{"id":540,"date":"2026-10-09T10:03:29","date_gmt":"2026-10-09T08:03:29","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=540"},"modified":"2026-10-09T14:07:27","modified_gmt":"2026-10-09T12:07:27","slug":"verhaltensinventar-zur-beurteilung-exekutiver-funktionen-fuer-das-kindergartenalter-brief-p","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/verhaltensinventar-zur-beurteilung-exekutiver-funktionen-fuer-das-kindergartenalter-brief-p\/","title":{"raw":"Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen f\u00fcr das Kindergartenalter (BRIEF-P)","rendered":"Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen f\u00fcr das Kindergartenalter (BRIEF-P)"},"content":{"raw":"von Monika Daseking und Franz Petermann (2013)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-534 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/10\/BRIEF_P.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"240\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>2 bis 6 Jahre<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest (Fremdeinsch\u00e4tzung)<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDas BRIEF-P ist die deutschsprachige Vorschulversion des Behavior Rating Inventory of Executive Function (BRIEF) und richtet sich an Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren. Die Fremdbeurteilung erfolgt durch Eltern, Erzieher:innen oder anderes Betreuungspersonal und basiert auf der Beobachtung des allt\u00e4glichen Verhaltens zu Hause sowie im Kindergarten bzw. in der Kindertagesst\u00e4tte. Ziel ist es, Auff\u00e4lligkeiten in der Entwicklung exekutiver Funktionen bereits im Vorschulalter zu erfassen und dadurch fr\u00fchzeitig geeignete therapeutische oder f\u00f6rderdiagnostische Massnahmen einzuleiten. Das Verfahren kann sowohl im Rahmen allgemeiner Entwicklungsabkl\u00e4rungen als auch bei verschiedenen Entwicklungs-, Lern-, Aufmerksamkeits-, Sprachentwicklungs- und psychischen oder neurologischen Auff\u00e4lligkeiten eingesetzt werden.\r\n\r\nDer Paper-and-Pencil-Fragebogen umfasst 63 Items und kann in etwa 10 bis 15 Minuten bearbeitet werden. Er erfasst mit f\u00fcnf klinischen Skalen zentrale Bereiche exekutiver Funktionen: Inhibition, Aufmerksamkeitswechsel, emotionale Kontrolle, Arbeitsged\u00e4chtnis sowie Planen und Organisieren. Daraus werden drei \u00fcbergeordnete Indizes gebildet, die die inhibitorische Selbstkontrolle, die Flexibilit\u00e4t sowie die metakognitive Entwicklung abbilden. Ein Gesamtwert zu den exekutiven Funktionen erm\u00f6glicht schliesslich eine zusammenfassende Einsch\u00e4tzung der Handlungssteuerung im Vorschulalter.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDem BRIEF-P liegt ein umfassendes neuropsychologisches Verst\u00e4ndnis exekutiver Funktionen im Vorschulalter zugrunde. Diese werden als \u00fcbergeordnete Steuerungsprozesse verstanden, die kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Prozesse bei der bewussten und zielgerichteten Bew\u00e4ltigung neuer Anforderungen regulieren (Carlson, 2005; Welsh &amp; Pennington, 1988). Dabei werden exekutive Funktionen von eher basalen kognitiven Grundfertigkeiten wie der Sprachverarbeitung oder dem Ged\u00e4chtnis unterschieden (z. B. Stuss &amp; Benson, 1986). Drechsler (2007) beschreibt exekutive Funktionen als ein mehrdimensionales System, das verschiedene Ebenen der kognitiven und verhaltensbezogenen Regulation umfasst. Dazu geh\u00f6ren grundlegende Prozesse wie das Aufrechterhalten von Informationen, das Initiieren und Hemmen von Handlungen sowie der Wechsel der Aufmerksamkeit. Dar\u00fcber hinaus werden komplexere Funktionen wie das Planen, Probleml\u00f6sen, \u00dcberwachen und Organisieren von Handlungen ber\u00fccksichtigt. Das Modell umfasst zudem die Regulation von Aktivit\u00e4t und Emotionen sowie die Steuerung sozialer Prozesse. Exekutive Funktionen beziehen sich somit nicht nur auf kognitive Leistungen, sondern auch auf die Regulation des eigenen Verhaltens und der sozialen Interaktion.\r\n\r\nF\u00fcr das Vorschulalter sind insbesondere die entwicklungsbezogenen Ver\u00e4nderungen exekutiver Funktionen relevant. Teilbereiche wie Arbeitsged\u00e4chtnis, Flexibilit\u00e4t und Inhibition lassen sich bereits bei j\u00fcngeren Kindern differenzieren (Espy et al., 1999). Die einzelnen Funktionen entwickeln sich jedoch nicht gleichm\u00e4ssig. W\u00e4hrend die Inhibition und grundlegende Arbeitsged\u00e4chtnisleistungen vergleichsweise fr\u00fch ausgebildet werden, entwickeln sich komplexere F\u00e4higkeiten wie die vorausschauende Handlungsplanung und Probleml\u00f6sung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum weiter (Espy et al., 2001).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des BRIEF-P ist gegeben, da das Manual pr\u00e4zise und getrennte Durchf\u00fchrungsanweisungen f\u00fcr die Eltern- und Erzieher:innenversion sowie wortw\u00f6rtliche Instruktionen zur Durchf\u00fchrung bereitstellt. Eine hohe Auswertungsobjektivit\u00e4t wird durch das verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar beschriebene Auswertungsverfahren mit Schablonen abgesichert, welches zus\u00e4tzlich anhand eines konkreten Auswertungsbeispiels verdeutlicht wird. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t ist durch die Bereitstellung standardisierter Normtabellen und anschaulicher Fallbeispiele im Handbuch gew\u00e4hrleistet. Insgesamt erf\u00fcllt das BRIEF-P s\u00e4mtliche Anforderungen an ein objektives Testverfahren.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Messgenauigkeit des BRIEF-P wurde anhand unterschiedlicher Kennwerte ermittelt. Bez\u00fcglich der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha) erzielt die Erzieher:inneneinsch\u00e4tzung auf Skalenebene Werte von \u03b1 = .82 bis .94 und auf Indexebene von \u03b1 = .89 bis .95, w\u00e4hrend die Elternbeurteilungen Koeffizienten von \u03b1 = .75 bis .89 auf Skalenebene beziehungsweise \u03b1 = .86 bis .91 auf Indexebene erreichen. F\u00fcr den Gesamtwert f\u00e4llt die interne Konsistenz mit \u03b1 = .95 bei den Eltern und \u03b1 = .96 bei den Erzieher:innen hoch aus. Die Retestreliabilit\u00e4t (untersucht an der US-amerikanischen Stichprobe) belegt \u00fcber einen Zeitraum von durchschnittlich 4.5 Wochen eine hohe Stabilit\u00e4t. Bei den Elternurteilen bewegen sich die Retest-Koeffizienten zwischen r<sub>tt<\/sub> = .78 und .90 auf Skalen- Index- und Gesamtebene. Die Erzieher:innenbeurteilungen weisen ebenfalls hohe bis sehr hohe Retest-Reliabilit\u00e4tswerte auf, wobei lediglich die Skala Aufmerksamkeitswechsel (Shift) mit r<sub>tt<\/sub> = .65 einen mittleren Kennwert aufweist.\r\n\r\nHinsichtlich der Interrater-\u00dcbereinstimmung zeigen sich zwischen Eltern- und Erzieher:inneneinsch\u00e4tzungen erwartungsgem\u00e4ss moderate Zusammenh\u00e4nge mit Werten von r = .35 (Emotionale Kontrolle) bis r = .60 (Arbeitsged\u00e4chtnis). Diese Abweichungen spiegeln die unterschiedlichen Verhaltensbeobachtungen in der Familie und in der Betreuungseinrichtung wider, wobei mit Ausnahme der Skala Planen\/Organisieren keine signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Beurteilungen bestehen. Zusammenfassend weist das BRIEF-P eine verl\u00e4ssliche Reliabilit\u00e4t auf.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des BRIEF-P basiert auf der systematischen Herleitung von Alltagsbeschreibungen und Verhaltensbeobachtungen aus klinischen Anamnesen mit Eltern und Erzieher:innen, deren Eignung zur Messung exekutiver Funktionsst\u00f6rungen im Vorschulalter durch ein Fachgremium aus Kinderneuropsycholog:innen best\u00e4tigt wurde. Die Konstruktvalidit\u00e4t wird durch Interkorrelationen auf Skalenebene zwischen r = .37 und .78 sowie durch faktoranalytische Untersuchungen gest\u00fctzt, welche die postulierte dreifaktorielle Struktur aus inhibitorischer Selbstkontrolle, Flexibilit\u00e4t und metakognitiver Entwicklung empirisch belegen. Konvergente und diskriminante Validit\u00e4t ergeben sich aus Vergleichen mit etablierten Fremdbeurteilungsinstrumenten wie der Child Behavior Checklist (CBCL) (Ergebnisse aus der amerikanischen Validierung). Die klinische Validit\u00e4t wurde f\u00fcr unterschiedliche Stichproben nachgewiesen. Die Validit\u00e4t des Verfahrens ist somit als zufriedenstellend einzustufen.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung der deutschsprachigen Adaption st\u00fctzt sich auf eine Datenerhebung aus den Jahren 2012 und 2013 in sechs Bundesl\u00e4ndern. Das Verfahren stellt alters- und geschlechtsgetrennte T-Werte sowie Prozentr\u00e4nge f\u00fcr Kinder im Alter von 2;0 bis 6;11 Jahren zur Verf\u00fcgung. Die Normen f\u00fcr das Elternurteil basieren auf den Angaben zu 460 Kindern (51.1% Jungen, 48.9% M\u00e4dchen). F\u00fcr das Erzieher:innenurteil liegt eine Teilstichprobe von 179 Kindern (51.7% Jungen, 48.3% M\u00e4dchen) aus Kindertageseinrichtungen zugrunde.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Carlson, S. M. (2005). Developmentally sensitive measures of executive function in preschool children. <em>Developmental Neuropsychology, 28<\/em>(2), 595-616. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_3\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_3<\/a><\/li>\r\n \t<li>Daseking, M. &amp; Petermann, F. (2013). <em>Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen f\u00fcr das Kindergartenalter (BRIEF-P<\/em>). Bern: Hans Huber.<\/li>\r\n \t<li>Drechsler, R. (2007). Exekutive Funktionen. \u00dcbersicht und Taxonomie. <em>Zeitschrift f\u00fcr Neuropsychologie, 18<\/em>(3), 233-248. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233<\/a><\/li>\r\n \t<li>Espy, K. A., Kaufmann, P. M., McDiarmid, M. &amp; Glisky, M. L. (1999). Executive functioning in preschool children: A-not-B and other delayed response format task performance. <em>Brain and Cognition, 41<\/em>(2), 178-199. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1006\/brcg.1999.1117\">https:\/\/doi.org\/10.1006\/brcg.1999.1117<\/a><\/li>\r\n \t<li>Espy, K. A., Kaufmann, P. M., McDiarmid, M. &amp; Glisky, M. L. (2001). New procedures to assess executive functions in preschool children. <em>The Clinical Neuropsychologist, 15<\/em>(1), 46-58. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1076\/clin.15.1.46.1908\">https:\/\/doi.org\/10.1076\/clin.15.1.46.1908<\/a><\/li>\r\n \t<li>Stuss, D. T. &amp; Benson, D. F. (1986). <em>The frontal lobes<\/em>. New York: Raven.<\/li>\r\n \t<li>Welsh, M. C. &amp; Pennington, B. F. (1988). Assessing frontal lobe functioning in children: Views from developmental psychology. <em>Developmental Neuropsychology, 4<\/em>(3), 199-230. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/87565648809540405\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/87565648809540405<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990099692190205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990099692190205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 10\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Monika Daseking und Franz Petermann (2013)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-534\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/10\/BRIEF_P.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"240\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>2 bis 6 Jahre<\/li>\n<li>Einzeltest (Fremdeinsch\u00e4tzung)<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Das BRIEF-P ist die deutschsprachige Vorschulversion des Behavior Rating Inventory of Executive Function (BRIEF) und richtet sich an Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren. Die Fremdbeurteilung erfolgt durch Eltern, Erzieher:innen oder anderes Betreuungspersonal und basiert auf der Beobachtung des allt\u00e4glichen Verhaltens zu Hause sowie im Kindergarten bzw. in der Kindertagesst\u00e4tte. Ziel ist es, Auff\u00e4lligkeiten in der Entwicklung exekutiver Funktionen bereits im Vorschulalter zu erfassen und dadurch fr\u00fchzeitig geeignete therapeutische oder f\u00f6rderdiagnostische Massnahmen einzuleiten. Das Verfahren kann sowohl im Rahmen allgemeiner Entwicklungsabkl\u00e4rungen als auch bei verschiedenen Entwicklungs-, Lern-, Aufmerksamkeits-, Sprachentwicklungs- und psychischen oder neurologischen Auff\u00e4lligkeiten eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Der Paper-and-Pencil-Fragebogen umfasst 63 Items und kann in etwa 10 bis 15 Minuten bearbeitet werden. Er erfasst mit f\u00fcnf klinischen Skalen zentrale Bereiche exekutiver Funktionen: Inhibition, Aufmerksamkeitswechsel, emotionale Kontrolle, Arbeitsged\u00e4chtnis sowie Planen und Organisieren. Daraus werden drei \u00fcbergeordnete Indizes gebildet, die die inhibitorische Selbstkontrolle, die Flexibilit\u00e4t sowie die metakognitive Entwicklung abbilden. Ein Gesamtwert zu den exekutiven Funktionen erm\u00f6glicht schliesslich eine zusammenfassende Einsch\u00e4tzung der Handlungssteuerung im Vorschulalter.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Dem BRIEF-P liegt ein umfassendes neuropsychologisches Verst\u00e4ndnis exekutiver Funktionen im Vorschulalter zugrunde. Diese werden als \u00fcbergeordnete Steuerungsprozesse verstanden, die kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Prozesse bei der bewussten und zielgerichteten Bew\u00e4ltigung neuer Anforderungen regulieren (Carlson, 2005; Welsh &amp; Pennington, 1988). Dabei werden exekutive Funktionen von eher basalen kognitiven Grundfertigkeiten wie der Sprachverarbeitung oder dem Ged\u00e4chtnis unterschieden (z. B. Stuss &amp; Benson, 1986). Drechsler (2007) beschreibt exekutive Funktionen als ein mehrdimensionales System, das verschiedene Ebenen der kognitiven und verhaltensbezogenen Regulation umfasst. Dazu geh\u00f6ren grundlegende Prozesse wie das Aufrechterhalten von Informationen, das Initiieren und Hemmen von Handlungen sowie der Wechsel der Aufmerksamkeit. Dar\u00fcber hinaus werden komplexere Funktionen wie das Planen, Probleml\u00f6sen, \u00dcberwachen und Organisieren von Handlungen ber\u00fccksichtigt. Das Modell umfasst zudem die Regulation von Aktivit\u00e4t und Emotionen sowie die Steuerung sozialer Prozesse. Exekutive Funktionen beziehen sich somit nicht nur auf kognitive Leistungen, sondern auch auf die Regulation des eigenen Verhaltens und der sozialen Interaktion.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Vorschulalter sind insbesondere die entwicklungsbezogenen Ver\u00e4nderungen exekutiver Funktionen relevant. Teilbereiche wie Arbeitsged\u00e4chtnis, Flexibilit\u00e4t und Inhibition lassen sich bereits bei j\u00fcngeren Kindern differenzieren (Espy et al., 1999). Die einzelnen Funktionen entwickeln sich jedoch nicht gleichm\u00e4ssig. W\u00e4hrend die Inhibition und grundlegende Arbeitsged\u00e4chtnisleistungen vergleichsweise fr\u00fch ausgebildet werden, entwickeln sich komplexere F\u00e4higkeiten wie die vorausschauende Handlungsplanung und Probleml\u00f6sung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum weiter (Espy et al., 2001).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des BRIEF-P ist gegeben, da das Manual pr\u00e4zise und getrennte Durchf\u00fchrungsanweisungen f\u00fcr die Eltern- und Erzieher:innenversion sowie wortw\u00f6rtliche Instruktionen zur Durchf\u00fchrung bereitstellt. Eine hohe Auswertungsobjektivit\u00e4t wird durch das verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar beschriebene Auswertungsverfahren mit Schablonen abgesichert, welches zus\u00e4tzlich anhand eines konkreten Auswertungsbeispiels verdeutlicht wird. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t ist durch die Bereitstellung standardisierter Normtabellen und anschaulicher Fallbeispiele im Handbuch gew\u00e4hrleistet. Insgesamt erf\u00fcllt das BRIEF-P s\u00e4mtliche Anforderungen an ein objektives Testverfahren.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Messgenauigkeit des BRIEF-P wurde anhand unterschiedlicher Kennwerte ermittelt. Bez\u00fcglich der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha) erzielt die Erzieher:inneneinsch\u00e4tzung auf Skalenebene Werte von \u03b1 = .82 bis .94 und auf Indexebene von \u03b1 = .89 bis .95, w\u00e4hrend die Elternbeurteilungen Koeffizienten von \u03b1 = .75 bis .89 auf Skalenebene beziehungsweise \u03b1 = .86 bis .91 auf Indexebene erreichen. F\u00fcr den Gesamtwert f\u00e4llt die interne Konsistenz mit \u03b1 = .95 bei den Eltern und \u03b1 = .96 bei den Erzieher:innen hoch aus. Die Retestreliabilit\u00e4t (untersucht an der US-amerikanischen Stichprobe) belegt \u00fcber einen Zeitraum von durchschnittlich 4.5 Wochen eine hohe Stabilit\u00e4t. Bei den Elternurteilen bewegen sich die Retest-Koeffizienten zwischen r<sub>tt<\/sub> = .78 und .90 auf Skalen- Index- und Gesamtebene. Die Erzieher:innenbeurteilungen weisen ebenfalls hohe bis sehr hohe Retest-Reliabilit\u00e4tswerte auf, wobei lediglich die Skala Aufmerksamkeitswechsel (Shift) mit r<sub>tt<\/sub> = .65 einen mittleren Kennwert aufweist.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Interrater-\u00dcbereinstimmung zeigen sich zwischen Eltern- und Erzieher:inneneinsch\u00e4tzungen erwartungsgem\u00e4ss moderate Zusammenh\u00e4nge mit Werten von r = .35 (Emotionale Kontrolle) bis r = .60 (Arbeitsged\u00e4chtnis). Diese Abweichungen spiegeln die unterschiedlichen Verhaltensbeobachtungen in der Familie und in der Betreuungseinrichtung wider, wobei mit Ausnahme der Skala Planen\/Organisieren keine signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Beurteilungen bestehen. Zusammenfassend weist das BRIEF-P eine verl\u00e4ssliche Reliabilit\u00e4t auf.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des BRIEF-P basiert auf der systematischen Herleitung von Alltagsbeschreibungen und Verhaltensbeobachtungen aus klinischen Anamnesen mit Eltern und Erzieher:innen, deren Eignung zur Messung exekutiver Funktionsst\u00f6rungen im Vorschulalter durch ein Fachgremium aus Kinderneuropsycholog:innen best\u00e4tigt wurde. Die Konstruktvalidit\u00e4t wird durch Interkorrelationen auf Skalenebene zwischen r = .37 und .78 sowie durch faktoranalytische Untersuchungen gest\u00fctzt, welche die postulierte dreifaktorielle Struktur aus inhibitorischer Selbstkontrolle, Flexibilit\u00e4t und metakognitiver Entwicklung empirisch belegen. Konvergente und diskriminante Validit\u00e4t ergeben sich aus Vergleichen mit etablierten Fremdbeurteilungsinstrumenten wie der Child Behavior Checklist (CBCL) (Ergebnisse aus der amerikanischen Validierung). Die klinische Validit\u00e4t wurde f\u00fcr unterschiedliche Stichproben nachgewiesen. Die Validit\u00e4t des Verfahrens ist somit als zufriedenstellend einzustufen.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung der deutschsprachigen Adaption st\u00fctzt sich auf eine Datenerhebung aus den Jahren 2012 und 2013 in sechs Bundesl\u00e4ndern. Das Verfahren stellt alters- und geschlechtsgetrennte T-Werte sowie Prozentr\u00e4nge f\u00fcr Kinder im Alter von 2;0 bis 6;11 Jahren zur Verf\u00fcgung. Die Normen f\u00fcr das Elternurteil basieren auf den Angaben zu 460 Kindern (51.1% Jungen, 48.9% M\u00e4dchen). F\u00fcr das Erzieher:innenurteil liegt eine Teilstichprobe von 179 Kindern (51.7% Jungen, 48.3% M\u00e4dchen) aus Kindertageseinrichtungen zugrunde.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Carlson, S. M. (2005). Developmentally sensitive measures of executive function in preschool children. <em>Developmental Neuropsychology, 28<\/em>(2), 595-616. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_3\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_3<\/a><\/li>\n<li>Daseking, M. &amp; Petermann, F. (2013). <em>Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen f\u00fcr das Kindergartenalter (BRIEF-P<\/em>). Bern: Hans Huber.<\/li>\n<li>Drechsler, R. (2007). Exekutive Funktionen. \u00dcbersicht und Taxonomie. <em>Zeitschrift f\u00fcr Neuropsychologie, 18<\/em>(3), 233-248. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233<\/a><\/li>\n<li>Espy, K. A., Kaufmann, P. M., McDiarmid, M. &amp; Glisky, M. L. (1999). Executive functioning in preschool children: A-not-B and other delayed response format task performance. <em>Brain and Cognition, 41<\/em>(2), 178-199. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1006\/brcg.1999.1117\">https:\/\/doi.org\/10.1006\/brcg.1999.1117<\/a><\/li>\n<li>Espy, K. A., Kaufmann, P. M., McDiarmid, M. &amp; Glisky, M. L. (2001). New procedures to assess executive functions in preschool children. <em>The Clinical Neuropsychologist, 15<\/em>(1), 46-58. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1076\/clin.15.1.46.1908\">https:\/\/doi.org\/10.1076\/clin.15.1.46.1908<\/a><\/li>\n<li>Stuss, D. T. &amp; Benson, D. F. (1986). <em>The frontal lobes<\/em>. New York: Raven.<\/li>\n<li>Welsh, M. C. &amp; Pennington, B. F. (1988). Assessing frontal lobe functioning in children: Views from developmental psychology. <em>Developmental Neuropsychology, 4<\/em>(3), 199-230. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/87565648809540405\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/87565648809540405<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990099692190205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990099692190205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 10\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Monika Daseking und Franz Petermann (2013) &nbsp; Einsatzbereich 2 bis 6 Jahre Einzeltest (Fremdeinsch\u00e4tzung) Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t liegen vor. 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