{"id":162,"date":"2026-05-20T10:52:57","date_gmt":"2026-05-20T08:52:57","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/?post_type=chapter&#038;p=162"},"modified":"2026-06-11T14:40:29","modified_gmt":"2026-06-11T12:40:29","slug":"best-practice02","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/chapter\/best-practice02\/","title":{"raw":"Best Practice f\u00fcr Hochschuldozent:innen und Tutor:innen","rendered":"Best Practice f\u00fcr Hochschuldozent:innen und Tutor:innen"},"content":{"raw":"<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/autismuni_german_best_practice_guide_02.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Version als PDF zum Download<\/a>\r\n\r\nEin Leitfaden zur Best Practice bei der Unterst\u00fctzung von Studenten aus dem Autismus-Spektrum von <a href=\"https:\/\/www.autism-uni.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">autism-uni.org<\/a>\r\n\r\nVon Marc Fabri, Penny C.S. Andrews und Heta K. Pukki\r\n<h2>Einleitung<\/h2>\r\n<h3>\u00dcber Autismus<\/h3>\r\n<strong>Autismus ist eine lebenslange Entwicklungsst\u00f6rung, die sich darauf auswirkt, wie eine Person mit anderen Menschen kommuniziert und mit ihnen<\/strong> und der Umgebung interagiert. Autismus ist eine Spektrumsst\u00f6rung; das hei\u00dft, dass sie sich bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich auswirkt. Ein wesentlicher Anteil autistischer Menschen hat durchschnittliche oder \u00fcberdurchschnittliche geistige F\u00e4higkeiten und ist gebildet, allerdings besteht bei einigen zus\u00e4tzlich eine Lernst\u00f6rung.\r\n\r\nAutismus kann zu Denk- und Verhaltensweisen f\u00fchren, die unn\u00f6tig rigide oder repetitiv erscheinen, zu Schwierigkeiten beim Verstehen von sozialer Interaktion und zu Schwierigkeiten, Informationen \u201enormal\" zu verarbeiten.\r\n\r\nAuf der anderen Seite haben viele autistische Menschen auch spezifische St\u00e4rken, etwa die F\u00e4higkeit sich intensiv zu konzentrieren, unkonventionelle Probleml\u00f6sungsstrategien zu entwickeln oder Fehler zu erkennen, die andere \u00fcbersehen w\u00fcrden. Die St\u00e4rken autistischer Menschen als Fachkr\u00e4fte in bestimmten Bereichen werden zunehmend auch weltweit von Unternehmen erkannt.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Herausforderungen, denen sich autistische Studenten gegen\u00fcbersehen<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<strong>Das soziale und physische Umfeld<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li>Schwierigkeit beim Erfassen ungeschriebener sozialer Regeln bei der Interaktion mit Tutor\/innen und Kommiliton\/innen.<\/li>\r\n \t<li>Schwierigkeit beim Ertragen von Hintergrundger\u00e4uschen, der Beleuchtung, Menschenmengen oder anderen sensorischen Aspekten des Universit\u00e4ts-Umfelds.<\/li>\r\n \t<li>Umgang mit der sozialen Isolation, die oft mit dem Leben in einer neuen Umgebung einhergeht.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4>Fehlen einer geeigneten Unterst\u00fctzung<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li>Von Beginn an fehlender Zugang zu geeigneter Unterst\u00fctzung.<\/li>\r\n \t<li>Fokus auf die \u201eDefizite\" des Autismus statt auf die St\u00e4rken, die die Student\/innen einbringen k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li>Fehlende Best\u00e4ndigkeit bei angemessenen Anpassungen, autismusspezifischen Leistungen und pers\u00f6nlichen Unterst\u00fctzungsleistungen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4>Unrealistische Erwartungen des Studenten<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li>Wie das Studieren an der Universit\u00e4t wirklich ist.<\/li>\r\n \t<li>Inhalt des Studienfachs oder Lehrgangs.<\/li>\r\n \t<li>Leistung auf dem selben hohen Standard wie im Sekundarbereich.<\/li>\r\n \t<li>Interessen und Engagements der Kommiliton\/innen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4>Herausforderungen bez\u00fcglich der Benotung (selbst, wenn die Materie beherrscht wird)<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li>Schwierigkeit bei der korrekten Interpretation mehrdeutiger und offener Aufgabenstellungen.<\/li>\r\n \t<li>Nicht verstehen, warum etwas getan werden muss.<\/li>\r\n \t<li>Schwierigkeit bei der Planung von Studienarbeiten und Korrekturen.<\/li>\r\n \t<li>Unsicherheit dar\u00fcber, wie viel Zeit f\u00fcr eine bestimmte Aufgabe aufgewandt werden muss.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4>\u00dcbergang in das Erwachsenenleben ben\u00f6tigt mehr Anstrengung als bei einem durchschnittlichen Studenten<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li>Erster Umzug aus dem Elternhaus.<\/li>\r\n \t<li>Zeitmanagement und Schaffung von Routinen.<\/li>\r\n \t<li>Nicht wissen, wie man effektiv die eigenen Rechte einfordert.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\nMan kann argumentieren, dass viele dieser Herausforderungen f\u00fcr alle angehenden Student\/innen gelten. Die meisten k\u00f6nnen sich relativ schnell an sie anpassen und bekommen Unterst\u00fctzung von ihren Freunden. F\u00fcr autistische Student\/innen dagegen k\u00f6nnen diese Herausforderungen schnell zu Angst, weiterer Isolierung, Depression und schlie\u00dflich dazu f\u00fchren, dass sie ihr Studium ganz abbrechen.\r\n\r\nDies stellt nat\u00fcrlich einen enormen Verlust f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft und Wirtschaft dar, da viele autistische Student\/innen \u00fcber besondere St\u00e4rken verf\u00fcgen, z.B. starker Einsatz und Konzentration auf das von ihnen gew\u00e4hlte Fach, Aufmerksamkeit f\u00fcr Details, Einhalten von Regeln, eine hohe Arbeitsmoral und ein Hang zu rationalem und logischem Denken.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Besorgen Sie sich unser kostenloses Online-Toolkit<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDas Projekt Autism&amp;Uni unterst\u00fctzt Student\/innen in dieser kritischen \u00dcbergangsphase durch ein Online-Toolkit. Das Toolkit ist in verschiedenen Sprachen erh\u00e4ltlich und kann den spezifischen Bed\u00fcrfnissen einer Universit\u00e4t, dem Umfeld und der Unterst\u00fctzungsstruktur angepasst werden.\r\n<strong>Weitere Details finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.autism-uni.org\/toolkits\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.autism-uni.org\/toolkits<\/a><\/strong>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>\u00dcber diesen Leitfaden<\/h2>\r\nWir haben diesen Leitfaden mit der Hilfe autistischer Student\/innen, ihrer Eltern, Universit\u00e4tstutor\/innen, Schullehrer\/innen und Mitarbeitern im Bereich von unterst\u00fctzenden Diensten entwickelt. In ihm sind unsere Ergebnisse zusammengefasst und die Best Practice hervorgehoben, insbesondere in den Projektpartnerl\u00e4ndern Gro\u00dfbritannien, Finnland, Niederlande, Polen und Spanien. Alle Zitate stammen aus Umfragen und Befragungen, die wir in diesen L\u00e4ndern im Jahr 2014 durchgef\u00fchrt haben.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Einige europ\u00e4ische Hochschuleinrichtungen bieten bereits Kombinationen der folgenden Dienste und Anpassungen an (dies sind nur Beispiele):<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Bewertungs- und Unterst\u00fctzungspl\u00e4ne von Behindertenf\u00f6rderungs-Teams an Universit\u00e4ten.<\/li>\r\n \t<li>Zus\u00e4tzliche Zeit und getrennte R\u00e4ume bei Pr\u00fcfungen.<\/li>\r\n \t<li>Erlaubnis, Laptops f\u00fcr schriftliche Pr\u00fcfungen zu benutzen.<\/li>\r\n \t<li>Kl\u00e4rung mehrdeutiger Formulierungen durch einen Assistenten bei Pr\u00fcfungen und Aufgaben.<\/li>\r\n \t<li>Verringerte Studiengeb\u00fchren.<\/li>\r\n \t<li>Besondere Vorkehrungen bei der Unterbringung des Studenten.<\/li>\r\n \t<li>Unterst\u00fctzende Software an allen Uni-Computern oder zur individuellen Nutzung.<\/li>\r\n \t<li>Pers\u00f6nliches Mentoring oder Coaching.<\/li>\r\n \t<li>Zus\u00e4tzliche Beteiligung von Studienberater\/innen, einschlie\u00dflich zus\u00e4tzlicher Zeit f\u00fcr Planung und Mitteilung des Bedarfs des Studenten an die Uni-Mitarbeiter.<\/li>\r\n \t<li>Einzel- oder Gruppentreffen mit Studienberater\/innen, die auf Autismus spezialisiert sind.<\/li>\r\n \t<li>Alternativen zu oder besondere Vorkehrungen bei Gruppenarbeiten und m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen.<\/li>\r\n \t<li>Karten, schriftliche Anweisungen und andere unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen zur Auffindung von Studienstandorten.<\/li>\r\n \t<li>Alle Vortragsfolien werden im Voraus bereitgestellt.<\/li>\r\n \t<li>Erlaubnis, Vortr\u00e4ge mitzuschneiden.<\/li>\r\n \t<li>Festgelegte Sitze, Computer, etc. in Vortragss\u00e4len und Klassenzimmern.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\nDas Wissen dar\u00fcber, wie man autistische Studenten am besten unterst\u00fctzen kann, ist jedoch in Europa nicht \u00fcberall einheitlich und variiert auch in den einzelnen L\u00e4ndern. Es existieren Inseln guter Praxis und dieser Leitfaden hat das Ziel, diese herauszustellen und zu f\u00f6rdern, um die Chancen und die Zahl der Hochschulstudenten aus dem autistischen Spektrum zu erh\u00f6hen.\r\n<h2>Best Practice f\u00fcr Hochschuldozent\/innen und Tutor\/innen<\/h2>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Hintergrund<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<strong>Autistische Student\/innen unterscheiden sich alle voneinander, aber viele haben den Umfragen von Autism&amp;Uni zufolge gleiche Sorgen, darunter:<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li>Kommunikation und Arbeiten in Gruppen.<\/li>\r\n \t<li>Mehrdeutige Fragen in Gespr\u00e4chen, Aufgaben und Examen.<\/li>\r\n \t<li>Nicht wissen, an wen man sich wegen Unterst\u00fctzungsleistungen wenden kann.<\/li>\r\n \t<li>Sich verirren.<\/li>\r\n \t<li>Gestresst oder abgelenkt sein durch bestimmte sensorische Aspekte.<\/li>\r\n \t<li>Sich Sorgen machen um das eigene Ma\u00df an Behinderung, missverstanden oder herabgesetzt zu werden.<\/li>\r\n \t<li>Angst, vor Publikum zu sprechen.<\/li>\r\n \t<li>Neigung, sich in Nebens\u00e4chlichkeiten zu verlieren oder zu lang \u00fcber die eigenen Spezialinteressen zu sprechen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Warum ist das ein Problem?<\/h3>\r\nAutistische Student\/innen und die Menschen und Organisationen, die sie unterst\u00fctzen, haben uns mitgeteilt, dass es eine Herausforderung war, Uni-Mitarbeiter\/innen davon zu \u00fcberzeugen, geeignete Anpassungen an der Gestaltung der Kurse, den Fristen und der \u00fcblichen Lehrpraxis vorzunehmen.\r\n\r\nNat\u00fcrlich finden viele Student\/innen Gruppenarbeit herausfordernd und viele h\u00e4tten gerne sp\u00e4tere Abgabetermine oder Aufgaben, bei denen von ihnen keine Interpretation verlangt wird, etc. Der Unterschied zu autistischen Student\/innen besteht jedoch darin, dass diese nur begrenzt dazu in der Lage sind, diesen Herausforderungen zu begegnen und dass ihr Ma\u00df an Angst deutlich h\u00f6her ist.\r\n\r\nEinfach nur zu sagen: \u201eDas wird schon gut werden\" hilft dabei nicht. Es muss klar und deutlich gesagt werden, was von den Student\/innen erwartet wird, einschlie\u00dflich der Lernergebnisse, der Kurzbeschreibungen und der Benotungsgrunds\u00e4tze.\r\n<h3>Was k\u00f6nnen wir dabei tun?<\/h3>\r\nDie Umfrage von Autism&amp;Uni und das Mapping der Angebote in den Partnerl\u00e4ndern haben einige positive Beispiele lokaler und nationaler Organisationen mit Autismus-Expertise ans Licht gebracht, die Beratung und Fortbildung f\u00fcr Hochschul-Mitarbeiter\/innen und -Fachbereiche anbieten.\r\nHierzu geh\u00f6ren z.B. Handicap&amp;Studie in den Niederlanden, Autismis\u00e4\u00e4ti\u00f6 und Omavoima in Finnland, JiM in Polen, Autismo Burgos in Spanien und die National Autistic Society in Gro\u00dfbritannien (siehe auch die Liste der Fallbeispiele am Ende dieses Leitfadens).\r\nPers\u00f6nliche Tutor\/innen k\u00f6nnen der Schl\u00fcssel zum Erfolg f\u00fcr autistische Student\/innen sein, da es f\u00fcr viele von ihnen schwierig ist, selbst Kommunikation mit anderen aufzunehmen oder ohne fremde Hilfe geeignete Angebote zu finden, wenn sie in Not sind. Besonders dort, wo es innerhalb einer Hochschule keine einheitliche Behindertenf\u00f6rderung gibt, kann der pers\u00f6nliche Tutor die erste und einzige Person sein, die von entstehenden Herausforderungen wei\u00df, die sich auf den Studienfortschritt des Studenten auswirken und er kann als nat\u00fcrliche Anlaufstelle zwischen der Hochschule und externen Organisationen dienen, die spezialisierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Autist\/innen anbieten.\r\nAuch Dozent\/innen kann eine bedeutsame Rolle bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf geeignete Anpassungen zukommen und sie sollten \u00fcber ein Grundwissen \u00fcber Autismus verf\u00fcgen, um informierte Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen.\r\nDie Universit\u00e4t Brighton in Gro\u00dfbritannien hat ein Projekt entwickelt, das das Team f\u00fcr Behindertenf\u00f6rderung und das Centre for Learning and Teaching zusammenbringt (Morris, 2011). Aus dieser Studie ist klargeworden, dass barrierefreie Lernumfelder, die sensorische Probleme mit ber\u00fccksichtigen, und inklusive Lehrpraktiken ebenso wichtig f\u00fcr den Erfolg autistischer Student\/innen sind wie individuelle Unterst\u00fctzung und es wird empfohlen, dass das Lehrpersonal diesen Artikel und seine Empfehlungen vollst\u00e4ndig lesen.\r\n<a href=\"#Universelles Lerndesign (UDL)\">Siehe auch unsere Informationen zum Universellen Lerndesign (ULD).<\/a>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Kernpunkte (Gute Praxis, die man \u00fcbernehmen und weitergeben kann)<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<strong>Diese konzentrieren sich auf universit\u00e4tsweite und strategische \u00c4nderungen, die Unterst\u00fctzung durch die Hochschulleitung erfordern.<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li>Wenn Sie mit Student\/innen reden, konzentrieren Sie sich nicht nur auf m\u00f6gliche Herausforderungen, sondern identifizieren Sie auch die St\u00e4rken der Student\/innen und das, was sie an Beitr\u00e4gen zu ihrer Studiensituation leisten k\u00f6nnen; viele autistische Student\/innen zeigen einen intensiven Einsatz und starke Konzentration auf das von ihnen gew\u00e4hlte Fach, Aufmerksamkeit f\u00fcr Details und eine hohe Arbeitsmoral, etc.<\/li>\r\n \t<li>F\u00f6rdern Sie enge Beziehungen zwischen pers\u00f6nlichen Tutor\/innen und Student\/innen; autistische Student\/innen profitieren besonders von Konsistenz bei diesen Beziehungen, mit derselben Kontaktperson w\u00e4hrend der gesamten Studiendauer.<\/li>\r\n \t<li>Wenn man Sie bittet, geeignete Anpassungen oder besondere Vorkehrungen vorzunehmen, finden Sie heraus, ob Ihre Einrichtung \u00fcber generelle Richtlinien im Umgang mit autistischen Student\/innen verf\u00fcgt.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie sich unsicher sind, wie Unterst\u00fctzung zu leisten ist oder wie die Angebote angepasst werden m\u00fcssen, organisieren Sie Treffen mit dem Studenten und seinem Betreuer, Studienberater, Studentenberater, Behindertenberater oder anderen Fachkr\u00e4ften, die in der Lage sind, Sie zu beraten.<\/li>\r\n \t<li>Kommunizieren Sie mit Studentendiensten, Betreuern oder anderen zust\u00e4ndigen Fachkr\u00e4ften, wenn Sie Sorgen haben wegen Anzeichen von Depression, Angstst\u00f6rungen oder einer zur\u00fcckgehenden Studienleistung.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie Treffen organisieren, versuchen Sie sicherzustellen, dass es in dem Raum keine visuellen und akustischen Ablenkungen gibt, die es den Student\/innen unm\u00f6glich machen, sich zu konzentrieren; z\u00f6gern Sie nicht, die Student\/innen nach ihren spezifischen diesbez\u00fcglichen Bed\u00fcrfnissen zu fragen.<\/li>\r\n \t<li>Sprechen Sie mit den autistischen Student\/innen dar\u00fcber, ob es f\u00fcr ihn in Ordnung ist, anderen Student\/innen ihre Diagnose mitzuteilen; meist ist dies eine gute Idee, jedoch m\u00fcssen auch die Kommilitonen ausreichendes Wissen \u00fcber Autismus verf\u00fcgen.<\/li>\r\n \t<li>\u00dcberlegen Sie sich Wege, wie man barrierefreie Lernumfelder schaffen kann, die f\u00fcr autistische Student\/innen wichtig sind (und von denen auch andere profitieren k\u00f6nnen):\r\n<ul>\r\n \t<li>Teilen Sie klar und eindeutig mit, was die Grenzen, Erwartungen und Lernergebnisse sind, entweder, indem Sie die Informationen w\u00e4hrend der Unterrichtsstunden mitteilen oder sie online verf\u00fcgbar machen.<\/li>\r\n \t<li>Pr\u00fcfen Sie, ob die Informationen, die Sie den Student\/innen geben, klar, konzise und eindeutig sind. Erkl\u00e4ren Sie stets, warum Sie etwas von einem Studenten verlangen.<\/li>\r\n \t<li>Achten Sie bei der Fehlerkorrektur darauf, dass Missverst\u00e4ndnisse auftreten k\u00f6nnen, wenn autistische Student\/innen mehrdeutige Ausdr\u00fccke interpretieren sollen.<\/li>\r\n \t<li>Bieten Sie, wenn m\u00f6glich, Folien und Handouts im Voraus an und \u00fcberlegen Sie, ob Audio- oder Videomitschnitte von Vorlesungen m\u00f6glich sind; diese Praktiken k\u00f6nnen f\u00fcr autistische Student\/innen wirklich hilfreich sein, da sie \u00c4ngste vermindern und ihnen dabei helfen, ihre Arbeit zu organisieren.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie eine \u00c4nderung von R\u00e4umen, Bewertungsbedingungen oder anderen Pl\u00e4nen vornehmen m\u00fcssen, geben Sie dies so fr\u00fchzeitig wie m\u00f6glich bekannt.<\/li>\r\n \t<li>Geben Sie Unterst\u00fctzung bei Arbeiten in Gruppen, greifen Sie ein, wenn die Kommunikation zu scheitern droht, die Arbeitsaufteilung unfair ist oder ein Mitglied der Gruppe von den anderen ausgeschlossen wird; ermuntern Sie die Gruppe, vor Beginn der Arbeit Grundregeln aufzustellen.<\/li>\r\n \t<li>Geben Sie Unterst\u00fctzung bei der F\u00e4higkeit zu m\u00fcndlicher Pr\u00e4sentation und seien Sie bereit, autismusspezifische Schwierigkeiten, wie fehlende K\u00f6rpersprache, Augenkontakt, besonders langsames oder schnelles Sprechen, zu ignorieren.<\/li>\r\n \t<li>Seien Sie offen f\u00fcr neue, auch unorthodoxe Arbeitsmethoden; ermutigen Sie Student\/innen dazu, auf ihre Art zu studieren, mit flexiblen Ans\u00e4tzen in Bezug auf Abgabefristen, Kursarbeit und Studienmethoden, wenn dies den Studenten dabei hilft, sich besser auf das Lehrmaterial zu konzentrieren.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<h3 class=\"textbox__title\">Was man tun kann (Dinge, die Sie sofort umsetzen k\u00f6nnen)<\/h3>\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Lernen Sie mehr \u00fcber das autistische Spektrum allgemein und \u00fcber die spezifischen Herausforderungen und Erfordernisse Ihres Student\/innen.<\/li>\r\n \t<li>Bitten Sie um Fortbildung bei der Unterst\u00fctzung f\u00fcr autistische Student\/innen, absolvieren Sie diese Fortbildung und besprechen Sie mit anderen Mitarbeitern, die mit Ihren Student\/innen arbeiten, inwieweit diese eine Fortbildung ben\u00f6tigen.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie bereits eine Fortbildung absolviert haben, geben Sie Ihr Wissen an Ihre Kolleg\/innen weiter.<\/li>\r\n \t<li>Wenn Sie hierzu die Gelegenheit haben, reden Sie mit autistischen Student\/innen in einer sp\u00e4teren Phase ihres Studiums und finden Sie heraus, welche Unterst\u00fctzung f\u00fcr sie hilfreich war und welche zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung ihnen geholfen h\u00e4tte.<\/li>\r\n \t<li>Nehmen Sie Kontakt zu Mitarbeitern im Bereich der Behindertenhilfe bzw. Unterst\u00fctzung von Autist\/innen an Ihrer Einrichtung auf und besprechen Sie, welche \u00c4nderungen Sie an Ihrer Lehrpraxis vornehmen sollten; manchmal sind diese \u00c4nderungen spezifisch f\u00fcr Ihren Fall und k\u00f6nnen nicht ohne Weiteres \u00fcbertragen werden, daher ist es ratsam, diese eingehend zu untersuchen.<\/li>\r\n \t<li>Wenn eine geeignete Fortbildung nicht zur Verf\u00fcgung steht, stellen Sie einen Antrag beim zust\u00e4ndigen Fachbereich innerhalb Ihrer Einrichtung oder bei einer externen Organisation mit Expertise im Bereich Autismus, sodass eine solche Fortbildung geschaffen werden kann. In Deutschland bietet autismus Deutschland e.V. (<a href=\"https:\/\/www.autismus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.autismus.de<\/a>) \u00fcber seine autismus Deutschland-Akademie ein breites Fortbildungsangebot an.<\/li>\r\n \t<li>Zeigen Sie eine positive Einstellung in Bezug auf Vorkehrungen und Mittel, die es den Student\/innen erlauben, besser mit ihrem sensorischen Umfeld fertig zu werden, etwa besonders zugewiesene Sitze, das Tragen von H\u00fcten, M\u00fctzen oder get\u00f6nten Brillen im Geb\u00e4ude, das Tragen von Kopfh\u00f6rern oder \"Stress Toys.\"<\/li>\r\n \t<li>Stellen Sie klar, dass w\u00e4hrend der Unterrichtsstunde Student\/innen den Raum jederzeit verlassen d\u00fcrfen, wenn sie sich \u00e4ngstlich oder sensorisch \u00fcberfordert f\u00fchlen und dass sie hierf\u00fcr nicht kritisiert oder bestraft werden.<\/li>\r\n \t<li>Pr\u00fcfen Sie Hausaufgaben und Examensfragen, ob sie mehrdeutige Formulierungen enthalten; das bedeutet nicht, dass jede Mehrdeutigkeit entfernt werden muss, sondern dass deutlich gemacht wird, wann Mehrdeutigkeiten bewusst zu p\u00e4dagogischen Zwecken eingesetzt werden und wann sie lediglich unbeabsichtigt in den Texten enthalten sind.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Die Bedeutung von Unterst\u00fctzung zum richtigen Zeitpunkt<\/h3>\r\nDie Autism&amp;Uni-Umfragen richteten sich an Student\/innen, die das Studium abgebrochen haben und solche, die ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Rechtzeitige Unterst\u00fctzung oder ihr Fehlen war der entscheidende Faktor daf\u00fcr, ob sie ihr Studium fortgesetzt haben oder nicht.\r\nAuf die Frage, ob sie w\u00e4hrend ihres Studiums autismusbezogene Unterst\u00fctzung bekommen haben, antworteten 39% mit Ja, 47% gaben an, damals nicht diagnostiziert gewesen zu sein, und 14% hatten zwar eine Diagnose, aber keine Unterst\u00fctzung erhalten.\r\nDiejenigen, die Unterst\u00fctzung erhalten haben, gaben an, dass diese zu folgenden Zeitpunkten begann: 21% vor Beginn des Studiums, 14% in der ersten Woche des Studiums, 7% im ersten Monat des Studiums, 10% vor Ende des ersten Semesters und 48% erst nach dem ersten Semester.\r\n<h3 id=\"Universelles Lerndesign (UDL)\">Universelles Lerndesign (UDL)<\/h3>\r\nDas Konzept des Universellen Designs entstammt dem Bereich der Architektur und konzentriert sich auf ein Design, das R\u00fccksicht auf eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Bandbreite von Nutzer\/innen nimmt, darunter auch solche mit Behinderungen.\r\n\r\nDas Universelle Lerndesign bezieht sich darauf, verschiedene Gruppen von Student\/innen einzubeziehen und zu unterst\u00fctzen, egal, welchen Hintergrund, welchen Status oder welche Behinderung sie haben.\r\n\r\nEine weit verbreitete falsche Vorstellung besteht darin, dass das Universelle Design \u201eeine einzige L\u00f6sung f\u00fcr alle\" f\u00f6rdert \u2013 das ist jedoch nicht der Fall. Was es tats\u00e4chlich bedeutet, ist die Verf\u00fcgbarkeit von Optionen: Student\/innen mehrere und unterschiedliche M\u00f6glichkeiten zu bieten, am Lernprozess teilzuhaben und zu zeigen, was sie gelernt haben.\r\n\r\nEin ULD-Ansatz bevorzugt Unterrichtsstrategien, die proaktiv so gestaltet sind, dass sie mehrere Lernwege erm\u00f6glichen statt retroaktiv sich auf die \u00c4nderung bestehenden Materials in der Weise zu konzentrieren, dass es den Bed\u00fcrfnissen einer bestimmten Gruppe entspricht.\r\n\r\nEin Beispiel f\u00fcr proaktives Design ist es, ALLEN Student\/innen die Option zu lassen, wie sie die ihnen gestellten Aufgaben pr\u00e4sentieren wollen, entsprechend ihren Kommunikationsf\u00e4higkeiten und Vorlieben. Ein Beispiel f\u00fcr retroaktives Design ist die Praxis, f\u00fcr angemessene Anpassungen bestehender Lernmaterialien und Pr\u00fcfungsanordnungen zu sorgen.\r\n\r\nQuellen: Bublitz et al. (2015), CAST (2011)\r\n<h3>\u00dcber die Autor\/innen<\/h3>\r\n<h4>Dr Marc Fabri, Leeds Beckett-Universit\u00e4t, Gro\u00dfbritannien<\/h4>\r\nMarc ist der Projektleiter von Autism&amp;Uni und ein Dozent und Forscher im Bereich assistierender Technik. Seine Forschung konzentriert sich auf partizipatorische Designmethoden, Evaluierung der Benutzererfahrung und Erm\u00f6glichung positiver Verhaltens\u00e4nderung.\r\n<h4>Penny Andrews, Leeds Beckett-Universit\u00e4t, Gro\u00dfbritannien<\/h4>\r\nPenny ist die Forschungsassistentin f\u00fcr Autism&amp;Uni und Doktorandin an der Universit\u00e4t Sheffield, wo sie universit\u00e4re soziale Netzwerke erforscht. Sie ist au\u00dferdem Autorin, K\u00fcnstlerin, Performerin, Sprinterin und ausgebildete Bibliothekarin. Sie erhielt ihre Autismusdiagnose als Studentin.\r\n<h4>Heta Pukki, Keskuspuisto Vocational College, Helsinki, Finnland<\/h4>\r\nHetas Arbeit f\u00fcr Autism&amp;Uni konzentriert sich auf die Verbreitung der Ergebnisse und auf Unterschiede in kulturellen Kontexten und Angebotssystemen. Sie verf\u00fcgt \u00fcber einen Abschluss in Sonderp\u00e4dagogik und in Biologie. Heta bezeichnet sich als autistisch und besch\u00e4ftigt sich seit achtzehn Jahren als Autorin, \u00dcbersetzerin, Erzieherin, Projektarbeiterin und NGO-Aktivistin mit Autismus.\r\n<h2>Danksagungen<\/h2>\r\nWir danken den folgenden Personen f\u00fcr ihre hilfreichen Beitr\u00e4ge und Kommentare: Antti Aavikko, Jan-Mikael Fredriksson, Daria Modrzejewska, Amanda Szukalska, Paul Quantock, Natasha Stash, Alejandro Montes Garc\u00eda, Mar\u00eda Merino, Miguel Lancho, Christian Garc\u00eda, Roy Houtkamp, Harriet Cannon, Kate Dean, Kate Myers, Matt Tucker, Danny Gallacher, Steven Chamberlain, Diane McClymont.\r\nDas Projekt Autism&amp;Uni (AUTHEW) wurde finanziert mit Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Kommission. Diese Publikation spiegelt nur die Ansichten der Autoren wieder und die Kommission kann nicht f\u00fcr die Verwendung verantwortlich gemacht werden, die von den darin enthaltenen Informationen gemacht wird.\r\nDeutsche \u00dcbersetzung: Rainer D\u00f6hle, Berlin\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<strong>Baines, A.D., 2012.<\/strong> Positioning, strategizing, and charming: how students with autism construct identities in relation to disability. Disability &amp; Society 27, 547\u2013561. doi:10.1080\/09687599.2012.662825\r\n\r\n<strong>Broek, A. van den, Muskens, M., Winkels, J., 2012.<\/strong> Studeren met een functiebeperking 2012. De relatie tussen studievoortgang, studieuitval en het gebruik van voorzieningen. Eindmeting onderzoek \u201aStuderen met een functiebeperking'. Onderzoek in opdracht van Ministerie van OCW.\r\n\r\n<strong>Bublitz, D., Wong, V., Donachie, A., Brooks, P.J., Gillespie-Lynch, K. 2015.<\/strong> Applying Universal Design to build supports for college students with autism spectrum disorder, in Roberta V. Nata (Ed.), Progress in Education, vol 36, Nova Publishing, 1-24.\r\n\r\n<strong>CAST, 2011.<\/strong> Universal Design for Learning Guidelines version 2.0. Wakefield, MA. Retrieved from http:\/\/www.udlcenter.org\/aboutudl\/udlguidelines\/downloads\r\n\r\n<strong>Davidson, J., Henderson, V.L., 2010.<\/strong> \u201eComing out\" on the spectrum: autism, identity and disclosure. Social &amp; Cultural Geography 11, 155\u2013170. doi:10.1080\/14649360903525240\r\n\r\n<strong>HESA, 2013.<\/strong> Table 14 - First year UK domiciled HE students by level of study, sex, mode of study and disability 2012\/13.\r\n\r\n<strong>Huws, J.C., Jones, R.S.P., 2008.<\/strong> Diagnosis, disclosure, and having autism: An interpretative phenomenological analysis of the perceptions of young people with autism. Journal of Intellectual and Developmental Disability 33, 99\u2013107. doi:10.1080\/13668250802010394\r\n\r\n<strong>Kenny, L., Hattersley, C., Molins B., Buckley, B., Povey, C., Pellicano, E., 2015.<\/strong> How Should We Describe Autism? Perspectives from the UK Autism Community. IMFAR conference, Salt Lake City, US.\r\n\r\n<strong>Madriaga, M., 2010.<\/strong> \u201eI avoid pubs and the student union like the plague\": Students with Asperger Syndrome and their negotiation of university spaces. Children's Geographies 8, 39\u201350. doi:10.1080\/14733280903500166\r\n\r\n<strong>Morris, C., 2011.<\/strong> The Aspect project: Working together to enhance the learning experiences of students with Asperger syndrome at the University of Brighton, in: Partnerships: Articles from the Learning and Teaching Conference 2010. University of Brighton Press.\r\n\r\n<strong>Ratcliffe, R., 2014.<\/strong> Helping students with Asperger's prepare for university life. The Guardian, UK, http:\/\/www.theguardian.com\/education\/2014\/sep\/09\/students-aspergers-ready-university-life\r\n\r\n<strong>The NHS Information Centre, Community and Mental Health Team, Brugha, T. et al, 2012.<\/strong> Estimating the prevalence of autism spectrum conditions in adults: extending the 2007 Adult Psychiatric Morbidity Survey. Leeds: NHS Information Centre for Health and Social Care.\r\n\r\n<strong>Tobajas, F., De Armas, V., Cabello, M.D., Grijalvo, F., 2014.<\/strong> Supporting students with special needs at university through peer mentoring, in: Global Engineering Education Conference (EDUCON), 2014 IEEE. IEEE, pp. 701\u2013705.","rendered":"<p><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/studiumlehreneurodiversitaet\/wp-content\/uploads\/sites\/110\/2026\/05\/autismuni_german_best_practice_guide_02.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Version als PDF zum Download<\/a><\/p>\n<p>Ein Leitfaden zur Best Practice bei der Unterst\u00fctzung von Studenten aus dem Autismus-Spektrum von <a href=\"https:\/\/www.autism-uni.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">autism-uni.org<\/a><\/p>\n<p>Von Marc Fabri, Penny C.S. Andrews und Heta K. Pukki<\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<h3>\u00dcber Autismus<\/h3>\n<p><strong>Autismus ist eine lebenslange Entwicklungsst\u00f6rung, die sich darauf auswirkt, wie eine Person mit anderen Menschen kommuniziert und mit ihnen<\/strong> und der Umgebung interagiert. Autismus ist eine Spektrumsst\u00f6rung; das hei\u00dft, dass sie sich bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich auswirkt. Ein wesentlicher Anteil autistischer Menschen hat durchschnittliche oder \u00fcberdurchschnittliche geistige F\u00e4higkeiten und ist gebildet, allerdings besteht bei einigen zus\u00e4tzlich eine Lernst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Autismus kann zu Denk- und Verhaltensweisen f\u00fchren, die unn\u00f6tig rigide oder repetitiv erscheinen, zu Schwierigkeiten beim Verstehen von sozialer Interaktion und zu Schwierigkeiten, Informationen \u201enormal&#8220; zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite haben viele autistische Menschen auch spezifische St\u00e4rken, etwa die F\u00e4higkeit sich intensiv zu konzentrieren, unkonventionelle Probleml\u00f6sungsstrategien zu entwickeln oder Fehler zu erkennen, die andere \u00fcbersehen w\u00fcrden. Die St\u00e4rken autistischer Menschen als Fachkr\u00e4fte in bestimmten Bereichen werden zunehmend auch weltweit von Unternehmen erkannt.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Herausforderungen, denen sich autistische Studenten gegen\u00fcbersehen<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><strong>Das soziale und physische Umfeld<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Schwierigkeit beim Erfassen ungeschriebener sozialer Regeln bei der Interaktion mit Tutor\/innen und Kommiliton\/innen.<\/li>\n<li>Schwierigkeit beim Ertragen von Hintergrundger\u00e4uschen, der Beleuchtung, Menschenmengen oder anderen sensorischen Aspekten des Universit\u00e4ts-Umfelds.<\/li>\n<li>Umgang mit der sozialen Isolation, die oft mit dem Leben in einer neuen Umgebung einhergeht.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Fehlen einer geeigneten Unterst\u00fctzung<\/h4>\n<ul>\n<li>Von Beginn an fehlender Zugang zu geeigneter Unterst\u00fctzung.<\/li>\n<li>Fokus auf die \u201eDefizite&#8220; des Autismus statt auf die St\u00e4rken, die die Student\/innen einbringen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Fehlende Best\u00e4ndigkeit bei angemessenen Anpassungen, autismusspezifischen Leistungen und pers\u00f6nlichen Unterst\u00fctzungsleistungen.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Unrealistische Erwartungen des Studenten<\/h4>\n<ul>\n<li>Wie das Studieren an der Universit\u00e4t wirklich ist.<\/li>\n<li>Inhalt des Studienfachs oder Lehrgangs.<\/li>\n<li>Leistung auf dem selben hohen Standard wie im Sekundarbereich.<\/li>\n<li>Interessen und Engagements der Kommiliton\/innen.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Herausforderungen bez\u00fcglich der Benotung (selbst, wenn die Materie beherrscht wird)<\/h4>\n<ul>\n<li>Schwierigkeit bei der korrekten Interpretation mehrdeutiger und offener Aufgabenstellungen.<\/li>\n<li>Nicht verstehen, warum etwas getan werden muss.<\/li>\n<li>Schwierigkeit bei der Planung von Studienarbeiten und Korrekturen.<\/li>\n<li>Unsicherheit dar\u00fcber, wie viel Zeit f\u00fcr eine bestimmte Aufgabe aufgewandt werden muss.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>\u00dcbergang in das Erwachsenenleben ben\u00f6tigt mehr Anstrengung als bei einem durchschnittlichen Studenten<\/h4>\n<ul>\n<li>Erster Umzug aus dem Elternhaus.<\/li>\n<li>Zeitmanagement und Schaffung von Routinen.<\/li>\n<li>Nicht wissen, wie man effektiv die eigenen Rechte einfordert.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Man kann argumentieren, dass viele dieser Herausforderungen f\u00fcr alle angehenden Student\/innen gelten. Die meisten k\u00f6nnen sich relativ schnell an sie anpassen und bekommen Unterst\u00fctzung von ihren Freunden. F\u00fcr autistische Student\/innen dagegen k\u00f6nnen diese Herausforderungen schnell zu Angst, weiterer Isolierung, Depression und schlie\u00dflich dazu f\u00fchren, dass sie ihr Studium ganz abbrechen.<\/p>\n<p>Dies stellt nat\u00fcrlich einen enormen Verlust f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft und Wirtschaft dar, da viele autistische Student\/innen \u00fcber besondere St\u00e4rken verf\u00fcgen, z.B. starker Einsatz und Konzentration auf das von ihnen gew\u00e4hlte Fach, Aufmerksamkeit f\u00fcr Details, Einhalten von Regeln, eine hohe Arbeitsmoral und ein Hang zu rationalem und logischem Denken.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Besorgen Sie sich unser kostenloses Online-Toolkit<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Das Projekt Autism&amp;Uni unterst\u00fctzt Student\/innen in dieser kritischen \u00dcbergangsphase durch ein Online-Toolkit. Das Toolkit ist in verschiedenen Sprachen erh\u00e4ltlich und kann den spezifischen Bed\u00fcrfnissen einer Universit\u00e4t, dem Umfeld und der Unterst\u00fctzungsstruktur angepasst werden.<br \/>\n<strong>Weitere Details finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.autism-uni.org\/toolkits\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.autism-uni.org\/toolkits<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>\u00dcber diesen Leitfaden<\/h2>\n<p>Wir haben diesen Leitfaden mit der Hilfe autistischer Student\/innen, ihrer Eltern, Universit\u00e4tstutor\/innen, Schullehrer\/innen und Mitarbeitern im Bereich von unterst\u00fctzenden Diensten entwickelt. In ihm sind unsere Ergebnisse zusammengefasst und die Best Practice hervorgehoben, insbesondere in den Projektpartnerl\u00e4ndern Gro\u00dfbritannien, Finnland, Niederlande, Polen und Spanien. Alle Zitate stammen aus Umfragen und Befragungen, die wir in diesen L\u00e4ndern im Jahr 2014 durchgef\u00fchrt haben.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Einige europ\u00e4ische Hochschuleinrichtungen bieten bereits Kombinationen der folgenden Dienste und Anpassungen an (dies sind nur Beispiele):<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Bewertungs- und Unterst\u00fctzungspl\u00e4ne von Behindertenf\u00f6rderungs-Teams an Universit\u00e4ten.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzliche Zeit und getrennte R\u00e4ume bei Pr\u00fcfungen.<\/li>\n<li>Erlaubnis, Laptops f\u00fcr schriftliche Pr\u00fcfungen zu benutzen.<\/li>\n<li>Kl\u00e4rung mehrdeutiger Formulierungen durch einen Assistenten bei Pr\u00fcfungen und Aufgaben.<\/li>\n<li>Verringerte Studiengeb\u00fchren.<\/li>\n<li>Besondere Vorkehrungen bei der Unterbringung des Studenten.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzende Software an allen Uni-Computern oder zur individuellen Nutzung.<\/li>\n<li>Pers\u00f6nliches Mentoring oder Coaching.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzliche Beteiligung von Studienberater\/innen, einschlie\u00dflich zus\u00e4tzlicher Zeit f\u00fcr Planung und Mitteilung des Bedarfs des Studenten an die Uni-Mitarbeiter.<\/li>\n<li>Einzel- oder Gruppentreffen mit Studienberater\/innen, die auf Autismus spezialisiert sind.<\/li>\n<li>Alternativen zu oder besondere Vorkehrungen bei Gruppenarbeiten und m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen.<\/li>\n<li>Karten, schriftliche Anweisungen und andere unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen zur Auffindung von Studienstandorten.<\/li>\n<li>Alle Vortragsfolien werden im Voraus bereitgestellt.<\/li>\n<li>Erlaubnis, Vortr\u00e4ge mitzuschneiden.<\/li>\n<li>Festgelegte Sitze, Computer, etc. in Vortragss\u00e4len und Klassenzimmern.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Das Wissen dar\u00fcber, wie man autistische Studenten am besten unterst\u00fctzen kann, ist jedoch in Europa nicht \u00fcberall einheitlich und variiert auch in den einzelnen L\u00e4ndern. Es existieren Inseln guter Praxis und dieser Leitfaden hat das Ziel, diese herauszustellen und zu f\u00f6rdern, um die Chancen und die Zahl der Hochschulstudenten aus dem autistischen Spektrum zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<h2>Best Practice f\u00fcr Hochschuldozent\/innen und Tutor\/innen<\/h2>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Hintergrund<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><strong>Autistische Student\/innen unterscheiden sich alle voneinander, aber viele haben den Umfragen von Autism&amp;Uni zufolge gleiche Sorgen, darunter:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Kommunikation und Arbeiten in Gruppen.<\/li>\n<li>Mehrdeutige Fragen in Gespr\u00e4chen, Aufgaben und Examen.<\/li>\n<li>Nicht wissen, an wen man sich wegen Unterst\u00fctzungsleistungen wenden kann.<\/li>\n<li>Sich verirren.<\/li>\n<li>Gestresst oder abgelenkt sein durch bestimmte sensorische Aspekte.<\/li>\n<li>Sich Sorgen machen um das eigene Ma\u00df an Behinderung, missverstanden oder herabgesetzt zu werden.<\/li>\n<li>Angst, vor Publikum zu sprechen.<\/li>\n<li>Neigung, sich in Nebens\u00e4chlichkeiten zu verlieren oder zu lang \u00fcber die eigenen Spezialinteressen zu sprechen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Warum ist das ein Problem?<\/h3>\n<p>Autistische Student\/innen und die Menschen und Organisationen, die sie unterst\u00fctzen, haben uns mitgeteilt, dass es eine Herausforderung war, Uni-Mitarbeiter\/innen davon zu \u00fcberzeugen, geeignete Anpassungen an der Gestaltung der Kurse, den Fristen und der \u00fcblichen Lehrpraxis vorzunehmen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich finden viele Student\/innen Gruppenarbeit herausfordernd und viele h\u00e4tten gerne sp\u00e4tere Abgabetermine oder Aufgaben, bei denen von ihnen keine Interpretation verlangt wird, etc. Der Unterschied zu autistischen Student\/innen besteht jedoch darin, dass diese nur begrenzt dazu in der Lage sind, diesen Herausforderungen zu begegnen und dass ihr Ma\u00df an Angst deutlich h\u00f6her ist.<\/p>\n<p>Einfach nur zu sagen: \u201eDas wird schon gut werden&#8220; hilft dabei nicht. Es muss klar und deutlich gesagt werden, was von den Student\/innen erwartet wird, einschlie\u00dflich der Lernergebnisse, der Kurzbeschreibungen und der Benotungsgrunds\u00e4tze.<\/p>\n<h3>Was k\u00f6nnen wir dabei tun?<\/h3>\n<p>Die Umfrage von Autism&amp;Uni und das Mapping der Angebote in den Partnerl\u00e4ndern haben einige positive Beispiele lokaler und nationaler Organisationen mit Autismus-Expertise ans Licht gebracht, die Beratung und Fortbildung f\u00fcr Hochschul-Mitarbeiter\/innen und -Fachbereiche anbieten.<br \/>\nHierzu geh\u00f6ren z.B. Handicap&amp;Studie in den Niederlanden, Autismis\u00e4\u00e4ti\u00f6 und Omavoima in Finnland, JiM in Polen, Autismo Burgos in Spanien und die National Autistic Society in Gro\u00dfbritannien (siehe auch die Liste der Fallbeispiele am Ende dieses Leitfadens).<br \/>\nPers\u00f6nliche Tutor\/innen k\u00f6nnen der Schl\u00fcssel zum Erfolg f\u00fcr autistische Student\/innen sein, da es f\u00fcr viele von ihnen schwierig ist, selbst Kommunikation mit anderen aufzunehmen oder ohne fremde Hilfe geeignete Angebote zu finden, wenn sie in Not sind. Besonders dort, wo es innerhalb einer Hochschule keine einheitliche Behindertenf\u00f6rderung gibt, kann der pers\u00f6nliche Tutor die erste und einzige Person sein, die von entstehenden Herausforderungen wei\u00df, die sich auf den Studienfortschritt des Studenten auswirken und er kann als nat\u00fcrliche Anlaufstelle zwischen der Hochschule und externen Organisationen dienen, die spezialisierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Autist\/innen anbieten.<br \/>\nAuch Dozent\/innen kann eine bedeutsame Rolle bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf geeignete Anpassungen zukommen und sie sollten \u00fcber ein Grundwissen \u00fcber Autismus verf\u00fcgen, um informierte Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Universit\u00e4t Brighton in Gro\u00dfbritannien hat ein Projekt entwickelt, das das Team f\u00fcr Behindertenf\u00f6rderung und das Centre for Learning and Teaching zusammenbringt (Morris, 2011). Aus dieser Studie ist klargeworden, dass barrierefreie Lernumfelder, die sensorische Probleme mit ber\u00fccksichtigen, und inklusive Lehrpraktiken ebenso wichtig f\u00fcr den Erfolg autistischer Student\/innen sind wie individuelle Unterst\u00fctzung und es wird empfohlen, dass das Lehrpersonal diesen Artikel und seine Empfehlungen vollst\u00e4ndig lesen.<br \/>\n<a href=\"#Universelles Lerndesign (UDL)\">Siehe auch unsere Informationen zum Universellen Lerndesign (ULD).<\/a><\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Kernpunkte (Gute Praxis, die man \u00fcbernehmen und weitergeben kann)<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><strong>Diese konzentrieren sich auf universit\u00e4tsweite und strategische \u00c4nderungen, die Unterst\u00fctzung durch die Hochschulleitung erfordern.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wenn Sie mit Student\/innen reden, konzentrieren Sie sich nicht nur auf m\u00f6gliche Herausforderungen, sondern identifizieren Sie auch die St\u00e4rken der Student\/innen und das, was sie an Beitr\u00e4gen zu ihrer Studiensituation leisten k\u00f6nnen; viele autistische Student\/innen zeigen einen intensiven Einsatz und starke Konzentration auf das von ihnen gew\u00e4hlte Fach, Aufmerksamkeit f\u00fcr Details und eine hohe Arbeitsmoral, etc.<\/li>\n<li>F\u00f6rdern Sie enge Beziehungen zwischen pers\u00f6nlichen Tutor\/innen und Student\/innen; autistische Student\/innen profitieren besonders von Konsistenz bei diesen Beziehungen, mit derselben Kontaktperson w\u00e4hrend der gesamten Studiendauer.<\/li>\n<li>Wenn man Sie bittet, geeignete Anpassungen oder besondere Vorkehrungen vorzunehmen, finden Sie heraus, ob Ihre Einrichtung \u00fcber generelle Richtlinien im Umgang mit autistischen Student\/innen verf\u00fcgt.<\/li>\n<li>Wenn Sie sich unsicher sind, wie Unterst\u00fctzung zu leisten ist oder wie die Angebote angepasst werden m\u00fcssen, organisieren Sie Treffen mit dem Studenten und seinem Betreuer, Studienberater, Studentenberater, Behindertenberater oder anderen Fachkr\u00e4ften, die in der Lage sind, Sie zu beraten.<\/li>\n<li>Kommunizieren Sie mit Studentendiensten, Betreuern oder anderen zust\u00e4ndigen Fachkr\u00e4ften, wenn Sie Sorgen haben wegen Anzeichen von Depression, Angstst\u00f6rungen oder einer zur\u00fcckgehenden Studienleistung.<\/li>\n<li>Wenn Sie Treffen organisieren, versuchen Sie sicherzustellen, dass es in dem Raum keine visuellen und akustischen Ablenkungen gibt, die es den Student\/innen unm\u00f6glich machen, sich zu konzentrieren; z\u00f6gern Sie nicht, die Student\/innen nach ihren spezifischen diesbez\u00fcglichen Bed\u00fcrfnissen zu fragen.<\/li>\n<li>Sprechen Sie mit den autistischen Student\/innen dar\u00fcber, ob es f\u00fcr ihn in Ordnung ist, anderen Student\/innen ihre Diagnose mitzuteilen; meist ist dies eine gute Idee, jedoch m\u00fcssen auch die Kommilitonen ausreichendes Wissen \u00fcber Autismus verf\u00fcgen.<\/li>\n<li>\u00dcberlegen Sie sich Wege, wie man barrierefreie Lernumfelder schaffen kann, die f\u00fcr autistische Student\/innen wichtig sind (und von denen auch andere profitieren k\u00f6nnen):\n<ul>\n<li>Teilen Sie klar und eindeutig mit, was die Grenzen, Erwartungen und Lernergebnisse sind, entweder, indem Sie die Informationen w\u00e4hrend der Unterrichtsstunden mitteilen oder sie online verf\u00fcgbar machen.<\/li>\n<li>Pr\u00fcfen Sie, ob die Informationen, die Sie den Student\/innen geben, klar, konzise und eindeutig sind. Erkl\u00e4ren Sie stets, warum Sie etwas von einem Studenten verlangen.<\/li>\n<li>Achten Sie bei der Fehlerkorrektur darauf, dass Missverst\u00e4ndnisse auftreten k\u00f6nnen, wenn autistische Student\/innen mehrdeutige Ausdr\u00fccke interpretieren sollen.<\/li>\n<li>Bieten Sie, wenn m\u00f6glich, Folien und Handouts im Voraus an und \u00fcberlegen Sie, ob Audio- oder Videomitschnitte von Vorlesungen m\u00f6glich sind; diese Praktiken k\u00f6nnen f\u00fcr autistische Student\/innen wirklich hilfreich sein, da sie \u00c4ngste vermindern und ihnen dabei helfen, ihre Arbeit zu organisieren.<\/li>\n<li>Wenn Sie eine \u00c4nderung von R\u00e4umen, Bewertungsbedingungen oder anderen Pl\u00e4nen vornehmen m\u00fcssen, geben Sie dies so fr\u00fchzeitig wie m\u00f6glich bekannt.<\/li>\n<li>Geben Sie Unterst\u00fctzung bei Arbeiten in Gruppen, greifen Sie ein, wenn die Kommunikation zu scheitern droht, die Arbeitsaufteilung unfair ist oder ein Mitglied der Gruppe von den anderen ausgeschlossen wird; ermuntern Sie die Gruppe, vor Beginn der Arbeit Grundregeln aufzustellen.<\/li>\n<li>Geben Sie Unterst\u00fctzung bei der F\u00e4higkeit zu m\u00fcndlicher Pr\u00e4sentation und seien Sie bereit, autismusspezifische Schwierigkeiten, wie fehlende K\u00f6rpersprache, Augenkontakt, besonders langsames oder schnelles Sprechen, zu ignorieren.<\/li>\n<li>Seien Sie offen f\u00fcr neue, auch unorthodoxe Arbeitsmethoden; ermutigen Sie Student\/innen dazu, auf ihre Art zu studieren, mit flexiblen Ans\u00e4tzen in Bezug auf Abgabefristen, Kursarbeit und Studienmethoden, wenn dies den Studenten dabei hilft, sich besser auf das Lehrmaterial zu konzentrieren.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<h3 class=\"textbox__title\">Was man tun kann (Dinge, die Sie sofort umsetzen k\u00f6nnen)<\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Lernen Sie mehr \u00fcber das autistische Spektrum allgemein und \u00fcber die spezifischen Herausforderungen und Erfordernisse Ihres Student\/innen.<\/li>\n<li>Bitten Sie um Fortbildung bei der Unterst\u00fctzung f\u00fcr autistische Student\/innen, absolvieren Sie diese Fortbildung und besprechen Sie mit anderen Mitarbeitern, die mit Ihren Student\/innen arbeiten, inwieweit diese eine Fortbildung ben\u00f6tigen.<\/li>\n<li>Wenn Sie bereits eine Fortbildung absolviert haben, geben Sie Ihr Wissen an Ihre Kolleg\/innen weiter.<\/li>\n<li>Wenn Sie hierzu die Gelegenheit haben, reden Sie mit autistischen Student\/innen in einer sp\u00e4teren Phase ihres Studiums und finden Sie heraus, welche Unterst\u00fctzung f\u00fcr sie hilfreich war und welche zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung ihnen geholfen h\u00e4tte.<\/li>\n<li>Nehmen Sie Kontakt zu Mitarbeitern im Bereich der Behindertenhilfe bzw. Unterst\u00fctzung von Autist\/innen an Ihrer Einrichtung auf und besprechen Sie, welche \u00c4nderungen Sie an Ihrer Lehrpraxis vornehmen sollten; manchmal sind diese \u00c4nderungen spezifisch f\u00fcr Ihren Fall und k\u00f6nnen nicht ohne Weiteres \u00fcbertragen werden, daher ist es ratsam, diese eingehend zu untersuchen.<\/li>\n<li>Wenn eine geeignete Fortbildung nicht zur Verf\u00fcgung steht, stellen Sie einen Antrag beim zust\u00e4ndigen Fachbereich innerhalb Ihrer Einrichtung oder bei einer externen Organisation mit Expertise im Bereich Autismus, sodass eine solche Fortbildung geschaffen werden kann. In Deutschland bietet autismus Deutschland e.V. (<a href=\"https:\/\/www.autismus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.autismus.de<\/a>) \u00fcber seine autismus Deutschland-Akademie ein breites Fortbildungsangebot an.<\/li>\n<li>Zeigen Sie eine positive Einstellung in Bezug auf Vorkehrungen und Mittel, die es den Student\/innen erlauben, besser mit ihrem sensorischen Umfeld fertig zu werden, etwa besonders zugewiesene Sitze, das Tragen von H\u00fcten, M\u00fctzen oder get\u00f6nten Brillen im Geb\u00e4ude, das Tragen von Kopfh\u00f6rern oder &#8222;Stress Toys.&#8220;<\/li>\n<li>Stellen Sie klar, dass w\u00e4hrend der Unterrichtsstunde Student\/innen den Raum jederzeit verlassen d\u00fcrfen, wenn sie sich \u00e4ngstlich oder sensorisch \u00fcberfordert f\u00fchlen und dass sie hierf\u00fcr nicht kritisiert oder bestraft werden.<\/li>\n<li>Pr\u00fcfen Sie Hausaufgaben und Examensfragen, ob sie mehrdeutige Formulierungen enthalten; das bedeutet nicht, dass jede Mehrdeutigkeit entfernt werden muss, sondern dass deutlich gemacht wird, wann Mehrdeutigkeiten bewusst zu p\u00e4dagogischen Zwecken eingesetzt werden und wann sie lediglich unbeabsichtigt in den Texten enthalten sind.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Die Bedeutung von Unterst\u00fctzung zum richtigen Zeitpunkt<\/h3>\n<p>Die Autism&amp;Uni-Umfragen richteten sich an Student\/innen, die das Studium abgebrochen haben und solche, die ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Rechtzeitige Unterst\u00fctzung oder ihr Fehlen war der entscheidende Faktor daf\u00fcr, ob sie ihr Studium fortgesetzt haben oder nicht.<br \/>\nAuf die Frage, ob sie w\u00e4hrend ihres Studiums autismusbezogene Unterst\u00fctzung bekommen haben, antworteten 39% mit Ja, 47% gaben an, damals nicht diagnostiziert gewesen zu sein, und 14% hatten zwar eine Diagnose, aber keine Unterst\u00fctzung erhalten.<br \/>\nDiejenigen, die Unterst\u00fctzung erhalten haben, gaben an, dass diese zu folgenden Zeitpunkten begann: 21% vor Beginn des Studiums, 14% in der ersten Woche des Studiums, 7% im ersten Monat des Studiums, 10% vor Ende des ersten Semesters und 48% erst nach dem ersten Semester.<\/p>\n<h3 id=\"Universelles Lerndesign (UDL)\">Universelles Lerndesign (UDL)<\/h3>\n<p>Das Konzept des Universellen Designs entstammt dem Bereich der Architektur und konzentriert sich auf ein Design, das R\u00fccksicht auf eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Bandbreite von Nutzer\/innen nimmt, darunter auch solche mit Behinderungen.<\/p>\n<p>Das Universelle Lerndesign bezieht sich darauf, verschiedene Gruppen von Student\/innen einzubeziehen und zu unterst\u00fctzen, egal, welchen Hintergrund, welchen Status oder welche Behinderung sie haben.<\/p>\n<p>Eine weit verbreitete falsche Vorstellung besteht darin, dass das Universelle Design \u201eeine einzige L\u00f6sung f\u00fcr alle&#8220; f\u00f6rdert \u2013 das ist jedoch nicht der Fall. Was es tats\u00e4chlich bedeutet, ist die Verf\u00fcgbarkeit von Optionen: Student\/innen mehrere und unterschiedliche M\u00f6glichkeiten zu bieten, am Lernprozess teilzuhaben und zu zeigen, was sie gelernt haben.<\/p>\n<p>Ein ULD-Ansatz bevorzugt Unterrichtsstrategien, die proaktiv so gestaltet sind, dass sie mehrere Lernwege erm\u00f6glichen statt retroaktiv sich auf die \u00c4nderung bestehenden Materials in der Weise zu konzentrieren, dass es den Bed\u00fcrfnissen einer bestimmten Gruppe entspricht.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr proaktives Design ist es, ALLEN Student\/innen die Option zu lassen, wie sie die ihnen gestellten Aufgaben pr\u00e4sentieren wollen, entsprechend ihren Kommunikationsf\u00e4higkeiten und Vorlieben. Ein Beispiel f\u00fcr retroaktives Design ist die Praxis, f\u00fcr angemessene Anpassungen bestehender Lernmaterialien und Pr\u00fcfungsanordnungen zu sorgen.<\/p>\n<p>Quellen: Bublitz et al. (2015), CAST (2011)<\/p>\n<h3>\u00dcber die Autor\/innen<\/h3>\n<h4>Dr Marc Fabri, Leeds Beckett-Universit\u00e4t, Gro\u00dfbritannien<\/h4>\n<p>Marc ist der Projektleiter von Autism&amp;Uni und ein Dozent und Forscher im Bereich assistierender Technik. Seine Forschung konzentriert sich auf partizipatorische Designmethoden, Evaluierung der Benutzererfahrung und Erm\u00f6glichung positiver Verhaltens\u00e4nderung.<\/p>\n<h4>Penny Andrews, Leeds Beckett-Universit\u00e4t, Gro\u00dfbritannien<\/h4>\n<p>Penny ist die Forschungsassistentin f\u00fcr Autism&amp;Uni und Doktorandin an der Universit\u00e4t Sheffield, wo sie universit\u00e4re soziale Netzwerke erforscht. Sie ist au\u00dferdem Autorin, K\u00fcnstlerin, Performerin, Sprinterin und ausgebildete Bibliothekarin. Sie erhielt ihre Autismusdiagnose als Studentin.<\/p>\n<h4>Heta Pukki, Keskuspuisto Vocational College, Helsinki, Finnland<\/h4>\n<p>Hetas Arbeit f\u00fcr Autism&amp;Uni konzentriert sich auf die Verbreitung der Ergebnisse und auf Unterschiede in kulturellen Kontexten und Angebotssystemen. Sie verf\u00fcgt \u00fcber einen Abschluss in Sonderp\u00e4dagogik und in Biologie. Heta bezeichnet sich als autistisch und besch\u00e4ftigt sich seit achtzehn Jahren als Autorin, \u00dcbersetzerin, Erzieherin, Projektarbeiterin und NGO-Aktivistin mit Autismus.<\/p>\n<h2>Danksagungen<\/h2>\n<p>Wir danken den folgenden Personen f\u00fcr ihre hilfreichen Beitr\u00e4ge und Kommentare: Antti Aavikko, Jan-Mikael Fredriksson, Daria Modrzejewska, Amanda Szukalska, Paul Quantock, Natasha Stash, Alejandro Montes Garc\u00eda, Mar\u00eda Merino, Miguel Lancho, Christian Garc\u00eda, Roy Houtkamp, Harriet Cannon, Kate Dean, Kate Myers, Matt Tucker, Danny Gallacher, Steven Chamberlain, Diane McClymont.<br \/>\nDas Projekt Autism&amp;Uni (AUTHEW) wurde finanziert mit Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Kommission. Diese Publikation spiegelt nur die Ansichten der Autoren wieder und die Kommission kann nicht f\u00fcr die Verwendung verantwortlich gemacht werden, die von den darin enthaltenen Informationen gemacht wird.<br \/>\nDeutsche \u00dcbersetzung: Rainer D\u00f6hle, Berlin<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p><strong>Baines, A.D., 2012.<\/strong> Positioning, strategizing, and charming: how students with autism construct identities in relation to disability. Disability &amp; Society 27, 547\u2013561. doi:10.1080\/09687599.2012.662825<\/p>\n<p><strong>Broek, A. van den, Muskens, M., Winkels, J., 2012.<\/strong> Studeren met een functiebeperking 2012. De relatie tussen studievoortgang, studieuitval en het gebruik van voorzieningen. Eindmeting onderzoek \u201aStuderen met een functiebeperking&#8216;. Onderzoek in opdracht van Ministerie van OCW.<\/p>\n<p><strong>Bublitz, D., Wong, V., Donachie, A., Brooks, P.J., Gillespie-Lynch, K. 2015.<\/strong> Applying Universal Design to build supports for college students with autism spectrum disorder, in Roberta V. Nata (Ed.), Progress in Education, vol 36, Nova Publishing, 1-24.<\/p>\n<p><strong>CAST, 2011.<\/strong> Universal Design for Learning Guidelines version 2.0. Wakefield, MA. Retrieved from http:\/\/www.udlcenter.org\/aboutudl\/udlguidelines\/downloads<\/p>\n<p><strong>Davidson, J., Henderson, V.L., 2010.<\/strong> \u201eComing out&#8220; on the spectrum: autism, identity and disclosure. Social &amp; Cultural Geography 11, 155\u2013170. doi:10.1080\/14649360903525240<\/p>\n<p><strong>HESA, 2013.<\/strong> Table 14 &#8211; First year UK domiciled HE students by level of study, sex, mode of study and disability 2012\/13.<\/p>\n<p><strong>Huws, J.C., Jones, R.S.P., 2008.<\/strong> Diagnosis, disclosure, and having autism: An interpretative phenomenological analysis of the perceptions of young people with autism. Journal of Intellectual and Developmental Disability 33, 99\u2013107. doi:10.1080\/13668250802010394<\/p>\n<p><strong>Kenny, L., Hattersley, C., Molins B., Buckley, B., Povey, C., Pellicano, E., 2015.<\/strong> How Should We Describe Autism? Perspectives from the UK Autism Community. IMFAR conference, Salt Lake City, US.<\/p>\n<p><strong>Madriaga, M., 2010.<\/strong> \u201eI avoid pubs and the student union like the plague&#8220;: Students with Asperger Syndrome and their negotiation of university spaces. Children&#8217;s Geographies 8, 39\u201350. doi:10.1080\/14733280903500166<\/p>\n<p><strong>Morris, C., 2011.<\/strong> The Aspect project: Working together to enhance the learning experiences of students with Asperger syndrome at the University of Brighton, in: Partnerships: Articles from the Learning and Teaching Conference 2010. University of Brighton Press.<\/p>\n<p><strong>Ratcliffe, R., 2014.<\/strong> Helping students with Asperger&#8217;s prepare for university life. The Guardian, UK, http:\/\/www.theguardian.com\/education\/2014\/sep\/09\/students-aspergers-ready-university-life<\/p>\n<p><strong>The NHS Information Centre, Community and Mental Health Team, Brugha, T. et al, 2012.<\/strong> Estimating the prevalence of autism spectrum conditions in adults: extending the 2007 Adult Psychiatric Morbidity Survey. Leeds: NHS Information Centre for Health and Social Care.<\/p>\n<p><strong>Tobajas, F., De Armas, V., Cabello, M.D., Grijalvo, F., 2014.<\/strong> Supporting students with special needs at university through peer mentoring, in: Global Engineering Education Conference (EDUCON), 2014 IEEE. IEEE, pp. 701\u2013705.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Version als PDF zum Download Ein Leitfaden zur Best Practice bei der Unterst\u00fctzung von Studenten aus dem Autismus-Spektrum von autism-uni.org Von Marc Fabri, Penny C.S. Andrews und Heta K. 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