{"id":218,"date":"2026-07-27T13:58:15","date_gmt":"2026-07-27T11:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=218"},"modified":"2026-10-09T14:00:35","modified_gmt":"2026-10-09T12:00:35","slug":"lesegeschwindigkeits-und-verstaendnistest-fuer-die-klassen-5-12-lgvt5-12","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/lesegeschwindigkeits-und-verstaendnistest-fuer-die-klassen-5-12-lgvt5-12\/","title":{"raw":"Lesegeschwindigkeits- und -verst\u00e4ndnistest f\u00fcr die Klassen 5-12 (LGVT5-12+)+","rendered":"Lesegeschwindigkeits- und -verst\u00e4ndnistest f\u00fcr die Klassen 5-12 (LGVT5-12+)+"},"content":{"raw":"von Wolfgang Schneider, Matthias Schlagm\u00fcller und Marco Ennemoser (2017)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-215 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/LGVT5-12.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"320\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>5. bis 13. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen in Bezug auf die Vorg\u00e4ngerversion LGVT 6-12 vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer LGVT 5-12+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren zur Erfassung von Lesekompetenzen (Leseverst\u00e4ndnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit) f\u00fcr die 5. bis 13. Klasse. Das Instrument ist als \u00f6konomischer Einzel- oder Gruppentest konzipiert und findet Anwendung in der schulischen F\u00f6rderdiagnostik, der differenzierten Leistungsstanderhebung durch Fachpersonen sowie in der Forschung. Die genannten Aspekte des Lesens gelten als wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr den schulischen und beruflichen Erfolg, weshalb das Verfahren der gezielten Identifikation von F\u00f6rderbedarfen dient.\r\n\r\nDie Durchf\u00fchrung des Paper-Pencil-Verfahrens inklusive Instruktion dauert etwa 12 Minuten, wobei die reine Bearbeitungszeit auf sechs Minuten begrenzt ist. F\u00fcr die Testung stehen drei Paralleltextversionen (\u201eRosenkohltext\u201c, \u201eLaufburschentext\u201c und \u201eT\u00f6chtertext\u201c) mit einem Umfang von jeweils rund 2'000 W\u00f6rtern zur Verf\u00fcgung. Die Aufgabe der Lernenden besteht darin, beim Lesen eines Fliesstextes an 47 Stellen die passende Erg\u00e4nzung aus drei vorgegebenen M\u00f6glichkeiten auszuw\u00e4hlen. Dieses Format erm\u00f6glicht eine objektive und zeit\u00f6konomische \u00dcberpr\u00fcfung der zentralen Teilkomponenten des Lesens bei Einzelpersonen oder ganzen Klassen.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDie theoretische Basis des LGVT 5-12+ bilden gesicherte Erkenntnisse zur Entwicklung der Lesekompetenz, wonach auf eine gefestigte alphabetische Strategie der Erwerb einer orthografischen Strategie folgt. Dieser Prozess ist durch die simultane Erfassung gr\u00f6sserer Einheiten (Silben, W\u00f6rter) sowie durch eine zunehmende Automatisierung des Lesevorgangs gekennzeichnet. Erst diese Automatisierung erm\u00f6glicht es, den Fokus der kognitiven T\u00e4tigkeit von der Dekodierung auf die eigentliche Sinnentnahme zu verschieben.\r\n\r\nDas Verfahren versteht Lesen dabei als aktive Konstruktionsleistung, bei der Leser:innen Textinhalte eigenst\u00e4ndig mit ihrem Vor- und Weltwissen verkn\u00fcpfen (vgl. Artelt et al. 2005; Scheerer-Neumann, 2015). Die Testkonstruktion folgt zudem der Erkenntnis, dass bei leseschwachen Personen unzureichende technische Leseleistungen (Dekodierung) erhebliche kognitive Ressourcen binden. Dies f\u00fchrt nicht nur zu einer reduzierten Lesegeschwindigkeit, sondern schr\u00e4nkt auch die Kapazit\u00e4ten zur aktiven Informationsentnahme ein. Damit sind die Testinhalte unmittelbar aus aktuellen Modellen der Leseforschung hergeleitet und theoretisch fundiert.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des LGVT 5-12+ wird durch die wortgetreue Wiedergabe der im Manual festgelegten Instruktionen sichergestellt. Klare Anweisungen zur Auswertung der Antworten (Richtig-Falsch-Klassifikation) gew\u00e4hrleisten die Auswertungsobjektivit\u00e4t, w\u00e4hrend umfassende Normtabellen als objektive Grundlage f\u00fcr die Interpretation dienen. Bei strikter Einhaltung der Vorgaben zur Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation ist die Objektivit\u00e4t des Verfahrens gegeben.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Retestreliabilit\u00e4t nach einem Intervall von sechs Wochen liegt in einem hohen Bereich zwischen r<sub>tt<\/sub> = .72 und .89. Dabei werden f\u00fcr das Leseverst\u00e4ndnis Werte von r<sub>tt<\/sub> = .82 bis .89, f\u00fcr die Lesegeschwindigkeit von r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .82 und f\u00fcr die Lesegenauigkeit von r<sub>tt<\/sub> = .72 bis .82 berichtet. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t wurde exemplarisch f\u00fcr die 9. Klassenstufe untersucht und liegt zwischen r<sub>tt<\/sub> = .78 und .83. Dabei wurden nur die Lesegeschwindigkeit und das Leseverst\u00e4ndnis untersucht und nicht alle Texte wurden miteinander verglichen.\r\n\r\nDer LGVT 5-12+ kann insgesamt als reliables Messinstrument eingestuft werden, wenngleich die Datenbasis zur Paralleltesreliabilit\u00e4t punktuelle L\u00fccken aufweist.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Validierung des Verfahrens st\u00fctzt sich massgeblich auf die Ergebnisse der Vorg\u00e4ngerversion (LGVT 6-12), da Vergleiche mit aktuellen Daten (z.B. PULSS-Studie; Schneider, Preckel &amp; Stumpf, 2014) eine hohe \u00dcbereinstimmung belegen. Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Validit\u00e4t des LGVT 6-12 berichtet:\r\n\r\nDie Kriteriumsvalidit\u00e4t wird durch Korrelationen mit der PISA-Studie sowie Bez\u00fcge zur Hamburger Schreibprobe (HSP), zur Intelligenz (CFT 20), zur Anzahl B\u00fccher zu Hause, zum Leseinteresse und zum W\u00fcrzburger Lesestrategie-Wissenstest (WLST 7-12) gest\u00fctzt. Die Validit\u00e4tskennwerte f\u00fcr das Leseverst\u00e4ndnis sind ausreichend bis hoch; die Werte bei der Lesegeschwindigkeit fallen mit r = .16 bis .37 niedriger aus, was auf eine Diskrepanz zwischen hoher Lesegeschwindigkeit und tiefem Leseverst\u00e4ndnis in bestimmten Sch\u00fclergruppen zur\u00fcckgef\u00fchrt wird.\r\n\r\nSofern die Validit\u00e4tsbefunde der Vorg\u00e4ngerversion auf das aktuelle Verfahren \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, stellt der LGVT 5-12+ ein mehrheitlich valides Instrument dar.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung basiert auf einer repr\u00e4sentativen Stichprobe von 7'142 Sch\u00fcler:innen aus 13 deutschen Bundesl\u00e4ndern (Erhebung 2013). Die Stichprobe wurde repr\u00e4sentativ nach Geschlecht, Schulform und Standort gezogen. Es liegen T-Werte und Prozentr\u00e4nge f\u00fcr die Skalen Leseverst\u00e4ndnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit vor.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Artelt, C., McElvany, N., Christmann, U., Groeben, N., K\u00f6ster, J., Schneider, W., Stanat, P., Ostermeier, C., Schiefele, U., Valtin, R. &amp; Ring, K. (2005). <em>Expertise \u2013 F\u00f6rderung von Lesekompetenz<\/em>. Bonn: Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung.<\/li>\r\n \t<li>Scheerer-Neumann, G. (2015). <em>Lese-Rechtschreibschw\u00e4che und Legasthenie \u2013 Grundlagen, Diagnostik und F\u00f6rderung<\/em>. Kohlhammer.<\/li>\r\n \t<li>Schneider, W., Preckel, F. &amp; Stumpf, E. (Hrsg.). (2014). <em>Hochbegabtenf\u00f6rderung in der Sekundarstufe. Ergebnisse der PULSS-Studie zur Untersuchung der gymnasialen Begabtenklassen in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg<\/em>. Karg-Stiftung.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Schneider, W., Schlagm\u00fcller, M. &amp; Ennenmoser, M. (2017). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Lesegeschwindigkeits- und -verst\u00e4ndnistest f\u00fcr die Klassen 5-12 (LGVT 5-12+) <\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(2. Aufl.)<\/span><em style=\"font-size: 14pt\">.<\/em><span style=\"font-size: 14pt\"> Hogrefe.<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110934850205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110934850205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Wolfgang Schneider, Matthias Schlagm\u00fcller und Marco Ennemoser (2017)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-215\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/LGVT5-12.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"320\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>5. bis 13. Klasse<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen in Bezug auf die Vorg\u00e4ngerversion LGVT 6-12 vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der LGVT 5-12+ ist ein standardisiertes diagnostisches Verfahren zur Erfassung von Lesekompetenzen (Leseverst\u00e4ndnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit) f\u00fcr die 5. bis 13. Klasse. Das Instrument ist als \u00f6konomischer Einzel- oder Gruppentest konzipiert und findet Anwendung in der schulischen F\u00f6rderdiagnostik, der differenzierten Leistungsstanderhebung durch Fachpersonen sowie in der Forschung. Die genannten Aspekte des Lesens gelten als wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr den schulischen und beruflichen Erfolg, weshalb das Verfahren der gezielten Identifikation von F\u00f6rderbedarfen dient.<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung des Paper-Pencil-Verfahrens inklusive Instruktion dauert etwa 12 Minuten, wobei die reine Bearbeitungszeit auf sechs Minuten begrenzt ist. F\u00fcr die Testung stehen drei Paralleltextversionen (\u201eRosenkohltext\u201c, \u201eLaufburschentext\u201c und \u201eT\u00f6chtertext\u201c) mit einem Umfang von jeweils rund 2&#8217;000 W\u00f6rtern zur Verf\u00fcgung. Die Aufgabe der Lernenden besteht darin, beim Lesen eines Fliesstextes an 47 Stellen die passende Erg\u00e4nzung aus drei vorgegebenen M\u00f6glichkeiten auszuw\u00e4hlen. Dieses Format erm\u00f6glicht eine objektive und zeit\u00f6konomische \u00dcberpr\u00fcfung der zentralen Teilkomponenten des Lesens bei Einzelpersonen oder ganzen Klassen.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die theoretische Basis des LGVT 5-12+ bilden gesicherte Erkenntnisse zur Entwicklung der Lesekompetenz, wonach auf eine gefestigte alphabetische Strategie der Erwerb einer orthografischen Strategie folgt. Dieser Prozess ist durch die simultane Erfassung gr\u00f6sserer Einheiten (Silben, W\u00f6rter) sowie durch eine zunehmende Automatisierung des Lesevorgangs gekennzeichnet. Erst diese Automatisierung erm\u00f6glicht es, den Fokus der kognitiven T\u00e4tigkeit von der Dekodierung auf die eigentliche Sinnentnahme zu verschieben.<\/p>\n<p>Das Verfahren versteht Lesen dabei als aktive Konstruktionsleistung, bei der Leser:innen Textinhalte eigenst\u00e4ndig mit ihrem Vor- und Weltwissen verkn\u00fcpfen (vgl. Artelt et al. 2005; Scheerer-Neumann, 2015). Die Testkonstruktion folgt zudem der Erkenntnis, dass bei leseschwachen Personen unzureichende technische Leseleistungen (Dekodierung) erhebliche kognitive Ressourcen binden. Dies f\u00fchrt nicht nur zu einer reduzierten Lesegeschwindigkeit, sondern schr\u00e4nkt auch die Kapazit\u00e4ten zur aktiven Informationsentnahme ein. Damit sind die Testinhalte unmittelbar aus aktuellen Modellen der Leseforschung hergeleitet und theoretisch fundiert.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des LGVT 5-12+ wird durch die wortgetreue Wiedergabe der im Manual festgelegten Instruktionen sichergestellt. Klare Anweisungen zur Auswertung der Antworten (Richtig-Falsch-Klassifikation) gew\u00e4hrleisten die Auswertungsobjektivit\u00e4t, w\u00e4hrend umfassende Normtabellen als objektive Grundlage f\u00fcr die Interpretation dienen. Bei strikter Einhaltung der Vorgaben zur Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation ist die Objektivit\u00e4t des Verfahrens gegeben.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Retestreliabilit\u00e4t nach einem Intervall von sechs Wochen liegt in einem hohen Bereich zwischen r<sub>tt<\/sub> = .72 und .89. Dabei werden f\u00fcr das Leseverst\u00e4ndnis Werte von r<sub>tt<\/sub> = .82 bis .89, f\u00fcr die Lesegeschwindigkeit von r<sub>tt<\/sub> = .80 bis .82 und f\u00fcr die Lesegenauigkeit von r<sub>tt<\/sub> = .72 bis .82 berichtet. Die Paralleltestreliabilit\u00e4t wurde exemplarisch f\u00fcr die 9. Klassenstufe untersucht und liegt zwischen r<sub>tt<\/sub> = .78 und .83. Dabei wurden nur die Lesegeschwindigkeit und das Leseverst\u00e4ndnis untersucht und nicht alle Texte wurden miteinander verglichen.<\/p>\n<p>Der LGVT 5-12+ kann insgesamt als reliables Messinstrument eingestuft werden, wenngleich die Datenbasis zur Paralleltesreliabilit\u00e4t punktuelle L\u00fccken aufweist.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Validierung des Verfahrens st\u00fctzt sich massgeblich auf die Ergebnisse der Vorg\u00e4ngerversion (LGVT 6-12), da Vergleiche mit aktuellen Daten (z.B. PULSS-Studie; Schneider, Preckel &amp; Stumpf, 2014) eine hohe \u00dcbereinstimmung belegen. Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Validit\u00e4t des LGVT 6-12 berichtet:<\/p>\n<p>Die Kriteriumsvalidit\u00e4t wird durch Korrelationen mit der PISA-Studie sowie Bez\u00fcge zur Hamburger Schreibprobe (HSP), zur Intelligenz (CFT 20), zur Anzahl B\u00fccher zu Hause, zum Leseinteresse und zum W\u00fcrzburger Lesestrategie-Wissenstest (WLST 7-12) gest\u00fctzt. Die Validit\u00e4tskennwerte f\u00fcr das Leseverst\u00e4ndnis sind ausreichend bis hoch; die Werte bei der Lesegeschwindigkeit fallen mit r = .16 bis .37 niedriger aus, was auf eine Diskrepanz zwischen hoher Lesegeschwindigkeit und tiefem Leseverst\u00e4ndnis in bestimmten Sch\u00fclergruppen zur\u00fcckgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Sofern die Validit\u00e4tsbefunde der Vorg\u00e4ngerversion auf das aktuelle Verfahren \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, stellt der LGVT 5-12+ ein mehrheitlich valides Instrument dar.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung basiert auf einer repr\u00e4sentativen Stichprobe von 7&#8217;142 Sch\u00fcler:innen aus 13 deutschen Bundesl\u00e4ndern (Erhebung 2013). Die Stichprobe wurde repr\u00e4sentativ nach Geschlecht, Schulform und Standort gezogen. Es liegen T-Werte und Prozentr\u00e4nge f\u00fcr die Skalen Leseverst\u00e4ndnis, Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit vor.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Artelt, C., McElvany, N., Christmann, U., Groeben, N., K\u00f6ster, J., Schneider, W., Stanat, P., Ostermeier, C., Schiefele, U., Valtin, R. &amp; Ring, K. (2005). <em>Expertise \u2013 F\u00f6rderung von Lesekompetenz<\/em>. Bonn: Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung.<\/li>\n<li>Scheerer-Neumann, G. (2015). <em>Lese-Rechtschreibschw\u00e4che und Legasthenie \u2013 Grundlagen, Diagnostik und F\u00f6rderung<\/em>. Kohlhammer.<\/li>\n<li>Schneider, W., Preckel, F. &amp; Stumpf, E. (Hrsg.). (2014). <em>Hochbegabtenf\u00f6rderung in der Sekundarstufe. Ergebnisse der PULSS-Studie zur Untersuchung der gymnasialen Begabtenklassen in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg<\/em>. Karg-Stiftung.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Schneider, W., Schlagm\u00fcller, M. &amp; Ennenmoser, M. (2017). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Lesegeschwindigkeits- und -verst\u00e4ndnistest f\u00fcr die Klassen 5-12 (LGVT 5-12+) <\/em><span style=\"font-size: 14pt\">(2. Aufl.)<\/span><em style=\"font-size: 14pt\">.<\/em><span style=\"font-size: 14pt\"> Hogrefe.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110934850205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110934850205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Schneider, Matthias Schlagm\u00fcller und Marco Ennemoser (2017) &nbsp; Einsatzbereich 5. bis 13. Klasse Einzel- oder Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. Belege zur Validit\u00e4t liegen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":28,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[78,77,67,75,76],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-218","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-heil-und-sonderpaedagogische-diagnostik","category-klinische-diagnostik","category-lesen","category-03-mittelstufe","category-04-oberstufe"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":675,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/218\/revisions\/675"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/218\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=218"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=218"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=218"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}