{"id":525,"date":"2026-10-09T09:30:38","date_gmt":"2026-10-09T07:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=525"},"modified":"2026-10-09T14:07:05","modified_gmt":"2026-10-09T12:07:05","slug":"verhaltensinventar-zur-beurteilung-exekutiver-funktionen-brief","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/verhaltensinventar-zur-beurteilung-exekutiver-funktionen-brief\/","title":{"raw":"Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen (BRIEF)","rendered":"Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen (BRIEF)"},"content":{"raw":"von Renate Drechsler und Hans-Christoph Steinhausen (2013)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-535 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/10\/BRIEF.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"341\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>6 bis 16 Jahre<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest (Selbst- und\/oder Fremdeinsch\u00e4tzung)<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDas BRIEF ist ein Paper-and-Pencil-Fragebogenverfahren zur Erfassung von Beeintr\u00e4chtigungen exekutiver Funktionen im Alltag zu Hause und in der Schule. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren und kann bei verschiedenen neurologischen, psychiatrischen und entwicklungsbezogenen St\u00f6rungen eingesetzt werden, beispielsweise bei ADHS, Autismus, Teilleistungsschw\u00e4chen oder Epilepsie nach Hirnverletzungen. Die Fremdeinsch\u00e4tzung erfolgt durch Eltern oder Lehrpersonen, w\u00e4hrend Jugendliche im Alter von 11 bis 16 Jahren zus\u00e4tzlich eine Selbsteinsch\u00e4tzung (BRIEF-SB) vornehmen k\u00f6nnen. Die Frageb\u00f6gen umfassen 86 Fragen bei der Fremdeinsch\u00e4tzung und 80 Fragen bei der Selbsteinsch\u00e4tzung und k\u00f6nnen in etwa 10 bis 15 Minuten bearbeitet werden. Die parallele Anwendung von Selbst- und Fremdeinsch\u00e4tzung wird empfohlen, um Unterschiede zwischen den Beurteilungen als zus\u00e4tzliche diagnostische Hinweise zu nutzen.\r\n\r\nDie Erfassung erfolgt \u00fcber acht Inhaltsskalen, welche die Bereiche Hemmen, Umstellen, Emotionale Kontrolle, Initiative (nur Fremdbeurteilung), Arbeitsged\u00e4chtnis, Planen und Strukturieren, Ordnen und Organisieren, \u00dcberpr\u00fcfen sowie Aufgaben durchf\u00fchren (nur Selbstbeurteilung) abdecken. Aus diesen Einzelbereichen werden zwei Hauptindizes gebildet. Der Verhaltensregulations-Index erfasst die Steuerung von Handlungen und Emotionen. Der Kognitive Regulations-Index b\u00fcndelt die F\u00e4higkeiten zur eigenst\u00e4ndigen Problembearbeitung von der Initiierung \u00fcber Planung und Organisation bis zur Durchf\u00fchrung und Selbstkontrolle. S\u00e4mtliche Skalen m\u00fcnden zusammen im Exekutiven Gesamtwert als globales Mass der exekutiven Funktionen.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDem BRIEF liegt ein klinisch-neuropsychologisches Konzept exekutiver Funktionen zugrunde (vgl. Drechsler, 2007). Unter exekutiven Funktionen werden diejenigen \u00fcbergeordneten Steuerungs- und Regulationsprozesse verstanden, die zielgerichtetes, eigenst\u00e4ndiges und planvolles Handeln im Alltag erm\u00f6glichen (Lezak, 1995).\r\n\r\nIn der Diagnostik werden unterschiedliche Teilkomponenten unterschieden, zu denen unter anderem die Inhibition, die kognitive Umstellf\u00e4higkeit beim Aufgabenwechsel, das Bereithalten von Informationen im Arbeitsged\u00e4chtnis, das Initiieren von Handlungen, das vorausschauende Probleml\u00f6sen sowie die fortlaufende Selbst\u00fcberwachung geh\u00f6ren (vgl. Drechsler, 2007). Theoretisch greift das Verfahren zudem die Differenzierung zwischen kognitionsorientierten, kontextunabh\u00e4ngigen Kontrollleistungen (sogenannte kalte exekutive Funktionen wie Arbeitsged\u00e4chtnis oder Umstellf\u00e4higkeit) und emotionalen, motivationalen sowie situationsgebundenen Regulationsprozessen (sogenannte heisse exekutive Funktionen) auf (Hongwaniskuhl, et al., 2004; Prencipe et al., 2011; Zelazo &amp; M\u00fcller, 2002). Da beide Funktionsbereiche im Alltag eng zusammenspielen, k\u00f6nnen Beeintr\u00e4chtigungen dieses Zusammenspiels zu Verhaltens- und Regulationsproblemen f\u00fchren (vgl. Prencipe et al., 2011).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nObwohl das Manual keine expliziten Angaben zur Objektivit\u00e4t enth\u00e4lt, kann auf Grundlage der beschriebenen Verfahrensabl\u00e4ufe von einer vollst\u00e4ndigen Durchf\u00fchrungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivit\u00e4t ausgegangen werden. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung liegen klar strukturierte und differenzierte Instruktionen vor. Die Auswertung erfolgt objektiv anhand der mitgelieferten Auswertungsschablonen zur Ermittlung der Rohwertsummen der acht Inhaltsskalen. Die anschliessende Interpretation wird durch standardisierte Normtabellen sowie anschauliche Fallbeispiele im Manual verl\u00e4sslich angeleitet. Insgesamt ist das Verfahren als objektiv einzustufen.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nZur \u00dcberpr\u00fcfung der Zuverl\u00e4ssigkeit des BRIEF werden verschiedene Kennwerte berichtet. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) erreicht beim Elternfragebogen Werte zwischen \u03b1 = .79 (Skala Initiative) und \u03b1 = .96 f\u00fcr den Exekutiven Gesamtwert. Bei der Lehrpersonenversion liegen die Kennwerte zwischen \u03b1 = .87 (Skala Umstellen) und \u03b1 = .98 (Exekutiver Gesamtwert), w\u00e4hrend die Selbstbeurteilung (BRIEF-SB) Werte von \u03b1 = .73 (Skala \u00dcberpr\u00fcfen) bis \u03b1 = .96 (Exekutiver Gesamtwert) aufweist. Die Retestreliabilit\u00e4t wurde innerhalb eines Intervalls von 10 Tagen bis 3 Wochen \u00fcberpr\u00fcft. Die Koeffizienten bewegen sich bei den Elternurteilen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .79 und .91, bei den Lehrpersonenurteilen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .84 und .94 sowie bei der Selbstbeurteilung zwischen r<sub>tt<\/sub> = .67 und .88.\r\n\r\nBei der Betrachtung der Interrater-\u00dcbereinstimmung zeigen sich zwischen den verschiedenen Beurteilungsperspektiven erwartungsgem\u00e4ss nur geringe bis mittlere Zusammenh\u00e4nge, was methodisch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass in Schule und Elternhaus unterschiedliche Bereiche des Alltagsverhaltens beobachtet werden. Die Interrater-\u00dcbereinstimmung zwischen Eltern- und Lehrpersonenurteilen liegt im Bereich von r = .19 bis .42. Zudem stimmen die Selbsteinsch\u00e4tzungen der Jugendlichen deutlich st\u00e4rker mit den Urteilen ihrer Eltern (r = .26 bis .51) als mit jenen ihrer Lehrpersonen (r = .21 bis .29) \u00fcberein. Zusammenfassend \u00fcberzeugt das Instrument durch eine zufriedenstellende Messgenauigkeit und Stabilit\u00e4t.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t ist durch die Ableitung der Items aus klinischen Anamnesen sowie durch die Begutachtung durch ein Fachgremium aus Kinderneuropsycholog:innen abgesichert. Die faktorielle Validit\u00e4t st\u00fctzt im Wesentlichen die aus der Theorie abgeleitete Zweifaktorenstruktur aus Verhaltens- und kognitiver Regulation. Zu beachten ist jedoch, dass die Hauptfaktoren hohe Interkorrelationen aufweisen. Die Zweifaktorenstruktur konnte in allen drei Versionen des BRIEF gefunden werden. Die konvergente und divergente Validit\u00e4t wird durch theoretisch erwartete Zusammenh\u00e4nge mit etablierten Verfahren wie der Child Behavior Checklist (CBCL), dem Strength and Difficulties Questionnaire (SDQ) oder den Conners-3-Skalen belegt. Dar\u00fcber hinaus weist das Instrument eine hohe klinische Validit\u00e4t auf: Es unterscheidet verl\u00e4sslich zwischen Kindern mit und ohne ADHS und zeigt bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus (insbesondere in den Bereichen Initiative, Arbeitsged\u00e4chtnis, Organisation und Selbst\u00fcberpr\u00fcfung) deutlich erh\u00f6hte Beeintr\u00e4chtigungswerte. Insgesamt ist das BRIEF ein valides Messinstrument f\u00fcr die Bestimmung der exekutiven Funktionen im Kindes- und Jugendalter zu bewerten.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie deutschsprachige Adaption des BRIEF entstand durch ein mehrstufiges \u00dcbersetzungs- und R\u00fcck\u00fcbersetzungsverfahren in enger Abstimmung mit den Autor:innen der US-amerikanischen Originalversion. Die Normierungsstichprobe umfasst insgesamt 921 Kinder und Jugendliche aus Regelschulen, die in der Schweiz (n = 589), Deutschland (n = 183) und Luxemburg (n = 149) rekrutiert wurden und deren Daten zwischen 2006 und 2011 erhoben wurden. Das Geschlechterverh\u00e4ltnis sowie die Verteilung zwischen st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Wohnregionen waren in der Stichprobe repr\u00e4sentativ.\r\n\r\nF\u00fcr die Fremdbeurteilungen durch Eltern und Lehrpersonen stehen geschlechtsspezifische Normen f\u00fcr vier Altersstufen (6-7, 8-10, 11-13 sowie 14-16 Jahre; N &gt; 900) zur Verf\u00fcgung. F\u00fcr die Selbstbeurteilung im BRIEF-SB liegen geschlechtsspezifische Normwerte f\u00fcr zwei Altersgruppen (11-13 und 14-16 Jahre; N &gt; 500) vor. In den Normtabellen lassen sich f\u00fcr s\u00e4mtliche Inhaltsskalen, die beiden Hauptindizes sowie den Exekutiven Gesamtwert jeweils Prozentr\u00e4nge und T-Werte ablesen.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Drechsler, R. (2007). Exekutive Funktionen. \u00dcbersicht und Taxonomie. <em>Zeitschrift f\u00fcr Neuropsychologie, 18<\/em>(3), 233-248. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233<\/a><\/li>\r\n \t<li>Drechsler, R. &amp; Steinhausen, H.-C. (2013). <em>Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen (BRIEF)<\/em>. Bren: Hans Huber.<\/li>\r\n \t<li>Hongwanishkul, D., Happaney, K. R., Lee, W. S. &amp; Zelazo, P. D. (2005). Assessment of hot and cool executive function in young children: age-related changes and individual differences. <em>Developmental Neuropsychology, 28<\/em>(2), 617-644. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_4\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_4<\/a><\/li>\r\n \t<li>Lezak, M. D. (1995). <em>Neuropsychological assessment<\/em> (3rd ed.). New York: Oxford University Press.<\/li>\r\n \t<li>Prencipe, A., Kesek, A., Cohen, J., Lamm, C., Lewis, M. D. &amp; Zelazo, P. D. (2011). Development of hot and cool executive function during transition to adolescence. <em>Journal of Experimental Child Psychology, 108<\/em>(3), 621-637.<\/li>\r\n \t<li>Zelazo, P. D. &amp; M\u00fcller, U. (2002). Executive function in typical and atypical development. In U. Goswami (Ed.), <em>Handbook of childhood cognitive development<\/em> (pp. 445-469). Oxford: Blackwell.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990097819070205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990095670000205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 10\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Renate Drechsler und Hans-Christoph Steinhausen (2013)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-535\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/10\/BRIEF.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"341\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>6 bis 16 Jahre<\/li>\n<li>Einzeltest (Selbst- und\/oder Fremdeinsch\u00e4tzung)<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Das BRIEF ist ein Paper-and-Pencil-Fragebogenverfahren zur Erfassung von Beeintr\u00e4chtigungen exekutiver Funktionen im Alltag zu Hause und in der Schule. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren und kann bei verschiedenen neurologischen, psychiatrischen und entwicklungsbezogenen St\u00f6rungen eingesetzt werden, beispielsweise bei ADHS, Autismus, Teilleistungsschw\u00e4chen oder Epilepsie nach Hirnverletzungen. Die Fremdeinsch\u00e4tzung erfolgt durch Eltern oder Lehrpersonen, w\u00e4hrend Jugendliche im Alter von 11 bis 16 Jahren zus\u00e4tzlich eine Selbsteinsch\u00e4tzung (BRIEF-SB) vornehmen k\u00f6nnen. Die Frageb\u00f6gen umfassen 86 Fragen bei der Fremdeinsch\u00e4tzung und 80 Fragen bei der Selbsteinsch\u00e4tzung und k\u00f6nnen in etwa 10 bis 15 Minuten bearbeitet werden. Die parallele Anwendung von Selbst- und Fremdeinsch\u00e4tzung wird empfohlen, um Unterschiede zwischen den Beurteilungen als zus\u00e4tzliche diagnostische Hinweise zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Erfassung erfolgt \u00fcber acht Inhaltsskalen, welche die Bereiche Hemmen, Umstellen, Emotionale Kontrolle, Initiative (nur Fremdbeurteilung), Arbeitsged\u00e4chtnis, Planen und Strukturieren, Ordnen und Organisieren, \u00dcberpr\u00fcfen sowie Aufgaben durchf\u00fchren (nur Selbstbeurteilung) abdecken. Aus diesen Einzelbereichen werden zwei Hauptindizes gebildet. Der Verhaltensregulations-Index erfasst die Steuerung von Handlungen und Emotionen. Der Kognitive Regulations-Index b\u00fcndelt die F\u00e4higkeiten zur eigenst\u00e4ndigen Problembearbeitung von der Initiierung \u00fcber Planung und Organisation bis zur Durchf\u00fchrung und Selbstkontrolle. S\u00e4mtliche Skalen m\u00fcnden zusammen im Exekutiven Gesamtwert als globales Mass der exekutiven Funktionen.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Dem BRIEF liegt ein klinisch-neuropsychologisches Konzept exekutiver Funktionen zugrunde (vgl. Drechsler, 2007). Unter exekutiven Funktionen werden diejenigen \u00fcbergeordneten Steuerungs- und Regulationsprozesse verstanden, die zielgerichtetes, eigenst\u00e4ndiges und planvolles Handeln im Alltag erm\u00f6glichen (Lezak, 1995).<\/p>\n<p>In der Diagnostik werden unterschiedliche Teilkomponenten unterschieden, zu denen unter anderem die Inhibition, die kognitive Umstellf\u00e4higkeit beim Aufgabenwechsel, das Bereithalten von Informationen im Arbeitsged\u00e4chtnis, das Initiieren von Handlungen, das vorausschauende Probleml\u00f6sen sowie die fortlaufende Selbst\u00fcberwachung geh\u00f6ren (vgl. Drechsler, 2007). Theoretisch greift das Verfahren zudem die Differenzierung zwischen kognitionsorientierten, kontextunabh\u00e4ngigen Kontrollleistungen (sogenannte kalte exekutive Funktionen wie Arbeitsged\u00e4chtnis oder Umstellf\u00e4higkeit) und emotionalen, motivationalen sowie situationsgebundenen Regulationsprozessen (sogenannte heisse exekutive Funktionen) auf (Hongwaniskuhl, et al., 2004; Prencipe et al., 2011; Zelazo &amp; M\u00fcller, 2002). Da beide Funktionsbereiche im Alltag eng zusammenspielen, k\u00f6nnen Beeintr\u00e4chtigungen dieses Zusammenspiels zu Verhaltens- und Regulationsproblemen f\u00fchren (vgl. Prencipe et al., 2011).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Obwohl das Manual keine expliziten Angaben zur Objektivit\u00e4t enth\u00e4lt, kann auf Grundlage der beschriebenen Verfahrensabl\u00e4ufe von einer vollst\u00e4ndigen Durchf\u00fchrungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivit\u00e4t ausgegangen werden. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung liegen klar strukturierte und differenzierte Instruktionen vor. Die Auswertung erfolgt objektiv anhand der mitgelieferten Auswertungsschablonen zur Ermittlung der Rohwertsummen der acht Inhaltsskalen. Die anschliessende Interpretation wird durch standardisierte Normtabellen sowie anschauliche Fallbeispiele im Manual verl\u00e4sslich angeleitet. Insgesamt ist das Verfahren als objektiv einzustufen.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Zur \u00dcberpr\u00fcfung der Zuverl\u00e4ssigkeit des BRIEF werden verschiedene Kennwerte berichtet. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) erreicht beim Elternfragebogen Werte zwischen \u03b1 = .79 (Skala Initiative) und \u03b1 = .96 f\u00fcr den Exekutiven Gesamtwert. Bei der Lehrpersonenversion liegen die Kennwerte zwischen \u03b1 = .87 (Skala Umstellen) und \u03b1 = .98 (Exekutiver Gesamtwert), w\u00e4hrend die Selbstbeurteilung (BRIEF-SB) Werte von \u03b1 = .73 (Skala \u00dcberpr\u00fcfen) bis \u03b1 = .96 (Exekutiver Gesamtwert) aufweist. Die Retestreliabilit\u00e4t wurde innerhalb eines Intervalls von 10 Tagen bis 3 Wochen \u00fcberpr\u00fcft. Die Koeffizienten bewegen sich bei den Elternurteilen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .79 und .91, bei den Lehrpersonenurteilen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .84 und .94 sowie bei der Selbstbeurteilung zwischen r<sub>tt<\/sub> = .67 und .88.<\/p>\n<p>Bei der Betrachtung der Interrater-\u00dcbereinstimmung zeigen sich zwischen den verschiedenen Beurteilungsperspektiven erwartungsgem\u00e4ss nur geringe bis mittlere Zusammenh\u00e4nge, was methodisch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass in Schule und Elternhaus unterschiedliche Bereiche des Alltagsverhaltens beobachtet werden. Die Interrater-\u00dcbereinstimmung zwischen Eltern- und Lehrpersonenurteilen liegt im Bereich von r = .19 bis .42. Zudem stimmen die Selbsteinsch\u00e4tzungen der Jugendlichen deutlich st\u00e4rker mit den Urteilen ihrer Eltern (r = .26 bis .51) als mit jenen ihrer Lehrpersonen (r = .21 bis .29) \u00fcberein. Zusammenfassend \u00fcberzeugt das Instrument durch eine zufriedenstellende Messgenauigkeit und Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t ist durch die Ableitung der Items aus klinischen Anamnesen sowie durch die Begutachtung durch ein Fachgremium aus Kinderneuropsycholog:innen abgesichert. Die faktorielle Validit\u00e4t st\u00fctzt im Wesentlichen die aus der Theorie abgeleitete Zweifaktorenstruktur aus Verhaltens- und kognitiver Regulation. Zu beachten ist jedoch, dass die Hauptfaktoren hohe Interkorrelationen aufweisen. Die Zweifaktorenstruktur konnte in allen drei Versionen des BRIEF gefunden werden. Die konvergente und divergente Validit\u00e4t wird durch theoretisch erwartete Zusammenh\u00e4nge mit etablierten Verfahren wie der Child Behavior Checklist (CBCL), dem Strength and Difficulties Questionnaire (SDQ) oder den Conners-3-Skalen belegt. Dar\u00fcber hinaus weist das Instrument eine hohe klinische Validit\u00e4t auf: Es unterscheidet verl\u00e4sslich zwischen Kindern mit und ohne ADHS und zeigt bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus (insbesondere in den Bereichen Initiative, Arbeitsged\u00e4chtnis, Organisation und Selbst\u00fcberpr\u00fcfung) deutlich erh\u00f6hte Beeintr\u00e4chtigungswerte. Insgesamt ist das BRIEF ein valides Messinstrument f\u00fcr die Bestimmung der exekutiven Funktionen im Kindes- und Jugendalter zu bewerten.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die deutschsprachige Adaption des BRIEF entstand durch ein mehrstufiges \u00dcbersetzungs- und R\u00fcck\u00fcbersetzungsverfahren in enger Abstimmung mit den Autor:innen der US-amerikanischen Originalversion. Die Normierungsstichprobe umfasst insgesamt 921 Kinder und Jugendliche aus Regelschulen, die in der Schweiz (n = 589), Deutschland (n = 183) und Luxemburg (n = 149) rekrutiert wurden und deren Daten zwischen 2006 und 2011 erhoben wurden. Das Geschlechterverh\u00e4ltnis sowie die Verteilung zwischen st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Wohnregionen waren in der Stichprobe repr\u00e4sentativ.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Fremdbeurteilungen durch Eltern und Lehrpersonen stehen geschlechtsspezifische Normen f\u00fcr vier Altersstufen (6-7, 8-10, 11-13 sowie 14-16 Jahre; N &gt; 900) zur Verf\u00fcgung. F\u00fcr die Selbstbeurteilung im BRIEF-SB liegen geschlechtsspezifische Normwerte f\u00fcr zwei Altersgruppen (11-13 und 14-16 Jahre; N &gt; 500) vor. In den Normtabellen lassen sich f\u00fcr s\u00e4mtliche Inhaltsskalen, die beiden Hauptindizes sowie den Exekutiven Gesamtwert jeweils Prozentr\u00e4nge und T-Werte ablesen.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Drechsler, R. (2007). Exekutive Funktionen. \u00dcbersicht und Taxonomie. <em>Zeitschrift f\u00fcr Neuropsychologie, 18<\/em>(3), 233-248. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/1016-264X.18.3.233<\/a><\/li>\n<li>Drechsler, R. &amp; Steinhausen, H.-C. (2013). <em>Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen (BRIEF)<\/em>. Bren: Hans Huber.<\/li>\n<li>Hongwanishkul, D., Happaney, K. R., Lee, W. S. &amp; Zelazo, P. D. (2005). Assessment of hot and cool executive function in young children: age-related changes and individual differences. <em>Developmental Neuropsychology, 28<\/em>(2), 617-644. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_4\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15326942dn2802_4<\/a><\/li>\n<li>Lezak, M. D. (1995). <em>Neuropsychological assessment<\/em> (3rd ed.). New York: Oxford University Press.<\/li>\n<li>Prencipe, A., Kesek, A., Cohen, J., Lamm, C., Lewis, M. D. &amp; Zelazo, P. D. (2011). Development of hot and cool executive function during transition to adolescence. <em>Journal of Experimental Child Psychology, 108<\/em>(3), 621-637.<\/li>\n<li>Zelazo, P. D. &amp; M\u00fcller, U. (2002). Executive function in typical and atypical development. In U. Goswami (Ed.), <em>Handbook of childhood cognitive development<\/em> (pp. 445-469). Oxford: Blackwell.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990097819070205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990095670000205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 10\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Renate Drechsler und Hans-Christoph Steinhausen (2013) &nbsp; Einsatzbereich 6 bis 16 Jahre Einzeltest (Selbst- und\/oder Fremdeinsch\u00e4tzung) Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t liegen vor. 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