{"id":172,"date":"2026-05-20T23:11:03","date_gmt":"2026-05-20T21:11:03","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/?post_type=chapter&#038;p=172"},"modified":"2026-06-11T14:40:29","modified_gmt":"2026-06-11T12:40:29","slug":"bruecken-bauen","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/chapter\/bruecken-bauen\/","title":{"raw":"Br\u00fccken bauen: Perspektiven\u00fcbernahme zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und Dozierenden wechselseitig gestalten","rendered":"Br\u00fccken bauen: Perspektiven\u00fcbernahme zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und Dozierenden wechselseitig gestalten"},"content":{"raw":"<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/bruecken_bauen_-perspektivenuebernahme_zwischen_studierenden_im_autismus-spektrum_und_dozierenden.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Version als PDF zum Download<\/a>\r\n\r\nVon Eva Stucki &amp; Andreas Eckert\r\n<h2>Einleitung<\/h2>\r\nStudieren mit Autismus-Diagnose kann sowohl f\u00fcr die Studierenden selbst als auch f\u00fcr die Dozierenden zus\u00e4tzliche Herausforderungen mit sich bringen. Diese beziehen sich in der Regel weniger auf die fachlichen oder kognitiven Anforderungen des Studiums als vielmehr auf unterschiedliche Aspekte der Gestaltung und des Erlebens des Hochschulkontextes, auf struktureller und interaktionaler Ebene. Wenngleich manche Herausforderungen sicherlich nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr Studierende im Autismus-Spektrum und ihre Dozierenden relevant sind, erhalten sie unseres Erachtens f\u00fcr Studierende und Dozierende bei Autismus in der Regel jedoch einen besonderen Stellenwert.\r\n\r\nIn einem ersten Schritt werden wir in diesem Beitrag zur Beschreibung der Ausgangslage m\u00f6gliche Aspekte, die Hindernisse oder Missverst\u00e4ndnisse entstehen lassen k\u00f6nnen und eine wechselseitige Perspektiven\u00fcbernahme im Hochschulkontext erschweren, benennen und anhand exemplarischer Fragen konkretisieren. Anschlie\u00dfend erfolgt der Versuch, unser grundlegendes Autismusverst\u00e4ndnis mit einem Bezug zur aktuellen Neurodiversit\u00e4tsdebatte zu skizzieren. Darauf aufbauend werden wir im folgenden Teil dieses Beitrags ausgew\u00e4hlte Situationen aus dem Studienalltag als Grundlage f\u00fcr die Reflexion einer gelingenden, wechselseitigen Perspektiven\u00fcbernahme und Gestaltung der Interaktionen zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und Dozierenden nutzen. Eine zentrale Zielsetzung stellt es f\u00fcr uns dabei dar, sowohl Studierenden als auch Dozierenden konkrete Anregungen f\u00fcr den Hochschulalltag mitzugeben.\r\n<h2>Ausgangslage<\/h2>\r\nDas Wahrnehmen und Reflektieren besonderer Anforderungen bzw. Herausforderungen, die einerseits Studierende im Autismus-Spektrum w\u00e4hrend ihres Studiums, andererseits Dozierende in ihren Begegnungen mit den Studierenden erleben k\u00f6nnen, bilden f\u00fcr uns zentrale Voraussetzungen f\u00fcr eine wechselseitige Gestaltung gelingender Interaktionen im Studium. Nachfolgend werden diesbez\u00fcglich zentrale Aspekte anhand von Fragen zusammengetragen, die sich teils an Studierende, teils an Dozierende richten. Der Fragensammlung liegen sowohl eigene Erfahrungen als auch der Austausch mit weiteren Studierenden und Dozierenden zugrunde.\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Organisatorische Aspekte:<\/strong>\u00a0 Wann werden Seminarskripte zur Verf\u00fcgung gestellt? Werden \u00c4nderungen (fr\u00fchzeitig) kommuniziert? Sind Auftr\u00e4ge klar definiert und formuliert? Werden Vorlesungen aufgezeichnet und digital zur Verf\u00fcgung gestellt? K\u00f6nnen versp\u00e4tete Abgaben von Leistungsnachweisen akzeptiert werden?<\/li>\r\n \t<li><strong>Offenheit bez\u00fcglich kommunikativer Konventionen: <\/strong>Welchen Stellenwert nehmen Blickkontakt sowie der Einsatz von Gestik und Mimik in der wechselseitigen Kommunikation im Studium ein? Wie werden Unterschiede wahrgenommen und zu welchen Reaktionen f\u00fchren sie? Wie wird bspw. auf ein verz\u00f6gertes Antwortverhalten reagiert?<\/li>\r\n \t<li><strong>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t:<\/strong> Wie nehmen sich einzelne Studierende im Vergleich zu anderen wahr? Wie werden sie von Dozierenden wahrgenommen? Werden gesellschaftliche Konventionen und Normen an der Hochschule thematisiert und reflektiert?<\/li>\r\n \t<li><strong>Akzeptanz von individuellen Lernformen:<\/strong> Besteht ein allgemeines Wissen \u00fcber und wechselseitiges Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unterschiedliche Formen des Wahrnehmens und der Verarbeitung von Informationen? Welcher Raum wird individuellen Lernformen gegeben?<\/li>\r\n \t<li><strong>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle: <\/strong>Wie wirken sich die vordefinierten Rollen von Studierenden und Dozierenden auf die Interaktionen aus? Gibt es Begegnungen auf Augenh\u00f6he? K\u00f6nnen individuelle Belange und Bed\u00fcrfnisse angemessen eingebracht werden? Sind Dozierende bereit, individuelle Regeln zu akzeptieren und umzusetzen?<\/li>\r\n \t<li><strong>Generationenunterschiede: <\/strong>Welche Rolle spielen die h\u00e4ufig bestehenden Alters- und Generationenunterschiede zwischen Studierenden und Dozierenden hinsichtlich der Wahrnehmung und Interpretation von Rollen und Hierarchien? Welchen Einfluss haben Generationsunterschiede auf die Wahrnehmung von Diversit\u00e4t und Individualit\u00e4t?<\/li>\r\n \t<li><strong>Autismusverst\u00e4ndnis:<\/strong> Welches konkrete Wissen \u00fcber Autismus liegt bei Dozierenden vor? Wie beschreiben Studierende im Einzelfall ihre pers\u00f6nliche Wahrnehmung in Bezug auf Autismus? Inwieweit decken sich individuelle Vorstellungen von Studierenden und Dozierenden?<\/li>\r\n \t<li><strong>Verst\u00e4ndnis der Diagnose:<\/strong> Werden offengelegte Diagnosen generell als \u00bbunterst\u00fctzendes Konstrukt\u00ab oder als \u00bblimitierende Tatsache\u00ab verstanden? Welche Vor- und Nachteile bringt das offene Kommunizieren der eigenen Autismus-Diagnose f\u00fcr die Studierende mit sich? In welchem Kontext und welchen Personen wird die Diagnose mitgeteilt, oder eben nicht?<\/li>\r\n \t<li><strong>Strukturelle Bedingungen:<\/strong> Ist es f\u00fcr Studierende und Dozierende eindeutig geregelt, welche Unterst\u00fctzungs- und Entlastungsangebote genutzt werden k\u00f6nnen? Sind M\u00f6glichkeiten des Nachteilsausgleichs von Hochschulseite klar formuliert? Stehen bei Unklarheiten sowohl f\u00fcr Studierende als auch f\u00fcr Dozierende Ansprechpartner*innen zur Verf\u00fcgung?<\/li>\r\n<\/ul>\r\nAusgehend von der Reflexion dieser Aspekte stellt sich f\u00fcr uns die Anschlussfrage, was es konkret ben\u00f6tigt, um die Kommunikation und Interaktion zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und ihren Dozierenden gelingend zu gestalten und auf diesem Weg Hindernisse im Studium abzubauen. Zentral erscheint uns dabei, neben dem Wissen \u00fcber organisatorische und strukturelle Optionen im Hochschulkontext, sich der unterschiedlichen Perspektiven bewusst zu sein und sich um eine wechselseitige Perspektiven\u00fcbernahme zu bem\u00fchen. Dies kann teils genauso herausfordernd wie relevant sein, ist zugleich f\u00fcr alle Beteiligten erstrebenswert und in der Regel sehr gewinnbringend.\r\n<h2>Unser Autismusverst\u00e4ndnis<\/h2>\r\n<h3>Autismus und Neurodiversit\u00e4t<\/h3>\r\n<blockquote>\u00bbI'm autistic, which means everyone around me has a disorder that makes them say things they don't mean, not care about structure, fail to hyperfocus on singular important topics, have unreliable memories, drop weird hints and creepily stare into my eyeballs.\u00ab\r\n\u00bbSo why do people say YOU'RE the weird one\u00ab?\r\n\u00bbBecause there's more of them than me\u00ab.\r\n(Chris Bonello X-Post, 2018)<\/blockquote>\r\nWie dieser kurze Dialog von Chris Bonello \u2013 einem autistischen Lehrer und Aktivisten \u2013 pr\u00e4gnant verdeutlicht, beschreibt Autismus eine Form der Wahrnehmung und des Denkens, die sich von der Form, wahrzunehmen und zu denken, einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit scheinbar deutlich unterscheidet. Vor dem Hintergrund dieser Normabweichung wird Autismus, insbesondere im medizinischen Kontext, vielfach als St\u00f6rung tituliert.\r\n\r\nDie Perspektive der Neurodiversit\u00e4t greift die Vielfalt menschlichen Wahrnehmens und Denkens auf, betrachtet Autismus dabei wertfrei als eine Variante neurologischer Diversit\u00e4t und distanziert sich deutlich von einem Verst\u00e4ndnis des Autismus als St\u00f6rung (Lindmeier &amp; Grummt 2023). Der Titel der autobiografischen Betrachtungen \u00bbAnders nicht falsch\u00ab von Maria Zimmermann (2023) bringt eine zentrale Aussage der Neurodiversit\u00e4tsperspektive markant auf den Punkt. Wenngleich das relative Anderssein wahrgenommen wird, entspricht dies keinem Fehler, sondern beschreibt auf der Ebene des Wahrnehmens und Denkens das Resultat einer spezifischen Auspr\u00e4gung neuronaler Strukturen.\r\n\r\nDas Konzept der Neurodiversit\u00e4t hat seine Urspr\u00fcnge in der Selbstvertretungsbewegung \u00bbAutism Rights Movement\u00ab der 1990er Jahre (Heuer 2023, 62). Im deutschsprachigen Raum hat es erst in den letzten zehn Jahren eine besondere Aufmerksamkeit erhalten, prim\u00e4r im Kontext von Selbstvertretungsorganisationen sowie im wissenschaftlichen Diskurs, dabei mittlerweile deutlich \u00fcber das Thema Autismus hinaus.\r\n\r\nGrummt (2023) beschreibt in seiner fundierten Analyse des Neurodiversit\u00e4tskonzepts, dass sich der Begriff der Neurodiversit\u00e4t in den letzten Jahrzehnten auf verschiedenen Ebenen ausdifferenziert hat. So kann er heute als \u00bbParadigma, Identit\u00e4tspolitik, soziale Dynamik und performative Wirksamkeit divergierenden Denkens, Wahrnehmens und Handelns\u00ab (ebd., 24) verstanden werden. Diese Betrachtungsweisen erg\u00e4nzen einander, fokussieren je nach Kontext zugleich aber auch andere inhaltliche Schwerpunkte.\r\n\r\nF\u00fcr unser Autismusverst\u00e4ndnis besonders relevant sind die Ebenen des Paradigmas, verstanden als \u00bbWeltsicht und Selbstverst\u00e4ndnis\u00ab (ebd., 24), sowie der sozialen Dynamik, d.h. der Einordnung von Begrifflichkeiten, deren Definition und Interpretation in gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Kontexte. Auf einer konkreten Ebene bedeutet dies einerseits, dass wir den Gedanken des wertfreien Nebeneinanders unterschiedlicher menschlicher Formen des Denkens und Wahrnehmens unterstreichen und es als wichtig erachten, insbesondere in Kontexten, die durch ein Denken in St\u00f6rungsbildern gepr\u00e4gt sind, stets bewusst f\u00fcr diese Perspektive einzutreten. Andererseits folgt daraus f\u00fcr uns nicht, beschreibende Begrifflichkeiten wie Autismus aufzuheben, sondern sie im jeweiligen sozialen Kontext mit Blick auf die Belange, Bed\u00fcrfnisse und Innenperspektiven von Menschen im Autismus-Spektrum angemessen zu f\u00fcllen.\r\n\r\nDie in der aktuellen Fachdiskussion anzutreffende Aufteilung von Personengruppen in \u00bbneurodivers\u00ab (alle Menschen), \u00bbneurotypisch\u00ab (gesellschaftliche Mehrheit mit \u00bbtypischen\u00ab neuronalen Strukturen) und \u00bbneurodivergent\u00ab (verschiedene gesellschaftliche Minderheiten mit \u203adivergenten\u2039 neuronalen Strukturen) verstehen wir in diesem Kontext als eine Zuordnung mit weichen Grenzen und \u00dcberschneidungen (siehe Abb. 3).\r\n\r\n[caption id=\"attachment_175\" align=\"aligncenter\" width=\"598\"]<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent.png\"><img class=\"wp-image-175 \" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent.png\" alt=\"Die Grafik stellt neurotypische und neurodivergente Wahrnehmungs- und Denkprozesse gegen\u00fcber. Neurotypisch beschreibt die Wahrnehmung und Denkprozesse einer gesellschaftlichen Mehrheit; neurodivergent umfasst verschiedene Formen wie Autismus, ADHS, Hochsensibilit\u00e4t, Hochbegabung sowie \u00dcberschneidungen wie Autismus und ADHS.\" width=\"598\" height=\"337\" \/><\/a> Abb. 3: Neurodiversit\u00e4t \u2013 Neuromehrheit und Neurominderheiten[\/caption]\r\n\r\nDer Begriff Autismus beschreibt in diesem Sinne wie die Beschreibung anderer \u00bbNeurominderheiten\u00ab (Heuer 2023, 71) eine eigene Form der Wahrnehmung und des Denkens, deren Einordnung sich zwischen den fiktionalen Polen neurotypisch und neurodivergent nicht festschreiben l\u00e4sst und nur im individuellen Einzelfall verstanden werden kann.\r\n<h3><a id=\"autismus-vielfalt\"><\/a>Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten<\/h3>\r\nEine am Konzept der Neurodiversit\u00e4t orientierte Perspektive schlie\u00dft unseres Erachtens die bewusste fachliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Denkens und Wahrnehmens \u2013 in diesem Beitrag des Autismus \u2013 nicht aus. Vielmehr sehen wir in dieser Auseinandersetzung gleich mehrere Chancen. Erstens kann ein erweitertes Wissen \u00fcber Autismus ein besseres wechselseitiges Verst\u00e4ndnis zwischen Personen im Autismus-Spektrum und nicht-autistischen Personen f\u00f6rdern und somit Missverst\u00e4ndnisse reduzieren. Zweitens kann das Wissen \u00fcber den eigenen Autismus einen wichtigen Beitrag zur Identit\u00e4tsbildung leisten und wertvolle Kontakte zu anderen Personen im Autismus-Spektrum erm\u00f6glichen. Drittens gibt das Wissen \u00fcber Autismus nicht-autistischen Menschen die M\u00f6glichkeit, ihre Art der Wahrnehmung zu reflektieren und g\u00e4ngige Konventionen zu \u00fcberdenken. Und viertens bietet das Wissen \u00fcber die jeweils charakteristischen Prozesse des Wahrnehmens und Denkens die M\u00f6glichkeit, in gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten Barrieren abzubauen und autismusfreundliche Settings zu gestalten.\r\n\r\nEine Pr\u00e4misse der Auseinandersetzung mit den Charakteristika des Autismus bildet unseres Erachtens, sich bewusst dem Spannungsfeld zwischen der individuellen Vielfalt der Erscheinungsformen des Autismus und m\u00f6glichen autismusspezifischen Gemeinsamkeiten zu stellen. Mit dem folgenden Modell unternehmen wir den Versuch, die sichtbare Ebene des Wahrnehmens und Denkens bei Autismus zu beschreiben, ohne die Individualit\u00e4t der Erscheinungsformen aus dem Blick zu verlieren. Gedacht werden sollte das Modell mit einem individuell einzustellenden Schieberegler, der m\u00f6glichst aus der Innenperspektive einer Person die Bedeutsamkeit der einzelnen Bereiche f\u00fcr ihr aktuelles Leben und Erleben beschreibt. Als Gemeinsamkeit kann benannt werden, dass die im Modell einbezogenen Kategorien f\u00fcr die meisten Personen im Autismus-Spektrum eine besondere Relevanz im Alltag haben. Intensit\u00e4t und Qualit\u00e4t k\u00f6nnen in den Kategorien zugleich deutlich variieren. Diesen Gedanken folgend hat das Modell keine diagnostische Funktion, sondern dient vielmehr allein dem Verstehen der individuellen Erscheinungsformen des Autismus.\r\n\r\nFolgend werden die einzelnen Kategorien mit Stichworten skizziert. Mit dem Ziel des wechselseitigen Verstehens l\u00e4sst sich dieses Modell grunds\u00e4tzlich f\u00fcr Personen im Autismus-Spektrum sowie nicht-autistischen Personen anwenden, bspw. im gemeinsamen Dialog \u00fcber Charakteristika des eigenen Denkens und Wahrnehmens.\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none\">\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Sensorische Sensitivit\u00e4ten<\/strong> \u2013 sensorische Vorlieben oder Abneigungen, \u00dcber- oder Unterempfindlichkeit in verschiedenen Sinnesbereichen<\/li>\r\n \t<li><strong>Soziale Wahrnehmung<\/strong> \u2013 Gewichtung des Wahrnehmens von Emotionen, sozialen Signalen und Intentionen<\/li>\r\n \t<li><strong>Soziale Kommunikation<\/strong> \u2013 eigene Form der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und Kontaktgestaltung<\/li>\r\n \t<li><strong>Detailfokussierung<\/strong> \u2013 Blick f\u00fcr Details, Aufmerksamkeitslenkung<\/li>\r\n \t<li><strong>Spezialinteressen<\/strong> \u2013 intensive Auseinandersetzung mit pr\u00e4ferierten Themen<\/li>\r\n \t<li><strong>Routinen und Wiederholungen<\/strong> \u2013 Pr\u00e4ferenz gleichbleibender Abl\u00e4ufe, Bedarf nach Gleichf\u00f6rmigkeit<\/li>\r\n \t<li><strong>Erwartungen und Vorhersehbarkeit<\/strong> \u2013 feste Vorstellungen bei Handlungsabl\u00e4ufen, Bedarf nach Einhaltung von Planungen und Vorhersehbarkeit<\/li>\r\n \t<li><strong>Handlungsplanung<\/strong> \u2013 Energieaufwand f\u00fcr Planung und Umsetzung von Aufgaben und Erledigungen<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n[caption id=\"attachment_176\" align=\"aligncenter\" width=\"1672\"]<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz.png\"><img class=\"wp-image-176 size-full\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz.png\" alt=\"Die Grafik zeigt acht Bereiche, die f\u00fcr viele Personen im Autismus-Spektrum im Alltag unterschiedlich stark relevant sein k\u00f6nnen: sensorische Sensitivit\u00e4ten, soziale Wahrnehmung, soziale Kommunikation, Detailfokussierung, Spezialinteressen, Routinen und Wiederholungen, Erwartungen und Vorhersehbarkeit sowie Handlungsplanung. Eine Skala von geringer bis hoher Relevanz verdeutlicht, dass diese Bereiche individuell verschieden ausgepr\u00e4gt sein k\u00f6nnen.\" width=\"1672\" height=\"941\" \/><\/a> Abb. 4: Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten[\/caption]\r\n\r\nNachdem wir unser Verst\u00e4ndnis von Autismus als ein vielf\u00e4ltiges Spektrum erl\u00e4utert haben, werden wir nachfolgend als Personenbeschreibung die Formulierung \u00bbStudierende im Spektrum\u00ab verwenden, den Autismus stets mitgedacht.\r\n<h2>Situationen im Studienalltag: Anforderungen und Handlungsanregungen<\/h2>\r\nAuf der Grundlage der vorangehenden Ausf\u00fchrungen wird nun ein Transfer relevanter Aspekte auf den Studienalltag folgen. Anhand exemplarisch aus der eigenen Praxis und dem Austausch mit Studierenden und Dozierenden ausgew\u00e4hlter Situationen werden wir m\u00f6gliche Anforderungen aufzeigen, diese analysieren und Handlungsanregungen ableiten. Sowohl bei den dargestellten Anforderungen als auch bei den Handlungsanregungen stehen Studierende im Spektrum und Dozierende gleicherma\u00dfen im Fokus.\r\n<h3>Kommunikation der eigenen Diagnose und individuellen Bed\u00fcrfnisse<\/h3>\r\nDie Fragen, \u00bbwem\u00ab, \u00bbin welcher Situation\u00ab und \u00bbauf welche Art und Weise\u00ab die eigene Diagnose und individuelle Bed\u00fcrfnisse mitgeteilt werden sollten, besch\u00e4ftigen zahlreiche Studierende im Spektrum. Eine zentrale Herausforderung liegt darin, die Autismus-Diagnose oder die individuellen Bed\u00fcrfnisse so kommunizieren zu k\u00f6nnen, dass daraus einerseits konkrete Hilfestellungen abgeleitet werden k\u00f6nnen, andererseits Selbst- oder Fremdstigmatisierungen oder andere negative Auswirkungen (z.B. auf die berufliche Zukunft) ausbleiben.\r\n\r\nF\u00fcr Dozierende scheint der Umgang mit einer mitgeteilten Diagnose vielfach ebenfalls nicht einfach zu sein. Dies zeigt sich bspw. an den folgenden, im Studienalltag von Studierenden im Spektrum erlebten Reaktionen von Dozierenden:\r\n\r\n<em>\u00bbAutismus gibt es gar nicht. Die Symptome ergeben sich nur aus einer Kombination anderer psychischer St\u00f6rungen.\u00ab<\/em>\r\n\r\n<em>\u00bbWir schauen, dass wir Sie durch die Veranstaltung kriegen. So Personen wie Sie braucht es. Peers sind ganz wichtig in der Psychologie.\u00ab<\/em>\r\n\r\n<em>\u00bbDas h\u00e4tte ich nie gedacht, dabei haben wir in unserem Forschungsprojekt die ganze Codierung der Emotionen und Bed\u00fcrfnisse an deiner Einsch\u00e4tzung festgemacht.\u00ab<\/em>\r\n\r\n<em>\u00bbAber Sie kriegen das doch kompensiert, oder? Sie wirken auf mich nicht so, als h\u00e4tten Sie M\u00fche damit. Warten wir's ab!\u00ab<\/em>\r\n\r\nDas Mitteilen der Diagnose einerseits und das Reagieren auf diese Mitteilung andererseits scheint in diesem Sinne h\u00e4ufig herausfordernd zu sein.\r\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\r\n<h5>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\r\nOb Studierende zu diesem Schritt bereit sind, h\u00e4ngt in gro\u00dfem Ma\u00df davon ab, wie mit Diversit\u00e4t an der jeweiligen Hochschule und ihren Abteilungen umgegangen wird. Ein offener und reflektierter Umgang mit Diversit\u00e4t und gesellschaftlichen Normen und Konventionen erleichtert beiden Seiten einen konstruktiven Umgang mit einer Autismus-Diagnose. Eine fehlende Offenheit oder Reflexion dieser Themen kann eine Kontraindikation f\u00fcr das Mitteilen der Diagnose darstellen.\r\n<h5>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\r\nNicht nur die Haltung der Hochschule ist entscheidend, sondern auch, wie Dozierende und Studierende ihre jeweilige Rolle interpretieren. Bei einem starren Rollenverst\u00e4ndnis mit deutlicher Hierarchiestruktur kann es leichter dazu kommen, dass sich Dozierende nicht in der Verantwortung sehen, den Studierenden im Spektrum entgegenzukommen, da es nicht ihrem Rollenprofil entspricht, auf \u00bbSonderw\u00fcnsche\u00ab von Studierenden eingehen zu m\u00fcssen. Ebenso kann eine von Studierenden im Spektrum f\u00e4lschlicherweise als starr interpretierte Hierarchie dazu f\u00fchren, dass sie wenig Nutzen in der Kommunikation der Diagnose sehen.\r\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\r\nDas Autismusverst\u00e4ndnis der Person im Spektrum selbst tr\u00e4gt dazu bei, wie gut es gelingt, die Diagnose zu kommunizieren. Das Wissen \u00fcber Autismus und \u00fcber die daraus resultierenden Unterschiede zu anderen Studierenden ist vielfach entscheidend, wenn es darum geht, erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, was Autismus bei einem selbst ausmacht, was leichtf\u00e4llt und wo die Herausforderungen liegen. Auch das Wissen der Dozierenden kann ein Gelingensfaktor f\u00fcr die Kommunikation der Diagnose und den Umgang mit dieser sein. So sind Dozierende mit Wissen \u00fcber Autismus weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Vorurteile, k\u00f6nnen das Geh\u00f6rte besser einordnen und passendere Hilfestellungen bieten.\r\n<h5>Verst\u00e4ndnis der Diagnose als unterst\u00fctzendes Konstrukt<\/h5>\r\nSowohl f\u00fcr die Studierenden als auch f\u00fcr die Dozierenden stellt es einen wichtigen Aspekt dar, ob sie die Diagnose als eine Verstehenshilfe und daraus resultierend als Grundlage f\u00fcr die Inanspruchnahme bzw. Bereitstellung ad\u00e4quater Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsangebote sehen k\u00f6nnen. Die Autismus-Diagnose im universit\u00e4ren Kontext als Limitation zu interpretieren, erschwert das Miteinander.\r\n<h5>Strukturelle Bedingungen<\/h5>\r\nDas Wissen, welche Anpassungen Studierenden zustehen respektive welche Handlungsspielr\u00e4ume Dozierende haben, den Studierenden entgegenzukommen, ohne eine Ungleichbehandlung bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr ein zielf\u00fchrendes Mitteilen der Diagnose. Wenig transparente Informationen oder sogar fehlende Regelungen an einer Hochschule k\u00f6nnen das Mitteilen der Diagnose und den Umgang mit dieser erschweren.\r\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Versuchen Sie, proaktiv g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr das Mitteilen der Diagnose und m\u00f6glicher individueller Bed\u00fcrfnisse herzustellen. Bitten Sie bspw. fr\u00fchzeitig um einen Gespr\u00e4chstermin oder kl\u00e4ren Sie den zeitlichen Rahmen des Gespr\u00e4ches vorab.<\/li>\r\n \t<li>Bereiten Sie sich inhaltlich auf das Gespr\u00e4ch vor. Welche Informationen braucht mein Gegen\u00fcber, um mit dem Wissen um meine Diagnose konstruktiv umgehen zu k\u00f6nnen? Wie erkl\u00e4re ich Autismus generell und auf mich bezogen? Welche Herausforderungen k\u00f6nnen mich im Studienalltag erwarten? Welche Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsangebote k\u00f6nnen hilfreich sein? Wenn Sie es als hilfreich erachten, besprechen Sie offene Fragen vorab mit einer Vertrauensperson.<\/li>\r\n \t<li>Rechnen Sie mit unerwarteten Reaktionen der Dozierenden auf die Mitteilung der Diagnose. Auf die Mitteilung einer Autismus-Diagnose reagieren zu m\u00fcssen, ist f\u00fcr viele Dozierende eine neue Erfahrung. Dementsprechend k\u00f6nnen ihre Reaktionen unbeholfen ausfallen. Das ist in der Regel nicht wertend oder pers\u00f6nlich gemeint, sondern kann der Ausdruck einer Verunsicherung des Gegen\u00fcbers sein.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Begegnen Sie Studierenden mit einer offenen, wertsch\u00e4tzenden Grundhaltung.<\/li>\r\n \t<li>Lassen Sie sich nicht von stereotypen Bildern \u00fcber Autismus leiten, sondern h\u00f6ren Sie genau hin, wie sich die autismusspezifischen Gemeinsamkeiten bei den Studierenden individuell zeigen.<\/li>\r\n \t<li>Fragen Sie nach, wenn Unklarheiten bestehen oder Ihnen wichtige Informationen fehlen, um die Person verstehen oder unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li>Nehmen Sie den ge\u00e4u\u00dferten Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsbedarf ernst und versuchen Sie gemeinsam, praktikable Wege zu finden.<\/li>\r\n \t<li>Seien Sie sich der Vertraulichkeit der Mitteilung bewusst.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Gruppenarbeiten<\/h3>\r\nGruppenarbeiten geh\u00f6ren zu den herausforderndsten Situationen f\u00fcr Studierende im Spektrum. Bei einer Gruppenarbeit kommen sowohl zahlreiche autismusspezifische wie auch nicht direkt in der Diagnose begr\u00fcndete Aspekte zum Tragen. Einige dieser Herausforderungen entstehen in der Interaktion mit den anderen Studierenden. Viele andere Aspekte ergeben sich prim\u00e4r durch die Gestaltung des Settings und k\u00f6nnen durch einen guten Austausch zwischen Studierenden und Dozierenden deutlich reduziert werden. Eine erste gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Studierende im Spektrum kann bereits die Phase der Gruppenbildung darstellen. Dar\u00fcber hinaus kann das notwendige Ma\u00df an Engagement von Studierenden im Spektrum anders eingesch\u00e4tzt werden als von anderen Studierenden. So besteht bei nicht-autistischen Studierenden h\u00e4ufig eine Tendenz, eine Gruppenarbeit zun\u00e4chst als M\u00f6glichkeit zum Austausch \u00fcber Themen zu sehen, die in keinem direkten Bezug zur Aufgabenstellung stehen, bspw. \u00fcber eine andere Veranstaltung, Pr\u00fcfungen oder die Freizeit. Die Form der Ergebnispr\u00e4sentation und die Verteilung von Zust\u00e4ndigkeiten erfolgen zudem h\u00e4ufig relativ spontan, was f\u00fcr Studierende im Spektrum eine enorme Belastung darstellen kann. Weitere Stressfaktoren k\u00f6nnen unklare Aufgabenstellungen sowie mangelnde Angaben zur Art oder dem Umfang der Pr\u00e4sentation der Gruppenergebnisse sein. Dies kann bei Studierenden im Spektrum eine Tendenz zur Detailfokussierung verst\u00e4rken, w\u00e4hrend nicht-autistische Studierende bei Unklarheiten vielfach eher eine erh\u00f6hte Oberfl\u00e4chlichkeit ableiten.\r\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\r\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\r\nDie Aufforderung \u00bbBilden Sie Vierer- oder F\u00fcnfergruppen!\u00ab kann f\u00fcr Studierende im Spektrum ein gro\u00dfer Stressfaktor sein, besonders da es nicht-autistischen Personen h\u00e4ufig leichter f\u00e4llt, sich zu vernetzen. Zu erkennen, ob sich eine Gruppe gerade neu bildet und offen f\u00fcr weitere Studierende ist oder sich bereits gefunden hat, kann f\u00fcr Studierende im Spektrum eine gro\u00dfe Herausforderung darstellen und gleichzeitig den Erfolg der Gruppenfindung stark beeinflussen. Je nach Vorerfahrungen kann diese Situation zudem starke negative Emotionen triggern (\u00c4ngste, Scham, \u2026).\r\n\r\nAuftr\u00e4ge, die wenig pr\u00e4zise definiert sind, bieten viel Interpretationsspielraum bez\u00fcglich ihrer Umsetzung und des zu leistenden Arbeitsaufwands. Dies mit anderen Studierenden aushandeln zu m\u00fcssen, kann f\u00fcr Personen im Spektrum einen gro\u00dfen bis kaum m\u00f6glichen Zusatzaufwand bedeuten. M\u00fcndliche oder nur kurzzeitig visualisierte Auftr\u00e4ge sind f\u00fcr Studierende im Spektrum in der Regel wenig best\u00e4ndig und erschweren ebenso wie fehlende Angaben zur Pr\u00e4sentationsgestaltung und kurze Vorbereitungszeiten einerseits den Arbeitsprozess und kosten andererseits dar\u00fcber hinaus h\u00e4ufig viel Kraft.\r\n<h5>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\r\nDas Arbeiten in der Gruppe kann eine erh\u00f6hte Konfrontation mit gesellschaftlichen Normen und Erwartungen mit sich bringen. Wird ein offener Umgang mit dem Thema Diversit\u00e4t gepflegt, k\u00f6nnen manche Erschwernisse bei Gruppenarbeiten wegfallen. Wenn Studierende weniger darauf achten m\u00fcssen, Normen und Konventionen genau einzuhalten, haben sie mehr Kapazit\u00e4t, sich dem eigentlichen Auftrag zu widmen. Zudem kann es Studierenden im Spektrum leichter fallen, sich bei Schwierigkeiten zu melden, wenn sie wissen, dass Bewusstsein und Toleranz daf\u00fcr an der Hochschule grunds\u00e4tzlich vorhanden sind. Es ist anzunehmen, dass es auch f\u00fcr die einzelnen Dozierenden leichter wird, individuelle L\u00f6sungen und Anpassungen bei Gruppenarbeiten vorzunehmen, wenn sie wissen, dass dies nicht im Widerspruch zu Werten und Haltungen der jeweiligen Hochschule steht.\r\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen und festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\r\nStudierenden im Spektrum kann es auch bei g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen vereinzelt nicht m\u00f6glich sein, an Gruppenarbeiten teilzunehmen. Dies zu akzeptieren, erfordert eine Offenheit bei Dozierenden, ihre Rolle der didaktischen Zust\u00e4ndigkeit und Verantwortung situativ zu hinterfragen und mit den Studierenden gemeinsam individuell passende Alternativen zu entwerfen und zu verhandeln. Auch f\u00fcr Studierende bedeutet dies, von ihrer klassischen Rolle der Anpassung an die Unterrichtsgestaltung der Dozierenden in eine aktiv aufkl\u00e4rende und einfordernde Position zu wechseln. Eine wertsch\u00e4tzende Grundhaltung im Miteinander bildet dabei f\u00fcr alle Beteiligten eine entscheidende Grundlage.\r\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\r\nEigene individuelle, autismusspezifische Charakteristika und Bed\u00fcrfnisse gut zu kennen, kann eine wichtige Hilfe f\u00fcr die Wahrnehmung und Formulierung unterst\u00fctzender Anpassungen im Rahmen von Gruppenarbeiten sein. Dies kann helfen, bestehende Hindernisse und m\u00f6gliche Erleichterungen passend in den Kontext einzuordnen.\r\n\r\nEin grundlegendes Wissen \u00fcber Autismus ist in diesem Kontext ebenfalls f\u00fcr die Dozierenden relevant. Es f\u00fchrt zu einem besseren Verst\u00e4ndnis, einerseits m\u00f6glicher Hindernisse in der Umsetzung von Gruppenarbeiten, andererseits der Bedeutsamkeit teils nur geringer Anpassungen. Mit dem Wissen \u00fcber Autismus im Allgemeinen und der Relevanz einzelner autismusspezifischer Aspekte bei der jeweiligen studierenden Person kann eine Teilnahme an Gruppenarbeiten deutlich vereinfacht werden.\r\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Versuchen Sie, bewusst wahrzunehmen, was f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich bei der Umsetzung einer Gruppenarbeit hinderlich und hilfreich ist.<\/li>\r\n \t<li>Informieren Sie Dozierende und ggf. Mitstudierende \u00fcber Regelungen und Anpassungen, die unterst\u00fctzend sein k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li>\u00dcberlegen Sie alternative Formen der Leistungserbringung und schlagen diese den Dozierenden vor, wenn Ihnen eine Gruppenarbeit nicht umsetzbar oder sehr belastend erscheint.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>K\u00fcndigen Sie den Studierenden im Spektrum Gruppenarbeiten, wenn m\u00f6glich, im Voraus an.<\/li>\r\n \t<li>Unterst\u00fctzen Sie die Gruppenbildung, bspw. durch vorgegebene Aufteilungen oder Methoden der Gruppenbildung.<\/li>\r\n \t<li>Achten Sie auf inhaltlich eindeutige Formulierungen von Arbeitsauftr\u00e4gen und Erwartungen. Visualisieren Sie diese.<\/li>\r\n \t<li>Bieten Sie klare organisatorische Rahmenbedingungen (Zeitumfang, Pr\u00e4sentationsform, Pr\u00e4sentationszeitpunkt) f\u00fcr Gruppenarbeiten an.<\/li>\r\n \t<li>Behalten Sie sensorische Aspekte des Settings im Blick. Erm\u00f6glichen Sie bspw., f\u00fcr Gruppenarbeiten den Raum zu verlassen.<\/li>\r\n \t<li>Akzeptieren Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall die Wahl einer alternativen Form der Themenbearbeitung au\u00dferhalb der Gruppe.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>M\u00fcndliche Pr\u00e4sentationen<\/h3>\r\nBei m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen kommen zahlreiche gesellschaftliche und kommunikative Konventionen zusammen. So soll das Publikum bspw. durch Intonation und Blickkontakt abgeholt werden. H\u00e4ufig soll zudem ein interaktiver Teil, an dem sich das Publikum aktiv beteiligen kann, durchgef\u00fchrt werden. Dieser soll didaktisch ansprechend und abwechslungsreich gestaltet sein. Es geht dementsprechend um deutlich mehr, als sein Wissen zu einem bestimmten Thema in Form einer Pr\u00e4sentation mit anderen zu teilen. Studierende im Spektrum m\u00fcssen sich beim Erstellen der Pr\u00e4sentation und w\u00e4hrend des Vortragens laufend in die Zuh\u00f6renden hineinversetzen. Auch eine Auswahl zu treffen, was f\u00fcr andere Studierende, die sich m\u00f6glicherweise weniger intensiv mit der Thematik der Pr\u00e4sentation besch\u00e4ftigt haben, interessant und relevant ist, kann manchmal eine Herausforderung darstellen. Neben der Pr\u00e4sentation der Inhalte k\u00f6nnen die Kontrolle der eigenen Mimik, die Reaktionen des Gegen\u00fcbers und die Uhr im Blick zu behalten, schwierig sein.\r\n\r\nAufgrund negativer Vorerfahrungen mit \u00e4hnlichen Situationen (z.B. Mobbing w\u00e4hrend der Schulzeit) kann das Stresserleben bei Studierenden im Spektrum in diesen Situationen zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht sein. Personen im Spektrum haben zudem deutlich h\u00e4ufiger mit Komorbidit\u00e4ten, wie einer sozialen Phobie, zu k\u00e4mpfen. Zusammenfassend kann es f\u00fcr Studierende im Spektrum sehr belastend oder vereinzelt unm\u00f6glich sein, eine Pr\u00e4sentation (auf herk\u00f6mmliche Weise) zu halten.\r\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\r\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\r\nDie Planung und die Durchf\u00fchrung von m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen im Rahmen eines Seminars sind mit vielen organisatorischen Aspekten verbunden. Das Festlegen der Reihenfolge bei mehreren Pr\u00e4sentationen innerhalb einer Veranstaltung, die Verbindlichkeit des vorgegebenen zeitlichen Rahmens bzw. der Umgang mit Abweichungen bleiben vielfach unklar. Ebenso werden m\u00f6gliche Pr\u00fcfungskriterien neben der inhaltlichen Darstellung, z.B. die didaktische Gestaltung oder die Auftrittskompetenz, vielfach nicht vorab kommuniziert.\r\n\r\nNeben der Ber\u00fccksichtigung dieser Aspekte kann es hilfreich sein, \u00bbNotfallszenarien\u00ab im Voraus zu besprechen, u. a. vorab Handlungsoptionen zu thematisieren, falls die pr\u00e4sentierende Person nicht zum Termin erscheint oder wenn die Situation w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation nicht mehr aushaltbar ist.\r\n<h5>Offenheit bez\u00fcglich kommunikativer Konventionen und Wahrnehmung sowie Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\r\nDa bei Pr\u00e4sentationen h\u00e4ufig auch nonverbale Kommunikationsformen wie die K\u00f6rperhaltung, Mimik oder Gestik sowie die sprachliche Intonation und die Einbeziehung des Publikums teils bewusst, teils unbewusst in die Benotung miteinflie\u00dfen, scheint es von besonderer Bedeutung zu sein, wie die Dozierenden die Relevanz dieser Aspekte wahrnehmen und reflektieren. Individuelle Haltungen sowie der Umgang der Hochschule mit gesellschaftlichen Konventionen und Diversit\u00e4t kommen hier zum Tragen.\r\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen und strukturelle Bedingungen<\/h5>\r\nInwieweit zum einen individuelle Anpassungen bei m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen erm\u00f6glicht und zum anderen Alternativen zur Pr\u00e4sentation als Pr\u00fcfungsleistung angeboten werden, kann einen entscheidenden Einfluss auf das Bew\u00e4ltigen der Anforderungen haben. Eine Anpassung k\u00f6nnte bspw. darin bestehen, einen vorab aufgenommenen Vortrag abzuspielen oder eine alternative Pr\u00fcfungsleistung zu erbringen, z.B. eine andere, nicht m\u00fcndliche, inhaltlich zugleich gleichwertige Leistung. Einen besonderen Stellenwert erhalten diesbez\u00fcglich Regelungen und Erfahrungen im Einsatz von Nachteilsausgleichen.\r\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis und Verst\u00e4ndnis der Diagnose als unterst\u00fctzendes Konstrukt<\/h5>\r\nEin gutes Autismusverst\u00e4ndnis sowohl von den Studierenden im Spektrum als auch von den Dozierenden ist auch in diesem Bereich sehr wertvoll. So k\u00f6nnen einerseits die Studierenden Herausforderungen besser vorhersehen und einen Hilfebedarf besser benennen, andererseits k\u00f6nnen Dozierende besser punktuell unterst\u00fctzen. Sensorisch potenziell ablenkende Elemente w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation besser zu kontrollieren (offene Fenster, Lichtverh\u00e4ltnisse) oder im Bedarfsfall moderierende Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend des interaktiven Teils zu erbitten oder anzubieten, k\u00f6nnen darauf aufbauende Handlungsoptionen sein.\r\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Analysieren Sie, welche Anteile an einer Pr\u00e4sentation f\u00fcr Sie besonders herausfordernd sein k\u00f6nnen. \u00dcbernehmen Sie Strategien, die Sie daf\u00fcr bei fr\u00fcheren Vortr\u00e4gen oder anderen Dozierenden als hilfreich empfunden haben.<\/li>\r\n \t<li>Sprechen Sie so fr\u00fch wie m\u00f6glich an, wenn Sie merken, dass der Auftrag oder das Setting Sie \u00fcberfordern und Sie Kl\u00e4rung, Unterst\u00fctzung oder eine Anpassung ben\u00f6tigen.<\/li>\r\n \t<li>Kl\u00e4ren Sie bei Unklarheiten aktiv ab, welche Erwartungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Benotung an Sie als pr\u00e4sentierende Person gestellt werden, einerseits bez\u00fcglich der inhaltlichen Tiefe des Vortrags, andererseits bez\u00fcglich der Bedeutsamkeit von Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, nonverbaler Kommunikation und didaktischer Gestaltung.<\/li>\r\n \t<li>Falls Sie sehr wenig nonverbale Kommunikation (Intonation, Blickkontakt) verwenden k\u00f6nnen, \u00fcberlegen Sie, ob die dozierende Person \u00fcber die Gr\u00fcnde aufgekl\u00e4rt werden sollte, um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden.<\/li>\r\n \t<li>Wenn es f\u00fcr Sie hilfreich ist, einzelne Schritte vorab mit einer Vertrauensperson zu besprechen, nutzen Sie dies.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Formulieren Sie die Erwartungen an die m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen ebenso wie R\u00fcckmelde- bzw. Benotungskriterien eindeutig und stellen Sie diese den Studierenden in schriftlicher Form zur Verf\u00fcgung.<\/li>\r\n \t<li>Kl\u00e4ren Sie organisatorische Rahmenbedingungen (Zeitplan, Technik etc.) vorab.<\/li>\r\n \t<li>Zeigen Sie sich offen f\u00fcr individuelle Unterst\u00fctzungsangebote und Anpassungen. Fragen Sie ggf. aktiv nach, was hilfreich sein kann (z.B. Reduktion sensorischer Ablenkung, Moderation).<\/li>\r\n \t<li>Reflektieren Sie die Relevanz kommunikativer Konventionen als Bewertungskriterium.<\/li>\r\n \t<li>Bieten Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall eine alternative Form der Leistungserbringung an.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Schriftliche Arbeiten<\/h3>\r\nF\u00fcr das Anfertigen einer schriftlichen Arbeit ist es zentral, sich eigenst\u00e4ndig eine zeitliche und inhaltliche Struktur erstellen zu k\u00f6nnen, damit die Arbeit p\u00fcnktlich zum Termin fertig wird sowie inhaltlich und vom Umfang her den Vorgaben entspricht. Dies setzt voraus, dass die Studierenden weitgehend zuverl\u00e4ssig vorhersehen k\u00f6nnen, welche Teilschritte notwendig sind und wieviel Zeit und Energie sie f\u00fcr diese ben\u00f6tigen werden. Sowohl zum Einstieg als auch im weiteren Verlauf des Schreibens kann es wichtig sein, einen \u00dcberblick \u00fcber die Inhalte und Anforderungen zu haben, anstatt eine detailorientierte Herangehensweise zu w\u00e4hlen.\r\n\r\nPersonen im Spektrum haben diese Wahlfreiheit manchmal nicht, da diese, neben dem \u00bbBlick f\u00fcrs Ganze\u00ab, gute organisatorische F\u00e4higkeiten erfordert (zeitliche Abfolge n\u00e4chster Handlungsschritte, Priorisierung, realistische zeitliche Terminierung). W\u00e4hrend viele nicht-autistische Menschen \u00bbtop down\u00ab an eine schriftliche Arbeit herangehen, ben\u00f6tigen Personen im Spektrum tendenziell eine l\u00e4ngere \u00bbbottom up\u00ab Phase, bis f\u00fcr sie eine Struktur deutlich oder realisierbar wird. Falls Studierende eine zeitliche und inhaltliche Struktur erarbeiten konnten oder eine vorgegeben wurde, kann eine Herausforderung darin bestehen, konstruktiv mit Abweichungen von diesem Plan umgehen zu k\u00f6nnen.\r\n\r\nNicht zu vergessen ist, dass eine schriftliche Arbeit in der Regel mit einem gro\u00dfen zus\u00e4tzlichen Zeitaufwand verbunden ist. Da viele Studierende im Spektrum bereits einen hohen Energieeinsatz ableisten und aufgrund der spezifischen Wahrnehmungsvoraussetzungen erh\u00f6hte Regenerationszeiten ben\u00f6tigen, um den (Studien-)Alltag meistern zu k\u00f6nnen, stellt eine schriftliche Arbeit eine zus\u00e4tzliche, in den Alltag zu integrierende Herausforderung dar. W\u00e4hrend andere Studierende in dieser Situation m\u00f6glicherweise vor\u00fcbergehend ihr Freizeitpensum reduzieren, fehlt Studierenden im Spektrum oft dieser Puffer.\r\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\r\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\r\nKriterien und Rahmenbedingungen f\u00fcr schriftliche Arbeiten sind in der Regel umfangreicher und eindeutiger dokumentiert als z.B. bei Gruppenarbeiten. Eine hilfreiche Angabe, die jedoch h\u00e4ufig nicht gemacht wird, ist der einzuplanende Arbeits- und Zeitaufwand. Die Tiefe der Literaturrecherche kann bspw. sehr unterschiedlich interpretiert werden und entsprechend mehr oder weniger Zeit abverlangen.\r\n\r\nEventuell ben\u00f6tigen Studierende im Spektrum aus den o. g. Gr\u00fcnden mehr Zeit zum Erstellen einer schriftlichen Arbeit oder haben M\u00fche, die vereinbarten Fristen p\u00fcnktlich einzuhalten, weil der Arbeitsaufwand \u00bbbottom up\u00ab schwerer zu kalkulieren ist.\r\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen<\/h5>\r\nBei einer schriftlichen Arbeit gibt es vielfach vom Arbeitsbereich vorgegebene Leitf\u00e4den zur Begleitung Studierender bei schriftlichen Arbeiten. Da Studierende im Spektrum dazu tendieren k\u00f6nnen, sich sehr stark auf die Details zu fokussieren, und dar\u00fcber gerne mal den Kontext aus den Augen verlieren, k\u00f6nnte eine engmaschigere Begleitung mit klaren zeitlichen Vereinbarungen zielf\u00fchrend sein. Die Orientierung an einzelnen erfolgreichen Arbeiten aus dem Vorjahr kann zudem Klarheit hinsichtlich bestehender Erwartungen bieten.\r\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\r\nEin breites Autismuswissen kann ein Verst\u00e4ndnis schaffen, dass auch eine schriftliche Aufgabe, welche auf den ersten Blick nicht mit autismusspezifischen Themen wie der Interaktion und der Kommunikation assoziiert wird, f\u00fcr Personen im Spektrum zu einer gr\u00f6\u00dferen Herausforderung als f\u00fcr nicht-autistische Studierende werden kann. Der vielfach hohe Energieaufwand f\u00fcr Handlungsplanungen, die Detailfokussierung als Pr\u00e4ferenz gegen\u00fcber der Kontextwahrnehmung sowie der hohe Stellenwert von klar formulierten Erwartungen und Vorhersehbarkeit k\u00f6nnen auf das Schreiben einer Arbeit Einfluss nehmen.\r\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Verlieren Sie die Arbeit als Ganzes nicht aus den Augen. Erstellen Sie eine erste inhaltliche Gesamt\u00fcbersicht und eine zeitliche Planung und besprechen diese mit der Person, die Ihre Arbeit begleitet. \u00dcberpr\u00fcfen und revidieren Sie die Planung regelm\u00e4\u00dfig und in Absprache mit der Begleitperson.<\/li>\r\n \t<li>Thematisieren Sie bei bestehender Unsicherheit die erw\u00fcnschte inhaltliche Tiefe und Detailliertheit der inhaltlichen Bearbeitung.<\/li>\r\n \t<li>Besprechen Sie fr\u00fchzeitig m\u00f6gliche zeitliche Spielr\u00e4ume und Handlungsoptionen, falls eine Fristverl\u00e4ngerung f\u00fcr die Abgabe sinnvoll erscheint.<\/li>\r\n \t<li>Achten Sie darauf, Zeitfenster zum Schreiben der Arbeit zu w\u00e4hlen, die wenig st\u00f6rungsanf\u00e4llig sind. Falls Sie die M\u00f6glichkeit haben, pr\u00fcfen Sie, ob Sie sich f\u00fcr Abschlussarbeiten ein zus\u00e4tzliches Semester reservieren m\u00f6chten.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie von einer engmaschigeren Begleitung im Erstellungsprozess der Arbeit profitieren w\u00fcrden, kl\u00e4ren Sie mit potenziellen Begleitpersonen im Voraus, ob dies m\u00f6glich ist.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Geben Sie soweit m\u00f6glich genaue Angaben zur zeitlichen Gewichtung verschiedener Elemente der schriftlichen Arbeit (z.B. Einleitung, inhaltliche Schwerpunkte, empirische Elemente, Diskussion) sowie der Bearbeitungsschritte (Literaturrecherche, Schreiben, Korrektur).<\/li>\r\n \t<li>Bieten Sie im Bedarfsfall eine engmaschigere Begleitung an, um den individuellen Unterst\u00fctzungsbedarf, den Bearbeitungsstand sowie m\u00f6gliche Hindernisse besprechen zu k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li>Bieten Sie Textbeispiele von vorherigen Arbeiten bzw. das Lesen von Textpassagen der Studierenden an, um eine Sicherheit bez\u00fcglich der Passung zu bestehenden Anforderungen transparent zu machen.<\/li>\r\n \t<li>Sch\u00f6pfen Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall Ihren Ermessensspielraum bei Fristverl\u00e4ngerungen aus und unterst\u00fctzen Sie die Studierenden ggf. bei notwendigen formalen Schritten.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Workload im Kontext von Seminaren und Pr\u00fcfungen<\/h3>\r\nDer Workload von Studierenden im Spektrum ist ein gro\u00dfes Thema w\u00e4hrend der Studienzeit. Er h\u00e4ngt unter anderen stark davon ab, wie klar Arbeitsauftr\u00e4ge definiert und ausformuliert oder wie pr\u00e4zise die Angaben zum Lernstoff sind. Die Struktur von Veranstaltungen hat ebenfalls einen hohen Einfluss darauf.\r\n\r\nEin h\u00e4ufig als herausfordernd erlebtes Beispiel stellt das Thema Pflichtliteratur dar. Einige Dozierende geben zu Beginn des Semesters eine mehrseitige Liste von pr\u00fcfungsrelevanter Pflichtliteratur ab, ohne diese jedoch in der Pr\u00fcfung zu ber\u00fccksichtigen. Andere Dozierende beziehen einen beachtlichen Teil der Pr\u00fcfungsfragen auf die Pflichtliteratur und fragen so Inhalte ab, die in der Veranstaltung nicht explizit thematisiert wurden.\r\n\r\nEin weiteres Beispiel, welches den Workload von Studierenden im Spektrum direkt beeinflusst, ist die (fehlende) Genauigkeit der Angaben, wie detailliert der Pr\u00fcfungsstoff gelernt werden muss. W\u00e4hrend einige Dozierende dies sehr genau kommunizieren und mit Beispielfragen pr\u00e4zisieren, geben andere Dozierende auch auf Nachfrage keine Auskunft. Weitere Dozierende packen sehr viel detailliertes und differenziertes Wissen in ihre Skripts, stellen zugleich nur sehr allgemeine und oberfl\u00e4chliche Fragen in der Pr\u00fcfung. Abzusehen, wie das die jeweiligen Dozierenden handhaben, ist sicher f\u00fcr alle Studierenden nicht einfach. W\u00e4hrend jedoch die meisten Studierenden \u00fcber eine gute Vernetzung untereinander oder mit h\u00f6heren Jahrg\u00e4ngen verf\u00fcgen, fehlt diese Unterst\u00fctzung Studierenden im Spektrum h\u00e4ufig. F\u00fcr die Pr\u00fcfungssituation kann es dementsprechend eine Erschwernis darstellen, wenn zum einen teils deutlich mehr Stoff gelernt werden muss, zum anderen informelle Hinweise zur Pr\u00fcfungspraxis der Dozierenden fehlen.\r\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\r\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\r\nAngaben zu Pflichtliteratur und Pr\u00fcfungsstoff online und visuell zur Verf\u00fcgung zu haben, kann hilfreich sein, um den Arbeitsaufwand besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Transparenz und Genauigkeit bez\u00fcglich der Pr\u00fcfungsrelevanz w\u00fcrden dazu beitragen, eine gr\u00f6\u00dfere Chancengleichheit herzustellen. Eine fehlende Transparenz kann dazu f\u00fchren, dass Studierende im Spektrum relevante Informationen und unterst\u00fctzende Handlungsstrategien nicht erhalten, die nicht-autistische Studierende untereinander prim\u00e4r auf informellen Wegen weitergeben.\r\n<h5>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\r\nDie Genauigkeit der vorab kommunizierten Angaben zu Pr\u00fcfungen liegt im Ermessen der einzelnen Dozierenden. Dies bedeutet, dass die Dozierenden die Konsequenzen ihrer Vorgehensweisen gut reflektieren und sich der Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der Studierenden bewusstwerden sollten. Insbesondere mit Blick auf Studierende im Spektrum, die einerseits in der Regel verst\u00e4rkt von Transparenz und Vorhersehbarkeit profitieren, andererseits vielfach nicht an informellen sozialen Kommunikationswegen partizipieren, kann eine ausbleibende Kl\u00e4rung von Erwartungen zu Benachteiligungen f\u00fchren.\r\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\r\nBei einer differenzierten Auseinandersetzung mit den autismusspezifischen Charakteristika und ihrer Relevanz im (Studien-)Alltag wird f\u00fcr Studierende wie Dozierende erkennbar, warum zahlreiche Situationen f\u00fcr Studierende im Spektrum mit einem deutlich erh\u00f6hten Energieaufwand verbunden sind, diese sozusagen einen best\u00e4ndig erh\u00f6hten Workload mit sich bringen. Klar formulierte Erwartungen, eine weitestm\u00f6gliche Vorhersehbarkeit der zu bew\u00e4ltigenden Anforderungen sowie Angebote, Unklarheiten zu besprechen, k\u00f6nnen dabei wesentliche Faktoren sein, um Stress zu reduzieren und den eigenen Potenzialen angemessen Raum zu geben. Auch nicht-autistische Studierende k\u00f6nnen von diesen Punkten profitieren. Wenn sie nicht gegeben sind, hat es f\u00fcr sie jedoch meist weniger weitreichende Konsequenzen, als dies f\u00fcr Personen im Spektrum haben kann.\r\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Erstellen Sie sich eine \u00dcbersicht mit allen zu leistenden oder zu lernenden Inhalten eines Semesters und \u00fcberpr\u00fcfen Sie regelm\u00e4\u00dfig, ob Sie im Zeitplan sind.<\/li>\r\n \t<li>Bitten Sie Dozierende ggf. um eine pr\u00e4zisere Eingrenzung des pr\u00fcfungsrelevanten Lehrmaterials. Kl\u00e4ren Sie sie dabei \u00fcber die Bedeutsamkeit von Klarheit und Vorhersehbarkeit f\u00fcr ihre Lernerfolge auf.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Bedenken Sie, ob Ihre Erwartungen an die Studierenden in Bezug auf ihren Workload und ihre Pr\u00fcfungsvorbereitungen f\u00fcr alle Studierenden gleicherma\u00dfen gut bew\u00e4ltigbar sind bzw. inwieweit Sie Vorbereitungsm\u00f6glichkeiten optimieren k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li>Nutzen Sie die Chancen gut strukturierter Veranstaltungen und Skripts, leicht zug\u00e4nglicher Informationen sowie transparenter Kommunikation als Unterst\u00fctzung des Lernens aller Studierenden.<\/li>\r\n \t<li>Seien Sie offen f\u00fcr individuelle Unterst\u00fctzungs- und Anpassungsangebote und planen diese gemeinsam mit den Studierenden im Spektrum.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Br\u00fccken bauen: Ein wechselseitiger Prozess<\/h2>\r\nEine gegenseitige Perspektiven\u00fcbernahme setzt eine offene und wertsch\u00e4tzende Begegnung auf Augenh\u00f6he voraus. Damit das gelingen kann, ben\u00f6tigt es sowohl bei Studierenden im Spektrum als auch bei Dozierenden einen reflektierten Umgang mit sich selbst und eine Offenheit f\u00fcr Wahrnehmungs- und Denkweisen, die sich von der eigenen unterscheiden. Zudem braucht es auf beiden Seiten ein Bewusstsein f\u00fcr m\u00f6gliche Herausforderungen im Hochschulkontext und eine Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.\r\n\r\nEinen guten Wegweiser kann dabei die \u00dcbersicht zur individuellen Vielfalt und den Gemeinsamkeiten im Autismus-Spektrum (siehe Abschnitt \u00bb<a href=\"#autismus-vielfalt\">Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten<\/a>\u00ab) bieten. Diese erm\u00f6glicht es einerseits, die individuellen Erscheinungsformen des Autismus bei einer Person zu ergr\u00fcnden und zu beschreiben, andererseits, eine Br\u00fccke zur Wahrnehmung und den Denkprozessen von nicht-autistischen Personen zu bauen. Gesellschaftliche Normen und Erwartungen sowie kommunikative Konventionen k\u00f6nnen auf dieser Basis reflektiert und diskutiert werden.\r\n\r\nKonkrete Begegnungen und ein Wissen \u00fcbereinander bilden unseres Erachtens die beiden Hauptkomponenten, die es ben\u00f6tigt, um Vorurteilen und Stigmata entgegenzuwirken sowie positive Interaktionen zwischen Studierenden im Spektrum und Dozierenden entstehen zu lassen. Diese gelingenden Interaktionen haben wiederum einen ma\u00dfgeblichen Einfluss auch auf den Studienalltag und den Studienerfolg von Studierenden im Spektrum und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stressreduktion und Schaffung von Chancengleichheit.\r\n\r\nDas Br\u00fcckenbauen ist besonders gut gelungen, wenn nicht nur den Studierenden im Spektrum ihr Studium erleichtert wird, sondern auch die Dozierenden neue und positive Erfahrungen sammeln sowie einen Wissenszuwachs und pers\u00f6nlichen Gewinn aus den Interaktionen mitnehmen k\u00f6nnen. Von dieser Perspektivenerweiterung werden sicherlich alle Studierenden profitieren k\u00f6nnen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie sich im Spektrum befinden oder nicht.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<strong>Grummt, M. (2023).<\/strong> Einf\u00fchrung in das Paradigma der Neurodiversit\u00e4t. In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 11\u201328). Stuttgart: Kohlhammer.\r\n\r\n<strong>Heuer, I. (2023).<\/strong> Neurodiversit\u00e4t \u2013 Ein inklusiveres, gendergerechteres Konzept? In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 61\u201374). Stuttgart: Kohlhammer.\r\n\r\n<strong>Lindmeier, C. &amp; Grummt, M. (2023).<\/strong> Neurodiversit\u00e4t und Autismus aus Sicht der P\u00e4dagogik der Nicht_Behinderung. In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 46\u201360). Stuttgart: Kohlhammer.\r\n\r\n<strong>Zimmermann, M. (2023).<\/strong> Anders nicht falsch. Z\u00fcrich: Kommode Verlag.","rendered":"<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/bruecken_bauen_-perspektivenuebernahme_zwischen_studierenden_im_autismus-spektrum_und_dozierenden.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Version als PDF zum Download<\/a><\/p>\n<p>Von Eva Stucki &amp; Andreas Eckert<\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Studieren mit Autismus-Diagnose kann sowohl f\u00fcr die Studierenden selbst als auch f\u00fcr die Dozierenden zus\u00e4tzliche Herausforderungen mit sich bringen. Diese beziehen sich in der Regel weniger auf die fachlichen oder kognitiven Anforderungen des Studiums als vielmehr auf unterschiedliche Aspekte der Gestaltung und des Erlebens des Hochschulkontextes, auf struktureller und interaktionaler Ebene. Wenngleich manche Herausforderungen sicherlich nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr Studierende im Autismus-Spektrum und ihre Dozierenden relevant sind, erhalten sie unseres Erachtens f\u00fcr Studierende und Dozierende bei Autismus in der Regel jedoch einen besonderen Stellenwert.<\/p>\n<p>In einem ersten Schritt werden wir in diesem Beitrag zur Beschreibung der Ausgangslage m\u00f6gliche Aspekte, die Hindernisse oder Missverst\u00e4ndnisse entstehen lassen k\u00f6nnen und eine wechselseitige Perspektiven\u00fcbernahme im Hochschulkontext erschweren, benennen und anhand exemplarischer Fragen konkretisieren. Anschlie\u00dfend erfolgt der Versuch, unser grundlegendes Autismusverst\u00e4ndnis mit einem Bezug zur aktuellen Neurodiversit\u00e4tsdebatte zu skizzieren. Darauf aufbauend werden wir im folgenden Teil dieses Beitrags ausgew\u00e4hlte Situationen aus dem Studienalltag als Grundlage f\u00fcr die Reflexion einer gelingenden, wechselseitigen Perspektiven\u00fcbernahme und Gestaltung der Interaktionen zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und Dozierenden nutzen. Eine zentrale Zielsetzung stellt es f\u00fcr uns dabei dar, sowohl Studierenden als auch Dozierenden konkrete Anregungen f\u00fcr den Hochschulalltag mitzugeben.<\/p>\n<h2>Ausgangslage<\/h2>\n<p>Das Wahrnehmen und Reflektieren besonderer Anforderungen bzw. Herausforderungen, die einerseits Studierende im Autismus-Spektrum w\u00e4hrend ihres Studiums, andererseits Dozierende in ihren Begegnungen mit den Studierenden erleben k\u00f6nnen, bilden f\u00fcr uns zentrale Voraussetzungen f\u00fcr eine wechselseitige Gestaltung gelingender Interaktionen im Studium. Nachfolgend werden diesbez\u00fcglich zentrale Aspekte anhand von Fragen zusammengetragen, die sich teils an Studierende, teils an Dozierende richten. Der Fragensammlung liegen sowohl eigene Erfahrungen als auch der Austausch mit weiteren Studierenden und Dozierenden zugrunde.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Organisatorische Aspekte:<\/strong>\u00a0 Wann werden Seminarskripte zur Verf\u00fcgung gestellt? Werden \u00c4nderungen (fr\u00fchzeitig) kommuniziert? Sind Auftr\u00e4ge klar definiert und formuliert? Werden Vorlesungen aufgezeichnet und digital zur Verf\u00fcgung gestellt? K\u00f6nnen versp\u00e4tete Abgaben von Leistungsnachweisen akzeptiert werden?<\/li>\n<li><strong>Offenheit bez\u00fcglich kommunikativer Konventionen: <\/strong>Welchen Stellenwert nehmen Blickkontakt sowie der Einsatz von Gestik und Mimik in der wechselseitigen Kommunikation im Studium ein? Wie werden Unterschiede wahrgenommen und zu welchen Reaktionen f\u00fchren sie? Wie wird bspw. auf ein verz\u00f6gertes Antwortverhalten reagiert?<\/li>\n<li><strong>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t:<\/strong> Wie nehmen sich einzelne Studierende im Vergleich zu anderen wahr? Wie werden sie von Dozierenden wahrgenommen? Werden gesellschaftliche Konventionen und Normen an der Hochschule thematisiert und reflektiert?<\/li>\n<li><strong>Akzeptanz von individuellen Lernformen:<\/strong> Besteht ein allgemeines Wissen \u00fcber und wechselseitiges Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unterschiedliche Formen des Wahrnehmens und der Verarbeitung von Informationen? Welcher Raum wird individuellen Lernformen gegeben?<\/li>\n<li><strong>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle: <\/strong>Wie wirken sich die vordefinierten Rollen von Studierenden und Dozierenden auf die Interaktionen aus? Gibt es Begegnungen auf Augenh\u00f6he? K\u00f6nnen individuelle Belange und Bed\u00fcrfnisse angemessen eingebracht werden? Sind Dozierende bereit, individuelle Regeln zu akzeptieren und umzusetzen?<\/li>\n<li><strong>Generationenunterschiede: <\/strong>Welche Rolle spielen die h\u00e4ufig bestehenden Alters- und Generationenunterschiede zwischen Studierenden und Dozierenden hinsichtlich der Wahrnehmung und Interpretation von Rollen und Hierarchien? Welchen Einfluss haben Generationsunterschiede auf die Wahrnehmung von Diversit\u00e4t und Individualit\u00e4t?<\/li>\n<li><strong>Autismusverst\u00e4ndnis:<\/strong> Welches konkrete Wissen \u00fcber Autismus liegt bei Dozierenden vor? Wie beschreiben Studierende im Einzelfall ihre pers\u00f6nliche Wahrnehmung in Bezug auf Autismus? Inwieweit decken sich individuelle Vorstellungen von Studierenden und Dozierenden?<\/li>\n<li><strong>Verst\u00e4ndnis der Diagnose:<\/strong> Werden offengelegte Diagnosen generell als \u00bbunterst\u00fctzendes Konstrukt\u00ab oder als \u00bblimitierende Tatsache\u00ab verstanden? Welche Vor- und Nachteile bringt das offene Kommunizieren der eigenen Autismus-Diagnose f\u00fcr die Studierende mit sich? In welchem Kontext und welchen Personen wird die Diagnose mitgeteilt, oder eben nicht?<\/li>\n<li><strong>Strukturelle Bedingungen:<\/strong> Ist es f\u00fcr Studierende und Dozierende eindeutig geregelt, welche Unterst\u00fctzungs- und Entlastungsangebote genutzt werden k\u00f6nnen? Sind M\u00f6glichkeiten des Nachteilsausgleichs von Hochschulseite klar formuliert? Stehen bei Unklarheiten sowohl f\u00fcr Studierende als auch f\u00fcr Dozierende Ansprechpartner*innen zur Verf\u00fcgung?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ausgehend von der Reflexion dieser Aspekte stellt sich f\u00fcr uns die Anschlussfrage, was es konkret ben\u00f6tigt, um die Kommunikation und Interaktion zwischen Studierenden im Autismus-Spektrum und ihren Dozierenden gelingend zu gestalten und auf diesem Weg Hindernisse im Studium abzubauen. Zentral erscheint uns dabei, neben dem Wissen \u00fcber organisatorische und strukturelle Optionen im Hochschulkontext, sich der unterschiedlichen Perspektiven bewusst zu sein und sich um eine wechselseitige Perspektiven\u00fcbernahme zu bem\u00fchen. Dies kann teils genauso herausfordernd wie relevant sein, ist zugleich f\u00fcr alle Beteiligten erstrebenswert und in der Regel sehr gewinnbringend.<\/p>\n<h2>Unser Autismusverst\u00e4ndnis<\/h2>\n<h3>Autismus und Neurodiversit\u00e4t<\/h3>\n<blockquote><p>\u00bbI&#8217;m autistic, which means everyone around me has a disorder that makes them say things they don&#8217;t mean, not care about structure, fail to hyperfocus on singular important topics, have unreliable memories, drop weird hints and creepily stare into my eyeballs.\u00ab<br \/>\n\u00bbSo why do people say YOU&#8217;RE the weird one\u00ab?<br \/>\n\u00bbBecause there&#8217;s more of them than me\u00ab.<br \/>\n(Chris Bonello X-Post, 2018)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie dieser kurze Dialog von Chris Bonello \u2013 einem autistischen Lehrer und Aktivisten \u2013 pr\u00e4gnant verdeutlicht, beschreibt Autismus eine Form der Wahrnehmung und des Denkens, die sich von der Form, wahrzunehmen und zu denken, einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit scheinbar deutlich unterscheidet. Vor dem Hintergrund dieser Normabweichung wird Autismus, insbesondere im medizinischen Kontext, vielfach als St\u00f6rung tituliert.<\/p>\n<p>Die Perspektive der Neurodiversit\u00e4t greift die Vielfalt menschlichen Wahrnehmens und Denkens auf, betrachtet Autismus dabei wertfrei als eine Variante neurologischer Diversit\u00e4t und distanziert sich deutlich von einem Verst\u00e4ndnis des Autismus als St\u00f6rung (Lindmeier &amp; Grummt 2023). Der Titel der autobiografischen Betrachtungen \u00bbAnders nicht falsch\u00ab von Maria Zimmermann (2023) bringt eine zentrale Aussage der Neurodiversit\u00e4tsperspektive markant auf den Punkt. Wenngleich das relative Anderssein wahrgenommen wird, entspricht dies keinem Fehler, sondern beschreibt auf der Ebene des Wahrnehmens und Denkens das Resultat einer spezifischen Auspr\u00e4gung neuronaler Strukturen.<\/p>\n<p>Das Konzept der Neurodiversit\u00e4t hat seine Urspr\u00fcnge in der Selbstvertretungsbewegung \u00bbAutism Rights Movement\u00ab der 1990er Jahre (Heuer 2023, 62). Im deutschsprachigen Raum hat es erst in den letzten zehn Jahren eine besondere Aufmerksamkeit erhalten, prim\u00e4r im Kontext von Selbstvertretungsorganisationen sowie im wissenschaftlichen Diskurs, dabei mittlerweile deutlich \u00fcber das Thema Autismus hinaus.<\/p>\n<p>Grummt (2023) beschreibt in seiner fundierten Analyse des Neurodiversit\u00e4tskonzepts, dass sich der Begriff der Neurodiversit\u00e4t in den letzten Jahrzehnten auf verschiedenen Ebenen ausdifferenziert hat. So kann er heute als \u00bbParadigma, Identit\u00e4tspolitik, soziale Dynamik und performative Wirksamkeit divergierenden Denkens, Wahrnehmens und Handelns\u00ab (ebd., 24) verstanden werden. Diese Betrachtungsweisen erg\u00e4nzen einander, fokussieren je nach Kontext zugleich aber auch andere inhaltliche Schwerpunkte.<\/p>\n<p>F\u00fcr unser Autismusverst\u00e4ndnis besonders relevant sind die Ebenen des Paradigmas, verstanden als \u00bbWeltsicht und Selbstverst\u00e4ndnis\u00ab (ebd., 24), sowie der sozialen Dynamik, d.h. der Einordnung von Begrifflichkeiten, deren Definition und Interpretation in gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Kontexte. Auf einer konkreten Ebene bedeutet dies einerseits, dass wir den Gedanken des wertfreien Nebeneinanders unterschiedlicher menschlicher Formen des Denkens und Wahrnehmens unterstreichen und es als wichtig erachten, insbesondere in Kontexten, die durch ein Denken in St\u00f6rungsbildern gepr\u00e4gt sind, stets bewusst f\u00fcr diese Perspektive einzutreten. Andererseits folgt daraus f\u00fcr uns nicht, beschreibende Begrifflichkeiten wie Autismus aufzuheben, sondern sie im jeweiligen sozialen Kontext mit Blick auf die Belange, Bed\u00fcrfnisse und Innenperspektiven von Menschen im Autismus-Spektrum angemessen zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die in der aktuellen Fachdiskussion anzutreffende Aufteilung von Personengruppen in \u00bbneurodivers\u00ab (alle Menschen), \u00bbneurotypisch\u00ab (gesellschaftliche Mehrheit mit \u00bbtypischen\u00ab neuronalen Strukturen) und \u00bbneurodivergent\u00ab (verschiedene gesellschaftliche Minderheiten mit \u203adivergenten\u2039 neuronalen Strukturen) verstehen wir in diesem Kontext als eine Zuordnung mit weichen Grenzen und \u00dcberschneidungen (siehe Abb. 3).<\/p>\n<figure id=\"attachment_175\" aria-describedby=\"caption-attachment-175\" style=\"width: 598px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-175\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent.png\" alt=\"Die Grafik stellt neurotypische und neurodivergente Wahrnehmungs- und Denkprozesse gegen\u00fcber. Neurotypisch beschreibt die Wahrnehmung und Denkprozesse einer gesellschaftlichen Mehrheit; neurodivergent umfasst verschiedene Formen wie Autismus, ADHS, Hochsensibilit\u00e4t, Hochbegabung sowie \u00dcberschneidungen wie Autismus und ADHS.\" width=\"598\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent.png 1672w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-300x169.png 300w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-1024x576.png 1024w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-768x432.png 768w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-1536x864.png 1536w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-65x37.png 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-225x127.png 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/neurotypiusch_divergent-350x197.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-175\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Neurodiversit\u00e4t \u2013 Neuromehrheit und Neurominderheiten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Begriff Autismus beschreibt in diesem Sinne wie die Beschreibung anderer \u00bbNeurominderheiten\u00ab (Heuer 2023, 71) eine eigene Form der Wahrnehmung und des Denkens, deren Einordnung sich zwischen den fiktionalen Polen neurotypisch und neurodivergent nicht festschreiben l\u00e4sst und nur im individuellen Einzelfall verstanden werden kann.<\/p>\n<h3><a id=\"autismus-vielfalt\"><\/a>Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten<\/h3>\n<p>Eine am Konzept der Neurodiversit\u00e4t orientierte Perspektive schlie\u00dft unseres Erachtens die bewusste fachliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Denkens und Wahrnehmens \u2013 in diesem Beitrag des Autismus \u2013 nicht aus. Vielmehr sehen wir in dieser Auseinandersetzung gleich mehrere Chancen. Erstens kann ein erweitertes Wissen \u00fcber Autismus ein besseres wechselseitiges Verst\u00e4ndnis zwischen Personen im Autismus-Spektrum und nicht-autistischen Personen f\u00f6rdern und somit Missverst\u00e4ndnisse reduzieren. Zweitens kann das Wissen \u00fcber den eigenen Autismus einen wichtigen Beitrag zur Identit\u00e4tsbildung leisten und wertvolle Kontakte zu anderen Personen im Autismus-Spektrum erm\u00f6glichen. Drittens gibt das Wissen \u00fcber Autismus nicht-autistischen Menschen die M\u00f6glichkeit, ihre Art der Wahrnehmung zu reflektieren und g\u00e4ngige Konventionen zu \u00fcberdenken. Und viertens bietet das Wissen \u00fcber die jeweils charakteristischen Prozesse des Wahrnehmens und Denkens die M\u00f6glichkeit, in gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten Barrieren abzubauen und autismusfreundliche Settings zu gestalten.<\/p>\n<p>Eine Pr\u00e4misse der Auseinandersetzung mit den Charakteristika des Autismus bildet unseres Erachtens, sich bewusst dem Spannungsfeld zwischen der individuellen Vielfalt der Erscheinungsformen des Autismus und m\u00f6glichen autismusspezifischen Gemeinsamkeiten zu stellen. Mit dem folgenden Modell unternehmen wir den Versuch, die sichtbare Ebene des Wahrnehmens und Denkens bei Autismus zu beschreiben, ohne die Individualit\u00e4t der Erscheinungsformen aus dem Blick zu verlieren. Gedacht werden sollte das Modell mit einem individuell einzustellenden Schieberegler, der m\u00f6glichst aus der Innenperspektive einer Person die Bedeutsamkeit der einzelnen Bereiche f\u00fcr ihr aktuelles Leben und Erleben beschreibt. Als Gemeinsamkeit kann benannt werden, dass die im Modell einbezogenen Kategorien f\u00fcr die meisten Personen im Autismus-Spektrum eine besondere Relevanz im Alltag haben. Intensit\u00e4t und Qualit\u00e4t k\u00f6nnen in den Kategorien zugleich deutlich variieren. Diesen Gedanken folgend hat das Modell keine diagnostische Funktion, sondern dient vielmehr allein dem Verstehen der individuellen Erscheinungsformen des Autismus.<\/p>\n<p>Folgend werden die einzelnen Kategorien mit Stichworten skizziert. Mit dem Ziel des wechselseitigen Verstehens l\u00e4sst sich dieses Modell grunds\u00e4tzlich f\u00fcr Personen im Autismus-Spektrum sowie nicht-autistischen Personen anwenden, bspw. im gemeinsamen Dialog \u00fcber Charakteristika des eigenen Denkens und Wahrnehmens.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none\">\n<ul>\n<li><strong>Sensorische Sensitivit\u00e4ten<\/strong> \u2013 sensorische Vorlieben oder Abneigungen, \u00dcber- oder Unterempfindlichkeit in verschiedenen Sinnesbereichen<\/li>\n<li><strong>Soziale Wahrnehmung<\/strong> \u2013 Gewichtung des Wahrnehmens von Emotionen, sozialen Signalen und Intentionen<\/li>\n<li><strong>Soziale Kommunikation<\/strong> \u2013 eigene Form der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und Kontaktgestaltung<\/li>\n<li><strong>Detailfokussierung<\/strong> \u2013 Blick f\u00fcr Details, Aufmerksamkeitslenkung<\/li>\n<li><strong>Spezialinteressen<\/strong> \u2013 intensive Auseinandersetzung mit pr\u00e4ferierten Themen<\/li>\n<li><strong>Routinen und Wiederholungen<\/strong> \u2013 Pr\u00e4ferenz gleichbleibender Abl\u00e4ufe, Bedarf nach Gleichf\u00f6rmigkeit<\/li>\n<li><strong>Erwartungen und Vorhersehbarkeit<\/strong> \u2013 feste Vorstellungen bei Handlungsabl\u00e4ufen, Bedarf nach Einhaltung von Planungen und Vorhersehbarkeit<\/li>\n<li><strong>Handlungsplanung<\/strong> \u2013 Energieaufwand f\u00fcr Planung und Umsetzung von Aufgaben und Erledigungen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_176\" aria-describedby=\"caption-attachment-176\" style=\"width: 1672px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-176 size-full\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz.png\" alt=\"Die Grafik zeigt acht Bereiche, die f\u00fcr viele Personen im Autismus-Spektrum im Alltag unterschiedlich stark relevant sein k\u00f6nnen: sensorische Sensitivit\u00e4ten, soziale Wahrnehmung, soziale Kommunikation, Detailfokussierung, Spezialinteressen, Routinen und Wiederholungen, Erwartungen und Vorhersehbarkeit sowie Handlungsplanung. Eine Skala von geringer bis hoher Relevanz verdeutlicht, dass diese Bereiche individuell verschieden ausgepr\u00e4gt sein k\u00f6nnen.\" width=\"1672\" height=\"941\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz.png 1672w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-300x169.png 300w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-1024x576.png 1024w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-768x432.png 768w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-1536x864.png 1536w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-65x37.png 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-225x127.png 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/relevanz-350x197.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 1672px) 100vw, 1672px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-176\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem wir unser Verst\u00e4ndnis von Autismus als ein vielf\u00e4ltiges Spektrum erl\u00e4utert haben, werden wir nachfolgend als Personenbeschreibung die Formulierung \u00bbStudierende im Spektrum\u00ab verwenden, den Autismus stets mitgedacht.<\/p>\n<h2>Situationen im Studienalltag: Anforderungen und Handlungsanregungen<\/h2>\n<p>Auf der Grundlage der vorangehenden Ausf\u00fchrungen wird nun ein Transfer relevanter Aspekte auf den Studienalltag folgen. Anhand exemplarisch aus der eigenen Praxis und dem Austausch mit Studierenden und Dozierenden ausgew\u00e4hlter Situationen werden wir m\u00f6gliche Anforderungen aufzeigen, diese analysieren und Handlungsanregungen ableiten. Sowohl bei den dargestellten Anforderungen als auch bei den Handlungsanregungen stehen Studierende im Spektrum und Dozierende gleicherma\u00dfen im Fokus.<\/p>\n<h3>Kommunikation der eigenen Diagnose und individuellen Bed\u00fcrfnisse<\/h3>\n<p>Die Fragen, \u00bbwem\u00ab, \u00bbin welcher Situation\u00ab und \u00bbauf welche Art und Weise\u00ab die eigene Diagnose und individuelle Bed\u00fcrfnisse mitgeteilt werden sollten, besch\u00e4ftigen zahlreiche Studierende im Spektrum. Eine zentrale Herausforderung liegt darin, die Autismus-Diagnose oder die individuellen Bed\u00fcrfnisse so kommunizieren zu k\u00f6nnen, dass daraus einerseits konkrete Hilfestellungen abgeleitet werden k\u00f6nnen, andererseits Selbst- oder Fremdstigmatisierungen oder andere negative Auswirkungen (z.B. auf die berufliche Zukunft) ausbleiben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Dozierende scheint der Umgang mit einer mitgeteilten Diagnose vielfach ebenfalls nicht einfach zu sein. Dies zeigt sich bspw. an den folgenden, im Studienalltag von Studierenden im Spektrum erlebten Reaktionen von Dozierenden:<\/p>\n<p><em>\u00bbAutismus gibt es gar nicht. Die Symptome ergeben sich nur aus einer Kombination anderer psychischer St\u00f6rungen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbWir schauen, dass wir Sie durch die Veranstaltung kriegen. So Personen wie Sie braucht es. Peers sind ganz wichtig in der Psychologie.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDas h\u00e4tte ich nie gedacht, dabei haben wir in unserem Forschungsprojekt die ganze Codierung der Emotionen und Bed\u00fcrfnisse an deiner Einsch\u00e4tzung festgemacht.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbAber Sie kriegen das doch kompensiert, oder? Sie wirken auf mich nicht so, als h\u00e4tten Sie M\u00fche damit. Warten wir&#8217;s ab!\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Das Mitteilen der Diagnose einerseits und das Reagieren auf diese Mitteilung andererseits scheint in diesem Sinne h\u00e4ufig herausfordernd zu sein.<\/p>\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\n<h5>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\n<p>Ob Studierende zu diesem Schritt bereit sind, h\u00e4ngt in gro\u00dfem Ma\u00df davon ab, wie mit Diversit\u00e4t an der jeweiligen Hochschule und ihren Abteilungen umgegangen wird. Ein offener und reflektierter Umgang mit Diversit\u00e4t und gesellschaftlichen Normen und Konventionen erleichtert beiden Seiten einen konstruktiven Umgang mit einer Autismus-Diagnose. Eine fehlende Offenheit oder Reflexion dieser Themen kann eine Kontraindikation f\u00fcr das Mitteilen der Diagnose darstellen.<\/p>\n<h5>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\n<p>Nicht nur die Haltung der Hochschule ist entscheidend, sondern auch, wie Dozierende und Studierende ihre jeweilige Rolle interpretieren. Bei einem starren Rollenverst\u00e4ndnis mit deutlicher Hierarchiestruktur kann es leichter dazu kommen, dass sich Dozierende nicht in der Verantwortung sehen, den Studierenden im Spektrum entgegenzukommen, da es nicht ihrem Rollenprofil entspricht, auf \u00bbSonderw\u00fcnsche\u00ab von Studierenden eingehen zu m\u00fcssen. Ebenso kann eine von Studierenden im Spektrum f\u00e4lschlicherweise als starr interpretierte Hierarchie dazu f\u00fchren, dass sie wenig Nutzen in der Kommunikation der Diagnose sehen.<\/p>\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\n<p>Das Autismusverst\u00e4ndnis der Person im Spektrum selbst tr\u00e4gt dazu bei, wie gut es gelingt, die Diagnose zu kommunizieren. Das Wissen \u00fcber Autismus und \u00fcber die daraus resultierenden Unterschiede zu anderen Studierenden ist vielfach entscheidend, wenn es darum geht, erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, was Autismus bei einem selbst ausmacht, was leichtf\u00e4llt und wo die Herausforderungen liegen. Auch das Wissen der Dozierenden kann ein Gelingensfaktor f\u00fcr die Kommunikation der Diagnose und den Umgang mit dieser sein. So sind Dozierende mit Wissen \u00fcber Autismus weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Vorurteile, k\u00f6nnen das Geh\u00f6rte besser einordnen und passendere Hilfestellungen bieten.<\/p>\n<h5>Verst\u00e4ndnis der Diagnose als unterst\u00fctzendes Konstrukt<\/h5>\n<p>Sowohl f\u00fcr die Studierenden als auch f\u00fcr die Dozierenden stellt es einen wichtigen Aspekt dar, ob sie die Diagnose als eine Verstehenshilfe und daraus resultierend als Grundlage f\u00fcr die Inanspruchnahme bzw. Bereitstellung ad\u00e4quater Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsangebote sehen k\u00f6nnen. Die Autismus-Diagnose im universit\u00e4ren Kontext als Limitation zu interpretieren, erschwert das Miteinander.<\/p>\n<h5>Strukturelle Bedingungen<\/h5>\n<p>Das Wissen, welche Anpassungen Studierenden zustehen respektive welche Handlungsspielr\u00e4ume Dozierende haben, den Studierenden entgegenzukommen, ohne eine Ungleichbehandlung bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr ein zielf\u00fchrendes Mitteilen der Diagnose. Wenig transparente Informationen oder sogar fehlende Regelungen an einer Hochschule k\u00f6nnen das Mitteilen der Diagnose und den Umgang mit dieser erschweren.<\/p>\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Versuchen Sie, proaktiv g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr das Mitteilen der Diagnose und m\u00f6glicher individueller Bed\u00fcrfnisse herzustellen. Bitten Sie bspw. fr\u00fchzeitig um einen Gespr\u00e4chstermin oder kl\u00e4ren Sie den zeitlichen Rahmen des Gespr\u00e4ches vorab.<\/li>\n<li>Bereiten Sie sich inhaltlich auf das Gespr\u00e4ch vor. Welche Informationen braucht mein Gegen\u00fcber, um mit dem Wissen um meine Diagnose konstruktiv umgehen zu k\u00f6nnen? Wie erkl\u00e4re ich Autismus generell und auf mich bezogen? Welche Herausforderungen k\u00f6nnen mich im Studienalltag erwarten? Welche Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsangebote k\u00f6nnen hilfreich sein? Wenn Sie es als hilfreich erachten, besprechen Sie offene Fragen vorab mit einer Vertrauensperson.<\/li>\n<li>Rechnen Sie mit unerwarteten Reaktionen der Dozierenden auf die Mitteilung der Diagnose. Auf die Mitteilung einer Autismus-Diagnose reagieren zu m\u00fcssen, ist f\u00fcr viele Dozierende eine neue Erfahrung. Dementsprechend k\u00f6nnen ihre Reaktionen unbeholfen ausfallen. Das ist in der Regel nicht wertend oder pers\u00f6nlich gemeint, sondern kann der Ausdruck einer Verunsicherung des Gegen\u00fcbers sein.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Begegnen Sie Studierenden mit einer offenen, wertsch\u00e4tzenden Grundhaltung.<\/li>\n<li>Lassen Sie sich nicht von stereotypen Bildern \u00fcber Autismus leiten, sondern h\u00f6ren Sie genau hin, wie sich die autismusspezifischen Gemeinsamkeiten bei den Studierenden individuell zeigen.<\/li>\n<li>Fragen Sie nach, wenn Unklarheiten bestehen oder Ihnen wichtige Informationen fehlen, um die Person verstehen oder unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Nehmen Sie den ge\u00e4u\u00dferten Anpassungs- und Unterst\u00fctzungsbedarf ernst und versuchen Sie gemeinsam, praktikable Wege zu finden.<\/li>\n<li>Seien Sie sich der Vertraulichkeit der Mitteilung bewusst.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Gruppenarbeiten<\/h3>\n<p>Gruppenarbeiten geh\u00f6ren zu den herausforderndsten Situationen f\u00fcr Studierende im Spektrum. Bei einer Gruppenarbeit kommen sowohl zahlreiche autismusspezifische wie auch nicht direkt in der Diagnose begr\u00fcndete Aspekte zum Tragen. Einige dieser Herausforderungen entstehen in der Interaktion mit den anderen Studierenden. Viele andere Aspekte ergeben sich prim\u00e4r durch die Gestaltung des Settings und k\u00f6nnen durch einen guten Austausch zwischen Studierenden und Dozierenden deutlich reduziert werden. Eine erste gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Studierende im Spektrum kann bereits die Phase der Gruppenbildung darstellen. Dar\u00fcber hinaus kann das notwendige Ma\u00df an Engagement von Studierenden im Spektrum anders eingesch\u00e4tzt werden als von anderen Studierenden. So besteht bei nicht-autistischen Studierenden h\u00e4ufig eine Tendenz, eine Gruppenarbeit zun\u00e4chst als M\u00f6glichkeit zum Austausch \u00fcber Themen zu sehen, die in keinem direkten Bezug zur Aufgabenstellung stehen, bspw. \u00fcber eine andere Veranstaltung, Pr\u00fcfungen oder die Freizeit. Die Form der Ergebnispr\u00e4sentation und die Verteilung von Zust\u00e4ndigkeiten erfolgen zudem h\u00e4ufig relativ spontan, was f\u00fcr Studierende im Spektrum eine enorme Belastung darstellen kann. Weitere Stressfaktoren k\u00f6nnen unklare Aufgabenstellungen sowie mangelnde Angaben zur Art oder dem Umfang der Pr\u00e4sentation der Gruppenergebnisse sein. Dies kann bei Studierenden im Spektrum eine Tendenz zur Detailfokussierung verst\u00e4rken, w\u00e4hrend nicht-autistische Studierende bei Unklarheiten vielfach eher eine erh\u00f6hte Oberfl\u00e4chlichkeit ableiten.<\/p>\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\n<p>Die Aufforderung \u00bbBilden Sie Vierer- oder F\u00fcnfergruppen!\u00ab kann f\u00fcr Studierende im Spektrum ein gro\u00dfer Stressfaktor sein, besonders da es nicht-autistischen Personen h\u00e4ufig leichter f\u00e4llt, sich zu vernetzen. Zu erkennen, ob sich eine Gruppe gerade neu bildet und offen f\u00fcr weitere Studierende ist oder sich bereits gefunden hat, kann f\u00fcr Studierende im Spektrum eine gro\u00dfe Herausforderung darstellen und gleichzeitig den Erfolg der Gruppenfindung stark beeinflussen. Je nach Vorerfahrungen kann diese Situation zudem starke negative Emotionen triggern (\u00c4ngste, Scham, \u2026).<\/p>\n<p>Auftr\u00e4ge, die wenig pr\u00e4zise definiert sind, bieten viel Interpretationsspielraum bez\u00fcglich ihrer Umsetzung und des zu leistenden Arbeitsaufwands. Dies mit anderen Studierenden aushandeln zu m\u00fcssen, kann f\u00fcr Personen im Spektrum einen gro\u00dfen bis kaum m\u00f6glichen Zusatzaufwand bedeuten. M\u00fcndliche oder nur kurzzeitig visualisierte Auftr\u00e4ge sind f\u00fcr Studierende im Spektrum in der Regel wenig best\u00e4ndig und erschweren ebenso wie fehlende Angaben zur Pr\u00e4sentationsgestaltung und kurze Vorbereitungszeiten einerseits den Arbeitsprozess und kosten andererseits dar\u00fcber hinaus h\u00e4ufig viel Kraft.<\/p>\n<h5>Wahrnehmung und Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\n<p>Das Arbeiten in der Gruppe kann eine erh\u00f6hte Konfrontation mit gesellschaftlichen Normen und Erwartungen mit sich bringen. Wird ein offener Umgang mit dem Thema Diversit\u00e4t gepflegt, k\u00f6nnen manche Erschwernisse bei Gruppenarbeiten wegfallen. Wenn Studierende weniger darauf achten m\u00fcssen, Normen und Konventionen genau einzuhalten, haben sie mehr Kapazit\u00e4t, sich dem eigentlichen Auftrag zu widmen. Zudem kann es Studierenden im Spektrum leichter fallen, sich bei Schwierigkeiten zu melden, wenn sie wissen, dass Bewusstsein und Toleranz daf\u00fcr an der Hochschule grunds\u00e4tzlich vorhanden sind. Es ist anzunehmen, dass es auch f\u00fcr die einzelnen Dozierenden leichter wird, individuelle L\u00f6sungen und Anpassungen bei Gruppenarbeiten vorzunehmen, wenn sie wissen, dass dies nicht im Widerspruch zu Werten und Haltungen der jeweiligen Hochschule steht.<\/p>\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen und festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\n<p>Studierenden im Spektrum kann es auch bei g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen vereinzelt nicht m\u00f6glich sein, an Gruppenarbeiten teilzunehmen. Dies zu akzeptieren, erfordert eine Offenheit bei Dozierenden, ihre Rolle der didaktischen Zust\u00e4ndigkeit und Verantwortung situativ zu hinterfragen und mit den Studierenden gemeinsam individuell passende Alternativen zu entwerfen und zu verhandeln. Auch f\u00fcr Studierende bedeutet dies, von ihrer klassischen Rolle der Anpassung an die Unterrichtsgestaltung der Dozierenden in eine aktiv aufkl\u00e4rende und einfordernde Position zu wechseln. Eine wertsch\u00e4tzende Grundhaltung im Miteinander bildet dabei f\u00fcr alle Beteiligten eine entscheidende Grundlage.<\/p>\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\n<p>Eigene individuelle, autismusspezifische Charakteristika und Bed\u00fcrfnisse gut zu kennen, kann eine wichtige Hilfe f\u00fcr die Wahrnehmung und Formulierung unterst\u00fctzender Anpassungen im Rahmen von Gruppenarbeiten sein. Dies kann helfen, bestehende Hindernisse und m\u00f6gliche Erleichterungen passend in den Kontext einzuordnen.<\/p>\n<p>Ein grundlegendes Wissen \u00fcber Autismus ist in diesem Kontext ebenfalls f\u00fcr die Dozierenden relevant. Es f\u00fchrt zu einem besseren Verst\u00e4ndnis, einerseits m\u00f6glicher Hindernisse in der Umsetzung von Gruppenarbeiten, andererseits der Bedeutsamkeit teils nur geringer Anpassungen. Mit dem Wissen \u00fcber Autismus im Allgemeinen und der Relevanz einzelner autismusspezifischer Aspekte bei der jeweiligen studierenden Person kann eine Teilnahme an Gruppenarbeiten deutlich vereinfacht werden.<\/p>\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Versuchen Sie, bewusst wahrzunehmen, was f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich bei der Umsetzung einer Gruppenarbeit hinderlich und hilfreich ist.<\/li>\n<li>Informieren Sie Dozierende und ggf. Mitstudierende \u00fcber Regelungen und Anpassungen, die unterst\u00fctzend sein k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>\u00dcberlegen Sie alternative Formen der Leistungserbringung und schlagen diese den Dozierenden vor, wenn Ihnen eine Gruppenarbeit nicht umsetzbar oder sehr belastend erscheint.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>K\u00fcndigen Sie den Studierenden im Spektrum Gruppenarbeiten, wenn m\u00f6glich, im Voraus an.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzen Sie die Gruppenbildung, bspw. durch vorgegebene Aufteilungen oder Methoden der Gruppenbildung.<\/li>\n<li>Achten Sie auf inhaltlich eindeutige Formulierungen von Arbeitsauftr\u00e4gen und Erwartungen. Visualisieren Sie diese.<\/li>\n<li>Bieten Sie klare organisatorische Rahmenbedingungen (Zeitumfang, Pr\u00e4sentationsform, Pr\u00e4sentationszeitpunkt) f\u00fcr Gruppenarbeiten an.<\/li>\n<li>Behalten Sie sensorische Aspekte des Settings im Blick. Erm\u00f6glichen Sie bspw., f\u00fcr Gruppenarbeiten den Raum zu verlassen.<\/li>\n<li>Akzeptieren Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall die Wahl einer alternativen Form der Themenbearbeitung au\u00dferhalb der Gruppe.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>M\u00fcndliche Pr\u00e4sentationen<\/h3>\n<p>Bei m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen kommen zahlreiche gesellschaftliche und kommunikative Konventionen zusammen. So soll das Publikum bspw. durch Intonation und Blickkontakt abgeholt werden. H\u00e4ufig soll zudem ein interaktiver Teil, an dem sich das Publikum aktiv beteiligen kann, durchgef\u00fchrt werden. Dieser soll didaktisch ansprechend und abwechslungsreich gestaltet sein. Es geht dementsprechend um deutlich mehr, als sein Wissen zu einem bestimmten Thema in Form einer Pr\u00e4sentation mit anderen zu teilen. Studierende im Spektrum m\u00fcssen sich beim Erstellen der Pr\u00e4sentation und w\u00e4hrend des Vortragens laufend in die Zuh\u00f6renden hineinversetzen. Auch eine Auswahl zu treffen, was f\u00fcr andere Studierende, die sich m\u00f6glicherweise weniger intensiv mit der Thematik der Pr\u00e4sentation besch\u00e4ftigt haben, interessant und relevant ist, kann manchmal eine Herausforderung darstellen. Neben der Pr\u00e4sentation der Inhalte k\u00f6nnen die Kontrolle der eigenen Mimik, die Reaktionen des Gegen\u00fcbers und die Uhr im Blick zu behalten, schwierig sein.<\/p>\n<p>Aufgrund negativer Vorerfahrungen mit \u00e4hnlichen Situationen (z.B. Mobbing w\u00e4hrend der Schulzeit) kann das Stresserleben bei Studierenden im Spektrum in diesen Situationen zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht sein. Personen im Spektrum haben zudem deutlich h\u00e4ufiger mit Komorbidit\u00e4ten, wie einer sozialen Phobie, zu k\u00e4mpfen. Zusammenfassend kann es f\u00fcr Studierende im Spektrum sehr belastend oder vereinzelt unm\u00f6glich sein, eine Pr\u00e4sentation (auf herk\u00f6mmliche Weise) zu halten.<\/p>\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\n<p>Die Planung und die Durchf\u00fchrung von m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen im Rahmen eines Seminars sind mit vielen organisatorischen Aspekten verbunden. Das Festlegen der Reihenfolge bei mehreren Pr\u00e4sentationen innerhalb einer Veranstaltung, die Verbindlichkeit des vorgegebenen zeitlichen Rahmens bzw. der Umgang mit Abweichungen bleiben vielfach unklar. Ebenso werden m\u00f6gliche Pr\u00fcfungskriterien neben der inhaltlichen Darstellung, z.B. die didaktische Gestaltung oder die Auftrittskompetenz, vielfach nicht vorab kommuniziert.<\/p>\n<p>Neben der Ber\u00fccksichtigung dieser Aspekte kann es hilfreich sein, \u00bbNotfallszenarien\u00ab im Voraus zu besprechen, u. a. vorab Handlungsoptionen zu thematisieren, falls die pr\u00e4sentierende Person nicht zum Termin erscheint oder wenn die Situation w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation nicht mehr aushaltbar ist.<\/p>\n<h5>Offenheit bez\u00fcglich kommunikativer Konventionen und Wahrnehmung sowie Bewertung von Diversit\u00e4t<\/h5>\n<p>Da bei Pr\u00e4sentationen h\u00e4ufig auch nonverbale Kommunikationsformen wie die K\u00f6rperhaltung, Mimik oder Gestik sowie die sprachliche Intonation und die Einbeziehung des Publikums teils bewusst, teils unbewusst in die Benotung miteinflie\u00dfen, scheint es von besonderer Bedeutung zu sein, wie die Dozierenden die Relevanz dieser Aspekte wahrnehmen und reflektieren. Individuelle Haltungen sowie der Umgang der Hochschule mit gesellschaftlichen Konventionen und Diversit\u00e4t kommen hier zum Tragen.<\/p>\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen und strukturelle Bedingungen<\/h5>\n<p>Inwieweit zum einen individuelle Anpassungen bei m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen erm\u00f6glicht und zum anderen Alternativen zur Pr\u00e4sentation als Pr\u00fcfungsleistung angeboten werden, kann einen entscheidenden Einfluss auf das Bew\u00e4ltigen der Anforderungen haben. Eine Anpassung k\u00f6nnte bspw. darin bestehen, einen vorab aufgenommenen Vortrag abzuspielen oder eine alternative Pr\u00fcfungsleistung zu erbringen, z.B. eine andere, nicht m\u00fcndliche, inhaltlich zugleich gleichwertige Leistung. Einen besonderen Stellenwert erhalten diesbez\u00fcglich Regelungen und Erfahrungen im Einsatz von Nachteilsausgleichen.<\/p>\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis und Verst\u00e4ndnis der Diagnose als unterst\u00fctzendes Konstrukt<\/h5>\n<p>Ein gutes Autismusverst\u00e4ndnis sowohl von den Studierenden im Spektrum als auch von den Dozierenden ist auch in diesem Bereich sehr wertvoll. So k\u00f6nnen einerseits die Studierenden Herausforderungen besser vorhersehen und einen Hilfebedarf besser benennen, andererseits k\u00f6nnen Dozierende besser punktuell unterst\u00fctzen. Sensorisch potenziell ablenkende Elemente w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation besser zu kontrollieren (offene Fenster, Lichtverh\u00e4ltnisse) oder im Bedarfsfall moderierende Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend des interaktiven Teils zu erbitten oder anzubieten, k\u00f6nnen darauf aufbauende Handlungsoptionen sein.<\/p>\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Analysieren Sie, welche Anteile an einer Pr\u00e4sentation f\u00fcr Sie besonders herausfordernd sein k\u00f6nnen. \u00dcbernehmen Sie Strategien, die Sie daf\u00fcr bei fr\u00fcheren Vortr\u00e4gen oder anderen Dozierenden als hilfreich empfunden haben.<\/li>\n<li>Sprechen Sie so fr\u00fch wie m\u00f6glich an, wenn Sie merken, dass der Auftrag oder das Setting Sie \u00fcberfordern und Sie Kl\u00e4rung, Unterst\u00fctzung oder eine Anpassung ben\u00f6tigen.<\/li>\n<li>Kl\u00e4ren Sie bei Unklarheiten aktiv ab, welche Erwartungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Benotung an Sie als pr\u00e4sentierende Person gestellt werden, einerseits bez\u00fcglich der inhaltlichen Tiefe des Vortrags, andererseits bez\u00fcglich der Bedeutsamkeit von Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, nonverbaler Kommunikation und didaktischer Gestaltung.<\/li>\n<li>Falls Sie sehr wenig nonverbale Kommunikation (Intonation, Blickkontakt) verwenden k\u00f6nnen, \u00fcberlegen Sie, ob die dozierende Person \u00fcber die Gr\u00fcnde aufgekl\u00e4rt werden sollte, um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden.<\/li>\n<li>Wenn es f\u00fcr Sie hilfreich ist, einzelne Schritte vorab mit einer Vertrauensperson zu besprechen, nutzen Sie dies.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Formulieren Sie die Erwartungen an die m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen ebenso wie R\u00fcckmelde- bzw. Benotungskriterien eindeutig und stellen Sie diese den Studierenden in schriftlicher Form zur Verf\u00fcgung.<\/li>\n<li>Kl\u00e4ren Sie organisatorische Rahmenbedingungen (Zeitplan, Technik etc.) vorab.<\/li>\n<li>Zeigen Sie sich offen f\u00fcr individuelle Unterst\u00fctzungsangebote und Anpassungen. Fragen Sie ggf. aktiv nach, was hilfreich sein kann (z.B. Reduktion sensorischer Ablenkung, Moderation).<\/li>\n<li>Reflektieren Sie die Relevanz kommunikativer Konventionen als Bewertungskriterium.<\/li>\n<li>Bieten Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall eine alternative Form der Leistungserbringung an.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Schriftliche Arbeiten<\/h3>\n<p>F\u00fcr das Anfertigen einer schriftlichen Arbeit ist es zentral, sich eigenst\u00e4ndig eine zeitliche und inhaltliche Struktur erstellen zu k\u00f6nnen, damit die Arbeit p\u00fcnktlich zum Termin fertig wird sowie inhaltlich und vom Umfang her den Vorgaben entspricht. Dies setzt voraus, dass die Studierenden weitgehend zuverl\u00e4ssig vorhersehen k\u00f6nnen, welche Teilschritte notwendig sind und wieviel Zeit und Energie sie f\u00fcr diese ben\u00f6tigen werden. Sowohl zum Einstieg als auch im weiteren Verlauf des Schreibens kann es wichtig sein, einen \u00dcberblick \u00fcber die Inhalte und Anforderungen zu haben, anstatt eine detailorientierte Herangehensweise zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Personen im Spektrum haben diese Wahlfreiheit manchmal nicht, da diese, neben dem \u00bbBlick f\u00fcrs Ganze\u00ab, gute organisatorische F\u00e4higkeiten erfordert (zeitliche Abfolge n\u00e4chster Handlungsschritte, Priorisierung, realistische zeitliche Terminierung). W\u00e4hrend viele nicht-autistische Menschen \u00bbtop down\u00ab an eine schriftliche Arbeit herangehen, ben\u00f6tigen Personen im Spektrum tendenziell eine l\u00e4ngere \u00bbbottom up\u00ab Phase, bis f\u00fcr sie eine Struktur deutlich oder realisierbar wird. Falls Studierende eine zeitliche und inhaltliche Struktur erarbeiten konnten oder eine vorgegeben wurde, kann eine Herausforderung darin bestehen, konstruktiv mit Abweichungen von diesem Plan umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nicht zu vergessen ist, dass eine schriftliche Arbeit in der Regel mit einem gro\u00dfen zus\u00e4tzlichen Zeitaufwand verbunden ist. Da viele Studierende im Spektrum bereits einen hohen Energieeinsatz ableisten und aufgrund der spezifischen Wahrnehmungsvoraussetzungen erh\u00f6hte Regenerationszeiten ben\u00f6tigen, um den (Studien-)Alltag meistern zu k\u00f6nnen, stellt eine schriftliche Arbeit eine zus\u00e4tzliche, in den Alltag zu integrierende Herausforderung dar. W\u00e4hrend andere Studierende in dieser Situation m\u00f6glicherweise vor\u00fcbergehend ihr Freizeitpensum reduzieren, fehlt Studierenden im Spektrum oft dieser Puffer.<\/p>\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\n<p>Kriterien und Rahmenbedingungen f\u00fcr schriftliche Arbeiten sind in der Regel umfangreicher und eindeutiger dokumentiert als z.B. bei Gruppenarbeiten. Eine hilfreiche Angabe, die jedoch h\u00e4ufig nicht gemacht wird, ist der einzuplanende Arbeits- und Zeitaufwand. Die Tiefe der Literaturrecherche kann bspw. sehr unterschiedlich interpretiert werden und entsprechend mehr oder weniger Zeit abverlangen.<\/p>\n<p>Eventuell ben\u00f6tigen Studierende im Spektrum aus den o. g. Gr\u00fcnden mehr Zeit zum Erstellen einer schriftlichen Arbeit oder haben M\u00fche, die vereinbarten Fristen p\u00fcnktlich einzuhalten, weil der Arbeitsaufwand \u00bbbottom up\u00ab schwerer zu kalkulieren ist.<\/p>\n<h5>Akzeptanz von individuellen Lernformen<\/h5>\n<p>Bei einer schriftlichen Arbeit gibt es vielfach vom Arbeitsbereich vorgegebene Leitf\u00e4den zur Begleitung Studierender bei schriftlichen Arbeiten. Da Studierende im Spektrum dazu tendieren k\u00f6nnen, sich sehr stark auf die Details zu fokussieren, und dar\u00fcber gerne mal den Kontext aus den Augen verlieren, k\u00f6nnte eine engmaschigere Begleitung mit klaren zeitlichen Vereinbarungen zielf\u00fchrend sein. Die Orientierung an einzelnen erfolgreichen Arbeiten aus dem Vorjahr kann zudem Klarheit hinsichtlich bestehender Erwartungen bieten.<\/p>\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\n<p>Ein breites Autismuswissen kann ein Verst\u00e4ndnis schaffen, dass auch eine schriftliche Aufgabe, welche auf den ersten Blick nicht mit autismusspezifischen Themen wie der Interaktion und der Kommunikation assoziiert wird, f\u00fcr Personen im Spektrum zu einer gr\u00f6\u00dferen Herausforderung als f\u00fcr nicht-autistische Studierende werden kann. Der vielfach hohe Energieaufwand f\u00fcr Handlungsplanungen, die Detailfokussierung als Pr\u00e4ferenz gegen\u00fcber der Kontextwahrnehmung sowie der hohe Stellenwert von klar formulierten Erwartungen und Vorhersehbarkeit k\u00f6nnen auf das Schreiben einer Arbeit Einfluss nehmen.<\/p>\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Verlieren Sie die Arbeit als Ganzes nicht aus den Augen. Erstellen Sie eine erste inhaltliche Gesamt\u00fcbersicht und eine zeitliche Planung und besprechen diese mit der Person, die Ihre Arbeit begleitet. \u00dcberpr\u00fcfen und revidieren Sie die Planung regelm\u00e4\u00dfig und in Absprache mit der Begleitperson.<\/li>\n<li>Thematisieren Sie bei bestehender Unsicherheit die erw\u00fcnschte inhaltliche Tiefe und Detailliertheit der inhaltlichen Bearbeitung.<\/li>\n<li>Besprechen Sie fr\u00fchzeitig m\u00f6gliche zeitliche Spielr\u00e4ume und Handlungsoptionen, falls eine Fristverl\u00e4ngerung f\u00fcr die Abgabe sinnvoll erscheint.<\/li>\n<li>Achten Sie darauf, Zeitfenster zum Schreiben der Arbeit zu w\u00e4hlen, die wenig st\u00f6rungsanf\u00e4llig sind. Falls Sie die M\u00f6glichkeit haben, pr\u00fcfen Sie, ob Sie sich f\u00fcr Abschlussarbeiten ein zus\u00e4tzliches Semester reservieren m\u00f6chten.<\/li>\n<li>Wenn Sie von einer engmaschigeren Begleitung im Erstellungsprozess der Arbeit profitieren w\u00fcrden, kl\u00e4ren Sie mit potenziellen Begleitpersonen im Voraus, ob dies m\u00f6glich ist.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Geben Sie soweit m\u00f6glich genaue Angaben zur zeitlichen Gewichtung verschiedener Elemente der schriftlichen Arbeit (z.B. Einleitung, inhaltliche Schwerpunkte, empirische Elemente, Diskussion) sowie der Bearbeitungsschritte (Literaturrecherche, Schreiben, Korrektur).<\/li>\n<li>Bieten Sie im Bedarfsfall eine engmaschigere Begleitung an, um den individuellen Unterst\u00fctzungsbedarf, den Bearbeitungsstand sowie m\u00f6gliche Hindernisse besprechen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Bieten Sie Textbeispiele von vorherigen Arbeiten bzw. das Lesen von Textpassagen der Studierenden an, um eine Sicherheit bez\u00fcglich der Passung zu bestehenden Anforderungen transparent zu machen.<\/li>\n<li>Sch\u00f6pfen Sie im begr\u00fcndeten Einzelfall Ihren Ermessensspielraum bei Fristverl\u00e4ngerungen aus und unterst\u00fctzen Sie die Studierenden ggf. bei notwendigen formalen Schritten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Workload im Kontext von Seminaren und Pr\u00fcfungen<\/h3>\n<p>Der Workload von Studierenden im Spektrum ist ein gro\u00dfes Thema w\u00e4hrend der Studienzeit. Er h\u00e4ngt unter anderen stark davon ab, wie klar Arbeitsauftr\u00e4ge definiert und ausformuliert oder wie pr\u00e4zise die Angaben zum Lernstoff sind. Die Struktur von Veranstaltungen hat ebenfalls einen hohen Einfluss darauf.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufig als herausfordernd erlebtes Beispiel stellt das Thema Pflichtliteratur dar. Einige Dozierende geben zu Beginn des Semesters eine mehrseitige Liste von pr\u00fcfungsrelevanter Pflichtliteratur ab, ohne diese jedoch in der Pr\u00fcfung zu ber\u00fccksichtigen. Andere Dozierende beziehen einen beachtlichen Teil der Pr\u00fcfungsfragen auf die Pflichtliteratur und fragen so Inhalte ab, die in der Veranstaltung nicht explizit thematisiert wurden.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel, welches den Workload von Studierenden im Spektrum direkt beeinflusst, ist die (fehlende) Genauigkeit der Angaben, wie detailliert der Pr\u00fcfungsstoff gelernt werden muss. W\u00e4hrend einige Dozierende dies sehr genau kommunizieren und mit Beispielfragen pr\u00e4zisieren, geben andere Dozierende auch auf Nachfrage keine Auskunft. Weitere Dozierende packen sehr viel detailliertes und differenziertes Wissen in ihre Skripts, stellen zugleich nur sehr allgemeine und oberfl\u00e4chliche Fragen in der Pr\u00fcfung. Abzusehen, wie das die jeweiligen Dozierenden handhaben, ist sicher f\u00fcr alle Studierenden nicht einfach. W\u00e4hrend jedoch die meisten Studierenden \u00fcber eine gute Vernetzung untereinander oder mit h\u00f6heren Jahrg\u00e4ngen verf\u00fcgen, fehlt diese Unterst\u00fctzung Studierenden im Spektrum h\u00e4ufig. F\u00fcr die Pr\u00fcfungssituation kann es dementsprechend eine Erschwernis darstellen, wenn zum einen teils deutlich mehr Stoff gelernt werden muss, zum anderen informelle Hinweise zur Pr\u00fcfungspraxis der Dozierenden fehlen.<\/p>\n<h4>Situative Anforderungen und autismusspezifische Aspekte<\/h4>\n<h5>Organisatorische Aspekte<\/h5>\n<p>Angaben zu Pflichtliteratur und Pr\u00fcfungsstoff online und visuell zur Verf\u00fcgung zu haben, kann hilfreich sein, um den Arbeitsaufwand besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Transparenz und Genauigkeit bez\u00fcglich der Pr\u00fcfungsrelevanz w\u00fcrden dazu beitragen, eine gr\u00f6\u00dfere Chancengleichheit herzustellen. Eine fehlende Transparenz kann dazu f\u00fchren, dass Studierende im Spektrum relevante Informationen und unterst\u00fctzende Handlungsstrategien nicht erhalten, die nicht-autistische Studierende untereinander prim\u00e4r auf informellen Wegen weitergeben.<\/p>\n<h5>Festgelegte Rollen und Machtgef\u00e4lle<\/h5>\n<p>Die Genauigkeit der vorab kommunizierten Angaben zu Pr\u00fcfungen liegt im Ermessen der einzelnen Dozierenden. Dies bedeutet, dass die Dozierenden die Konsequenzen ihrer Vorgehensweisen gut reflektieren und sich der Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der Studierenden bewusstwerden sollten. Insbesondere mit Blick auf Studierende im Spektrum, die einerseits in der Regel verst\u00e4rkt von Transparenz und Vorhersehbarkeit profitieren, andererseits vielfach nicht an informellen sozialen Kommunikationswegen partizipieren, kann eine ausbleibende Kl\u00e4rung von Erwartungen zu Benachteiligungen f\u00fchren.<\/p>\n<h5>Autismusverst\u00e4ndnis<\/h5>\n<p>Bei einer differenzierten Auseinandersetzung mit den autismusspezifischen Charakteristika und ihrer Relevanz im (Studien-)Alltag wird f\u00fcr Studierende wie Dozierende erkennbar, warum zahlreiche Situationen f\u00fcr Studierende im Spektrum mit einem deutlich erh\u00f6hten Energieaufwand verbunden sind, diese sozusagen einen best\u00e4ndig erh\u00f6hten Workload mit sich bringen. Klar formulierte Erwartungen, eine weitestm\u00f6gliche Vorhersehbarkeit der zu bew\u00e4ltigenden Anforderungen sowie Angebote, Unklarheiten zu besprechen, k\u00f6nnen dabei wesentliche Faktoren sein, um Stress zu reduzieren und den eigenen Potenzialen angemessen Raum zu geben. Auch nicht-autistische Studierende k\u00f6nnen von diesen Punkten profitieren. Wenn sie nicht gegeben sind, hat es f\u00fcr sie jedoch meist weniger weitreichende Konsequenzen, als dies f\u00fcr Personen im Spektrum haben kann.<\/p>\n<h4>Anregungen f\u00fcr Studierende und Dozierende<\/h4>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Studierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Erstellen Sie sich eine \u00dcbersicht mit allen zu leistenden oder zu lernenden Inhalten eines Semesters und \u00fcberpr\u00fcfen Sie regelm\u00e4\u00dfig, ob Sie im Zeitplan sind.<\/li>\n<li>Bitten Sie Dozierende ggf. um eine pr\u00e4zisere Eingrenzung des pr\u00fcfungsrelevanten Lehrmaterials. Kl\u00e4ren Sie sie dabei \u00fcber die Bedeutsamkeit von Klarheit und Vorhersehbarkeit f\u00fcr ihre Lernerfolge auf.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h5 class=\"textbox__title\">F\u00fcr Dozierende<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Bedenken Sie, ob Ihre Erwartungen an die Studierenden in Bezug auf ihren Workload und ihre Pr\u00fcfungsvorbereitungen f\u00fcr alle Studierenden gleicherma\u00dfen gut bew\u00e4ltigbar sind bzw. inwieweit Sie Vorbereitungsm\u00f6glichkeiten optimieren k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Nutzen Sie die Chancen gut strukturierter Veranstaltungen und Skripts, leicht zug\u00e4nglicher Informationen sowie transparenter Kommunikation als Unterst\u00fctzung des Lernens aller Studierenden.<\/li>\n<li>Seien Sie offen f\u00fcr individuelle Unterst\u00fctzungs- und Anpassungsangebote und planen diese gemeinsam mit den Studierenden im Spektrum.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Br\u00fccken bauen: Ein wechselseitiger Prozess<\/h2>\n<p>Eine gegenseitige Perspektiven\u00fcbernahme setzt eine offene und wertsch\u00e4tzende Begegnung auf Augenh\u00f6he voraus. Damit das gelingen kann, ben\u00f6tigt es sowohl bei Studierenden im Spektrum als auch bei Dozierenden einen reflektierten Umgang mit sich selbst und eine Offenheit f\u00fcr Wahrnehmungs- und Denkweisen, die sich von der eigenen unterscheiden. Zudem braucht es auf beiden Seiten ein Bewusstsein f\u00fcr m\u00f6gliche Herausforderungen im Hochschulkontext und eine Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.<\/p>\n<p>Einen guten Wegweiser kann dabei die \u00dcbersicht zur individuellen Vielfalt und den Gemeinsamkeiten im Autismus-Spektrum (siehe Abschnitt \u00bb<a href=\"#autismus-vielfalt\">Autismus \u2013 Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeiten<\/a>\u00ab) bieten. Diese erm\u00f6glicht es einerseits, die individuellen Erscheinungsformen des Autismus bei einer Person zu ergr\u00fcnden und zu beschreiben, andererseits, eine Br\u00fccke zur Wahrnehmung und den Denkprozessen von nicht-autistischen Personen zu bauen. Gesellschaftliche Normen und Erwartungen sowie kommunikative Konventionen k\u00f6nnen auf dieser Basis reflektiert und diskutiert werden.<\/p>\n<p>Konkrete Begegnungen und ein Wissen \u00fcbereinander bilden unseres Erachtens die beiden Hauptkomponenten, die es ben\u00f6tigt, um Vorurteilen und Stigmata entgegenzuwirken sowie positive Interaktionen zwischen Studierenden im Spektrum und Dozierenden entstehen zu lassen. Diese gelingenden Interaktionen haben wiederum einen ma\u00dfgeblichen Einfluss auch auf den Studienalltag und den Studienerfolg von Studierenden im Spektrum und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stressreduktion und Schaffung von Chancengleichheit.<\/p>\n<p>Das Br\u00fcckenbauen ist besonders gut gelungen, wenn nicht nur den Studierenden im Spektrum ihr Studium erleichtert wird, sondern auch die Dozierenden neue und positive Erfahrungen sammeln sowie einen Wissenszuwachs und pers\u00f6nlichen Gewinn aus den Interaktionen mitnehmen k\u00f6nnen. Von dieser Perspektivenerweiterung werden sicherlich alle Studierenden profitieren k\u00f6nnen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie sich im Spektrum befinden oder nicht.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p><strong>Grummt, M. (2023).<\/strong> Einf\u00fchrung in das Paradigma der Neurodiversit\u00e4t. In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 11\u201328). Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n<p><strong>Heuer, I. (2023).<\/strong> Neurodiversit\u00e4t \u2013 Ein inklusiveres, gendergerechteres Konzept? In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 61\u201374). Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n<p><strong>Lindmeier, C. &amp; Grummt, M. (2023).<\/strong> Neurodiversit\u00e4t und Autismus aus Sicht der P\u00e4dagogik der Nicht_Behinderung. In C. Lindmeier, M. Grummt &amp; M. Richter (Hrsg.), Autismus und Neurodiversit\u00e4t (S. 46\u201360). Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n<p><strong>Zimmermann, M. (2023).<\/strong> Anders nicht falsch. Z\u00fcrich: Kommode Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Version als PDF zum Download Von Eva Stucki &amp; Andreas Eckert Einleitung Studieren mit Autismus-Diagnose kann sowohl f\u00fcr die Studierenden selbst als auch f\u00fcr die Dozierenden zus\u00e4tzliche Herausforderungen mit sich bringen. 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