{"id":256,"date":"2026-07-27T14:56:23","date_gmt":"2026-07-27T12:56:23","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=256"},"modified":"2026-10-09T14:05:44","modified_gmt":"2026-10-09T12:05:44","slug":"slrt-ii-lese-und-rechtschreibtest","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/slrt-ii-lese-und-rechtschreibtest\/","title":{"raw":"SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest","rendered":"SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest"},"content":{"raw":"von Kristina Moll und Karin Landerl (2014)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-258 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/SLRT-II-Lese-und-Rechtschreibtest.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"363\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>1. bis 5. Klasse (Rechtschreibtest) bzw. 6. Klasse und junge Erwachsene (Lesefl\u00fcssigkeitstest)<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer SLRT-II wurde entwickelt, um die differenzierte Erfassung von Lese- und Rechtschreibleistungen im Rahmen des Schriftspracherwerbs standardisiert zu erheben. Er dient insbesondere dazu, spezifische Defizite im Lesen und Schreiben zu identifizieren. Der Test differenziert im unteren und mittleren Bereich zuverl\u00e4ssig; f\u00fcr \u00fcberdurchschnittliche Leistungen differenziert er (v.a. der Rechtschreibtest) nur bedingt.\r\n\r\nDer Test gliedert sich in zwei Hauptteile, die unterschiedliche Aspekte der Schriftsprachkompetenz erfassen. Der erste Teil ist ein Ein-Minuten-Lesefl\u00fcssigkeitstest, der im Einzelsetting durchgef\u00fchrt wird. Er misst zentrale Prozesse des Lesens: das synthetische, lautierende Lesen sowie die automatische, direkte Worterkennung. Der Subtest Pseudowortlesen erfasst dabei das lautierende Lesen, indem innerhalb einer Minute m\u00f6glichst viele Pseudow\u00f6rter korrekt vorgelesen werden. Der Subtest Wortlesen erm\u00f6glicht die Erfassung der automatischen Worterkennung. Beide Subtests umfassen 156 Items mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad.\r\n\r\nDer zweite Teil des Tests ist ein Rechtschreibtest, der im Einzel- oder Gruppensetting durchgef\u00fchrt werden kann. Die Aufgaben bestehen aus L\u00fcckentexten, in die die diktierten W\u00f6rter korrekt eingesetzt werden m\u00fcssen (Paper and Pencil). Die Items sind hinsichtlich ihrer Schwierigkeit gestuft, sodass sich ein differenziertes Leistungsprofil ergibt. Eine getrennte Erfassung von lauttreuer und orthografisch korrekter Schreibung wird in der Auswertung differenziert ber\u00fccksichtigt.\r\n\r\nDie Durchf\u00fchrung des Lesefl\u00fcssigkeitstests ist mit einem Zeitaufwand von etwa f\u00fcnf Minuten sehr \u00f6konomisch; die anschliessende Auswertung nimmt ebenfalls rund f\u00fcnf Minuten in Anspruch. F\u00fcr den Rechtschreibtest betr\u00e4gt die Durchf\u00fchrungsdauer etwa 20 bis 30 Minuten, w\u00e4hrend f\u00fcr die Auswertung zus\u00e4tzlich etwa f\u00fcnf bis zehn Minuten einzuplanen sind.\r\n\r\nDer Test dient als Grundlage f\u00fcr weiterf\u00fchrende diagnostische Entscheidungen sowie f\u00fcr die Planung und Durchf\u00fchrung gezielter F\u00f6rdermassnahmen. Der Test kann im psychologischen sowie p\u00e4dagogischen Kontext eingesetzt werden, um Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu erfassen. Der Rechtschreib- sowie Lesetest liegt jeweils in zwei Versionen vor, was eine \u00dcberpr\u00fcfung des Lernfortschritts erm\u00f6glicht.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDer SLRT-II basiert auf der Annahme einer Doppeldissoziation bei Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben. Demnach k\u00f6nnen Defizite in beiden Bereichen auch getrennt voneinander auftreten, was eine differenzierte diagnostische Betrachtung beider Bereiche erforderlich macht (Moll &amp; Landerl, 2009; Wimmer &amp; Mayringer, 2002).\r\n\r\nF\u00fcr das Lesen werden zwei zentrale Prozesse unterschieden: das synthetische, lautierende Lesen (von Buchstaben zu gr\u00f6sseren Einheiten, wie z.B. Silben oder W\u00f6rter) und die automatische Worterkennung (gespeicherte Wortrepr\u00e4sentationen im Ged\u00e4chtnis). W\u00e4hrend unbekannte W\u00f6rter vorwiegend durch synthetisches Lesen erschlossen werden, erm\u00f6glicht die automatische Worterkennung ein schnelles Erfassen vertrauter W\u00f6rter.\r\n\r\nAuch im Rechtschreiben werden zwei Prozesse aufgezeigt: das lautorientierte Schreiben (Laute zu Buchstaben) und das orthografische Schreiben (korrektes Schreiben). Lautorientiertes Schreiben kommt insbesondere bei unbekannten W\u00f6rtern zum Einsatz, w\u00e4hrend bei bekannten W\u00f6rtern auf gespeicherte orthografische Muster zur\u00fcckgegriffen wird.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nIm Manual des SLRT-II werden die Durchf\u00fchrung des Tests, die Auswertung der erhobenen Daten sowie die Interpretation der Ergebnisse ausf\u00fchrlich und nachvollziehbar beschrieben. F\u00fcr die Auswertung wurden klare Regeln und Beispiele erarbeitet, die einzuhalten sind. Durch die Einhaltung der vorgegebenen Anweisungen kann die Objektivit\u00e4t als gegeben gelten.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Reliabilit\u00e4t wurde im SLRT-II f\u00fcr beide Untertests (Lesen und Rechtschreiben) jeweils einzeln berechnet. F\u00fcr den Lesetest wurde f\u00fcr jede Schulstufe die Paralleltestreliabilit\u00e4t berechnet. Die Ergebnisse liegen \u00fcber alle Stufen hinweg bei r<sub>tt<\/sub> = .90 bis .98.\r\n\r\nF\u00fcr den Rechtschreibtest wurde eine Itemanalyse durchgef\u00fchrt, um die entsprechenden Schwierigkeitsindizes der beiden Testformen zu ermitteln. Die beiden Versionen des Tests unterscheiden sich in Bezug auf den Schwierigkeitsindex nicht signifikant voneinander (alle\u00a0p\u00a0&gt; .10). Die Interraterreliabilit\u00e4t bei der Auswertung von N- und O-Fehlern ergab einen Koeffizienten von r = .998 (bei der Bewertung von O-Fehlern). Die Retestreliabilit\u00e4t nach ca. f\u00fcnf Wochen liegt bei r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .97. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t zwischen den beiden Testversionen A und B weist Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .67 bis .86 auf.\r\n\r\nDie berichteten Kennwerte weisen mehrheitlich eine ausreichende bis hohe Messgenauigkeit auf. Einzig der Wert f\u00fcr die Paralleltestreliabilit\u00e4t beim Rechtschreibtest f\u00fcr die zweite Klassenstufe (r<sub>tt<\/sub> = .67) ist als niedrig zu bewerten.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des SRLT-II wird als gegeben beschrieben, da f\u00fcr die Leseleistung entsprechende Leseaufgaben und f\u00fcr die Rechtschreibleistung ein konkreter Rechtschreibtest durchgef\u00fchrt werden. F\u00fcr den Lesetest wurde die Kriteriumsvalidit\u00e4t \u00fcber den Zusammenhang mit dem Salzburger Lesescreening, einer fr\u00fcheren Version des SLRT und dem Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils erschlossen. Auch beim Rechtschreibtest wurde das Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils zur Validierung hinzugezogen. Die erhaltenen Werte sprechen f\u00fcr eine hohe Validit\u00e4t, sodass der Test als valides Messinstrument f\u00fcr Lese- und Rechtschreibleistung gelten kann.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung fand in den Jahren 2006 bis 2008 statt. Die Stichprobe setzt sich vor allem aus Schulen in T\u00fcbingen (Baden-W\u00fcrttemberg) zusammen; erg\u00e4nzend wurden Schulen aus Schleswig-Holstein und Salzburg einbezogen (N = 1'747 f\u00fcr den Lesetest 1.-6. Klasse, N = 241 f\u00fcr den Lesetest Erwachsene, N = 3\u2019689 f\u00fcr den Rechtschreibtest 1.-4. Klasse). Zwischen 2012 und 2013 wurden zus\u00e4tzlich 343 Sch\u00fcler:innen von Grazer Schulen f\u00fcr die Rechtschreibtestnormierung der zweiten H\u00e4lfte der ersten Klasse miteinbezogen (Neuauflage des Tests). Genaue Angaben zur Stichprobenzusammensetzung und Repr\u00e4sentativit\u00e4t werden nicht aufgef\u00fchrt.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Moll, K. &amp; Landerl, K. (2009). Double dissociation between reading and spelling deficits. <em>Scientific Studies of Reading, 13<\/em>, 359-382. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/10888430903162878\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/10888430903162878<\/a><\/li>\r\n \t<li>Moll, K. &amp; Landerl, K. (2014). <em>SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest. Weiterentwicklung des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (SLRT)<\/em> (2. korr. Auflage). Hans Huber.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wimmer, H. &amp; Mayringer, H. (2002). Dysfluent reading in the absence of spelling difficulties: A specific disability in regular orthographies. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Journal of Educational Psychology, 94<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(2), 272-277. <\/span><a style=\"font-size: 14pt\" href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/0022-0663.94.2.272\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0022-0663.94.2.272<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102780380205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102780380205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Kristina Moll und Karin Landerl (2014)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-258\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/SLRT-II-Lese-und-Rechtschreibtest.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"363\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>1. bis 5. Klasse (Rechtschreibtest) bzw. 6. Klasse und junge Erwachsene (Lesefl\u00fcssigkeitstest)<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der SLRT-II wurde entwickelt, um die differenzierte Erfassung von Lese- und Rechtschreibleistungen im Rahmen des Schriftspracherwerbs standardisiert zu erheben. Er dient insbesondere dazu, spezifische Defizite im Lesen und Schreiben zu identifizieren. Der Test differenziert im unteren und mittleren Bereich zuverl\u00e4ssig; f\u00fcr \u00fcberdurchschnittliche Leistungen differenziert er (v.a. der Rechtschreibtest) nur bedingt.<\/p>\n<p>Der Test gliedert sich in zwei Hauptteile, die unterschiedliche Aspekte der Schriftsprachkompetenz erfassen. Der erste Teil ist ein Ein-Minuten-Lesefl\u00fcssigkeitstest, der im Einzelsetting durchgef\u00fchrt wird. Er misst zentrale Prozesse des Lesens: das synthetische, lautierende Lesen sowie die automatische, direkte Worterkennung. Der Subtest Pseudowortlesen erfasst dabei das lautierende Lesen, indem innerhalb einer Minute m\u00f6glichst viele Pseudow\u00f6rter korrekt vorgelesen werden. Der Subtest Wortlesen erm\u00f6glicht die Erfassung der automatischen Worterkennung. Beide Subtests umfassen 156 Items mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Tests ist ein Rechtschreibtest, der im Einzel- oder Gruppensetting durchgef\u00fchrt werden kann. Die Aufgaben bestehen aus L\u00fcckentexten, in die die diktierten W\u00f6rter korrekt eingesetzt werden m\u00fcssen (Paper and Pencil). Die Items sind hinsichtlich ihrer Schwierigkeit gestuft, sodass sich ein differenziertes Leistungsprofil ergibt. Eine getrennte Erfassung von lauttreuer und orthografisch korrekter Schreibung wird in der Auswertung differenziert ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung des Lesefl\u00fcssigkeitstests ist mit einem Zeitaufwand von etwa f\u00fcnf Minuten sehr \u00f6konomisch; die anschliessende Auswertung nimmt ebenfalls rund f\u00fcnf Minuten in Anspruch. F\u00fcr den Rechtschreibtest betr\u00e4gt die Durchf\u00fchrungsdauer etwa 20 bis 30 Minuten, w\u00e4hrend f\u00fcr die Auswertung zus\u00e4tzlich etwa f\u00fcnf bis zehn Minuten einzuplanen sind.<\/p>\n<p>Der Test dient als Grundlage f\u00fcr weiterf\u00fchrende diagnostische Entscheidungen sowie f\u00fcr die Planung und Durchf\u00fchrung gezielter F\u00f6rdermassnahmen. Der Test kann im psychologischen sowie p\u00e4dagogischen Kontext eingesetzt werden, um Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu erfassen. Der Rechtschreib- sowie Lesetest liegt jeweils in zwei Versionen vor, was eine \u00dcberpr\u00fcfung des Lernfortschritts erm\u00f6glicht.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Der SLRT-II basiert auf der Annahme einer Doppeldissoziation bei Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben. Demnach k\u00f6nnen Defizite in beiden Bereichen auch getrennt voneinander auftreten, was eine differenzierte diagnostische Betrachtung beider Bereiche erforderlich macht (Moll &amp; Landerl, 2009; Wimmer &amp; Mayringer, 2002).<\/p>\n<p>F\u00fcr das Lesen werden zwei zentrale Prozesse unterschieden: das synthetische, lautierende Lesen (von Buchstaben zu gr\u00f6sseren Einheiten, wie z.B. Silben oder W\u00f6rter) und die automatische Worterkennung (gespeicherte Wortrepr\u00e4sentationen im Ged\u00e4chtnis). W\u00e4hrend unbekannte W\u00f6rter vorwiegend durch synthetisches Lesen erschlossen werden, erm\u00f6glicht die automatische Worterkennung ein schnelles Erfassen vertrauter W\u00f6rter.<\/p>\n<p>Auch im Rechtschreiben werden zwei Prozesse aufgezeigt: das lautorientierte Schreiben (Laute zu Buchstaben) und das orthografische Schreiben (korrektes Schreiben). Lautorientiertes Schreiben kommt insbesondere bei unbekannten W\u00f6rtern zum Einsatz, w\u00e4hrend bei bekannten W\u00f6rtern auf gespeicherte orthografische Muster zur\u00fcckgegriffen wird.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Im Manual des SLRT-II werden die Durchf\u00fchrung des Tests, die Auswertung der erhobenen Daten sowie die Interpretation der Ergebnisse ausf\u00fchrlich und nachvollziehbar beschrieben. F\u00fcr die Auswertung wurden klare Regeln und Beispiele erarbeitet, die einzuhalten sind. Durch die Einhaltung der vorgegebenen Anweisungen kann die Objektivit\u00e4t als gegeben gelten.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Reliabilit\u00e4t wurde im SLRT-II f\u00fcr beide Untertests (Lesen und Rechtschreiben) jeweils einzeln berechnet. F\u00fcr den Lesetest wurde f\u00fcr jede Schulstufe die Paralleltestreliabilit\u00e4t berechnet. Die Ergebnisse liegen \u00fcber alle Stufen hinweg bei r<sub>tt<\/sub> = .90 bis .98.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rechtschreibtest wurde eine Itemanalyse durchgef\u00fchrt, um die entsprechenden Schwierigkeitsindizes der beiden Testformen zu ermitteln. Die beiden Versionen des Tests unterscheiden sich in Bezug auf den Schwierigkeitsindex nicht signifikant voneinander (alle\u00a0p\u00a0&gt; .10). Die Interraterreliabilit\u00e4t bei der Auswertung von N- und O-Fehlern ergab einen Koeffizienten von r = .998 (bei der Bewertung von O-Fehlern). Die Retestreliabilit\u00e4t nach ca. f\u00fcnf Wochen liegt bei r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .97. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t zwischen den beiden Testversionen A und B weist Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .67 bis .86 auf.<\/p>\n<p>Die berichteten Kennwerte weisen mehrheitlich eine ausreichende bis hohe Messgenauigkeit auf. Einzig der Wert f\u00fcr die Paralleltestreliabilit\u00e4t beim Rechtschreibtest f\u00fcr die zweite Klassenstufe (r<sub>tt<\/sub> = .67) ist als niedrig zu bewerten.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des SRLT-II wird als gegeben beschrieben, da f\u00fcr die Leseleistung entsprechende Leseaufgaben und f\u00fcr die Rechtschreibleistung ein konkreter Rechtschreibtest durchgef\u00fchrt werden. F\u00fcr den Lesetest wurde die Kriteriumsvalidit\u00e4t \u00fcber den Zusammenhang mit dem Salzburger Lesescreening, einer fr\u00fcheren Version des SLRT und dem Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils erschlossen. Auch beim Rechtschreibtest wurde das Aussenkriterium des Lehrpersonenurteils zur Validierung hinzugezogen. Die erhaltenen Werte sprechen f\u00fcr eine hohe Validit\u00e4t, sodass der Test als valides Messinstrument f\u00fcr Lese- und Rechtschreibleistung gelten kann.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung fand in den Jahren 2006 bis 2008 statt. Die Stichprobe setzt sich vor allem aus Schulen in T\u00fcbingen (Baden-W\u00fcrttemberg) zusammen; erg\u00e4nzend wurden Schulen aus Schleswig-Holstein und Salzburg einbezogen (N = 1&#8217;747 f\u00fcr den Lesetest 1.-6. Klasse, N = 241 f\u00fcr den Lesetest Erwachsene, N = 3\u2019689 f\u00fcr den Rechtschreibtest 1.-4. Klasse). Zwischen 2012 und 2013 wurden zus\u00e4tzlich 343 Sch\u00fcler:innen von Grazer Schulen f\u00fcr die Rechtschreibtestnormierung der zweiten H\u00e4lfte der ersten Klasse miteinbezogen (Neuauflage des Tests). Genaue Angaben zur Stichprobenzusammensetzung und Repr\u00e4sentativit\u00e4t werden nicht aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Moll, K. &amp; Landerl, K. (2009). Double dissociation between reading and spelling deficits. <em>Scientific Studies of Reading, 13<\/em>, 359-382. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/10888430903162878\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/10888430903162878<\/a><\/li>\n<li>Moll, K. &amp; Landerl, K. (2014). <em>SLRT-II Lese- und Rechtschreibtest. Weiterentwicklung des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (SLRT)<\/em> (2. korr. Auflage). Hans Huber.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wimmer, H. &amp; Mayringer, H. (2002). Dysfluent reading in the absence of spelling difficulties: A specific disability in regular orthographies. <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Journal of Educational Psychology, 94<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(2), 272-277. <\/span><a style=\"font-size: 14pt\" href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/0022-0663.94.2.272\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0022-0663.94.2.272<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102780380205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990102780380205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kristina Moll und Karin Landerl (2014) &nbsp; Einsatzbereich 1. bis 5. Klasse (Rechtschreibtest) bzw. 6. Klasse und junge Erwachsene (Lesefl\u00fcssigkeitstest) Einzel- oder Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":36,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[78,77,67,75,71,74],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-256","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-heil-und-sonderpaedagogische-diagnostik","category-klinische-diagnostik","category-lesen","category-03-mittelstufe","category-schreiben","category-02-unterstufe"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":682,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/256\/revisions\/682"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/256\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=256"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=256"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=256"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}