{"id":779,"date":"2024-09-30T11:36:09","date_gmt":"2024-09-30T09:36:09","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/?post_type=chapter&#038;p=779"},"modified":"2026-04-20T10:26:28","modified_gmt":"2026-04-20T08:26:28","slug":"wir-werden-lesedetektive","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/chapter\/wir-werden-lesedetektive\/","title":{"raw":"Wir werden Lesedetektive","rendered":"Wir werden Lesedetektive"},"content":{"raw":"von Katja R\u00fchl und Elmar Souvignier (2006)\r\n\r\n<img class=\"alignnone size-medium wp-image-780\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>\r\n<h2><\/h2>\r\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>5. bis 8. Klasse<\/li>\r\n \t<li>Gruppentraining<\/li>\r\n \t<li>Selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 84px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<td style=\"text-align: left\">[hfh_circle fill=\"full\" color=\"#14776c\"]<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 81px\">\r\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\r\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\r\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\r\n<td>\u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h2>Inhalt<\/h2>\r\nDas Unterrichtsprogramm hat zum Ziel, bei leseschwachen Sch\u00fcler:innen den Einsatz von Lesestrategien anzuleiten, um die texterschliessende Lesekompetenz zu steigern, um schliesslich auch Lesefreude und -interesse zu st\u00e4rken.\r\n\r\nDer zeitliche Umfang betr\u00e4gt etwa 28 Unterrichtsstunden. Es kann im regul\u00e4ren Deutschunterricht durchgef\u00fchrt werden. Es hat sich bew\u00e4hrt, das Programm \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu verteilen und nicht als Kompaktkurs durchzuf\u00fchren.\r\n\r\nDas Programm entstand in Anlehnung an das Unterrichtsprogramm \u00abWir werden Textdetektive\u00bb (Gold et al., 2006a, b). Wie Detektiv:innen sollen die Sch\u00fcler:innen planvoll und unter Anwendung von Strategien mit Texten selbstst\u00e4ndig umgehen lernen. Mit einfacheren Texten und einer geringeren Anzahl zu vermittelnder Lesestrategien stellt das Programm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb f\u00fcr leistungsschw\u00e4chere Sch\u00fcler:innen eine Alternative dar.\r\n\r\nDas Training besteht aus verschiedenen Bausteinen:\r\n<ul>\r\n \t<li>Das Lesetraining beginnt mit einer Einf\u00fchrung in die Rahmenhandlung, bei der die Kinder erfahren, wie Detektiv:innen Hilfsmittel\u00a0 zu nutzen, um Probleme zu l\u00f6sen, respektive Texte zu entschl\u00fcsseln.<\/li>\r\n \t<li>Anschliessend werden vier kognitive sowie metakognitive Lesestrategien vermittelt. Mit den vier Strategien \u00ab\u00dcberschrift beachten\u00bb, \u00abUmgang mit Textschwierigkeiten\u00bb, \u00abZusammenfassen von Geschichten\u00bb sowie \u00abZusammenfassen von Sachtexten\u00bb lernen die Sch\u00fcler:innen, Texte besser zu erschliessen.<\/li>\r\n \t<li>Im letzten Baustein wird die kognitive Selbstregulation thematisiert. Es wird vermittelt, dass der Strategieeinsatz in Abh\u00e4ngigkeit von den jeweiligen Textanforderungen eigenverantwortlich zu planen, zu \u00fcberwachen und zu regulieren ist.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n\r\nDie Anzahl ben\u00f6tigter Unterrichtsstunden h\u00e4ngt von den Vorkenntnissen und F\u00e4higkeiten einer Klasse und von der Organisation des Unterrichts ab.\r\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\r\nDie einzelnen Lerneinheiten sind im Lehrermanual (R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006a) detailliert beschrieben. F\u00fcr die Sch\u00fcler:innen liegt ein Arbeitsheft vor (R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006b), das zus\u00e4tzlich erworben werden kann. Das Arbeitsheft umfasst s\u00e4mtliche Arbeitsmaterialien, Texte und Merkbl\u00e4tter, die f\u00fcr das Training ben\u00f6tigt werden.\r\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\r\nDas Unterrichtsprogramm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb basiert auf dem Programm \u00abWir werden Textdetektive\u00bb (Gold et al., 2006a).\r\n\r\nDie theoretische Grundlage des Programms stammt aus der P\u00e4dagogischen Psychologie. Einen allgemeinen Rahmen bilden die Theorien zum selbstregulierten Lernen (Boekarts, 1999). Die inhaltliche Gestaltung des Programms orientiert sich an kognitionspsychologischen Theorien des Textverstehens (Kintsch, 1998). Das Programm baut auf dem Ansatz von Scott Paris und Kolleg:innen (1984) sowie den Materialien von Schreblowski und Hasselhorn (2001) auf. Die Metapher der Leser:innen als Detektiv:innen wurde von Scott Paris \u00fcbernommen und soll veranschaulichen, dass Leser:innen wie Detektiv:innen nach wichtigen Informationen suchen und dabei strategisch vorgehen.\r\n\r\nKognitionspsychologische Theorien betrachten Lesen als eine konstruktive Interaktion zwischen Leser:in und Text, bei der mentale Repr\u00e4sentationen auf verschiedenen Ebenen entstehen. Ein vertieftes Verst\u00e4ndnis von Textinhalten wird erreicht, wenn neue Informationen mit vorhandenem Vorwissen verkn\u00fcpft werden. Dabei unterst\u00fctzen elaborierende Lesestrategien die Aktivierung und Integration von Vorwissen, w\u00e4hrend reduktiv-organisierende Lesestrategien die in einem Text enthaltenen Informationen auf das Wesentliche verdichten. Im Programm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb werden beide Strategietypen mit ausgew\u00e4hlten Strategien vermittelt. Da der reine Strategieerwerb f\u00fcr den erfolgreichen Einsatz nicht ausreicht, wird zus\u00e4tzlich die Selbstregulation des Strategieeinsatzes gef\u00f6rdert. Dies umfasst das Planen, \u00dcberwachen und Bewerten des eigenen Vorgehens mit Hilfe von metakognitiven Strategien (Gold et al., 2006a; R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006a).\r\n<h2>Evaluation<\/h2>\r\n<div style=\"font-weight: 400\">\r\n\r\nDie Wirksamkeit des Unterrichtsprogramms \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb wurde in einer Interventionsstudie an F\u00f6rderschulen untersucht (Souvignier &amp; R\u00fchl, 2005). Es nahmen insgesamt 130 Sch\u00fcler:innen teil, die in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe eingeteilt wurden. Die Ergebnisse zeigten positive Effekte zugunsten der Interventionsgruppe nach Abschluss des Programms im Hinblick auf das Wissen zu Lesestrategien (mittlerer Effekt), Leseinteresse (kleiner Effekt) und Leseverst\u00e4ndnis (kleiner Effekt).\r\n\r\nWeiter konnten Antoniou und Souvignier (2007) in einer Interventionsstudie mit 73 Kindern mit Lernschwierigkeiten zeigen, dass die Interventionsgruppe kurzfristig ein verbessertes Strategiewissen im Vergleich zur Kontrollgruppe aufwies. L\u00e4ngerfristig erzielten die Kinder in der Interventionsgruppe zudem signifikante Verbesserungen sowohl im Strategiewissen als auch im Leseverst\u00e4ndnis und in der Selbstwirksamkeit, mit mittleren bis starken Effekten.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Antoniou, F., &amp; Souvignier, E. (2007). Strategy instruction in reading comprehension: An intervention for students with learning disabilities.\u00a0<em>Learning Disabilities: A Contemporary Journal,\u00a0<\/em>5, 41-57.<\/li>\r\n \t<li>Boekarts, M. (1999). Self-regulated learning: where we are today. <em>International Journal of Educational Research, 31<\/em>, 445\u2013457.<\/li>\r\n \t<li>Gold, A., Mokhlesgerami, J., R\u00fchl, K., Schreblowski, S. &amp; Souvignier, E. (2006a). <em>Wir werden Textdetektive. Lehrermanual<\/em> (2. Aufl.). Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\r\n \t<li>Gold, A., Mokhlesgerami, J., R\u00fchl, K., Schreblowski, S. &amp; Souvignier, E. (2006b). <em>Wir werden Textdetektive. Arbeitsheft <\/em>\u00a0(3. Aufl.). Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\r\n \t<li>Kintsch, A. (1998). <em>Comprehension: A paradigm for cognition.<\/em> Cambridge University Press.<\/li>\r\n \t<li>Paris, S. G., Cross, D. R. &amp; Lipson, M. Y. (1984). Informed strategies for learning: A program to improve children\u2019s reading awareness and comprehension. <em>Journal of Educational Psychology, 76<\/em>, 1239\u20131252.<\/li>\r\n \t<li>R\u00fchl, K. &amp; Souvignier, E. (2006a). <em>Wir werden Lesedetektive. Lehrermanual<\/em>. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\r\n \t<li>R\u00fchl, K. &amp; Souvignier, E. (2006b). <em>Wir werden Lesedetektive. Arbeitsheft<\/em>. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\r\n \t<li>Souvignier, E. &amp; R\u00fchl, K. (2005).\u00a0F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses, Lesestrategiewissens und Leseinteresses von Sch\u00fclern mit Lernbehinderungen durch strategieorientierten Unterricht. <em>Heilp\u00e4dagogische Forschung, 31<\/em>(1), 2-11.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Nicht verf\u00fcgbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\nHaben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nLetzte \u00c4nderung: 02\/2025\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a>\r\n\r\n&nbsp;","rendered":"<p>von Katja R\u00fchl und Elmar Souvignier (2006)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-780\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-212x300.jpg 212w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-65x92.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-225x318.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive-350x494.jpg 350w, https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-content\/uploads\/sites\/65\/2024\/09\/Lesedetektive.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Einsatzbereich<\/h2>\n<ul>\n<li>5. bis 8. Klasse<\/li>\n<li>Gruppentraining<\/li>\n<li>Selektive und indizierte Pr\u00e4vention<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Qualit\u00e4tskriterien<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 246px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 81px\"><\/td>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Durchf\u00fchrbarkeit<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Theoretische Fundierung<\/th>\n<th style=\"width: 25%;height: 81px;text-align: left\" scope=\"col\">Evaluation<\/th>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 84px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 84px\" scope=\"row\">Bewertung<\/th>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: left\"><span class='pressbooks-hfh-circle pressbooks-hfh-circle--full' style='--pressbooks-hfh-circle-width: 1.375rem; --pressbooks-hfh-circle-color: #14776c;'><span class='hfh-sr-only'>Gef\u00fcllter Kreis<\/span><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 81px\">\n<th style=\"width: 25%;height: 81px\" scope=\"row\">Erl\u00e4uterung<\/th>\n<td>Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms.<\/td>\n<td>Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise.<\/td>\n<td>\u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<p>Das Unterrichtsprogramm hat zum Ziel, bei leseschwachen Sch\u00fcler:innen den Einsatz von Lesestrategien anzuleiten, um die texterschliessende Lesekompetenz zu steigern, um schliesslich auch Lesefreude und -interesse zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Der zeitliche Umfang betr\u00e4gt etwa 28 Unterrichtsstunden. Es kann im regul\u00e4ren Deutschunterricht durchgef\u00fchrt werden. Es hat sich bew\u00e4hrt, das Programm \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu verteilen und nicht als Kompaktkurs durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Programm entstand in Anlehnung an das Unterrichtsprogramm \u00abWir werden Textdetektive\u00bb (Gold et al., 2006a, b). Wie Detektiv:innen sollen die Sch\u00fcler:innen planvoll und unter Anwendung von Strategien mit Texten selbstst\u00e4ndig umgehen lernen. Mit einfacheren Texten und einer geringeren Anzahl zu vermittelnder Lesestrategien stellt das Programm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb f\u00fcr leistungsschw\u00e4chere Sch\u00fcler:innen eine Alternative dar.<\/p>\n<p>Das Training besteht aus verschiedenen Bausteinen:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Lesetraining beginnt mit einer Einf\u00fchrung in die Rahmenhandlung, bei der die Kinder erfahren, wie Detektiv:innen Hilfsmittel\u00a0 zu nutzen, um Probleme zu l\u00f6sen, respektive Texte zu entschl\u00fcsseln.<\/li>\n<li>Anschliessend werden vier kognitive sowie metakognitive Lesestrategien vermittelt. Mit den vier Strategien \u00ab\u00dcberschrift beachten\u00bb, \u00abUmgang mit Textschwierigkeiten\u00bb, \u00abZusammenfassen von Geschichten\u00bb sowie \u00abZusammenfassen von Sachtexten\u00bb lernen die Sch\u00fcler:innen, Texte besser zu erschliessen.<\/li>\n<li>Im letzten Baustein wird die kognitive Selbstregulation thematisiert. Es wird vermittelt, dass der Strategieeinsatz in Abh\u00e4ngigkeit von den jeweiligen Textanforderungen eigenverantwortlich zu planen, zu \u00fcberwachen und zu regulieren ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Anzahl ben\u00f6tigter Unterrichtsstunden h\u00e4ngt von den Vorkenntnissen und F\u00e4higkeiten einer Klasse und von der Organisation des Unterrichts ab.<\/p>\n<h2>Durchf\u00fchrbarkeit<\/h2>\n<p>Die einzelnen Lerneinheiten sind im Lehrermanual (R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006a) detailliert beschrieben. F\u00fcr die Sch\u00fcler:innen liegt ein Arbeitsheft vor (R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006b), das zus\u00e4tzlich erworben werden kann. Das Arbeitsheft umfasst s\u00e4mtliche Arbeitsmaterialien, Texte und Merkbl\u00e4tter, die f\u00fcr das Training ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<h2>Theoretische Fundierung<\/h2>\n<p>Das Unterrichtsprogramm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb basiert auf dem Programm \u00abWir werden Textdetektive\u00bb (Gold et al., 2006a).<\/p>\n<p>Die theoretische Grundlage des Programms stammt aus der P\u00e4dagogischen Psychologie. Einen allgemeinen Rahmen bilden die Theorien zum selbstregulierten Lernen (Boekarts, 1999). Die inhaltliche Gestaltung des Programms orientiert sich an kognitionspsychologischen Theorien des Textverstehens (Kintsch, 1998). Das Programm baut auf dem Ansatz von Scott Paris und Kolleg:innen (1984) sowie den Materialien von Schreblowski und Hasselhorn (2001) auf. Die Metapher der Leser:innen als Detektiv:innen wurde von Scott Paris \u00fcbernommen und soll veranschaulichen, dass Leser:innen wie Detektiv:innen nach wichtigen Informationen suchen und dabei strategisch vorgehen.<\/p>\n<p>Kognitionspsychologische Theorien betrachten Lesen als eine konstruktive Interaktion zwischen Leser:in und Text, bei der mentale Repr\u00e4sentationen auf verschiedenen Ebenen entstehen. Ein vertieftes Verst\u00e4ndnis von Textinhalten wird erreicht, wenn neue Informationen mit vorhandenem Vorwissen verkn\u00fcpft werden. Dabei unterst\u00fctzen elaborierende Lesestrategien die Aktivierung und Integration von Vorwissen, w\u00e4hrend reduktiv-organisierende Lesestrategien die in einem Text enthaltenen Informationen auf das Wesentliche verdichten. Im Programm \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb werden beide Strategietypen mit ausgew\u00e4hlten Strategien vermittelt. Da der reine Strategieerwerb f\u00fcr den erfolgreichen Einsatz nicht ausreicht, wird zus\u00e4tzlich die Selbstregulation des Strategieeinsatzes gef\u00f6rdert. Dies umfasst das Planen, \u00dcberwachen und Bewerten des eigenen Vorgehens mit Hilfe von metakognitiven Strategien (Gold et al., 2006a; R\u00fchl &amp; Souvignier, 2006a).<\/p>\n<h2>Evaluation<\/h2>\n<div style=\"font-weight: 400\">\n<p>Die Wirksamkeit des Unterrichtsprogramms \u00abWir werden Lesedetektive\u00bb wurde in einer Interventionsstudie an F\u00f6rderschulen untersucht (Souvignier &amp; R\u00fchl, 2005). Es nahmen insgesamt 130 Sch\u00fcler:innen teil, die in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe eingeteilt wurden. Die Ergebnisse zeigten positive Effekte zugunsten der Interventionsgruppe nach Abschluss des Programms im Hinblick auf das Wissen zu Lesestrategien (mittlerer Effekt), Leseinteresse (kleiner Effekt) und Leseverst\u00e4ndnis (kleiner Effekt).<\/p>\n<p>Weiter konnten Antoniou und Souvignier (2007) in einer Interventionsstudie mit 73 Kindern mit Lernschwierigkeiten zeigen, dass die Interventionsgruppe kurzfristig ein verbessertes Strategiewissen im Vergleich zur Kontrollgruppe aufwies. L\u00e4ngerfristig erzielten die Kinder in der Interventionsgruppe zudem signifikante Verbesserungen sowohl im Strategiewissen als auch im Leseverst\u00e4ndnis und in der Selbstwirksamkeit, mit mittleren bis starken Effekten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>Antoniou, F., &amp; Souvignier, E. (2007). Strategy instruction in reading comprehension: An intervention for students with learning disabilities.\u00a0<em>Learning Disabilities: A Contemporary Journal,\u00a0<\/em>5, 41-57.<\/li>\n<li>Boekarts, M. (1999). Self-regulated learning: where we are today. <em>International Journal of Educational Research, 31<\/em>, 445\u2013457.<\/li>\n<li>Gold, A., Mokhlesgerami, J., R\u00fchl, K., Schreblowski, S. &amp; Souvignier, E. (2006a). <em>Wir werden Textdetektive. Lehrermanual<\/em> (2. Aufl.). Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\n<li>Gold, A., Mokhlesgerami, J., R\u00fchl, K., Schreblowski, S. &amp; Souvignier, E. (2006b). <em>Wir werden Textdetektive. Arbeitsheft <\/em>\u00a0(3. Aufl.). Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\n<li>Kintsch, A. (1998). <em>Comprehension: A paradigm for cognition.<\/em> Cambridge University Press.<\/li>\n<li>Paris, S. G., Cross, D. R. &amp; Lipson, M. Y. (1984). Informed strategies for learning: A program to improve children\u2019s reading awareness and comprehension. <em>Journal of Educational Psychology, 76<\/em>, 1239\u20131252.<\/li>\n<li>R\u00fchl, K. &amp; Souvignier, E. (2006a). <em>Wir werden Lesedetektive. Lehrermanual<\/em>. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\n<li>R\u00fchl, K. &amp; Souvignier, E. (2006b). <em>Wir werden Lesedetektive. Arbeitsheft<\/em>. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/li>\n<li>Souvignier, E. &amp; R\u00fchl, K. (2005).\u00a0F\u00f6rderung des Leseverst\u00e4ndnisses, Lesestrategiewissens und Leseinteresses von Sch\u00fclern mit Lernbehinderungen durch strategieorientierten Unterricht. <em>Heilp\u00e4dagogische Forschung, 31<\/em>(1), 2-11.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Verf\u00fcgbarkeit an der HfH<\/h2>\n<ul>\n<li>Nicht verf\u00fcgbar<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Haben wir etwas \u00fcbersehen? Melden Sie sich gerne unter <a href=\"mailto:wiwawi@hfh.ch\">wiwawi@hfh.ch<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letzte \u00c4nderung: 02\/2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/part\/uebersicht-ueber-foerderprogramme\/\">Zur \u00dcbersicht \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Katja R\u00fchl und Elmar Souvignier (2006) Einsatzbereich 5. bis 8. Klasse Gruppentraining Selektive und indizierte Pr\u00e4vention Qualit\u00e4tskriterien Durchf\u00fchrbarkeit Theoretische Fundierung Evaluation Bewertung Erl\u00e4uterung Verst\u00e4ndliche Hinweise zur praktischen Umsetzung des Programms. Theoretische Begr\u00fcndung und nachvollziehbare Ableitung der Vorgehensweise. \u00dcberzeugende Belege zur\u00a0 Wirksamkeit. Inhalt Das Unterrichtsprogramm hat zum Ziel, bei leseschwachen Sch\u00fcler:innen den Einsatz von Lesestrategien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1740,"menu_order":58,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[70,111,112,66,67,69],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-779","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","category-indizierte-praevention","category-lesen","category-lesestrategien","category-03-mittelstufe","category-04-oberstufe","category-selektive-praevention"],"part":97,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1740"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":932,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/779\/revisions\/932"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/97"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/779\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=779"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=779"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=779"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/wissenwaswirkt\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}