{"id":273,"date":"2026-07-27T17:51:58","date_gmt":"2026-07-27T15:51:58","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=273"},"modified":"2026-10-09T14:07:45","modified_gmt":"2026-10-09T12:07:45","slug":"wuerzburger-leise-leseprobe-revision-wllp-r","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/wuerzburger-leise-leseprobe-revision-wllp-r\/","title":{"raw":"W\u00fcrzburger Leise Leseprobe \u2013 Revision (WLLP-R)","rendered":"W\u00fcrzburger Leise Leseprobe \u2013 Revision (WLLP-R)"},"content":{"raw":"von Wolfgang Schneider, Iris Blanke, Verena Faust und Petra K\u00fcspert (2011)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-275 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/WLLP.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"321\" \/>\r\n<h2><\/h2>\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>1. bis 4. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20.0000;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20.0000%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20.0000%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20.0000%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20.0000%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20.0000%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDie WLLP-R ist ein standardisiertes diagnostisches Instrument zur zuverl\u00e4ssigen Erfassung der Dekodier- bzw. Lesegeschwindigkeit im deutschsprachigen Raum. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, die Leseleistung in einer alltagsnahen Situation durch leises Lesen zu erheben und eignet sich aufgrund seiner Konstruktion besonders f\u00fcr die Verlaufskontrolle der Leseentwicklung \u00fcber mehrere Schuljahre hinweg. Die Leseprobe kann als Gruppen- oder Einzeltest in (Sonder-)Schulen sowie in der Forschung eingesetzt werden.\r\n\r\nDas als Paper-Pencil-Test konzipierte Verfahren erm\u00f6glicht eine zeit\u00f6konomische Lernstandserfassung ganzer Schulklassen und dient im Klassenverband als Screening-Instrument, um Kinder mit geringer Leseleistung fr\u00fchzeitig zu identifizieren. W\u00e4hrend der Test wertvolle Hinweise auf allgemeine Schwierigkeiten liefert, wird f\u00fcr eine detaillierte Diagnostik und die darauf aufbauende F\u00f6rderplanung bei auff\u00e4lligen Kindern ein erg\u00e4nzendes Einzelpr\u00fcfverfahren empfohlen.\r\n\r\nDie Durchf\u00fchrung erfolgt als Multiple-Choice-Verfahren im Speed-Design. Die Lernenden haben eine aktive Bearbeitungszeit von f\u00fcnf Minuten, um m\u00f6glichst viele Aufgaben zu l\u00f6sen. Die Aufgabe besteht darin, ein geschriebenes Wort der passenden Illustration aus vier Bildalternativen zuzuordnen. Der Test umfasst je nach Klassenstufe 140 bzw. 180 Aufgaben und liegt in zwei Parallelformen vor. Inklusive Instruktion und Organisation sollte f\u00fcr die Durchf\u00fchrung ein Zeitfenster von etwa 15 Minuten eingeplant werden.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDie WLLP-R stellt eine Weiterentwicklung der W\u00fcrzburger Leise Leseprobe (WLLP; K\u00fcspert &amp; Schneider, 1998) dar und orientiert sich konzeptionell an skandinavischen Testverfahren (Lesetest OS 400; S\u00f8eg\u00e5rd &amp; Petersen, 1974). Im Zentrum des Verfahrens steht die Dekodier- bzw. Lesegeschwindigkeit als zentrale Variable der Leseleistung. Auf eine direkte Messung der Lesegenauigkeit oder des Textverst\u00e4ndnisses wird bewusst verzichtet, da sich Unterschiede in der deutschen Orthografie weniger in der Genauigkeit als vielmehr in der Verarbeitungsgeschwindigkeit zeigen (Wimmer &amp; Goswami, 1994). Die Erfassung dieser basalen Fertigkeit gilt bereits in der fr\u00fchen Grundschulzeit als valider Indikator f\u00fcr die allgemeine Lesekompetenz.\r\n\r\nTheoretisch wird angenommen, dass eine effiziente und automatisierte Worterkennung kognitive Ressourcen freisetzt, die f\u00fcr hierarchieh\u00f6here Verst\u00e4ndnisprozesse genutzt werden k\u00f6nnen (vgl. Lenhard &amp; Artelt, 2009). Entsprechend gilt die Lesegeschwindigkeit als bedeutsames Kriterium zur Beurteilung der Lesefertigkeit im Kindesalter (Landerl, 2000). F\u00fcr die Praxis bedeutet dies, dass bei Fragestellungen zum Textverst\u00e4ndnis erg\u00e4nzende diagnostische Verfahren erforderlich sind. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass die schulische F\u00f6rderung nicht auf das \u00dcben isolierter W\u00f6rter beschr\u00e4nkt bleiben sollte, sondern das Lesen zusammenh\u00e4ngender Texte in den Fokus r\u00fccken muss.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Objektivit\u00e4t der WLLP-R wird durch die standardisierten Instruktionen im Manual sowie den Einsatz von Auswertungsschablonen sichergestellt, wodurch Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsfehler minimiert werden. F\u00fcr die objektive Einordnung der individuellen Testergebnisse stehen umfassende Normtabellen zur Verf\u00fcgung. Bei Einhaltung der Vorgaben zur Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation ist die Objektivit\u00e4t des Verfahrens gegeben.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Zuverl\u00e4ssigkeit des Verfahrens wurde anhand verschiedener Kennwerte belegt. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t wurde f\u00fcr die WLLP-R nicht erneut erhoben und es werden die Werte der WLLP berichtet. Die Werte der Paralleltestreliabilit\u00e4t der WLLP (Intervall eine Woche) liegen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .82 (4. Klasse) und r<sub>tt<\/sub> = .93 (3. Klasse) mit einem Gesamtwert von r<sub>tt<\/sub> = .97. Die Retestreliabilit\u00e4t wurde f\u00fcr die WLLP-R \u00fcberpr\u00fcft. In der Retestreliabilit\u00e4t (Intervall drei Wochen) zeigen sich \u00fcber alle Klassenstufen hinweg Koeffizienten zwischen r<sub>tt<\/sub> = .76 und .82 (Gesamtstichprobe r<sub>tt<\/sub> = .93). Die berichteten Kennwerte belegen eine hohe Messgenauigkeit und weisen die WLLP-R als ein reliables diagnostisches Instrument aus.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDas Verfahren weist eine hohe Augenscheinvalidit\u00e4t auf, da die Testleistung unmittelbar R\u00fcckschl\u00fcsse auf die basale Lesefertigkeit erm\u00f6glicht. Die Kriteriumsvalidit\u00e4t wurde prim\u00e4r \u00fcber die Originalversion (WLLP) belegt, wobei sich \u00fcber alle Klassenstufen hinweg mittlere bis hohe Zusammenh\u00e4nge mit Lehrerbeurteilungen, Deutschnoten sowie spezifischen Einzelpr\u00fcfverfahren wie dem DLF (Klassen 1\u20132) oder dem BLT (Klassen 3\u20134) zeigten. W\u00e4hrend Korrelationen mit anderen Lesetests (z. B. Knuspel) teils niedriger ausfallen, wird dies darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt, dass die Aufgaben vor allem f\u00fcr j\u00fcngere Kinder schwierig zu l\u00f6sen sind. Da die Revision (WLLP-R) in einer Teilstichprobe von N = 249 (2.-4. Klasse) sehr hoch mit der Ursprungsfassung korreliert (r = .90), sind die Validit\u00e4tsbefunde gem\u00e4ss der Autor:innen direkt \u00fcbertragbar. Insgesamt belegen die Daten eine zufriedenstellende Validit\u00e4t der\u00a0 WLLP-R.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung der WLLP-R erfolgte im Sommer 2009 an einer Stichprobe von 2\u2019333 Kindern aus f\u00fcnf deutschen Bundesl\u00e4ndern. Die Stichprobe umfasst die Klassenstufen 1 bis 4 und weist eine ausgewogene Verteilung hinsichtlich des regionalen Standorts (Stadt\/Land) auf. Es liegen Prozentrangnormen sowie T-\u00c4quivalenzwerte f\u00fcr die Anzahl korrekter L\u00f6sungen vor, die nach Klassenstufen differenziert und zus\u00e4tzlich nach Geschlecht getrennt ausgewiesen werden.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>K\u00fcspert, P. &amp; Schneider, W. (1998). <em>W\u00fcrzburger Leise Leseprobe (WLLP)<\/em>. Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Landerl, K. (2000). Der Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT). In M. Hasselhorn, W. Schneider &amp; H. Marx (Hrsg.), <em>Diagnostik von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Tests und Trends, N.F. Band 1<\/em> (S. 63-80). Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Lenhard, W. &amp; Artelt, C. (2009). Komponenten des Leseverst\u00e4ndnisses. In W. Lenhard &amp; W. Schneider (Hrsg.), <em>Diagnostik und F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses. Test und Trends, N.F. Band 7<\/em> (S. 1-18). Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Schneider, W., Blanke, I., Faust, V. &amp; K\u00fcspert, P. (2011). <em>W\u00fcrzburger Leise Leseprobe \u2013 Revision (WLLP-R)<\/em>. Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>S\u00f8eg\u00e5rd, A. &amp; Petersen, S. P. B. (1974). <em>OS 400. Ordstillel<\/em><em>\u0153<\/em><em>singspr<\/em><em>\u00f8<\/em><em>ve<\/em>. Kopenhagen: Dansk Psykologisk Forlag.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wimmer, H. &amp; Goswami, U. (1994). The influence of orthographic consistency on reading development: word recognition in English and German children. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Cognition, 51<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">, 91-103.<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990066769240205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990066769240205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Wolfgang Schneider, Iris Blanke, Verena Faust und Petra K\u00fcspert (2011)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-275\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/WLLP.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"321\" \/><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>1. bis 4. Klasse<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20.0000;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20.0000%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20.0000%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20.0000%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20.0000%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20.0000%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20.0000%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20.0000%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Die WLLP-R ist ein standardisiertes diagnostisches Instrument zur zuverl\u00e4ssigen Erfassung der Dekodier- bzw. Lesegeschwindigkeit im deutschsprachigen Raum. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, die Leseleistung in einer alltagsnahen Situation durch leises Lesen zu erheben und eignet sich aufgrund seiner Konstruktion besonders f\u00fcr die Verlaufskontrolle der Leseentwicklung \u00fcber mehrere Schuljahre hinweg. Die Leseprobe kann als Gruppen- oder Einzeltest in (Sonder-)Schulen sowie in der Forschung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Das als Paper-Pencil-Test konzipierte Verfahren erm\u00f6glicht eine zeit\u00f6konomische Lernstandserfassung ganzer Schulklassen und dient im Klassenverband als Screening-Instrument, um Kinder mit geringer Leseleistung fr\u00fchzeitig zu identifizieren. W\u00e4hrend der Test wertvolle Hinweise auf allgemeine Schwierigkeiten liefert, wird f\u00fcr eine detaillierte Diagnostik und die darauf aufbauende F\u00f6rderplanung bei auff\u00e4lligen Kindern ein erg\u00e4nzendes Einzelpr\u00fcfverfahren empfohlen.<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung erfolgt als Multiple-Choice-Verfahren im Speed-Design. Die Lernenden haben eine aktive Bearbeitungszeit von f\u00fcnf Minuten, um m\u00f6glichst viele Aufgaben zu l\u00f6sen. Die Aufgabe besteht darin, ein geschriebenes Wort der passenden Illustration aus vier Bildalternativen zuzuordnen. Der Test umfasst je nach Klassenstufe 140 bzw. 180 Aufgaben und liegt in zwei Parallelformen vor. Inklusive Instruktion und Organisation sollte f\u00fcr die Durchf\u00fchrung ein Zeitfenster von etwa 15 Minuten eingeplant werden.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die WLLP-R stellt eine Weiterentwicklung der W\u00fcrzburger Leise Leseprobe (WLLP; K\u00fcspert &amp; Schneider, 1998) dar und orientiert sich konzeptionell an skandinavischen Testverfahren (Lesetest OS 400; S\u00f8eg\u00e5rd &amp; Petersen, 1974). Im Zentrum des Verfahrens steht die Dekodier- bzw. Lesegeschwindigkeit als zentrale Variable der Leseleistung. Auf eine direkte Messung der Lesegenauigkeit oder des Textverst\u00e4ndnisses wird bewusst verzichtet, da sich Unterschiede in der deutschen Orthografie weniger in der Genauigkeit als vielmehr in der Verarbeitungsgeschwindigkeit zeigen (Wimmer &amp; Goswami, 1994). Die Erfassung dieser basalen Fertigkeit gilt bereits in der fr\u00fchen Grundschulzeit als valider Indikator f\u00fcr die allgemeine Lesekompetenz.<\/p>\n<p>Theoretisch wird angenommen, dass eine effiziente und automatisierte Worterkennung kognitive Ressourcen freisetzt, die f\u00fcr hierarchieh\u00f6here Verst\u00e4ndnisprozesse genutzt werden k\u00f6nnen (vgl. Lenhard &amp; Artelt, 2009). Entsprechend gilt die Lesegeschwindigkeit als bedeutsames Kriterium zur Beurteilung der Lesefertigkeit im Kindesalter (Landerl, 2000). F\u00fcr die Praxis bedeutet dies, dass bei Fragestellungen zum Textverst\u00e4ndnis erg\u00e4nzende diagnostische Verfahren erforderlich sind. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass die schulische F\u00f6rderung nicht auf das \u00dcben isolierter W\u00f6rter beschr\u00e4nkt bleiben sollte, sondern das Lesen zusammenh\u00e4ngender Texte in den Fokus r\u00fccken muss.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Objektivit\u00e4t der WLLP-R wird durch die standardisierten Instruktionen im Manual sowie den Einsatz von Auswertungsschablonen sichergestellt, wodurch Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsfehler minimiert werden. F\u00fcr die objektive Einordnung der individuellen Testergebnisse stehen umfassende Normtabellen zur Verf\u00fcgung. Bei Einhaltung der Vorgaben zur Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation ist die Objektivit\u00e4t des Verfahrens gegeben.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des Verfahrens wurde anhand verschiedener Kennwerte belegt. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t wurde f\u00fcr die WLLP-R nicht erneut erhoben und es werden die Werte der WLLP berichtet. Die Werte der Paralleltestreliabilit\u00e4t der WLLP (Intervall eine Woche) liegen zwischen r<sub>tt<\/sub> = .82 (4. Klasse) und r<sub>tt<\/sub> = .93 (3. Klasse) mit einem Gesamtwert von r<sub>tt<\/sub> = .97. Die Retestreliabilit\u00e4t wurde f\u00fcr die WLLP-R \u00fcberpr\u00fcft. In der Retestreliabilit\u00e4t (Intervall drei Wochen) zeigen sich \u00fcber alle Klassenstufen hinweg Koeffizienten zwischen r<sub>tt<\/sub> = .76 und .82 (Gesamtstichprobe r<sub>tt<\/sub> = .93). Die berichteten Kennwerte belegen eine hohe Messgenauigkeit und weisen die WLLP-R als ein reliables diagnostisches Instrument aus.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Das Verfahren weist eine hohe Augenscheinvalidit\u00e4t auf, da die Testleistung unmittelbar R\u00fcckschl\u00fcsse auf die basale Lesefertigkeit erm\u00f6glicht. Die Kriteriumsvalidit\u00e4t wurde prim\u00e4r \u00fcber die Originalversion (WLLP) belegt, wobei sich \u00fcber alle Klassenstufen hinweg mittlere bis hohe Zusammenh\u00e4nge mit Lehrerbeurteilungen, Deutschnoten sowie spezifischen Einzelpr\u00fcfverfahren wie dem DLF (Klassen 1\u20132) oder dem BLT (Klassen 3\u20134) zeigten. W\u00e4hrend Korrelationen mit anderen Lesetests (z. B. Knuspel) teils niedriger ausfallen, wird dies darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt, dass die Aufgaben vor allem f\u00fcr j\u00fcngere Kinder schwierig zu l\u00f6sen sind. Da die Revision (WLLP-R) in einer Teilstichprobe von N = 249 (2.-4. Klasse) sehr hoch mit der Ursprungsfassung korreliert (r = .90), sind die Validit\u00e4tsbefunde gem\u00e4ss der Autor:innen direkt \u00fcbertragbar. Insgesamt belegen die Daten eine zufriedenstellende Validit\u00e4t der\u00a0 WLLP-R.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung der WLLP-R erfolgte im Sommer 2009 an einer Stichprobe von 2\u2019333 Kindern aus f\u00fcnf deutschen Bundesl\u00e4ndern. Die Stichprobe umfasst die Klassenstufen 1 bis 4 und weist eine ausgewogene Verteilung hinsichtlich des regionalen Standorts (Stadt\/Land) auf. Es liegen Prozentrangnormen sowie T-\u00c4quivalenzwerte f\u00fcr die Anzahl korrekter L\u00f6sungen vor, die nach Klassenstufen differenziert und zus\u00e4tzlich nach Geschlecht getrennt ausgewiesen werden.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>K\u00fcspert, P. &amp; Schneider, W. (1998). <em>W\u00fcrzburger Leise Leseprobe (WLLP)<\/em>. Hogrefe.<\/li>\n<li>Landerl, K. (2000). Der Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT). In M. Hasselhorn, W. Schneider &amp; H. Marx (Hrsg.), <em>Diagnostik von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Tests und Trends, N.F. Band 1<\/em> (S. 63-80). Hogrefe.<\/li>\n<li>Lenhard, W. &amp; Artelt, C. (2009). Komponenten des Leseverst\u00e4ndnisses. In W. Lenhard &amp; W. Schneider (Hrsg.), <em>Diagnostik und F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses. Test und Trends, N.F. Band 7<\/em> (S. 1-18). Hogrefe.<\/li>\n<li>Schneider, W., Blanke, I., Faust, V. &amp; K\u00fcspert, P. (2011). <em>W\u00fcrzburger Leise Leseprobe \u2013 Revision (WLLP-R)<\/em>. Hogrefe.<\/li>\n<li>S\u00f8eg\u00e5rd, A. &amp; Petersen, S. P. B. (1974). <em>OS 400. Ordstillel<\/em><em>\u0153<\/em><em>singspr<\/em><em>\u00f8<\/em><em>ve<\/em>. Kopenhagen: Dansk Psykologisk Forlag.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wimmer, H. &amp; Goswami, U. (1994). The influence of orthographic consistency on reading development: word recognition in English and German children. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Cognition, 51<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">, 91-103.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990066769240205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990066769240205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Schneider, Iris Blanke, Verena Faust und Petra K\u00fcspert (2011) Einsatzbereich 1. bis 4. Klasse Einzel- oder Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":42,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[78,77,67,75,74],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-273","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-heil-und-sonderpaedagogische-diagnostik","category-klinische-diagnostik","category-lesen","category-03-mittelstufe","category-02-unterstufe"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":688,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/273\/revisions\/688"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/273\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=273"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=273"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=273"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}