{"id":785,"date":"2024-09-30T19:01:48","date_gmt":"2024-09-30T17:01:48","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/?post_type=chapter&#038;p=785"},"modified":"2026-04-22T16:51:44","modified_gmt":"2026-04-22T14:51:44","slug":"emotionsregulationstraining-ert-fuer-kinder-im-grundschulalter","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/chapter\/emotionsregulationstraining-ert-fuer-kinder-im-grundschulalter\/","title":{"raw":"Emotionsregulationstraining (ERT) f\u00fcr Kinder im Grundschulalter","rendered":"Emotionsregulationstraining (ERT) f\u00fcr Kinder im Grundschulalter"},"content":{"raw":"von Nina Heinrichs, Arnold Lohaus und Johanna Maxwill (2017)\r\n\r\n<img class=\"alignnone wp-image-787\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>\r\n<h2><\/h2>\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>6 bis 10 Jahre<\/li>\r\n \t<li>Gruppentraining (Kleingruppen mit ca. 8 Kindern)<\/li>\r\n \t<li>Universelle und selektive Pr\u00e4vention<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"half\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\r\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td>Belege zu kurzfristigen Effekten auf Emotionswissen, nicht jedoch zu Verhaltensver\u00e4nderungen<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDas Emotionsregulationstraining (ERT) wurde speziell f\u00fcr Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren zur F\u00f6rderung der Emotionsregulation konzipiert und eignet sich f\u00fcr den Einsatz vom Ende des Kindergartens bis zur 4. Klasse. Je nach Altersgruppe sind bei der Durchf\u00fchrung teilweise Anpassungen erforderlich. Das Programm kann sowohl zur universellen Pr\u00e4vention in Kindergruppen (z.B. im schulischen Kontext) als auch zur sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention (z.B. in Therapiegruppen) eingesetzt werden.\r\n\r\nDas ERT umfasst sechs w\u00f6chentliche Sitzungen von jeweils 60 bis 75 Minuten. Bei der Durchf\u00fchrung im schulischen Kontext wird empfohlen, die Klasse in kleinere Gruppen von etwa acht Kindern aufzuteilen. Jede der sechs Sitzungen konzentriert sich auf einen bestimmten Schwerpunkt (unterst\u00fctzt durch ein Symbol):\r\n<ol>\r\n \t<li><em>Emotionsverst\u00e4ndnis und Emotionsausdruck (Gef\u00fchlsachterbahn): <\/em>Auseinandersetzung mit verschiedenen Gef\u00fchlen.<\/li>\r\n \t<li><em>Situationsselektion und Situationsmodifikation (Gef\u00fchlslenkrad): V<\/em>erstehen, dass die Wahl oder Vermeidung eine Situation das emotionale Erleben beeinflussen kann.<\/li>\r\n \t<li><em>Aufmerksamkeitslenkung (Gef\u00fchlsscheinwerfer): <\/em>Bewusstes Fokussieren oder Ablenken der Aufmerksamkeit, um Gef\u00fchle aufrechtzuerhalten, zu intensivieren oder abzuschw\u00e4chen.<\/li>\r\n \t<li><em>Kognitive Ver\u00e4nderung (Gef\u00fchlsbrille): <\/em>Ver\u00e4ndern von Gef\u00fchlen durch Umstrukturierung und Neubewertung der Situation.<\/li>\r\n \t<li><em>Reaktionsmodulation (Gef\u00fchlsaufheller): <\/em>Strategien, um Gef\u00fchle positiv zu beeinflussen.<\/li>\r\n \t<li><em>Emotionsbezogenes Probleml\u00f6sen (Gef\u00fchlsampel): <\/em>Einf\u00fchrung eines Probleml\u00f6seansatzes beim Umgang mit Emotionen.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n&nbsp;\r\n\r\nDie verschiedenen Themen werden in spielerisch vermittelt. Das Training umfasst \u00dcbungen, Rollenspielen, Gruppendiskussionen und Entspannungs\u00fcbungen. Zus\u00e4tzlich werden zwei optionale Elternsitzungen von je 60 bis 90 Minuten angeboten, die Themen wie das Vorbildverhalten der Eltern im Umgang mit Gef\u00fchlen, die Kommunikation \u00fcber Gef\u00fchle mit dem Kind und M\u00f6glichkeiten zur emotionalen Unterst\u00fctzung eines Kindes in schwierigen Situationen behandeln.\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\r\n<\/div>\r\nDas Manual enth\u00e4lt eine detaillierte Anleitung zur Durchf\u00fchrung jeder Sitzung, einschliesslich Informationen zu den Inhalten, ben\u00f6tigten Materialien, der Struktur sowie zum konkreten Vorgehen inklusive Instruktionen. Zum Manual geh\u00f6rt eine CD-ROM mit allen Arbeitsmaterialien als druckbare PDFs.\r\n\r\nZus\u00e4tzlich werden einige weitere Materialien ben\u00f6tigt, die im Manual aufgelistet sind. Ein separat erh\u00e4ltliches Materialset umfasst alle Trainingsmaterialien f\u00fcr eine Gruppe von bis zu acht Kindern. F\u00fcr das Training sind ausserdem zwei Handpuppen erforderlich, die nicht im Materialset enthalten sind.\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\nIm ersten Teil des Manuals werden die theoretischen Hintergr\u00fcnde des Programmes ausf\u00fchrlich hinsichtlich emotionaler Kompetenz, Emotionsregulation und Auswirkungen von Emotionsregulationsproblemen beschrieben. Das Emotionsregulationstraining orientiert sich vor allem am intrapsychischen Modell der Emotionsregulation (Gross, 2013), welches sich insbesondere auf die Selbstregulation fokussiert. Das Emotionsregulationsmodell von Gross unterscheidet f\u00fcnf Klassen von Emotionsregulationsstrategien: Situationsauswahl, Situationsmodifikation, Aufmerksamkeitslenkung, Kognitive Ver\u00e4nderung und Reaktionsmodulation.\r\n\r\nErg\u00e4nzend zu dieser theoretischen Konzeption nach Gross (2013) integriert das theoretische Rahmenmodell des Trainings zus\u00e4tzlich zwei Metakomponenten: das Metawissen \u00fcber Emotionen (Emotionsverst\u00e4ndnis und -ausdruck) und das Metawissen \u00fcber Emotionsregulation (emotionsbezogenes Probleml\u00f6sen).\r\n\r\nDiese theoretischen Grundlagen bilden die Basis f\u00fcr die sechs Trainingssitzungen, die jeweils einen spezifischen Schwerpunkt umsetzen.\r\n<h2>Evaluation<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nGem\u00e4ss Manual wurde das Trainingsprogramm in einer ersten Pilotstudie mit 79 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren evaluiert. Die Stichprobe umfasste eine nichtklinische (<em>n<\/em> = 46) und eine klinische Stichprobe (<em>n<\/em> = 33) \u2013 Kinder, die eine Tagesklinik besuchten. An der Intervention nahmen 38 Kinder aus der nichtklinischen und 20 Kinder aus der klinischen Gruppe teil. Die Ergebnisse zeigten erste Hinweise auf Verbesserungen der Emotionsregulation (Copingstrategien). Hinsichtlich der Akzeptanz des Trainings zeigte sich, dass das Training insgesamt 98% der Kinder Spass bereitete und 93% gerne zu den Sitzungen kamen.\r\n\r\nIn einer randomisiert-kontrollierten Studie mit Wartekontrollgruppendesign untersuchten Greuel und Heinrichs (2016) die kurzfristige Wirksamkeit das Emotionsregulationstraining als universelles Pr\u00e4ventionsprogramm. An der Studie nahmen 163 Grundsch\u00fclerinnen teil, aufgeteilt in eine Interventionsgruppe (<em>n<\/em> = 63), eine Wartekontrollgruppe (<em>n <\/em>= 70) und eine Kontrollgruppe (<em>n <\/em>= 30). Zur Erfassung der Variablen Emotionsverst\u00e4ndnis, Emotionsregulation und Verhaltensauff\u00e4lligkeiten wurden ein Entwicklungstest sowie Fremdbeurteilungsfrageb\u00f6gen eingesetzt. Die Ergebnisse zeigten signifikante, trainingsspezifische Verbesserungen in den Untertests \u00abSoziale Situationen Verstehen\u00bb sowie \u00abEmotionen Regulieren\u00bb. In den Elternberichten zur Emotionsregulation und zu Verhaltensproblemen zeigten sich jedoch keine bedeutsamen Effekte.\r\n\r\nDie Ergebnisse zeigen somit positive Effekte des Trainings in proximalen, wissensbasierten, jedoch nicht in distalen, verhaltensbasierten Massen. So scheint das ERT kurzfristige Effekte auf Emotionswissen zu haben. Nicht \u00fcberpr\u00fcft wurden in dieser Studie l\u00e4ngerfristige Verhaltensver\u00e4nderungen.\r\n\r\nIn unserer Recherche konnten wir keine weiteren Evaluationsstudien zum \u00abEmotionsregulationstraining\u00bb finden.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<\/div>\r\n<ul>\r\n \t<li>Greuel, J. F. &amp; Heinrichs, N. (2016). Evaluation eines universell-pr\u00e4ventiv eingesetzten Emotionsregulationstrainings f\u00fcr Kinder im Grundschulalter. <em>Zeitschrift f\u00fcr Klinische Psychologie und Psychotherapie, <\/em><em>45<\/em>(3), 184\u2013197. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1026\/1616-3443\/a000372\">https:\/\/doi.org\/10.1026\/1616-3443\/a000372<\/a><\/li>\r\n \t<li>Gross (2013). Emotion regulation: Conceptual and empirical foundations. In J. J. Gross (Ed.), <em>Handbook of Emotion regulation<\/em> (2nd ed., pp. 3\u201320). Guilford Press.<\/li>\r\n \t<li>Heinrichs, N., Lohaus, A. &amp; Maxwill, J. (2017). <em>Emotionsregulationstraining (ERT) f\u00fcr Kinder im Grundschulalter.<\/em> Hogrefe.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990109975590205521\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\r\n \t<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990109975590205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nLetzte \u00c4nderung: 02\/2025\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a>\r\n\r\n&nbsp;","rendered":"<p>von Nina Heinrichs, Arnold Lohaus und Johanna Maxwill (2017)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-787\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-212x300.jpg 212w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-65x92.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-225x318.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT-350x494.jpg 350w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/ERT.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>6 bis 10 Jahre<\/li>\n<li>Gruppentraining (Kleingruppen mit ca. 8 Kindern)<\/li>\n<li>Universelle und selektive Pr\u00e4vention<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--half' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Halb gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td>Belege zu kurzfristigen Effekten auf Emotionswissen, nicht jedoch zu Verhaltensver\u00e4nderungen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Das Emotionsregulationstraining (ERT) wurde speziell f\u00fcr Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren zur F\u00f6rderung der Emotionsregulation konzipiert und eignet sich f\u00fcr den Einsatz vom Ende des Kindergartens bis zur 4. Klasse. Je nach Altersgruppe sind bei der Durchf\u00fchrung teilweise Anpassungen erforderlich. Das Programm kann sowohl zur universellen Pr\u00e4vention in Kindergruppen (z.B. im schulischen Kontext) als auch zur sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention (z.B. in Therapiegruppen) eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Das ERT umfasst sechs w\u00f6chentliche Sitzungen von jeweils 60 bis 75 Minuten. Bei der Durchf\u00fchrung im schulischen Kontext wird empfohlen, die Klasse in kleinere Gruppen von etwa acht Kindern aufzuteilen. Jede der sechs Sitzungen konzentriert sich auf einen bestimmten Schwerpunkt (unterst\u00fctzt durch ein Symbol):<\/p>\n<ol>\n<li><em>Emotionsverst\u00e4ndnis und Emotionsausdruck (Gef\u00fchlsachterbahn): <\/em>Auseinandersetzung mit verschiedenen Gef\u00fchlen.<\/li>\n<li><em>Situationsselektion und Situationsmodifikation (Gef\u00fchlslenkrad): V<\/em>erstehen, dass die Wahl oder Vermeidung eine Situation das emotionale Erleben beeinflussen kann.<\/li>\n<li><em>Aufmerksamkeitslenkung (Gef\u00fchlsscheinwerfer): <\/em>Bewusstes Fokussieren oder Ablenken der Aufmerksamkeit, um Gef\u00fchle aufrechtzuerhalten, zu intensivieren oder abzuschw\u00e4chen.<\/li>\n<li><em>Kognitive Ver\u00e4nderung (Gef\u00fchlsbrille): <\/em>Ver\u00e4ndern von Gef\u00fchlen durch Umstrukturierung und Neubewertung der Situation.<\/li>\n<li><em>Reaktionsmodulation (Gef\u00fchlsaufheller): <\/em>Strategien, um Gef\u00fchle positiv zu beeinflussen.<\/li>\n<li><em>Emotionsbezogenes Probleml\u00f6sen (Gef\u00fchlsampel): <\/em>Einf\u00fchrung eines Probleml\u00f6seansatzes beim Umgang mit Emotionen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die verschiedenen Themen werden in spielerisch vermittelt. Das Training umfasst \u00dcbungen, Rollenspielen, Gruppendiskussionen und Entspannungs\u00fcbungen. Zus\u00e4tzlich werden zwei optionale Elternsitzungen von je 60 bis 90 Minuten angeboten, die Themen wie das Vorbildverhalten der Eltern im Umgang mit Gef\u00fchlen, die Kommunikation \u00fcber Gef\u00fchle mit dem Kind und M\u00f6glichkeiten zur emotionalen Unterst\u00fctzung eines Kindes in schwierigen Situationen behandeln.<\/p>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\n<\/div>\n<p>Das Manual enth\u00e4lt eine detaillierte Anleitung zur Durchf\u00fchrung jeder Sitzung, einschliesslich Informationen zu den Inhalten, ben\u00f6tigten Materialien, der Struktur sowie zum konkreten Vorgehen inklusive Instruktionen. Zum Manual geh\u00f6rt eine CD-ROM mit allen Arbeitsmaterialien als druckbare PDFs.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden einige weitere Materialien ben\u00f6tigt, die im Manual aufgelistet sind. Ein separat erh\u00e4ltliches Materialset umfasst alle Trainingsmaterialien f\u00fcr eine Gruppe von bis zu acht Kindern. F\u00fcr das Training sind ausserdem zwei Handpuppen erforderlich, die nicht im Materialset enthalten sind.<\/p>\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<p>Im ersten Teil des Manuals werden die theoretischen Hintergr\u00fcnde des Programmes ausf\u00fchrlich hinsichtlich emotionaler Kompetenz, Emotionsregulation und Auswirkungen von Emotionsregulationsproblemen beschrieben. Das Emotionsregulationstraining orientiert sich vor allem am intrapsychischen Modell der Emotionsregulation (Gross, 2013), welches sich insbesondere auf die Selbstregulation fokussiert. Das Emotionsregulationsmodell von Gross unterscheidet f\u00fcnf Klassen von Emotionsregulationsstrategien: Situationsauswahl, Situationsmodifikation, Aufmerksamkeitslenkung, Kognitive Ver\u00e4nderung und Reaktionsmodulation.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend zu dieser theoretischen Konzeption nach Gross (2013) integriert das theoretische Rahmenmodell des Trainings zus\u00e4tzlich zwei Metakomponenten: das Metawissen \u00fcber Emotionen (Emotionsverst\u00e4ndnis und -ausdruck) und das Metawissen \u00fcber Emotionsregulation (emotionsbezogenes Probleml\u00f6sen).<\/p>\n<p>Diese theoretischen Grundlagen bilden die Basis f\u00fcr die sechs Trainingssitzungen, die jeweils einen spezifischen Schwerpunkt umsetzen.<\/p>\n<h2>Evaluation<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Gem\u00e4ss Manual wurde das Trainingsprogramm in einer ersten Pilotstudie mit 79 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren evaluiert. Die Stichprobe umfasste eine nichtklinische (<em>n<\/em> = 46) und eine klinische Stichprobe (<em>n<\/em> = 33) \u2013 Kinder, die eine Tagesklinik besuchten. An der Intervention nahmen 38 Kinder aus der nichtklinischen und 20 Kinder aus der klinischen Gruppe teil. Die Ergebnisse zeigten erste Hinweise auf Verbesserungen der Emotionsregulation (Copingstrategien). Hinsichtlich der Akzeptanz des Trainings zeigte sich, dass das Training insgesamt 98% der Kinder Spass bereitete und 93% gerne zu den Sitzungen kamen.<\/p>\n<p>In einer randomisiert-kontrollierten Studie mit Wartekontrollgruppendesign untersuchten Greuel und Heinrichs (2016) die kurzfristige Wirksamkeit das Emotionsregulationstraining als universelles Pr\u00e4ventionsprogramm. An der Studie nahmen 163 Grundsch\u00fclerinnen teil, aufgeteilt in eine Interventionsgruppe (<em>n<\/em> = 63), eine Wartekontrollgruppe (<em>n <\/em>= 70) und eine Kontrollgruppe (<em>n <\/em>= 30). Zur Erfassung der Variablen Emotionsverst\u00e4ndnis, Emotionsregulation und Verhaltensauff\u00e4lligkeiten wurden ein Entwicklungstest sowie Fremdbeurteilungsfrageb\u00f6gen eingesetzt. Die Ergebnisse zeigten signifikante, trainingsspezifische Verbesserungen in den Untertests \u00abSoziale Situationen Verstehen\u00bb sowie \u00abEmotionen Regulieren\u00bb. In den Elternberichten zur Emotionsregulation und zu Verhaltensproblemen zeigten sich jedoch keine bedeutsamen Effekte.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen somit positive Effekte des Trainings in proximalen, wissensbasierten, jedoch nicht in distalen, verhaltensbasierten Massen. So scheint das ERT kurzfristige Effekte auf Emotionswissen zu haben. Nicht \u00fcberpr\u00fcft wurden in dieser Studie l\u00e4ngerfristige Verhaltensver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>In unserer Recherche konnten wir keine weiteren Evaluationsstudien zum \u00abEmotionsregulationstraining\u00bb finden.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Greuel, J. F. &amp; Heinrichs, N. (2016). Evaluation eines universell-pr\u00e4ventiv eingesetzten Emotionsregulationstrainings f\u00fcr Kinder im Grundschulalter. <em>Zeitschrift f\u00fcr Klinische Psychologie und Psychotherapie, <\/em><em>45<\/em>(3), 184\u2013197. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1026\/1616-3443\/a000372\">https:\/\/doi.org\/10.1026\/1616-3443\/a000372<\/a><\/li>\n<li>Gross (2013). Emotion regulation: Conceptual and empirical foundations. In J. J. Gross (Ed.), <em>Handbook of Emotion regulation<\/em> (2nd ed., pp. 3\u201320). Guilford Press.<\/li>\n<li>Heinrichs, N., Lohaus, A. &amp; Maxwill, J. (2017). <em>Emotionsregulationstraining (ERT) f\u00fcr Kinder im Grundschulalter.<\/em> Hogrefe.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>In der <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990109975590205521\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliothek<\/a> verf\u00fcgbar<\/li>\n<li>Im <a href=\"https:\/\/zph.swisscovery.slsp.ch\/permalink\/41SLSP_PHZ\/1jleqo6\/alma990109975590205521\">Didaktischen Zentrum<\/a> (DiZ) verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letzte \u00c4nderung: 02\/2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Nina Heinrichs, Arnold Lohaus und Johanna Maxwill (2017) Einsatzbereich 6 bis 10 Jahre Gruppentraining (Kleingruppen mit ca. 8 Kindern) Universelle und selektive Pr\u00e4vention Qualit\u00e4tskriterien Durchf\u00fchrbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation Bewertung Erl\u00e4uterung Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. Belege zu kurzfristigen Effekten auf Emotionswissen, nicht jedoch zu Verhaltensver\u00e4nderungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":17,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[98,84,102,64,69,68,65],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-785","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-emotionale-kompetenz","category-emotionen","category-emotionsregulation","category-01-kindergarten","category-selektive-praevention","category-universelle-praevention","category-02-unterstufe"],"part":97,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/785\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":896,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/785\/revisions\/896"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/97"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/785\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=785"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=785"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=785"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}