{"id":457,"date":"2026-09-18T17:35:04","date_gmt":"2026-09-18T15:35:04","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=457"},"modified":"2026-10-09T14:06:25","modified_gmt":"2026-10-09T12:06:25","slug":"test-zur-erfassung-der-phonologischen-bewusstheit-und-der-benennungsgeschwindigkeit-tephobe-r","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/test-zur-erfassung-der-phonologischen-bewusstheit-und-der-benennungsgeschwindigkeit-tephobe-r\/","title":{"raw":"Test zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit (TEPHOBE-R)","rendered":"Test zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit (TEPHOBE-R)"},"content":{"raw":"von Andreas Mayer (2025)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-459 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/TEPHOBE.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"343\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kindergarten bis 2. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentest (phonologische Bewusstheit); Einzeltest (Benennungsgeschwindigkeit)<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left;height: 81px\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Die berichteten Kennwerte fallen f\u00fcr die Subtests heterogen aus.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer TEPHOBE-R ist ein diagnostisches Verfahren, das prim\u00e4r der fr\u00fchzeitigen Identifikation von Kindern mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr die Entwicklung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten dient. Der Test kann mit Lernenden des Regel- oder F\u00f6rderschulsettings am Ende des Kindergartens oder am Anfang der ersten beiden Schuljahre durchgef\u00fchrt werden. Durch den Einsatz bereits vor oder zu Beginn der Schulzeit erm\u00f6glicht er die Ableitung pr\u00e4ventiver F\u00f6rdermassnahmen, die zu diesem Zeitpunkt als besonders effektiv gelten. Ausserdem findet das Verfahren auch in der Forschung Anwendung. Das Verfahren ist als Paper-Pencil-Test gestaltet und gliedert sich in zwei zentrale Bereiche:\r\n<ol>\r\n \t<li><strong>Phonologische Bewusstheit<\/strong>: Dieser Teil umfasst je nach Klassenstufe vier bis f\u00fcnf Untertests (u.a. Reimen, Phonemsynthese, Anlautkategorisierung sowie in der 2. Klasse Phonemsegmentation, -elision und -umkehr). Das Aufgabenformat besteht \u00fcberwiegend aus Bildauswahlaufgaben, bei denen die Kinder aus vier Antwortm\u00f6glichkeiten die richtige(n) L\u00f6sung(en) identifizieren m\u00fcssen. Ein Untertest besteht aus sieben Items und dauert etwa 10 Minuten; die gesamte Durchf\u00fchrung im Klassen- oder Einzelsetting beansprucht circa eine Unterrichtsstunde.<\/li>\r\n \t<li><strong>Benennungsgeschwindigkeit (RAN)<\/strong>: Basierend auf den Arbeiten von Denckla und Rudel (1976) wird die Geschwindigkeit erfasst, mit der Sch\u00fcler:innen visuelle Items (Farben, Objekte, Buchstaben oder Zahlen) benennen und auf ihr phonologisches Lexikon zugreifen k\u00f6nnen. In den zwei bis drei Subtests (je nach Klassenstufe) m\u00fcssen jeweils 50 Items (10 Wiederholungen von 5 Items) so schnell wie m\u00f6glich benannt werden. Die Durchf\u00fchrung erfolgt im Einzelsetting und dauert etwa 10 Minuten.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDer TEPHOBE-R basiert auf der phonologischen Defizithypothese (Stanovic 1988). Diese geht davon aus, dass Defizite in der akustischen Verarbeitung zu Beeintr\u00e4chtigungen der Phonemrepr\u00e4sentation und damit der phonologischen Informationsverarbeitung f\u00fchren. Dadurch wird die Worterkennung erschwert, was sich nachteilig auf den Erwerb der Lese- und Rechtschreibkompetenz auswirkt. Der TEPHOBE-R fokussiert auf zwei zentrale Teilfunktionen der phonologischen Informationsverarbeitung, die empirisch als die zuverl\u00e4ssigsten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr den sp\u00e4teren Lese- und Schrifterwerb gelten: die phonologische Bewusstheit und die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) (Schatschneider &amp; Torgesen, 2004).\r\n\r\nDie Erfassung der phonologischen Bewusstheit orientiert sich dabei am zweidimensionalen Modell nach Schnitzler (2008). Dieses Modell differenziert zum einen nach der Gr\u00f6sse der Einheit (Silbe, Onset, Rime, Phonem) und zum anderen nach der geforderten kognitiven Operation, wobei zwischen impliziter Bewusstheit (spontane Anwendung, z. B. Reimen) und expliziter Bewusstheit (bewusste Manipulation, z. B. Phonemumkehr) unterschieden wird. Die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) beschreibt die F\u00e4higkeit, vertraute visuelle Reize schnell zu erkennen, sprachlich zu verarbeiten und korrekt zu benennen (lautsprachlich-kognitive Kompetenz; Mayer, 2021).\r\n\r\nTheoretisch wird dies durch das Dual-Route-Modell der Worterkennung (Coltheart, 2005) und ein spezifisches Leseerwerbsmodell (Costard, 2011) untermauert, welche aufzeigen, wie die beschriebenen Vorl\u00e4uferfertigkeiten unterschiedliche Teilprozesse des Lesens und Schreibens beeinflussen.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des TEPHOBE-R wird durch detailliert beschriebene Abl\u00e4ufe und w\u00f6rtliche Instruktionen f\u00fcr die Testleitung sichergestellt. Eine beiliegende Audiodatei tr\u00e4gt zus\u00e4tzlich dazu bei, individuelle Unterschiede in der Wortaussprache zu minimieren. Hinsichtlich der Auswertungsobjektivit\u00e4t l\u00e4sst das Verfahren wenig Spielraum f\u00fcr subjektive Einsch\u00e4tzungen (richtig\/falsch-Antworten) zu, w\u00e4hrend die Interpretationsobjektivit\u00e4t durch die Bereitstellung standardisierter Normtabellen gew\u00e4hrleistet wird. Insgesamt kann der TEPHOBE-R somit als objektives diagnostisches Verfahren eingestuft werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Zuverl\u00e4ssigkeit des TEPHOBE-R wurde \u00fcber verschiedene Kennwerte gepr\u00fcft. Die interne Konsistenz f\u00fcr den Gesamttest liegt bei Werten zwischen \u03b1 = .82 und .87. Bei der phonologischen Bewusstheit werden Werte zwischen \u03b1 = .62 und .94 angegeben, wobei die interne Konsistenz insbesondere f\u00fcr Onset-Rime-Synthese (1. Klasse), die Phonemsynthese (Kindergarten) und die Phonemelision (2. Klasse) unter \u03b1 &lt; .70 liegen. F\u00fcr die Benennungsgeschwindigkeit liegen die Werte zwischen \u03b1 = .71 und .84.\r\n\r\nDie Split-Half-Reliabilit\u00e4t (keine Angaben zum Split) erreicht f\u00fcr den Gesamttest-Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .69 und .76. Die Subtests zur phonologischen Bewusstheit weisen Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .42 und .91 auf, mit tiefen Werten f\u00fcr die Subtests Synthese von Onset und Rime sowie Anlautkategorisierung (Kindergarten, 1. Klasse), Phonemsynthese (1. Klasse), Phonemelision (2. Klasse)). Die Benennungsgeschwindigkeit weist hier mit r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .91 eine hohe Reliabilit\u00e4t auf. In einer kleinen Stichprobe im Kindergarten wurde zudem eine Retestreliabilit\u00e4t (keine Angaben zum Intervall) von r<sub>tt<\/sub> = .88 f\u00fcr den Gesamttest sowie r<sub>tt<\/sub> = .64 bis .79 f\u00fcr die Subtests ermittelt. Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass der TEPHOBE-R zwar mehrheitlich zuverl\u00e4ssig misst, jedoch bei einzelnen Subtests aufgrund ungen\u00fcgender Reliabilit\u00e4tswerte in bestimmten Klassenstufen Vorsicht geboten ist.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des TEPHOBE-R gilt als gegeben, da s\u00e4mtliche Aufgabenstellungen zur phonologischen Bewusstheit theoretisch fundiert aus dem zweidimensionalen Modell nach Schnitzler (2008) abgeleitet sind und auch die RAN-Aufgaben den fachwissenschaftlichen Anforderungen entsprechen (Denckla &amp; Rudel, 1976).\r\n\r\nDie konvergente Validit\u00e4t des TEPHOBE-R wird durch Korrelationen mit etablierten Verfahren gest\u00fctzt. W\u00e4hrend sich f\u00fcr die Benennungsgeschwindigkeit hohe Zusammenh\u00e4nge mit dem BISC (r = .68 bis .78) zeigen, fallen die Korrelationen f\u00fcr die phonologische Bewusstheit aufgrund unterschiedlicher Operationalisierungen niedrig bis mittel aus. Korrelationen mit dem Leseverst\u00e4ndnis (ELFE 1-6) in der 2. Klasse zeigen Werte zwischen r = .41 und .49. Die prognostische Validit\u00e4t zeigt, dass Risikokinder f\u00fcr Lese- und Rechtschreibprobleme am Ende der 1. und 2. Klasse mit einer Trefferquote (valide positiv) von 71% bis 73% korrekt identifiziert werden. Insgesamt ist der TEPHOBE-R ein valides Instrument zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit. Insbesondere \u00fcberzeugt er durch seine hohe prognostische Validit\u00e4t bei der Identifikation von LRS-Risikokindern.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung des TEPHOBE-R basiert auf einer Stichprobe von insgesamt 823 Kindern vom Vorschuljahr des Kindergartens bis zur zweiten Klassenstufe. Die Datenerhebung erfolgte coronabedingt in zwei Messzeitr\u00e4umen: Juni bis November 2021 sowie Juni bis Juli 2022. F\u00fcr das Ende der Vorschule (<em>n<\/em> = 320), den Beginn der ersten Klasse (<em>n<\/em> = 331) und den Beginn der zweiten Klasse (<em>n<\/em> = 172) liegen Prozentrangnormen und T-Werte f\u00fcr den Gesamttest sowie die einzelnen Subtests vor.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Coltheart, M. (2005). Modeling reading. The dual route approach. In M. Snowling &amp; C. Hulme (eds.), <em>The science of reading. A Handbook <\/em>(pp. 6-23). Oxford: Blackwell.<\/li>\r\n \t<li>Costard, S. (2011). <em>St\u00f6rungen der Schriftsprache \u2013 Modellgeleitete Diagnostik und Therapie<\/em> (2. Aufl.). Stuttgart: Thieme.<\/li>\r\n \t<li>Denckla, M. B. &amp; Rudel, R. G. (1976). Rapid automatized naming (R. A. N.): Dyslexia differentiated from other learning disabilities. <em>Neuropsychologia, 14<\/em>(4), 471-479.<\/li>\r\n \t<li>Mayer, A. (2021). <em>Lese-Rechtschreibst\u00f6rungen (LRS)<\/em> (2. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\r\n \t<li>Mayer, A. (2025). <em>Test zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit (TEPHOBE-R)<\/em> (6. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\r\n \t<li>Schatschneider, C. &amp; Torgesen, J. K. (2004). Using our current understanding of dyslexia to support early identification and intervention. Journal of Child Neurology, 19(10), 759.765.<\/li>\r\n \t<li>Schnitzler, C. (2008). <em>Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb<\/em>. Stuttgart: Thieme.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Stanovic, K. E. (1988). Explaining the difference between the dyslexic and garden variety poor readers: The phonological core variable difference model. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Journal of Learning Disabilities, 21<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(10), 590-612<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/jeeatb\/alma99117007751305521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/jeeatb\/alma99117007751305521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Andreas Mayer (2025)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-459\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/TEPHOBE.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"343\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>Kindergarten bis 2. Klasse<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentest (phonologische Bewusstheit); Einzeltest (Benennungsgeschwindigkeit)<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left;height: 81px\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%;height: 84px\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Die berichteten Kennwerte fallen f\u00fcr die Subtests heterogen aus.<\/td>\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\">Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der TEPHOBE-R ist ein diagnostisches Verfahren, das prim\u00e4r der fr\u00fchzeitigen Identifikation von Kindern mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr die Entwicklung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten dient. Der Test kann mit Lernenden des Regel- oder F\u00f6rderschulsettings am Ende des Kindergartens oder am Anfang der ersten beiden Schuljahre durchgef\u00fchrt werden. Durch den Einsatz bereits vor oder zu Beginn der Schulzeit erm\u00f6glicht er die Ableitung pr\u00e4ventiver F\u00f6rdermassnahmen, die zu diesem Zeitpunkt als besonders effektiv gelten. Ausserdem findet das Verfahren auch in der Forschung Anwendung. Das Verfahren ist als Paper-Pencil-Test gestaltet und gliedert sich in zwei zentrale Bereiche:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Phonologische Bewusstheit<\/strong>: Dieser Teil umfasst je nach Klassenstufe vier bis f\u00fcnf Untertests (u.a. Reimen, Phonemsynthese, Anlautkategorisierung sowie in der 2. Klasse Phonemsegmentation, -elision und -umkehr). Das Aufgabenformat besteht \u00fcberwiegend aus Bildauswahlaufgaben, bei denen die Kinder aus vier Antwortm\u00f6glichkeiten die richtige(n) L\u00f6sung(en) identifizieren m\u00fcssen. Ein Untertest besteht aus sieben Items und dauert etwa 10 Minuten; die gesamte Durchf\u00fchrung im Klassen- oder Einzelsetting beansprucht circa eine Unterrichtsstunde.<\/li>\n<li><strong>Benennungsgeschwindigkeit (RAN)<\/strong>: Basierend auf den Arbeiten von Denckla und Rudel (1976) wird die Geschwindigkeit erfasst, mit der Sch\u00fcler:innen visuelle Items (Farben, Objekte, Buchstaben oder Zahlen) benennen und auf ihr phonologisches Lexikon zugreifen k\u00f6nnen. In den zwei bis drei Subtests (je nach Klassenstufe) m\u00fcssen jeweils 50 Items (10 Wiederholungen von 5 Items) so schnell wie m\u00f6glich benannt werden. Die Durchf\u00fchrung erfolgt im Einzelsetting und dauert etwa 10 Minuten.<\/li>\n<\/ol>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Der TEPHOBE-R basiert auf der phonologischen Defizithypothese (Stanovic 1988). Diese geht davon aus, dass Defizite in der akustischen Verarbeitung zu Beeintr\u00e4chtigungen der Phonemrepr\u00e4sentation und damit der phonologischen Informationsverarbeitung f\u00fchren. Dadurch wird die Worterkennung erschwert, was sich nachteilig auf den Erwerb der Lese- und Rechtschreibkompetenz auswirkt. Der TEPHOBE-R fokussiert auf zwei zentrale Teilfunktionen der phonologischen Informationsverarbeitung, die empirisch als die zuverl\u00e4ssigsten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr den sp\u00e4teren Lese- und Schrifterwerb gelten: die phonologische Bewusstheit und die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) (Schatschneider &amp; Torgesen, 2004).<\/p>\n<p>Die Erfassung der phonologischen Bewusstheit orientiert sich dabei am zweidimensionalen Modell nach Schnitzler (2008). Dieses Modell differenziert zum einen nach der Gr\u00f6sse der Einheit (Silbe, Onset, Rime, Phonem) und zum anderen nach der geforderten kognitiven Operation, wobei zwischen impliziter Bewusstheit (spontane Anwendung, z. B. Reimen) und expliziter Bewusstheit (bewusste Manipulation, z. B. Phonemumkehr) unterschieden wird. Die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) beschreibt die F\u00e4higkeit, vertraute visuelle Reize schnell zu erkennen, sprachlich zu verarbeiten und korrekt zu benennen (lautsprachlich-kognitive Kompetenz; Mayer, 2021).<\/p>\n<p>Theoretisch wird dies durch das Dual-Route-Modell der Worterkennung (Coltheart, 2005) und ein spezifisches Leseerwerbsmodell (Costard, 2011) untermauert, welche aufzeigen, wie die beschriebenen Vorl\u00e4uferfertigkeiten unterschiedliche Teilprozesse des Lesens und Schreibens beeinflussen.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des TEPHOBE-R wird durch detailliert beschriebene Abl\u00e4ufe und w\u00f6rtliche Instruktionen f\u00fcr die Testleitung sichergestellt. Eine beiliegende Audiodatei tr\u00e4gt zus\u00e4tzlich dazu bei, individuelle Unterschiede in der Wortaussprache zu minimieren. Hinsichtlich der Auswertungsobjektivit\u00e4t l\u00e4sst das Verfahren wenig Spielraum f\u00fcr subjektive Einsch\u00e4tzungen (richtig\/falsch-Antworten) zu, w\u00e4hrend die Interpretationsobjektivit\u00e4t durch die Bereitstellung standardisierter Normtabellen gew\u00e4hrleistet wird. Insgesamt kann der TEPHOBE-R somit als objektives diagnostisches Verfahren eingestuft werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des TEPHOBE-R wurde \u00fcber verschiedene Kennwerte gepr\u00fcft. Die interne Konsistenz f\u00fcr den Gesamttest liegt bei Werten zwischen \u03b1 = .82 und .87. Bei der phonologischen Bewusstheit werden Werte zwischen \u03b1 = .62 und .94 angegeben, wobei die interne Konsistenz insbesondere f\u00fcr Onset-Rime-Synthese (1. Klasse), die Phonemsynthese (Kindergarten) und die Phonemelision (2. Klasse) unter \u03b1 &lt; .70 liegen. F\u00fcr die Benennungsgeschwindigkeit liegen die Werte zwischen \u03b1 = .71 und .84.<\/p>\n<p>Die Split-Half-Reliabilit\u00e4t (keine Angaben zum Split) erreicht f\u00fcr den Gesamttest-Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .69 und .76. Die Subtests zur phonologischen Bewusstheit weisen Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .42 und .91 auf, mit tiefen Werten f\u00fcr die Subtests Synthese von Onset und Rime sowie Anlautkategorisierung (Kindergarten, 1. Klasse), Phonemsynthese (1. Klasse), Phonemelision (2. Klasse)). Die Benennungsgeschwindigkeit weist hier mit r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .91 eine hohe Reliabilit\u00e4t auf. In einer kleinen Stichprobe im Kindergarten wurde zudem eine Retestreliabilit\u00e4t (keine Angaben zum Intervall) von r<sub>tt<\/sub> = .88 f\u00fcr den Gesamttest sowie r<sub>tt<\/sub> = .64 bis .79 f\u00fcr die Subtests ermittelt. Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass der TEPHOBE-R zwar mehrheitlich zuverl\u00e4ssig misst, jedoch bei einzelnen Subtests aufgrund ungen\u00fcgender Reliabilit\u00e4tswerte in bestimmten Klassenstufen Vorsicht geboten ist.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des TEPHOBE-R gilt als gegeben, da s\u00e4mtliche Aufgabenstellungen zur phonologischen Bewusstheit theoretisch fundiert aus dem zweidimensionalen Modell nach Schnitzler (2008) abgeleitet sind und auch die RAN-Aufgaben den fachwissenschaftlichen Anforderungen entsprechen (Denckla &amp; Rudel, 1976).<\/p>\n<p>Die konvergente Validit\u00e4t des TEPHOBE-R wird durch Korrelationen mit etablierten Verfahren gest\u00fctzt. W\u00e4hrend sich f\u00fcr die Benennungsgeschwindigkeit hohe Zusammenh\u00e4nge mit dem BISC (r = .68 bis .78) zeigen, fallen die Korrelationen f\u00fcr die phonologische Bewusstheit aufgrund unterschiedlicher Operationalisierungen niedrig bis mittel aus. Korrelationen mit dem Leseverst\u00e4ndnis (ELFE 1-6) in der 2. Klasse zeigen Werte zwischen r = .41 und .49. Die prognostische Validit\u00e4t zeigt, dass Risikokinder f\u00fcr Lese- und Rechtschreibprobleme am Ende der 1. und 2. Klasse mit einer Trefferquote (valide positiv) von 71% bis 73% korrekt identifiziert werden. Insgesamt ist der TEPHOBE-R ein valides Instrument zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit. Insbesondere \u00fcberzeugt er durch seine hohe prognostische Validit\u00e4t bei der Identifikation von LRS-Risikokindern.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung des TEPHOBE-R basiert auf einer Stichprobe von insgesamt 823 Kindern vom Vorschuljahr des Kindergartens bis zur zweiten Klassenstufe. Die Datenerhebung erfolgte coronabedingt in zwei Messzeitr\u00e4umen: Juni bis November 2021 sowie Juni bis Juli 2022. F\u00fcr das Ende der Vorschule (<em>n<\/em> = 320), den Beginn der ersten Klasse (<em>n<\/em> = 331) und den Beginn der zweiten Klasse (<em>n<\/em> = 172) liegen Prozentrangnormen und T-Werte f\u00fcr den Gesamttest sowie die einzelnen Subtests vor.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Coltheart, M. (2005). Modeling reading. The dual route approach. In M. Snowling &amp; C. Hulme (eds.), <em>The science of reading. A Handbook <\/em>(pp. 6-23). Oxford: Blackwell.<\/li>\n<li>Costard, S. (2011). <em>St\u00f6rungen der Schriftsprache \u2013 Modellgeleitete Diagnostik und Therapie<\/em> (2. Aufl.). Stuttgart: Thieme.<\/li>\n<li>Denckla, M. B. &amp; Rudel, R. G. (1976). Rapid automatized naming (R. A. N.): Dyslexia differentiated from other learning disabilities. <em>Neuropsychologia, 14<\/em>(4), 471-479.<\/li>\n<li>Mayer, A. (2021). <em>Lese-Rechtschreibst\u00f6rungen (LRS)<\/em> (2. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\n<li>Mayer, A. (2025). <em>Test zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit (TEPHOBE-R)<\/em> (6. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\n<li>Schatschneider, C. &amp; Torgesen, J. K. (2004). Using our current understanding of dyslexia to support early identification and intervention. Journal of Child Neurology, 19(10), 759.765.<\/li>\n<li>Schnitzler, C. (2008). <em>Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb<\/em>. Stuttgart: Thieme.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Stanovic, K. E. (1988). Explaining the difference between the dyslexic and garden variety poor readers: The phonological core variable difference model. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Journal of Learning Disabilities, 21<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(10), 590-612<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/jeeatb\/alma99117007751305521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/jeeatb\/alma99117007751305521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andreas Mayer (2025) &nbsp; Einsatzbereich Kindergarten bis 2. Klasse Einzel- oder Gruppentest (phonologische Bewusstheit); Einzeltest (Benennungsgeschwindigkeit) Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die berichteten Kennwerte fallen f\u00fcr die Subtests heterogen aus. 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