{"id":87,"date":"2024-10-10T17:23:00","date_gmt":"2024-10-10T15:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/?post_type=chapter&#038;p=87"},"modified":"2026-04-09T07:11:34","modified_gmt":"2026-04-09T05:11:34","slug":"erfahrung-vertiefen","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/chapter\/erfahrung-vertiefen\/","title":{"raw":"Erfahrung vertiefen","rendered":"Erfahrung vertiefen"},"content":{"raw":"<h2 class=\"Stil5\">Erfahrungen und Kenntnisse vertiefen<\/h2>\r\nSeit den Anf\u00e4ngen um das Jahr 1926 wurde die Methode kritisch hinterfragt und differenziert (vgl. Piaget, 1999). Nach Bliss (2010) war der Forschungsalltag in Genf wie folgt organisiert. Die Forscherinnen und Forscher (auch Studierende vom ersten Semester an) besuchten jeden Nachmittag! von 13.30-15.30 Uhr Schulen, um Kinder zu interviewen und mit ihnen zusammenarbeiten zu k\u00f6nnen. Der Donnerstagnachmittag war davon ausgenommen. Dieser direkte Zugang zum Testen innerhalb der Schule und die fortlaufende \u00dcberpr\u00fcfung sowie Verfeinerung der Forschung wurden erg\u00e4nzt durch den Austausch an der Universit\u00e4t. Piaget und Inhelder trafen alle Forschenden immer montags von acht bis neun Uhr. Dort wurden die Forschungserfahrungen gestaffelt ausgewertet. Danach wurden Forschungsprojekte besprochen. Das flexible Interview wird weltweit in der Grundlagenforschung der Kognitionspsychologie, in der Erkenntnistheorie und der Lernforschung verwendet.\r\n\r\nDrei Verwendungszwecke\u00a0k\u00f6nnen skizziert werden. Der erste nimmt das flexible Interview als Forschungsmethode im Bereich der genetischen Erkenntnistheorie (<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Exkurs_-Zum-ersten-Verwendungszweck-goennen-wir-uns-einen-philosophisch-poetischen-Exkurs-zur-Frage-was-denn-Erkenntnis-sei-und-wie-wir-sie-erlangen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe Exkurs<\/a>). Der zweite bedient sich des flexiblen Interviews in der dynamischen und systemischen Diagnostik. Der dritte setzt das flexible Interview in p\u00e4dagogischen Situationen ein. Dabei werden die fachlichen Kompetenzen der Beteiligten nachhaltig, dialogisch, demokratisch und niveaubewusst differenziert. Lesen Sie dazu eine eindr\u00fcckliche Umschreibung von B\u00e4rbel Inhelder (1963, S. 262), \u00dcbersetzung d. Verf.\u00a0<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/04\/Die-klinische-Methode-erfordert-natuerlich-eine-subtile-Praxis-und-eine-Reihe-von-Vorsichtsmassnahmen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe Link<\/a>.\r\n<p class=\"Stil3\">La m\u00e9thode clinique exige \u00e9videmment une pratique subtile et un ensemble de pr\u00e9cautions. II faut \u00e9viter autant le danger de sugg\u00e9rer \u00e0 l'enfant une direction de pens\u00e9e qui n\u2019est pas la sienne, que celui d'une interpr\u00e9tation na\u00efve qui consisterait \u00e0 attribuer une valeur totale et \u00e9gale \u00e0 tous ses propos. Proc\u00e9der cliniquement signifie se d\u00e9barrasser de toute attitude r\u00e9aliste et interpr\u00e9ter les donn\u00e9es en tant que signes relatifs : c'est-\u00ad\u00e0-dire savoir organiser une exp\u00e9rience, poser des probl\u00e8mes, conduire la conversation de fa\u00e7on \u00e0 trancher entre plusieurs hypoth\u00e8ses, chercher \u00e0 les contr\u00f4ler tout en observant les faits qui peuvent d\u00e9passer ou contredire les cadres pr\u00e9con\u00e7us; et finalement rendre l'enfant actif en s'adaptant \u00e0 chaque cas particulier sans perdre de vue les normes g\u00e9n\u00e9rales, suivre les sinuosit\u00e9s de sa pens\u00e9e tout en la dirigeant vers les points cruciaux. La technique de la conversation clinique ne s'apprend pas du jour au lendemain; elle exige une longue pr\u00e9paration. C'est l\u00e0 peut-\u00eatre l'obstacle principal \u00e0 l'emploi de nos \u00e9preuves de diagnostic op\u00e9ratoire.<\/p>\r\n<p class=\"Stil4\">Inhelder, Sinclair, Bovet (1974, S.35) pr\u00e4zisierten die Umschreibung: \u201eLa m\u00e9thode clinique \u2013 plus significativement appel\u00e9e \u201em\u00e9thode d\u2019exploration critique\u201c (\u2026).\u201c Methode der kritischen Exploration.<\/p>\r\n<p class=\"Stil4\">Ginsburg (1997) beschreibt die klinische Methode (d.i. das flexible Interview) ausf\u00fchrlich als \"a powerful technique\", um Einsicht in das Denken der Kinder zu gewinnen. Das Buch tr\u00e4gt den Titel \"Entering the Child's Mind\". - Das Verb \"to enter\" ist sehr bedeutungsreich, und es stellt sich die Frage, welche Bedeutungen zum Tragen kommen, wenn ein flexibles Interview stattfindet. W\u00e4hrend der Auseinandersetzung mit dem Tierfotografen, Vincent Munier (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/dokumentation\/tiere\/unterwegs-in-der-wildnis-vincent-munier-100.html\">Hiroz &amp; Aymon, 2021<\/a>) und in der Besch\u00e4ftigung mit der systemischen Spielp\u00e4dagogik (vgl. Heimlich, 2015) und dem Mathematisieren w\u00e4hrend des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/344348618_Monza_-_Gesellschaftsspiel\">Monza-Projekts<\/a>, ist mir bewusst geworden, dass die Arbeit mit der Methode der kritischen Exploration sch\u00f6n und erschreckend sein kann. Sch\u00f6n ist sie, wenn den forschenden Erwachsenen bewusst ist, dass sie in die\u00a0<em>Sph\u00e4re der Kinder<\/em>\u00a0eintreten und dass sie die Rechte der Kinder achten, \u00e4hnlich der Beobachtungskunst von Vincent Munier. Die Wirkung der Methode ist erschreckend, wenn \"Entering the Child's Mind\" zwar trickreich, aber eigentlich autorit\u00e4r, unempathisch und nicht nachhaltig ist. - Ginsburg (1997, S. 229) will\u00a0<em>unabh\u00e4ngigen Denkern<\/em>\u00a0begegnen. Wie dieses Ziel erreicht wird, kann mit Videoanalysen untersucht werden.<\/p>\r\n<p class=\"Stil4\">Sedova (2017) erkannte in einer Fallstudie \u00fcber einen Fortbildungsworkshop, dass der \u00dcbergang zum dialogischen Unterrichten ein gradueller, nicht-linearer Prozess ist. Sie beobachtete Phasen der Akzeleration und der Regressionen. Reflektive Interviews spielten in den Ver\u00e4nderungsprozessen eine wichtige Rolle und sie machten m\u00f6glich, dass neue p\u00e4dagogische Werkzeuge erworben werden konnten. - Das flexible Interview erwies sich bereits in der Studie von Mast (2011) als sehr dynamischer Entwicklungsfaktor im Zusammenhang mit der Lesson-Study.<\/p>\r\nBianca Werfeli, SHP, f\u00fchrte 2017 mit einer Sch\u00fclerin ein flexibles Interview durch. Sp\u00e4ter untersuchten sie die Erfahrung mit der Methode\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/351658874_Flexible_Interviews_besprechen_-_Sharing_the_video_2019\">\"sharing the video\"(vgl. Morgan, 2007; Nind et al., 2016, S.159-208)<\/a><\/strong>. Die Fallstudie dokumentiert, wie das FI methodisch erweitert und systemisch p\u00e4dagogisiert werden kann.\r\n\r\nDer Austausch w\u00e4hrend Experimenten mit dem FI macht wichtige Differenzierungen sichtbar (vgl. Saxer und Meyer, 2020:\u00a0<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Austausch_Methode_FI_2020.pdf\">Austausch_Methode_FI_2020<\/a>).\r\n<h2>Der systemische und demokratische Vorbehalt<\/h2>\r\nVygotsky (zit. nach Hakkarainen &amp; Bredikyte, 2008, S. 4) unterschied im Zusammenhang mit der Zone der n\u00e4chsten Entwicklung zwei Formen der Rationalit\u00e4t: die logisch-analytische und die narrative. Hakkarainen &amp; Bredikyte, (2008) stellen fest, dass in der westlichen Tradition beim Scaffolding (differenzierte Lernprozessbegleitung) vor allem das L\u00f6sen von kognitiven Problemen durch Individuen thematisiert werde. Dabei habe Vygostky darauf hingewiesen, dass Lernentwicklung auch im Spiel stattfinde und dass die sozio-kulturellen Faktoren bedeutsamere Spuren hinterlassen. Diese w\u00fcrden auch eine psychologische Wirkung erzeugen, welche darin besteht, dass das Kind in ausserschulischen Situationen nicht nur den rationalen L\u00f6sungsweg erinnere, sondern eine Szene mit Peers, mit Lehrperson, mit Aufgaben, L\u00f6sungswegen und einem sozialen, empathischen und geistreichen Klima. - Das bedeutet f\u00fcr die Vertiefung des flexiblen Interviews, dass die Erwachsenen koh\u00e4rent und rigoros mit der <em>narrativen Rationalit\u00e4t\u00a0<\/em>arbeiten lernen. Weiter sollten die Aufgaben und Probleme aus der Lebenswirklichkeit und den Spielen der Kinder ausgew\u00e4hlt werden. Das Scaffolding und das flexible Interview w\u00fcrden als kreatives Mitgestalten und Mitspielen mit Blick auf die Zone der n\u00e4chsten Entwicklung erscheinen. Danilo Dolci (2016) umschreibt das in einem Gedicht.\r\n\r\n<cite>\"La maieutica \u00e8 buona se in un gruppo<\/cite>\r\n\r\n<cite>ognuno \u00e8 levatrice di ciascuno.\"\u00a0<\/cite>(Danilo Dolci, 2016, S. 251: poema umano, proverbi improvvisati)\r\n\r\n\u00abM\u00e4eutik ist gut, wenn in Gruppen\r\nAlle Hebamme aller sind.\u00bb (\u00dcbers. d.d. Verf.)\r\n\r\nReziprokes Forschen und reziprokes Unterrichten \u00fcberwinden die Paradoxien von pseudosystemischen Ans\u00e4tzen. Das \"improvisierte Sprichwort\" von Danilo Dolci ( 2016, S. 251) t\u00f6nt es an: \u00abM\u00e4eutik ist gut, wenn in Gruppen \/ Alle Hebamme aller sind.\u00bb Das wird m\u00f6glich, wenn die Fachpersonen eine (Gruppen-) Kultur aufrecht erhalten, in welcher die notwendigen manifesten Programme offen bleiben f\u00fcr die latenten Programme (vgl. Pichon-Rivi\u00e8re, 2003; Cuomo, 2007). Es wird m\u00f6glich, wenn die Methode des flexiblen Interviews die Partizipation und die Partizipationsrechte gezielt und bewusst ausbaut (vgl. Hotz und Weber Khan, 2021). Die Forschung bek\u00e4me nicht nur Daten \u00fcber die Kognition, sondern auch Daten \u00fcber die Partizipation, kurz, \u00fcber den demokratischen Forschungs- und Bildungsprozess. Dadurch w\u00e4re der dritte Verwendungszweck des flexiblen Interviews eingel\u00f6st. Die Schule wird ein demokratisches und funktionales System (vgl. Pichon-Rivi\u00e8re, 2003; Cuomo, 2007; Resnick et al., 2015).\r\n\r\nF\u00fcr Kurzberatungen, Einf\u00fchrungskurse oder Supervisionen steht ein Abrufkurs aus dem Dienstleistungsangebot der HfH zur Verf\u00fcgung:\u00a0<a href=\"mailto:dienstleistungen@hfh.ch\">dienstleistungen@hfh.ch<\/a> oder <a href=\"mailto:stefan.meyer@em.hfh.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stefan.meyer@em.hfh.ch<\/a>\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Extras<\/h2>\r\n[private] Link nicht gefunden\r\n\r\nKurse, Termine\r\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.hfh.ch\/de\/weiterbildung\/module-aus-der-ausbildung\">Weiterbildungskurse und Wahlmodule der HfH\u00a0<\/a>\r\n\r\n[private]\r\n\r\nFoto zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einheitsdreieck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einheitsdreieck<\/a> Teppich (Foto A. Galantino)\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Einheitsreieck_Figur_www.jpg\" width=\"307\" height=\"234\" \/>\r\n\r\nFlexible Interviews besprechen<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/351658874_Flexible_Interviews_besprechen_-_Sharing_the_video_2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Link<\/a> und Foto\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/sharing_the_video.jpg\" width=\"370\" height=\"192\" \/>\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/www.educ.cam.ac.uk\/research\/programmes\/tseda\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interessanter Ansatz der Universit\u00e4t Cambridge\u00a0<\/a>\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/cambridge_teach_scheme.png\" width=\"454\" height=\"154\" \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/danilodolci.org\/maieuticareciproca\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Danilo Dolci- maieutica reciproca<\/a> und eine Visualisierung von Ihm\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/dolci_maieutica.png\" width=\"365\" height=\"252\" \/>\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/www.edutopia.org\/video\/simple-strategy-get-students-talking-about-math\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Debate-Inspired-Classroom<\/a> mit Visualisierung\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Debate_Inspired.png\" width=\"346\" height=\"149\" \/>","rendered":"<h2 class=\"Stil5\">Erfahrungen und Kenntnisse vertiefen<\/h2>\n<p>Seit den Anf\u00e4ngen um das Jahr 1926 wurde die Methode kritisch hinterfragt und differenziert (vgl. Piaget, 1999). Nach Bliss (2010) war der Forschungsalltag in Genf wie folgt organisiert. Die Forscherinnen und Forscher (auch Studierende vom ersten Semester an) besuchten jeden Nachmittag! von 13.30-15.30 Uhr Schulen, um Kinder zu interviewen und mit ihnen zusammenarbeiten zu k\u00f6nnen. Der Donnerstagnachmittag war davon ausgenommen. Dieser direkte Zugang zum Testen innerhalb der Schule und die fortlaufende \u00dcberpr\u00fcfung sowie Verfeinerung der Forschung wurden erg\u00e4nzt durch den Austausch an der Universit\u00e4t. Piaget und Inhelder trafen alle Forschenden immer montags von acht bis neun Uhr. Dort wurden die Forschungserfahrungen gestaffelt ausgewertet. Danach wurden Forschungsprojekte besprochen. Das flexible Interview wird weltweit in der Grundlagenforschung der Kognitionspsychologie, in der Erkenntnistheorie und der Lernforschung verwendet.<\/p>\n<p>Drei Verwendungszwecke\u00a0k\u00f6nnen skizziert werden. Der erste nimmt das flexible Interview als Forschungsmethode im Bereich der genetischen Erkenntnistheorie (<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Exkurs_-Zum-ersten-Verwendungszweck-goennen-wir-uns-einen-philosophisch-poetischen-Exkurs-zur-Frage-was-denn-Erkenntnis-sei-und-wie-wir-sie-erlangen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe Exkurs<\/a>). Der zweite bedient sich des flexiblen Interviews in der dynamischen und systemischen Diagnostik. Der dritte setzt das flexible Interview in p\u00e4dagogischen Situationen ein. Dabei werden die fachlichen Kompetenzen der Beteiligten nachhaltig, dialogisch, demokratisch und niveaubewusst differenziert. Lesen Sie dazu eine eindr\u00fcckliche Umschreibung von B\u00e4rbel Inhelder (1963, S. 262), \u00dcbersetzung d. Verf.\u00a0<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/04\/Die-klinische-Methode-erfordert-natuerlich-eine-subtile-Praxis-und-eine-Reihe-von-Vorsichtsmassnahmen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe Link<\/a>.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">La m\u00e9thode clinique exige \u00e9videmment une pratique subtile et un ensemble de pr\u00e9cautions. II faut \u00e9viter autant le danger de sugg\u00e9rer \u00e0 l&#8217;enfant une direction de pens\u00e9e qui n\u2019est pas la sienne, que celui d&#8217;une interpr\u00e9tation na\u00efve qui consisterait \u00e0 attribuer une valeur totale et \u00e9gale \u00e0 tous ses propos. Proc\u00e9der cliniquement signifie se d\u00e9barrasser de toute attitude r\u00e9aliste et interpr\u00e9ter les donn\u00e9es en tant que signes relatifs : c&#8217;est-\u00ad\u00e0-dire savoir organiser une exp\u00e9rience, poser des probl\u00e8mes, conduire la conversation de fa\u00e7on \u00e0 trancher entre plusieurs hypoth\u00e8ses, chercher \u00e0 les contr\u00f4ler tout en observant les faits qui peuvent d\u00e9passer ou contredire les cadres pr\u00e9con\u00e7us; et finalement rendre l&#8217;enfant actif en s&#8217;adaptant \u00e0 chaque cas particulier sans perdre de vue les normes g\u00e9n\u00e9rales, suivre les sinuosit\u00e9s de sa pens\u00e9e tout en la dirigeant vers les points cruciaux. La technique de la conversation clinique ne s&#8217;apprend pas du jour au lendemain; elle exige une longue pr\u00e9paration. C&#8217;est l\u00e0 peut-\u00eatre l&#8217;obstacle principal \u00e0 l&#8217;emploi de nos \u00e9preuves de diagnostic op\u00e9ratoire.<\/p>\n<p class=\"Stil4\">Inhelder, Sinclair, Bovet (1974, S.35) pr\u00e4zisierten die Umschreibung: \u201eLa m\u00e9thode clinique \u2013 plus significativement appel\u00e9e \u201em\u00e9thode d\u2019exploration critique\u201c (\u2026).\u201c Methode der kritischen Exploration.<\/p>\n<p class=\"Stil4\">Ginsburg (1997) beschreibt die klinische Methode (d.i. das flexible Interview) ausf\u00fchrlich als &#8222;a powerful technique&#8220;, um Einsicht in das Denken der Kinder zu gewinnen. Das Buch tr\u00e4gt den Titel &#8222;Entering the Child&#8217;s Mind&#8220;. &#8211; Das Verb &#8222;to enter&#8220; ist sehr bedeutungsreich, und es stellt sich die Frage, welche Bedeutungen zum Tragen kommen, wenn ein flexibles Interview stattfindet. W\u00e4hrend der Auseinandersetzung mit dem Tierfotografen, Vincent Munier (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/dokumentation\/tiere\/unterwegs-in-der-wildnis-vincent-munier-100.html\">Hiroz &amp; Aymon, 2021<\/a>) und in der Besch\u00e4ftigung mit der systemischen Spielp\u00e4dagogik (vgl. Heimlich, 2015) und dem Mathematisieren w\u00e4hrend des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/344348618_Monza_-_Gesellschaftsspiel\">Monza-Projekts<\/a>, ist mir bewusst geworden, dass die Arbeit mit der Methode der kritischen Exploration sch\u00f6n und erschreckend sein kann. Sch\u00f6n ist sie, wenn den forschenden Erwachsenen bewusst ist, dass sie in die\u00a0<em>Sph\u00e4re der Kinder<\/em>\u00a0eintreten und dass sie die Rechte der Kinder achten, \u00e4hnlich der Beobachtungskunst von Vincent Munier. Die Wirkung der Methode ist erschreckend, wenn &#8222;Entering the Child&#8217;s Mind&#8220; zwar trickreich, aber eigentlich autorit\u00e4r, unempathisch und nicht nachhaltig ist. &#8211; Ginsburg (1997, S. 229) will\u00a0<em>unabh\u00e4ngigen Denkern<\/em>\u00a0begegnen. Wie dieses Ziel erreicht wird, kann mit Videoanalysen untersucht werden.<\/p>\n<p class=\"Stil4\">Sedova (2017) erkannte in einer Fallstudie \u00fcber einen Fortbildungsworkshop, dass der \u00dcbergang zum dialogischen Unterrichten ein gradueller, nicht-linearer Prozess ist. Sie beobachtete Phasen der Akzeleration und der Regressionen. Reflektive Interviews spielten in den Ver\u00e4nderungsprozessen eine wichtige Rolle und sie machten m\u00f6glich, dass neue p\u00e4dagogische Werkzeuge erworben werden konnten. &#8211; Das flexible Interview erwies sich bereits in der Studie von Mast (2011) als sehr dynamischer Entwicklungsfaktor im Zusammenhang mit der Lesson-Study.<\/p>\n<p>Bianca Werfeli, SHP, f\u00fchrte 2017 mit einer Sch\u00fclerin ein flexibles Interview durch. Sp\u00e4ter untersuchten sie die Erfahrung mit der Methode\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/351658874_Flexible_Interviews_besprechen_-_Sharing_the_video_2019\">&#8222;sharing the video&#8220;(vgl. Morgan, 2007; Nind et al., 2016, S.159-208)<\/a><\/strong>. Die Fallstudie dokumentiert, wie das FI methodisch erweitert und systemisch p\u00e4dagogisiert werden kann.<\/p>\n<p>Der Austausch w\u00e4hrend Experimenten mit dem FI macht wichtige Differenzierungen sichtbar (vgl. Saxer und Meyer, 2020:\u00a0<a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Austausch_Methode_FI_2020.pdf\">Austausch_Methode_FI_2020<\/a>).<\/p>\n<h2>Der systemische und demokratische Vorbehalt<\/h2>\n<p>Vygotsky (zit. nach Hakkarainen &amp; Bredikyte, 2008, S. 4) unterschied im Zusammenhang mit der Zone der n\u00e4chsten Entwicklung zwei Formen der Rationalit\u00e4t: die logisch-analytische und die narrative. Hakkarainen &amp; Bredikyte, (2008) stellen fest, dass in der westlichen Tradition beim Scaffolding (differenzierte Lernprozessbegleitung) vor allem das L\u00f6sen von kognitiven Problemen durch Individuen thematisiert werde. Dabei habe Vygostky darauf hingewiesen, dass Lernentwicklung auch im Spiel stattfinde und dass die sozio-kulturellen Faktoren bedeutsamere Spuren hinterlassen. Diese w\u00fcrden auch eine psychologische Wirkung erzeugen, welche darin besteht, dass das Kind in ausserschulischen Situationen nicht nur den rationalen L\u00f6sungsweg erinnere, sondern eine Szene mit Peers, mit Lehrperson, mit Aufgaben, L\u00f6sungswegen und einem sozialen, empathischen und geistreichen Klima. &#8211; Das bedeutet f\u00fcr die Vertiefung des flexiblen Interviews, dass die Erwachsenen koh\u00e4rent und rigoros mit der <em>narrativen Rationalit\u00e4t\u00a0<\/em>arbeiten lernen. Weiter sollten die Aufgaben und Probleme aus der Lebenswirklichkeit und den Spielen der Kinder ausgew\u00e4hlt werden. Das Scaffolding und das flexible Interview w\u00fcrden als kreatives Mitgestalten und Mitspielen mit Blick auf die Zone der n\u00e4chsten Entwicklung erscheinen. Danilo Dolci (2016) umschreibt das in einem Gedicht.<\/p>\n<p><cite>&#8222;La maieutica \u00e8 buona se in un gruppo<\/cite><\/p>\n<p><cite>ognuno \u00e8 levatrice di ciascuno.&#8220;\u00a0<\/cite>(Danilo Dolci, 2016, S. 251: poema umano, proverbi improvvisati)<\/p>\n<p>\u00abM\u00e4eutik ist gut, wenn in Gruppen<br \/>\nAlle Hebamme aller sind.\u00bb (\u00dcbers. d.d. Verf.)<\/p>\n<p>Reziprokes Forschen und reziprokes Unterrichten \u00fcberwinden die Paradoxien von pseudosystemischen Ans\u00e4tzen. Das &#8222;improvisierte Sprichwort&#8220; von Danilo Dolci ( 2016, S. 251) t\u00f6nt es an: \u00abM\u00e4eutik ist gut, wenn in Gruppen \/ Alle Hebamme aller sind.\u00bb Das wird m\u00f6glich, wenn die Fachpersonen eine (Gruppen-) Kultur aufrecht erhalten, in welcher die notwendigen manifesten Programme offen bleiben f\u00fcr die latenten Programme (vgl. Pichon-Rivi\u00e8re, 2003; Cuomo, 2007). Es wird m\u00f6glich, wenn die Methode des flexiblen Interviews die Partizipation und die Partizipationsrechte gezielt und bewusst ausbaut (vgl. Hotz und Weber Khan, 2021). Die Forschung bek\u00e4me nicht nur Daten \u00fcber die Kognition, sondern auch Daten \u00fcber die Partizipation, kurz, \u00fcber den demokratischen Forschungs- und Bildungsprozess. Dadurch w\u00e4re der dritte Verwendungszweck des flexiblen Interviews eingel\u00f6st. Die Schule wird ein demokratisches und funktionales System (vgl. Pichon-Rivi\u00e8re, 2003; Cuomo, 2007; Resnick et al., 2015).<\/p>\n<p>F\u00fcr Kurzberatungen, Einf\u00fchrungskurse oder Supervisionen steht ein Abrufkurs aus dem Dienstleistungsangebot der HfH zur Verf\u00fcgung:\u00a0<a href=\"mailto:dienstleistungen@hfh.ch\">dienstleistungen@hfh.ch<\/a> oder <a href=\"mailto:stefan.meyer@em.hfh.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stefan.meyer@em.hfh.ch<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h2>Extras<\/h2>\n<p> Link nicht gefunden<\/p>\n<p>Kurse, Termine<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hfh.ch\/de\/weiterbildung\/module-aus-der-ausbildung\">Weiterbildungskurse und Wahlmodule der HfH\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Foto zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einheitsdreieck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einheitsdreieck<\/a> Teppich (Foto A. Galantino)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Einheitsreieck_Figur_www.jpg\" width=\"307\" height=\"234\" alt=\"image\" \/><\/p>\n<p>Flexible Interviews besprechen<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/351658874_Flexible_Interviews_besprechen_-_Sharing_the_video_2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Link<\/a> und Foto<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/sharing_the_video.jpg\" width=\"370\" height=\"192\" alt=\"image\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.educ.cam.ac.uk\/research\/programmes\/tseda\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interessanter Ansatz der Universit\u00e4t Cambridge\u00a0<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/cambridge_teach_scheme.png\" width=\"454\" height=\"154\" alt=\"image\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/danilodolci.org\/maieuticareciproca\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Danilo Dolci- maieutica reciproca<\/a> und eine Visualisierung von Ihm<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/dolci_maieutica.png\" width=\"365\" height=\"252\" alt=\"image\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.edutopia.org\/video\/simple-strategy-get-students-talking-about-math\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Debate-Inspired-Classroom<\/a> mit Visualisierung<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Debate_Inspired.png\" width=\"346\" height=\"149\" alt=\"image\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfahrungen und Kenntnisse vertiefen Seit den Anf\u00e4ngen um das Jahr 1926 wurde die Methode kritisch hinterfragt und differenziert (vgl. Piaget, 1999). Nach Bliss (2010) war der Forschungsalltag in Genf wie folgt organisiert. Die Forscherinnen und Forscher (auch Studierende vom ersten Semester an) besuchten jeden Nachmittag! von 13.30-15.30 Uhr Schulen, um Kinder zu interviewen und mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2160,"menu_order":7,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-87","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/87","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2160"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/87\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":580,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/87\/revisions\/580"}],"part":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/87\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=87"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=87"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=87"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}