{"id":253,"date":"2024-09-12T14:52:58","date_gmt":"2024-09-12T12:52:58","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/tragfaehige-integration\/?post_type=chapter&#038;p=253"},"modified":"2025-01-04T10:51:10","modified_gmt":"2025-01-04T09:51:10","slug":"zusammenarbeit","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/tragfaehige-integration\/chapter\/zusammenarbeit\/","title":{"raw":"II. Zusammenarbeit","rendered":"II. Zusammenarbeit"},"content":{"raw":"<h2>Wie k\u00f6nnen Sie <span style=\"color: #e91e1b\"><strong>Zusammenarbeit<\/strong><\/span> in der Schule l\u00e4ngerfristig gestalten und weiterentwickeln?<\/h2>\r\nZusammenarbeit ist ein Thema, das die Schule unaufh\u00f6rlich besch\u00e4ftigt. Da unterschiedliche Professionen in der Schule arbeiten, muss unweigerlich zusammen gearbeitet werden. Dar\u00fcber hinaus besteht in der Wissenschaft weitgehend Konsens dar\u00fcber, dass guter Unterricht und die gute Schule stark mit der Qualit\u00e4t und Intensit\u00e4t der Zusammenarbeit einhergeht.\r\n<blockquote><em>\u00abWenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen. Sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.\u00bb<\/em>\r\nSaint Exup\u00e9ry<\/blockquote>\r\n<h2>Spannungsfeld<\/h2>\r\n<span class=\"pullquote-left pullquote-right\">\u00abDie Aufgaben, die in der Schule bearbeitet werden, sind zu komplex f\u00fcr eine Person alleine.\u00bb<\/span>Es ist wohl dem Ideal der \u00abfunktionalen Differenzierung\u00bb nach Durkheim geschuldet, dass die Schule als Organisation und die in ihr arbeitenden Professionellen am liebsten die Problemlagen sortieren und zuteilen: \u00abDu machst das, ich mache das.\u00bb W\u00e4hrend die Mitarbeitenden die Aufgaben m\u00f6glichst delegativ aufteilen m\u00f6chten, m\u00fcssen Sie als Schulleitung \/ Teacher Leader dagegen halten: Entlastende Zusammenarbeit, die f\u00fcr die Sch\u00fcler:in gute L\u00f6sungen findet, zeichnet sich durch <strong>Ko-Konstruktion<\/strong> und eine <strong>Situationsorientierung<\/strong> aus.\r\n<h2>Wann Kooperieren?<\/h2>\r\nEffektive Zusammenarbeit geschieht, wenn die Notwendigkeit der Zusammenarbeit f\u00fcr alle Beteiligten evident ist. Es geht nicht darum, dass das, was besser alleine gemacht werden kann, unbedingt in Kooperation erfolgen soll. L\u00e4ngerfristig muss ein Nutzen f\u00fcr alle Beteiligten sichtbar werden.\r\n\r\nIn der Forschung wurde in den letzten Jahren klar, dass insbesondere die Kooperation in der Unterrrichtsplanung, -durchf\u00fchrung und -evaluation effektiv ist. Das heisst, wenn Zusammenarbeit in Bezug auf das Lernen von Sch\u00fcler:innen intensiviert werden soll, soll f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/tragfaehige-integration\/chapter\/unterrichtsentwicklung\/\">\u2192 kooperative, ko-konstruktive Unterrichtsvorbereitung<\/a> Zeit investiert werden.[footnote]Maag Merki, K., Kunz, A., Werner, S., &amp; Luder, R. (2010). Professionelle Zusammenarbeit in Schulen. Schlussbericht PZiS. Z\u00fcrich: UZH\/ PHZH, S. 101.[\/footnote] Es sind daf\u00fcr unterschiedliche Vorgehensweisen entwickelt worden.\r\n<h2>Multiprofessionelles Situationsteam<\/h2>\r\nQualitativ gute und entlastende multiprofessionelle Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass von vornherein klar ist, f\u00fcr welche Sch\u00fcler:innen wer zust\u00e4ndig ist. Vielmehr geht es darum, die Verantwortung auf mehreren Schulter zu verteilen und bei herausfordernden Situationen gemeinsam zu besprechen, wer was zur L\u00f6sung des Problems beitragen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass die verschiedenen Hintergr\u00fcnde (LP, SHP, SSA) nicht eingebracht werden - jedoch werden sie in Bezug auf eine Situation eingebracht, und nicht von vornherein f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Situation im Sinne einer Voraus-Setzung wirksam. Wenn in einem \u00abSituationsteam\u00bb[footnote]Widmer-Wolf, P. (2016). Erweitertes Verst\u00e4ndnis beruflicher Autonomie f\u00fcr Sonderp\u00e4dagoginnen und Sonderp\u00e4dagogen in der Zusammenarbeit mit Lehrkr\u00e4ften in inklusiven Schulen. In A. Kreis, J. Wick, &amp; C. Kosorok Labhart (Hrsg.), Kooperation im Kontext schulischer Heterogenit\u00e4t (S. 171\u2013184). M\u00fcnster: Waxmann.[\/footnote] gearbeitet wird, k\u00f6nnen Herausforderungen entlastend gemeinsam gemeistert werden.\r\n<h2>Professionsrollen<\/h2>\r\nWie oben erw\u00e4hnt, kann es kontraproduktiv sein, wenn von vornherein klar ist, wer f\u00fcr welche Sch\u00fcler:innen zust\u00e4ndig ist. Professionen in der P\u00e4dagogik definieren sich jedoch in der Theorie \u00fcber Zust\u00e4ndigkeitsbereiche. Wenn die Professionsrolle zu stark betont wird, werden Herausforderungen zu \u00abF\u00e4llen\u00bb, die \u00fcber Kategorisierungen einer bestimmten Profession zugewiesen werden k\u00f6nnen. Damit verspielt sich ein multiprofessionelles Team jedoch die M\u00f6glichkeit, eine konkrete Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren und eine auf die entsprechende Situation passende L\u00f6sung zu finden - viel eher werden dann Interventionen vorgeschlagen, die die entsprechende Problemsituation nicht mehr ad\u00e4quat fasst. [footnote]Labhart, D. (2019). Interdisziplin\u00e4re Teams in inklusiven Schulen. Eine ethnografische Studie zu Fallbesprechungen in multiprofessionellen Gruppen. Bielefeld: transcript.[\/footnote] Professionelle m\u00fcssen somit in der Lage sein, ihre spezifische Sichtweise einzubringen, jedoch auch von ihrer Sichtweise abzur\u00fccken, um nicht ein:e Sch\u00fcler:in einer Kategorie passend zu machen, sondern eine Situation in den Blick zu nehmen, um diese zu ver\u00e4ndern.\r\n<h2>Zusammenarbeitsgef\u00e4sse<\/h2>\r\nWie oben erw\u00e4hnt, ist eine Zusammenarbeit insbesondere im Bereich der Unterrichtsentwicklung zu empfehlen, weil sie da grosse Auswirkungen zeigt. Es wird deshalb empfohlen, feste p\u00e4dagogische Teams zu st\u00e4rken, die sich regelm\u00e4ssig treffen, um konkret an der Unterrichtsgestaltung zu arbeiten. Daf\u00fcr ist es wichtig, die Beteiligten ein regelm\u00e4ssiges Zeitgef\u00e4ss definieren zu lassen. Auch sollten die p\u00e4dagogischen Teams wenn m\u00f6glich \u00fcber die Jahre m\u00f6glichst konstant gehalten werden und multiprofessionell zusammengesetzt sein. Sitzungen mit dem ganzen Schulhausteam sind auf ein Minimum zu reduzieren, damit Zeit f\u00fcr die Kooperation in Bezug auf den Unterricht vorhanden ist.[footnote]Maag-Merki et al. (2010), s.o.[\/footnote]\r\n\r\n<span class=\"pullquote-right\">\u00abInteressanterweise berichten gerade diejenigen Lehrkr\u00e4fte von (leicht) entlastenden Wirkungen der Kooperation, die sich in zeitaufw\u00e4ndigen sog. kokonstruktiven Kooperationsformen engagieren.\u00bb[footnote]B\u00f6hm-Kasper, O. (2018). Auf mehrere Schultern verteilen. Friedrich Jahresheft, 30\u201331, S. 31.[\/footnote]<\/span>\r\n<h2>Belastung und Delegation<\/h2>\r\nLehrpersonen haben vielfach das Gef\u00fchl, dass Belastung daraus resultiert, dass in \u00f6konomischer Weise die zeitliche Arbeitsbelastung verringert wird: Je mehr die Arbeit aufgeteilt ist, desto fr\u00fcher kann ich nach Hause, desto entlasteter f\u00fchle ich mich. Studien legen jedoch nahe, dass dies nicht zutrifft, sondern dass eine l\u00e4ngerfristige Entlastung \u00fcber eine kokonstruktive Zusammenarbeit entsteht, indem die \u00abLast auf mehreren Schultern\u00bb verteilt wird.[footnote]Widmer-Wolf, P. (2014). Praxis der Individualisierung. Wie multiprofessionelle Klassenteams F\u00f6rdersituationen f\u00fcr Kinder im Schulalltag etablieren. Opladen: Budrich UniPress; B\u00f6hm-Kasper, O. (2018), s.o.[\/footnote] Entlastende Zusammenarbeit entsteht demnach nicht \u00fcber eine Arbeitsteilung, in der die Herausforderungen verschiedenen Professionellen delegiert werden, sondern in der l\u00e4ngerfristigen Etablierung ko-konstruktiver Situationsteams.\r\n<h2>Offenheit und Vertrauen<\/h2>\r\nSolche Teams sind abh\u00e4ngig von der Lernfreude der Professionellen: Wenn gemeinsam ko-konstruktiv etwas entwickelt werden soll, muss vom eigenen Standpunkt abgewichen werden k\u00f6nnen. Dies ben\u00f6tigt ein grunds\u00e4tzliches Vertrauen, dass Abweichung von einem Standpunkt nicht bedeutet, dass grunds\u00e4tzlich die Kompetenz der Person in Frage gestellt wird. Dies wird als \u00abPsychologische Sicherheit\u00bb[footnote]Edmondson, A.C. (2021). Die angstfreie Organisation. Franz Vahlen.[\/footnote]\u00a0bezeichnet: Es ist wichtig, eigene Fehler zugeben zu k\u00f6nnen. Ihre Mitarbeiterinnen m\u00fcssen sich so sicher f\u00fchlen, dass Gedanken, Ideen, Bedenken, Kritik oder Fehler ge\u00e4ussert werden k\u00f6nnen, ohne Besch\u00e4mung oder Strafe zu bef\u00fcrchten.\r\n<div class=\"textbox textbox--examples\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<p class=\"textbox__title\">Instrumente zur Schulentwicklung im Bereich Zusammenarbeit<\/p>\r\n\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDie Stadt Z\u00fcrich stellt ein Instrument zur Verf\u00fcgung, das hilft, die Zusammenarbeit regelm\u00e4ssig zum Thema zu machen. <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/de\/bildung\/volksschule\/unterrichtsmaterial\/instrumente-integrative-schule.html#werkzeug_zusammenarbeit\">\u2192 Werkzeug Zusammenarbeit<\/a>\r\n\r\nMithilfe der <a href=\"https:\/\/zusammenarbeitanschulen.ch\">\u2192 ZaS-Bausteine<\/a> k\u00f6nnen Schulen ihre Zusammenarbeit reflektieren und inklusionsorientiert weiterentwickeln. Dabei werden die Ebenen Schulleitung, Team und einzelne Mitarbeitende unterschieden.\r\n\r\nDer <a href=\"https:\/\/www.schulen-aargau.ch\/media\/schulen-aargau\/unterricht\/besondere-foerderung\/begabungsfoerderung\/bksvs-leitfaden-gemeinsam-perspektiven-erweitern.pdf\">\u2192 Leitfaden zur Schulentwicklung<\/a> bietet Schulleitungen einen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigen Aspekte zum Thema, wie Teams gemeinsam Perspektiven erweitern k\u00f6nnen.\r\n\r\nIm Index f\u00fcr Inklusion ist der gemeinsame Dialog in der Schulentwicklung zentral - und auch die Zusammenarbeit ein grosses Thema. So kann auch mit dem <a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/paedagogik\/produkte\/details\/32462-index-fuer-inklusion.html\">\u2192 Index f\u00fcr Inklusion<\/a> am Thema Zusammenarbeit gearbeitet werden.\r\n\r\nBlick \u00fcber die Landesgrenze: In Bielefeld wurde ein Weiterbildungskonzept entwickelt. Dazu wurde ein Praxishandbuch geschrieben, das Open Access verf\u00fcgbar ist <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-6068-5\/kooperation-in-inklusiven-schulen\/?number=978-3-8394-6068-9\">\u2192 BiFoKi - Kooperation in inklusiven Schulen<\/a>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<h2>Wie k\u00f6nnen Sie <span style=\"color: #e91e1b\"><strong>Zusammenarbeit<\/strong><\/span> in der Schule l\u00e4ngerfristig gestalten und weiterentwickeln?<\/h2>\n<p>Zusammenarbeit ist ein Thema, das die Schule unaufh\u00f6rlich besch\u00e4ftigt. Da unterschiedliche Professionen in der Schule arbeiten, muss unweigerlich zusammen gearbeitet werden. Dar\u00fcber hinaus besteht in der Wissenschaft weitgehend Konsens dar\u00fcber, dass guter Unterricht und die gute Schule stark mit der Qualit\u00e4t und Intensit\u00e4t der Zusammenarbeit einhergeht.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00abWenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen. Sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.\u00bb<\/em><br \/>\nSaint Exup\u00e9ry<\/p><\/blockquote>\n<h2>Spannungsfeld<\/h2>\n<p><span class=\"pullquote-left pullquote-right\">\u00abDie Aufgaben, die in der Schule bearbeitet werden, sind zu komplex f\u00fcr eine Person alleine.\u00bb<\/span>Es ist wohl dem Ideal der \u00abfunktionalen Differenzierung\u00bb nach Durkheim geschuldet, dass die Schule als Organisation und die in ihr arbeitenden Professionellen am liebsten die Problemlagen sortieren und zuteilen: \u00abDu machst das, ich mache das.\u00bb W\u00e4hrend die Mitarbeitenden die Aufgaben m\u00f6glichst delegativ aufteilen m\u00f6chten, m\u00fcssen Sie als Schulleitung \/ Teacher Leader dagegen halten: Entlastende Zusammenarbeit, die f\u00fcr die Sch\u00fcler:in gute L\u00f6sungen findet, zeichnet sich durch <strong>Ko-Konstruktion<\/strong> und eine <strong>Situationsorientierung<\/strong> aus.<\/p>\n<h2>Wann Kooperieren?<\/h2>\n<p>Effektive Zusammenarbeit geschieht, wenn die Notwendigkeit der Zusammenarbeit f\u00fcr alle Beteiligten evident ist. Es geht nicht darum, dass das, was besser alleine gemacht werden kann, unbedingt in Kooperation erfolgen soll. L\u00e4ngerfristig muss ein Nutzen f\u00fcr alle Beteiligten sichtbar werden.<\/p>\n<p>In der Forschung wurde in den letzten Jahren klar, dass insbesondere die Kooperation in der Unterrrichtsplanung, -durchf\u00fchrung und -evaluation effektiv ist. Das heisst, wenn Zusammenarbeit in Bezug auf das Lernen von Sch\u00fcler:innen intensiviert werden soll, soll f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/tragfaehige-integration\/chapter\/unterrichtsentwicklung\/\">\u2192 kooperative, ko-konstruktive Unterrichtsvorbereitung<\/a> Zeit investiert werden.<a class=\"footnote\" title=\"Maag Merki, K., Kunz, A., Werner, S., &amp; Luder, R. (2010). Professionelle Zusammenarbeit in Schulen. Schlussbericht PZiS. Z\u00fcrich: UZH\/ PHZH, S. 101.\" id=\"return-footnote-253-1\" href=\"#footnote-253-1\" aria-label=\"Footnote 1\"><sup class=\"footnote\">[1]<\/sup><\/a> Es sind daf\u00fcr unterschiedliche Vorgehensweisen entwickelt worden.<\/p>\n<h2>Multiprofessionelles Situationsteam<\/h2>\n<p>Qualitativ gute und entlastende multiprofessionelle Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass von vornherein klar ist, f\u00fcr welche Sch\u00fcler:innen wer zust\u00e4ndig ist. Vielmehr geht es darum, die Verantwortung auf mehreren Schulter zu verteilen und bei herausfordernden Situationen gemeinsam zu besprechen, wer was zur L\u00f6sung des Problems beitragen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass die verschiedenen Hintergr\u00fcnde (LP, SHP, SSA) nicht eingebracht werden &#8211; jedoch werden sie in Bezug auf eine Situation eingebracht, und nicht von vornherein f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Situation im Sinne einer Voraus-Setzung wirksam. Wenn in einem \u00abSituationsteam\u00bb<a class=\"footnote\" title=\"Widmer-Wolf, P. (2016). Erweitertes Verst\u00e4ndnis beruflicher Autonomie f\u00fcr Sonderp\u00e4dagoginnen und Sonderp\u00e4dagogen in der Zusammenarbeit mit Lehrkr\u00e4ften in inklusiven Schulen. In A. Kreis, J. Wick, &amp; C. Kosorok Labhart (Hrsg.), Kooperation im Kontext schulischer Heterogenit\u00e4t (S. 171\u2013184). M\u00fcnster: Waxmann.\" id=\"return-footnote-253-2\" href=\"#footnote-253-2\" aria-label=\"Footnote 2\"><sup class=\"footnote\">[2]<\/sup><\/a> gearbeitet wird, k\u00f6nnen Herausforderungen entlastend gemeinsam gemeistert werden.<\/p>\n<h2>Professionsrollen<\/h2>\n<p>Wie oben erw\u00e4hnt, kann es kontraproduktiv sein, wenn von vornherein klar ist, wer f\u00fcr welche Sch\u00fcler:innen zust\u00e4ndig ist. Professionen in der P\u00e4dagogik definieren sich jedoch in der Theorie \u00fcber Zust\u00e4ndigkeitsbereiche. Wenn die Professionsrolle zu stark betont wird, werden Herausforderungen zu \u00abF\u00e4llen\u00bb, die \u00fcber Kategorisierungen einer bestimmten Profession zugewiesen werden k\u00f6nnen. Damit verspielt sich ein multiprofessionelles Team jedoch die M\u00f6glichkeit, eine konkrete Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren und eine auf die entsprechende Situation passende L\u00f6sung zu finden &#8211; viel eher werden dann Interventionen vorgeschlagen, die die entsprechende Problemsituation nicht mehr ad\u00e4quat fasst. <a class=\"footnote\" title=\"Labhart, D. (2019). Interdisziplin\u00e4re Teams in inklusiven Schulen. Eine ethnografische Studie zu Fallbesprechungen in multiprofessionellen Gruppen. Bielefeld: transcript.\" id=\"return-footnote-253-3\" href=\"#footnote-253-3\" aria-label=\"Footnote 3\"><sup class=\"footnote\">[3]<\/sup><\/a> Professionelle m\u00fcssen somit in der Lage sein, ihre spezifische Sichtweise einzubringen, jedoch auch von ihrer Sichtweise abzur\u00fccken, um nicht ein:e Sch\u00fcler:in einer Kategorie passend zu machen, sondern eine Situation in den Blick zu nehmen, um diese zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<h2>Zusammenarbeitsgef\u00e4sse<\/h2>\n<p>Wie oben erw\u00e4hnt, ist eine Zusammenarbeit insbesondere im Bereich der Unterrichtsentwicklung zu empfehlen, weil sie da grosse Auswirkungen zeigt. Es wird deshalb empfohlen, feste p\u00e4dagogische Teams zu st\u00e4rken, die sich regelm\u00e4ssig treffen, um konkret an der Unterrichtsgestaltung zu arbeiten. Daf\u00fcr ist es wichtig, die Beteiligten ein regelm\u00e4ssiges Zeitgef\u00e4ss definieren zu lassen. Auch sollten die p\u00e4dagogischen Teams wenn m\u00f6glich \u00fcber die Jahre m\u00f6glichst konstant gehalten werden und multiprofessionell zusammengesetzt sein. Sitzungen mit dem ganzen Schulhausteam sind auf ein Minimum zu reduzieren, damit Zeit f\u00fcr die Kooperation in Bezug auf den Unterricht vorhanden ist.<a class=\"footnote\" title=\"Maag-Merki et al. (2010), s.o.\" id=\"return-footnote-253-4\" href=\"#footnote-253-4\" aria-label=\"Footnote 4\"><sup class=\"footnote\">[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><span class=\"pullquote-right\">\u00abInteressanterweise berichten gerade diejenigen Lehrkr\u00e4fte von (leicht) entlastenden Wirkungen der Kooperation, die sich in zeitaufw\u00e4ndigen sog. kokonstruktiven Kooperationsformen engagieren.\u00bb<a class=\"footnote\" title=\"B\u00f6hm-Kasper, O. (2018). Auf mehrere Schultern verteilen. Friedrich Jahresheft, 30\u201331, S. 31.\" id=\"return-footnote-253-5\" href=\"#footnote-253-5\" aria-label=\"Footnote 5\"><sup class=\"footnote\">[5]<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<h2>Belastung und Delegation<\/h2>\n<p>Lehrpersonen haben vielfach das Gef\u00fchl, dass Belastung daraus resultiert, dass in \u00f6konomischer Weise die zeitliche Arbeitsbelastung verringert wird: Je mehr die Arbeit aufgeteilt ist, desto fr\u00fcher kann ich nach Hause, desto entlasteter f\u00fchle ich mich. Studien legen jedoch nahe, dass dies nicht zutrifft, sondern dass eine l\u00e4ngerfristige Entlastung \u00fcber eine kokonstruktive Zusammenarbeit entsteht, indem die \u00abLast auf mehreren Schultern\u00bb verteilt wird.<a class=\"footnote\" title=\"Widmer-Wolf, P. (2014). Praxis der Individualisierung. Wie multiprofessionelle Klassenteams F\u00f6rdersituationen f\u00fcr Kinder im Schulalltag etablieren. Opladen: Budrich UniPress; B\u00f6hm-Kasper, O. (2018), s.o.\" id=\"return-footnote-253-6\" href=\"#footnote-253-6\" aria-label=\"Footnote 6\"><sup class=\"footnote\">[6]<\/sup><\/a> Entlastende Zusammenarbeit entsteht demnach nicht \u00fcber eine Arbeitsteilung, in der die Herausforderungen verschiedenen Professionellen delegiert werden, sondern in der l\u00e4ngerfristigen Etablierung ko-konstruktiver Situationsteams.<\/p>\n<h2>Offenheit und Vertrauen<\/h2>\n<p>Solche Teams sind abh\u00e4ngig von der Lernfreude der Professionellen: Wenn gemeinsam ko-konstruktiv etwas entwickelt werden soll, muss vom eigenen Standpunkt abgewichen werden k\u00f6nnen. Dies ben\u00f6tigt ein grunds\u00e4tzliches Vertrauen, dass Abweichung von einem Standpunkt nicht bedeutet, dass grunds\u00e4tzlich die Kompetenz der Person in Frage gestellt wird. Dies wird als \u00abPsychologische Sicherheit\u00bb<a class=\"footnote\" title=\"Edmondson, A.C. (2021). Die angstfreie Organisation. Franz Vahlen.\" id=\"return-footnote-253-7\" href=\"#footnote-253-7\" aria-label=\"Footnote 7\"><sup class=\"footnote\">[7]<\/sup><\/a>\u00a0bezeichnet: Es ist wichtig, eigene Fehler zugeben zu k\u00f6nnen. Ihre Mitarbeiterinnen m\u00fcssen sich so sicher f\u00fchlen, dass Gedanken, Ideen, Bedenken, Kritik oder Fehler ge\u00e4ussert werden k\u00f6nnen, ohne Besch\u00e4mung oder Strafe zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--examples\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<p class=\"textbox__title\">Instrumente zur Schulentwicklung im Bereich Zusammenarbeit<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Die Stadt Z\u00fcrich stellt ein Instrument zur Verf\u00fcgung, das hilft, die Zusammenarbeit regelm\u00e4ssig zum Thema zu machen. <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/de\/bildung\/volksschule\/unterrichtsmaterial\/instrumente-integrative-schule.html#werkzeug_zusammenarbeit\">\u2192 Werkzeug Zusammenarbeit<\/a><\/p>\n<p>Mithilfe der <a href=\"https:\/\/zusammenarbeitanschulen.ch\">\u2192 ZaS-Bausteine<\/a> k\u00f6nnen Schulen ihre Zusammenarbeit reflektieren und inklusionsorientiert weiterentwickeln. Dabei werden die Ebenen Schulleitung, Team und einzelne Mitarbeitende unterschieden.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.schulen-aargau.ch\/media\/schulen-aargau\/unterricht\/besondere-foerderung\/begabungsfoerderung\/bksvs-leitfaden-gemeinsam-perspektiven-erweitern.pdf\">\u2192 Leitfaden zur Schulentwicklung<\/a> bietet Schulleitungen einen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigen Aspekte zum Thema, wie Teams gemeinsam Perspektiven erweitern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Index f\u00fcr Inklusion ist der gemeinsame Dialog in der Schulentwicklung zentral &#8211; und auch die Zusammenarbeit ein grosses Thema. So kann auch mit dem <a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/paedagogik\/produkte\/details\/32462-index-fuer-inklusion.html\">\u2192 Index f\u00fcr Inklusion<\/a> am Thema Zusammenarbeit gearbeitet werden.<\/p>\n<p>Blick \u00fcber die Landesgrenze: In Bielefeld wurde ein Weiterbildungskonzept entwickelt. Dazu wurde ein Praxishandbuch geschrieben, das Open Access verf\u00fcgbar ist <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-6068-5\/kooperation-in-inklusiven-schulen\/?number=978-3-8394-6068-9\">\u2192 BiFoKi &#8211; Kooperation in inklusiven Schulen<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"before-footnotes clear\" \/><div class=\"footnotes\"><ol><li id=\"footnote-253-1\">Maag Merki, K., Kunz, A., Werner, S., &amp; Luder, R. (2010). Professionelle Zusammenarbeit in Schulen. Schlussbericht PZiS. Z\u00fcrich: UZH\/ PHZH, S. 101. <a href=\"#return-footnote-253-1\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 1\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-2\">Widmer-Wolf, P. (2016). Erweitertes Verst\u00e4ndnis beruflicher Autonomie f\u00fcr Sonderp\u00e4dagoginnen und Sonderp\u00e4dagogen in der Zusammenarbeit mit Lehrkr\u00e4ften in inklusiven Schulen. In A. Kreis, J. Wick, &amp; C. Kosorok Labhart (Hrsg.), Kooperation im Kontext schulischer Heterogenit\u00e4t (S. 171\u2013184). M\u00fcnster: Waxmann. <a href=\"#return-footnote-253-2\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 2\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-3\">Labhart, D. (2019). Interdisziplin\u00e4re Teams in inklusiven Schulen. Eine ethnografische Studie zu Fallbesprechungen in multiprofessionellen Gruppen. Bielefeld: transcript. <a href=\"#return-footnote-253-3\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 3\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-4\">Maag-Merki et al. (2010), s.o. <a href=\"#return-footnote-253-4\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 4\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-5\">B\u00f6hm-Kasper, O. (2018). Auf mehrere Schultern verteilen. Friedrich Jahresheft, 30\u201331, S. 31. <a href=\"#return-footnote-253-5\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 5\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-6\">Widmer-Wolf, P. (2014). Praxis der Individualisierung. Wie multiprofessionelle Klassenteams F\u00f6rdersituationen f\u00fcr Kinder im Schulalltag etablieren. Opladen: Budrich UniPress; B\u00f6hm-Kasper, O. (2018), s.o. <a href=\"#return-footnote-253-6\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 6\">&crarr;<\/a><\/li><li id=\"footnote-253-7\">Edmondson, A.C. (2021). Die angstfreie Organisation. Franz Vahlen. <a href=\"#return-footnote-253-7\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 7\">&crarr;<\/a><\/li><\/ol><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen Sie Zusammenarbeit in der Schule l\u00e4ngerfristig gestalten und weiterentwickeln? Zusammenarbeit ist ein Thema, das die Schule unaufh\u00f6rlich besch\u00e4ftigt. Da unterschiedliche Professionen in der Schule arbeiten, muss unweigerlich zusammen gearbeitet werden. 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