{"id":50,"date":"2024-10-18T15:09:29","date_gmt":"2024-10-18T15:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/?post_type=chapter&#038;p=50"},"modified":"2024-12-10T12:22:08","modified_gmt":"2024-12-10T12:22:08","slug":"das-kind-setzt-gebaerden-bildkarten-talker-oder-lautsprache-zur-kommunikation-ein","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/chapter\/das-kind-setzt-gebaerden-bildkarten-talker-oder-lautsprache-zur-kommunikation-ein\/","title":{"raw":"Das Kind setzt Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache zur Kommunikation ein.","rendered":"Das Kind setzt Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache zur Kommunikation ein."},"content":{"raw":"<div class=\"textbox textbox--examples\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<p class=\"textbox__title\">F\u00f6rderziel<\/p>\r\n\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h1 class=\"no-heading-style\">Das Kind setzt Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache zur Kommunikation ein.<\/h1>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\nOhne symbolische Kommunikationsmittel wie Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache, ist die Kommunikation aufs Hier und Jetzt beschr\u00e4nkt. Deswegen ist der Schritt zur symbolischen Kommunikation entscheidend f\u00fcr die Erweiterung der kommunikativen M\u00f6glichkeiten. Um ihn zu unterst\u00fctzen, k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zur Lautsprache visuelle Mittel wie Geb\u00e4rden, Bilder oder Talker eingesetzt werden. Solche Mittel der Unterst\u00fctzten Kommunikation werden mittels Modelling eingef\u00fchrt. D.h. die Therapeutin nutzt die Hilfsmittel in der Kommunikation und dient dem Kind als Modell (Casta\u00f1eda, Fr\u00f6hlich &amp; Waigand, 2017). Dabei wird der Grundsatz der Multimodalit\u00e4t beachtet, d.h. es werden verschiedene Modalit\u00e4ten der Kommunikation sinnvoll miteinander kombiniert (z.B. Lautsprache, Bilder Geb\u00e4rden, elektronische Hilfsmittel). Bei einigen Kindern im Autismus-Spektrum empfiehlt sich ein st\u00e4rker strukturiertes Vorgehen, wie es z.B. im Picture Exchange Communication System (PECS) umgesetzt wird. Hierbei wird das Kind durch Strategien aus der Lerntheorie kleinschrittig gepromptet und lernt so, seine W\u00fcnsche durch das \u00dcbergeben einer Bildkarte zu \u00e4ussern (Frost &amp; Bondy, 2011).\r\nNeben der Erweiterung der Formen der Kommunikation ist es ein wichtiges Ziel der logop\u00e4dischen Arbeit bei kleinen Kindern im Autismus-Spektrum, ihnen zu zeigen, wozu sie kommunikative \u00c4usserungen einsetzen k\u00f6nnen (Funktion). Als Einstieg eignet sich bei vielen Kindern, ihnen zu zeigen, wie sie Bed\u00fcrfnisse \u00e4ussern k\u00f6nnen. Dabei ist es sinnvoll, beim Aufbau einer neuen F\u00e4higkeit, auf eine bereits erworbene Kompetenz aufzubauen. Wenn das Kind also z.B. aktuell Bed\u00fcrfnisse \u00e4ussert, indem es auf etwas zeigt, k\u00f6nnte als n\u00e4chstes das Ziel angestrebt werden, dass es ein Bed\u00fcrfnis \u00e4ussert, indem es eine entsprechende Geb\u00e4rde macht (Funktion bleibt gleich, Form \u00e4ndert sich).\r\nKommunikation wird dabei immer im Tun gelernt. D.h. die beste M\u00f6glichkeit die Kommunikation zu f\u00f6rdern, sind nat\u00fcrlich auftretende Kommunikationssituationen. Gut geeignet daf\u00fcr sind freudvolle und spassbetonte Interaktionssituationen (vgl. Gemeinsame Aktivit\u00e4ten und Spiel). Nun wird anstelle der nonverbalen vor-symbolischen Kommunikationsformen (Gestik, Blickkontakt, usw.) eine symbolische Form (Geb\u00e4rde, Bild, Wort) angeboten und genutzt.\r\nFolgende Strategien k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich eingesetzt werden, um nat\u00fcrliche Kommunikationssituationen zu schaffen (Heim, Jonker &amp; Veen, 2012).\r\n<ul>\r\n \t<li>Alltagssituationen zur Kommunikation nutzen (Spielsachen ausw\u00e4hlen, Finken anziehen, usw.)<\/li>\r\n \t<li>Interaktionsspiele (\u201cmach-was-Spiele) einsetzen. Dabei erh\u00e4lt ein Kind eine Auswahl von Bildern mit denen es sein Gegen\u00fcber zu einer lustigen Handlung auffordern kann (vgl. Abb. 12)<\/li>\r\n \t<li>Gelegenheiten zur Kommunikation schaffen (etwas \u00dcberraschendes passiert, etwas fehlt, eine Routine wird unterbrochen, etwas ist unerreichbar)<\/li>\r\n \t<li>Angemessene Erwartungen haben (Interaktionen erwarten, die zum Entwicklungstand und den F\u00e4higkeiten des Kindes passen)<\/li>\r\n \t<li>Ausreichend Zeit geben und das Tempo der Interaktion regulieren<\/li>\r\n \t<li>Kommunikationsmodell sein<\/li>\r\n \t<li>Hilfestellung anpassen und schrittweise vorgehen<\/li>\r\n \t<li>Alle Kommunikationsversuche und -initiativen durch Antworten und Eingehen auf das Kind belohnen<\/li>\r\n<\/ul>\r\n[caption id=\"attachment_53\" align=\"aligncenter\" width=\"609\"]<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow.png\"><img class=\"wp-image-53 size-full\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow.png\" alt=\"Neun Felder mit Symbolbildern f\u00fcr verschiedene Aufforderungen wie z.B.: &quot;h\u00fcpf auf einem Bein&quot;, oder &quot;sing etwas&quot;. \" width=\"609\" height=\"456\" \/><\/a> Abbildung 12: \"mach-was\" Seite erstellt in der App GoTalk Now mit Symbolstix-Symbolen[\/caption]\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n[hfh_category_table show_all_levels=true]","rendered":"<div class=\"textbox textbox--examples\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<p class=\"textbox__title\">F\u00f6rderziel<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<h1 class=\"no-heading-style\">Das Kind setzt Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache zur Kommunikation ein.<\/h1>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Ohne symbolische Kommunikationsmittel wie Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache, ist die Kommunikation aufs Hier und Jetzt beschr\u00e4nkt. Deswegen ist der Schritt zur symbolischen Kommunikation entscheidend f\u00fcr die Erweiterung der kommunikativen M\u00f6glichkeiten. Um ihn zu unterst\u00fctzen, k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zur Lautsprache visuelle Mittel wie Geb\u00e4rden, Bilder oder Talker eingesetzt werden. Solche Mittel der Unterst\u00fctzten Kommunikation werden mittels Modelling eingef\u00fchrt. D.h. die Therapeutin nutzt die Hilfsmittel in der Kommunikation und dient dem Kind als Modell (Casta\u00f1eda, Fr\u00f6hlich &amp; Waigand, 2017). Dabei wird der Grundsatz der Multimodalit\u00e4t beachtet, d.h. es werden verschiedene Modalit\u00e4ten der Kommunikation sinnvoll miteinander kombiniert (z.B. Lautsprache, Bilder Geb\u00e4rden, elektronische Hilfsmittel). Bei einigen Kindern im Autismus-Spektrum empfiehlt sich ein st\u00e4rker strukturiertes Vorgehen, wie es z.B. im Picture Exchange Communication System (PECS) umgesetzt wird. Hierbei wird das Kind durch Strategien aus der Lerntheorie kleinschrittig gepromptet und lernt so, seine W\u00fcnsche durch das \u00dcbergeben einer Bildkarte zu \u00e4ussern (Frost &amp; Bondy, 2011).<br \/>\nNeben der Erweiterung der Formen der Kommunikation ist es ein wichtiges Ziel der logop\u00e4dischen Arbeit bei kleinen Kindern im Autismus-Spektrum, ihnen zu zeigen, wozu sie kommunikative \u00c4usserungen einsetzen k\u00f6nnen (Funktion). Als Einstieg eignet sich bei vielen Kindern, ihnen zu zeigen, wie sie Bed\u00fcrfnisse \u00e4ussern k\u00f6nnen. Dabei ist es sinnvoll, beim Aufbau einer neuen F\u00e4higkeit, auf eine bereits erworbene Kompetenz aufzubauen. Wenn das Kind also z.B. aktuell Bed\u00fcrfnisse \u00e4ussert, indem es auf etwas zeigt, k\u00f6nnte als n\u00e4chstes das Ziel angestrebt werden, dass es ein Bed\u00fcrfnis \u00e4ussert, indem es eine entsprechende Geb\u00e4rde macht (Funktion bleibt gleich, Form \u00e4ndert sich).<br \/>\nKommunikation wird dabei immer im Tun gelernt. D.h. die beste M\u00f6glichkeit die Kommunikation zu f\u00f6rdern, sind nat\u00fcrlich auftretende Kommunikationssituationen. Gut geeignet daf\u00fcr sind freudvolle und spassbetonte Interaktionssituationen (vgl. Gemeinsame Aktivit\u00e4ten und Spiel). Nun wird anstelle der nonverbalen vor-symbolischen Kommunikationsformen (Gestik, Blickkontakt, usw.) eine symbolische Form (Geb\u00e4rde, Bild, Wort) angeboten und genutzt.<br \/>\nFolgende Strategien k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich eingesetzt werden, um nat\u00fcrliche Kommunikationssituationen zu schaffen (Heim, Jonker &amp; Veen, 2012).<\/p>\n<ul>\n<li>Alltagssituationen zur Kommunikation nutzen (Spielsachen ausw\u00e4hlen, Finken anziehen, usw.)<\/li>\n<li>Interaktionsspiele (\u201cmach-was-Spiele) einsetzen. Dabei erh\u00e4lt ein Kind eine Auswahl von Bildern mit denen es sein Gegen\u00fcber zu einer lustigen Handlung auffordern kann (vgl. Abb. 12)<\/li>\n<li>Gelegenheiten zur Kommunikation schaffen (etwas \u00dcberraschendes passiert, etwas fehlt, eine Routine wird unterbrochen, etwas ist unerreichbar)<\/li>\n<li>Angemessene Erwartungen haben (Interaktionen erwarten, die zum Entwicklungstand und den F\u00e4higkeiten des Kindes passen)<\/li>\n<li>Ausreichend Zeit geben und das Tempo der Interaktion regulieren<\/li>\n<li>Kommunikationsmodell sein<\/li>\n<li>Hilfestellung anpassen und schrittweise vorgehen<\/li>\n<li>Alle Kommunikationsversuche und -initiativen durch Antworten und Eingehen auf das Kind belohnen<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_53\" aria-describedby=\"caption-attachment-53\" style=\"width: 609px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53 size-full\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow.png\" alt=\"Neun Felder mit Symbolbildern f\u00fcr verschiedene Aufforderungen wie z.B.: &quot;h\u00fcpf auf einem Bein&quot;, oder &quot;sing etwas&quot;.\" width=\"609\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow.png 609w, https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow-300x225.png 300w, https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow-65x49.png 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow-225x168.png 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/orka\/wp-content\/uploads\/sites\/82\/2024\/10\/Mach_was_Tafel_GoTalkNow-350x262.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 609px) 100vw, 609px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-53\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 12: &#8222;mach-was&#8220; Seite erstellt in der App GoTalk Now mit Symbolstix-Symbolen<\/figcaption><\/figure>\n<hr \/>\n<table class=\"hfh-category-table\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>Entwicklungsbereiche<\/th>\n<\/tr>\n<tr style='border-bottom: 2px solid #F2D1D4;'>\n<td style='background-color: #fbf3f4;'>Kommunikation und Sprache, Kommunikationsformen und -funktionen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00f6rderziel Das Kind setzt Geb\u00e4rden, Bildkarten, Talker oder Lautsprache zur Kommunikation ein. 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