{"id":448,"date":"2026-09-18T17:17:46","date_gmt":"2026-09-18T15:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=448"},"modified":"2026-10-09T13:57:51","modified_gmt":"2026-10-09T11:57:51","slug":"gruppentest-zur-frueherkennung-von-lese-und-rechtschreibschwierigkeiten-phonologische-bewusstheit-bei-kindergartenkindern-und-schulanfaengern-pb-lrs","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/gruppentest-zur-frueherkennung-von-lese-und-rechtschreibschwierigkeiten-phonologische-bewusstheit-bei-kindergartenkindern-und-schulanfaengern-pb-lrs\/","title":{"raw":"Gruppentest zur Fr\u00fcherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanf\u00e4ngern (PB-LRS)","rendered":"Gruppentest zur Fr\u00fcherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanf\u00e4ngern (PB-LRS)"},"content":{"raw":"von Karlheinz Barth und Berthold Gomm (2014)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-450 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/PB-LRS.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"341\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kindergarten und Schulanfang<\/li>\r\n \t<li>Einzel- und Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die berichteten Kennwerte fallen niedrig aus.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Erste Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer PB-LRS ist ein diagnostisches Screening-Verfahren, das prim\u00e4r die fr\u00fchzeitige Identifikation von Kindern mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten erm\u00f6glicht. Das Ziel des Tests ist es, den individuellen Entwicklungsstand der phonologischen Bewusstheit zu erfassen und potenzielle Risikokinder in der Schuleingangsphase (2 bis 4 Wochen nach Einschulung) zu identifizieren. Neben dem Einsatz in der Grundschule kann das Verfahren in F\u00f6rderklassen oder im sonderp\u00e4dagogischen Bereich sowie in verk\u00fcrzter Form bereits im Kindergarten eingesetzt werden.\r\n\r\nDas Verfahren wurde prim\u00e4r als Gruppentest entwickelt, wobei f\u00fcr eine optimale Durchf\u00fchrung kleine Gruppengr\u00f6ssen von maximal zehn bis zw\u00f6lf Sch\u00fcler:innen (im Kindergarten ca. f\u00fcnf bis sechs Kinder) empfohlen werden. Zudem besteht die M\u00f6glichkeit, den PB-LRS als Einzeltest zur Vertiefung der Diagnostik durchzuf\u00fchren. Die Durchf\u00fchrung erfolgt als Paper-Pencil-Test.\r\n\r\nStrukturell umfasst der Test f\u00fcr Schulkinder sechs Subtests: Reimen, Silbensegmentierung, Anlautanalyse, Lautsynthese, Wortl\u00e4nge sowie die Identifikation des Endlautes, erg\u00e4nzt um eine Erfassung der Buchstabenkenntnis am Ende des Verfahrens. Im Kindergarten werden lediglich die ersten vier Subtests durchgef\u00fchrt. Die Bearbeitungszeit pro Item ist auf 15 Sekunden begrenzt, was zu einer Gesamtdurchf\u00fchrungsdauer von etwa 45 Minuten im Kindergarten und etwa 60 Minuten in der Schule f\u00fchrt; die Testung kann auch auf zwei Tage aufgeteilt werden.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDie theoretische Grundlage des PB-LRS bildet die phonologische Bewusstheit, die die F\u00e4higkeit beschreibt, die Lautstruktur der Sprache bewusst zu erkennen und sprachliche Einheiten gezielt zu analysieren. In Anlehnung an Skowronek und Marx (1989) differenziert das Verfahren zwischen zwei Ebenen: Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne bezieht sich auf gr\u00f6ssere Einheiten wie Silben und Reime, die stark vom Sprechrhythmus beeinflusst werden. Demgegen\u00fcber umfasst die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne die Analyse und Synthese einzelner Laute.\r\n\r\nEin weiterer zentraler Bestandteil des theoretischen Modells ist das phonologische Rekodieren. Es beschreibt die F\u00e4higkeit, Grapheme ihren lautsprachlichen Entsprechungen zuzuordnen und stellt damit eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr den Zugriff auf das lexikalische Ged\u00e4chtnis dar (Bowers, 1995; Wolf, 1986). Erg\u00e4nzend wird das phonetische Rekodieren im Arbeitsged\u00e4chtnis als wichtige Basiskompetenz herangezogen. Da Lese- und Schreibvorg\u00e4nge das kurzfristige Bereithalten von Lauteinheiten erfordern, ist eine ausreichende Kapazit\u00e4t des Arbeitsged\u00e4chtnisses erforderlich, um die Informationen hinreichend zu aktivieren und sie erfolgreich im Langzeitged\u00e4chtnis abzuspeichern (Fritz, 1985).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Informationen zur Testentwicklung und zu den G\u00fctekriterien werden nicht im Manual ausgewiesen, sondern stehen in einer erg\u00e4nzenden Online-Dokumentation zur Verf\u00fcgung (<a href=\"https:\/\/s3.eu-central-1.amazonaws.com\/coverpubl-erv-01\/55232\/SP\/9783497023509_Onlinematerial.pdf\">Microsoft Word - Teststatistik f\u00fcr das Internet_2.doc<\/a>)<strong>.<\/strong>\r\n\r\nDie Objektivit\u00e4t des PB-LRS wird durch eine detaillierte, wortgetreue Instruktions-, Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsanleitung sichergestellt. Die Auswertung erfolgt anhand eindeutig definierter L\u00f6sungsvorgaben und eines standardisierten Auswertungsbogens. Anstelle von Normtabellen stellt das Verfahren Cut-off-Werte zur Identifikation von Kindern mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bereit. Insgesamt kann der PB-LRS als objektives Verfahren angesehen werden, sofern die Vorgaben des Manuals konsequent eingehalten werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nAuf die Bestimmung der Retest-Reliabilit\u00e4t wurde aufgrund des damit verbundenen Aufwands verzichtet. Stattdessen werden Interkorrelationen zwischen den sechs Subtests berichtet, die mit Werten zwischen r = .22 und .45 eher niedrig ausfallen. Die Zusammenh\u00e4nge im Bereich der phonologischen Bewusstheit variieren zwischen r = .59 bis .90. Aufgrund der fehlenden Angaben zur Retest-Reliabilit\u00e4t sowie der \u00fcberwiegend niedrigen Kennwerte der Subtests ist die Reliabilit\u00e4t des PB-LRS insgesamt kritisch zu beurteilen.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie prognostische Validit\u00e4t des PB-LRS ist durch signifikante Korrelationen mit den Rechtschreibleistungen am Ende der 1. Klasse belegt, wobei der Gesamtwert der phonologischen Bewusstheit einen Wert von r = .55 erreicht. Differenziert betrachtet, weist die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne (r = .52) einen etwas st\u00e4rkeren Vorhersagewert auf als die im weiteren Sinne (r = .43). Dar\u00fcber hinaus erreicht das Verfahren eine Gesamttrefferquote von 84,7% (korrekte Klassifikation der Kinder) und weist eine hohe Spezifit\u00e4t (87,1%; korrekte Klassifikation der Kinder ohne Schwierigkeiten) bei einer moderaten Sensitivit\u00e4t (63,0%; korrekte Klassifikation der Kinder mit Schwierigkeiten) auf. Da sich die Validit\u00e4tsbelege prim\u00e4r auf die prognostische Kraft f\u00fcr die Rechtschreibung konzentrieren und die Koeffizienten im mittleren Bereich liegen, sind diese ersten Validit\u00e4tsbelege als mehrheitlich zufriedenstellend zu bewerten.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung des PB-LRS basiert auf einer Stichprobe von 474 Kindern aus neun l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Grundschulen (Erhebung 2002) sowie von 105 Kindern aus dem Kindergarten (Erhebung 2003). Etwa 90% der teilnehmenden Lernenden hatten Deutsch als Muttersprache. Das Verfahren verzichtet auf klassische Normtabellen und nutzt stattdessen zwei Cut-off-Werte, die jeweils eine Standardabweichung unter dem Mittelwert liegen: F\u00fcr die Schuleingangsphase gilt ein Wert von 36 oder weniger Punkten als Risikoindikator, f\u00fcr den Kindergarten liegt dieser bei 22 oder weniger Punkten.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Barth, K. &amp; Gomm, B. (2014). <em>Gruppentest zur Fr\u00fcherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanf\u00e4gnern (PB-LRS) <\/em>(3. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\r\n \t<li>Bowers, P. G. (1995). Tracing symbol naming speed\u2019s unique contribution to reading disabilities over time. <em>Reading and Writing: An Interdisciplinary Journal, 7<\/em>, 189-216.<\/li>\r\n \t<li>Fritz, A. (1985). Lern- und Leistungsverhalten von \u00abMCD Kindern\u00bb mit spezifischen Teilleistungsschw\u00e4chen. <em>Zeitschrift f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, 13,<\/em> 82-94.<\/li>\r\n \t<li>Wolf, M. (1986). Naing, reading and the dyslexia: A longitudinal overview. <em>Annals of dyslexia, 34<\/em>, 87-115.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102220140205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102220140205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Karlheinz Barth und Berthold Gomm (2014)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-450\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/PB-LRS.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"341\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>Kindergarten und Schulanfang<\/li>\n<li>Einzel- und Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die berichteten Kennwerte fallen niedrig aus.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Erste Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der PB-LRS ist ein diagnostisches Screening-Verfahren, das prim\u00e4r die fr\u00fchzeitige Identifikation von Kindern mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten erm\u00f6glicht. Das Ziel des Tests ist es, den individuellen Entwicklungsstand der phonologischen Bewusstheit zu erfassen und potenzielle Risikokinder in der Schuleingangsphase (2 bis 4 Wochen nach Einschulung) zu identifizieren. Neben dem Einsatz in der Grundschule kann das Verfahren in F\u00f6rderklassen oder im sonderp\u00e4dagogischen Bereich sowie in verk\u00fcrzter Form bereits im Kindergarten eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Das Verfahren wurde prim\u00e4r als Gruppentest entwickelt, wobei f\u00fcr eine optimale Durchf\u00fchrung kleine Gruppengr\u00f6ssen von maximal zehn bis zw\u00f6lf Sch\u00fcler:innen (im Kindergarten ca. f\u00fcnf bis sechs Kinder) empfohlen werden. Zudem besteht die M\u00f6glichkeit, den PB-LRS als Einzeltest zur Vertiefung der Diagnostik durchzuf\u00fchren. Die Durchf\u00fchrung erfolgt als Paper-Pencil-Test.<\/p>\n<p>Strukturell umfasst der Test f\u00fcr Schulkinder sechs Subtests: Reimen, Silbensegmentierung, Anlautanalyse, Lautsynthese, Wortl\u00e4nge sowie die Identifikation des Endlautes, erg\u00e4nzt um eine Erfassung der Buchstabenkenntnis am Ende des Verfahrens. Im Kindergarten werden lediglich die ersten vier Subtests durchgef\u00fchrt. Die Bearbeitungszeit pro Item ist auf 15 Sekunden begrenzt, was zu einer Gesamtdurchf\u00fchrungsdauer von etwa 45 Minuten im Kindergarten und etwa 60 Minuten in der Schule f\u00fchrt; die Testung kann auch auf zwei Tage aufgeteilt werden.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die theoretische Grundlage des PB-LRS bildet die phonologische Bewusstheit, die die F\u00e4higkeit beschreibt, die Lautstruktur der Sprache bewusst zu erkennen und sprachliche Einheiten gezielt zu analysieren. In Anlehnung an Skowronek und Marx (1989) differenziert das Verfahren zwischen zwei Ebenen: Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne bezieht sich auf gr\u00f6ssere Einheiten wie Silben und Reime, die stark vom Sprechrhythmus beeinflusst werden. Demgegen\u00fcber umfasst die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne die Analyse und Synthese einzelner Laute.<\/p>\n<p>Ein weiterer zentraler Bestandteil des theoretischen Modells ist das phonologische Rekodieren. Es beschreibt die F\u00e4higkeit, Grapheme ihren lautsprachlichen Entsprechungen zuzuordnen und stellt damit eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr den Zugriff auf das lexikalische Ged\u00e4chtnis dar (Bowers, 1995; Wolf, 1986). Erg\u00e4nzend wird das phonetische Rekodieren im Arbeitsged\u00e4chtnis als wichtige Basiskompetenz herangezogen. Da Lese- und Schreibvorg\u00e4nge das kurzfristige Bereithalten von Lauteinheiten erfordern, ist eine ausreichende Kapazit\u00e4t des Arbeitsged\u00e4chtnisses erforderlich, um die Informationen hinreichend zu aktivieren und sie erfolgreich im Langzeitged\u00e4chtnis abzuspeichern (Fritz, 1985).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Informationen zur Testentwicklung und zu den G\u00fctekriterien werden nicht im Manual ausgewiesen, sondern stehen in einer erg\u00e4nzenden Online-Dokumentation zur Verf\u00fcgung (<a href=\"https:\/\/s3.eu-central-1.amazonaws.com\/coverpubl-erv-01\/55232\/SP\/9783497023509_Onlinematerial.pdf\">Microsoft Word &#8211; Teststatistik f\u00fcr das Internet_2.doc<\/a>)<strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Die Objektivit\u00e4t des PB-LRS wird durch eine detaillierte, wortgetreue Instruktions-, Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsanleitung sichergestellt. Die Auswertung erfolgt anhand eindeutig definierter L\u00f6sungsvorgaben und eines standardisierten Auswertungsbogens. Anstelle von Normtabellen stellt das Verfahren Cut-off-Werte zur Identifikation von Kindern mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bereit. Insgesamt kann der PB-LRS als objektives Verfahren angesehen werden, sofern die Vorgaben des Manuals konsequent eingehalten werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Auf die Bestimmung der Retest-Reliabilit\u00e4t wurde aufgrund des damit verbundenen Aufwands verzichtet. Stattdessen werden Interkorrelationen zwischen den sechs Subtests berichtet, die mit Werten zwischen r = .22 und .45 eher niedrig ausfallen. Die Zusammenh\u00e4nge im Bereich der phonologischen Bewusstheit variieren zwischen r = .59 bis .90. Aufgrund der fehlenden Angaben zur Retest-Reliabilit\u00e4t sowie der \u00fcberwiegend niedrigen Kennwerte der Subtests ist die Reliabilit\u00e4t des PB-LRS insgesamt kritisch zu beurteilen.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die prognostische Validit\u00e4t des PB-LRS ist durch signifikante Korrelationen mit den Rechtschreibleistungen am Ende der 1. Klasse belegt, wobei der Gesamtwert der phonologischen Bewusstheit einen Wert von r = .55 erreicht. Differenziert betrachtet, weist die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne (r = .52) einen etwas st\u00e4rkeren Vorhersagewert auf als die im weiteren Sinne (r = .43). Dar\u00fcber hinaus erreicht das Verfahren eine Gesamttrefferquote von 84,7% (korrekte Klassifikation der Kinder) und weist eine hohe Spezifit\u00e4t (87,1%; korrekte Klassifikation der Kinder ohne Schwierigkeiten) bei einer moderaten Sensitivit\u00e4t (63,0%; korrekte Klassifikation der Kinder mit Schwierigkeiten) auf. Da sich die Validit\u00e4tsbelege prim\u00e4r auf die prognostische Kraft f\u00fcr die Rechtschreibung konzentrieren und die Koeffizienten im mittleren Bereich liegen, sind diese ersten Validit\u00e4tsbelege als mehrheitlich zufriedenstellend zu bewerten.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung des PB-LRS basiert auf einer Stichprobe von 474 Kindern aus neun l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Grundschulen (Erhebung 2002) sowie von 105 Kindern aus dem Kindergarten (Erhebung 2003). Etwa 90% der teilnehmenden Lernenden hatten Deutsch als Muttersprache. Das Verfahren verzichtet auf klassische Normtabellen und nutzt stattdessen zwei Cut-off-Werte, die jeweils eine Standardabweichung unter dem Mittelwert liegen: F\u00fcr die Schuleingangsphase gilt ein Wert von 36 oder weniger Punkten als Risikoindikator, f\u00fcr den Kindergarten liegt dieser bei 22 oder weniger Punkten.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Barth, K. &amp; Gomm, B. (2014). <em>Gruppentest zur Fr\u00fcherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanf\u00e4gnern (PB-LRS) <\/em>(3. Aufl.). M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/li>\n<li>Bowers, P. G. (1995). Tracing symbol naming speed\u2019s unique contribution to reading disabilities over time. <em>Reading and Writing: An Interdisciplinary Journal, 7<\/em>, 189-216.<\/li>\n<li>Fritz, A. (1985). Lern- und Leistungsverhalten von \u00abMCD Kindern\u00bb mit spezifischen Teilleistungsschw\u00e4chen. <em>Zeitschrift f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, 13,<\/em> 82-94.<\/li>\n<li>Wolf, M. (1986). Naing, reading and the dyslexia: A longitudinal overview. <em>Annals of dyslexia, 34<\/em>, 87-115.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102220140205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102220140205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karlheinz Barth und Berthold Gomm (2014) &nbsp; Einsatzbereich Kindergarten und Schulanfang Einzel- und Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die berichteten Kennwerte fallen niedrig aus. 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