{"id":36,"date":"2024-08-26T14:06:10","date_gmt":"2024-08-26T12:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/?post_type=chapter&#038;p=36"},"modified":"2026-04-09T07:11:34","modified_gmt":"2026-04-09T05:11:34","slug":"gute-exploration-gutes-flexibles-interview-bausteine","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/chapter\/gute-exploration-gutes-flexibles-interview-bausteine\/","title":{"raw":"Gute Exploration, gutes flexibles Interview - Bausteine","rendered":"Gute Exploration, gutes flexibles Interview &#8211; Bausteine"},"content":{"raw":"Rabbi Bekri: \"Das Zentrum ist vielleicht die Verschiebung der Frage.\" (Edmond Jab\u00e8s, zit. nach Derrida, 1976, S. 446)\r\n\r\nZur Einf\u00fchrung in die Methode wurden die Hinweise und der didaktische Aufbau von Ginsburg (1987) verwendet und erg\u00e4nzt. Die Erg\u00e4nzungen sind notwendig, damit die Methode nicht als Abfragen und dekontextualisiertes Testen von psychologischen \"Faktoren\" missverstanden wird. Die Methode soll bedeutsame und gute (Forschungs-) Praxis der Psychologie und P\u00e4dagogik in einer Situation gew\u00e4hrleisten.\r\n\r\nDie Verschiebung der Frage nach Rabbi Bekri f\u00e4llt leichter, wenn auf Suggestion verzichtet wird. Das erfordert Lehrzeit. Piaget (1999, S. 26-27) machte deutlich: \"Man darf nicht meinen, das Suggerieren lasse sich leicht vermeiden. Eine lange Lehrzeit ist n\u00f6tig, bis man die vielen m\u00f6glichen Formen des Suggerierens erkennen und vermeiden kann. Zwei Spielarten sind besonders gef\u00e4hrlich, die Suggestion durch das Wort und die Suggestion durch hartnackiges Beharren.\"\r\n\r\nGirtler (2009) hat im Zusammenhang mit der Feldforschung eine bemerkenswerte Unterscheidung eingebracht, die auch im Feld der P\u00e4dagogik eine grundlegende Rolle spielt. Die Methode der kritischen Exploration ist in erster Linie ein Gespr\u00e4ch, eine \"conversation libre\". Interviews und das Abfragen setzen die Personen unter Druck. Girtler (2009, S. 70) erinnert an Gespr\u00e4che in der Odyssee von Homer und definiert den Begriff des \u00abero-epischen Gespr\u00e4chs\u00bb:\r\n\r\n\"Beim ero-epischen Gespr\u00e4ch sind beide, Forscher und Gespr\u00e4chspartner, m\u00f6glichst gleichgestellt. Im Eigenschaftswort \"ero-episch\" stecken die altgriechischen W\u00f6rter \"Erotema\" und \"Epos\". \"Erotema\" hei\u00dft die \"Frage\" beziehungsweise \"eromai\" fragen, befragen und nachforschen. Und \"Epos\" bedeutet \"Erz\u00e4hlung\". \"Nachricht\", \"Kunde\", aber auch \"G\u00f6tterspruch\", beziehungsweise \"eipon\" \"erz\u00e4hlen\". Der von mir erfundene Begriff \"ero-episches\" Gespr\u00e4ch in der Tradition von Homer soll also darauf verweisen, dass Fragen und Erz\u00e4hlungen kunstvoll miteinander im Gespr\u00e4ch verwoben werden. Eben auf das kommt es beim Forschungsgespr\u00e4ch an. Der Terminus ero-episches Gespr\u00e4ch dr\u00fcckt das gut aus. Wenn man bei Homer nachliest, versteht man, was ich mit diesem will. (\u2026)\r\nDiese Gespr\u00e4che finden bei Homer meist in einer Situation statt, in der sich die Beteiligten wohlf\u00fchlen, (\u2026).\"\r\n\r\nAuf den verlinkten Seiten werden f\u00fcnf Dimensionen erl\u00e4utert. Zur Vertiefung wird auf Inhelder, Sinclair &amp; Bovet (1974), auf Wittmann (1982) und auf Inhelder &amp; de Caprona (1992) verwiesen.\r\n\r\nTipp: Halten Sie sich\u00a0nicht kleinschrittig\u00a0an schriftliche Empfehlungen oder an Musterfragen. Platon hatte im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Audible-Phaidros-Dialoge-Teil-4\/dp\/B09QT1HXXG\/ref=sr_1_6?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1A338HI7EHXJN&amp;keywords=phaidros&amp;qid=1648041871&amp;sprefix=phaidros%2Caps%2C84&amp;sr=8-6\">Phaidros<\/a>\u00a0darauf hingewiesen, dass die Wahrheit \u00fcber Inhalte und Theoreme von gr\u00f6sserer erkenntnistheoretischer Bedeutung und Tragweite (<em>timiotera<\/em>) eher in der Dialektik eines Gespr\u00e4chs gefunden werden kann als in einer Schrift. Das gilt auch von den Scripts von flexiblen Interviews (vgl. Szles\u00e1k, 2021, S. 163f.). Versuchen Sie deshalb von Anfang an, differenzierend, dialektisch und sch\u00f6pferisch zu arbeiten.\u00a0<em>Das Denken ist etwas Systemisches<\/em>. Die wirkungsvollste Einf\u00fchrung besteht darin, dass man ein flexibles Interview vorbereitet, durchf\u00fchrt und auswertet - inhaltlich - methodisch \u2013 methodologisch.\r\n\r\n[private]\r\n\r\nLinks sind vom Interview, aber auf einer erweiterten Seite, Link nicht digital.hfh sonder Interview.hfh (alte Seite)\r\n<ul>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Exkurs_-Zum-ersten-Verwendungszweck-goennen-wir-uns-einen-philosophisch-poetischen-Exkurs-zur-Frage-was-denn-Erkenntnis-sei-und-wie-wir-sie-erlangen-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Allgemeiner Rat<\/a>\r\n<ul>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Transkript_FI.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transkript FI<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Exkurs_-Zum-ersten-Verwendungszweck-goennen-wir-uns-einen-philosophisch-poetischen-Exkurs-zur-Frage-was-denn-Erkenntnis-sei-und-wie-wir-sie-erlangen-2.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beziehung herstellen<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Exkurs_-Zum-ersten-Verwendungszweck-goennen-wir-uns-einen-philosophisch-poetischen-Exkurs-zur-Frage-was-denn-Erkenntnis-sei-und-wie-wir-sie-erlangen-3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Denkprozesse aufdecken<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Wie-das-denken-vor-sich-geht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschreiben, wie das Denken vor sich geht<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/03\/Kompetenz-beurteilen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kompetenz beurteilen<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n[\/private]\r\n\r\nIm Dokumentarfilm in franz\u00f6sischer Sprache von RTS, 05.03.1974, erl\u00e4utert Piaget seine Forschungen, welche durch Filmdokumente illustriert werden. Zudem gibt er genauere Einblicke in die verschiedenen Entwicklungsstufen des Kindes. Piaget beschreibt sein lebenslanges Credo, ein Psychologe im Dienst der Erkenntnistheorie zu sein.\r\n\r\nVisualisierung von Piagets Methode:\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Methode_Piaget.png\" width=\"224\" height=\"236\" \/>\r\n<div>\r\n<h2>Flexible Interviews erweitern den Handlungsspielraum von Lehrpersonen<\/h2>\r\nKonventionelle Testmethoden oder das Beobachten allein f\u00fchren auch die P\u00e4dagogik rasch an Grenzen der Erkenntnis. Flexible Interviews in Gruppen schaffen offene, operative und erkenntnisorientierte\u00a0Unterrichtssituationen. Die Methode erzeugt Einsichten bei den Lernenden\u00a0<em>und<\/em>\u00a0den Lehrenden, Einsichten in das Thema und Einsichten in die Methode. Wer mit Kindern arbeitet oder spielt, kann diese Prozesse ohne Umschweife erfahren.\r\n\r\nDabei wird erneut bewusst, dass Spiel-, Bildungs- und Erziehungssituationen immer\u00a0eine Ganzheit bilden, welche mehr ist als die Summe von zig flexiblen Interviews oder von zig Lernposten oder Erziehungsschritten. In Anlehnung an Lurija (1993; vgl. auch Cuomo, 2007) betritt man dabei\u00a0das Feld der romantischen Wissenschaften. Diese erschiessen den Reichtum des Lebens nicht mit k\u00fcnstlich aufgeteilten Faktoren und statistischen Modellen, sondern sie portraitieren Erfahrungsdaten von Personen in Situationen..\r\n\r\nDiese Webseite enth\u00e4lt theoretische und praktische Beispiele zu diesem Thema. Spiele eignen sich ganz besonders, um den Nutzen der Methode f\u00fcr die P\u00e4dagogik und die Fachdidaktik zu erkunden und zu exemplifizieren.\r\n\r\nNachdenken \u00fcber Bildung wird der pragmatischen Erkenntnistheorie zugeordnet (Rorty, 1987). \u201eUnter Umst\u00e4nden\u00a0<em>sagt man einfach etwas<\/em>\u00a0\u2013 man leistet keinen Forschungsbeitrag, sondern man partizipiert an einem Gespr\u00e4ch\u201c (ebd., S. 402). Ein flexibles Interview zu machen, ist operative Partizipation: \"Vamos caminando\", man macht sich auf den Weg mit dieser Hebammenkunst. So entwickeln sich P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen auch zu bildenden Philosophen. Die Verh\u00e4ltnisse \u00e4hneln dem<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.13140\/RG.2.2.11425.74084\">\u00a0Menon-Dialog<\/a>. Der Dialog zwischen Sokrates und Menon ist bildende Philosophie. Er ist auch theoretische Konversation, welche die Erkenntnistheorie der Bildung weiterentwickelt.\r\n\r\nDas P\u00e4dagogische ist z.B. die echte Auseinandersetzung mit einer Geometrieaufgabe wie zwischen Sokrates und dem Knaben. Der operative Dialog wird Text literarisch rekonstituiert. Nach Derrida (2014) symbolisieren die Texte Sokrates in Platon und Platon in Sokrates angesichts einer philosophischen Aufgabe. Bildung erscheint als einzigartiger, existenzieller Akt zwischen Personen und einer Sache, sie erscheint auch als fortlaufende Verschiebung der Fragen, wie es Edmond Jab\u00e8s dem Rabbi Bekri in den Mund gelegt hat. Das Verschieben von Fragen treibt das Forschen und die Praxis an.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<h2>Extras<\/h2>\r\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aThEQQqgsNY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\"So nicht!\"-Ein fragw\u00fcrdiges Interview. Film \"Taylor Clinical Interview\".<\/a>\r\n\r\n<\/div>\r\n&nbsp;\r\n<div><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Piaget-Vygotsky-Social-Genesis-Thought\/dp\/0863774148\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1336483476&amp;sr=8-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berthold und Kilcher (1996) protr\u00e4tieren die Forschungsmethoden von Piaget und Vygotsky.<\/a><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Pia_Vyg.jpg\" width=\"122\" height=\"195\" \/><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div>Bild von Jean Piaget und Konstanz Kamii (Fondation Piaget)<\/div>\r\n<div><img class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/piaget_kamii_fp.jpg\" width=\"334\" height=\"217\" \/><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div>[private] Link nicht gefunden<\/div>\r\n<div><a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/constancekamii\/Kamii\">Constance Kamii<\/a>\u00a0Videos, Artikel, Materialien<\/div>\r\n<div><img src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Kamii_2005.jpg\" \/><\/div>\r\n<div>[\/private]<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><\/div>","rendered":"<p>Rabbi Bekri: &#8222;Das Zentrum ist vielleicht die Verschiebung der Frage.&#8220; (Edmond Jab\u00e8s, zit. nach Derrida, 1976, S. 446)<\/p>\n<p>Zur Einf\u00fchrung in die Methode wurden die Hinweise und der didaktische Aufbau von Ginsburg (1987) verwendet und erg\u00e4nzt. Die Erg\u00e4nzungen sind notwendig, damit die Methode nicht als Abfragen und dekontextualisiertes Testen von psychologischen &#8222;Faktoren&#8220; missverstanden wird. Die Methode soll bedeutsame und gute (Forschungs-) Praxis der Psychologie und P\u00e4dagogik in einer Situation gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Die Verschiebung der Frage nach Rabbi Bekri f\u00e4llt leichter, wenn auf Suggestion verzichtet wird. Das erfordert Lehrzeit. Piaget (1999, S. 26-27) machte deutlich: &#8222;Man darf nicht meinen, das Suggerieren lasse sich leicht vermeiden. Eine lange Lehrzeit ist n\u00f6tig, bis man die vielen m\u00f6glichen Formen des Suggerierens erkennen und vermeiden kann. Zwei Spielarten sind besonders gef\u00e4hrlich, die Suggestion durch das Wort und die Suggestion durch hartnackiges Beharren.&#8220;<\/p>\n<p>Girtler (2009) hat im Zusammenhang mit der Feldforschung eine bemerkenswerte Unterscheidung eingebracht, die auch im Feld der P\u00e4dagogik eine grundlegende Rolle spielt. Die Methode der kritischen Exploration ist in erster Linie ein Gespr\u00e4ch, eine &#8222;conversation libre&#8220;. Interviews und das Abfragen setzen die Personen unter Druck. Girtler (2009, S. 70) erinnert an Gespr\u00e4che in der Odyssee von Homer und definiert den Begriff des \u00abero-epischen Gespr\u00e4chs\u00bb:<\/p>\n<p>&#8222;Beim ero-epischen Gespr\u00e4ch sind beide, Forscher und Gespr\u00e4chspartner, m\u00f6glichst gleichgestellt. Im Eigenschaftswort &#8222;ero-episch&#8220; stecken die altgriechischen W\u00f6rter &#8222;Erotema&#8220; und &#8222;Epos&#8220;. &#8222;Erotema&#8220; hei\u00dft die &#8222;Frage&#8220; beziehungsweise &#8222;eromai&#8220; fragen, befragen und nachforschen. Und &#8222;Epos&#8220; bedeutet &#8222;Erz\u00e4hlung&#8220;. &#8222;Nachricht&#8220;, &#8222;Kunde&#8220;, aber auch &#8222;G\u00f6tterspruch&#8220;, beziehungsweise &#8222;eipon&#8220; &#8222;erz\u00e4hlen&#8220;. Der von mir erfundene Begriff &#8222;ero-episches&#8220; Gespr\u00e4ch in der Tradition von Homer soll also darauf verweisen, dass Fragen und Erz\u00e4hlungen kunstvoll miteinander im Gespr\u00e4ch verwoben werden. Eben auf das kommt es beim Forschungsgespr\u00e4ch an. Der Terminus ero-episches Gespr\u00e4ch dr\u00fcckt das gut aus. Wenn man bei Homer nachliest, versteht man, was ich mit diesem will. (\u2026)<br \/>\nDiese Gespr\u00e4che finden bei Homer meist in einer Situation statt, in der sich die Beteiligten wohlf\u00fchlen, (\u2026).&#8220;<\/p>\n<p>Auf den verlinkten Seiten werden f\u00fcnf Dimensionen erl\u00e4utert. Zur Vertiefung wird auf Inhelder, Sinclair &amp; Bovet (1974), auf Wittmann (1982) und auf Inhelder &amp; de Caprona (1992) verwiesen.<\/p>\n<p>Tipp: Halten Sie sich\u00a0nicht kleinschrittig\u00a0an schriftliche Empfehlungen oder an Musterfragen. Platon hatte im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Audible-Phaidros-Dialoge-Teil-4\/dp\/B09QT1HXXG\/ref=sr_1_6?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1A338HI7EHXJN&amp;keywords=phaidros&amp;qid=1648041871&amp;sprefix=phaidros%2Caps%2C84&amp;sr=8-6\">Phaidros<\/a>\u00a0darauf hingewiesen, dass die Wahrheit \u00fcber Inhalte und Theoreme von gr\u00f6sserer erkenntnistheoretischer Bedeutung und Tragweite (<em>timiotera<\/em>) eher in der Dialektik eines Gespr\u00e4chs gefunden werden kann als in einer Schrift. Das gilt auch von den Scripts von flexiblen Interviews (vgl. Szles\u00e1k, 2021, S. 163f.). Versuchen Sie deshalb von Anfang an, differenzierend, dialektisch und sch\u00f6pferisch zu arbeiten.\u00a0<em>Das Denken ist etwas Systemisches<\/em>. Die wirkungsvollste Einf\u00fchrung besteht darin, dass man ein flexibles Interview vorbereitet, durchf\u00fchrt und auswertet &#8211; inhaltlich &#8211; methodisch \u2013 methodologisch.<\/p>\n<p>Im Dokumentarfilm in franz\u00f6sischer Sprache von RTS, 05.03.1974, erl\u00e4utert Piaget seine Forschungen, welche durch Filmdokumente illustriert werden. Zudem gibt er genauere Einblicke in die verschiedenen Entwicklungsstufen des Kindes. Piaget beschreibt sein lebenslanges Credo, ein Psychologe im Dienst der Erkenntnistheorie zu sein.<\/p>\n<p>Visualisierung von Piagets Methode:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Methode_Piaget.png\" width=\"224\" height=\"236\" alt=\"image\" \/><\/p>\n<div>\n<h2>Flexible Interviews erweitern den Handlungsspielraum von Lehrpersonen<\/h2>\n<p>Konventionelle Testmethoden oder das Beobachten allein f\u00fchren auch die P\u00e4dagogik rasch an Grenzen der Erkenntnis. Flexible Interviews in Gruppen schaffen offene, operative und erkenntnisorientierte\u00a0Unterrichtssituationen. Die Methode erzeugt Einsichten bei den Lernenden\u00a0<em>und<\/em>\u00a0den Lehrenden, Einsichten in das Thema und Einsichten in die Methode. Wer mit Kindern arbeitet oder spielt, kann diese Prozesse ohne Umschweife erfahren.<\/p>\n<p>Dabei wird erneut bewusst, dass Spiel-, Bildungs- und Erziehungssituationen immer\u00a0eine Ganzheit bilden, welche mehr ist als die Summe von zig flexiblen Interviews oder von zig Lernposten oder Erziehungsschritten. In Anlehnung an Lurija (1993; vgl. auch Cuomo, 2007) betritt man dabei\u00a0das Feld der romantischen Wissenschaften. Diese erschiessen den Reichtum des Lebens nicht mit k\u00fcnstlich aufgeteilten Faktoren und statistischen Modellen, sondern sie portraitieren Erfahrungsdaten von Personen in Situationen..<\/p>\n<p>Diese Webseite enth\u00e4lt theoretische und praktische Beispiele zu diesem Thema. Spiele eignen sich ganz besonders, um den Nutzen der Methode f\u00fcr die P\u00e4dagogik und die Fachdidaktik zu erkunden und zu exemplifizieren.<\/p>\n<p>Nachdenken \u00fcber Bildung wird der pragmatischen Erkenntnistheorie zugeordnet (Rorty, 1987). \u201eUnter Umst\u00e4nden\u00a0<em>sagt man einfach etwas<\/em>\u00a0\u2013 man leistet keinen Forschungsbeitrag, sondern man partizipiert an einem Gespr\u00e4ch\u201c (ebd., S. 402). Ein flexibles Interview zu machen, ist operative Partizipation: &#8222;Vamos caminando&#8220;, man macht sich auf den Weg mit dieser Hebammenkunst. So entwickeln sich P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen auch zu bildenden Philosophen. Die Verh\u00e4ltnisse \u00e4hneln dem<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.13140\/RG.2.2.11425.74084\">\u00a0Menon-Dialog<\/a>. Der Dialog zwischen Sokrates und Menon ist bildende Philosophie. Er ist auch theoretische Konversation, welche die Erkenntnistheorie der Bildung weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Das P\u00e4dagogische ist z.B. die echte Auseinandersetzung mit einer Geometrieaufgabe wie zwischen Sokrates und dem Knaben. Der operative Dialog wird Text literarisch rekonstituiert. Nach Derrida (2014) symbolisieren die Texte Sokrates in Platon und Platon in Sokrates angesichts einer philosophischen Aufgabe. Bildung erscheint als einzigartiger, existenzieller Akt zwischen Personen und einer Sache, sie erscheint auch als fortlaufende Verschiebung der Fragen, wie es Edmond Jab\u00e8s dem Rabbi Bekri in den Mund gelegt hat. Das Verschieben von Fragen treibt das Forschen und die Praxis an.<\/p>\n<hr \/>\n<h2>Extras<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aThEQQqgsNY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;So nicht!&#8220;-Ein fragw\u00fcrdiges Interview. Film &#8222;Taylor Clinical Interview&#8220;.<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Piaget-Vygotsky-Social-Genesis-Thought\/dp\/0863774148\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1336483476&amp;sr=8-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berthold und Kilcher (1996) protr\u00e4tieren die Forschungsmethoden von Piaget und Vygotsky.<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/Pia_Vyg.jpg\" width=\"122\" height=\"195\" alt=\"image\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Bild von Jean Piaget und Konstanz Kamii (Fondation Piaget)<\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/interview\/wp-content\/uploads\/sites\/81\/2025\/01\/piaget_kamii_fp.jpg\" width=\"334\" height=\"217\" alt=\"image\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rabbi Bekri: &#8222;Das Zentrum ist vielleicht die Verschiebung der Frage.&#8220; (Edmond Jab\u00e8s, zit. nach Derrida, 1976, S. 446) Zur Einf\u00fchrung in die Methode wurden die Hinweise und der didaktische Aufbau von Ginsburg (1987) verwendet und erg\u00e4nzt. 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