{"id":29,"date":"2022-03-11T13:59:41","date_gmt":"2022-03-11T12:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/foerderkonzept-2\/"},"modified":"2025-09-25T16:37:54","modified_gmt":"2025-09-25T14:37:54","slug":"foerderkonzept","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/foerderkonzept\/","title":{"raw":"F\u00f6rderkonzept","rendered":"F\u00f6rderkonzept"},"content":{"raw":"<img class=\"aligncenter size-full wp-image-1066\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275.jpg\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"275\" \/>\r\n<h2>Einleitung<\/h2>\r\nMehrsprachigkeit ist seit vielen Jahren Normalit\u00e4t in Kinderg\u00e4rten und Schulen in der Schweiz. 40\u202f% der Bev\u00f6lkerung der Schweiz sind Menschen mit Migrationshintergrund und 22% sind Menschen mit ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit (Bundesamt f\u00fcr Statistik, 2024). Ein Teil der Kinder kommt ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Viele Lehrpersonen wissen um die Ressourcen der Mehrsprachigkeit, verf\u00fcgen \u00fcber gute Kompetenzen zur integrativen Sprachf\u00f6rderung und bieten vielf\u00e4ltige, spielerische Zug\u00e4nge zur Sprache im Kindergartenalltag an. Kinder, die ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten kommen und trotz der F\u00f6rderung in der Zweitsprache Deutsch keine oder nur geringe Fortschritte machen, stellen die P\u00e4dagog:innen vor Herausforderungen.\r\n\r\nEs steht die Frage im Raum, ob diese Gruppe von Kindern zur Pr\u00e4vention von Bildungsbenachteiligungen intensivere oder anders gestaltete Sprachf\u00f6rderung oder evtl. sogar Sprachtherapie braucht. Bis zu einer logop\u00e4dischen Abkl\u00e4rung und m\u00f6glichen Therapie entsteht h\u00e4ufig eine l\u00e4ngere Wartezeit. Es wird nach Konzepten gesucht, die diese L\u00fccke f\u00fcllen k\u00f6nnen und so einen Beitrag zur Pr\u00e4vention von Bildungsbenachteiligungen durch mangelnde Kenntnisse der Umgebungssprache leisten. Das Sprachf\u00f6rderkonzept SPRINT hat den Anspruch, die kommunikativen Kompetenzen mehrsprachiger Kinder durch bewegungs- und handlungsorientierte Spielsituationen zu erweitern und so ihre sprachliche Teilhabe im Kindergarten, in der Freizeit und in der Familie zu verbessern.\r\n<h2>Ziele<\/h2>\r\n<h3>Welche Ziele sollen mit dem F\u00f6rderkonzept erreicht werden und warum sind diese Ziele wichtig? Was lernen die Kinder konkret?<\/h3>\r\nIm Mittelpunkt von SPRINT steht die Kommunikation. Teilhabe an Kommunikationssituationen, in denen Wissen, Informationen, Ideen und Gef\u00fchle ausgetauscht werden, wird mit dem Fachbegriff \u00abkommunikative Partizipation\u00bb bezeichnet. Sie ist als Schl\u00fcsselmerkmal gelingender Teilhabe und Integration, der sozial-emotionalen Entwicklung sowie der Lebensqualit\u00e4t zu verstehen.\r\n\r\nIm Kindergartenalltag zeigt sich, dass Kinder, die die Umgebungssprache bei Eintritt in den Kindergarten nicht oder nur rudiment\u00e4r beherrschen, von der aktiven Teilnahme an Kommunikationssituationen vielfach ausgeschlossen sind. Sie k\u00f6nnen anderen ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle in Spiel- und Lernsituationen h\u00e4ufig nicht mitteilen und genauso umgekehrt die Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle der anderen h\u00e4ufig nicht verstehen. Kinder, die in Kommunikationssituationen miteinbezogen werden, haben mehr Gelegenheiten, Sprache zu h\u00f6ren und zu sprechen, sie haben so die M\u00f6glichkeit, Sprachstrukturen und kommunikative Konventionen zu lernen. Sie erfahren sich als selbstwirksam, wenn sie ihre Ideen und Bed\u00fcrfnisse beim Spielen und Lernen einbringen k\u00f6nnen.\r\n\r\nMit dem F\u00f6rderkonzept SPRINT soll die kommunikative Partizipation von mehrsprachigen Kindern im Kindergarten, in der Freizeit und in der Familie verbessert werden. Durch die F\u00f6rderung wird der Zweitspracherwerb dieser Kindergruppe unterst\u00fctzt, zudem wird ein Beitrag zur Pr\u00e4vention von Spracherwerbsst\u00f6rungen geleistet. Im Rahmen von bedeutungsvollen bewegungs- und handlungsorientierten Spielsituationen werden die pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen systematisch gef\u00f6rdert. In der F\u00f6rderung lernen die Kinder, die Kommunikationsregeln in unterschiedlichen Situationen und Umgebungen kennen und korrekt anzuwenden. Insbesondere geht es um die Kenntnis und Erprobung von Sprachhandlungen im Bildungsbereich, wie z.\u202fB. p\u00e4dagogischen Fragen, Regeln des Sprecherwechsels in Gruppen, Anforderungen an H\u00f6flichkeit, Vorlesen von l\u00e4ngeren Texten, selbstst\u00e4ndiges Erz\u00e4hlen. Mit der digitalen Spielekartei stehen Lehrpersonen und Therapeut:innen flexibel einsetzbare, theoretisch fundierte und thematisch strukturierte F\u00f6rdermaterialien zur Verf\u00fcgung. Diese sollen zudem zur bewegungs- und spielorientierten Gestaltung integrierter Sprachf\u00f6rderung im Kindergarten motivieren.\r\n<h2>Zielgruppe<\/h2>\r\n<h3>F\u00fcr wen ist SPRINT gedacht?<\/h3>\r\nDas F\u00f6rderkonzept richtet sich an mehrsprachige Kindergartenkinder im Alter von 4 bis 7 Jahren. Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist, verf\u00fcgen zum Teil bei Kindergarteneintritt nur \u00fcber geringe oder gar keine Deutschkenntnisse. Die meisten Kinder dieser Gruppe lernen nach dem Start des Kindergartens durch die regelm\u00e4ssigen Sprachkontakte im Kindergarten und mit entsprechender Unterst\u00fctzung durch den DaZ-Unterricht relativ schnell so gut Deutsch, dass sie an den Kommunikationssituationen in der Einrichtung angemessen teilhaben k\u00f6nnen. Ein kleinerer Teil der Kinder hat Schwierigkeiten mit dem Zweitspracherwerb und kann sich aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse nicht oder nur in sehr begrenztem Mass kommunikativ einbringen. F\u00fcr sie besteht das Risiko einer Spracherwerbsst\u00f6rung und auch Bildungsbenachteiligung.\r\n\r\nKinder mit Deutsch als Zweitsprache lernen in der Regel zun\u00e4chst ihre Familiensprache und dann mit Eintritt in eine Betreuungs- oder Bildungseinrichtung die Umgebungssprache Deutsch. Bei so einem \u00absukzessiven\u00bb Zweitspracherwerb geht man davon aus, dass die grundlegenden pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen im Erstspracherwerb im famili\u00e4ren Umfeld erworben und dann grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Kommunikation in der Einrichtung zur Verf\u00fcgung stehen. Typische Sprachhandlungsmuster, die f\u00fcr die Kommunikation in der Bildungseinrichtung wichtig sind, werden hingegen in der Zweitsprache erworben und k\u00f6nnen auf die Erstsprache \u00fcbertragen werden. Allerdings gibt es bei einigen Sprachhandlungen\u202f\u2013 wie z.\u202fB. sich bedanken, sich begr\u00fcssen, h\u00f6flich sein oder Widerspruch \u00e4ussern\u202f\u2013 kulturspezifische Unterschiede. So m\u00fcssen Kinder die \u00fcblichen Regeln dieser Kommunikationssituationen in der Zweitsprache neu erlernen und die F\u00e4higkeit entwickeln, kontextbezogen unterschiedliche Regeln anzuwenden. Eine weitere Herausforderung kann f\u00fcr diese Kindergruppe dadurch entstehen, dass durch Defizite in Wortschatz und Grammatik in der Zweitsprache erworbene Sprachhandlungsmuster nicht angemessen realisiert werden k\u00f6nnen. Diese Situation kann als Motor f\u00fcr die Aneignung der Sprachhandlungskompetenz in der Zweitspracherwerb dienen, aber auch dazu f\u00fchren, dass sich das Kind mit einfachen Sprachhandlungsmustern begn\u00fcgt und der Aneignungsprozess stagniert. Eine genaue Beobachtung und entsprechende Unterst\u00fctzung dieser Kindergruppe bei der Aneignung der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz in der Zweitsprache sind daher wichtig, um ihre kommunikative Partizipation im institutionellen Kontext sicherzustellen (vgl. Trautmann &amp; Reich 2008, S. 43).\r\n\r\nNeben dieser Hauptzielgruppe ist das F\u00f6rderprogramm auch f\u00fcr Kinder mit Deutsch als Erstsprache zur Pr\u00e4vention von Spracherwerbsst\u00f6rungen geeignet\u202f\u2013 insbesondere dann, wenn aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden eine logop\u00e4dische Abkl\u00e4rung oder Therapie noch nicht m\u00f6glich ist.\r\n<h2>Fachpersonen<\/h2>\r\n<h3>Welche Kompetenzen brauchen Fachpersonen, um SPRINT durchzuf\u00fchren?<\/h3>\r\nDas F\u00f6rderkonzept SPRINT ist so konzipiert, dass es von p\u00e4dagogischen Fachpersonen mit unterschiedlichem Vorwissen durchgef\u00fchrt werden kann. Besonders geeignete Fachpersonen sind Logop\u00e4d:innen, Schulische Heilp\u00e4dagog:innen, Psychomotoriktherapeut:innen, zus\u00e4tzlich ist der Einsatz des F\u00f6rderkonzepts durch Regellehrpersonen im integrativen Regelunterricht grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich und erw\u00fcnscht. Fachpersonen m\u00fcssen \u00fcber die F\u00e4higkeit und Bereitschaft verf\u00fcgen, mit den Kindern in Beziehung zu treten, ihre kommunikativen Kompetenzen und Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen und mit passenden Spiel- und Bewegungsangeboten auf sie zu reagieren. Sie m\u00fcssen den Kindern mit einer Haltung begegnen, die sie zur Kommunikation ermutigt und \u00abLust auf Sprache\u00bb vermittelt. Sie m\u00fcssen entweder \u00fcber das dem F\u00f6rderkonzept zugrunde liegende linguistische und sprachp\u00e4dagogische Fachwissen verf\u00fcgen oder bereit sein, sich selbstst\u00e4ndig in die theoretischen und didaktischen Grundlagen einzuarbeiten oder an einer Weiterbildung zu SPRINT teilzunehmen. Es wird empfohlen, vor der ersten Durchf\u00fchrung einen <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/weiterbildung-und-dienstleistung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einf\u00fchrungskurs zu SPRINT<\/a> zu besuchen. Je nach individuellem Vorwissen ist es wichtig, sich in die <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/theoretische-grundlagen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">theoretischen Grundlagen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz<\/a>\u00a0einzuarbeiten, um die Sprachhandlungssituationen ad\u00e4quat zu gestalten, die \u00c4usserungen der Kinder gewinnbringend zu modellieren und die Materialien flexibel einsetzen zu k\u00f6nnen.\r\n\r\nSPRINT wurde in interdisziplin\u00e4rer Kooperation von Sprachheilp\u00e4dagog:innen, Logop\u00e4d:innen und Psychomotoriktherapeut:innen entwickelt, erprobt und evaluiert. Es waren Expert:innen der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik Z\u00fcrich und Fachpersonen aus der Praxis einer Z\u00fcrcher Schulgemeinde beteiligt.\r\n\r\nDas Sprachverhalten der Fachperson hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der Sprachf\u00f6rderung. Sprachlehrstrategien, wie sie Erwachsene oft unbewusst in der Kommunikation mit Kindern einsetzen, sind dabei zentral. Diese \u00abkindgerichtete\u00bb Sprache unterst\u00fctzt den Spracherwerb wesentlich, insbesondere dann, wenn sie zielgerichtet eingesetzt wird und an das Kompetenzniveau der Kinder angepasst ist. Drei zentrale Aspekte, die f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung im Allgemeinen gelten, sollten von der Fachkraft, die mit SPRINT arbeitet, beachtet werden.\r\n<ol>\r\n \t<li><span style=\"text-align: initial;font-size: 14pt\">Die Fachperson ist ein Sprachvorbild. Sie spricht deutlich, betont und in angemessenem Tempo. Sie spricht grammatisch korrekt und verwendet einen passenden, reichhaltigen Wortschatz. Sie benutzt Standardsprache als Vorbereitung auf die Schule und Dialekt als Sprache der N\u00e4he.<\/span><\/li>\r\n \t<li>Die Fachperson ermuntert die Kinder durch Impulse und offene Fragen zum Sprechen. Sie vermeidet geschlossene Fragen und achtet darauf, dass der Sprachanteil der Kinder hoch ist.<\/li>\r\n \t<li>Die Fachperson stellt sich als Kommunikationspartner:in zur Verf\u00fcgung und verwendet implizite und explizite modellierende R\u00fcckmeldungen und Interventionen.\r\n<ol type=\"a\">\r\n \t<li>Implizite R\u00fcckmeldungen und Interventionen: R\u00fcckfragen stellen, gen\u00fcgend Zeit zum Sprechen geben, Sprachhandlungen modellhaft vormachen, Konfrontieren mit kommunikativen Defiziten durch bewusstes Missverstehen<\/li>\r\n \t<li>Explizite R\u00fcckmeldungen und Interventionen: Besprechung der Ziele der Spiele und \u00dcbungen, explizite Einf\u00fchrung des Vokabulars, Mitspielen und Gestaltung durch die Rolle der Kommunikationspartner:in, R\u00fcckmeldungen zur Zielerreichung der Kommunikation, Organisation des Transfers des Gelernten in den Alltag<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/li>\r\n<\/ol>\r\n(Kannengiesser, S. 2009, S. 281 f.)\r\n<h4><strong>Buchtipp:<\/strong><\/h4>\r\n<img class=\" wp-image-1830 alignleft\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"123\" height=\"188\" \/>\r\n\r\nL\u00f6ffler, C., &amp; Vogt, F. (Hrsg.). (2020). <em>Strategien der Sprachf\u00f6rderung im Kita-Alltag<\/em> (2., aktualisierte Auflage). Ernst Reinhardt Verlag.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;\r\n<h2>P\u00e4dagogisch-didaktische Grundlagen<\/h2>\r\n<h3>Wie erwerben Kinder eine (Zweit)sprache? Auf welchen p\u00e4dagogisch-didaktischen Leitideen beruht SPRINT?<\/h3>\r\nDie p\u00e4dagogisch-didaktischen Leitlinien von SPRINT beruhen auf dem Verst\u00e4ndnis der Prozesse des Zweitspracherwerbs. Mit Zweitspracherwerb ist die Aneignung einer Zweitsprache gemeint, die die Umgebungssprache, aber nicht die Familiensprache eines Kindes ist. Kinder verf\u00fcgen \u00fcber die F\u00e4higkeit, in den ersten Lebensjahren problemlos eine oder auch mehrere Sprachen zu lernen. Der Lernprozess \u00e4hnelt dem Erstspracherwerb. Es handelt sich um einen Prozess der aktiven Aneignung einer Zweitsprache, der sich auf der Grundlage der Sprachlernf\u00e4higkeit des Kindes in Interaktion mit der Umwelt vollzieht. Alle Kinder verf\u00fcgen grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Kompetenz, sich Sprache anzueignen. Sie haben die kognitiven, motorischen und motivationalen Voraussetzungen, um Sprache wahrzunehmen, zu verarbeiten und zu verwenden. Sie sind in der Lage, sprachliche \u00c4usserungen zu bilden und zu verstehen, verf\u00fcgen \u00fcber die sprechmotorischen Voraussetzungen, die Merkf\u00e4higkeit sowie auch die Motivation zum Sprechen. Die Interaktion und Beziehung mit sprachkompetenten Bezugspersonen leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erst- und Zweitspracherwerb. An das Sprachniveau angepasste sprachliche R\u00fcckmeldungen und Erweiterungen eingebettet in Prozesse gemeinsamer Sinnkonstruktionen, wie z.\u202fB. bedeutungsvolle Spiel- und Vorlesesituationen, sind ein Motor f\u00fcr die Sprachaneignung. Anregungsreicher sprachlicher Input und vielf\u00e4ltige Gelegenheiten, Sprache zu h\u00f6ren und zu sprechen, sind zentral zur Unterst\u00fctzung des Zweitspracherwerbs.\r\n\r\nBei einem Teil der mehrsprachigen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache gestaltet sich der Deutschspracherwerb komplexer und sie machen z. B. in der Kindertagesst\u00e4tte nur langsam Fortschritte. Hier wird deutlich, dass der Kontakt mit der Zielsprache allein \u00fcber das \u00abSprachbad\u00bb nicht ausreicht und diese Kinder gezielte Unterst\u00fctzung beim Spracherwerb ben\u00f6tigen. Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t des Sprachinputs sind entscheidend.\r\n\r\nDie Qualit\u00e4tsmerkmale oder auch Leitideen f\u00fcr die Gestaltung sprachf\u00f6rderlicher Lernsituationen im Erst- und Zweitspracherwerb sind Gegenstand zahlreicher Ver\u00f6ffentlichungen. Das F\u00f6rderkonzept SPRINT bezieht sich insbesondere auf Achhammer (2014,\u202f2015), Isler et al. (2019), Knapp et al. (2010), Madeira Firmino et al. (2014) sowie Ruberg u. Rottweiler (2012).\r\n\r\nFolgende Leitideen der Sprachf\u00f6rderung sind grundlegend f\u00fcr die Konzeption von SPRINT und sollten handlungsleitend f\u00fcr die Umsetzung in der Praxis sein:\r\n<ol>\r\n \t<li>Kinder werden als Akteure ihrer Sprachaneignung wahrgenommen.<\/li>\r\n \t<li>Kinder erleben die Funktion von Sprache in bedeutungsvollen Kommunikationssituationen.<\/li>\r\n \t<li>Die Themen der Sprachf\u00f6rderung orientieren sich am Alltag und an der Lebenswelt der Kinder.<\/li>\r\n \t<li>Die Inhalte der Sprachf\u00f6rderung sind systematisch aufgebaut und ber\u00fccksichtigen die Dimensionen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz.<\/li>\r\n \t<li>Die Inhalte und Themen der Sprachf\u00f6rderung werden flexibel eingesetzt und bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder variiert.<\/li>\r\n \t<li>Sprachhandlungen eingebunden in Bewegung und Spiel sind zentrale Gestaltungselemente der Sprachf\u00f6rderung.<\/li>\r\n \t<li>Die Sprachf\u00f6rderung nutzt die Mehrsprachigkeit der Kinder.<\/li>\r\n \t<li>Die Sprachf\u00f6rderung findet in Kleingruppen in enger Anbindung an den Kindergartenalltag oder integrativ statt.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h4>Kinder werden als Akteure ihrer Sprachaneignung wahrgenommen.<\/h4>\r\nDie Sprachlernf\u00e4higkeit der Kinder wird durch ein hochfrequentes, vielf\u00e4ltiges, inhaltlich reichhaltiges und variables Sprachangebot unterst\u00fctzt. Kinder haben so die Gelegenheit, kommunikative Muster, pragmatische Konventionen und Regeln selbstst\u00e4ndig abzuleiten. Die Fachpersonen begleiten und unterst\u00fctzen sie auf ihren individuellen Lernwegen, indem sie ihre individuellen Zug\u00e4nge wertsch\u00e4tzen und durch passende R\u00fcckmeldungen weiterf\u00fchren. Fehler werden als Schaufenster in das Bewusstsein der Lernenden genutzt. Sie geben wertvolle Einblicke zum Entwicklungsstand und zu den Lernwegen der Kinder.\r\n<h4>Kinder erleben die Funktion von Sprache in bedeutungsvollen Kommunikationssituationen.<\/h4>\r\nKinder lernen Sprache, um sich mitzuteilen. Das Erlernen und Nutzen der Zweitsprache wird f\u00fcr sie dann besonders sinnvoll, wenn sie damit ihre Handlungsziele erreichen k\u00f6nnen. Sie m\u00f6chten aktiv an der Kommunikation teilnehmen k\u00f6nnen. Sie m\u00f6chten ihre W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse, ihre Befindlichkeit mitteilen. Sie m\u00f6chten erz\u00e4hlen, was sie erlebt haben. Sprachf\u00f6rderung ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, die kommunikative Partizipation der Kinder in Situationen im Kindergarten und in der Freizeit zu verbessern. Die Spielvorschl\u00e4ge von SPRINT enthalten zahlreiche Spielideen, die in kindgem\u00e4ssen Kontexten zu sprachlichen \u00c4usserungen ermuntern und das Erproben verschiedener sprachlicher Varianten erm\u00f6glichen.\r\n<h4>Die Themen der Sprachf\u00f6rderung orientieren sich am Alltag und an der Lebenswelt der Kinder.<\/h4>\r\nAlle Menschen beteiligen sich dann gerne an Gespr\u00e4chen, wenn das Thema sie interessiert oder pers\u00f6nlich betrifft. Kinder sind motiviert zu sprechen und zeigen Interesse an Sprache, wenn die Themen an ihren Alltag und ihre Lebenswelt ankn\u00fcpfen. Themen, bei denen sie auf eigene Erfahrungen und ihr Wissen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, die sich auf den Alltag und die Lerninhalte des Kindergartens beziehen. Erfahrungen, die sie aus ihrem famili\u00e4ren Lebenskontext einbringen k\u00f6nnen. Die Themen, in die die SPRINT-Spielvorschl\u00e4ge eingebettet sind, sind nah an der Lebenswelt und den Erfahrungen der Kindergartenkinder. Sie kn\u00fcpfen entweder direkt an den Alltag der mehrsprachigen Kinder an oder stellen eine Verbindung zur Lebenswelt in der Schweiz her. Sie erm\u00f6glichen die spielerische Erprobung kommunikativer Muster und Regeln, wie sie f\u00fcr die Kommunikationskultur in der Schweiz typisch sind.\r\n<h4>Die Inhalte der Sprachf\u00f6rderung sind systematisch aufgebaut und ber\u00fccksichtigen die Dimensionen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz.<\/h4>\r\nDurch die F\u00f6rderung mit SPRINT sollen die Kinder ihre pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen in der Zweitsprache Deutsch erweitern. In der Spielekartei von SPRINT werden zu den drei aufeinander aufbauenden sprachlichen Dimensionen der Pragmatik Spielideen zu den pragmatischen Kompetenzen, die in unterschiedlich komplexen Sprachhandlungssituationen zu verschiedenen alltagsrelevanten Themen realisiert werden, angeboten. Die Lehrperson oder der\/die Therapeut:in, der\/die die F\u00f6rderung durchf\u00fchrt, w\u00e4hlt bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder, die an der F\u00f6rderung teilnehmen, passende Spiele aus.\r\n<h4>Die Inhalte und Themen der Sprachf\u00f6rderung werden flexibel eingesetzt und bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder variiert.<\/h4>\r\nSprachf\u00f6rderung soll variierende sprachliche Interaktionen in verschiedenen Medien, Kontexten und Sprachen erm\u00f6glichen. SPRINT stellt eine bezogen auf Lerngegenstand pragmatisch-kommunikative Kompetenz systematisch aufgebaute Spielekartei zur Verf\u00fcgung. Die Spiele k\u00f6nnen passend zum Entwicklungsstand der Kinder ausgew\u00e4hlt und sowohl vom Inhalt als auch vom Thema her variiert werden.\r\n<h4>Sprachhandlungen eingebunden in Bewegung und Spiel sind zentrale Gestaltungselemente der Sprachf\u00f6rderung.<\/h4>\r\nDie Verkn\u00fcpfung von Bewegungsanl\u00e4ssen und handlungsorientierten Spielsituationen wird als gewinnbringend f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung angesehen. Bewegungsangebote sind der Ausgangspunkt f\u00fcr Interaktions- und Sprechanl\u00e4sse. Dem Kind wird Raum gegeben, Sprache in kommunikativen Kontexten zu erwerben und anzuwenden. Das sprachf\u00f6rdernde Potenzial in Bewegungsanl\u00e4ssen entdecken und aufbereiten zu k\u00f6nnen, entsprechende Angebote und Spielideen f\u00fcr die Kinder in den Alltag zu integrieren und sich selber im t\u00e4glichen Umgang mit den Kindern sprachf\u00f6rderlich verhalten zu k\u00f6nnen\u00bb (Madeira Firmino, 2014).\r\n<h4>Fachpersonen sind Sprachvorbilder, sie gestalten ein anregungsreiches Sprachangebot und reagieren mit passendem Feedback auf die \u00c4usserungen der Kinder.<\/h4>\r\nSprachf\u00f6rderung ist dann besonders wirksam, wenn sie in bedeutungsvollen Kommunikations- und Interaktionssituationen mit nahen Bezugspersonen stattfindet. Kinder sollten viele Gelegenheiten erhalten, sich zu \u00e4ussern, d.\u202fh. es muss eine Lernumgebung geschaffen werden, die zum Sprechen anregt und Gelegenheit f\u00fcr sprachliche Interaktionen mit den anderen Kindern und der Fachkraft bietet. Wenn Kinder zu ihren \u00c4usserungen R\u00fcckmeldungen erhalten und korrekte Sprachvarianten h\u00f6ren, werden sie dazu angeregt, ihr Wissen umzustrukturieren und sich neue Formen, kommunikative Muster und Verhaltensweisen anzueignen. Die Fachkraft ist zum einen Sprachvorbild f\u00fcr die Umgebungssprache, zum anderen regt sie durch offene Frage und gestaltete Sprachanl\u00e4sse zum Sprechen an und gibt modellierende R\u00fcckmeldungen zu den \u00c4usserungen der Kinder (ausf\u00fchrlich hierzu Abschnitt \"Fachpersonen\").\r\n<h4>Die Sprachf\u00f6rderung nutzt die Mehrsprachigkeit der Kinder.<\/h4>\r\nMehrsprachigkeit ist eine Ressource, die f\u00fcr die Sprachaneignung der Umgebungssprache genutzt werden sollte. Die sichtbare Wertsch\u00e4tzung der verschiedenen Erstsprachen im Kindergartenalltag und in den F\u00f6rdersequenzen spielt hierf\u00fcr eine entscheidende Rolle. SPRINT bietet verschiedene mehrsprachige Rituale, Lieder und Spiele an und er\u00f6ffnet so einen spannenden und erfreulichen Zugang zu verschiedenen Sprachen. Spielsequenzen kn\u00fcpfen an die kommunikativen Erfahrungen der Kinder in ihrer Erstsprache an. Die Kinder k\u00f6nnen die kommunikativen Muster und Regeln ihrer Erstsprachen einbringen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen und verschiedenen Kontexten reflektieren.\r\n<h4>Die Sprachf\u00f6rderung findet in Kleingruppen in enger Anbindung an den Kindergartenalltag oder integrativ statt.<\/h4>\r\nDie SPRINT-Kartei kann sowohl separativ in der Kleingruppe oder integrativ im Kindergarten mit allen Kindern genutzt werden. Sie ist nicht zur Einzelf\u00f6rderung geeignet, da die Spiele und Gespr\u00e4che mit den anderen Kindern im Mittelpunkt der Interaktion stehen. Wenn SPRINT in der Kleingruppe durchgef\u00fchrt wird, ist der regelm\u00e4ssige Austausch zwischen der Kindergartenlehrperson und der Fachperson, die die F\u00f6rderung durchf\u00fchrt, sehr wichtig. Nur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass die Inhalte der F\u00f6rderung in den Alltag \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.\r\n<h2>Literatur<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li>Achhammer, B. (2014). F\u00f6rderung pragmatisch-kommunikativer F\u00e4higkeiten bei Kindern. Evaluation einer gruppentherapeutischen Intervention mit Methoden des Improvisationstheaters. Unver\u00f6ffentlichte Dissertation. Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/li>\r\n \t<li>Achhammer, B. (2015). Pragmatisch fit mit Therapie PraFIT. Sprachtherapie aktuell: Schwerpunktthema: Aus der Praxis f\u00fcr die Praxis 2: e2015-04; doi: 10.14620\/stadbs150904.<\/li>\r\n \t<li>Isler, D. et al. (2017). Fachkonzept \u00abFru\u0308he Sprachbildung\u00bb. Zu\u0308rich: Bildungsdirektion Kanton Zu\u0308rich.<\/li>\r\n \t<li>Kannengiesser, S. (2009). Sprachentwicklungsst\u00f6rungen. M\u00fcnchen: Urban u. Fischer, S. 281\u2013286.<\/li>\r\n \t<li>Knapp, W., Kucharz, D., Gasteiger-Klicpera, B., (2010). Sprache f\u00f6rdern im Kindergarten, Beltz: Weinheim und Basel.<\/li>\r\n \t<li>Madeira Firmino, N. et al. (2014). \u00abBewegte Sprache\u00bb im Kindergarten. \u00dcberpr\u00fcfung der Effektivit\u00e4t einer alltagsorientierten Sprachf\u00f6rderung.\u202fForschung Sprache, E-Journal f\u00fcr Sprachheilp\u00e4dagogik, Sprachtherapie und Sprachf\u00f6rderung, 2\u202f(1), S. 34\u201347.<\/li>\r\n \t<li>Ruberg, T., Rottweiler, M. (2012). Spracherwerb und Sprachf\u00f6rderung in der Kita, Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\r\n \t<li>Sallat, S. &amp; Spreer, M. (2018). Pragmatisch-kommunikative F\u00e4higkeiten in der Schule f\u00f6rdern. In: T. Jungmann, B. Gierschner, M. Meindl, S. Sallat (Hrsg.). Sprach- und Bildungshorizonte\u202f... Wahrnehmen \u2013 Beschreiben \u2013 Erweitern. Idstein: Schulz Kirchner.<\/li>\r\n<\/ul>","rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1066\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275.jpg\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275.jpg 668w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275-300x124.jpg 300w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275-65x27.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275-225x93.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/04\/pkg-HFH_Opfikon-13-12-2021-7704_668x275-350x144.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 668px) 100vw, 668px\" \/><\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Mehrsprachigkeit ist seit vielen Jahren Normalit\u00e4t in Kinderg\u00e4rten und Schulen in der Schweiz. 40\u202f% der Bev\u00f6lkerung der Schweiz sind Menschen mit Migrationshintergrund und 22% sind Menschen mit ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit (Bundesamt f\u00fcr Statistik, 2024). Ein Teil der Kinder kommt ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Viele Lehrpersonen wissen um die Ressourcen der Mehrsprachigkeit, verf\u00fcgen \u00fcber gute Kompetenzen zur integrativen Sprachf\u00f6rderung und bieten vielf\u00e4ltige, spielerische Zug\u00e4nge zur Sprache im Kindergartenalltag an. Kinder, die ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten kommen und trotz der F\u00f6rderung in der Zweitsprache Deutsch keine oder nur geringe Fortschritte machen, stellen die P\u00e4dagog:innen vor Herausforderungen.<\/p>\n<p>Es steht die Frage im Raum, ob diese Gruppe von Kindern zur Pr\u00e4vention von Bildungsbenachteiligungen intensivere oder anders gestaltete Sprachf\u00f6rderung oder evtl. sogar Sprachtherapie braucht. Bis zu einer logop\u00e4dischen Abkl\u00e4rung und m\u00f6glichen Therapie entsteht h\u00e4ufig eine l\u00e4ngere Wartezeit. Es wird nach Konzepten gesucht, die diese L\u00fccke f\u00fcllen k\u00f6nnen und so einen Beitrag zur Pr\u00e4vention von Bildungsbenachteiligungen durch mangelnde Kenntnisse der Umgebungssprache leisten. Das Sprachf\u00f6rderkonzept SPRINT hat den Anspruch, die kommunikativen Kompetenzen mehrsprachiger Kinder durch bewegungs- und handlungsorientierte Spielsituationen zu erweitern und so ihre sprachliche Teilhabe im Kindergarten, in der Freizeit und in der Familie zu verbessern.<\/p>\n<h2>Ziele<\/h2>\n<h3>Welche Ziele sollen mit dem F\u00f6rderkonzept erreicht werden und warum sind diese Ziele wichtig? Was lernen die Kinder konkret?<\/h3>\n<p>Im Mittelpunkt von SPRINT steht die Kommunikation. Teilhabe an Kommunikationssituationen, in denen Wissen, Informationen, Ideen und Gef\u00fchle ausgetauscht werden, wird mit dem Fachbegriff \u00abkommunikative Partizipation\u00bb bezeichnet. Sie ist als Schl\u00fcsselmerkmal gelingender Teilhabe und Integration, der sozial-emotionalen Entwicklung sowie der Lebensqualit\u00e4t zu verstehen.<\/p>\n<p>Im Kindergartenalltag zeigt sich, dass Kinder, die die Umgebungssprache bei Eintritt in den Kindergarten nicht oder nur rudiment\u00e4r beherrschen, von der aktiven Teilnahme an Kommunikationssituationen vielfach ausgeschlossen sind. Sie k\u00f6nnen anderen ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle in Spiel- und Lernsituationen h\u00e4ufig nicht mitteilen und genauso umgekehrt die Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle der anderen h\u00e4ufig nicht verstehen. Kinder, die in Kommunikationssituationen miteinbezogen werden, haben mehr Gelegenheiten, Sprache zu h\u00f6ren und zu sprechen, sie haben so die M\u00f6glichkeit, Sprachstrukturen und kommunikative Konventionen zu lernen. Sie erfahren sich als selbstwirksam, wenn sie ihre Ideen und Bed\u00fcrfnisse beim Spielen und Lernen einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit dem F\u00f6rderkonzept SPRINT soll die kommunikative Partizipation von mehrsprachigen Kindern im Kindergarten, in der Freizeit und in der Familie verbessert werden. Durch die F\u00f6rderung wird der Zweitspracherwerb dieser Kindergruppe unterst\u00fctzt, zudem wird ein Beitrag zur Pr\u00e4vention von Spracherwerbsst\u00f6rungen geleistet. Im Rahmen von bedeutungsvollen bewegungs- und handlungsorientierten Spielsituationen werden die pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen systematisch gef\u00f6rdert. In der F\u00f6rderung lernen die Kinder, die Kommunikationsregeln in unterschiedlichen Situationen und Umgebungen kennen und korrekt anzuwenden. Insbesondere geht es um die Kenntnis und Erprobung von Sprachhandlungen im Bildungsbereich, wie z.\u202fB. p\u00e4dagogischen Fragen, Regeln des Sprecherwechsels in Gruppen, Anforderungen an H\u00f6flichkeit, Vorlesen von l\u00e4ngeren Texten, selbstst\u00e4ndiges Erz\u00e4hlen. Mit der digitalen Spielekartei stehen Lehrpersonen und Therapeut:innen flexibel einsetzbare, theoretisch fundierte und thematisch strukturierte F\u00f6rdermaterialien zur Verf\u00fcgung. Diese sollen zudem zur bewegungs- und spielorientierten Gestaltung integrierter Sprachf\u00f6rderung im Kindergarten motivieren.<\/p>\n<h2>Zielgruppe<\/h2>\n<h3>F\u00fcr wen ist SPRINT gedacht?<\/h3>\n<p>Das F\u00f6rderkonzept richtet sich an mehrsprachige Kindergartenkinder im Alter von 4 bis 7 Jahren. Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist, verf\u00fcgen zum Teil bei Kindergarteneintritt nur \u00fcber geringe oder gar keine Deutschkenntnisse. Die meisten Kinder dieser Gruppe lernen nach dem Start des Kindergartens durch die regelm\u00e4ssigen Sprachkontakte im Kindergarten und mit entsprechender Unterst\u00fctzung durch den DaZ-Unterricht relativ schnell so gut Deutsch, dass sie an den Kommunikationssituationen in der Einrichtung angemessen teilhaben k\u00f6nnen. Ein kleinerer Teil der Kinder hat Schwierigkeiten mit dem Zweitspracherwerb und kann sich aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse nicht oder nur in sehr begrenztem Mass kommunikativ einbringen. F\u00fcr sie besteht das Risiko einer Spracherwerbsst\u00f6rung und auch Bildungsbenachteiligung.<\/p>\n<p>Kinder mit Deutsch als Zweitsprache lernen in der Regel zun\u00e4chst ihre Familiensprache und dann mit Eintritt in eine Betreuungs- oder Bildungseinrichtung die Umgebungssprache Deutsch. Bei so einem \u00absukzessiven\u00bb Zweitspracherwerb geht man davon aus, dass die grundlegenden pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen im Erstspracherwerb im famili\u00e4ren Umfeld erworben und dann grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Kommunikation in der Einrichtung zur Verf\u00fcgung stehen. Typische Sprachhandlungsmuster, die f\u00fcr die Kommunikation in der Bildungseinrichtung wichtig sind, werden hingegen in der Zweitsprache erworben und k\u00f6nnen auf die Erstsprache \u00fcbertragen werden. Allerdings gibt es bei einigen Sprachhandlungen\u202f\u2013 wie z.\u202fB. sich bedanken, sich begr\u00fcssen, h\u00f6flich sein oder Widerspruch \u00e4ussern\u202f\u2013 kulturspezifische Unterschiede. So m\u00fcssen Kinder die \u00fcblichen Regeln dieser Kommunikationssituationen in der Zweitsprache neu erlernen und die F\u00e4higkeit entwickeln, kontextbezogen unterschiedliche Regeln anzuwenden. Eine weitere Herausforderung kann f\u00fcr diese Kindergruppe dadurch entstehen, dass durch Defizite in Wortschatz und Grammatik in der Zweitsprache erworbene Sprachhandlungsmuster nicht angemessen realisiert werden k\u00f6nnen. Diese Situation kann als Motor f\u00fcr die Aneignung der Sprachhandlungskompetenz in der Zweitspracherwerb dienen, aber auch dazu f\u00fchren, dass sich das Kind mit einfachen Sprachhandlungsmustern begn\u00fcgt und der Aneignungsprozess stagniert. Eine genaue Beobachtung und entsprechende Unterst\u00fctzung dieser Kindergruppe bei der Aneignung der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz in der Zweitsprache sind daher wichtig, um ihre kommunikative Partizipation im institutionellen Kontext sicherzustellen (vgl. Trautmann &amp; Reich 2008, S. 43).<\/p>\n<p>Neben dieser Hauptzielgruppe ist das F\u00f6rderprogramm auch f\u00fcr Kinder mit Deutsch als Erstsprache zur Pr\u00e4vention von Spracherwerbsst\u00f6rungen geeignet\u202f\u2013 insbesondere dann, wenn aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden eine logop\u00e4dische Abkl\u00e4rung oder Therapie noch nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2>Fachpersonen<\/h2>\n<h3>Welche Kompetenzen brauchen Fachpersonen, um SPRINT durchzuf\u00fchren?<\/h3>\n<p>Das F\u00f6rderkonzept SPRINT ist so konzipiert, dass es von p\u00e4dagogischen Fachpersonen mit unterschiedlichem Vorwissen durchgef\u00fchrt werden kann. Besonders geeignete Fachpersonen sind Logop\u00e4d:innen, Schulische Heilp\u00e4dagog:innen, Psychomotoriktherapeut:innen, zus\u00e4tzlich ist der Einsatz des F\u00f6rderkonzepts durch Regellehrpersonen im integrativen Regelunterricht grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich und erw\u00fcnscht. Fachpersonen m\u00fcssen \u00fcber die F\u00e4higkeit und Bereitschaft verf\u00fcgen, mit den Kindern in Beziehung zu treten, ihre kommunikativen Kompetenzen und Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen und mit passenden Spiel- und Bewegungsangeboten auf sie zu reagieren. Sie m\u00fcssen den Kindern mit einer Haltung begegnen, die sie zur Kommunikation ermutigt und \u00abLust auf Sprache\u00bb vermittelt. Sie m\u00fcssen entweder \u00fcber das dem F\u00f6rderkonzept zugrunde liegende linguistische und sprachp\u00e4dagogische Fachwissen verf\u00fcgen oder bereit sein, sich selbstst\u00e4ndig in die theoretischen und didaktischen Grundlagen einzuarbeiten oder an einer Weiterbildung zu SPRINT teilzunehmen. Es wird empfohlen, vor der ersten Durchf\u00fchrung einen <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/weiterbildung-und-dienstleistung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einf\u00fchrungskurs zu SPRINT<\/a> zu besuchen. Je nach individuellem Vorwissen ist es wichtig, sich in die <a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/chapter\/theoretische-grundlagen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">theoretischen Grundlagen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz<\/a>\u00a0einzuarbeiten, um die Sprachhandlungssituationen ad\u00e4quat zu gestalten, die \u00c4usserungen der Kinder gewinnbringend zu modellieren und die Materialien flexibel einsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>SPRINT wurde in interdisziplin\u00e4rer Kooperation von Sprachheilp\u00e4dagog:innen, Logop\u00e4d:innen und Psychomotoriktherapeut:innen entwickelt, erprobt und evaluiert. Es waren Expert:innen der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik Z\u00fcrich und Fachpersonen aus der Praxis einer Z\u00fcrcher Schulgemeinde beteiligt.<\/p>\n<p>Das Sprachverhalten der Fachperson hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der Sprachf\u00f6rderung. Sprachlehrstrategien, wie sie Erwachsene oft unbewusst in der Kommunikation mit Kindern einsetzen, sind dabei zentral. Diese \u00abkindgerichtete\u00bb Sprache unterst\u00fctzt den Spracherwerb wesentlich, insbesondere dann, wenn sie zielgerichtet eingesetzt wird und an das Kompetenzniveau der Kinder angepasst ist. Drei zentrale Aspekte, die f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung im Allgemeinen gelten, sollten von der Fachkraft, die mit SPRINT arbeitet, beachtet werden.<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"text-align: initial;font-size: 14pt\">Die Fachperson ist ein Sprachvorbild. Sie spricht deutlich, betont und in angemessenem Tempo. Sie spricht grammatisch korrekt und verwendet einen passenden, reichhaltigen Wortschatz. Sie benutzt Standardsprache als Vorbereitung auf die Schule und Dialekt als Sprache der N\u00e4he.<\/span><\/li>\n<li>Die Fachperson ermuntert die Kinder durch Impulse und offene Fragen zum Sprechen. Sie vermeidet geschlossene Fragen und achtet darauf, dass der Sprachanteil der Kinder hoch ist.<\/li>\n<li>Die Fachperson stellt sich als Kommunikationspartner:in zur Verf\u00fcgung und verwendet implizite und explizite modellierende R\u00fcckmeldungen und Interventionen.\n<ol type=\"a\">\n<li>Implizite R\u00fcckmeldungen und Interventionen: R\u00fcckfragen stellen, gen\u00fcgend Zeit zum Sprechen geben, Sprachhandlungen modellhaft vormachen, Konfrontieren mit kommunikativen Defiziten durch bewusstes Missverstehen<\/li>\n<li>Explizite R\u00fcckmeldungen und Interventionen: Besprechung der Ziele der Spiele und \u00dcbungen, explizite Einf\u00fchrung des Vokabulars, Mitspielen und Gestaltung durch die Rolle der Kommunikationspartner:in, R\u00fcckmeldungen zur Zielerreichung der Kommunikation, Organisation des Transfers des Gelernten in den Alltag<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>(Kannengiesser, S. 2009, S. 281 f.)<\/p>\n<h4><strong>Buchtipp:<\/strong><\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1830 alignleft\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"123\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-196x300.jpg 196w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-65x100.jpg 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-225x345.jpg 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816-350x537.jpg 350w, https:\/\/digital.hfh.ch\/sprint\/wp-content\/uploads\/sites\/40\/2022\/03\/3816.jpg 652w\" sizes=\"auto, (max-width: 123px) 100vw, 123px\" \/><\/p>\n<p>L\u00f6ffler, C., &amp; Vogt, F. (Hrsg.). (2020). <em>Strategien der Sprachf\u00f6rderung im Kita-Alltag<\/em> (2., aktualisierte Auflage). Ernst Reinhardt Verlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>P\u00e4dagogisch-didaktische Grundlagen<\/h2>\n<h3>Wie erwerben Kinder eine (Zweit)sprache? Auf welchen p\u00e4dagogisch-didaktischen Leitideen beruht SPRINT?<\/h3>\n<p>Die p\u00e4dagogisch-didaktischen Leitlinien von SPRINT beruhen auf dem Verst\u00e4ndnis der Prozesse des Zweitspracherwerbs. Mit Zweitspracherwerb ist die Aneignung einer Zweitsprache gemeint, die die Umgebungssprache, aber nicht die Familiensprache eines Kindes ist. Kinder verf\u00fcgen \u00fcber die F\u00e4higkeit, in den ersten Lebensjahren problemlos eine oder auch mehrere Sprachen zu lernen. Der Lernprozess \u00e4hnelt dem Erstspracherwerb. Es handelt sich um einen Prozess der aktiven Aneignung einer Zweitsprache, der sich auf der Grundlage der Sprachlernf\u00e4higkeit des Kindes in Interaktion mit der Umwelt vollzieht. Alle Kinder verf\u00fcgen grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Kompetenz, sich Sprache anzueignen. Sie haben die kognitiven, motorischen und motivationalen Voraussetzungen, um Sprache wahrzunehmen, zu verarbeiten und zu verwenden. Sie sind in der Lage, sprachliche \u00c4usserungen zu bilden und zu verstehen, verf\u00fcgen \u00fcber die sprechmotorischen Voraussetzungen, die Merkf\u00e4higkeit sowie auch die Motivation zum Sprechen. Die Interaktion und Beziehung mit sprachkompetenten Bezugspersonen leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erst- und Zweitspracherwerb. An das Sprachniveau angepasste sprachliche R\u00fcckmeldungen und Erweiterungen eingebettet in Prozesse gemeinsamer Sinnkonstruktionen, wie z.\u202fB. bedeutungsvolle Spiel- und Vorlesesituationen, sind ein Motor f\u00fcr die Sprachaneignung. Anregungsreicher sprachlicher Input und vielf\u00e4ltige Gelegenheiten, Sprache zu h\u00f6ren und zu sprechen, sind zentral zur Unterst\u00fctzung des Zweitspracherwerbs.<\/p>\n<p>Bei einem Teil der mehrsprachigen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache gestaltet sich der Deutschspracherwerb komplexer und sie machen z. B. in der Kindertagesst\u00e4tte nur langsam Fortschritte. Hier wird deutlich, dass der Kontakt mit der Zielsprache allein \u00fcber das \u00abSprachbad\u00bb nicht ausreicht und diese Kinder gezielte Unterst\u00fctzung beim Spracherwerb ben\u00f6tigen. Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t des Sprachinputs sind entscheidend.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4tsmerkmale oder auch Leitideen f\u00fcr die Gestaltung sprachf\u00f6rderlicher Lernsituationen im Erst- und Zweitspracherwerb sind Gegenstand zahlreicher Ver\u00f6ffentlichungen. Das F\u00f6rderkonzept SPRINT bezieht sich insbesondere auf Achhammer (2014,\u202f2015), Isler et al. (2019), Knapp et al. (2010), Madeira Firmino et al. (2014) sowie Ruberg u. Rottweiler (2012).<\/p>\n<p>Folgende Leitideen der Sprachf\u00f6rderung sind grundlegend f\u00fcr die Konzeption von SPRINT und sollten handlungsleitend f\u00fcr die Umsetzung in der Praxis sein:<\/p>\n<ol>\n<li>Kinder werden als Akteure ihrer Sprachaneignung wahrgenommen.<\/li>\n<li>Kinder erleben die Funktion von Sprache in bedeutungsvollen Kommunikationssituationen.<\/li>\n<li>Die Themen der Sprachf\u00f6rderung orientieren sich am Alltag und an der Lebenswelt der Kinder.<\/li>\n<li>Die Inhalte der Sprachf\u00f6rderung sind systematisch aufgebaut und ber\u00fccksichtigen die Dimensionen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz.<\/li>\n<li>Die Inhalte und Themen der Sprachf\u00f6rderung werden flexibel eingesetzt und bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder variiert.<\/li>\n<li>Sprachhandlungen eingebunden in Bewegung und Spiel sind zentrale Gestaltungselemente der Sprachf\u00f6rderung.<\/li>\n<li>Die Sprachf\u00f6rderung nutzt die Mehrsprachigkeit der Kinder.<\/li>\n<li>Die Sprachf\u00f6rderung findet in Kleingruppen in enger Anbindung an den Kindergartenalltag oder integrativ statt.<\/li>\n<\/ol>\n<h4>Kinder werden als Akteure ihrer Sprachaneignung wahrgenommen.<\/h4>\n<p>Die Sprachlernf\u00e4higkeit der Kinder wird durch ein hochfrequentes, vielf\u00e4ltiges, inhaltlich reichhaltiges und variables Sprachangebot unterst\u00fctzt. Kinder haben so die Gelegenheit, kommunikative Muster, pragmatische Konventionen und Regeln selbstst\u00e4ndig abzuleiten. Die Fachpersonen begleiten und unterst\u00fctzen sie auf ihren individuellen Lernwegen, indem sie ihre individuellen Zug\u00e4nge wertsch\u00e4tzen und durch passende R\u00fcckmeldungen weiterf\u00fchren. Fehler werden als Schaufenster in das Bewusstsein der Lernenden genutzt. Sie geben wertvolle Einblicke zum Entwicklungsstand und zu den Lernwegen der Kinder.<\/p>\n<h4>Kinder erleben die Funktion von Sprache in bedeutungsvollen Kommunikationssituationen.<\/h4>\n<p>Kinder lernen Sprache, um sich mitzuteilen. Das Erlernen und Nutzen der Zweitsprache wird f\u00fcr sie dann besonders sinnvoll, wenn sie damit ihre Handlungsziele erreichen k\u00f6nnen. Sie m\u00f6chten aktiv an der Kommunikation teilnehmen k\u00f6nnen. Sie m\u00f6chten ihre W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse, ihre Befindlichkeit mitteilen. Sie m\u00f6chten erz\u00e4hlen, was sie erlebt haben. Sprachf\u00f6rderung ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, die kommunikative Partizipation der Kinder in Situationen im Kindergarten und in der Freizeit zu verbessern. Die Spielvorschl\u00e4ge von SPRINT enthalten zahlreiche Spielideen, die in kindgem\u00e4ssen Kontexten zu sprachlichen \u00c4usserungen ermuntern und das Erproben verschiedener sprachlicher Varianten erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h4>Die Themen der Sprachf\u00f6rderung orientieren sich am Alltag und an der Lebenswelt der Kinder.<\/h4>\n<p>Alle Menschen beteiligen sich dann gerne an Gespr\u00e4chen, wenn das Thema sie interessiert oder pers\u00f6nlich betrifft. Kinder sind motiviert zu sprechen und zeigen Interesse an Sprache, wenn die Themen an ihren Alltag und ihre Lebenswelt ankn\u00fcpfen. Themen, bei denen sie auf eigene Erfahrungen und ihr Wissen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, die sich auf den Alltag und die Lerninhalte des Kindergartens beziehen. Erfahrungen, die sie aus ihrem famili\u00e4ren Lebenskontext einbringen k\u00f6nnen. Die Themen, in die die SPRINT-Spielvorschl\u00e4ge eingebettet sind, sind nah an der Lebenswelt und den Erfahrungen der Kindergartenkinder. Sie kn\u00fcpfen entweder direkt an den Alltag der mehrsprachigen Kinder an oder stellen eine Verbindung zur Lebenswelt in der Schweiz her. Sie erm\u00f6glichen die spielerische Erprobung kommunikativer Muster und Regeln, wie sie f\u00fcr die Kommunikationskultur in der Schweiz typisch sind.<\/p>\n<h4>Die Inhalte der Sprachf\u00f6rderung sind systematisch aufgebaut und ber\u00fccksichtigen die Dimensionen der pragmatisch-kommunikativen Kompetenz.<\/h4>\n<p>Durch die F\u00f6rderung mit SPRINT sollen die Kinder ihre pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen in der Zweitsprache Deutsch erweitern. In der Spielekartei von SPRINT werden zu den drei aufeinander aufbauenden sprachlichen Dimensionen der Pragmatik Spielideen zu den pragmatischen Kompetenzen, die in unterschiedlich komplexen Sprachhandlungssituationen zu verschiedenen alltagsrelevanten Themen realisiert werden, angeboten. Die Lehrperson oder der\/die Therapeut:in, der\/die die F\u00f6rderung durchf\u00fchrt, w\u00e4hlt bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder, die an der F\u00f6rderung teilnehmen, passende Spiele aus.<\/p>\n<h4>Die Inhalte und Themen der Sprachf\u00f6rderung werden flexibel eingesetzt und bezogen auf den Entwicklungsstand der Kinder variiert.<\/h4>\n<p>Sprachf\u00f6rderung soll variierende sprachliche Interaktionen in verschiedenen Medien, Kontexten und Sprachen erm\u00f6glichen. SPRINT stellt eine bezogen auf Lerngegenstand pragmatisch-kommunikative Kompetenz systematisch aufgebaute Spielekartei zur Verf\u00fcgung. Die Spiele k\u00f6nnen passend zum Entwicklungsstand der Kinder ausgew\u00e4hlt und sowohl vom Inhalt als auch vom Thema her variiert werden.<\/p>\n<h4>Sprachhandlungen eingebunden in Bewegung und Spiel sind zentrale Gestaltungselemente der Sprachf\u00f6rderung.<\/h4>\n<p>Die Verkn\u00fcpfung von Bewegungsanl\u00e4ssen und handlungsorientierten Spielsituationen wird als gewinnbringend f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung angesehen. Bewegungsangebote sind der Ausgangspunkt f\u00fcr Interaktions- und Sprechanl\u00e4sse. Dem Kind wird Raum gegeben, Sprache in kommunikativen Kontexten zu erwerben und anzuwenden. Das sprachf\u00f6rdernde Potenzial in Bewegungsanl\u00e4ssen entdecken und aufbereiten zu k\u00f6nnen, entsprechende Angebote und Spielideen f\u00fcr die Kinder in den Alltag zu integrieren und sich selber im t\u00e4glichen Umgang mit den Kindern sprachf\u00f6rderlich verhalten zu k\u00f6nnen\u00bb (Madeira Firmino, 2014).<\/p>\n<h4>Fachpersonen sind Sprachvorbilder, sie gestalten ein anregungsreiches Sprachangebot und reagieren mit passendem Feedback auf die \u00c4usserungen der Kinder.<\/h4>\n<p>Sprachf\u00f6rderung ist dann besonders wirksam, wenn sie in bedeutungsvollen Kommunikations- und Interaktionssituationen mit nahen Bezugspersonen stattfindet. Kinder sollten viele Gelegenheiten erhalten, sich zu \u00e4ussern, d.\u202fh. es muss eine Lernumgebung geschaffen werden, die zum Sprechen anregt und Gelegenheit f\u00fcr sprachliche Interaktionen mit den anderen Kindern und der Fachkraft bietet. Wenn Kinder zu ihren \u00c4usserungen R\u00fcckmeldungen erhalten und korrekte Sprachvarianten h\u00f6ren, werden sie dazu angeregt, ihr Wissen umzustrukturieren und sich neue Formen, kommunikative Muster und Verhaltensweisen anzueignen. Die Fachkraft ist zum einen Sprachvorbild f\u00fcr die Umgebungssprache, zum anderen regt sie durch offene Frage und gestaltete Sprachanl\u00e4sse zum Sprechen an und gibt modellierende R\u00fcckmeldungen zu den \u00c4usserungen der Kinder (ausf\u00fchrlich hierzu Abschnitt &#8222;Fachpersonen&#8220;).<\/p>\n<h4>Die Sprachf\u00f6rderung nutzt die Mehrsprachigkeit der Kinder.<\/h4>\n<p>Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die f\u00fcr die Sprachaneignung der Umgebungssprache genutzt werden sollte. Die sichtbare Wertsch\u00e4tzung der verschiedenen Erstsprachen im Kindergartenalltag und in den F\u00f6rdersequenzen spielt hierf\u00fcr eine entscheidende Rolle. SPRINT bietet verschiedene mehrsprachige Rituale, Lieder und Spiele an und er\u00f6ffnet so einen spannenden und erfreulichen Zugang zu verschiedenen Sprachen. Spielsequenzen kn\u00fcpfen an die kommunikativen Erfahrungen der Kinder in ihrer Erstsprache an. Die Kinder k\u00f6nnen die kommunikativen Muster und Regeln ihrer Erstsprachen einbringen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen und verschiedenen Kontexten reflektieren.<\/p>\n<h4>Die Sprachf\u00f6rderung findet in Kleingruppen in enger Anbindung an den Kindergartenalltag oder integrativ statt.<\/h4>\n<p>Die SPRINT-Kartei kann sowohl separativ in der Kleingruppe oder integrativ im Kindergarten mit allen Kindern genutzt werden. Sie ist nicht zur Einzelf\u00f6rderung geeignet, da die Spiele und Gespr\u00e4che mit den anderen Kindern im Mittelpunkt der Interaktion stehen. Wenn SPRINT in der Kleingruppe durchgef\u00fchrt wird, ist der regelm\u00e4ssige Austausch zwischen der Kindergartenlehrperson und der Fachperson, die die F\u00f6rderung durchf\u00fchrt, sehr wichtig. Nur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass die Inhalte der F\u00f6rderung in den Alltag \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>Achhammer, B. (2014). F\u00f6rderung pragmatisch-kommunikativer F\u00e4higkeiten bei Kindern. Evaluation einer gruppentherapeutischen Intervention mit Methoden des Improvisationstheaters. Unver\u00f6ffentlichte Dissertation. Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/li>\n<li>Achhammer, B. (2015). Pragmatisch fit mit Therapie PraFIT. Sprachtherapie aktuell: Schwerpunktthema: Aus der Praxis f\u00fcr die Praxis 2: e2015-04; doi: 10.14620\/stadbs150904.<\/li>\n<li>Isler, D. et al. (2017). Fachkonzept \u00abFru\u0308he Sprachbildung\u00bb. Zu\u0308rich: Bildungsdirektion Kanton Zu\u0308rich.<\/li>\n<li>Kannengiesser, S. (2009). Sprachentwicklungsst\u00f6rungen. M\u00fcnchen: Urban u. Fischer, S. 281\u2013286.<\/li>\n<li>Knapp, W., Kucharz, D., Gasteiger-Klicpera, B., (2010). Sprache f\u00f6rdern im Kindergarten, Beltz: Weinheim und Basel.<\/li>\n<li>Madeira Firmino, N. et al. (2014). \u00abBewegte Sprache\u00bb im Kindergarten. \u00dcberpr\u00fcfung der Effektivit\u00e4t einer alltagsorientierten Sprachf\u00f6rderung.\u202fForschung Sprache, E-Journal f\u00fcr Sprachheilp\u00e4dagogik, Sprachtherapie und Sprachf\u00f6rderung, 2\u202f(1), S. 34\u201347.<\/li>\n<li>Ruberg, T., Rottweiler, M. (2012). Spracherwerb und Sprachf\u00f6rderung in der Kita, Stuttgart: Kohlhammer.<\/li>\n<li>Sallat, S. &amp; Spreer, M. (2018). Pragmatisch-kommunikative F\u00e4higkeiten in der Schule f\u00f6rdern. In: T. Jungmann, B. Gierschner, M. Meindl, S. Sallat (Hrsg.). Sprach- und Bildungshorizonte\u202f&#8230; Wahrnehmen \u2013 Beschreiben \u2013 Erweitern. Idstein: Schulz Kirchner.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Mehrsprachigkeit ist seit vielen Jahren Normalit\u00e4t in Kinderg\u00e4rten und Schulen in der Schweiz. 40\u202f% der Bev\u00f6lkerung der Schweiz sind Menschen mit Migrationshintergrund und 22% sind Menschen mit ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit (Bundesamt f\u00fcr Statistik, 2024). Ein Teil der Kinder kommt ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. 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