{"id":997,"date":"2025-11-19T10:31:00","date_gmt":"2025-11-19T09:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/?post_type=chapter&#038;p=997"},"modified":"2026-04-20T10:26:28","modified_gmt":"2026-04-20T08:26:28","slug":"lesespiele-mit-elfe-und-mathis-computerbasierte-lesefoerderung-fuer-die-erste-bis-vierte-klasse","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/chapter\/lesespiele-mit-elfe-und-mathis-computerbasierte-lesefoerderung-fuer-die-erste-bis-vierte-klasse\/","title":{"raw":"Lesespiele mit Elfe und Mathis. Computerbasierte Lesef\u00f6rderung f\u00fcr die erste bis vierte Klasse","rendered":"Lesespiele mit Elfe und Mathis. Computerbasierte Lesef\u00f6rderung f\u00fcr die erste bis vierte Klasse"},"content":{"raw":"von Alexandra Lenhard, Wolfgang Lenhard und Petra K\u00fcspert (2023)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-1000\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"1\" data-aria-level=\"1\">1. bis 4. Klasse<\/li>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Einzeltraining<\/li>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Universelle, selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\r\n<td>Informationen zur theoretischen Fundierung sind aufgef\u00fchrt.<\/td>\r\n<td>Erste Belege sind vorhanden.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDie \u00abLesespiele mit Elfe und Mathis\u00bb sind ein computerbasiertes F\u00f6rderprogramm, das Kindern von der 1. bis 4. Klassenstufe dabei hilft, ihre Lesef\u00e4higkeiten zu verbessern.\r\n\r\nBei sehr leistungsschwachen Kindern kann es erg\u00e4nzend zu therapeutischen Angeboten bis zur 6. Klassestufe eingesetzt werden. Besonders leistungsstarke Kinder im Zyklus 1 k\u00f6nnen es bereits im Kindergarten zum Erlernen von Buchstabenwissen nutzen.\r\n\r\nDas Programm dient der Ein\u00fcbung, Vertiefung und Automatisierung von Lesefertigkeiten. Gef\u00f6rdert wird das Leseverst\u00e4ndnis. Es kann von Lehrpersonen und\/oder Therapeut:innen eingesetzt werden, um mit computerbasiertem \u00dcbungsmaterial spielerisch das Leseverst\u00e4ndnis auf verschiedenen Niveaus zu f\u00f6rdern.\r\n\r\nW\u00f6chentlich sind ein bis zwei Trainingseinheiten von jeweils h\u00f6chstens 20 Minuten vorgesehen, was etwa zwei bis vier \u00dcbungen entspricht. F\u00fcr einen vollst\u00e4ndigen Durchlauf des Programms braucht es mindestens 20 Einheiten, bei leistungsschw\u00e4cheren Kindern entsprechend mehr. Als erg\u00e4nzendes Material in der Therapie k\u00f6nnen die Lesespiele auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit genutzt werden. Im therapeutischen Bereich gibt es \u00dcbungen zur Graphem-Phonem-Zuordnung. In diesem Modus k\u00f6nnen die Lehrpersonen oder Therapeut:innen den Computer als Pr\u00e4sentationshilfe einsetzen, w\u00e4hrend das Kind die L\u00f6sungen m\u00fcndlich gibt.\r\n\r\nDie \u00dcbungen sind in eine kindgerechte Rahmenhandlung eingebettet, die im Elfenland angesiedelt ist. Die Kinder begleiten die beiden Elfenfiguren Elfe und Mathis auf einer geheimen Mission: Sie sollen das sagenumwobene Alphabetikon zur\u00fcckholen, das von Kobolden gestohlen und in deren Festung versteckt wurde. Um das Ziel zu erreichen, durchwandern die Kinder ein mehrst\u00f6ckiges B\u00fccherlabyrinth und l\u00f6sen auf jeder Ebene unterschiedliche Aufgaben. F\u00fcr jede erfolgreich bew\u00e4ltigte \u00dcbung gibt es Edelsteine, die ben\u00f6tigt werden, um zur n\u00e4chsten Ebene vorzur\u00fccken. W\u00e4hrend der Bearbeitung erh\u00e4lt das Kind direktes Feedback in Form eines akustischen Signals und einer Fortschrittsanzeige. Die einzelnen Ebenen stehen dabei f\u00fcr die vier inhaltlichen Schwerpunkte des Programms:\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Laute und Silben: <\/strong>Zuordnung von Lauten zu Schriftzeichen und Silbensynthese, Segmentierung von W\u00f6rtern in Silben, Anlauterkennung, Erkennen von Reimen<\/li>\r\n \t<li><strong>W\u00f6rter<\/strong>: Analyse von W\u00f6rtern (Aufteilen in Silben, Erkennen des Wortstammes, Erkennen von Wortteilen und Silben in W\u00f6rtern), schnelles Dekodieren (Wort-Bild-Zuordnung)<\/li>\r\n \t<li><strong>S\u00e4tze<\/strong>: Lokale Koh\u00e4renzbildung, syntaktisches Parsing und Erkennen von Fehlern auf Satzebene<\/li>\r\n \t<li><strong>Texte und Strategien<\/strong>: verstehendes Lesen, Erkennen von Lesefehlern<\/li>\r\n<\/ul>\r\nInformationen zum Training und M\u00f6glichkeit, eine kostenfreie Demo-Version zu testen:\r\n<a href=\"http:\/\/www.psychometrica.de\/lesespiele.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.psychometrica.de\/lesespiele.html<\/a>\u00a0[19.11.2025]\r\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\r\nUm die<em>\u00a0Lesespiele mit Elfe und Mathis<\/em>\u00a0durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, muss das Programm zun\u00e4chst auf einem Computer installiert werden. Das Trainingsprogramm kann dann von den Kindern weitgehend selbstst\u00e4ndig bearbeitet werden, jedoch wird empfohlen, dass jedem Kind w\u00e4hrend der gesamten Durchf\u00fchrung eine geeignete Betreuungsperson zur Verf\u00fcgung steht. Vor dem Trainingsbeginn sollten sich Lehrpersonen und\/oder Therapeut:innen gut mit Inhalten und Bedienung des Programms vertraut machen.\r\n\r\nTrotz hoher Benutzerfreundlichkeit k\u00f6nnen technische und organisatorische Voraussetzungen (Einzelpl\u00e4tze, PC-Verf\u00fcgbarkeit, Vorbereitungsaufwand) die Durchf\u00fchrbarkeit im Regelunterricht einschr\u00e4nken.\r\n\r\nVor Trainingsbeginn muss sich die Betreuungsperson einen \u00dcberblick \u00fcber das Leistungsprofil des jeweiligen Kindes verschaffen. Angepasst an den Lernstand w\u00e4hlt die Betreuungsperson dann entweder ein Klassenprofil aus (Das Kind soll Aufgaben bearbeiten, die jeweils der Klassenstufe 1-4 zugeordnet werden). Alternativ kann auch ein individuelles Profil f\u00fcr das Kind angelegt werden, was jedoch mehr Aufwand bedeutet, gleichzeitig bietet die Auswahl des Profils nach Klassenstufen lediglich eine grobe Anpassung an den individuellen Lernstand des Kindes. Eine weitere M\u00f6glichkeit zur Anpassung des Programms an die Bed\u00fcrfnisse der Kinder besteht darin, Testergebnisse g\u00e4ngiger Lesetests einzugeben.\r\n\r\nDas Manual f\u00fchrt die Leser:innen zun\u00e4chst durch die Installation des Programms, erl\u00e4utert dann allgemeine Gestaltungsprinzipien und Spielinhalte. Im Anschluss bietet es genaue Hinweise f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Programms und endet mit Hinweisen zur Bedienung. Besonders interessant f\u00fcr Therapeut:innen ist dabei die Zusatzfunktion \u201eTherapeutischer Bereich\u201c.\r\n\r\nDie Aufgaben des Trainingsprogramms sind in eine altersgerechte Rahmenhandlung eingebettet, sodass Kinder spielerisch und mit Freude Lesen \u00fcben k\u00f6nnen. Das Lernen soll den Sch\u00fcler:innen Spass machen, damit sie ihre Motivation erhalten, auch wenn es schwierig wird. Eine ansprechende Spielumgebung und kontinuierliche Verst\u00e4rkung geh\u00f6ren ebenso zum Programm, wie die Auswahlm\u00f6glichkeit einer geschlechtsspezifischen Spielfigur. Das Programm kann individuell angepasst und die Aufgaben f\u00fcr jedes Kind eingestellt werden. Eine \u00dcberforderung wird damit bereits im Vorhinein ausgeschlossen.\r\n\r\nSchiecke und Bender (2015) legen eine aussagekr\u00e4ftige Rezension vor und kommen zu folgendem Fazit: Unterst\u00fctzend zum schulischen Alltag oder auch im therapeutischen Kontext bietet dieses Programm eine gute Variante von Lese\u00fcbungen. Allein die Verwendung des Computers ist meist sehr reizvoll f\u00fcr Sch\u00fcler\/innen Die Aufbereitung des Programms und die gut durchdachten Verst\u00e4rker sind besonders f\u00fcr leseschwache Kinder sehr motivationsf\u00f6rdernd. Das Programm ist leicht zu bedienen und somit k\u00f6nnen die Sch\u00fcler:innen \u2013 nach Anpassung des Schwierigkeitsgrades \u2013 alle \u00dcbungen selbst\u00e4ndig durchlaufen. Besonders die Kombination aus adaptivem Lernen, spielerischen Elementen und direkter R\u00fcckmeldung spricht f\u00fcr einen breiten Einsatz im schulischen und therapeutischen Kontext.\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\nDas F\u00f6rderprogramm beruht auf einer Verkn\u00fcpfung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Psychologie, Sonderp\u00e4dagogik und praktischer lerntherapeutischer Arbeit. Die Autor:innen begr\u00fcnden die Auswahl der \u00dcbungen sowie die Bedeutung der \u00dcbungen f\u00fcr den Leseerwerb mit einschl\u00e4giger Literatur.\r\n\r\nDar\u00fcber hinaus legen sie Wert auf positive Verst\u00e4rker, die die Motivation der teilnehmenden Sch\u00fcler:innen beim Leseerwerb langfristig aufrechterhalten sollen. Sie argumentieren, dass Defizite der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit schnell zu Motivationsverlust oder gar Angst vor einem bestimmten Schulfach f\u00fchren k\u00f6nnen, andererseits bewirken auch mangelnde Motivation, Angst und ein negatives Selbstkonzept ihrerseits schlechte Lernergebnisse. Beide Faktoren stehen in Wechselwirkung, daher wird ein Kontext bef\u00fcrwortet, der den Kindern Freude bereitet und die Motivation auch bei kognitiven H\u00fcrden aufrechterh\u00e4lt.\r\n\r\nDaher entwickelten die Autor:innen verschiedene Arten von Anreizen, wie die informelle Verst\u00e4rkung, die R\u00fcckmeldung \u00fcber Erfolg, bzw. Misserfolg. Die Kinder bekommen eine unmittelbare R\u00fcckmeldung, ob eine Aufgabe richtig bearbeitet wurde und k\u00f6nnen zudem \u00fcber eine Fortschrittsanzeige ihre bisherige L\u00f6sungsquote einsehen. Ferner kommen sekund\u00e4re, visuell-materielle Verst\u00e4rker zum Einsatz, wenn Kinder f\u00fcr jede abgeschlossene Aufgabe einen Edelstein sammeln oder den Schl\u00fcssel zum n\u00e4chsten Stockwerk erhalten und damit aufsteigen. Als letztes Motivationselement betonen die Autor:innen die M\u00f6glichkeit, die Spielfigur geschlechtsspezifisch auszuw\u00e4hlen, wodurch sich die Kinder st\u00e4rker mit dem Ziel identifizieren sollen.\r\n\r\nIn der Konzeption des Materials wurde ferner auf Adaptivit\u00e4t R\u00fccksicht genommen, indem die Profile der Aufgaben und des Niveaus f\u00fcr jedes Kind individuell einstellbar sind. Es wird argumentiert, dass die besten individuellen Leistungen in der Regel dann erreicht werden, wenn hohe, aber erreichbare Ziele gesetzt werden, weshalb spezifische Anpassungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein gutes Training unabdingbar sind.\r\n\r\nBei der Konzeption der Teilaufgaben wurde auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur\u00fcckgegriffen, so basiert das Spiel \u201eMitlesen\u201c beispielsweise auf dem erwiesenermassen wirksamen Konzept des Tandemlesens.\r\n\r\nInsgesamt kann das F\u00f6rderprogramm als theoretisch fundiert eingestuft werden, es zeigt aber starke behavioristische Z\u00fcge. Neuere motivationale Konzepte (z.B. Selbstbestimmungstheorie) werden nur indirekt ber\u00fccksichtigt.\r\n<h2>Evaluation<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nZum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung des Programms lagen zun\u00e4chst nur die Ergebnisse einer f\u00fcnfw\u00f6chigen Kurzzeitintervention f\u00fcr zwei 2. Klassen vor. Mit einer der zwei Klassen wurden in dieser Zeit in zwei Deutschstunden pro Woche die \u201eLesespiele mit Elfe und Mathis\u201c durchgef\u00fchrt. Die andere Klasse erhielt normalen Deutschunterricht. Vor und nach dem F\u00f6rderzeitraum wurden die Kinder mit dem ELFE 1 \u2013 6 Leseverst\u00e4ndnistest getestet. Die recht kurze Intervention erbrachte nachweisbare Effekte im Wort- und im Textverst\u00e4ndnis. Im Satzverst\u00e4ndnis konnten hingegen keine bedeutsamen Effekte nachgewiesen werden.\r\n\r\nVon Ende April bis Anfang Juni 2014 fand eine Kurzzeitintervention zu\u00a0<em>Lesespiele mit Elfe und Mathis<\/em>\u00a0mit zwei 2. Klassen einer bayrischen Grundschule \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Wochen statt. In dieser Zeit bekam eine Klasse (25 Kinder) f\u00fcr zwei Schulstunden pro Woche statt Deutschunterricht die M\u00f6glichkeit, sich mit dem Training zu befassen. Die Kinder arbeiteten paarweise in individuellem Arbeitstempo an einem PC und wurden von einer Tutorin betreut. Aufgrund des kurzen F\u00f6rderzeitraumes konnten die meisten Kinder das Programm nicht vollst\u00e4ndig durchlaufen. Eine andere Klasse (20 Kinder) erhielt als Kontrollgruppe in dem Zeitraum regul\u00e4ren Deutschunterricht. Vor und nach der Intervention wurden die Kinder beider Klassen jeweils mit dem ELFE-1-6 getestet, in beiden Klassen fehlte jeweils ein Kind, sodass f\u00fcr die Auswertung die Daten von 24 Kindern aus der Experimentalgruppe zur Verf\u00fcgung stehen und Daten von 19 Kindern aus der Kontrollgruppe.\r\n\r\nBei der Berechnung einer Kovarianzanalyse \u00fcber die Gesamtskala zum Zeitpunkt des Nachtests zeigte sich ein signifikanter Gruppenunterschied. Die Experimentalgruppe schnitt dabei signifikant besser ab. Der Gruppenunterschied lag hierbei bei einer Effektst\u00e4rke von\u00a0<em>d <\/em>= 0.69, was laut Hattie (2009, S.19) bei schulischen Interventionsstudien einem grossen Effekt entspricht. Zur \u00dcberpr\u00fcfung, welcher Bereich des Leseerwerbs (Wort-, Satz- oder Textverst\u00e4ndnis) am st\u00e4rksten durch das Lesetraining beeinflusst wird, wurden analog zum Gesamttest Posttests mit den einzelnen Subskalen durchgef\u00fchrt. Dabei zeigten sich die st\u00e4rksten Effekte im Textverst\u00e4ndnis<em>\u00a0mit d <\/em>= 0.91. Auch das Wortverst\u00e4ndnis profitierte deutlich von der Intervention,\u00a0mit einer Effektst\u00e4rke von\u00a0<em>d<\/em> = 0.69. Beim Satzverst\u00e4ndnis zeigte sich nur eine numerische \u00dcberlegenheit der Experimental- gegen\u00fcber der Kontrollgruppe.\r\n\r\nDas Programm kann somit als empirisch fundiert gelten, die Ergebnisse beruhen aber auf einer einzigen kleineren Kurzzeitstudie ohne randomisierte Zuweisung und ohne Langzeitfolgenabsch\u00e4tzung. Somit sind die Ergebnisse zwar vielversprechend, aber nicht hinreichend robust, um von gesicherter Wirksamkeit zu sprechen. Auch scheinen die Transferleistungen auf realen Lesekontext (ausserhalb des Spiels) nicht empirisch \u00fcberpr\u00fcft worden zu sein.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Lenhard, A., Lenhard, W. &amp; K\u00fcspert, P. (2023). <em>Lesespiele mit Elfe und Mathis. Computerbasierte Lesef\u00f6rderung f\u00fcr die erste bis vierte Klasse<\/em> (3. \u00fcberarb. Aufl.). Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Schiecke, V. &amp; Bender, F. (2015). Lesespiele mit Elfe und Mathis. <em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, <em>4<\/em>(3), 225\u2013226. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000108\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000108<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma99116894893805521\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma99116894893805521\">Didaktischen Zentrum<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nLetzte \u00c4nderung: 11\/2025\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a>\r\n\r\n&nbsp;","rendered":"<p>von Alexandra Lenhard, Wolfgang Lenhard und Petra K\u00fcspert (2023)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1000\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-212x300.jpg 212w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-65x92.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-225x318.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis-350x495.jpg 350w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/11\/Lesespiele-Elfe-und-Mathis.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"1\" data-aria-level=\"1\">1. bis 4. Klasse<\/li>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Einzeltraining<\/li>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Universelle, selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\n<td>Informationen zur theoretischen Fundierung sind aufgef\u00fchrt.<\/td>\n<td>Erste Belege sind vorhanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Die \u00abLesespiele mit Elfe und Mathis\u00bb sind ein computerbasiertes F\u00f6rderprogramm, das Kindern von der 1. bis 4. Klassenstufe dabei hilft, ihre Lesef\u00e4higkeiten zu verbessern.<\/p>\n<p>Bei sehr leistungsschwachen Kindern kann es erg\u00e4nzend zu therapeutischen Angeboten bis zur 6. Klassestufe eingesetzt werden. Besonders leistungsstarke Kinder im Zyklus 1 k\u00f6nnen es bereits im Kindergarten zum Erlernen von Buchstabenwissen nutzen.<\/p>\n<p>Das Programm dient der Ein\u00fcbung, Vertiefung und Automatisierung von Lesefertigkeiten. Gef\u00f6rdert wird das Leseverst\u00e4ndnis. Es kann von Lehrpersonen und\/oder Therapeut:innen eingesetzt werden, um mit computerbasiertem \u00dcbungsmaterial spielerisch das Leseverst\u00e4ndnis auf verschiedenen Niveaus zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>W\u00f6chentlich sind ein bis zwei Trainingseinheiten von jeweils h\u00f6chstens 20 Minuten vorgesehen, was etwa zwei bis vier \u00dcbungen entspricht. F\u00fcr einen vollst\u00e4ndigen Durchlauf des Programms braucht es mindestens 20 Einheiten, bei leistungsschw\u00e4cheren Kindern entsprechend mehr. Als erg\u00e4nzendes Material in der Therapie k\u00f6nnen die Lesespiele auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit genutzt werden. Im therapeutischen Bereich gibt es \u00dcbungen zur Graphem-Phonem-Zuordnung. In diesem Modus k\u00f6nnen die Lehrpersonen oder Therapeut:innen den Computer als Pr\u00e4sentationshilfe einsetzen, w\u00e4hrend das Kind die L\u00f6sungen m\u00fcndlich gibt.<\/p>\n<p>Die \u00dcbungen sind in eine kindgerechte Rahmenhandlung eingebettet, die im Elfenland angesiedelt ist. Die Kinder begleiten die beiden Elfenfiguren Elfe und Mathis auf einer geheimen Mission: Sie sollen das sagenumwobene Alphabetikon zur\u00fcckholen, das von Kobolden gestohlen und in deren Festung versteckt wurde. Um das Ziel zu erreichen, durchwandern die Kinder ein mehrst\u00f6ckiges B\u00fccherlabyrinth und l\u00f6sen auf jeder Ebene unterschiedliche Aufgaben. F\u00fcr jede erfolgreich bew\u00e4ltigte \u00dcbung gibt es Edelsteine, die ben\u00f6tigt werden, um zur n\u00e4chsten Ebene vorzur\u00fccken. W\u00e4hrend der Bearbeitung erh\u00e4lt das Kind direktes Feedback in Form eines akustischen Signals und einer Fortschrittsanzeige. Die einzelnen Ebenen stehen dabei f\u00fcr die vier inhaltlichen Schwerpunkte des Programms:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Laute und Silben: <\/strong>Zuordnung von Lauten zu Schriftzeichen und Silbensynthese, Segmentierung von W\u00f6rtern in Silben, Anlauterkennung, Erkennen von Reimen<\/li>\n<li><strong>W\u00f6rter<\/strong>: Analyse von W\u00f6rtern (Aufteilen in Silben, Erkennen des Wortstammes, Erkennen von Wortteilen und Silben in W\u00f6rtern), schnelles Dekodieren (Wort-Bild-Zuordnung)<\/li>\n<li><strong>S\u00e4tze<\/strong>: Lokale Koh\u00e4renzbildung, syntaktisches Parsing und Erkennen von Fehlern auf Satzebene<\/li>\n<li><strong>Texte und Strategien<\/strong>: verstehendes Lesen, Erkennen von Lesefehlern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Informationen zum Training und M\u00f6glichkeit, eine kostenfreie Demo-Version zu testen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.psychometrica.de\/lesespiele.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.psychometrica.de\/lesespiele.html<\/a>\u00a0[19.11.2025]<\/p>\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\n<p>Um die<em>\u00a0Lesespiele mit Elfe und Mathis<\/em>\u00a0durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, muss das Programm zun\u00e4chst auf einem Computer installiert werden. Das Trainingsprogramm kann dann von den Kindern weitgehend selbstst\u00e4ndig bearbeitet werden, jedoch wird empfohlen, dass jedem Kind w\u00e4hrend der gesamten Durchf\u00fchrung eine geeignete Betreuungsperson zur Verf\u00fcgung steht. Vor dem Trainingsbeginn sollten sich Lehrpersonen und\/oder Therapeut:innen gut mit Inhalten und Bedienung des Programms vertraut machen.<\/p>\n<p>Trotz hoher Benutzerfreundlichkeit k\u00f6nnen technische und organisatorische Voraussetzungen (Einzelpl\u00e4tze, PC-Verf\u00fcgbarkeit, Vorbereitungsaufwand) die Durchf\u00fchrbarkeit im Regelunterricht einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Vor Trainingsbeginn muss sich die Betreuungsperson einen \u00dcberblick \u00fcber das Leistungsprofil des jeweiligen Kindes verschaffen. Angepasst an den Lernstand w\u00e4hlt die Betreuungsperson dann entweder ein Klassenprofil aus (Das Kind soll Aufgaben bearbeiten, die jeweils der Klassenstufe 1-4 zugeordnet werden). Alternativ kann auch ein individuelles Profil f\u00fcr das Kind angelegt werden, was jedoch mehr Aufwand bedeutet, gleichzeitig bietet die Auswahl des Profils nach Klassenstufen lediglich eine grobe Anpassung an den individuellen Lernstand des Kindes. Eine weitere M\u00f6glichkeit zur Anpassung des Programms an die Bed\u00fcrfnisse der Kinder besteht darin, Testergebnisse g\u00e4ngiger Lesetests einzugeben.<\/p>\n<p>Das Manual f\u00fchrt die Leser:innen zun\u00e4chst durch die Installation des Programms, erl\u00e4utert dann allgemeine Gestaltungsprinzipien und Spielinhalte. Im Anschluss bietet es genaue Hinweise f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Programms und endet mit Hinweisen zur Bedienung. Besonders interessant f\u00fcr Therapeut:innen ist dabei die Zusatzfunktion \u201eTherapeutischer Bereich\u201c.<\/p>\n<p>Die Aufgaben des Trainingsprogramms sind in eine altersgerechte Rahmenhandlung eingebettet, sodass Kinder spielerisch und mit Freude Lesen \u00fcben k\u00f6nnen. Das Lernen soll den Sch\u00fcler:innen Spass machen, damit sie ihre Motivation erhalten, auch wenn es schwierig wird. Eine ansprechende Spielumgebung und kontinuierliche Verst\u00e4rkung geh\u00f6ren ebenso zum Programm, wie die Auswahlm\u00f6glichkeit einer geschlechtsspezifischen Spielfigur. Das Programm kann individuell angepasst und die Aufgaben f\u00fcr jedes Kind eingestellt werden. Eine \u00dcberforderung wird damit bereits im Vorhinein ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Schiecke und Bender (2015) legen eine aussagekr\u00e4ftige Rezension vor und kommen zu folgendem Fazit: Unterst\u00fctzend zum schulischen Alltag oder auch im therapeutischen Kontext bietet dieses Programm eine gute Variante von Lese\u00fcbungen. Allein die Verwendung des Computers ist meist sehr reizvoll f\u00fcr Sch\u00fcler\/innen Die Aufbereitung des Programms und die gut durchdachten Verst\u00e4rker sind besonders f\u00fcr leseschwache Kinder sehr motivationsf\u00f6rdernd. Das Programm ist leicht zu bedienen und somit k\u00f6nnen die Sch\u00fcler:innen \u2013 nach Anpassung des Schwierigkeitsgrades \u2013 alle \u00dcbungen selbst\u00e4ndig durchlaufen. Besonders die Kombination aus adaptivem Lernen, spielerischen Elementen und direkter R\u00fcckmeldung spricht f\u00fcr einen breiten Einsatz im schulischen und therapeutischen Kontext.<\/p>\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<p>Das F\u00f6rderprogramm beruht auf einer Verkn\u00fcpfung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Psychologie, Sonderp\u00e4dagogik und praktischer lerntherapeutischer Arbeit. Die Autor:innen begr\u00fcnden die Auswahl der \u00dcbungen sowie die Bedeutung der \u00dcbungen f\u00fcr den Leseerwerb mit einschl\u00e4giger Literatur.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus legen sie Wert auf positive Verst\u00e4rker, die die Motivation der teilnehmenden Sch\u00fcler:innen beim Leseerwerb langfristig aufrechterhalten sollen. Sie argumentieren, dass Defizite der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit schnell zu Motivationsverlust oder gar Angst vor einem bestimmten Schulfach f\u00fchren k\u00f6nnen, andererseits bewirken auch mangelnde Motivation, Angst und ein negatives Selbstkonzept ihrerseits schlechte Lernergebnisse. Beide Faktoren stehen in Wechselwirkung, daher wird ein Kontext bef\u00fcrwortet, der den Kindern Freude bereitet und die Motivation auch bei kognitiven H\u00fcrden aufrechterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Daher entwickelten die Autor:innen verschiedene Arten von Anreizen, wie die informelle Verst\u00e4rkung, die R\u00fcckmeldung \u00fcber Erfolg, bzw. Misserfolg. Die Kinder bekommen eine unmittelbare R\u00fcckmeldung, ob eine Aufgabe richtig bearbeitet wurde und k\u00f6nnen zudem \u00fcber eine Fortschrittsanzeige ihre bisherige L\u00f6sungsquote einsehen. Ferner kommen sekund\u00e4re, visuell-materielle Verst\u00e4rker zum Einsatz, wenn Kinder f\u00fcr jede abgeschlossene Aufgabe einen Edelstein sammeln oder den Schl\u00fcssel zum n\u00e4chsten Stockwerk erhalten und damit aufsteigen. Als letztes Motivationselement betonen die Autor:innen die M\u00f6glichkeit, die Spielfigur geschlechtsspezifisch auszuw\u00e4hlen, wodurch sich die Kinder st\u00e4rker mit dem Ziel identifizieren sollen.<\/p>\n<p>In der Konzeption des Materials wurde ferner auf Adaptivit\u00e4t R\u00fccksicht genommen, indem die Profile der Aufgaben und des Niveaus f\u00fcr jedes Kind individuell einstellbar sind. Es wird argumentiert, dass die besten individuellen Leistungen in der Regel dann erreicht werden, wenn hohe, aber erreichbare Ziele gesetzt werden, weshalb spezifische Anpassungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein gutes Training unabdingbar sind.<\/p>\n<p>Bei der Konzeption der Teilaufgaben wurde auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur\u00fcckgegriffen, so basiert das Spiel \u201eMitlesen\u201c beispielsweise auf dem erwiesenermassen wirksamen Konzept des Tandemlesens.<\/p>\n<p>Insgesamt kann das F\u00f6rderprogramm als theoretisch fundiert eingestuft werden, es zeigt aber starke behavioristische Z\u00fcge. Neuere motivationale Konzepte (z.B. Selbstbestimmungstheorie) werden nur indirekt ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<h2>Evaluation<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung des Programms lagen zun\u00e4chst nur die Ergebnisse einer f\u00fcnfw\u00f6chigen Kurzzeitintervention f\u00fcr zwei 2. Klassen vor. Mit einer der zwei Klassen wurden in dieser Zeit in zwei Deutschstunden pro Woche die \u201eLesespiele mit Elfe und Mathis\u201c durchgef\u00fchrt. Die andere Klasse erhielt normalen Deutschunterricht. Vor und nach dem F\u00f6rderzeitraum wurden die Kinder mit dem ELFE 1 \u2013 6 Leseverst\u00e4ndnistest getestet. Die recht kurze Intervention erbrachte nachweisbare Effekte im Wort- und im Textverst\u00e4ndnis. Im Satzverst\u00e4ndnis konnten hingegen keine bedeutsamen Effekte nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Von Ende April bis Anfang Juni 2014 fand eine Kurzzeitintervention zu\u00a0<em>Lesespiele mit Elfe und Mathis<\/em>\u00a0mit zwei 2. Klassen einer bayrischen Grundschule \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Wochen statt. In dieser Zeit bekam eine Klasse (25 Kinder) f\u00fcr zwei Schulstunden pro Woche statt Deutschunterricht die M\u00f6glichkeit, sich mit dem Training zu befassen. Die Kinder arbeiteten paarweise in individuellem Arbeitstempo an einem PC und wurden von einer Tutorin betreut. Aufgrund des kurzen F\u00f6rderzeitraumes konnten die meisten Kinder das Programm nicht vollst\u00e4ndig durchlaufen. Eine andere Klasse (20 Kinder) erhielt als Kontrollgruppe in dem Zeitraum regul\u00e4ren Deutschunterricht. Vor und nach der Intervention wurden die Kinder beider Klassen jeweils mit dem ELFE-1-6 getestet, in beiden Klassen fehlte jeweils ein Kind, sodass f\u00fcr die Auswertung die Daten von 24 Kindern aus der Experimentalgruppe zur Verf\u00fcgung stehen und Daten von 19 Kindern aus der Kontrollgruppe.<\/p>\n<p>Bei der Berechnung einer Kovarianzanalyse \u00fcber die Gesamtskala zum Zeitpunkt des Nachtests zeigte sich ein signifikanter Gruppenunterschied. Die Experimentalgruppe schnitt dabei signifikant besser ab. Der Gruppenunterschied lag hierbei bei einer Effektst\u00e4rke von\u00a0<em>d <\/em>= 0.69, was laut Hattie (2009, S.19) bei schulischen Interventionsstudien einem grossen Effekt entspricht. Zur \u00dcberpr\u00fcfung, welcher Bereich des Leseerwerbs (Wort-, Satz- oder Textverst\u00e4ndnis) am st\u00e4rksten durch das Lesetraining beeinflusst wird, wurden analog zum Gesamttest Posttests mit den einzelnen Subskalen durchgef\u00fchrt. Dabei zeigten sich die st\u00e4rksten Effekte im Textverst\u00e4ndnis<em>\u00a0mit d <\/em>= 0.91. Auch das Wortverst\u00e4ndnis profitierte deutlich von der Intervention,\u00a0mit einer Effektst\u00e4rke von\u00a0<em>d<\/em> = 0.69. Beim Satzverst\u00e4ndnis zeigte sich nur eine numerische \u00dcberlegenheit der Experimental- gegen\u00fcber der Kontrollgruppe.<\/p>\n<p>Das Programm kann somit als empirisch fundiert gelten, die Ergebnisse beruhen aber auf einer einzigen kleineren Kurzzeitstudie ohne randomisierte Zuweisung und ohne Langzeitfolgenabsch\u00e4tzung. Somit sind die Ergebnisse zwar vielversprechend, aber nicht hinreichend robust, um von gesicherter Wirksamkeit zu sprechen. Auch scheinen die Transferleistungen auf realen Lesekontext (ausserhalb des Spiels) nicht empirisch \u00fcberpr\u00fcft worden zu sein.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<ul>\n<li>Lenhard, A., Lenhard, W. &amp; K\u00fcspert, P. (2023). <em>Lesespiele mit Elfe und Mathis. Computerbasierte Lesef\u00f6rderung f\u00fcr die erste bis vierte Klasse<\/em> (3. \u00fcberarb. Aufl.). Hogrefe.<\/li>\n<li>Schiecke, V. &amp; Bender, F. (2015). Lesespiele mit Elfe und Mathis. <em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, <em>4<\/em>(3), 225\u2013226. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000108\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000108<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma99116894893805521\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma99116894893805521\">Didaktischen Zentrum<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letzte \u00c4nderung: 11\/2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alexandra Lenhard, Wolfgang Lenhard und Petra K\u00fcspert (2023) &nbsp; Einsatzbereich 1. bis 4. Klasse Einzeltraining Universelle, selektive und indizierte Pr\u00e4vention Qualit\u00e4tskriterien Durchf\u00fchrbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation Bewertung Erl\u00e4uterung Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Informationen zur theoretischen Fundierung sind aufgef\u00fchrt. Erste Belege sind vorhanden. 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