{"id":480,"date":"2026-09-19T11:17:58","date_gmt":"2026-09-19T09:17:58","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=480"},"modified":"2026-10-09T14:08:24","modified_gmt":"2026-10-09T12:08:24","slug":"weingartener-grundwortschatz-rechtschreib-test-fuer-zweite-und-dritte-klassen-wrt-2","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/weingartener-grundwortschatz-rechtschreib-test-fuer-zweite-und-dritte-klassen-wrt-2\/","title":{"raw":"Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test f\u00fcr zweite und dritte Klassen (WRT 2+)","rendered":"Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test f\u00fcr zweite und dritte Klassen (WRT 2+)"},"content":{"raw":"von Peter Birkel und Daniel Berwanger (2024)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-482 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/WRT2.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"388\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>2. bis 3. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzel- und Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer WRT 2+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren, das die Rechtschreibf\u00e4higkeit von Kindern am Ende der zweiten und w\u00e4hrend der dritten Klassenstufe misst. Grundlage des Tests ist ein sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlter Grundwortschatz, der f\u00fcr das Ende der zweiten Klasse als angemessen gilt. Der WRT 2+ kann im Regel- und Sonderschulsetting, als Teil der Lernfortschrittsdiagnostik, bei der F\u00f6rderentscheidung sowie in der Forschung eingesetzt werden.\r\n\r\nDas Testformat besteht aus L\u00fcckentextdiktaten, in denen die Zielw\u00f6rter in motivierende, voneinander unabh\u00e4ngige Geschichten eingebettet sind. Der WRT 2+ umfasst zwei parallele Langformen mit jeweils 43 Items f\u00fcr eine vertiefte Diagnose. Seit der aktualisierten dritten Auflage stehen auch zwei neu entwickelte parallele Kurzformen mit 16 Items f\u00fcr eine \u00f6konomische \u00dcbersicht zur Verf\u00fcgung. Die Bearbeitungszeit variiert zwischen etwa 30 Minuten (Kurzform) und maximal 45 Minuten (Langform). Der Test kann im Gruppen- und Einzelsetting eingesetzt werden und wird als Paper-and-Pencil-Test durchgef\u00fchrt. Die Auswertung erfolgt sowohl quantitativ \u00fcber die Anzahl korrekter W\u00f6rter und Graphemtreffer als auch qualitativ durch eine detaillierte Fehleranalyse, die als Basis f\u00fcr die individuelle F\u00f6rderplanung dient.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDie theoretische Basis des WRT 2+ bildet das Konzept eines didaktischen Rechtschreibgrundwortschatzes, der als zentrale Voraussetzung f\u00fcr einen systematischen Rechtschreibunterricht im Klassenunterricht gilt. Nach Schwarz (1983) und R\u00fcckemann (1991) sollten W\u00f6rter eines Rechtschreibgrundwortschatzes nach ihrer H\u00e4ufigkeit im Sprachgebrauch, ihrer Bedeutung f\u00fcr die Lebenswelt der Kinder sowie ihrem didaktischen Potenzial ausgew\u00e4hlt werden. Sie sollen die Entdeckung von Rechtschreibph\u00e4nomenen und den Aufbau von Regeln unterst\u00fctzen sowie vielf\u00e4ltige Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr den Unterricht und den Transfer auf weitere W\u00f6rter bieten.\r\n\r\nUm eine hohe Aktualit\u00e4t des Wortschatzes zu gew\u00e4hrleisten, wurden f\u00fcr die Erstellung des WRT 2+ bundesweite Wortschatzlisten verglichen. W\u00e4hrend die erste Fassung auf dem bayerischen Grundwortschatz von 1980 basierte, wurde das Instrument in den nachfolgenden Auflagen kontinuierlich reflektiert und mit aktuellen Listen abgeglichen.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des WRT 2+ ist durch ausf\u00fchrliche Anweisungen und Hinweise im Testmanual gew\u00e4hrleistet. F\u00fcr die Auswertung wurden eine konkrete Anleitung sowie ein L\u00f6sungsschl\u00fcssel bereitgestellt, sodass die Resultate m\u00f6glichst objektiv ausgewertet werden k\u00f6nnen. Mithilfe von Normtabellen mit Prozentr\u00e4ngen, T-Werten und Normb\u00e4ndern k\u00f6nnen die Leistungen der Lernenden angeleitet interpretiert werden, wodurch die Objektivit\u00e4t der Interpretation sichergestellt wird. Der WRT 2+ gilt insgesamt als objektives Messinstrument zur \u00dcberpr\u00fcfung der Rechtschreibleistungen von Sch\u00fcler:innen der zweiten und dritten Klasse, sofern die Vorgaben im Manual einheitlich umgesetzt werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nZur \u00dcberpr\u00fcfung der Reliabilit\u00e4t wurden unterschiedliche Kennwerte berechnet: Die Split-Half-Reliabilit\u00e4t (Even-Odd-Methode) wurde 1993 f\u00fcr die Langformen berechnet und weist Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .93 und .94 auf. Die Konsistenzanalysen zeigen f\u00fcr die Langformen (1993) Werte von r<sub>tt<\/sub> = .94 und .94 und f\u00fcr die Kurzformen (2022) \u03b1 = .88 bis .90.\r\n\r\nHinsichtlich der Retestreliabilit\u00e4t zeigt das Verfahren stabile Ergebnisse: F\u00fcr die Langformen zeigen sich bei Intervallen von bis zu 15 Wochen (1993) Werte um r<sub>tt<\/sub> = .88 und bei einem k\u00fcrzeren Intervall von zwei Wochen (2004) Werte von r<sub>tt<\/sub> = .90. F\u00fcr die neu erstellte Kurzform wurden 2022 Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .91 und .91 berechnet. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t unterstreicht die Zuverl\u00e4ssigkeit zus\u00e4tzlich, da die Werte f\u00fcr die Langform \u00fcber verschiedene Eichungszeitr\u00e4ume (1993 bis 2022) hinweg konstant hoch zwischen r<sub>tt<\/sub> = .93 und .95 liegen. F\u00fcr die Kurzform wurde am Ende der zweiten Klasse ebenfalls ein sehr hoher Wert von .95 ermittelt. Damit erweist sich der WRT 2+ als ein \u00e4usserst zuverl\u00e4ssiges Instrument f\u00fcr die Rechtschreibdiagnostik.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des WRT 2+ wird durch die \u00dcbereinstimmung zwischen den Testergebnissen und den Einsch\u00e4tzungen der Rechtschreibkompetenzen durch Expert:innen (Lehrpersonen) sowie durch die curriculare G\u00fcltigkeit des zugrunde liegenden Grundwortschatzes gest\u00fctzt. Die \u00dcbereinstimmungsvalidit\u00e4t zeigt sich in stabilen Korrelationen mit den Deutschnoten mit Werten zwischen r = .65 und .67. und den Diktatleistungen (r = .66 bis .69) der Sch\u00fcler:innen. Zudem belegen starke Zusammenh\u00e4nge mit anderen Verfahren wie dem DRT 2 (r = .84 bis .85) die G\u00fcltigkeit des Tests. Die differenzielle Validit\u00e4t ist durch erwartungsgem\u00e4ss geringe Korrelationen mit der Intelligenz (CFT 1) sowie mit Leistungen in Mathematik und Sachkunde gegeben.\r\n\r\nDie Konstruktvalidit\u00e4t wird durch ein breites Spektrum empirischer Befunde untermauert, die die theoretischen Zusammenh\u00e4nge zwischen der Rechtschreibleistung und Faktoren wie dem Arbeitsged\u00e4chtnis, dem Leistungsselbstkonzept oder den Vorl\u00e4uferfertigkeiten der Rechtschreibf\u00e4higkeit best\u00e4tigen. Insgesamt ist der WRT 2+ ein empirisch gut abgesichertes Verfahren zur Rechtschreibdiagnostik in der zweiten und dritten Schulstufe.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Neunormierung des WRT 2+ fand zwischen 2017 und 2022 statt. F\u00fcr die Langform liegt eine Gesamtstichprobe von <em>N<\/em> = 9492 Lernenden vor, mit Normen f\u00fcr das Ende der 2. Klasse sowie f\u00fcr den Anfang und die Mitte der 3. Klasse. Die Kurzform wurde im selben Zeitraum erstmals bundesweit zu vier Zeitpunkten mit einer Stichprobe von <em>N<\/em> = 6136 Lernenden normiert, wobei f\u00fcr Bayern zus\u00e4tzlich eine spezifische, sehr grosse Stichprobe (<em>N<\/em> = 15'117) herangezogen wurde.\r\n\r\nDie Ergebnisse k\u00f6nnen anhand von Prozentr\u00e4ngen, Prozentrangb\u00e4ndern, T-Werten und T-Wertb\u00e4ndern sowie Notenvorschl\u00e4gen interpretiert werden. Dabei stehen differenzierte Normtabellen f\u00fcr die gesamte Stichprobe sowie spezifisch f\u00fcr Kinder mit deutscher oder nicht-deutscher Muttersprache zur Verf\u00fcgung.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Birkel, P &amp; Berwanger, D. (2024). <em>Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test f\u00fcr zweite und dritte Klassen (WRT 2+)<\/em> (3., vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitete und neu normierte Aufl. mit Kurzformen). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>R\u00fcckemann, S. (1991). T<em>\u00e4gliche Arbeit mit dem Grundwortschatz \u2013 vom 1. Bis 3. Schuljahr.<\/em> Heinsberg: Agentur Dieck.<\/li>\r\n \t<li>Schwarz, E. (1983). Auf der Suche nach dem Rechtschreib-Grundwortschatz. Die <em>Grundschule, 15<\/em>(11), 57-62.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116964094405521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Peter Birkel und Daniel Berwanger (2024)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-482\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/WRT2.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"388\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>2. bis 3. Klasse<\/li>\n<li>Einzel- und Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der WRT 2+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren, das die Rechtschreibf\u00e4higkeit von Kindern am Ende der zweiten und w\u00e4hrend der dritten Klassenstufe misst. Grundlage des Tests ist ein sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlter Grundwortschatz, der f\u00fcr das Ende der zweiten Klasse als angemessen gilt. Der WRT 2+ kann im Regel- und Sonderschulsetting, als Teil der Lernfortschrittsdiagnostik, bei der F\u00f6rderentscheidung sowie in der Forschung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Das Testformat besteht aus L\u00fcckentextdiktaten, in denen die Zielw\u00f6rter in motivierende, voneinander unabh\u00e4ngige Geschichten eingebettet sind. Der WRT 2+ umfasst zwei parallele Langformen mit jeweils 43 Items f\u00fcr eine vertiefte Diagnose. Seit der aktualisierten dritten Auflage stehen auch zwei neu entwickelte parallele Kurzformen mit 16 Items f\u00fcr eine \u00f6konomische \u00dcbersicht zur Verf\u00fcgung. Die Bearbeitungszeit variiert zwischen etwa 30 Minuten (Kurzform) und maximal 45 Minuten (Langform). Der Test kann im Gruppen- und Einzelsetting eingesetzt werden und wird als Paper-and-Pencil-Test durchgef\u00fchrt. Die Auswertung erfolgt sowohl quantitativ \u00fcber die Anzahl korrekter W\u00f6rter und Graphemtreffer als auch qualitativ durch eine detaillierte Fehleranalyse, die als Basis f\u00fcr die individuelle F\u00f6rderplanung dient.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die theoretische Basis des WRT 2+ bildet das Konzept eines didaktischen Rechtschreibgrundwortschatzes, der als zentrale Voraussetzung f\u00fcr einen systematischen Rechtschreibunterricht im Klassenunterricht gilt. Nach Schwarz (1983) und R\u00fcckemann (1991) sollten W\u00f6rter eines Rechtschreibgrundwortschatzes nach ihrer H\u00e4ufigkeit im Sprachgebrauch, ihrer Bedeutung f\u00fcr die Lebenswelt der Kinder sowie ihrem didaktischen Potenzial ausgew\u00e4hlt werden. Sie sollen die Entdeckung von Rechtschreibph\u00e4nomenen und den Aufbau von Regeln unterst\u00fctzen sowie vielf\u00e4ltige Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr den Unterricht und den Transfer auf weitere W\u00f6rter bieten.<\/p>\n<p>Um eine hohe Aktualit\u00e4t des Wortschatzes zu gew\u00e4hrleisten, wurden f\u00fcr die Erstellung des WRT 2+ bundesweite Wortschatzlisten verglichen. W\u00e4hrend die erste Fassung auf dem bayerischen Grundwortschatz von 1980 basierte, wurde das Instrument in den nachfolgenden Auflagen kontinuierlich reflektiert und mit aktuellen Listen abgeglichen.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des WRT 2+ ist durch ausf\u00fchrliche Anweisungen und Hinweise im Testmanual gew\u00e4hrleistet. F\u00fcr die Auswertung wurden eine konkrete Anleitung sowie ein L\u00f6sungsschl\u00fcssel bereitgestellt, sodass die Resultate m\u00f6glichst objektiv ausgewertet werden k\u00f6nnen. Mithilfe von Normtabellen mit Prozentr\u00e4ngen, T-Werten und Normb\u00e4ndern k\u00f6nnen die Leistungen der Lernenden angeleitet interpretiert werden, wodurch die Objektivit\u00e4t der Interpretation sichergestellt wird. Der WRT 2+ gilt insgesamt als objektives Messinstrument zur \u00dcberpr\u00fcfung der Rechtschreibleistungen von Sch\u00fcler:innen der zweiten und dritten Klasse, sofern die Vorgaben im Manual einheitlich umgesetzt werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Zur \u00dcberpr\u00fcfung der Reliabilit\u00e4t wurden unterschiedliche Kennwerte berechnet: Die Split-Half-Reliabilit\u00e4t (Even-Odd-Methode) wurde 1993 f\u00fcr die Langformen berechnet und weist Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .93 und .94 auf. Die Konsistenzanalysen zeigen f\u00fcr die Langformen (1993) Werte von r<sub>tt<\/sub> = .94 und .94 und f\u00fcr die Kurzformen (2022) \u03b1 = .88 bis .90.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Retestreliabilit\u00e4t zeigt das Verfahren stabile Ergebnisse: F\u00fcr die Langformen zeigen sich bei Intervallen von bis zu 15 Wochen (1993) Werte um r<sub>tt<\/sub> = .88 und bei einem k\u00fcrzeren Intervall von zwei Wochen (2004) Werte von r<sub>tt<\/sub> = .90. F\u00fcr die neu erstellte Kurzform wurden 2022 Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .91 und .91 berechnet. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t unterstreicht die Zuverl\u00e4ssigkeit zus\u00e4tzlich, da die Werte f\u00fcr die Langform \u00fcber verschiedene Eichungszeitr\u00e4ume (1993 bis 2022) hinweg konstant hoch zwischen r<sub>tt<\/sub> = .93 und .95 liegen. F\u00fcr die Kurzform wurde am Ende der zweiten Klasse ebenfalls ein sehr hoher Wert von .95 ermittelt. Damit erweist sich der WRT 2+ als ein \u00e4usserst zuverl\u00e4ssiges Instrument f\u00fcr die Rechtschreibdiagnostik.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des WRT 2+ wird durch die \u00dcbereinstimmung zwischen den Testergebnissen und den Einsch\u00e4tzungen der Rechtschreibkompetenzen durch Expert:innen (Lehrpersonen) sowie durch die curriculare G\u00fcltigkeit des zugrunde liegenden Grundwortschatzes gest\u00fctzt. Die \u00dcbereinstimmungsvalidit\u00e4t zeigt sich in stabilen Korrelationen mit den Deutschnoten mit Werten zwischen r = .65 und .67. und den Diktatleistungen (r = .66 bis .69) der Sch\u00fcler:innen. Zudem belegen starke Zusammenh\u00e4nge mit anderen Verfahren wie dem DRT 2 (r = .84 bis .85) die G\u00fcltigkeit des Tests. Die differenzielle Validit\u00e4t ist durch erwartungsgem\u00e4ss geringe Korrelationen mit der Intelligenz (CFT 1) sowie mit Leistungen in Mathematik und Sachkunde gegeben.<\/p>\n<p>Die Konstruktvalidit\u00e4t wird durch ein breites Spektrum empirischer Befunde untermauert, die die theoretischen Zusammenh\u00e4nge zwischen der Rechtschreibleistung und Faktoren wie dem Arbeitsged\u00e4chtnis, dem Leistungsselbstkonzept oder den Vorl\u00e4uferfertigkeiten der Rechtschreibf\u00e4higkeit best\u00e4tigen. Insgesamt ist der WRT 2+ ein empirisch gut abgesichertes Verfahren zur Rechtschreibdiagnostik in der zweiten und dritten Schulstufe.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Neunormierung des WRT 2+ fand zwischen 2017 und 2022 statt. F\u00fcr die Langform liegt eine Gesamtstichprobe von <em>N<\/em> = 9492 Lernenden vor, mit Normen f\u00fcr das Ende der 2. Klasse sowie f\u00fcr den Anfang und die Mitte der 3. Klasse. Die Kurzform wurde im selben Zeitraum erstmals bundesweit zu vier Zeitpunkten mit einer Stichprobe von <em>N<\/em> = 6136 Lernenden normiert, wobei f\u00fcr Bayern zus\u00e4tzlich eine spezifische, sehr grosse Stichprobe (<em>N<\/em> = 15&#8217;117) herangezogen wurde.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse k\u00f6nnen anhand von Prozentr\u00e4ngen, Prozentrangb\u00e4ndern, T-Werten und T-Wertb\u00e4ndern sowie Notenvorschl\u00e4gen interpretiert werden. Dabei stehen differenzierte Normtabellen f\u00fcr die gesamte Stichprobe sowie spezifisch f\u00fcr Kinder mit deutscher oder nicht-deutscher Muttersprache zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Birkel, P &amp; Berwanger, D. (2024). <em>Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test f\u00fcr zweite und dritte Klassen (WRT 2+)<\/em> (3., vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitete und neu normierte Aufl. mit Kurzformen). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>R\u00fcckemann, S. (1991). T<em>\u00e4gliche Arbeit mit dem Grundwortschatz \u2013 vom 1. Bis 3. Schuljahr.<\/em> Heinsberg: Agentur Dieck.<\/li>\n<li>Schwarz, E. (1983). Auf der Suche nach dem Rechtschreib-Grundwortschatz. Die <em>Grundschule, 15<\/em>(11), 57-62.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116964094405521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Birkel und Daniel Berwanger (2024) &nbsp; Einsatzbereich 2. bis 3. Klasse Einzel- und Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t liegen vor. 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