{"id":118,"date":"2026-07-27T10:29:16","date_gmt":"2026-07-27T08:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/?post_type=chapter&#038;p=118"},"modified":"2026-10-09T13:53:30","modified_gmt":"2026-10-09T11:53:30","slug":"diagnostischer-rechtschreibtest-fuer-4-klassen-drt-4","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/chapter\/diagnostischer-rechtschreibtest-fuer-4-klassen-drt-4\/","title":{"raw":"Diagnostischer Rechtschreibtest f\u00fcr 4. Klassen (DRT 4)","rendered":"Diagnostischer Rechtschreibtest f\u00fcr 4. Klassen (DRT 4)"},"content":{"raw":"von Martin Grund, Rainer Leonhart und Carl Ludwig Naumann (2017)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-99 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/DRT-4.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"379\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>4. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\r\n \t<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\r\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und mehrheitlich von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\r\n<td style=\"width: 20%\">Erste Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDer DRT 4 ist ein standardisiertes Diagnoseinstrument, das prim\u00e4r f\u00fcr den Einsatz bei Sch\u00fcler:innen der vierten Klassenstufe im Zeitraum zwischen Oktober und Januar konzipiert wurde. Das Verfahren verfolgt eine doppelte Zielsetzung: Es erm\u00f6glicht sowohl eine Messung der allgemeinen Rechtschreibleistung als auch die Identifikation spezifischer Fehlerschwerpunkte bei den Lernenden. W\u00e4hrend die rein quantitative Ermittlung der Ergebnisse zeit\u00f6konomisch erfolgt, bietet die qualitative Fehleranalyse eine Grundlage f\u00fcr F\u00f6rdermassnahmen.\r\n\r\nDas Testverfahren ist als L\u00fcckentext gestaltet, in dem die Sch\u00fcler:innen 43 gezielt ausgew\u00e4hlte W\u00f6rter nach Diktat schreiben. Diese W\u00f6rter repr\u00e4sentieren die wichtigsten Rechtschreibf\u00e4lle und -regeln. Da das Instrument bewusst eher leicht gestaltet wurde, weist es eine besonders hohe Differenzierungskraft im Bereich schwacher bis durchschnittlicher Leistungen auf, was eine pr\u00e4zise Identifikation von F\u00f6rderbedarfen erm\u00f6glicht.\r\n\r\nF\u00fcr die Durchf\u00fchrung im Klassenverband sollten etwa 35 bis 45 Minuten eingeplant werden, wobei die reine Bearbeitungszeit etwa 30 Minuten dauert. Um Lernfortschritte zu \u00fcberpr\u00fcfen oder Fehlerschwerpunkte erneut zu testen, stehen zwei parallele Testformen mit vergleichbarem Schwierigkeitsgrad zur Verf\u00fcgung. Die Auswertung erfolgt \u00f6konomisch und liefert durch die qualitative Fehleranalyse eine fundierte Grundlage f\u00fcr die anschliessende F\u00f6rderplanung.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDer DRT 4 basiert auf der Auffassung, dass Rechtschreiben kein reiner Ged\u00e4chtnisabruf ist, sondern ein aktiver Prozess, der den Einsatz verschiedener Rechtschreibstrategien erfordert. Die Testinhalte sind daher so konzipiert, dass sie das Befolgen dieser Strategien anhand von drei Wortgruppen \u00fcberpr\u00fcfen: Mitsprechw\u00f6rter, die lautorientiert verschriftet werden, Nachdenkw\u00f6rter, deren regelhafte Schreibung durch Strategien wie dem Beachten von Konsonanten-Doppelschreibungen erschlossen wird und Merkw\u00f6rter, die wortspezifische Besonderheiten ohne allgemeine Regel aufweisen. Ziel des Tests ist es, anhand dieser Kategorien zu erkennen, inwieweit Sch\u00fcler:innen bereits die notwendigen Rechtschreibstrategien bewusst und unbewusst anwenden k\u00f6nnen.\r\n\r\nTheoretisch lehnt sich das Verfahren an das Modell von Scheerer-Neumann et al. (2010) an, welches den Erwerb der Schriftsprache nicht als starre Abfolge von Phasen, sondern als eine Entwicklung von Strategien beschreibt. In der vierten Klasse sollten den Lernenden in der Regel sowohl alphabetische als auch orthographische Strategien zur Verf\u00fcgung stehen. Erg\u00e4nzend wird das Zwei-Wege-Modell herangezogen, um den Schreibprozess zu erkl\u00e4ren: W\u00f6rter werden entweder auf direktem Weg aus dem mentalen Lexikon abgerufen oder auf indirektem Weg \u00fcber Phonem-Graphem-Korrespondenzen und morphologische Regeln konstruiert (Scheerer-Neumann, 2015). Die Fehleranalyse des DRT 4 deckt dabei gezielt unterschiedliche Regelbereiche wie Laute, Buchstabenverbindungen, Ableitungen und die Grossschreibung ab. Durch diesen Fokus auf den strategischen Umgang mit Sprache erm\u00f6glicht der DRT 4 eine differenzierte Beurteilung des Schriftspracherwerbs.\r\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des DRT 4 wird als hoch eingestuft, sofern die im Manual aufgef\u00fchrten Anweisungen pr\u00e4zise und pflichtbewusst eingehalten werden. Im Bereich der Auswertungsobjektivit\u00e4t ist zwischen der quantitativen Analyse, die als unproblematisch gilt, und der qualitativen Fehleranalyse zu unterscheiden. Letztere bleibt trotz detaillierter Anleitungen und Praxisbeispiele im Manual bis zu einem gewissen Grad von der Fachkenntnis der auswertenden Person abh\u00e4ngig. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t wird durch die Bereitstellung von Normtabellen gew\u00e4hrleistet, die eine standardisierte Einordnung der Sch\u00fcler:innenleistungen erm\u00f6glichen. Insgesamt kann das Verfahren bei korrekter Anwendung als objektiv betrachtet werden.\r\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nHinsichtlich der Messgenauigkeit weist der DRT 4 hohe Kennwerte auf. Die interne Konsistenz liegt f\u00fcr beide Parallelformen mit \u03b1 = .917 (Form A) und \u03b1 = .920 (Form B) in einem sehr hohen Bereich. Die Retestreliabilit\u00e4t \u00fcber einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen best\u00e4tigt diese hohe Zuverl\u00e4ssigkeit mit Interklassenkorrelation (ICC-Werten) \u00fcber beide Testformen zwischen .888 und .960. Da ICC-Werte nahe bei 1 eine sehr hohe Reliabilit\u00e4t signalisieren und Werte \u00fcber .90 in der Fachliteratur als exzellent eingestuft werden, belegen diese Ergebnisse eine \u00e4usserst stabile Erfassung der Rechtschreibleistung bei Sch\u00fcler:innen der 4. Klasse. Damit erf\u00fcllt der DRT 4 die Anforderungen an ein zuverl\u00e4ssiges diagnostisches Instrument.\r\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\r\nDie Inhaltsvalidit\u00e4t des DRT 4 ist gegeben, da das Verfahren \u00fcber eine gezielte Auswahl von Testw\u00f6rtern grundlegende Rechtschreibregeln direkt pr\u00fcft und somit sowohl die allgemeine Leistung als auch spezifische Fehlermuster valide abbildet. Zur Best\u00e4tigung der kriteriumsbezogenen Validit\u00e4t wurden die Testergebnisse mit dem Rechtschreibsystem Grund korreliert (in diesem Tool haben die Sch\u00fcler:innen zwischen 500 und 1000 Grundwortschatzw\u00f6rter geschrieben). Die dabei ermittelten Koeffizienten zwischen r = .68 und r = .94 belegen einen starken Zusammenhang und unterstreichen die G\u00fcltigkeit des Verfahrens. Aufgrund dieser Befunde kann der DRT 4 als ein valides Instrument zur Beurteilung der Rechtschreibkompetenz von Lernenden der 4. Klasse eingestuft werden.\r\n<h2>Normierung<\/h2>\r\nDie Neunormierung des DRT 4 wurde im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2015 durchgef\u00fchrt. Die Normstichprobe umfasst insgesamt 2'055 Sch\u00fcler:innen aus zw\u00f6lf Bundesl\u00e4ndern. Da zwischen den beiden Parallelformen A und B keine signifikanten Leistungsunterschiede bestehen, stellt das Verfahren gemeinsame Normtabellen f\u00fcr beide Versionen bereit. Obwohl sich M\u00e4dchen und Jungen hinsichtlich ihrer Leistungen signifikant unterscheiden, wurde auf geschlechtsspezifische Normtabellen verzichtet, da die Beurteilung der Sch\u00fcler:innen im schulischen Kontext ebenfalls unabh\u00e4ngig vom Geschlecht erfolgt. Die Einordnung der individuellen Gesamtleistung erfolgt \u00fcber Prozentr\u00e4nge und T-Werte, w\u00e4hrend die Gewichtung der einzelnen Fehlerarten mithilfe von Prozentr\u00e4ngen bestimmt wird.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Grund, M., Leonhart, R. &amp; Naumann, C. L. (2017). <em>Diagnostischer Rechtschreibtest f\u00fcr 4. Klassen (DRT 4) <\/em>(3., aktualisierte und neu normierte Aufl.). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Scheerer-Neumann, G. (2015). <em>Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che und Legasthenie<\/em>. Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 14pt\">Scheerer-Neumann, G., Schnitzler, C. D., H\u00fcbner, A., M\u00fchlbauer, E. &amp; Ritter, C. (2010). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">ILeA 5. Individuelle Lernstandsanalysen. Lehrerheft Deutsch<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">. Ludwigsfelde-Struveshof: Landesinstitut f\u00fcr Schule und Meiden Berlin-Brandenburg.<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110526430205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110526430205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a>","rendered":"<p>von Martin Grund, Rainer Leonhart und Carl Ludwig Naumann (2017)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-99\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2026\/07\/DRT-4.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"379\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>4. Klasse<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentest<\/li>\n<li>Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 20%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Objektivit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Reliabilit\u00e4t<\/th>\n<th style=\"width: 20%;text-align: left\">Validit\u00e4t<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--empty' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Leerer Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left;width: 20%\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 20%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td style=\"width: 20%\">Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und mehrheitlich von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig.<\/td>\n<td style=\"width: 20%\">Erste Belege zur Validit\u00e4t liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Der DRT 4 ist ein standardisiertes Diagnoseinstrument, das prim\u00e4r f\u00fcr den Einsatz bei Sch\u00fcler:innen der vierten Klassenstufe im Zeitraum zwischen Oktober und Januar konzipiert wurde. Das Verfahren verfolgt eine doppelte Zielsetzung: Es erm\u00f6glicht sowohl eine Messung der allgemeinen Rechtschreibleistung als auch die Identifikation spezifischer Fehlerschwerpunkte bei den Lernenden. W\u00e4hrend die rein quantitative Ermittlung der Ergebnisse zeit\u00f6konomisch erfolgt, bietet die qualitative Fehleranalyse eine Grundlage f\u00fcr F\u00f6rdermassnahmen.<\/p>\n<p>Das Testverfahren ist als L\u00fcckentext gestaltet, in dem die Sch\u00fcler:innen 43 gezielt ausgew\u00e4hlte W\u00f6rter nach Diktat schreiben. Diese W\u00f6rter repr\u00e4sentieren die wichtigsten Rechtschreibf\u00e4lle und -regeln. Da das Instrument bewusst eher leicht gestaltet wurde, weist es eine besonders hohe Differenzierungskraft im Bereich schwacher bis durchschnittlicher Leistungen auf, was eine pr\u00e4zise Identifikation von F\u00f6rderbedarfen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Durchf\u00fchrung im Klassenverband sollten etwa 35 bis 45 Minuten eingeplant werden, wobei die reine Bearbeitungszeit etwa 30 Minuten dauert. Um Lernfortschritte zu \u00fcberpr\u00fcfen oder Fehlerschwerpunkte erneut zu testen, stehen zwei parallele Testformen mit vergleichbarem Schwierigkeitsgrad zur Verf\u00fcgung. Die Auswertung erfolgt \u00f6konomisch und liefert durch die qualitative Fehleranalyse eine fundierte Grundlage f\u00fcr die anschliessende F\u00f6rderplanung.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<\/div>\n<p>Der DRT 4 basiert auf der Auffassung, dass Rechtschreiben kein reiner Ged\u00e4chtnisabruf ist, sondern ein aktiver Prozess, der den Einsatz verschiedener Rechtschreibstrategien erfordert. Die Testinhalte sind daher so konzipiert, dass sie das Befolgen dieser Strategien anhand von drei Wortgruppen \u00fcberpr\u00fcfen: Mitsprechw\u00f6rter, die lautorientiert verschriftet werden, Nachdenkw\u00f6rter, deren regelhafte Schreibung durch Strategien wie dem Beachten von Konsonanten-Doppelschreibungen erschlossen wird und Merkw\u00f6rter, die wortspezifische Besonderheiten ohne allgemeine Regel aufweisen. Ziel des Tests ist es, anhand dieser Kategorien zu erkennen, inwieweit Sch\u00fcler:innen bereits die notwendigen Rechtschreibstrategien bewusst und unbewusst anwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Theoretisch lehnt sich das Verfahren an das Modell von Scheerer-Neumann et al. (2010) an, welches den Erwerb der Schriftsprache nicht als starre Abfolge von Phasen, sondern als eine Entwicklung von Strategien beschreibt. In der vierten Klasse sollten den Lernenden in der Regel sowohl alphabetische als auch orthographische Strategien zur Verf\u00fcgung stehen. Erg\u00e4nzend wird das Zwei-Wege-Modell herangezogen, um den Schreibprozess zu erkl\u00e4ren: W\u00f6rter werden entweder auf direktem Weg aus dem mentalen Lexikon abgerufen oder auf indirektem Weg \u00fcber Phonem-Graphem-Korrespondenzen und morphologische Regeln konstruiert (Scheerer-Neumann, 2015). Die Fehleranalyse des DRT 4 deckt dabei gezielt unterschiedliche Regelbereiche wie Laute, Buchstabenverbindungen, Ableitungen und die Grossschreibung ab. Durch diesen Fokus auf den strategischen Umgang mit Sprache erm\u00f6glicht der DRT 4 eine differenzierte Beurteilung des Schriftspracherwerbs.<\/p>\n<h2>Objektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Durchf\u00fchrungsobjektivit\u00e4t des DRT 4 wird als hoch eingestuft, sofern die im Manual aufgef\u00fchrten Anweisungen pr\u00e4zise und pflichtbewusst eingehalten werden. Im Bereich der Auswertungsobjektivit\u00e4t ist zwischen der quantitativen Analyse, die als unproblematisch gilt, und der qualitativen Fehleranalyse zu unterscheiden. Letztere bleibt trotz detaillierter Anleitungen und Praxisbeispiele im Manual bis zu einem gewissen Grad von der Fachkenntnis der auswertenden Person abh\u00e4ngig. Die Interpretationsobjektivit\u00e4t wird durch die Bereitstellung von Normtabellen gew\u00e4hrleistet, die eine standardisierte Einordnung der Sch\u00fcler:innenleistungen erm\u00f6glichen. Insgesamt kann das Verfahren bei korrekter Anwendung als objektiv betrachtet werden.<\/p>\n<h2>Reliabilit\u00e4t<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Hinsichtlich der Messgenauigkeit weist der DRT 4 hohe Kennwerte auf. Die interne Konsistenz liegt f\u00fcr beide Parallelformen mit \u03b1 = .917 (Form A) und \u03b1 = .920 (Form B) in einem sehr hohen Bereich. Die Retestreliabilit\u00e4t \u00fcber einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen best\u00e4tigt diese hohe Zuverl\u00e4ssigkeit mit Interklassenkorrelation (ICC-Werten) \u00fcber beide Testformen zwischen .888 und .960. Da ICC-Werte nahe bei 1 eine sehr hohe Reliabilit\u00e4t signalisieren und Werte \u00fcber .90 in der Fachliteratur als exzellent eingestuft werden, belegen diese Ergebnisse eine \u00e4usserst stabile Erfassung der Rechtschreibleistung bei Sch\u00fcler:innen der 4. Klasse. Damit erf\u00fcllt der DRT 4 die Anforderungen an ein zuverl\u00e4ssiges diagnostisches Instrument.<\/p>\n<h2>Validit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Inhaltsvalidit\u00e4t des DRT 4 ist gegeben, da das Verfahren \u00fcber eine gezielte Auswahl von Testw\u00f6rtern grundlegende Rechtschreibregeln direkt pr\u00fcft und somit sowohl die allgemeine Leistung als auch spezifische Fehlermuster valide abbildet. Zur Best\u00e4tigung der kriteriumsbezogenen Validit\u00e4t wurden die Testergebnisse mit dem Rechtschreibsystem Grund korreliert (in diesem Tool haben die Sch\u00fcler:innen zwischen 500 und 1000 Grundwortschatzw\u00f6rter geschrieben). Die dabei ermittelten Koeffizienten zwischen r = .68 und r = .94 belegen einen starken Zusammenhang und unterstreichen die G\u00fcltigkeit des Verfahrens. Aufgrund dieser Befunde kann der DRT 4 als ein valides Instrument zur Beurteilung der Rechtschreibkompetenz von Lernenden der 4. Klasse eingestuft werden.<\/p>\n<h2>Normierung<\/h2>\n<p>Die Neunormierung des DRT 4 wurde im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2015 durchgef\u00fchrt. Die Normstichprobe umfasst insgesamt 2&#8217;055 Sch\u00fcler:innen aus zw\u00f6lf Bundesl\u00e4ndern. Da zwischen den beiden Parallelformen A und B keine signifikanten Leistungsunterschiede bestehen, stellt das Verfahren gemeinsame Normtabellen f\u00fcr beide Versionen bereit. Obwohl sich M\u00e4dchen und Jungen hinsichtlich ihrer Leistungen signifikant unterscheiden, wurde auf geschlechtsspezifische Normtabellen verzichtet, da die Beurteilung der Sch\u00fcler:innen im schulischen Kontext ebenfalls unabh\u00e4ngig vom Geschlecht erfolgt. Die Einordnung der individuellen Gesamtleistung erfolgt \u00fcber Prozentr\u00e4nge und T-Werte, w\u00e4hrend die Gewichtung der einzelnen Fehlerarten mithilfe von Prozentr\u00e4ngen bestimmt wird.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Grund, M., Leonhart, R. &amp; Naumann, C. L. (2017). <em>Diagnostischer Rechtschreibtest f\u00fcr 4. Klassen (DRT 4) <\/em>(3., aktualisierte und neu normierte Aufl.). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>Scheerer-Neumann, G. (2015). <em>Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che und Legasthenie<\/em>. Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt\">Scheerer-Neumann, G., Schnitzler, C. D., H\u00fcbner, A., M\u00fchlbauer, E. &amp; Ritter, C. (2010). <\/span><em style=\"font-size: 14pt\">ILeA 5. Individuelle Lernstandsanalysen. Lehrerheft Deutsch<\/em><span style=\"font-size: 14pt\">. Ludwigsfelde-Struveshof: Landesinstitut f\u00fcr Schule und Meiden Berlin-Brandenburg.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110526430205521\">Testothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/slsp-zph.primo.exlibrisgroup.com\/permalink\/41SLSP_PHZ\/100i9dp\/alma990110526430205521\">Didaktischen Zentrum (DiZ)<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft: 07\/2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwelchediagnostik\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber diagnostische Verfahren.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martin Grund, Rainer Leonhart und Carl Ludwig Naumann (2017) &nbsp; Einsatzbereich 4. Klasse Einzel- oder Gruppentest Einsatz Heil- und Sonderp\u00e4dagogik Qualit\u00e4tskriterien Theoretische Fundierung Objektivit\u00e4t Reliabilit\u00e4t Validit\u00e4t Bewertung Erl\u00e4uterung Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Durchf\u00fchrung, Auswertung und Interpretation sind standardisiert und mehrheitlich von Testleiter:innen unabh\u00e4ngig. Die Ergebnisse sind zuverl\u00e4ssig. 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