflektieren, um die eigenen Fähigkeiten in diesen Situationen wirkungsvoll einsetzen zu können

Die einzelnen Übungen und Spiele des Förderprogrammes PRiGS behandeln meist mehrere der sechs Resilienzfaktoren, da sich diese überschneiden. Im Manual wird die die Bedeutsamkeit der Resilienzförderung auf mehreren Ebenen im System Schule beschrieben: Ebene der Schule, Ebene der Klassen, einzelne Schüler:innen und Eltern. Als besonders wirksam zeigen sich Präventionsprogramme, die übergreifend auf mehreren Ebenen ansetzen (z.B. Greenberg et al., 2000).

Evaluation

Im Rahmen des Forschungsprojekts «Grundschule macht stark» (2011-2014) flossen Ergebnisse von mehreren Grundschulen im Raum Freiburg in die Evaluation mit ein (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2013). Die Vor-Fassung des Förderprogramms wurde in einer Studie mit quasiexperimentellem Kontrollgruppendesign (Prä-Post-Vergleich) und einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden evaluiert. Die Stichprobe umfasste insgesamt N = 226 Kinder (Interventionsgruppe = 152, Vergleichsgruppe = 74) mit einem Altersdurchschnitt von 7,9 Jahren. Grundsätzlich zeigte sich, dass das Programm altersangemessen ist und gut in der Grundschule umgesetzt werden kann. Die Durchführungsdauer der Einheiten benötigt jedoch eher 60 bis 90 Minuten statt der ursprünglich geplanten 45 Minuten. In der Selbsteinschätzung der Schüler:innen zeigten sich von der ersten zur zweiten Messung nach der Intervention zwar positive Entwicklungen beim Selbstkonzept, im Vergleich zur Kontrollgruppe gab es da jedoch keinen signifikanten Unterschied. In der Fremdeinschätzung durch die Eltern und Lehrpersonen zeigten sich Effekte beim SDQ, insofern dass das prosoziale Verhalten zunahm und bei den Skalen «Hyperaktivität» und «Probleme mit Gleichaltrigen» eine Abnahme zu beobachten war. Gemäss Einschätzung der Lehrpersonen zeigte sich auch im Gesamtproblemwert eine signifikante Abnahme. Die Ergebnisse zum Verhalten der Kinder basieren jedoch auf einer relativ kleinen Stichprobe (n = 34 Eltern, n = 9 Lehrpersonen). Bei der Evaluation erfolgte keine Follow-up-Erhebung.

Das Programm «PRiGS» wurde in die Metaanalyse von Hövel et al. (2019) aufgenommen, in welcher die Wirksamkeit manualisierter, deutschsprachiger Präventionsprogramme untersucht wurde. In der Analyse wurden 13 Studien mit insgesamt 169 Gruppenvergleichen betrachtet. Im Prä-Post-Vergleich ergab sich eine durchschnittliche Effektstärke von d = 0.15, während der Prä-Follow-up-Vergleich eine kleine Effektstärke von d = 0.23 zeigte. Auf Programmebene erwiesen sich die Erarbeitung eines Problemlösezirkels und die Anzahl der Einheiten als bedeutsame Einflussfaktoren für die Wirksamkeit.

Literatur

  • Fröhlich-Gildhoff, K., Becker, J., & Fischer, S. (2020). Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen – PRiGS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Dörner, T., & Rönnau-Böse, M. (2021). Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen – PriK: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Reutter, A., & Schopp, S. (2021). Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I – PriS: Ein Förderprogramm. Ernst Reinhardt.
  • Fröhlich-Gildhoff, K. & Rönnau-Böse, M. (2019). Resilienz. Utb-Profile.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., & Rönnau-Böse, M. (2013). Förderung der Lebenskompetenz und Resilienz in Kindertageseinrichtung und Grundschulen. Frühe Bildung(2), 4, 172–184. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000114
  • Greenberg, M. T., Domitrovich, C., & Bumbarger, B. (2000). Preventing Mental Disorders in School-aged Children. A Review of the Effectiveness of Prevention Programs. Prevention Research Center for the Promotion of Human Development.
  • Hövel, D. C., Hennemann, T. & Rietz, C. (2019). Meta-Analyse programmatischer-präventiver Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung in der Primarstufe. Emotionale und soziale Entwicklung in der Pädagogik der Erziehungshilfe und bei Verhaltensstörungen: ESE 1, 38-55. https://doi.org/10.25656/01:25182
  • Rönnau-Böse, M. (2013). Resilienzförderung in der Kindertagesstätte. FEL Verlag.

Verfügbarkeit an der HfH


Haben wir etwas übersehen? Melden Sie sich gerne unter wiwawi@hfh.ch.

 

Letzte Änderung: 04/2026

 

Zur Übersicht über Fördermassnahmen.

Lizenz

Wissen, was wirkt! Copyright © Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. Alle Rechte vorbehalten.