{"id":956,"date":"2025-05-02T15:15:19","date_gmt":"2025-05-02T13:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/?post_type=chapter&#038;p=956"},"modified":"2026-04-20T10:26:28","modified_gmt":"2026-04-20T08:26:28","slug":"lautarium-ein-computerbasiertes-trainingsprogramm-fuer-grundschulkinder-mit-lese-rechtschreibschwierigkeiten","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/chapter\/lautarium-ein-computerbasiertes-trainingsprogramm-fuer-grundschulkinder-mit-lese-rechtschreibschwierigkeiten\/","title":{"raw":"Lautarium. Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten","rendered":"Lautarium. Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten"},"content":{"raw":"von Maria Klatte, Claudia Steinbrink, Kirstin Bergstr\u00f6m und Thomas Lachmann (2017)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-958\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<ul>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"1\" data-aria-level=\"1\">1. bis 4. Klasse<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<ul>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Einzeltraining<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<ul>\r\n \t<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"3\" data-aria-level=\"1\">Selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\r\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td>\u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDas Lautarium ist ein computergest\u00fctztes Trainingsprogramm zur F\u00f6rderung von Grundschulkindern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Es richtet sich an Grundschulkinder der ersten und zweiten Klassenstufe, die Probleme beim Schriftspracherwerb haben, sowie an Sch\u00fcler:innen der dritten und vierten Klassenstufe mit anhaltenden Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten respektive mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibst\u00f6rung (LRS).\r\n\r\nDas Lautarium kann sowohl in der schulischen als auch in der ausserschulischen F\u00f6rderung eingesetzt werden. Es eignet sich zudem f\u00fcr den Einsatz im Elternhaus, da die Kinder das Programm weitgehend selbstst\u00e4ndig nutzen k\u00f6nnen.\r\n\r\nDas Lautarium soll f\u00fcnfmal w\u00f6chentlich \u00fcber einen Zeitraum von 8 Wochen durchgef\u00fchrt werden, wobei jede Einheit 20 bis 30 Minuten dauert. Das Programm umfasst insgesamt 58 \u00dcbungen, die sich auf folgende sechs Bereiche konzentrieren:\r\n<ol>\r\n \t<li>Phonemwahrnehmung (Diskrimination und Identifikation von Konsonanten und Vokall\u00e4ngen)<\/li>\r\n \t<li>Phonemwahrnehmung und Graphem-Phonem-Zuordnung<\/li>\r\n \t<li>Phonologische Bewusstheit (Lautanalyse, -synthese und -klassifikation)<\/li>\r\n \t<li>Phonologische Bewusstheit und Graphem-Phonem-Zuordnung<\/li>\r\n \t<li>Lesen und Schreiben lautgetreuer W\u00f6rter<\/li>\r\n \t<li>Schnelle Worterkennung (\u00abBlitzlesen\u00bb)<\/li>\r\n<\/ol>\r\nDas \u00dcbungsmaterial umfasst etwa 8.000 Sprachdateien, 600 Bilddateien sowie virtuelle \u00abBausteine\u00bb, die Laute und die entsprechenden Basisgrapheme darstellen.\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nIm Manual sind alle Aufgaben sowie die computergest\u00fctzte Nutzung detailliert beschrieben. Das Lautarium ist so konzipiert, dass die Kinder es weitgehend selbst\u00e4ndig bearbeiten k\u00f6nnen. Die Aufgabenauswahl erfolgt adaptiv und passt sich an den aktuellen Leistungsstand des Kindes an, ohne dass eine manuelle Auswahl durch eine Programmleiterin oder einen Programmleiter notwendig ist. Nach jeder Antworteingabe sowie am Ende jeder \u00dcbung erh\u00e4lt das Kind eine grafisch ansprechende Leistungsr\u00fcckmeldung.\r\n\r\nZur Motivationserhaltung ist das Programm mit einem Belohnungssystem ausgestattet. F\u00fcr richtige Antworten erhalten die Kinder virtuelle Taler, mit denen sie Fische, Pflanzen, Muscheln und Gegenst\u00e4nde zur Gestaltung eines individuellen, animierten Aquariums \u00abkaufen\u00bb k\u00f6nnen.\r\n\r\n\u00dcber ein verstecktes Auswahlmen\u00fc kann die Betreuungsperson Statistiken \u00fcber die Leistungen der Benutzer:innen abrufen und somit den Lernfortschritt verfolgen.\r\n\r\nF\u00fcr den Einsatz des Programms werden ein Laptop oder Computer mit Maussteuerung, ein USB-Anschluss sowie Kopfh\u00f6rer ben\u00f6tigt. Weitere technische Angaben sind im Manual beschrieben.\r\n\r\nIn ihrer Rezension schreibt Beiswanger (2019, S. 193) w\u00fcrdigend: \u00abWirklich interessant aufbereitet\u2013 schlie\u00dflich ist das Thema der Phonemdiskrimination f\u00fcr Kinder oft alles andere als spannend, aber hier ist es wirklich gelungen, ein trockenes Thema kindgerecht und adaptiv aufzuarbeiten.\u00bb\r\n\r\n<\/div>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\nDas Programm Lautarium basiert auf aktuellen internationalen Forschungsergebnissen zu den Ursachen sowie den Interventions- und Pr\u00e4ventionsm\u00f6glichkeiten bei LRS(-Risiko). Im Manual wird die Bedeutung der phonologischen Informationsverarbeitung f\u00fcr den Erwerb der Schriftsprache und das Auftreten von LRS hervorgehoben. Zu den Aspekten dieser Verarbeitung geh\u00f6ren die Phonemwahrnehmung, die phonologische Bewusstheit, das phonologische Arbeitsged\u00e4chtnis sowie der Abruf phonologischer Repr\u00e4sentationen aus dem Langzeitged\u00e4chtnis (Steinbrink &amp; Lachmann, 2014; Wagner &amp; Torgesen, 1987). Die phonologische Informationsverarbeitung gilt als eine zentrale kognitive Grundlage des Schriftspracherwerbs, deren St\u00f6rung als Ursache f\u00fcr eine LRS angesehen wird. Aus diesem Grund fokussieren sich Interventionen bei LRS(-Risiko) auf die F\u00f6rderung phonologischer F\u00e4higkeiten.\r\n\r\nDar\u00fcber hinaus wird die Bedeutung der Vokall\u00e4ngenwahrnehmung f\u00fcr den Schriftspracherwerb und LRS behandelt. Da die Vokall\u00e4nge im Deutschen nicht durch den Vokal selbst, sondern durch die nachfolgenden Konsonanten markiert wird, k\u00f6nnen Unsicherheiten in der Vokall\u00e4ngenerkennung zu Problemen bei der korrekten orthographischen Vokall\u00e4ngenmarkierung f\u00fchren und Rechtschreibprobleme nach sich ziehen. Die F\u00e4higkeit, die Vokall\u00e4nge als Hinweis f\u00fcr die Wortschreibung zu nutzen, kann auch R\u00fcckwirkungen auf das Lesen haben. Daher sollten F\u00f6rdermassnahmen f\u00fcr Grundschulkinder mit LRS(-Risiko) auch phonologische \u00dcbungen mit Fokus auf Vokall\u00e4ngen beinhalten.\r\n\r\nEmpirische Befunde zeigen, dass ein erfolgsversprechender Ansatz f\u00fcr Kinder mit LRS(-Risiko) die Verbindung eines phonologischen Trainings mit der Vermittlung von Graphem-Phonem-Zuordnungen sowie \u00dcbungen zum lautgetreuen Lesen und Schreiben darstellt, ein Konzept, das unter dem Begriff \u00abphonics instruction\u00bb bekannt ist (Ehri et al., 2001; Torgesen et al., 2006).\r\n\r\nDie Entwicklung alphabetischer Lese- und Rechtschreibstrategien, bei denen Graphem-Phonem-Beziehungen zum Lesen und Schreiben von W\u00f6rtern genutzt wird, stellt einen wichtigen und notwendigen Schritt im Lese- und Schreiblernprozess dar. Die Entwicklung schreitet zus\u00e4tzlich voran, hin zum Erwerb und zur Nutzung orthographischer Lese- und Rechtschreibstrategien.\r\n\r\nZus\u00e4tzlich werden im Manual des Programms Lautarium die Vorteile einer computerbasierten F\u00f6rderung im Vergleich zu einer nicht computerbasierten F\u00f6rderung betont. Diese umfassen die adaptive Anpassung an das Lerntempo und den Schwierigkeitsgrad, qualitativ hochwertige Sprachausgaben und der zugeh\u00f6rigen orthographischen Einheiten, \u00fcber den F\u00f6rderunterricht hinausreichende \u00dcbungsm\u00f6glichkeiten, k\u00fcrzere und daf\u00fcr h\u00e4ufigere F\u00f6rdereinheiten, direktes Feedback und ein graphisch umgesetztes Verst\u00e4rkersystem.\r\n\r\nEntsprechend umfasst das Programm Lautarium aufeinander aufbauende \u00dcbungen zur Phonemwahrnehmung, phonologischen Bewusstheit, zur Graphem-Phonem-Zuordnung und zum lautgetreuen Lesen und Schreiben. Erg\u00e4nzend trainiert die Aufgabe \u00abBlitzlesen\u00bb das schnelle Worterkennen \u2013 alles in einer computergest\u00fctzten Lernumgebung.\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>Evaluation<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nIm Manual des Programms Lautarium werden f\u00fcnf Studien erl\u00e4utert. In einer Vorstudie (Klatte et al., 2013) wurde untersucht, ob die entwickelten Trainingsaufgaben die spezifischen Defizite von Kindern mit LRS wie beabsichtigt erfassen. Dazu wurden 35 leseschwache Dritt- und Viertkl\u00e4ssler mit 75 durchschnittlich lesenden derselben Klassenstufen verglichen. Die leseschwachen Kinder schnitten in allen Aufgaben schlechter ab als die Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigten, dass die entwickelten Trainingsaufgaben die Defizite leseschwacher Kinder abbilden, weshalb ein Training mit diesen Aufgaben grunds\u00e4tzlich sinnvoll erscheint.\r\n\r\nDie Wirksamkeit des Programms wurde in weiterf\u00fchrenden Studien untersucht, darunter zwei Interventions- und zwei Pr\u00e4ventionsstudien. In allen vier Studien wurden die Kinder vor Beginn, direkt nach Abschluss und erneut nach Ende des Trainings getestet. Interventionsstudie 1 (Klatte et al., 2014; Klatte et al. 2016) sowie Pr\u00e4ventionsstudie I (Klatte et al., 2016) arbeiteten dabei mit einer fr\u00fcheren Version des Programms.\r\n\r\nAn Interventionsstudie 1 nahmen 41 Drittkl\u00e4ssler:innen mit LRS teil. Die Kinder der Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 20) erzielten in beiden Nachtests im Vergleich zur Kontrollgruppe (<em>N<\/em> = 21) bessere Ergebnisse in Untertests zur Phonemwahrnehmung, phonologischen Bewusstheit und lautgetreuen Rechtschreibung. Zudem schnitt die Trainingsgruppe im zweiten Nachtest beim Vorlesen von W\u00f6rtern und Pseudow\u00f6rtern signifikant besser ab. Allerdings lagen die Effektst\u00e4rken im niedrigen bis mittleren Bereich, und nicht in allen Tests konnten Effekte nachgewiesen werden. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das Lautarium \u00fcberarbeitet und erweitert.\r\n\r\nAn Pr\u00e4ventionsstudie 1 nahmen 102 Erstkl\u00e4ssler:innen teil, um zu pr\u00fcfen, ob das Programm zur Unterst\u00fctzung des beginnenden Schriftspracherwerbs geeignet ist. Die Trainingsgruppe setzte sich aus 18 schwachen und 35 nicht schwachen Leser:innen zusammen, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe aus 17 schwachen und 32 nicht schwachen Leser:innen bestand. Die schwachen Leser:innen in der Trainingsgruppe erzielten in allen untersuchten Bereichen gr\u00f6ssere Lernfortschritte als diejenigen in der Kontrollgruppe, mit Effektst\u00e4rken im mittleren bis hohen Bereich. Bei den nicht schwachen Leser:innen zeigten sich nicht in allen Tests Effekte. Insgesamt erwies sich das Lautarium f\u00fcr schwache Leser:innen als eine effektive Methode zur F\u00f6rderung phonologischer und schriftsprachlicher Leistungen.\r\n\r\nIn Interventionsstudie 2, bei der die optimierte Programmversion eingesetzt wurde, nahmen 41 Drittkl\u00e4ssler:innen teil, darunter 27 Kinder in der Trainings- und 14 Kinder in der Kontrollgruppe mit intensivem Lesetraining. Die Ergebnisse zeigten signifikante Trainingseffekte mittlerer bis hoher Effektst\u00e4rken in der phonologischen Bewusstheit und im Rechtschreiben. In der Leseleistung erzielten beide Gruppen vergleichbare Leistungen. Das Lautarium zeigte somit \u00fcber den schulischen F\u00f6rderunterricht hinausgehende Erfolge.\r\n\r\nPr\u00e4ventionsstudie 2 wurde als Wartegruppendesign mit Zweitkl\u00e4ssler:innen aus zwei Grundschulen in sozial benachteiligten Gebieten durchgef\u00fchrt. Die Kinder einer Schule (<em>N<\/em> = 53) absolvierten das Lautarium-Training zu Beginn des Schuljahres. Im Vergleich zur Wartegruppe (<em>N<\/em> = 45) erzielten sie nach dem Training signifikant st\u00e4rkere Fortschritte in der Rechtschreibung, jedoch nicht im Lesen und der phonologischen Bewusstheit. Die vergleichsweise geringen Trainingseffekte wurden auf mangelnde Trainingsintensit\u00e4t zur\u00fcckgef\u00fchrt, da Unterrichtsbeobachtungen h\u00e4ufige Ablenkungen (z.B. gegenseitiges Zeigen der Aquarien) und Unterbrechungen (z.B. Einstellen des Kopfh\u00f6rers) w\u00e4hrend des Trainings dokumentierten. Das Lautarium wurde daraufhin modifiziert, um ein z\u00fcgigeres Durcharbeiten zu erm\u00f6glichen. Am Schuljahresende durchlief die Wartegruppe das Training mit der angepassten Version und erzielte signifikant st\u00e4rkere Fortschritte in der phonologischen Bewusstheit sowie im Lesen und in der Rechtschreibung, mit mittleren bis hohen Effektst\u00e4rken. Die Kinder blieben l\u00e4nger konzentriert, m\u00f6glicherweise beg\u00fcnstigt durch die l\u00e4ngere Beschulung und\/oder ihr h\u00f6heres Alter, das eine selbstst\u00e4ndigere Bearbeitung der Aufgaben erleichterte.\r\n\r\nH\u00f6nninger (2019) f\u00fchrte eine Studie mit Dritt- und Viertkl\u00e4sslern mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen an einem sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderzentrum durch. Die Evaluationsstudie wurde als Wartekontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten (Vortest, Nachtest 1 und 2) angelegt. Die Kinder der Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 16) trainierten \u00fcber einen Zeitraum von etwa neun Wochen parallel zum regul\u00e4ren Unterricht t\u00e4glich f\u00fcr ca. 15\u201320 Minuten individuell mit Kopfh\u00f6rern an Laptops. Die Trainingsgruppe zeigte in einem der Subtests zur phonologischen Bewusstheit signifikante und anhaltende Trainingseffekte mit mittlerer bis hoher Effektst\u00e4rke (d = 0,56 bis 1,29). Zudem zeigten sich Tendenzen zu Leistungssteigerungen in einem zweiten Subtest zur phonologischen Bewusstheit sowie Hinweise auf positive Trainingseffekte beim Lesen und beim lautgetreuen Schreiben. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Kinder mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen von einer F\u00f6rderung mit dem Programm Lautarium profitieren k\u00f6nnen.\r\n\r\nDie Studie von Konerding et al. (2021) im Pr\u00e4test-Posttest-Follow-up-Design untersuchte die Effekte des Programms Lautarium bei 41 Kindern mit Lese-Rechtschreib-St\u00f6rung (LRS), die spezielle F\u00f6rderklassen besuchten. Die Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 27) absolvierte \u00fcber sieben Wochen hinweg ein t\u00e4gliches Training (5-mal pro Woche f\u00fcr etwa 30 Minuten) im Rahmen des F\u00f6rderunterrichts mit Lautarium, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe (N = 14) eine herk\u00f6mmliche Lesef\u00f6rderung in Kleingruppen erhielt. In den Bereichen Rechtschreibung und phonologische Bewusstheit zeigten sich signifikante, sowohl kurzfristige (<em>d<\/em> = 0.43 bis 0.96) als auch anhaltende (<em>d<\/em> = 0.47 bis 1.11) Trainingseffekte. F\u00fcr die Lesef\u00e4higkeit hingegen konnte kein signifikanter Vorteil der Trainingsgruppe gegen\u00fcber der Kontrollgruppe festgestellt werden.\r\n\r\nVergleichbare Ergebnisse zeigten sich f\u00fcr Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen (Konerding et al., 2020). Es wurden 26 Kinder untersucht. Die Kinder der Trainingsgruppe arbeiteten w\u00e4hrend des Schulunterrichts \u00fcber einen Zeitraum von 8 Wochen t\u00e4glich 20 Minuten mit dem Programm, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe weiterhin regul\u00e4ren Unterricht erhielt. Deutschsprachige Tests zur phonologischen Bewusstheit, zum Lesen, Schreiben und Wortschatz wurden zu drei Zeitpunkten durchgef\u00fchrt (Vortest, unmittelbarer Nachtest und Follow-up nach 9 Wochen). Die Analysen best\u00e4tigten, dass die Fortschritte in phonologischer Bewusstheit, Rechtschreibung \u00a0und Wortschatz zwischen Vortest und Nachtest in der Trainingsgruppe st\u00e4rker ausfielen als in der Kontrollgruppe. F\u00fcr die Rechtschreibung (<em>d<\/em> = 0.35 bis 0.71) und den Wortschatz (<em>d<\/em> = 0.62 bis 0.72) blieben diese Effekte auch im Follow-up signifikant. Die Effektst\u00e4rken lagen im mittleren bis hohen Bereich. Hinsichtlich der Leseleistungen konnten keine Gruppenunterschiede festgestellt werden.\r\n\r\nIn der randomisierten Kontrollstudie von Konerding et al. (2022) wurde das Programm Lautarium zu Beginn der zweiten Klasse bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten angewendet. Die Trainingsgruppe (<em>N<\/em>\u00a0= 43) absolvierte \u00fcber einen Zeitraum von zehn Wochen ein Training im Rahmen des Schulunterrichts, und zwar 5-mal w\u00f6chentlich f\u00fcr 30 Minuten, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe (<em>N\u00a0<\/em>= 43) regul\u00e4ren Unterricht erhielt.\u00a0Die Ergebnisse des Posttests zeigten signifikante Trainingsvorteile mit geringer bis mittlerer Effektst\u00e4rke f\u00fcr die phonologische Bewusstheit (<em>d<\/em> = 0.38) sowie die Leseleistung (<em>d<\/em> = 0.23 bis 0.34) und Rechtschreibleistungen (<em>d<\/em> = 0.44). Die befragten Lehrkr\u00e4fte berichteten von einer motivierten und selbstst\u00e4ndigen Durchf\u00fchrung durch die Kinder und bewerteten das Anforderungsniveau der \u00dcbungsspiele als angemessen. Die Ergebnisse untermauern die Wirksamkeit von Lautarium.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Beiswanger, C. (2019). Lautarium: Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, bestehend aus Manualen und USB-Stick. <em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, <em>8<\/em>(3), 193\u2013193. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000275\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000275<\/a><\/li>\r\n \t<li>Ehri, L.C., Nunes, S.R., Stahl, S.A. &amp; Willows, D.M. (2001). Systematic phonics instruction helps students learn to read: Evidence from the National Reading Panel\u2019s meta-analysis. <em>Review of Educational Research, 71<\/em>, 393\u2013447. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3102\/00346543071003393\">https:\/\/doi.org\/10.3102\/00346543071003393<\/a><\/li>\r\n \t<li>H\u00f6nninger, A. (2019). Evaluation des computerbasierten Trainingsprogramms Lautarium bei Kindern mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen. <em>Forschung Sprache 1<\/em>, 38\u201357.<\/li>\r\n \t<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann T. (2013). Phonologische Verarbeitung bei Grundschulkindern mit schwacher Lesef\u00e4higkeit.\u00a0<em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, 2, 199\u2013215.\u00a0<a href=\"https:\/\/pdfs.semanticscholar.org\/fb73\/5aa2a07ffb1798b895cf9596933dc5c25a35.pdf\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000045<\/a><\/li>\r\n \t<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann, T. (2016). Lautarium: Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. In: Hasselhorn, M. &amp; Schneider, W. (Hrsg.).\u00a0<em>F\u00f6rderprogramme f\u00fcr Vor- und Grundschule: Tests und Trends. Jahrbuch der p\u00e4dagogisch-psychologischen Diagnostik<\/em>. Band 14 (S. 115\u2013141). Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann, T. (2017). <em>Lautarium. Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten.<\/em> Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Pr\u00f6l\u00df, A., Estner, B., Christmann, C. &amp; Lachmann, T. (2014). Effekte des computerbasierten Trainingsprogramms \"Lautarium\" auf die phonologische Verarbeitung und die Lese-Rechtschreibleistungen bei Grundschulkindern. In: Schulte-K\u00f6rne, G. (Hrsg.).\u00a0<em>Legasthenie und Dyskalkulie - Neue Methoden zur Diagnostik und F\u00f6rderung<\/em> (S. 127\u2013144). Winkler.<\/li>\r\n \t<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T. &amp; Klatte, M. (2022). Schulische F\u00f6rderung bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten mit Lautarium: Randomisierte Evaluationsstudie und Lehrkr\u00e4ftebefragung.\u00a0<em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, 11, CD009115.<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000392\">\u00a0https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000392<\/a><\/li>\r\n \t<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T., &amp; Klatte, M. (2020). Effects of computerized grapho-phonological training on literacy acquisition and vocabulary knowledge in children with an immigrant background learning German as L2.\u00a0<em>Journal of Cultural Cognitive Science<\/em>, 4(3), 367\u2013383.\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s41809-020-00064-3\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s41809-020-00064-3<\/a><\/li>\r\n \t<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T., &amp; Klatte, M. (2021). Wirksamkeit des computergest\u00fctzten grapho-phonologischen Trainingsprogramms Lautarium bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-St\u00f6rung.\u00a0<em>Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie<\/em>, 70(4), 333\u2013355.<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13109\/prkk.2021.70.4.333\">\u00a0https:\/\/doi.org\/10.13109\/prkk.2021.70.4.333<\/a><\/li>\r\n \t<li>Steinbrink, C. &amp; Lachmann, T. (2014). <em>Lese-Rechtschreibst\u00f6rung. Grundlagen \u2013 Diagnostik \u2013 Intervention.<\/em> Springer.<\/li>\r\n \t<li>Torgesen, J.K., Brooks, G. &amp; Hall, J. (2006). <em>A systematic review of the research literature on the use of phonics in the teaching of reading and spelling<\/em>. DfES.<\/li>\r\n \t<li>Wagner, R.K. &amp; Torgesen, J.K. (1987). The nature of phonological processing and its causal role in the acquisition of reading skills. <em>Psychological Bulletin, 101<\/em>, 192\u2013212. <a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/0033-2909.101.2.192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-2909.101.2.192<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990113334080205521\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990113334080205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nLetzte \u00c4nderung: 05\/2025\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a>\r\n\r\n&nbsp;","rendered":"<p>von Maria Klatte, Claudia Steinbrink, Kirstin Bergstr\u00f6m und Thomas Lachmann (2017)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-958\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-212x300.jpg 212w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-724x1024.jpg 724w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-768x1086.jpg 768w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-1449x2048.jpg 1449w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-65x92.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-225x318.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium-350x495.jpg 350w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2025\/05\/Lautarium.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<ul>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"1\" data-aria-level=\"1\">1. bis 4. Klasse<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<ul>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"2\" data-aria-level=\"1\">Einzeltraining<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<ul>\n<li data-leveltext=\"\uf0b7\" data-font=\"Symbol\" data-listid=\"30\" data-list-defn-props=\"{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;\uf0b7&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}\" data-aria-posinset=\"3\" data-aria-level=\"1\">Selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td>\u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Das Lautarium ist ein computergest\u00fctztes Trainingsprogramm zur F\u00f6rderung von Grundschulkindern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Es richtet sich an Grundschulkinder der ersten und zweiten Klassenstufe, die Probleme beim Schriftspracherwerb haben, sowie an Sch\u00fcler:innen der dritten und vierten Klassenstufe mit anhaltenden Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten respektive mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibst\u00f6rung (LRS).<\/p>\n<p>Das Lautarium kann sowohl in der schulischen als auch in der ausserschulischen F\u00f6rderung eingesetzt werden. Es eignet sich zudem f\u00fcr den Einsatz im Elternhaus, da die Kinder das Programm weitgehend selbstst\u00e4ndig nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Lautarium soll f\u00fcnfmal w\u00f6chentlich \u00fcber einen Zeitraum von 8 Wochen durchgef\u00fchrt werden, wobei jede Einheit 20 bis 30 Minuten dauert. Das Programm umfasst insgesamt 58 \u00dcbungen, die sich auf folgende sechs Bereiche konzentrieren:<\/p>\n<ol>\n<li>Phonemwahrnehmung (Diskrimination und Identifikation von Konsonanten und Vokall\u00e4ngen)<\/li>\n<li>Phonemwahrnehmung und Graphem-Phonem-Zuordnung<\/li>\n<li>Phonologische Bewusstheit (Lautanalyse, -synthese und -klassifikation)<\/li>\n<li>Phonologische Bewusstheit und Graphem-Phonem-Zuordnung<\/li>\n<li>Lesen und Schreiben lautgetreuer W\u00f6rter<\/li>\n<li>Schnelle Worterkennung (\u00abBlitzlesen\u00bb)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das \u00dcbungsmaterial umfasst etwa 8.000 Sprachdateien, 600 Bilddateien sowie virtuelle \u00abBausteine\u00bb, die Laute und die entsprechenden Basisgrapheme darstellen.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Im Manual sind alle Aufgaben sowie die computergest\u00fctzte Nutzung detailliert beschrieben. Das Lautarium ist so konzipiert, dass die Kinder es weitgehend selbst\u00e4ndig bearbeiten k\u00f6nnen. Die Aufgabenauswahl erfolgt adaptiv und passt sich an den aktuellen Leistungsstand des Kindes an, ohne dass eine manuelle Auswahl durch eine Programmleiterin oder einen Programmleiter notwendig ist. Nach jeder Antworteingabe sowie am Ende jeder \u00dcbung erh\u00e4lt das Kind eine grafisch ansprechende Leistungsr\u00fcckmeldung.<\/p>\n<p>Zur Motivationserhaltung ist das Programm mit einem Belohnungssystem ausgestattet. F\u00fcr richtige Antworten erhalten die Kinder virtuelle Taler, mit denen sie Fische, Pflanzen, Muscheln und Gegenst\u00e4nde zur Gestaltung eines individuellen, animierten Aquariums \u00abkaufen\u00bb k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00dcber ein verstecktes Auswahlmen\u00fc kann die Betreuungsperson Statistiken \u00fcber die Leistungen der Benutzer:innen abrufen und somit den Lernfortschritt verfolgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Einsatz des Programms werden ein Laptop oder Computer mit Maussteuerung, ein USB-Anschluss sowie Kopfh\u00f6rer ben\u00f6tigt. Weitere technische Angaben sind im Manual beschrieben.<\/p>\n<p>In ihrer Rezension schreibt Beiswanger (2019, S. 193) w\u00fcrdigend: \u00abWirklich interessant aufbereitet\u2013 schlie\u00dflich ist das Thema der Phonemdiskrimination f\u00fcr Kinder oft alles andere als spannend, aber hier ist es wirklich gelungen, ein trockenes Thema kindgerecht und adaptiv aufzuarbeiten.\u00bb<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<p>Das Programm Lautarium basiert auf aktuellen internationalen Forschungsergebnissen zu den Ursachen sowie den Interventions- und Pr\u00e4ventionsm\u00f6glichkeiten bei LRS(-Risiko). Im Manual wird die Bedeutung der phonologischen Informationsverarbeitung f\u00fcr den Erwerb der Schriftsprache und das Auftreten von LRS hervorgehoben. Zu den Aspekten dieser Verarbeitung geh\u00f6ren die Phonemwahrnehmung, die phonologische Bewusstheit, das phonologische Arbeitsged\u00e4chtnis sowie der Abruf phonologischer Repr\u00e4sentationen aus dem Langzeitged\u00e4chtnis (Steinbrink &amp; Lachmann, 2014; Wagner &amp; Torgesen, 1987). Die phonologische Informationsverarbeitung gilt als eine zentrale kognitive Grundlage des Schriftspracherwerbs, deren St\u00f6rung als Ursache f\u00fcr eine LRS angesehen wird. Aus diesem Grund fokussieren sich Interventionen bei LRS(-Risiko) auf die F\u00f6rderung phonologischer F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wird die Bedeutung der Vokall\u00e4ngenwahrnehmung f\u00fcr den Schriftspracherwerb und LRS behandelt. Da die Vokall\u00e4nge im Deutschen nicht durch den Vokal selbst, sondern durch die nachfolgenden Konsonanten markiert wird, k\u00f6nnen Unsicherheiten in der Vokall\u00e4ngenerkennung zu Problemen bei der korrekten orthographischen Vokall\u00e4ngenmarkierung f\u00fchren und Rechtschreibprobleme nach sich ziehen. Die F\u00e4higkeit, die Vokall\u00e4nge als Hinweis f\u00fcr die Wortschreibung zu nutzen, kann auch R\u00fcckwirkungen auf das Lesen haben. Daher sollten F\u00f6rdermassnahmen f\u00fcr Grundschulkinder mit LRS(-Risiko) auch phonologische \u00dcbungen mit Fokus auf Vokall\u00e4ngen beinhalten.<\/p>\n<p>Empirische Befunde zeigen, dass ein erfolgsversprechender Ansatz f\u00fcr Kinder mit LRS(-Risiko) die Verbindung eines phonologischen Trainings mit der Vermittlung von Graphem-Phonem-Zuordnungen sowie \u00dcbungen zum lautgetreuen Lesen und Schreiben darstellt, ein Konzept, das unter dem Begriff \u00abphonics instruction\u00bb bekannt ist (Ehri et al., 2001; Torgesen et al., 2006).<\/p>\n<p>Die Entwicklung alphabetischer Lese- und Rechtschreibstrategien, bei denen Graphem-Phonem-Beziehungen zum Lesen und Schreiben von W\u00f6rtern genutzt wird, stellt einen wichtigen und notwendigen Schritt im Lese- und Schreiblernprozess dar. Die Entwicklung schreitet zus\u00e4tzlich voran, hin zum Erwerb und zur Nutzung orthographischer Lese- und Rechtschreibstrategien.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden im Manual des Programms Lautarium die Vorteile einer computerbasierten F\u00f6rderung im Vergleich zu einer nicht computerbasierten F\u00f6rderung betont. Diese umfassen die adaptive Anpassung an das Lerntempo und den Schwierigkeitsgrad, qualitativ hochwertige Sprachausgaben und der zugeh\u00f6rigen orthographischen Einheiten, \u00fcber den F\u00f6rderunterricht hinausreichende \u00dcbungsm\u00f6glichkeiten, k\u00fcrzere und daf\u00fcr h\u00e4ufigere F\u00f6rdereinheiten, direktes Feedback und ein graphisch umgesetztes Verst\u00e4rkersystem.<\/p>\n<p>Entsprechend umfasst das Programm Lautarium aufeinander aufbauende \u00dcbungen zur Phonemwahrnehmung, phonologischen Bewusstheit, zur Graphem-Phonem-Zuordnung und zum lautgetreuen Lesen und Schreiben. Erg\u00e4nzend trainiert die Aufgabe \u00abBlitzlesen\u00bb das schnelle Worterkennen \u2013 alles in einer computergest\u00fctzten Lernumgebung.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Evaluation<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Im Manual des Programms Lautarium werden f\u00fcnf Studien erl\u00e4utert. In einer Vorstudie (Klatte et al., 2013) wurde untersucht, ob die entwickelten Trainingsaufgaben die spezifischen Defizite von Kindern mit LRS wie beabsichtigt erfassen. Dazu wurden 35 leseschwache Dritt- und Viertkl\u00e4ssler mit 75 durchschnittlich lesenden derselben Klassenstufen verglichen. Die leseschwachen Kinder schnitten in allen Aufgaben schlechter ab als die Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigten, dass die entwickelten Trainingsaufgaben die Defizite leseschwacher Kinder abbilden, weshalb ein Training mit diesen Aufgaben grunds\u00e4tzlich sinnvoll erscheint.<\/p>\n<p>Die Wirksamkeit des Programms wurde in weiterf\u00fchrenden Studien untersucht, darunter zwei Interventions- und zwei Pr\u00e4ventionsstudien. In allen vier Studien wurden die Kinder vor Beginn, direkt nach Abschluss und erneut nach Ende des Trainings getestet. Interventionsstudie 1 (Klatte et al., 2014; Klatte et al. 2016) sowie Pr\u00e4ventionsstudie I (Klatte et al., 2016) arbeiteten dabei mit einer fr\u00fcheren Version des Programms.<\/p>\n<p>An Interventionsstudie 1 nahmen 41 Drittkl\u00e4ssler:innen mit LRS teil. Die Kinder der Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 20) erzielten in beiden Nachtests im Vergleich zur Kontrollgruppe (<em>N<\/em> = 21) bessere Ergebnisse in Untertests zur Phonemwahrnehmung, phonologischen Bewusstheit und lautgetreuen Rechtschreibung. Zudem schnitt die Trainingsgruppe im zweiten Nachtest beim Vorlesen von W\u00f6rtern und Pseudow\u00f6rtern signifikant besser ab. Allerdings lagen die Effektst\u00e4rken im niedrigen bis mittleren Bereich, und nicht in allen Tests konnten Effekte nachgewiesen werden. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das Lautarium \u00fcberarbeitet und erweitert.<\/p>\n<p>An Pr\u00e4ventionsstudie 1 nahmen 102 Erstkl\u00e4ssler:innen teil, um zu pr\u00fcfen, ob das Programm zur Unterst\u00fctzung des beginnenden Schriftspracherwerbs geeignet ist. Die Trainingsgruppe setzte sich aus 18 schwachen und 35 nicht schwachen Leser:innen zusammen, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe aus 17 schwachen und 32 nicht schwachen Leser:innen bestand. Die schwachen Leser:innen in der Trainingsgruppe erzielten in allen untersuchten Bereichen gr\u00f6ssere Lernfortschritte als diejenigen in der Kontrollgruppe, mit Effektst\u00e4rken im mittleren bis hohen Bereich. Bei den nicht schwachen Leser:innen zeigten sich nicht in allen Tests Effekte. Insgesamt erwies sich das Lautarium f\u00fcr schwache Leser:innen als eine effektive Methode zur F\u00f6rderung phonologischer und schriftsprachlicher Leistungen.<\/p>\n<p>In Interventionsstudie 2, bei der die optimierte Programmversion eingesetzt wurde, nahmen 41 Drittkl\u00e4ssler:innen teil, darunter 27 Kinder in der Trainings- und 14 Kinder in der Kontrollgruppe mit intensivem Lesetraining. Die Ergebnisse zeigten signifikante Trainingseffekte mittlerer bis hoher Effektst\u00e4rken in der phonologischen Bewusstheit und im Rechtschreiben. In der Leseleistung erzielten beide Gruppen vergleichbare Leistungen. Das Lautarium zeigte somit \u00fcber den schulischen F\u00f6rderunterricht hinausgehende Erfolge.<\/p>\n<p>Pr\u00e4ventionsstudie 2 wurde als Wartegruppendesign mit Zweitkl\u00e4ssler:innen aus zwei Grundschulen in sozial benachteiligten Gebieten durchgef\u00fchrt. Die Kinder einer Schule (<em>N<\/em> = 53) absolvierten das Lautarium-Training zu Beginn des Schuljahres. Im Vergleich zur Wartegruppe (<em>N<\/em> = 45) erzielten sie nach dem Training signifikant st\u00e4rkere Fortschritte in der Rechtschreibung, jedoch nicht im Lesen und der phonologischen Bewusstheit. Die vergleichsweise geringen Trainingseffekte wurden auf mangelnde Trainingsintensit\u00e4t zur\u00fcckgef\u00fchrt, da Unterrichtsbeobachtungen h\u00e4ufige Ablenkungen (z.B. gegenseitiges Zeigen der Aquarien) und Unterbrechungen (z.B. Einstellen des Kopfh\u00f6rers) w\u00e4hrend des Trainings dokumentierten. Das Lautarium wurde daraufhin modifiziert, um ein z\u00fcgigeres Durcharbeiten zu erm\u00f6glichen. Am Schuljahresende durchlief die Wartegruppe das Training mit der angepassten Version und erzielte signifikant st\u00e4rkere Fortschritte in der phonologischen Bewusstheit sowie im Lesen und in der Rechtschreibung, mit mittleren bis hohen Effektst\u00e4rken. Die Kinder blieben l\u00e4nger konzentriert, m\u00f6glicherweise beg\u00fcnstigt durch die l\u00e4ngere Beschulung und\/oder ihr h\u00f6heres Alter, das eine selbstst\u00e4ndigere Bearbeitung der Aufgaben erleichterte.<\/p>\n<p>H\u00f6nninger (2019) f\u00fchrte eine Studie mit Dritt- und Viertkl\u00e4sslern mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen an einem sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderzentrum durch. Die Evaluationsstudie wurde als Wartekontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten (Vortest, Nachtest 1 und 2) angelegt. Die Kinder der Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 16) trainierten \u00fcber einen Zeitraum von etwa neun Wochen parallel zum regul\u00e4ren Unterricht t\u00e4glich f\u00fcr ca. 15\u201320 Minuten individuell mit Kopfh\u00f6rern an Laptops. Die Trainingsgruppe zeigte in einem der Subtests zur phonologischen Bewusstheit signifikante und anhaltende Trainingseffekte mit mittlerer bis hoher Effektst\u00e4rke (d = 0,56 bis 1,29). Zudem zeigten sich Tendenzen zu Leistungssteigerungen in einem zweiten Subtest zur phonologischen Bewusstheit sowie Hinweise auf positive Trainingseffekte beim Lesen und beim lautgetreuen Schreiben. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Kinder mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen von einer F\u00f6rderung mit dem Programm Lautarium profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Studie von Konerding et al. (2021) im Pr\u00e4test-Posttest-Follow-up-Design untersuchte die Effekte des Programms Lautarium bei 41 Kindern mit Lese-Rechtschreib-St\u00f6rung (LRS), die spezielle F\u00f6rderklassen besuchten. Die Trainingsgruppe (<em>N<\/em> = 27) absolvierte \u00fcber sieben Wochen hinweg ein t\u00e4gliches Training (5-mal pro Woche f\u00fcr etwa 30 Minuten) im Rahmen des F\u00f6rderunterrichts mit Lautarium, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe (N = 14) eine herk\u00f6mmliche Lesef\u00f6rderung in Kleingruppen erhielt. In den Bereichen Rechtschreibung und phonologische Bewusstheit zeigten sich signifikante, sowohl kurzfristige (<em>d<\/em> = 0.43 bis 0.96) als auch anhaltende (<em>d<\/em> = 0.47 bis 1.11) Trainingseffekte. F\u00fcr die Lesef\u00e4higkeit hingegen konnte kein signifikanter Vorteil der Trainingsgruppe gegen\u00fcber der Kontrollgruppe festgestellt werden.<\/p>\n<p>Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich f\u00fcr Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen (Konerding et al., 2020). Es wurden 26 Kinder untersucht. Die Kinder der Trainingsgruppe arbeiteten w\u00e4hrend des Schulunterrichts \u00fcber einen Zeitraum von 8 Wochen t\u00e4glich 20 Minuten mit dem Programm, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe weiterhin regul\u00e4ren Unterricht erhielt. Deutschsprachige Tests zur phonologischen Bewusstheit, zum Lesen, Schreiben und Wortschatz wurden zu drei Zeitpunkten durchgef\u00fchrt (Vortest, unmittelbarer Nachtest und Follow-up nach 9 Wochen). Die Analysen best\u00e4tigten, dass die Fortschritte in phonologischer Bewusstheit, Rechtschreibung \u00a0und Wortschatz zwischen Vortest und Nachtest in der Trainingsgruppe st\u00e4rker ausfielen als in der Kontrollgruppe. F\u00fcr die Rechtschreibung (<em>d<\/em> = 0.35 bis 0.71) und den Wortschatz (<em>d<\/em> = 0.62 bis 0.72) blieben diese Effekte auch im Follow-up signifikant. Die Effektst\u00e4rken lagen im mittleren bis hohen Bereich. Hinsichtlich der Leseleistungen konnten keine Gruppenunterschiede festgestellt werden.<\/p>\n<p>In der randomisierten Kontrollstudie von Konerding et al. (2022) wurde das Programm Lautarium zu Beginn der zweiten Klasse bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten angewendet. Die Trainingsgruppe (<em>N<\/em>\u00a0= 43) absolvierte \u00fcber einen Zeitraum von zehn Wochen ein Training im Rahmen des Schulunterrichts, und zwar 5-mal w\u00f6chentlich f\u00fcr 30 Minuten, w\u00e4hrend die Kontrollgruppe (<em>N\u00a0<\/em>= 43) regul\u00e4ren Unterricht erhielt.\u00a0Die Ergebnisse des Posttests zeigten signifikante Trainingsvorteile mit geringer bis mittlerer Effektst\u00e4rke f\u00fcr die phonologische Bewusstheit (<em>d<\/em> = 0.38) sowie die Leseleistung (<em>d<\/em> = 0.23 bis 0.34) und Rechtschreibleistungen (<em>d<\/em> = 0.44). Die befragten Lehrkr\u00e4fte berichteten von einer motivierten und selbstst\u00e4ndigen Durchf\u00fchrung durch die Kinder und bewerteten das Anforderungsniveau der \u00dcbungsspiele als angemessen. Die Ergebnisse untermauern die Wirksamkeit von Lautarium.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>Beiswanger, C. (2019). Lautarium: Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, bestehend aus Manualen und USB-Stick. <em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, <em>8<\/em>(3), 193\u2013193. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000275\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000275<\/a><\/li>\n<li>Ehri, L.C., Nunes, S.R., Stahl, S.A. &amp; Willows, D.M. (2001). Systematic phonics instruction helps students learn to read: Evidence from the National Reading Panel\u2019s meta-analysis. <em>Review of Educational Research, 71<\/em>, 393\u2013447. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3102\/00346543071003393\">https:\/\/doi.org\/10.3102\/00346543071003393<\/a><\/li>\n<li>H\u00f6nninger, A. (2019). Evaluation des computerbasierten Trainingsprogramms Lautarium bei Kindern mit Sprachentwicklungsst\u00f6rungen. <em>Forschung Sprache 1<\/em>, 38\u201357.<\/li>\n<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann T. (2013). Phonologische Verarbeitung bei Grundschulkindern mit schwacher Lesef\u00e4higkeit.\u00a0<em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, 2, 199\u2013215.\u00a0<a href=\"https:\/\/pdfs.semanticscholar.org\/fb73\/5aa2a07ffb1798b895cf9596933dc5c25a35.pdf\">https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000045<\/a><\/li>\n<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann, T. (2016). Lautarium: Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. In: Hasselhorn, M. &amp; Schneider, W. (Hrsg.).\u00a0<em>F\u00f6rderprogramme f\u00fcr Vor- und Grundschule: Tests und Trends. Jahrbuch der p\u00e4dagogisch-psychologischen Diagnostik<\/em>. Band 14 (S. 115\u2013141). Hogrefe.<\/li>\n<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Bergstr\u00f6m, K. &amp; Lachmann, T. (2017). <em>Lautarium. Ein computerbasiertes Trainingsprogramm f\u00fcr Grundschulkinder mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten.<\/em> Hogrefe.<\/li>\n<li>Klatte, M., Steinbrink, C., Pr\u00f6l\u00df, A., Estner, B., Christmann, C. &amp; Lachmann, T. (2014). Effekte des computerbasierten Trainingsprogramms &#8222;Lautarium&#8220; auf die phonologische Verarbeitung und die Lese-Rechtschreibleistungen bei Grundschulkindern. In: Schulte-K\u00f6rne, G. (Hrsg.).\u00a0<em>Legasthenie und Dyskalkulie &#8211; Neue Methoden zur Diagnostik und F\u00f6rderung<\/em> (S. 127\u2013144). Winkler.<\/li>\n<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T. &amp; Klatte, M. (2022). Schulische F\u00f6rderung bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten mit Lautarium: Randomisierte Evaluationsstudie und Lehrkr\u00e4ftebefragung.\u00a0<em>Lernen und Lernst\u00f6rungen<\/em>, 11, CD009115.<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000392\">\u00a0https:\/\/doi.org\/10.1024\/2235-0977\/a000392<\/a><\/li>\n<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T., &amp; Klatte, M. (2020). Effects of computerized grapho-phonological training on literacy acquisition and vocabulary knowledge in children with an immigrant background learning German as L2.\u00a0<em>Journal of Cultural Cognitive Science<\/em>, 4(3), 367\u2013383.\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s41809-020-00064-3\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s41809-020-00064-3<\/a><\/li>\n<li>Konerding, M., Bergstr\u00f6m, K., Lachmann, T., &amp; Klatte, M. (2021). Wirksamkeit des computergest\u00fctzten grapho-phonologischen Trainingsprogramms Lautarium bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-St\u00f6rung.\u00a0<em>Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie<\/em>, 70(4), 333\u2013355.<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13109\/prkk.2021.70.4.333\">\u00a0https:\/\/doi.org\/10.13109\/prkk.2021.70.4.333<\/a><\/li>\n<li>Steinbrink, C. &amp; Lachmann, T. (2014). <em>Lese-Rechtschreibst\u00f6rung. Grundlagen \u2013 Diagnostik \u2013 Intervention.<\/em> Springer.<\/li>\n<li>Torgesen, J.K., Brooks, G. &amp; Hall, J. (2006). <em>A systematic review of the research literature on the use of phonics in the teaching of reading and spelling<\/em>. DfES.<\/li>\n<li>Wagner, R.K. &amp; Torgesen, J.K. (1987). The nature of phonological processing and its causal role in the acquisition of reading skills. <em>Psychological Bulletin, 101<\/em>, 192\u2013212. <a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/0033-2909.101.2.192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-2909.101.2.192<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990113334080205521\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990113334080205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letzte \u00c4nderung: 05\/2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Maria Klatte, Claudia Steinbrink, Kirstin Bergstr\u00f6m und Thomas Lachmann (2017) &nbsp; Einsatzbereich 1. bis 4. Klasse Einzeltraining Selektive und indizierte Pr\u00e4vention &nbsp; Qualit\u00e4tskriterien Durchf\u00fchrbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation Bewertung Erl\u00e4uterung Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. \u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit. 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