{"id":318,"date":"2026-09-18T10:47:33","date_gmt":"2026-09-18T08:47:33","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=318"},"modified":"2026-10-09T13:50:20","modified_gmt":"2026-10-09T11:50:20","slug":"basiskompetenzen-fuer-lese-rechtschreibleistungen-bako-1-4","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/basiskompetenzen-fuer-lese-rechtschreibleistungen-bako-1-4\/","title":{"raw":"Basiskompetenzen f\u00fcr Lese-Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4)","rendered":"Basiskompetenzen f\u00fcr Lese-Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4)"},"content":{"raw":"von Claudia Stock, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2017)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-321 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/BAKO-1-4.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"364\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>1. bis 4. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Auf Gesamttestebene sind die Ergebnisse zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer BAKO 1-4 ist ein standardisiertes Testverfahren zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit, das speziell f\u00fcr Lernende der ersten bis vierten Primarstufe entwickelt wurde. Sein prim\u00e4rer Einsatzbereich liegt in der fr\u00fchzeitigen Diagnostik von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, um spezifische phonologische Defizite zu identifizieren. Das Verfahren eignet sich ausserdem f\u00fcr wissenschaftliche Forschung.\r\n\r\nDas mehrdimensionale Verfahren umfasst sieben verschiedene Subtests zur umfassenden Ermittlung der Basiskompetenzen des Sprachgebrauchs: Pseudowortsegmentierung, Vokalersetzung, Restwortbestimmung, Phonemvertauschung, Lautkategorisierung, Vokall\u00e4ngenbestimmung und Wortumkehr.\r\n\r\nDie Durchf\u00fchrung erfolgt aufgrund der verbal-sprachgebundenen Testart im Einzelsetting und beansprucht je nach Alter und Leistungsstand zwischen 20 und 45 Minuten (eine Maximaldauer wird nicht vorgegeben). F\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Einordnung der Ergebnisse stehen Normen zur Verf\u00fcgung, die spezifisch auf die zweite H\u00e4lfte des jeweiligen Schuljahres (Mai bis Juli) ausgerichtet sind.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDer BAKO 1-4, eine Weiterentwicklung des \u00abTests zur phonologischen Bewusstheit im Grundschulalter\u00bb (Marx &amp; Schneider, 2000), basiert auf prozessorientierten Modellen des Schriftspracherwerbs. Zentral ist hierbei das Stufenmodell nach Frith (1985), welches die Entwicklung von einer logographemischen \u00fcber eine alphabetische bis hin zu einer orthografischen Strategie beschreibt. Die phonologische Bewusstheit ist dabei eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Anwendung der alphabetischen Strategie.\r\n\r\nIn der Theorie wird zwischen der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne (Einheiten wie W\u00f6rter, Silben und Reime) und der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne (Phoneme) unterschieden (Skowronek &amp; Marx, 1989). Letztere entwickelt sich in der Regel erst mit dem formalen Lese- und Schreibunterricht (z.B. Schneider, 1997). Die phonologische Bewusstheit gilt als zentraler Pr\u00e4diktor der Lese- und Rechtschreibentwicklung (Wimmer et al., 2000) und steht in einer wechselseitigen Beziehung zu den Schriftsprachkompetenzen (Schneider, 1997). Dabei zeigt sich, dass die phonologische Bewusstheit insbesondere f\u00fcr die Rechtschreibleistung bedeutsam ist, w\u00e4hrend die Benennungsgeschwindigkeit vor allem die Leseleistung beeinflusst (Stock, 2009; vgl. auch Doppel-Defizit-Hypothese nach Wolf &amp; Bowers, 1999). Die Rechtschreibleistung beruht auf dem Zusammenspiel eines phonologischen und eines orthografischen Zugangs zum Schreiben (vgl. Tereiman, 1991).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrung des BAKO 1-4 wird durch die Verwendung einer Test-CD zur Aussprache der Items standardisiert, wodurch Verzerrungen durch Dialekt oder Betonung seitens der Testleitung ausgeschlossen werden. Zudem sind die Instruktionen vor und w\u00e4hrend der Testung w\u00f6rtlich vorgegeben. Durch die Vorgabe eindeutig richtiger L\u00f6sungen wird die Auswertung vereinheitlicht. F\u00fcr die Interpretation der Testergebnisse stehen Normtabellen f\u00fcr die einzelnen Klassenstufen zur Verf\u00fcgung. Insgesamt kann der BAKO 1-4 als objektiv eingestuft werden, sofern die Instruktionen und Anweisungen im Manual strikt befolgt werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Zuverl\u00e4ssigkeit des BAKO 1-4 wurde \u00fcber die interne Konsistenz (\u03b1) sowie die Split-Half-Reliabilit\u00e4t (Art des Splits nicht konkretisiert) ermittelt. Die interne Konsistenz des Gesamttests weist \u00fcber alle vier Klassenstufen hinweg mit Werten zwischen \u03b1 = .90 und .94 eine sehr hohe Messgenauigkeit auf. Bei den einzelnen Subtests zeigt sich ein heterogenes Bild: W\u00e4hrend die Wortumkehr durchgehend hohe Werte erreicht (\u03b1 = .91 bis .92), sinken andere Subtests teilweise in einen ungen\u00fcgenden Bereich (z.B. Pseudowortsegmentierung in Klasse 4 mit \u03b1 = .45 oder Restwortbestimmung in Klasse 3 mit \u03b1 = .51).\r\n\r\n\u00c4hnliche Ergebnisse liefern die Split-Half-Reliabilit\u00e4tskoeffizienten: Der Gesamttest ist mit r<sub>tt<\/sub> = .90 bis .92 als sehr zuverl\u00e4ssig einzustufen. Bei den Subtests finden sich auch hier deutliche Schwankungen mit teilweise ungen\u00fcgenden Kennwerten (z.B. Pseudowortsegmentierung in Klasse 4 mit r<sub>tt<\/sub> =.44 oder in Klasse 3 mit r<sub>tt<\/sub> = .54). Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass der BAKO 1-4 auf Gesamttestebene eine hohe Reliabilit\u00e4t besitzt, die Interpretation einzelner Subtests jedoch aufgrund der teilweise unzureichenden Kennwerte mit Vorsicht erfolgen sollte.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des BAKO 1-4 wird als erf\u00fcllt angesehen, da die Konzeption der Teilaufgaben pr\u00e4zise das Konstrukt der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne abbildet. Dies umfasst die F\u00e4higkeit, explizit mit Lauten (Phonen) zu operieren, ohne sich auf semantische oder sprechrhythmische Bez\u00fcge zu st\u00fctzen.\r\n\r\nIm Bereich der Kriteriumsvalidit\u00e4t belegen Vergleiche mit Aussenkriterien wie dem WLLP (Lesen) und dem DRT 1-4 (Rechtschreiben) mittlere bis hohe Zusammenh\u00e4nge mit den tats\u00e4chlichen schriftsprachlichen Leistungen. Auch zeigt sich eine moderate Korrelation mit Lehrpersonenurteilen in den Bereichen Lesen und Rechtschreiben. Der Zusammenhang mit der Intelligenz (gemessen mit CFT 1 bzw. CFT 20) nimmt mit steigender Klassenstufe ab. Insgesamt kann der BAKO 1-4 somit als ein valides Messinstrument zur Bestimmung der phonologischen Bewusstheit bei Grundschulkindern eingestuft werden.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung des BAKO 1-4 erfolgte im Zeitraum von Anfang Mai bis Ende Juli 2002. Die Stichprobe umfasst insgesamt N = 876 Kinder aus f\u00fcnf deutschen Bundesl\u00e4ndern, wobei gezielt auf eine Repr\u00e4sentativit\u00e4t hinsichtlich l\u00e4ndlicher und st\u00e4dtischer Schulstandorte geachtet wurde. Es liegen Prozentrangnormen und T-Wert-Normen f\u00fcr die Anzahl korrekt gel\u00f6ster Items pro Klassenstufe vor.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Frith, U. (1985). Beneath the surface of developmental dyslexia. In K. E. Patterson, J. C. Marshall &amp; M. Coltheart (Eds.), <em>Surface dyslexia: Neurophysiological and cognitive studies of phonological reading <\/em>(pp. 301-330). London: Erlbaum.<\/li>\r\n \t<li>Schneider, W., K\u00fcspert, P., Roth, E., Vise, M. &amp; Marx, H. (1997). Short- and long-term effects of training phonological awareness in kindergarten: Evidence from two German studies. <em>Journal of Experimental Child Psychology, 66<\/em>, 311-340.<\/li>\r\n \t<li>Skowronek, H. &amp; Marx. H. (1989). The Bielefeld longitudinal study on early identification of risks in learning to read and write: Theoretical background and first results. In M. Brambring, F. Loesel &amp; H. Skowronek (Eds.), <em>Children at risk: Assessment, longitudinal research, and intervention<\/em> (pp. 268-294). Berlin: de Gruyter.<\/li>\r\n \t<li>Stock, C. (2009). Der Zusammenhang zwischen phonologischer Bewusstheit und Leseleistung bei Grundschulkindern. In W. Lenhard &amp; W. Schneider (Hrsg.), <em>Diagnostik und F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses<\/em> (S. 81-96). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Stock, C., Marx, P. &amp; Schneider, W. (2017). <em>Basiskompetenzen f\u00fcr Lese-Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4)<\/em> (2. erg\u00e4nzte und aktualisierte Aufl.). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Wimmer, H., Mayringer, H. &amp; Landerl, K. (2000). The double-deficit-hypothesis and difficulties in learning to read a regular orthography. <em>Journal of Educational Psychology, 92<\/em>, 668-680.<\/li>\r\n \t<li>Wolf, M. &amp; Bowers, P. G. (1999). The double-deficit-hypothesis for the developmental dyslexias. <em>Journal of Educational Psychology, 91<\/em>, 415-438.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116749830705521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116749830705521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Claudia Stock, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2017)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-321\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/09\/BAKO-1-4.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"364\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>1. bis 4. Klasse<\/li>\n<li>Einzeltest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Auf Gesamttestebene sind die Ergebnisse zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der BAKO 1-4 ist ein standardisiertes Testverfahren zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit, das speziell f\u00fcr Lernende der ersten bis vierten Primarstufe entwickelt wurde. Sein prim\u00e4rer Einsatzbereich liegt in der fr\u00fchzeitigen Diagnostik von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, um spezifische phonologische Defizite zu identifizieren. Das Verfahren eignet sich ausserdem f\u00fcr wissenschaftliche Forschung.<\/p>\n<p>Das mehrdimensionale Verfahren umfasst sieben verschiedene Subtests zur umfassenden Ermittlung der Basiskompetenzen des Sprachgebrauchs: Pseudowortsegmentierung, Vokalersetzung, Restwortbestimmung, Phonemvertauschung, Lautkategorisierung, Vokall\u00e4ngenbestimmung und Wortumkehr.<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung erfolgt aufgrund der verbal-sprachgebundenen Testart im Einzelsetting und beansprucht je nach Alter und Leistungsstand zwischen 20 und 45 Minuten (eine Maximaldauer wird nicht vorgegeben). F\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Einordnung der Ergebnisse stehen Normen zur Verf\u00fcgung, die spezifisch auf die zweite H\u00e4lfte des jeweiligen Schuljahres (Mai bis Juli) ausgerichtet sind.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Der BAKO 1-4, eine Weiterentwicklung des \u00abTests zur phonologischen Bewusstheit im Grundschulalter\u00bb (Marx &amp; Schneider, 2000), basiert auf prozessorientierten Modellen des Schriftspracherwerbs. Zentral ist hierbei das Stufenmodell nach Frith (1985), welches die Entwicklung von einer logographemischen \u00fcber eine alphabetische bis hin zu einer orthografischen Strategie beschreibt. Die phonologische Bewusstheit ist dabei eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Anwendung der alphabetischen Strategie.<\/p>\n<p>In der Theorie wird zwischen der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne (Einheiten wie W\u00f6rter, Silben und Reime) und der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne (Phoneme) unterschieden (Skowronek &amp; Marx, 1989). Letztere entwickelt sich in der Regel erst mit dem formalen Lese- und Schreibunterricht (z.B. Schneider, 1997). Die phonologische Bewusstheit gilt als zentraler Pr\u00e4diktor der Lese- und Rechtschreibentwicklung (Wimmer et al., 2000) und steht in einer wechselseitigen Beziehung zu den Schriftsprachkompetenzen (Schneider, 1997). Dabei zeigt sich, dass die phonologische Bewusstheit insbesondere f\u00fcr die Rechtschreibleistung bedeutsam ist, w\u00e4hrend die Benennungsgeschwindigkeit vor allem die Leseleistung beeinflusst (Stock, 2009; vgl. auch Doppel-Defizit-Hypothese nach Wolf &amp; Bowers, 1999). Die Rechtschreibleistung beruht auf dem Zusammenspiel eines phonologischen und eines orthografischen Zugangs zum Schreiben (vgl. Tereiman, 1991).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrung des BAKO 1-4 wird durch die Verwendung einer Test-CD zur Aussprache der Items standardisiert, wodurch Verzerrungen durch Dialekt oder Betonung seitens der Testleitung ausgeschlossen werden. Zudem sind die Instruktionen vor und w\u00e4hrend der Testung w\u00f6rtlich vorgegeben. Durch die Vorgabe eindeutig richtiger L\u00f6sungen wird die Auswertung vereinheitlicht. F\u00fcr die Interpretation der Testergebnisse stehen Normtabellen f\u00fcr die einzelnen Klassenstufen zur Verf\u00fcgung. Insgesamt kann der BAKO 1-4 als objektiv eingestuft werden, sofern die Instruktionen und Anweisungen im Manual strikt befolgt werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des BAKO 1-4 wurde \u00fcber die interne Konsistenz (\u03b1) sowie die Split-Half-Reliabilit\u00e4t (Art des Splits nicht konkretisiert) ermittelt. Die interne Konsistenz des Gesamttests weist \u00fcber alle vier Klassenstufen hinweg mit Werten zwischen \u03b1 = .90 und .94 eine sehr hohe Messgenauigkeit auf. Bei den einzelnen Subtests zeigt sich ein heterogenes Bild: W\u00e4hrend die Wortumkehr durchgehend hohe Werte erreicht (\u03b1 = .91 bis .92), sinken andere Subtests teilweise in einen ungen\u00fcgenden Bereich (z.B. Pseudowortsegmentierung in Klasse 4 mit \u03b1 = .45 oder Restwortbestimmung in Klasse 3 mit \u03b1 = .51).<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Ergebnisse liefern die Split-Half-Reliabilit\u00e4tskoeffizienten: Der Gesamttest ist mit r<sub>tt<\/sub> = .90 bis .92 als sehr zuverl\u00e4ssig einzustufen. Bei den Subtests finden sich auch hier deutliche Schwankungen mit teilweise ungen\u00fcgenden Kennwerten (z.B. Pseudowortsegmentierung in Klasse 4 mit r<sub>tt<\/sub> =.44 oder in Klasse 3 mit r<sub>tt<\/sub> = .54). Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass der BAKO 1-4 auf Gesamttestebene eine hohe Reliabilit\u00e4t besitzt, die Interpretation einzelner Subtests jedoch aufgrund der teilweise unzureichenden Kennwerte mit Vorsicht erfolgen sollte.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des BAKO 1-4 wird als erf\u00fcllt angesehen, da die Konzeption der Teilaufgaben pr\u00e4zise das Konstrukt der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne abbildet. Dies umfasst die F\u00e4higkeit, explizit mit Lauten (Phonen) zu operieren, ohne sich auf semantische oder sprechrhythmische Bez\u00fcge zu st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Im Bereich der Kriteriumsvalidit\u00e4t belegen Vergleiche mit Aussenkriterien wie dem WLLP (Lesen) und dem DRT 1-4 (Rechtschreiben) mittlere bis hohe Zusammenh\u00e4nge mit den tats\u00e4chlichen schriftsprachlichen Leistungen. Auch zeigt sich eine moderate Korrelation mit Lehrpersonenurteilen in den Bereichen Lesen und Rechtschreiben. Der Zusammenhang mit der Intelligenz (gemessen mit CFT 1 bzw. CFT 20) nimmt mit steigender Klassenstufe ab. Insgesamt kann der BAKO 1-4 somit als ein valides Messinstrument zur Bestimmung der phonologischen Bewusstheit bei Grundschulkindern eingestuft werden.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung des BAKO 1-4 erfolgte im Zeitraum von Anfang Mai bis Ende Juli 2002. Die Stichprobe umfasst insgesamt N = 876 Kinder aus f\u00fcnf deutschen Bundesl\u00e4ndern, wobei gezielt auf eine Repr\u00e4sentativit\u00e4t hinsichtlich l\u00e4ndlicher und st\u00e4dtischer Schulstandorte geachtet wurde. Es liegen Prozentrangnormen und T-Wert-Normen f\u00fcr die Anzahl korrekt gel\u00f6ster Items pro Klassenstufe vor.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Frith, U. (1985). Beneath the surface of developmental dyslexia. In K. E. Patterson, J. C. Marshall &amp; M. Coltheart (Eds.), <em>Surface dyslexia: Neurophysiological and cognitive studies of phonological reading <\/em>(pp. 301-330). London: Erlbaum.<\/li>\n<li>Schneider, W., K\u00fcspert, P., Roth, E., Vise, M. &amp; Marx, H. (1997). Short- and long-term effects of training phonological awareness in kindergarten: Evidence from two German studies. <em>Journal of Experimental Child Psychology, 66<\/em>, 311-340.<\/li>\n<li>Skowronek, H. &amp; Marx. H. (1989). The Bielefeld longitudinal study on early identification of risks in learning to read and write: Theoretical background and first results. In M. Brambring, F. Loesel &amp; H. Skowronek (Eds.), <em>Children at risk: Assessment, longitudinal research, and intervention<\/em> (pp. 268-294). Berlin: de Gruyter.<\/li>\n<li>Stock, C. (2009). Der Zusammenhang zwischen phonologischer Bewusstheit und Leseleistung bei Grundschulkindern. In W. Lenhard &amp; W. Schneider (Hrsg.), <em>Diagnostik und F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses<\/em> (S. 81-96). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>Stock, C., Marx, P. &amp; Schneider, W. (2017). <em>Basiskompetenzen f\u00fcr Lese-Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4)<\/em> (2. erg\u00e4nzte und aktualisierte Aufl.). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>Wimmer, H., Mayringer, H. &amp; Landerl, K. (2000). The double-deficit-hypothesis and difficulties in learning to read a regular orthography. <em>Journal of Educational Psychology, 92<\/em>, 668-680.<\/li>\n<li>Wolf, M. &amp; Bowers, P. G. (1999). The double-deficit-hypothesis for the developmental dyslexias. <em>Journal of Educational Psychology, 91<\/em>, 415-438.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116749830705521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma99116749830705521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 09\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claudia Stock, Peter Marx und Wolfgang Schneider (2017) &nbsp; Einsatzbereich 1. bis 4. Klasse Einzeltest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Auf Gesamttestebene sind die Ergebnisse zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t liegen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":3,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[78,77,75,80,74,86],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-318","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-heil-und-sonderpaedagogische-diagnostik","category-klinische-diagnostik","category-03-mittelstufe","category-phonologische-bewusstheit","category-02-unterstufe","category-vorlaeuferfertigkeiten"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":649,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/318\/revisions\/649"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/318\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=318"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=318"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=318"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}