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Das flexible Interview

Das flexible Interview als Methode der Prozessdiagnostik

Statusdiagnostik erfasst den aktuellen Leistungsstand oder das erreichte Kompetenzniveau zu einem bestimmten Zeitpunkt. Prozessdiagnostik untersucht hingegen, wie Kinder und Jugendliche denken, lernen und zu ihren Lösungen gelangen; sie kann auch als Verlaufsdiagnostik verstanden werden, indem sie Entwicklungen über die Zeit hinweg sichtbar macht.

Für die Statusdiagnostik und teilweise auch für die Verlaufsdiagnostik werden häufig standardisierte Tests eingesetzt, da sie vergleichbare Ergebnisse liefern. Für die Prozessdiagnostik greifen solche Tests jedoch zu kurz, weil sie Denkwege und Strategien nur unzureichend erfassen. Deshalb braucht es ergänzend andere methodische Zugänge. Eine zentrale Methode dafür ist das flexible Interview.

Im Unterschied zur Statusdiagnostik richtet sich das flexible Interview auf Prozessdiagnostik. Es macht Denkwege, Strategien und Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar und eröffnet damit gezielte Ansätze für Förderung und Unterrichtsgestaltung.

Das flexible Interview – zwischen Beobachten, Befragen, Experimentieren und Testen

Das flexible Interview besteht aus dem kreativen und kritisch-explorativen Einsatz von Beobachtung, Befragung, Experiment und Test (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Situation, Aufgabe und Dynamik des flexiblen Interviews

In den Worten von Jean Piaget: „Von Anfang an habe ich das gemacht, was ich seither tue: qualitative Analysen, anstatt Statistiken über richtige und falsche Antworten zu erstellen“ (zit. nach Bringuier, 1977, S. 24; Übersetzung S. Meyer).

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Das flexible Interview Copyright © Stefan L. Meyer und Priska Hagmann-von Arx. Alle Rechte vorbehalten.