{"id":412,"date":"2026-09-18T16:59:15","date_gmt":"2026-09-18T14:59:15","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=412"},"modified":"2026-10-09T14:00:53","modified_gmt":"2026-10-09T12:00:53","slug":"lrs-screening-laute-reime-sprache-wuerzburger-screening-zur-frueherkennung-von-lese-rechtschreibschwierigkeiten","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/lrs-screening-laute-reime-sprache-wuerzburger-screening-zur-frueherkennung-von-lese-rechtschreibschwierigkeiten\/","title":{"raw":"LRS-Screening Laute, Reime, Sprache \u2013 W\u00fcrzburger Screening zur Fr\u00fcherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten","rendered":"LRS-Screening Laute, Reime, Sprache \u2013 W\u00fcrzburger Screening zur Fr\u00fcherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten"},"content":{"raw":"von Darius Endlich, Petra Kn\u00fcspert, Wolfgang Lenhard, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2019)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-415 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/LRS-Screening.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"311\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kindergarten<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind f\u00fcr die Gesamt- und Hauptskalenebene zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nMit dem LRS-Screening lassen sich im letzten Kindergartenjahr zentrale Vorl\u00e4uferfertigkeiten des Schriftspracherwerbs erfassen, die f\u00fcr den sp\u00e4teren Erwerb der Lese- und Rechtschreibkompetenz von zentraler Bedeutung sind. Auf dieser Grundlage erm\u00f6glicht das Verfahren eine Prognose des Risikos f\u00fcr sp\u00e4tere Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten und unterst\u00fctzt die fr\u00fchzeitige Einleitung gezielter F\u00f6rdermassnahmen. Das Screening kann pr\u00e4ventiv bei m\u00f6glichst vielen Kindern vor der Einschulung eingesetzt werden und eignet sich dar\u00fcber hinaus insbesondere f\u00fcr die Einschulungsdiagnostik, die Fr\u00fchf\u00f6rderung sowie f\u00fcr den Einsatz in der Forschung. Das Verfahren ist als Einzeltest konzipiert und wird entweder 10-11 Monate (T1) oder 4-5 Monate (T2) vor der Einschulung durchgef\u00fchrt. Die Testdurchf\u00fchrung dauert zwischen 20 und 30 Minuten.\r\n\r\nDas Screening umfasst zwei Themenbereiche mit insgesamt 14 Untertests, die den beiden Gesamtskalen \u00abFr\u00fche schriftsprachliche F\u00e4higkeiten\u00bb und \u00abLinguistische Kompetenzen\u00bb zugeordnet sind. Daraus lassen sich insgesamt sieben Skalenwerte ermitteln: Rapid Automatized Naming (Schnelles Benennen von Bildern und W\u00fcrfelbildern), phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsged\u00e4chtnis, Buchstabenkenntnis, Nachsprechen von S\u00e4tzen, Wortschatz und Pluralbildung.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDas LRS-Screening basiert auf empirischen Befunden, wonach die phonologische Informationsverarbeitung zu den wichtigsten Pr\u00e4diktoren des sp\u00e4teren Schriftspracherwerbs z\u00e4hlt (z.B. Ennemoser, Marx Weber &amp; Schneider, 2012; Schneider, 2017). Das Verfahren integriert hierzu alle drei zentralen Teilbereiche dieses Konstrukts: W\u00e4hrend die phonologische Bewusstheit und das phonologische Arbeitsged\u00e4chtnis als besonders pr\u00e4diktiv f\u00fcr die Rechtschreibkompetenz gelten, ist die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) f\u00fcr die Vorhersage der Lesefl\u00fcssigkeit von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Verfahren wurde zudem die Buchstabenkenntnis als bedeutsamer Pr\u00e4diktor in das Screening aufgenommen (Ennemoser et al., 2012). F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des Risikos sp\u00e4terer Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sind diese Kompetenzen von zentraler Bedeutung. Dar\u00fcber hinaus ber\u00fccksichtigt das LRS-Screening linguistische Kompetenzen wie Wortschatz, grammatikalische F\u00e4higkeiten und das Nachsprechen von S\u00e4tzen, da diese insbesondere f\u00fcr die Entwicklung des Leseverst\u00e4ndnisses und hierarchieh\u00f6herer sprachlicher Prozesse relevant sind (Ennemoser et al., 2012; Lenhard, 2013).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDas Testmanual des LRS-Screenings gew\u00e4hrleistet durch klare Anweisungen und w\u00f6rtlich wiederzugebende Instruktionen die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t. Eine hohe Auswertungsobjektivit\u00e4t wird dadurch erreicht, dass korrekte L\u00f6sungen (mehrheitlich Richtig-Falsch-Klassifikationen) direkt ausgewiesen werden. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t ist durch die Bereitstellung von Normtabellen zur Einordnung der Ergebnisse gegeben. Sofern die testleitende Person die Anweisungen und Hinweise im Manual einh\u00e4lt, weist das LRS-Screening eine hohe Objektivit\u00e4t auf.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Zuverl\u00e4ssigkeit des LRS-Screenings wurde anhand der internen Konsistenz (angegeben als Omega) sowie der Retestreliabilit\u00e4t \u00fcber ein Intervall von sechs Monaten bestimmt. Die interne Konsistenz weist f\u00fcr den ersten Testzeitpunkt (T1) ein Gesamttestwert von Omega = .96, Omega = .92 bis .94 f\u00fcr die beiden Hauptskalen und Omega = .74 bis .92 f\u00fcr die Subskalen auf. Zum zweiten Testzeitpunkt zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild: Omega (Gesamttestwert) = .96, Omega (Hauptskalen) = .90 bis .95 und Omega (Subskalen) = .74 bis .93.\r\n\r\nHinsichtlich der Retestreliabilit\u00e4t erreicht das Verfahren f\u00fcr den Gesamtwert (r<sub>tt<\/sub> = .85) sowie f\u00fcr die Skala \u00abFr\u00fche schriftsprachliche F\u00e4higkeiten\u00bb (r<sub>tt<\/sub> = .84) eine hohe Messgenauigkeit. Die Skala \u00abLinguistische Kompetenzen\u00bb liegt mit r<sub>tt<\/sub> = .78 im ausreichenden Bereich. Bei den einzelnen Subtests zeigen sich jedoch teilweise ungen\u00fcgende Werte, wie beispielsweise bei der Pluralbildung mit r<sub>tt<\/sub> = .58. Im Manual wird dies auf die rasanten und individuell unterschiedlichen Entwicklungsverl\u00e4ufe im letzten Kindergartenjahr sowie auf das mit sechs Monaten sehr lange Zeitintervall zur\u00fcckgef\u00fchrt, welches Ver\u00e4nderungen im gemessenen Merkmal beg\u00fcnstigt. Zusammenfassend weist das LRS-Screening auf Gesamt- und Hauptskalenebene eine gute Reliabilit\u00e4t auf.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Konstruktvalidit\u00e4t des LRS-Screenings wurde faktoranalytisch \u00fcberpr\u00fcft. Die Autor:innen konnten eine Vier-Faktoren-Struktur, bestehend aus der phonologischen Bewusstheit\/Buchstabenkenntnis, den linguistischen Kompetenzen, dem Arbeitsged\u00e4chtnis sowie dem schnellen Faktenabruf, ermitteln. Da sich die Zuordnung einzelner Aufgaben (wie der Reimaufgabe) zwischen den Messzeitpunkten T1 und T2 verschiebt, weisen die Autor:innen darauf hin, dass sich die Faktorenstruktur im Verlauf der Kindergartenzeit dynamisch ver\u00e4ndern kann.\r\n\r\nHinsichtlich der Kriteriumsvalidit\u00e4t zeigen sich mittlere Zusammenh\u00e4nge (r = .45 bis .51) mit den Einsch\u00e4tzungen der Erzieher:innen. Besonders hervorzuheben ist die prognostische Validit\u00e4t: Das Screening identifiziert zuverl\u00e4ssig Sch\u00fcler:innen, die sp\u00e4ter in der Schule, z.B. im ELFE-II, mit tiefen Werten abschneiden. Insgesamt erweist sich das LRS-Screening damit als ein valides Instrument zur Vorhersage schulischer Lese- und Rechtschreibleistungen.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung des LRS-Screenings basiert auf einer Stichprobe von 330 Kindern aus Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Hessen, die im Zeitraum von Oktober 2015 bis Juni 2016 erhoben wurde. Es liegen Prozentrangnormen und T-\u00c4quivalenzwerte f\u00fcr zwei spezifische Zeitpunkte vor: 10 bis 11 Monate sowie 4 bis 5 Monate vor der Einschulung. Das Verfahren erm\u00f6glicht f\u00fcr jede Haupt- und Subskala sowie f\u00fcr den Gesamttestwert eine diagnostische Einordnung in Kategorien wie \u00abF\u00f6rderbedarf\u00bb oder \u00abstarker F\u00f6rderbedarf\u00bb.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Endlich, D., K\u00fcspert, P., Lenhard, W., Marx, P. &amp; Schneider, W. (2019). <em>LRS-Screening. Laute, Reime, Sprache \u2013 W\u00fcrzburger Screening zur Fr\u00fcherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten.<\/em> G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Ennemoser, M., Marx, P., Weber, J. &amp; Schneider, W. (2012). Spezifische Vorl\u00e4uferfertigkeiten der Lesegeschwindigkeit, des Leseverst\u00e4ndnisses und des Rechtschreibens. Evidenz aus zwei L\u00e4ngsschnittstudien vom Kindergarten bis zur 4. Klasse. <em>Zeitschrift f\u00fcr Entwicklungspsychologie und P\u00e4dagogische Psychologie, 44<\/em>, 53-67. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1026\/0049-8637\/a000057\">https:\/\/doi.org\/10.1026\/0049-8637\/a000057<\/a><\/li>\r\n \t<li>Lenhard, W. (2013). <em>Leseverst\u00e4ndnis und Lesekompetenz: Grundlagen \u2013 Diagnostik \u2013 F\u00f6rderung<\/em>. Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\r\n \t<li>Schneider, W. (2017). <em>Lesen und Schreiben lernen \u2013 Wie erobern Kinder die Schriftsprache?<\/em> Berlin: Springer.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990115720030205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990115720030205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Darius Endlich, Petra Kn\u00fcspert, Wolfgang Lenhard, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2019)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-415\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/LRS-Screening.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"311\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>Kindergarten<\/li>\n<li>Einzeltest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind f\u00fcr die Gesamt- und Hauptskalenebene zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Mit dem LRS-Screening lassen sich im letzten Kindergartenjahr zentrale Vorl\u00e4uferfertigkeiten des Schriftspracherwerbs erfassen, die f\u00fcr den sp\u00e4teren Erwerb der Lese- und Rechtschreibkompetenz von zentraler Bedeutung sind. Auf dieser Grundlage erm\u00f6glicht das Verfahren eine Prognose des Risikos f\u00fcr sp\u00e4tere Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten und unterst\u00fctzt die fr\u00fchzeitige Einleitung gezielter F\u00f6rdermassnahmen. Das Screening kann pr\u00e4ventiv bei m\u00f6glichst vielen Kindern vor der Einschulung eingesetzt werden und eignet sich dar\u00fcber hinaus insbesondere f\u00fcr die Einschulungsdiagnostik, die Fr\u00fchf\u00f6rderung sowie f\u00fcr den Einsatz in der Forschung. Das Verfahren ist als Einzeltest konzipiert und wird entweder 10-11 Monate (T1) oder 4-5 Monate (T2) vor der Einschulung durchgef\u00fchrt. Die Testdurchf\u00fchrung dauert zwischen 20 und 30 Minuten.<\/p>\n<p>Das Screening umfasst zwei Themenbereiche mit insgesamt 14 Untertests, die den beiden Gesamtskalen \u00abFr\u00fche schriftsprachliche F\u00e4higkeiten\u00bb und \u00abLinguistische Kompetenzen\u00bb zugeordnet sind. Daraus lassen sich insgesamt sieben Skalenwerte ermitteln: Rapid Automatized Naming (Schnelles Benennen von Bildern und W\u00fcrfelbildern), phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsged\u00e4chtnis, Buchstabenkenntnis, Nachsprechen von S\u00e4tzen, Wortschatz und Pluralbildung.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Das LRS-Screening basiert auf empirischen Befunden, wonach die phonologische Informationsverarbeitung zu den wichtigsten Pr\u00e4diktoren des sp\u00e4teren Schriftspracherwerbs z\u00e4hlt (z.B. Ennemoser, Marx Weber &amp; Schneider, 2012; Schneider, 2017). Das Verfahren integriert hierzu alle drei zentralen Teilbereiche dieses Konstrukts: W\u00e4hrend die phonologische Bewusstheit und das phonologische Arbeitsged\u00e4chtnis als besonders pr\u00e4diktiv f\u00fcr die Rechtschreibkompetenz gelten, ist die Benennungsgeschwindigkeit (RAN) f\u00fcr die Vorhersage der Lesefl\u00fcssigkeit von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Verfahren wurde zudem die Buchstabenkenntnis als bedeutsamer Pr\u00e4diktor in das Screening aufgenommen (Ennemoser et al., 2012). F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des Risikos sp\u00e4terer Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sind diese Kompetenzen von zentraler Bedeutung. Dar\u00fcber hinaus ber\u00fccksichtigt das LRS-Screening linguistische Kompetenzen wie Wortschatz, grammatikalische F\u00e4higkeiten und das Nachsprechen von S\u00e4tzen, da diese insbesondere f\u00fcr die Entwicklung des Leseverst\u00e4ndnisses und hierarchieh\u00f6herer sprachlicher Prozesse relevant sind (Ennemoser et al., 2012; Lenhard, 2013).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Das Testmanual des LRS-Screenings gew\u00e4hrleistet durch klare Anweisungen und w\u00f6rtlich wiederzugebende Instruktionen die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t. Eine hohe Auswertungsobjektivit\u00e4t wird dadurch erreicht, dass korrekte L\u00f6sungen (mehrheitlich Richtig-Falsch-Klassifikationen) direkt ausgewiesen werden. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t ist durch die Bereitstellung von Normtabellen zur Einordnung der Ergebnisse gegeben. Sofern die testleitende Person die Anweisungen und Hinweise im Manual einh\u00e4lt, weist das LRS-Screening eine hohe Objektivit\u00e4t auf.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des LRS-Screenings wurde anhand der internen Konsistenz (angegeben als Omega) sowie der Retestreliabilit\u00e4t \u00fcber ein Intervall von sechs Monaten bestimmt. Die interne Konsistenz weist f\u00fcr den ersten Testzeitpunkt (T1) ein Gesamttestwert von Omega = .96, Omega = .92 bis .94 f\u00fcr die beiden Hauptskalen und Omega = .74 bis .92 f\u00fcr die Subskalen auf. Zum zweiten Testzeitpunkt zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild: Omega (Gesamttestwert) = .96, Omega (Hauptskalen) = .90 bis .95 und Omega (Subskalen) = .74 bis .93.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Retestreliabilit\u00e4t erreicht das Verfahren f\u00fcr den Gesamtwert (r<sub>tt<\/sub> = .85) sowie f\u00fcr die Skala \u00abFr\u00fche schriftsprachliche F\u00e4higkeiten\u00bb (r<sub>tt<\/sub> = .84) eine hohe Messgenauigkeit. Die Skala \u00abLinguistische Kompetenzen\u00bb liegt mit r<sub>tt<\/sub> = .78 im ausreichenden Bereich. Bei den einzelnen Subtests zeigen sich jedoch teilweise ungen\u00fcgende Werte, wie beispielsweise bei der Pluralbildung mit r<sub>tt<\/sub> = .58. Im Manual wird dies auf die rasanten und individuell unterschiedlichen Entwicklungsverl\u00e4ufe im letzten Kindergartenjahr sowie auf das mit sechs Monaten sehr lange Zeitintervall zur\u00fcckgef\u00fchrt, welches Ver\u00e4nderungen im gemessenen Merkmal beg\u00fcnstigt. Zusammenfassend weist das LRS-Screening auf Gesamt- und Hauptskalenebene eine gute Reliabilit\u00e4t auf.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Konstruktvalidit\u00e4t des LRS-Screenings wurde faktoranalytisch \u00fcberpr\u00fcft. Die Autor:innen konnten eine Vier-Faktoren-Struktur, bestehend aus der phonologischen Bewusstheit\/Buchstabenkenntnis, den linguistischen Kompetenzen, dem Arbeitsged\u00e4chtnis sowie dem schnellen Faktenabruf, ermitteln. Da sich die Zuordnung einzelner Aufgaben (wie der Reimaufgabe) zwischen den Messzeitpunkten T1 und T2 verschiebt, weisen die Autor:innen darauf hin, dass sich die Faktorenstruktur im Verlauf der Kindergartenzeit dynamisch ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Kriteriumsvalidit\u00e4t zeigen sich mittlere Zusammenh\u00e4nge (r = .45 bis .51) mit den Einsch\u00e4tzungen der Erzieher:innen. Besonders hervorzuheben ist die prognostische Validit\u00e4t: Das Screening identifiziert zuverl\u00e4ssig Sch\u00fcler:innen, die sp\u00e4ter in der Schule, z.B. im ELFE-II, mit tiefen Werten abschneiden. Insgesamt erweist sich das LRS-Screening damit als ein valides Instrument zur Vorhersage schulischer Lese- und Rechtschreibleistungen.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung des LRS-Screenings basiert auf einer Stichprobe von 330 Kindern aus Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Hessen, die im Zeitraum von Oktober 2015 bis Juni 2016 erhoben wurde. Es liegen Prozentrangnormen und T-\u00c4quivalenzwerte f\u00fcr zwei spezifische Zeitpunkte vor: 10 bis 11 Monate sowie 4 bis 5 Monate vor der Einschulung. Das Verfahren erm\u00f6glicht f\u00fcr jede Haupt- und Subskala sowie f\u00fcr den Gesamttestwert eine diagnostische Einordnung in Kategorien wie \u00abF\u00f6rderbedarf\u00bb oder \u00abstarker F\u00f6rderbedarf\u00bb.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Endlich, D., K\u00fcspert, P., Lenhard, W., Marx, P. &amp; Schneider, W. (2019). <em>LRS-Screening. Laute, Reime, Sprache \u2013 W\u00fcrzburger Screening zur Fr\u00fcherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten.<\/em> G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>Ennemoser, M., Marx, P., Weber, J. &amp; Schneider, W. (2012). Spezifische Vorl\u00e4uferfertigkeiten der Lesegeschwindigkeit, des Leseverst\u00e4ndnisses und des Rechtschreibens. Evidenz aus zwei L\u00e4ngsschnittstudien vom Kindergarten bis zur 4. Klasse. <em>Zeitschrift f\u00fcr Entwicklungspsychologie und P\u00e4dagogische Psychologie, 44<\/em>, 53-67. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1026\/0049-8637\/a000057\">https:\/\/doi.org\/10.1026\/0049-8637\/a000057<\/a><\/li>\n<li>Lenhard, W. (2013). <em>Leseverst\u00e4ndnis und Lesekompetenz: Grundlagen \u2013 Diagnostik \u2013 F\u00f6rderung<\/em>. Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\n<li>Schneider, W. (2017). <em>Lesen und Schreiben lernen \u2013 Wie erobern Kinder die Schriftsprache?<\/em> Berlin: Springer.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990115720030205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990115720030205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Darius Endlich, Petra Kn\u00fcspert, Wolfgang Lenhard, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2019) &nbsp; Einsatzbereich Kindergarten Einzeltest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind f\u00fcr die Gesamt- und Hauptskalenebene zuverl\u00e4ssig. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":29,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[78,73,77,67,80,71,86],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-412","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-heil-und-sonderpaedagogische-diagnostik","category-01-kindergarten","category-klinische-diagnostik","category-lesen","category-phonologische-bewusstheit","category-schreiben","category-vorlaeuferfertigkeiten"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/412\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":676,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/412\/revisions\/676"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/412\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=412"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=412"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=412"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}