{"id":138,"date":"2026-07-27T11:02:55","date_gmt":"2026-07-27T09:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=138"},"modified":"2026-10-09T13:55:53","modified_gmt":"2026-10-09T11:55:53","slug":"giessener-screening-zur-erfassung-der-erweiterten-lesefaehigkeit-gisc-el","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/giessener-screening-zur-erfassung-der-erweiterten-lesefaehigkeit-gisc-el\/","title":{"raw":"Giessener Screening zur Erfassung der erweiterten Lesef\u00e4higkeit (GISC-EL)","rendered":"Giessener Screening zur Erfassung der erweiterten Lesef\u00e4higkeit (GISC-EL)"},"content":{"raw":"von Niels Euker, Arno Koch und Jan Kuhl (2016)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-141 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/GISC-EL.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"420\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Lernende mit\u00a0F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung: ca. 6-20 Jahre<\/li>\r\n \t<li>Lernende mit F\u00f6rderschwerpunkt Lernen: ca. 6-10 Jahre<\/li>\r\n \t<li>Einzeltest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDas GISC-EL dient der standardisierten Erfassung von Lesekompetenzen im weiteren und engeren Sinne sowie der entsprechenden Vorl\u00e4uferkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeintr\u00e4chtigung. Das Verfahren ist f\u00fcr s\u00e4mtliche Schulstufen (sowohl im Sonderschulbereich als auch in inklusiven Settings) konzipiert und kann dar\u00fcber hinaus in der Fr\u00fchf\u00f6rderung oder Erwachsenenbildung eingesetzt werden.\r\n\r\nZentrale Ziele der Diagnostik sind die Ermittlung der Lernausgangslage f\u00fcr eine differenzierte F\u00f6rderplanung, die Einteilung von F\u00f6rdergruppen sowie die Lernverlaufsdiagnostik. Zudem eignet sich der Test f\u00fcr Forschungszwecke, wie etwa der Evaluation von Interventionsmassnahmen. Die Durchf\u00fchrungsdauer ist von den individuellen Voraussetzungen der Testperson abh\u00e4ngig und variiert zwischen 15 und 35 Minuten; die Auswertung beansprucht ca. 5 Minuten.\r\n\r\nDas Testverfahren umfasst insgesamt acht Subtests, die den verschiedenen Etappen des erweiterten Leseerwerbs nach Koch (2005, 2008) zugeordnet sind. Das Spektrum reicht dabei vom Lesen ikonischer Zeichen und Symbole (logographisches Lesen) \u00fcber die Erfassung von Vorl\u00e4uferkompetenzen wie der phonologischen Bewusstheit und Buchstabenkenntnis bis hin zum alphabetischen Rekodieren von Pseudow\u00f6rtern sowie zum Leseverst\u00e4ndnis auf Wort-, Satz- und Textebene.\r\n\r\nAufgrund der hohen Heterogenit\u00e4t der Zielgruppe erfolgt die Auswertung kriterial statt normbasiert, um den individuellen Stand der Lesekompetenzen festzustellen. Die Testkonstruktion zielt dabei auf eine hohe Aufgabenverst\u00e4ndlichkeit bei gleichzeitig geringer Arbeitsged\u00e4chtnisbelastung ab. Ein Mindestmass an Sprachkompetenz wird f\u00fcr die Testung vorausgesetzt. Abweichungen vom standardisierten Vorgehen aufgrund individueller Voraussetzungen sind zul\u00e4ssig und werden im Manual ausf\u00fchrlich beschrieben.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDas GISC-EL basiert auf dem Entwicklungsmodell des erweiterten Leseerwerbs nach Koch (2005), welches auf klassischen Schriftspracherwerbsmodellen (u.a. G\u00fcnther, 1986; Frith, 1986) aufbaut. Das Modell gliedert den Leseerwerb in vier aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen, die sowohl das Lesen im weiteren Sinne als auch das Lesen im engeren Sinne umfassen.\r\n\r\nIn den basalen Phasen des erweiterten Lesens werden zun\u00e4chst ikonische Zeichen (Abbildungen mit direktem Objektbezug) sowie Symbole und logographische Einheiten (willk\u00fcrlich festgelegte Zeichen (z.B. Markenlogos) oder charakteristische Wortdetails) entschl\u00fcsselt. Der \u00dcbergang zum Lesen im engeren Sinne erfolgt \u00fcber die alphabetische Phase, in der das Prinzip der Graphem-Phonem-Korrespondenz handlungsleitend ist, bis hin zur orthographischen Phase, die durch die automatisierte Erfassung gr\u00f6sserer sublexikaler Einheiten (z.B. Silben oder Morpheme) gekennzeichnet ist.\r\n\r\nDie Konzeption der acht Subtests ist unmittelbar aus diesen theoretischen Stufen abgeleitet, wodurch eine gezielte Verortung der Testperson innerhalb des Entwicklungsmodells erm\u00f6glicht wird. Erg\u00e4nzend wird bei der Auswertung das Konzept der Zone der n\u00e4chsten Entwicklung nach Wygotski (1981) ber\u00fccksichtigt, um \u00fcber den aktuellen Leistungsstand hinaus k\u00fcnftige Lernpotenziale zu identifizieren.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsobjektivit\u00e4t ist durch detaillierte Anweisungen im Manual sowie standardisierte Materialien und Instruktionen gew\u00e4hrleistet. Sofern die individuellen Voraussetzungen der Testperson Abweichungen vom standardisierten Vorgehen erfordern, wird im Manual explizit darauf hingewiesen, dass die Objektivit\u00e4t in diesen F\u00e4llen nicht mehr uneingeschr\u00e4nkt gegeben ist. Bei Einhaltung der standardisierten Vorgaben kann die Objektivit\u00e4t des GISC-EL als gegeben betrachtet werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Zuverl\u00e4ssigkeit des Verfahrens wurde anhand der Retestreliabilit\u00e4t (Intervall von drei Wochen) sowie der internen Konsistenz bestimmt. Der Gesamtwert der Retestreliabilit\u00e4t liegt bei r<sub>tt<\/sub> = .98, wobei die einzelnen Untertests Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .60 (Subtest \u00abLesen gegenstands\u00e4hnlicher Abbildungen\u00bb) und .98 aufweisen. Die interne Konsistenz der Untertests liegt in einem sehr hohen Bereich zwischen \u03b1 = .83 bis .99. Die Kennwerte belegen insgesamt eine hohe Messgenauigkeit des Instruments.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t ist durch die enge Orientierung der Testkonstruktion am theoretischen Entwicklungsmodell gegeben. Belege f\u00fcr die strukturelle Validit\u00e4t liefern die erwartungskonformen Korrelationen zwischen den Subtests zum Lesen im weiteren und engeren Sinne. Die konvergente und diskriminante Validit\u00e4t wurde durch Vergleiche mit etablierten Verfahren wie dem ELFE 1-6 (Lesef\u00e4higkeit) und dem CPM (Intelligenz) sowie spezifischen Tests f\u00fcr Teilkomponenten (z. B. SETK 3-5, PB-LRS, HSP 1+) best\u00e4tigt. Das GISC-EL kann als valides Messinstrument zur Erfassung der Lesef\u00e4higkeit bei Lernenden mit dem F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung eingesch\u00e4tzt werden.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nAufgrund der ausgepr\u00e4gten Heterogenit\u00e4t der Zielgruppe verzichtet das GISC-EL auf eine normorientierte Auswertung und verwendet stattdessen eine kriteriale Bezugsnorm. Damit wird festgestellt, \u00fcber welche spezifischen inhaltlichen Lesekompetenzen eine Testperson bereits verf\u00fcgt. Die zugrunde liegende Evaluationsstudie umfasste eine Stichprobe von N = 205 Sch\u00fcler:innen aus vier Schulen mit dem F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Euker, N., Koch, A. &amp; Kuhl, J. (2016). <em>Giessener Screening zur Erfassung der erweiterten Lesef\u00e4higkeit (GISC-EL)<\/em>. G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>G\u00fcnther, K.-B. (1986). Ein Stufenmodell der Entwicklung kindlicher Lese- und Schreibstrategien. In H. Br\u00fcgelmann (Hrsg.), <em>ABC und Schriftsprache: R\u00e4tsel f\u00fcr Kinder, Lehrer und Forscher<\/em> (S. 32\u201354). Konstanz: Faude.<\/li>\r\n \t<li>Koch, A. (2005). Diagnose im Bereich Schriftspracherwerb bei Sch\u00fclern mit geistiger Behinderung. In V. Moser &amp; E. von Stechow (Hrsg.), <em>Lernstands- und Entwicklungsdiagnose<\/em> (S. 111\u2013122). Heilbrunn: Klinkhardt.<\/li>\r\n \t<li>Koch, A. (2008). <em>Die Kulturtechnik Lesen im Unterricht f\u00fcr Sch\u00fcler mit geistiger Behinderung<\/em>. Aachen: Shaker.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wygotski, L. S. (1981). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Denken und Sprechen<\/em><span style=\"font-size: 14pt\"> (5. Aufl.). Frankfurt a. M.: Fischer.<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990108148850205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990108148850205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Niels Euker, Arno Koch und Jan Kuhl (2016)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-141\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/GISC-EL.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"420\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>Lernende mit\u00a0F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung: ca. 6-20 Jahre<\/li>\n<li>Lernende mit F\u00f6rderschwerpunkt Lernen: ca. 6-10 Jahre<\/li>\n<li>Einzeltest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Das GISC-EL dient der standardisierten Erfassung von Lesekompetenzen im weiteren und engeren Sinne sowie der entsprechenden Vorl\u00e4uferkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeintr\u00e4chtigung. Das Verfahren ist f\u00fcr s\u00e4mtliche Schulstufen (sowohl im Sonderschulbereich als auch in inklusiven Settings) konzipiert und kann dar\u00fcber hinaus in der Fr\u00fchf\u00f6rderung oder Erwachsenenbildung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Zentrale Ziele der Diagnostik sind die Ermittlung der Lernausgangslage f\u00fcr eine differenzierte F\u00f6rderplanung, die Einteilung von F\u00f6rdergruppen sowie die Lernverlaufsdiagnostik. Zudem eignet sich der Test f\u00fcr Forschungszwecke, wie etwa der Evaluation von Interventionsmassnahmen. Die Durchf\u00fchrungsdauer ist von den individuellen Voraussetzungen der Testperson abh\u00e4ngig und variiert zwischen 15 und 35 Minuten; die Auswertung beansprucht ca. 5 Minuten.<\/p>\n<p>Das Testverfahren umfasst insgesamt acht Subtests, die den verschiedenen Etappen des erweiterten Leseerwerbs nach Koch (2005, 2008) zugeordnet sind. Das Spektrum reicht dabei vom Lesen ikonischer Zeichen und Symbole (logographisches Lesen) \u00fcber die Erfassung von Vorl\u00e4uferkompetenzen wie der phonologischen Bewusstheit und Buchstabenkenntnis bis hin zum alphabetischen Rekodieren von Pseudow\u00f6rtern sowie zum Leseverst\u00e4ndnis auf Wort-, Satz- und Textebene.<\/p>\n<p>Aufgrund der hohen Heterogenit\u00e4t der Zielgruppe erfolgt die Auswertung kriterial statt normbasiert, um den individuellen Stand der Lesekompetenzen festzustellen. Die Testkonstruktion zielt dabei auf eine hohe Aufgabenverst\u00e4ndlichkeit bei gleichzeitig geringer Arbeitsged\u00e4chtnisbelastung ab. Ein Mindestmass an Sprachkompetenz wird f\u00fcr die Testung vorausgesetzt. Abweichungen vom standardisierten Vorgehen aufgrund individueller Voraussetzungen sind zul\u00e4ssig und werden im Manual ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Das GISC-EL basiert auf dem Entwicklungsmodell des erweiterten Leseerwerbs nach Koch (2005), welches auf klassischen Schriftspracherwerbsmodellen (u.a. G\u00fcnther, 1986; Frith, 1986) aufbaut. Das Modell gliedert den Leseerwerb in vier aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen, die sowohl das Lesen im weiteren Sinne als auch das Lesen im engeren Sinne umfassen.<\/p>\n<p>In den basalen Phasen des erweiterten Lesens werden zun\u00e4chst ikonische Zeichen (Abbildungen mit direktem Objektbezug) sowie Symbole und logographische Einheiten (willk\u00fcrlich festgelegte Zeichen (z.B. Markenlogos) oder charakteristische Wortdetails) entschl\u00fcsselt. Der \u00dcbergang zum Lesen im engeren Sinne erfolgt \u00fcber die alphabetische Phase, in der das Prinzip der Graphem-Phonem-Korrespondenz handlungsleitend ist, bis hin zur orthographischen Phase, die durch die automatisierte Erfassung gr\u00f6sserer sublexikaler Einheiten (z.B. Silben oder Morpheme) gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p>Die Konzeption der acht Subtests ist unmittelbar aus diesen theoretischen Stufen abgeleitet, wodurch eine gezielte Verortung der Testperson innerhalb des Entwicklungsmodells erm\u00f6glicht wird. Erg\u00e4nzend wird bei der Auswertung das Konzept der Zone der n\u00e4chsten Entwicklung nach Wygotski (1981) ber\u00fccksichtigt, um \u00fcber den aktuellen Leistungsstand hinaus k\u00fcnftige Lernpotenziale zu identifizieren.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungs- und Auswertungsobjektivit\u00e4t ist durch detaillierte Anweisungen im Manual sowie standardisierte Materialien und Instruktionen gew\u00e4hrleistet. Sofern die individuellen Voraussetzungen der Testperson Abweichungen vom standardisierten Vorgehen erfordern, wird im Manual explizit darauf hingewiesen, dass die Objektivit\u00e4t in diesen F\u00e4llen nicht mehr uneingeschr\u00e4nkt gegeben ist. Bei Einhaltung der standardisierten Vorgaben kann die Objektivit\u00e4t des GISC-EL als gegeben betrachtet werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des Verfahrens wurde anhand der Retestreliabilit\u00e4t (Intervall von drei Wochen) sowie der internen Konsistenz bestimmt. Der Gesamtwert der Retestreliabilit\u00e4t liegt bei r<sub>tt<\/sub> = .98, wobei die einzelnen Untertests Werte zwischen r<sub>tt<\/sub> = .60 (Subtest \u00abLesen gegenstands\u00e4hnlicher Abbildungen\u00bb) und .98 aufweisen. Die interne Konsistenz der Untertests liegt in einem sehr hohen Bereich zwischen \u03b1 = .83 bis .99. Die Kennwerte belegen insgesamt eine hohe Messgenauigkeit des Instruments.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t ist durch die enge Orientierung der Testkonstruktion am theoretischen Entwicklungsmodell gegeben. Belege f\u00fcr die strukturelle Validit\u00e4t liefern die erwartungskonformen Korrelationen zwischen den Subtests zum Lesen im weiteren und engeren Sinne. Die konvergente und diskriminante Validit\u00e4t wurde durch Vergleiche mit etablierten Verfahren wie dem ELFE 1-6 (Lesef\u00e4higkeit) und dem CPM (Intelligenz) sowie spezifischen Tests f\u00fcr Teilkomponenten (z. B. SETK 3-5, PB-LRS, HSP 1+) best\u00e4tigt. Das GISC-EL kann als valides Messinstrument zur Erfassung der Lesef\u00e4higkeit bei Lernenden mit dem F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung eingesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Aufgrund der ausgepr\u00e4gten Heterogenit\u00e4t der Zielgruppe verzichtet das GISC-EL auf eine normorientierte Auswertung und verwendet stattdessen eine kriteriale Bezugsnorm. Damit wird festgestellt, \u00fcber welche spezifischen inhaltlichen Lesekompetenzen eine Testperson bereits verf\u00fcgt. Die zugrunde liegende Evaluationsstudie umfasste eine Stichprobe von N = 205 Sch\u00fcler:innen aus vier Schulen mit dem F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Euker, N., Koch, A. &amp; Kuhl, J. (2016). <em>Giessener Screening zur Erfassung der erweiterten Lesef\u00e4higkeit (GISC-EL)<\/em>. G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>G\u00fcnther, K.-B. (1986). Ein Stufenmodell der Entwicklung kindlicher Lese- und Schreibstrategien. In H. Br\u00fcgelmann (Hrsg.), <em>ABC und Schriftsprache: R\u00e4tsel f\u00fcr Kinder, Lehrer und Forscher<\/em> (S. 32\u201354). Konstanz: Faude.<\/li>\n<li>Koch, A. (2005). Diagnose im Bereich Schriftspracherwerb bei Sch\u00fclern mit geistiger Behinderung. In V. Moser &amp; E. von Stechow (Hrsg.), <em>Lernstands- und Entwicklungsdiagnose<\/em> (S. 111\u2013122). Heilbrunn: Klinkhardt.<\/li>\n<li>Koch, A. (2008). <em>Die Kulturtechnik Lesen im Unterricht f\u00fcr Sch\u00fcler mit geistiger Behinderung<\/em>. Aachen: Shaker.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Wygotski, L. S. (1981). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">Denken und Sprechen<\/em><span style=\"font-size: 14pt\"> (5. Aufl.). Frankfurt a. M.: Fischer.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990108148850205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990108148850205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Niels Euker, Arno Koch und Jan Kuhl (2016) &nbsp; Einsatzbereich Lernende mit\u00a0F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung: ca. 6-20 Jahre Lernende mit F\u00f6rderschwerpunkt Lernen: ca. 6-10 Jahre Einzeltest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. 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