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Fördermassnahmen

Fairplayer.Sport: Soziale Kompetenz und Fairplay spielerisch fördern Ein Programm für das Fussballtraining mit 9- bis 13-Jährigen

von Markus Hess, Christiane Weller und Herbert Scheithauer (2015)

 

Einsatzbereich

  • 9 bis 13 Jahre
  • Gruppentraining
  • Universelle Prävention

Qualitätskriterien

Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation
Bewertung Gefüllter Kreis Gefüllter Kreis Halb gefüllter Kreis
Erläuterung Verständliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begründung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Erste Belege zur  Wirksamkeit vorhanden.

Inhalt

Beim Programm Fairplayer.Sport handelt es sich um ein bewegungsorientiertes und spielerisches Training zur Förderung von Fairplay und sozialer Kompetenz. Sport bietet nicht nur die Gelegenheit, körperliche Gesundheit und ein positives Körperbewusstsein zu stärken, sondern auch die Gelegenheit, soziale Kompetenzen wie Fairness einzuüben.

Das Ziel des Programmes ist die Förderung eines Verständnisses von Fairplay, das über die Verpflichtung hinausgeht, sich an formale Regeln zu halten. Einerseits soll das Programm die Einsicht in Bezug auf den Nutzen von formalen Regeln fördern sowie andererseits Werte vermitteln, die faires Verhalten auf dem wie auch abseits des Fussballplatzes fördert.

In verschiedenen Modulen werden zentrale Themen wie Aggression, Fairness, Emotionsregulation, Kooperation, Selbstwirksamkeit und Perspektivübernahme behandelt. Das präventive Angebot richtet sich an Trainer:innen, Sportpädagog:innen, Übungsleiter:innen und Sozialarbeiter:innen, die mit Kindern und Jugendlichen im Alter von etwa 9 bis 13 Jahren regelmässig Fußball spielen – sei es in der Schule, im Verein, im Hort oder Jugendzentrum.

Die Inhalte von Fairplayer.Sport befassen sich zuerst mit dem Individuum, dann mit den Mit- und Gegenspielern und schliesslich geht es um das gesamte Team. Die sieben Teilschritte des Trainings sind:

  • Selbstwahrnehmung
  • Emotionsregulation
  • Perspektivenübernahme
  • Empathie
  • Kooperation
  • Fairplay (moralisches Verhalten)

Die Durchführung des Trainingsprogrammes besteht aus 16 bis 18 Übungseinheiten à 40 bis 60 Minuten. Es wird empfohlen, die Trainingseinheiten wöchentlich durchzuführen. Die einzelnen Sitzungen laufen jeweils nach einem ähnlichen Ablauf ab mit einem Warm-up, einem Hauptteil und schliesslich dem Teamtreff.

Fairplayer gibt es als Förderprogramm für Schulklassen auch für die 7. bis 9. Klasse (Scheithauer et al., 2019) sowie für die 5./6.Klasse (Braun et al., 2019).

Durchführbarkeit

Das Förderprogramm verfolgt als primärpräventives Programm einen universellen Ansatz und spricht alle Kinder und Jugendlichen einer Mannschaft an. Die Übungen sind konkret auf den Fussball ausgerichtet, können aber leicht an andere Mannschaftsballsportarten angepasst werden.

Im Praxisteil des Manuals werden alle Übungen detailliert und verständlich beschrieben. An einigen Stellen wird auf das erfolgreich evaluierte Fairplayer.Manual (Scheithauer & Bull, 2008) zurückgegriffen. Die Methoden des Trainings umfassen Rollenspiele, Gruppen- und Dilemmadiskussionen oder auch künstliche Gruppensituationen und bewegungsorientierte Elemente wie strukturierte Spielsituationen oder Kolonnentraining. Zum Training gehören auch zwei Elternveranstaltungen. Zudem beinhaltet es eine Selbstreflektion des Trainers zur Vorbereitung.

Dem Manual beigelegt ist eine CD-ROM: Auf der CD-ROM sind die PDF-Dateien mit allen Materialien, die für die Durchführung benötigt werden, verfügbar.

Theoretische Fundierung

Fairplayer.Sport basiert auf Erkenntnissen der Sportwissenschaft und Psychologie, die im Kapitel zu den theoretischen Hintergründen aufgearbeitet werden. Den theoretischen Rahmen des Trainingsprogrammes bildet das theoretische Modell zur Moral von James Rest (1983), das die vier Komponenten moralische Sensibilität, moralisches Urteil, moralische Motivation und moralischer Charakter umfasst. In Anlehnung an dieses Modell, das Wissensaspekte, moralische Urteilsfähigkeit und sozio-kognitive Fähigkeiten, emotionale und motivationale Prozesse berücksichtigt, wurden die Zielvariablen formuliert.

Das Training orientiert sich auch an den Arbeiten von Lickona (1997), der in seiner Arbeit neun Komponenten definiert, mit welchen Lehrpersonen in Schulen die Moralentwicklung unterstützen können. Die Handlungsanleitung wird nachvollziehbar aus den aufgeführten theoretischen Modellen abgeleitet.

Evaluation

Im Rahmen einer summativen und formativen ersten Pilotevaluation wurde das Programm gemäss Manual wissenschaftlich untersucht. In der Studie mit randomisiertem Wartekontrollgruppen-Design wurden Jugendliche aus 13 Mannschaften aus 13 Berliner Fussballclubs befragt. Es konnte aufgezeigt werden, dass das Programm positive Effekte in Bezug auf die kooperative Haltung, Ärgerkontrolle und die Einstellung hinsichtlich der Bedeutung des Gewinnens und Verlierens hatte. Zudem konnten schwache Effekte bezüglich des Sozialverhaltens und der individuellen Wettbewerbsorientierung festgestellt werden.

Die Umsetzung des Programmes verlief gut und die Aufgaben waren verständlich. Als eher problematisch wurde eine oftmals hohe Fluktuation innerhalb des Teams und andere Rahmenbedingungen wie Räumlichkeiten, Wetter genannt. Im Anschluss an die Pilotevaluation wurde das Manual um weitere Programmbausteine ergänzt sowie auf eine jüngere Zielgruppe angepasst.

In einer weiteren RCT-Studie (Scheithauer, Leppin & Hess, 2020) konnte gezeigt werden, dass bei Jugendlichen durch die Teilnahme am Programm, das selbstberichtete aggressive Verhalten signifikant abnahm im Vergleich zur Kontrollgruppe und der Effekt auch im Follow-up noch bestehen blieb. Die Effektstärke ist als klein einzuschätzen.

Literatur

  • Braun, V., König, L., Walcher, A., Warncke, S. & Scheithauer, H. (2019). Fairplayer.Manual – Klasse 5-6. Förderung von sozialen Kompetenzen – Prävention von Mobbing und Schulgewalt. Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Hess, M., Weller, C., & Scheithauer, H. (2015). Fairplayer.Sport: Soziale Kompetenz und Fairplay spielerisch fördern: Ein Programm für das Fußballtraining mit 9-bis 13-Jährigen. Hogrefe.
  • Lickona, T. (1997). The teacher’s role in character education. Journal of Education, 179(2), 63-80.
  • Rest, J. (1983). Morality. In P.H. Mussen (Series Ed.), J. Flavell & E. Markman (Volume Eds.), Handbook of child psychology: Vol. 3, Cognitive development (4th ed., pp. 556-629). New York: Wiley.
  • Scheithauer, H., Bull, H. D. (2008). fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage – Prävention von Bullying und Schulgewalt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Scheithauer, H., Leppin, N., & Hess, M. (2020). Preventive interventions for children in organized team sport tackling aggression: results from the pilot evaluation of “Fairplayer. Sport”. New directions for child and adolescent development, 2020(173), 49-63. https://doi.org/10.1002/cad.20380
  • Scheithauer, H., Walcher, A., Warncke, S., Klapprott, F. & Bull, H. D. (2019). Fairplayer.Manual – Klasse 7-9. Förderung von sozialen Kompetenzen – Prävention von Mobbing und Schulgewalt (4. vollst., überarb. & erweiterte Aufl.). Vandenhoeck & Ruprecht.

Verfügbarkeit an der HfH

  • An der HfH nicht verfügbar

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Letzte Änderung: 04/2026

 

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