Modul 6

Lernen lernen: Wie Lernstrategien dabei helfen können

Lernstrategien sind Werkzeuge des Lernens. Richtig genutzt stellen sie Ressourcen für Lernende mit Lernschwierigkeiten dar.


Die  oft drängende Frage, wie es möglich ist Wissen zu erwerben beschäftigt Lernende, Lehrende und Forschende. Vielleicht ist es die Dringlichkeit der Frage, die zu zahllosen Versprechen verführt, wie zum Beispiel diesen Beiden aus einer renommierten Tageszeitung:

„Stundenlanges Pauken? Das war einmal. Lernen geht schneller und leichter, wenn man sechs Tipps befolgt. Wenn man etwas Neues lernen will, reichen wenige Minuten täglich pro Unterrichtsfach.“

oder:

„Um welches Fach es geht und welches Thema drankommt, ist dabei ganz egal. Denn die Schritte zum Erfolg sind immer ähnlich. Je früher diese Methoden fürs clevere Pauken eingeübt werden, desto besser – nicht erst für die Abschlussarbeit sind sie unverzichtbar!“

Wie wirksam sind diese „cleveren Methoden“ und Tipps tatsächlich? Was an den beiden Versprechen stimmt – und was überzeugt für den Unterricht mit Kindern und Jugendlichen weniger?


Aus der Lernforschung wissen wir, dass sich geeignete Lernstrategien tatsächlich positiv auf den Erwerb von Wissen auswirken. Ebenfalls bestätigt ist, dass regelmässiges Üben wirksam ist. Die weiteren Versprechen halten der Überprüfung jedoch nicht stand: Von der Idee, dass es exakte Methoden die auf alle Fächer angewendet werden können, dass es genaue Tipps oder gar Zeitangaben gibt, die für alle Lernenden und für alle Fächer gelten, müssen wir uns verabschieden. Dies ganz besonders dort, wo es darum geht, Lernende in einem spezifischen Bereich wirksam zu fördern. Hier gilt: Spezifische Strategien haben starke Effekte aber kleine Anwendungsgebiete, allgemeine Strategien haben eine breite Anwendbarkeit, jedoch nur moderate Effekte.

Dies bestätigt auch Elsbeth Stern, Professorin für Lehr – und Lernforschung an der ETH Zürich:

„Es ist nicht möglich, Menschen unspezifisch darin zu trainieren, besser zu denken, sondern man kann sie lediglich beim Erwerb und der Anwendung von Wissen unterstützen.“
Elsbeth Stern, ETH Zürich


Heute werden drei Gruppen von Lernstrategien mit jeweils spezifischen Funktionen unterschieden:

 


Was heute belegt ist:

Wirksame Lernstrategien…

  • beziehen sich auf eine bestimmte Person oder eine Personengruppe
  • sind auf einen ausgewählten Lerngegenstand gerichtet
  • beschreiben eine spezifische Lernsituation
  • werden mit den Lernenden geplant und überprüft
  • vor allem: Wirksame Lernstrategien sind vor allem solche, die gerne und oft angewendet werden!

Individuelles Lernen

  • Erinnern Sie sich zurück: Wie hat ihre eigene Lernbiografie in Bezug auf Lernstrategien ausgesehen? Welches implizite Wissen steht Ihnen  für Ihre Arbeit mit Lernenden entsprechend zur Verfügung?
  • Wenn sie sich für die neurobiologischen Grundlagen von Gedächtnisprozessen interessiere, finden Sie hier und hier sehr gut aufgearbeitete Informationen.
  • Barbara Marra hat sich im Rahmen ihres Masterstudiums Schulische Heilpädagogik intensiv mit den Exekutiven Funktionen auseinandergesetzt. Sie stellt dem CAS Wirksam fördern ihre Arbeiten zur Verfügung: Selbststeuerung – Selbstregulation: ein Projekt für die Mittelstufe und Masterthese Marra.
Verfasst von

Esther Albertin Brenzikofer, MA
Senior Lecturer, Institut für Professionalisierung und Systementwicklung (IPSE)

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