{"id":157,"date":"2026-07-27T11:52:03","date_gmt":"2026-07-27T09:52:03","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=157"},"modified":"2026-10-09T13:58:45","modified_gmt":"2026-10-09T11:58:45","slug":"lernfortschrittsdiagnostik-lesen-ldl","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/lernfortschrittsdiagnostik-lesen-ldl\/","title":{"raw":"Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL)","rendered":"Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL)"},"content":{"raw":"von J\u00fcrgen Walter (2010)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-159 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/Lernfortschrittsdiagnostik-Lesen.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"318\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>1. bis 9. Klasse und Altersklassen 10-11, 12-13, 14-15 der Sonderschule<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse in Regelschulen sind zuberl\u00e4ssig, f\u00fcr die Sonderschule ist die Reliabilit\u00e4t (noch) nicht \u00fcberpr\u00fcft.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDie Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL) dient der Erfassung der allgemeinen Lesef\u00e4higkeit von Kindern und Jugendlichen. Ihr prim\u00e4rer Anwendungsbereich liegt in der kontinuierlichen Lernverlaufs- bzw. Lernfortschrittsdiagnostik f\u00fcr Sch\u00fcler:innen der 1. bis 9. Klasse sowie f\u00fcr Sch\u00fcler:innen in Sonderschulen. Dar\u00fcber hinaus findet die LDL Anwendung in LRS-F\u00f6rderkursen, Alphabetisierungskursen oder in der Forschung. Durch den Einsatz von 28 Paralleltests erm\u00f6glicht das Verfahren eine kontinuierliche und systematische F\u00f6rderung des Lesens sowie die Evaluation des Unterrichts. Die Verlaufsdaten k\u00f6nnen zur Erstellung individueller F\u00f6rderpl\u00e4ne verwendet werden.\r\n\r\nDas Verfahren ist als Einzeltest konzipiert und zeichnet sich durch eine sehr \u00f6konomische Durchf\u00fchrung aus, die inklusive Instruktion und Auswertung etwa zwei Minuten beansprucht. Die Sch\u00fcler:innen lesen dabei jeweils f\u00fcr eine Minute einen der 28 Lesetexte laut vor. Die Texte stammen aus einem Kinder- und Jugendbuch (Meyer &amp; Meyer, 1996), wodurch ein vergleichbarer Schwierigkeitsgrad der einzelnen Texte sichergestellt wird.\r\n\r\nW\u00e4hrend des Lesevorgangs protokolliert die testleitende Person die falsch gelesenen W\u00f6rter. Falls ein Wort nicht selbstst\u00e4ndig erlesen werden kann, wird nach drei Sekunden eine Hilfestellung gegeben und das entsprechende Wort als Fehler markiert. Als zentraler Indikator f\u00fcr die Lesekompetenz dient schliesslich die Summe der innerhalb einer Minute korrekt gelesenen W\u00f6rter.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDie LDL integriert zwei zentrale Perspektiven der Lesekompetenz: die technischen Prozesse der Worterkennung (Bottom-Up) sowie die komplexere Informationsverarbeitung (Top-Down) (vgl. Shankweiler et al., 1999). Das Verfahren basiert massgeblich auf dem \u00abSimple View of Reading\u00bb Modell, nach dem die gesamte Leseleistung als Produkt aus der Dekodierf\u00e4higkeit und dem sprachlichen Verstehen betrachtet wird. Ein mangelndes Textverst\u00e4ndnis resultiert demnach aus Defiziten in der Dekodierung, dem Sprachverst\u00e4ndnis oder einer Kombination aus beiden Faktoren. Das Modell des Simple View of Reading wird durch wissenschaftliche Befunde gest\u00fctzt, die zeigen, dass dieses Zusammenspiel einen Grossteil der Leistungsunterschiede im Leseverst\u00e4ndnis in den fr\u00fchen Schuljahren erkl\u00e4rt (vgl. Hoover &amp; Gough, 1990).\r\n\r\nEin wesentlicher theoretischer Aspekt ist die notwendige Automatisierung der Wortleseprozesse. Wenn Sch\u00fcler:innen Texte stockend oder fehlerhaft lesen, beansprucht dies die gesamte Kapazit\u00e4t des Arbeitsged\u00e4chtnisses. Dies verhindert, dass Kinder Informationen zu Sinneinheiten verkn\u00fcpfen, ihr Vorwissen aktivieren oder eigenst\u00e4ndige Korrekturprozesse einleiten k\u00f6nnen. Erst wenn die technischen Abl\u00e4ufe automatisiert sind, wird bei den Lernenden gen\u00fcgend kognitive Kapazit\u00e4t f\u00fcr das eigentliche Sinnverstehen frei (vgl. Reynolds, 2000).\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Objektivit\u00e4t der LDL ist auf den Ebenen der Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation gegeben, sofern die Anweisungen und Anleitungen im Manual genau befolgt werden. Der Auswertungs- und Interpretationsprozess wird durch praxisnahe Beispiele im Manual unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend die bereitgestellten Normtabellen eine objektive Einordnung der Leistungen erm\u00f6glichen. Insgesamt ist das Verfahren als objektiv einzustufen, sofern die standardisierten Vorgaben konsequent eingehalten werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Messgenauigkeit wurde prim\u00e4r anhand der Paralleltestreliabilit\u00e4t ermittelt, wobei eine systematische und gleichm\u00e4ssig verteilte Anwendung der 28 Textformen eine hohe Vergleichbarkeit sicherstellte. Insgesamt liegt der Wert f\u00fcr die Grundschule in einem sehr hohen Bereich bei r<sub>tt<\/sub> = .91; die einzelnen Klassenstufen bewegen sich zwischen r<sub>tt<\/sub> = .84 und .90. Die Ergebnisse der Hauptschule zeigen einen Gesamtwert von r<sub>tt<\/sub> = .80. Die einzelnen Klassenstufen weisen ausreichende bis hohe Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .76 und .85 auf. Die Reliabilit\u00e4t wurde in der Sonderschule nicht \u00fcberpr\u00fcft. Zusammenfassend weist die LDL eine hohe Zuverl\u00e4ssigkeit auf und liefert stabile Ergebnisse f\u00fcr die Verlaufsdiagnostik bei Sch\u00fcler:innen der Grund- und Hauptschule. F\u00fcr die Sonderschule werden keine Werte berichtet.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Validit\u00e4t wurde durch Vergleiche mit etablierten Lesetests (ELFE 1-6, KNUSPEL-L, SLS 1-4 und WLLP) best\u00e4tigt, wobei sich insbesondere in der Primarstufe starke Zusammenh\u00e4nge zeigen. Auch f\u00fcr die Sonderschulen wurden mittlere bis hohe Korrelationen mit dem KNUSPEL-L und ELFE 1-6 nachgewiesen. In den h\u00f6heren Klassenstufen der Hauptschule fallen die Korrelationen mit den Aussenkriterien des LGVT 6-12 tiefer aus, liegen jedoch im erwarteten Bereich. Analysen zur klassifikatorischen Validit\u00e4t belegen zudem, dass das Verfahren Kinder mit besonderem F\u00f6rderbedarf in Randbereichen der Leistungsskala (den schw\u00e4chsten 24%) zuverl\u00e4ssig identifiziert (Vergleich mit ELFE 1-6 und KNUSPEL-L). Damit erweist sich die LDL insgesamt als ein valides Instrument zur \u00dcberpr\u00fcfung des Leseniveaus und der individuellen Lernfortschritte.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Normierung der LDL erfolgte zwischen 2007 und 2009 jeweils zur Mitte des Schuljahres an einer Stichprobe von 1'652 Sch\u00fcler:innen. Es liegen Prozentrangnormen und T-Werte vor, die nach Klassenstufen f\u00fcr Grund- und Hauptschulen sowie nach Altersgruppen f\u00fcr Lernende an Sonderschulen differenziert sind.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Hoover, W. A. &amp; Gough, P. B. (1990). The simple view of reading. <em>Reading and Writing, 2<\/em>, 127-160. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF00401799\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF00401799<\/a><\/li>\r\n \t<li>Meyer, P. &amp; Meyer, K. (1996). <em>Und nachts rollern die Hunde<\/em>. Hamburg: Oettinger.<\/li>\r\n \t<li>Reynolds, R. E. (2000). Attentional resource emancipation: Toward understanding the interaction of word identification and comprehension processes in reading. <em>Scientific Studies of Reading, 4<\/em>, 169-195. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/S1532799XSSR0403_1\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/S1532799XSSR0403_1<\/a><\/li>\r\n \t<li>Shankweiler, D., Lundquist, E., Katz, L., Stuebing, K. K., Flechtcher, J. M., Brady, S., Fowler, A., Dreyer, L. G., Marchione, K. E., Shaywitz, S. E. &amp; Shaywitz, B. A. (1999). Comprehension and decoding: Patterns of association in children with reading difficulties. <em>Scientific Studies of Reading, 3<\/em>(1), 69-94. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s1532799xssr0301_4\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s1532799xssr0301_4<\/a><\/li>\r\n \t<li>Walter, J. (2010). <em>Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL)<\/em>. G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990073558080205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990073558080205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von J\u00fcrgen Walter (2010)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-159\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/Lernfortschrittsdiagnostik-Lesen.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"318\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>1. bis 9. Klasse und Altersklassen 10-11, 12-13, 14-15 der Sonderschule<\/li>\n<li>Einzeltest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse in Regelschulen sind zuberl\u00e4ssig, f\u00fcr die Sonderschule ist die Reliabilit\u00e4t (noch) nicht \u00fcberpr\u00fcft.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t sind vorhanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Die Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL) dient der Erfassung der allgemeinen Lesef\u00e4higkeit von Kindern und Jugendlichen. Ihr prim\u00e4rer Anwendungsbereich liegt in der kontinuierlichen Lernverlaufs- bzw. Lernfortschrittsdiagnostik f\u00fcr Sch\u00fcler:innen der 1. bis 9. Klasse sowie f\u00fcr Sch\u00fcler:innen in Sonderschulen. Dar\u00fcber hinaus findet die LDL Anwendung in LRS-F\u00f6rderkursen, Alphabetisierungskursen oder in der Forschung. Durch den Einsatz von 28 Paralleltests erm\u00f6glicht das Verfahren eine kontinuierliche und systematische F\u00f6rderung des Lesens sowie die Evaluation des Unterrichts. Die Verlaufsdaten k\u00f6nnen zur Erstellung individueller F\u00f6rderpl\u00e4ne verwendet werden.<\/p>\n<p>Das Verfahren ist als Einzeltest konzipiert und zeichnet sich durch eine sehr \u00f6konomische Durchf\u00fchrung aus, die inklusive Instruktion und Auswertung etwa zwei Minuten beansprucht. Die Sch\u00fcler:innen lesen dabei jeweils f\u00fcr eine Minute einen der 28 Lesetexte laut vor. Die Texte stammen aus einem Kinder- und Jugendbuch (Meyer &amp; Meyer, 1996), wodurch ein vergleichbarer Schwierigkeitsgrad der einzelnen Texte sichergestellt wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Lesevorgangs protokolliert die testleitende Person die falsch gelesenen W\u00f6rter. Falls ein Wort nicht selbstst\u00e4ndig erlesen werden kann, wird nach drei Sekunden eine Hilfestellung gegeben und das entsprechende Wort als Fehler markiert. Als zentraler Indikator f\u00fcr die Lesekompetenz dient schliesslich die Summe der innerhalb einer Minute korrekt gelesenen W\u00f6rter.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die LDL integriert zwei zentrale Perspektiven der Lesekompetenz: die technischen Prozesse der Worterkennung (Bottom-Up) sowie die komplexere Informationsverarbeitung (Top-Down) (vgl. Shankweiler et al., 1999). Das Verfahren basiert massgeblich auf dem \u00abSimple View of Reading\u00bb Modell, nach dem die gesamte Leseleistung als Produkt aus der Dekodierf\u00e4higkeit und dem sprachlichen Verstehen betrachtet wird. Ein mangelndes Textverst\u00e4ndnis resultiert demnach aus Defiziten in der Dekodierung, dem Sprachverst\u00e4ndnis oder einer Kombination aus beiden Faktoren. Das Modell des Simple View of Reading wird durch wissenschaftliche Befunde gest\u00fctzt, die zeigen, dass dieses Zusammenspiel einen Grossteil der Leistungsunterschiede im Leseverst\u00e4ndnis in den fr\u00fchen Schuljahren erkl\u00e4rt (vgl. Hoover &amp; Gough, 1990).<\/p>\n<p>Ein wesentlicher theoretischer Aspekt ist die notwendige Automatisierung der Wortleseprozesse. Wenn Sch\u00fcler:innen Texte stockend oder fehlerhaft lesen, beansprucht dies die gesamte Kapazit\u00e4t des Arbeitsged\u00e4chtnisses. Dies verhindert, dass Kinder Informationen zu Sinneinheiten verkn\u00fcpfen, ihr Vorwissen aktivieren oder eigenst\u00e4ndige Korrekturprozesse einleiten k\u00f6nnen. Erst wenn die technischen Abl\u00e4ufe automatisiert sind, wird bei den Lernenden gen\u00fcgend kognitive Kapazit\u00e4t f\u00fcr das eigentliche Sinnverstehen frei (vgl. Reynolds, 2000).<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Objektivit\u00e4t der LDL ist auf den Ebenen der Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation gegeben, sofern die Anweisungen und Anleitungen im Manual genau befolgt werden. Der Auswertungs- und Interpretationsprozess wird durch praxisnahe Beispiele im Manual unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend die bereitgestellten Normtabellen eine objektive Einordnung der Leistungen erm\u00f6glichen. Insgesamt ist das Verfahren als objektiv einzustufen, sofern die standardisierten Vorgaben konsequent eingehalten werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Messgenauigkeit wurde prim\u00e4r anhand der Paralleltestreliabilit\u00e4t ermittelt, wobei eine systematische und gleichm\u00e4ssig verteilte Anwendung der 28 Textformen eine hohe Vergleichbarkeit sicherstellte. Insgesamt liegt der Wert f\u00fcr die Grundschule in einem sehr hohen Bereich bei r<sub>tt<\/sub> = .91; die einzelnen Klassenstufen bewegen sich zwischen r<sub>tt<\/sub> = .84 und .90. Die Ergebnisse der Hauptschule zeigen einen Gesamtwert von r<sub>tt<\/sub> = .80. Die einzelnen Klassenstufen weisen ausreichende bis hohe Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .76 und .85 auf. Die Reliabilit\u00e4t wurde in der Sonderschule nicht \u00fcberpr\u00fcft. Zusammenfassend weist die LDL eine hohe Zuverl\u00e4ssigkeit auf und liefert stabile Ergebnisse f\u00fcr die Verlaufsdiagnostik bei Sch\u00fcler:innen der Grund- und Hauptschule. F\u00fcr die Sonderschule werden keine Werte berichtet.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Validit\u00e4t wurde durch Vergleiche mit etablierten Lesetests (ELFE 1-6, KNUSPEL-L, SLS 1-4 und WLLP) best\u00e4tigt, wobei sich insbesondere in der Primarstufe starke Zusammenh\u00e4nge zeigen. Auch f\u00fcr die Sonderschulen wurden mittlere bis hohe Korrelationen mit dem KNUSPEL-L und ELFE 1-6 nachgewiesen. In den h\u00f6heren Klassenstufen der Hauptschule fallen die Korrelationen mit den Aussenkriterien des LGVT 6-12 tiefer aus, liegen jedoch im erwarteten Bereich. Analysen zur klassifikatorischen Validit\u00e4t belegen zudem, dass das Verfahren Kinder mit besonderem F\u00f6rderbedarf in Randbereichen der Leistungsskala (den schw\u00e4chsten 24%) zuverl\u00e4ssig identifiziert (Vergleich mit ELFE 1-6 und KNUSPEL-L). Damit erweist sich die LDL insgesamt als ein valides Instrument zur \u00dcberpr\u00fcfung des Leseniveaus und der individuellen Lernfortschritte.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Normierung der LDL erfolgte zwischen 2007 und 2009 jeweils zur Mitte des Schuljahres an einer Stichprobe von 1&#8217;652 Sch\u00fcler:innen. Es liegen Prozentrangnormen und T-Werte vor, die nach Klassenstufen f\u00fcr Grund- und Hauptschulen sowie nach Altersgruppen f\u00fcr Lernende an Sonderschulen differenziert sind.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Hoover, W. A. &amp; Gough, P. B. (1990). The simple view of reading. <em>Reading and Writing, 2<\/em>, 127-160. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF00401799\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF00401799<\/a><\/li>\n<li>Meyer, P. &amp; Meyer, K. (1996). <em>Und nachts rollern die Hunde<\/em>. Hamburg: Oettinger.<\/li>\n<li>Reynolds, R. E. (2000). Attentional resource emancipation: Toward understanding the interaction of word identification and comprehension processes in reading. <em>Scientific Studies of Reading, 4<\/em>, 169-195. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/S1532799XSSR0403_1\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/S1532799XSSR0403_1<\/a><\/li>\n<li>Shankweiler, D., Lundquist, E., Katz, L., Stuebing, K. K., Flechtcher, J. M., Brady, S., Fowler, A., Dreyer, L. G., Marchione, K. E., Shaywitz, S. E. &amp; Shaywitz, B. A. (1999). Comprehension and decoding: Patterns of association in children with reading difficulties. <em>Scientific Studies of Reading, 3<\/em>(1), 69-94. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s1532799xssr0301_4\">https:\/\/doi.org\/10.1207\/s1532799xssr0301_4<\/a><\/li>\n<li>Walter, J. (2010). <em>Lernfortschrittsdiagnostik Lesen (LDL)<\/em>. G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990073558080205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990073558080205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von J\u00fcrgen Walter (2010) &nbsp; Einsatzbereich 1. bis 9. Klasse und Altersklassen 10-11, 12-13, 14-15 der Sonderschule Einzeltest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. 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